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  1. #1
    Icke01 ist offline Stranger

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    Standard ADS gleich Sonderschule?

    Hallo,

    meine Tochter (11 Jahre alt) ist wiedermal in Therapeutischer Behandlung. Sie ist jetzt allerdings in einer Klinik, in der ambulant eine Diagnose erstellt wird, mit den dazugehörigen Tests.
    Am besten fange ich von vorne an.

    Sie ist mein 3. Kind und die Geburt war normal, jedoch war sie ein Schreikind. Sie brüllte das ganze Krankenhaus zusammen und lies sich einfach nicht beruhigen, ich konnte machen was ich wollte, nichts half. Das zog sich zu Hause auch noch eine ganze Weile hin und ich war am Ende meiner Nerven.

    Im Kindergarten ging der Streß anders weiter. Sie wurde aggressiv, schlug andere Kinder, zog ihnen in den Haaren usw. das meist aus banalen Gründen. Einmal war sie eifersüchtig, weil ein anderes Kind eine schönere Hose an hatte, mein Kind stand auf, ging zu dem Mädchen hin und zog ihr in den Haaren.
    Die Erzieherinnen waren völlig überfordert und schlossen sie teilweise aus dem Stuhlkreis aus, weil sie sich nicht an die Regeln halten wollte.

    Da sie Entwicklungsverzögert ist, was auch den sprachlichen Teil betrifft, hielten wir es für das Beste sie in einer Integrationsgruppe im Kindergarten unterzubringen aber auch da gab es die gleichen Schwierigkeiten. Einmal musste ich sie aus dem Kindergarten abholen, weil sie ein anderes Kind gewürgt hat.
    Auf anraten einer Erzieherin sind wir mit ihr das erste Mal zu einem Psychologen, der nach ein paar Tests nur sagte, das sie lernbehindert sei und deshalb so reagiere. Eine wirkliche Diagnose oder gar Hilfe gab es nicht.

    Nach dem Kindergarten kam sie in eine Sprachheilschule, die wirklich gut geholfen hat. Allerdings gab es auch da Probleme, was ihr Verhalten anging. Wieder wurde uns ein Psychologe empfohlen und wieder gingen wir mit ihr dahin. Nach den Intelligenstest, wurde uns gesagt, das sie nicht lernbehindert ist, noch gerade im Durchschnitt. Der Psychologe riet uns zu einer LOK, eine Gruppe in der Verhaltensauffällige Kinder sich Nachmittags treffen und durch eine Pädagogin gezielt gesteuert werden, was ihr Verhalten betrifft usw. Das ging eine ganze Weile gut aber auch da wurde es nach einer Zeit für die Pädagogin recht schwer. Aus der Gruppe durften wir sie auch mal früher abholen, weil meine Tochter meinte einfach abhauen zu können, weil es da ja doof sei. Regeln waren also noch nie ihr Ding. Die Pädagogin hat dann auch einfach irgendwann aufgegeben und wir liesen die Gruppe auslaufen, ohne das sich letztlich etwas an meiner Tochter gebessert hat.

    Jetzt geht sie in eine normale Grundschule, ist Aufgrund der Sprachheilschule ein Klassenjahr zurück.
    Die Probleme wurden nicht besser, ihre Lehrerin ist fertig mit den Nerven, der Schulleiter hat jetzt angewiesen, das sie nur für zwei Stunden in der Schule bleibt und dann nach Hause fährt. Nächste Woche steht eine Klassenfahrt an, da darf meine Tochter aber nicht teilnehmen, wegen ihrem Verhalten.
    Sie steht mitten im Unterricht auf, verlässt das Zimmer weil sie arge probleme mit dem Unterrichtsstoff hat. Freunde hat sie in der Schule keine, die Kinder meiden sie, weil meine Tochter unberechenbar ist was ihre Stimmung betrifft. Sie zerreist ihre Schulhefte, malt sie voll, beschimpft die Lehrer usw. usw.
    Und wiedermal gab es ein Gespräch mit dem Schulleiter und einer Förderlehrerin, die meine Tochter 2x die Woche im Unterricht unterstützt. Sowohl der Schulleiter als auch die Förderlehrerin meinten es wäre besser für meine Tochter sie zu einer Sonderschule zu schicken, weil sie in ihrer jetzigen Klase überfordert ist. Des weiteren sollten wir eine Klinik in betracht ziehen und uns eine Diagnose geben lassen. Letzteres wird gerade gemacht.

    Ich bin hin und hergerissen, mein Mann und ich wissen einfach nicht weiter. Ich möchte im Grunde nicht das sie zur Sonderschule geht aber mir bleibt auch irgendwie keine andere Wahl. Ich denke nicht das sich meine Tochter besser verhalten würde, wenn sie zur Sonderschule geht, das eigentliche Problem (ihr Verhalten) bleibt auch auf der Sonderschule sicherlich bestehen.
    Wir sagten dem Schulleiter das wir erstmal die Diagnose abwarten möchten, die jetzt in der Klinik gestellt werden wird und wir uns danach entscheiden. Nun wird aber Druck gemacht, seitens des Schulleiters, der Lehrerin und der Förderlehrerin. Die Lehrerin ruft an, weil wieder irgendwelche Hefte, Stifte usw. fehlen, die Förderlehrerin (die in der Sonderschule tätig ist), schreibt ins Hausaufgaben Heft das sich meine Tochter nun total verschließen würde und noch weiter zurückfällt, der Schulleiter hat eben angeordnet das meine Tochter nur noch zwei Stunden in der Schule bleiben darf und nicht mit zur Klassenfahrt kommt.

    Wir sind ratlos, wenn es sich jetzt in der Klinik herausstellt das sich meine Tochter nur so verhält, weil sie Unterdurchschnittlich ist, geben wir nach und sie kommt zur Sonderschule. Was aber wenn sie ADS hat (was ich schon seit der Kindergartenzeit vermute aber immer wieder nur belächelt wurde), sollte sie dann trotzdem zur Sonderschule? Ist nicht gerade Inklusion ein grosses Thema? Und wenn wir sagen, sie nimmt Medis, könnte sie doch an einem normalen Unterricht teilnehmen?

    Wir sind am Ende unserer Möglichkeiten angelangt und zerrt an unseren Nerven. Es ist nicht nur die Schule, sondern auch das Verhalten unserer Tochter.
    Gibt es hier Jemanden der in einer ähnlichen Situation ist und mich "beraten" kann?

    Danke :-)

    P.s. Auf den Überweisungen steht lediglich Verdacht auf ADS, eine rchtige Diagnose gab es von insgesamt drei Psychologen keine. Für die Psychologen war die Sache klar, Intelligenztest gemacht, durchgefallen, Ursprung ihrer Probleme. Aber wirkliche Hilfe haben wir nie bekommen.

  2. #2
    Fahria ist offline journey (wo)man

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    Standard Re: ADS gleich Sonderschule?

    Hallo ;-)
    Ich bin Förderschullehrerin und berate häufig in solchen Situationen.
    Zuerst einmal finde ich es gut, dass du hier so offen sprichst - man merkt ja, wie euch das beschäftigt und dass ihr nach einer guten Lösung für euer Kind sucht.
    Um dir näher helfen zu können, solltest du bitte aber auch einmal beschreiben, wie sie sich bei euch daheim im gewohnten Umfeld verhält. Du erzählst ja, dass sie anscheinend in größeren Gruppen bzw. mit anderen Kindern auffiel. Das ist nicht ungewöhnlich, einige Eltern erleben ihr Kind daheim ganz anders und können sich z.T. gar nicht vorstellen, was in der Schule etc. geschieht. Wie läuft euer Alltag ab? Hat sie dort auch Probleme, sich an die Regeln zu halten und ist aggressiv?

    Die ADS-Diagnosen laufen sehr gründlich ab, ich denke wenn drei Psychologen bisher keinen Verdacht festgestellt haben, dann ist das für mich seltsam. Es gibt ausreichend Diagnostika, um hier Klarheit zu schaffen, z.B. Tests, in denen die Konzentrationsfähigkeit separat getestet wird oder eben auch Beobachtungsbögen für euch, die Schule etc, durch die man ein umfassendes Bild vom Kind erhält. Wie du wahrscheinich weißt setzt sich dieses AD(H)S aus verschiedenen Teilsymptomen zusammen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität. Evtl. hat sie ja nur Probleme in einem Bereich.

    Ich sage es mal so: Der IQ gerade noch im Durchschnitt muss erst einmal nichts bedeuten. Es gibt genug Kinder mit (über)durchschnittlichem IQ oder solche, die man schon in den Bereich einer Lernbeeinträchtigung einstufen würde. Oft begünstigen sich die Lernschwierigkeiten bzw. das Verhalten gegenseitig: Wer etwas nicht versteht, wird auffällig im Verhalten und wer auffällig ist, kann sich nicht mehr auf den Lernprozess einlassen. Das ist bei manchen eine ewige Spirale..
    Ich persönlich würde schauen, auf welcher Stufe ihrer emotionalen Entwicklung sie steht und versuchen dort anzusetzen. Mit Zielen, die mit ihr GEMEINSAM formuliert werde. Viele Kinder freuen sich, wenn man sie und ihr Problem ernst nimmt und sie bei den Beratungsgesprächen dabei sind, damit es nicht ein "über" das Kind-Gespräch ist, sondern ein Miteinander. Habt ihr das mal versucht? Es kann sein, dass sie genau begründen kann, warum sie so oder so reagiert hat und ihr könnt versuchen solche schwierigen Situationen im Vorfeld zu vermeiden.
    Ich spreche regelmäßig mit meinen Schülern so und ich spiegle ihr Verhalten. Beispiel: Schüler X sitzt angespannt auf seinem Stuhl, krallt sich fest in seine Hosenbeine und schnaubt. Ich gehe hin und sage "Du siehst sehr aufgebracht aus!". Er "Ja!". Ich: "Kannst du mir erklären, was dich aufgeregt hat?". Meist nimmt er das dankbar an, wir gehen kurz nach draußen, klären das und er kann den Rest der Stunde wieder mitmachen, ohne dass etwas geschieht.

    Du siehst also, Ansatzmöglichkeiten gibt es noch genug, ich weiß eben nur nicht, was schon alles gelaufen ist.
    Um seine Frage bzgl. der Förderschule noch zu beantworten:
    Ich arbeite jetzt seit2 Jahren in der Inklusion und war vorher "ganz normal" als Klassenleitung an der Förderschule eingesetzt.
    Ich finde den Grundgedanken schön, es wird aber noch eine Weile dauern, bis das mit der Inklusion für alle Beteiligten (v.a. die Familien) befriedigend umgesetzt wird. Momentan fehlt es an allem, Räume, gut ausgebildetes Personal, Material und und und..
    Ich habe von meinen 40 Kindern, die ich mit 28h betreue (das sagt ja schon alles..) das Gefühl, dass ich bei 4 sagen kann (mit gutem Gewissen), dass sie mehr von der Inklusion haben. Für die meisten wäre der Lerneffekt unter aktuellen Bedingungen wahrscheinlich höher in der Förderschule. Aber das kann auch wieder verschieden sein von Bundesland zu Bundesland. Ich persönlich empfinde die Inklusion leider aktuell als Sparmaßnahme auf Kosten aller. Mehr nicht.

    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen, frag gerne weiter nach, wenn du magst ;-)