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Thema: Kind will bei ihrem Vater leben

  1. #1
    Avatar von Aura
    Aura ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Kind will bei ihrem Vater leben

    Hallo! Mir geht es gerade echt bescheiden. Ich bin traurig und habe Angst. :(

    Meine Tochter (10) hat die Ferien über bei ihrem Vater und seiner Lebensgefährtin verbracht, für die er mich vor 4 Jahren verlassen hat, seit einem Jahr sind wir jetzt geschieden.

    Ich habe echt lange gebraucht, um die Trennung zu verkraften und meine Tochter durchlebt diesen Trennungsschmerz immer wieder auf's neue. Sie vermisst ihren Vater, wenn sie nicht bei ihm ist, sehr schmerzlich. Er lebt in einem anderen Bundesland, stundenlange Autofahrt von ihr entfernt und sie sieht ihn daher nur in den Ferien.

    Sie versteht sich mit seiner Lebensgefährtin gut, glaube ich, und dafür bin ich sehr dankbar. Sie scheint sich auch alle Mühe zu geben. Meine Tochter erzählt nur nie viel, wenn sie da war. Sie sagt, ich soll sie nicht so durchlöchern, obwohl ich das eigentlich überhaupt nicht tue, es scheint ihr aber trotzdem unangenehm zu sein. Sie schweigt also.

    Ich hab immer versucht, trotzdem weiterhin sehr freundlich mit ihrem Vater umzugehen, auch wenn er mich sehr verletzt hat. Wir sind zwar getrennt, die Liebe ist zerbrochen, aber unsere Tochter verbindet uns für immer.

    Meine Tochter ist jetzt seit ein paar Tagen wieder bei mir und sehr sehr abweisend zu mir. Das war sie aber auch schon vorher eine Zeit lang, bevor sie gefahren ist bzw. auch am Telefon, wenn sie mich angerufen hat, wenn sie bei ihm war. Sie hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie ihren Papa mehr liebt als mich. Papa ist eben der Größte, bei ihm macht es viel mehr Spaß, als bei mir. Sowas bekomme ich seit Jahren oft zu hören.

    Jetzt ist sie wieder bei mir und heult sich wie immer in den Schlaf, will aber auch nicht mit mir über ihre Gefühle reden oder sich von mir in den Arm nehmen lassen. Wenn ich sie in den Arm nehme, verkrampft sie sich total, als ob sie das nicht will.

    Jetzt schreibt sie ständig SMS mit ihm (sie hat ein eigenes Handy, damit sie ihn jederzeit anrufen kann) und ich bin neugierig geworden und hab's eben gelesen.

    Zusammengenommen: Sie will zu ihm, traut sich aber nicht, mir das zu sagen. Das hat mir irgendwie den Boden unter den Füßen weggezogen. Ihr Handy quillt nur über davon, sie schreibt, sie will zu ihm, sie vermisst ihn... Vor ein paar Wochen schrieb sie ihm zum Beispiel, als sie noch bei ihm war, dass ihre "Schwestern", die Kinder seiner neuen Frau (nicht seine Kinder), gesagt hätten, dass sie nicht zu ihnen gehören würde. Das hat sie scheinbar sehr verletzt bzw. in Angst versetzt. Sie hat oft das Gefühl, dass seine neue Frau und ihre Kinder ihr den Vater nehmen und das muss für sie unerträglich sein, besonders in der Zeit, wenn sie nicht da sein kann und die Kinder und sie seine volle Aufmerksamkeit genießen.

    Bald fängt die Schule wieder an und sie ist sehr nervös deswegen. Manchmal glaube ich, dass das mit ein Grund ist, warum sie weg will. Die Schule! Die scheint ihr Probleme zu bereiten, obwohl ich deswegen schon oftversucht habe, mit ihr zu reden, aber sie sagt, es wäre nichts, trotzdem ist sie immer sehr nervös. Auch die Lehrer meinen, es wäre alles ok.

    Meine Tochter hat immer ganz viele Bilder im Gepäck, wenn sie zurückkommt, von der Zeit bei ihrem Vater. Ein perfektes Familienleben. Manchmal glaube ich, er gibt ihr deswegen alle diese Bilder mit, weil er will, dass ich sie auch zu sehen bekommen, um zu zeigen, wie gut sie es bei ihm und seiner neuen Familie hat, ja, so als ob er will, dass ich erkenne, sie hat es bei ihm viel besser.

    Wenn ich meine Tochter gehen lasse, ich weiß, dass ich sie dann verlieren werde. Es wäre was anderes, wenn er in der Nähe wohnen würde, aber er wohnt so weit weg, ich würde sie nur in den Ferhen sehen, wenn überhaupt... Ich hab kein Auto, ich könnte sie nicht abholen.

    Ich hasse ihn so sehr dafür jetzt... :( ich bin so traurig, ich weiß nicht, was ich machen soll. Wenn ich sie auch noch verleire, dann bin ich ganz allein... Hab kein gutes Verhältnis zu meinen Eltern, ich hab also keine Familie, meine Tochter ist meine Familie, aber ich kann ihr scheinbar nicht das geben, was sie bei ihm kriegt, eine richtige Familie... :( Kann mich jemand verstehen? Auf der Arbeit sagen mir meine Kollegen, dass ich sie gehen lassen soll, aber das ist so leicht daher gesagt... Sie wäre so weit weg, es ist nicht so, als wohnt er um die Ecke. Ich würde ihre Nähe verlieren, die Kontrolle alles... Ich hätte keinen Einfluss mehr auf sie. Und die Frau, für die er mich verlassen hat, wäre ihre neue Mutter. Ich kann jetzt nicht mehr schreiben, ich sehe nichts mehr... :(

    Nachtrag: Ich glaube, er denkt, dass ich einen Freund habe und sie deswegen zu dringend zu ihm will, den habe ich aber nicht.
    Geändert von Aura (13.08.2012 um 01:56 Uhr)

  2. #2
    Avatar von Shosanna
    Shosanna ist offline Just Mum

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Ich verstehe das Du traurig bist, das wäre ich auch, aber Du musst auch verstehen das Deine Tochter nicht Dir gehört. Sie gehört auch nicht ihrem Vater, sie gehört sich selbst und sie muss ein Mitspracherecht haben, wo sie sein möchte. Die Gefahr das Du sie wirklich für immer verlierst ist nämlich viel größer, wenn Du sie jetzt mit Gewalt hälst und sie unglücklich ist. DAS wird sie Dir nämlich sicher nie verzeihen.
    Wäre es für Dich nicht möglich in seine Nähe zu ziehen? Du schreibst ja selbst, das Du eigentlich niemanden hast außer Deiner Tochter, also könntet Ihr doch umziehen. So eine große Distanz zwischen den Eltern ist sicher schwer für ein Kind.
    Was Du nicht tun darfst ist Dein Kind für Dein Glück verantwortlich zu machen. Sie ist nicht der Ausgleich für dein nicht vorhandenes soziales Umfeld. Kann es vielleicht sein das Du sie deswegen zu sehr einengst?
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    Ein Engel hat mich ausgesucht, sein Leben zu begleiten.
    Ich danke Dir mein Liebling!
    Junior 10/09


    **************


  3. #3
    Avatar von Aura
    Aura ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Hallo! Danke für deine Antwort!

    Was meinst du mit einengen? Ich finde nicht, dass ich sie einenge, weil ich mich schwer damit tue, sie "gehen" zu lassen. Sie hat ihre sozialen Kontakte, geht Tanzen, spielt ein Instrument, hat Freundinnen. Es ist wirklich nicht so, dass ich mich jetzt total auf sie fixiere, als Ausgleich für ein nicht vorhandenes soziales Umfeld. Ich hab auch meine Freundin, aber die kann ich ja auch nicht immer in Beschlag nehmen. Ich hab einen Job, der mich auch fordert und einen gewissen Ausgleich bringt.

    Vielleicht ist "sie gehen lassen" auch die falsche Benennung. Klingt ein bisschen so, als hielte ich sie gefangen, was ja nicht so ist.

    Ich finde, das ist keine Entscheidung die man einfach mal so schnell trifft, sondern eine Entscheidung, über die man sich sehr viele Gedanken macht und die mache ich mir eben jetzt. Ich kämpfe mit mir.

    Wenn ich darüber nachdenke, in die Nähe ihres Vater und seiner Lebensgefährtin zu ziehen, macht mich das eher wütend. Alle ziehen quasi in die Nähe dieser Frau, mit der mein Ex-Mann jetzt zusammenlebt, in ihre Stadt, wo ihre Familie, ihre Freunde leben, wo sie ihren Beruf ausübt... Mein Ex-Mann hat schon alles hier für sie aufgegeben und jetzt soll ich das indirekt auch tun? Das macht mich wütend. Vielleicht kannst du das ja nachvollziehen.
    Zitat Zitat von Shosanna Beitrag anzeigen
    Ich verstehe das Du traurig bist, das wäre ich auch, aber Du musst auch verstehen das Deine Tochter nicht Dir gehört. Sie gehört auch nicht ihrem Vater, sie gehört sich selbst und sie muss ein Mitspracherecht haben, wo sie sein möchte. Die Gefahr das Du sie wirklich für immer verlierst ist nämlich viel größer, wenn Du sie jetzt mit Gewalt hälst und sie unglücklich ist. DAS wird sie Dir nämlich sicher nie verzeihen.
    Wäre es für Dich nicht möglich in seine Nähe zu ziehen? Du schreibst ja selbst, das Du eigentlich niemanden hast außer Deiner Tochter, also könntet Ihr doch umziehen. So eine große Distanz zwischen den Eltern ist sicher schwer für ein Kind.
    Was Du nicht tun darfst ist Dein Kind für Dein Glück verantwortlich zu machen. Sie ist nicht der Ausgleich für dein nicht vorhandenes soziales Umfeld. Kann es vielleicht sein das Du sie deswegen zu sehr einengst?
    Geändert von Aura (13.08.2012 um 12:20 Uhr)

  4. #4
    Luthienne ist offline die Optimistische

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Ich bin selber Trennungskind gewesen, und bin über deinen Titel "gestolpert".

    Als ich alles gelesen hatte, ging mir durch den Kopf, dass du unbedingt mal mit dem Vater reden solltest. Wie schätzt er die Situation ein? Was will er? Wenn er z.B. kategorisch ablehnt, dass sie dauerhaft bei ihm bleibt, ist die Ausgangssituation eine andere und er muss es ihr auch verklickern.

    Wenn er und seine Frau sich einen Umzug jedoch vorstellen können, müsst ihr alle das Gespräch mit deiner Tochter suchen. Sie ist immerhin 10, in dem Alter konnte ich gewiss nicht alle Konsequenzen überblicken, aber ich wusste doch sehr wohl, was ich wollte oder nicht wollte... Und eines ging gar nicht: Wenn die Erwachsenen über meinen Kopf hinweg entschieden haben.

    Vielleicht solltest du ihr gar nicht die Frage stellen, wie es ihr geht, sondern mal erzählen, wie du dich fühlst. Dass du die Distanz zwischen euch spürst und erkennen möchtest, wo sie herkommt etc.

    Übrigens habe ich mir auch ähnliches wie Shosanna überlegt...

  5. #5
    Avatar von Aura
    Aura ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Mein Ex-Mann will, dass sie bei ihm lebt. Die Trennung der Beiden ist immer ein einziges Drama. Sie weint, er weint und ich steh immer wie bedröppelt daneben.


    Ihr würdet also alles aufgeben, in die Nähe des Ex-Mannes ziehen und dort, quasi ganz allein, neu anfangen?

    Dazu gehört echt viel Mut und ich weiß nicht, ob ich den habe, ich glaube eher nicht... Genauso die Entscheidung zu sagen: "Schatz, was hälst du davon bei Papa zu wohnen, wir sehen uns dann immer in den Ferien."
    Geändert von Aura (13.08.2012 um 15:51 Uhr)

  6. #6
    _phantomias_ Gast

    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Zitat Zitat von Aura Beitrag anzeigen
    .... Ihr würdet also alles aufgeben, in die Nähe des Ex-Mannes ziehen und dort, quasi ganz allein, neu anfangen?.....
    Nein, das würde ich ganz sicher nicht.

    Ich würde das Kind auch nicht freiwillig zum Vater ziehen lassen.
    Es hat keiner den Mann dazu gezwungen, seine Familie zu verlassen und für einen neue Liebe so weit weg zu ziehen. Dann soll er auch zusehen, dass er sich um sein Kind kümmert und wie er es organisieren kann, dass er sie öfter sieht.

    Das Kind kann einem nur zutiefst leid tun, dass sie so zwischen euch steht und immer wieder hin und her gerissen wird. Aber das ist nicht deine Schuld, sondern in diesem Fall zuerst mal die des Vaters, denn schließlich ist er doch wohl so weit weg gezogen.

    Es ist nicht verwunderlich, dass die neue Freundin des Vaters in ihrem Wohnort wohnen bleiben will, da sie dort Familie und ihren Beruf hat.

    Tja, wenn der Vater nun im Sinne seines Kindes gehandelt hätte, dann wäre er in eurer Nähe wohnen geblieben. Dann wäre es schließlich möglich gewesen, dass eure Tochter euch beide regelmäßig sehen kann.
    Aber er hat sich eben für seine neue Liebe und gegen sein Kind entschieden.

    Wenn er jetzt eine Mutter mit Kind gewesen wäre, dann hätte die sich hier auch anhören dürfen, dass man doch über eine so weite Entfernung nicht umziehen darf, da so ein Kontakt nicht mehr möglich ist.
    Da jetzt von dir zu "verlangen", doch dem neuen Glück hinterher zu ziehen, finde ich zu viel verlangt.

    An deiner Stelle würde ich mir Hilfe vor Ort suchen, um eure Situation zu verbessern und wieder ein besseres Verhältnis zu deiner Tochter herzustellen, z.B. durch Beratung in einer Familienberatungsstelle, beim Jugendamt, bei einem Jugendpsychologen, ....
    Vor allem auch, damit du eine unabhängige Person hast, mit der du professionell über dieses "Problem" sprechen kannst. Sollte deine Tochter nämlich eventuell irgendwann dann doch zu ihrem Vater ziehen, ist das sicher auch dafür hilfreich.
    Geändert von _phantomias_ (13.08.2012 um 22:06 Uhr)

  7. #7

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Zitat Zitat von _phantomias_ Beitrag anzeigen
    Nein, das würde ich ganz sicher nicht.

    Ich würde das Kind auch nicht freiwillig zum Vater ziehen lassen.
    Es hat keinen den Mann dazu gezwungen, seine Familie zu verlassen und für einen neue Liebe so weit weg zu ziehen. Dann soll er auch zusehen, dass er sich um sein Kind kümmert und wie er es organisieren kann, dass er sie öfter sieht.
    Ich find diese Einstellung nicht richtig. Das Kind möchte ja zum Vater ziehen, er kümmert sich ja wohl. Und Kinder sind nun mal kein Eigentum, und bei der TE hört es sich ja schon auch sehr danach an, als ob die Tochter alles andere, was in ihrem Leben nicht so gut läuft, kompensieren muss.

  8. #8
    Emmi ist offline enthusiast

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Hallo Du!
    Ich kenne Deine Problematik aus eigener Erfahrung. Ganz kurz: Mein Mann hat nach 5,5 jähriger Ehe, die zum Schluß echt am Ende war, eine andere Frau geschwängert und hat mich nach mehreren Monaten "Trennung auf Probe" dann knall auf Fall mit drei kleinen Kindern sitzen lassen, um mit ihr zusammen zu sein. Wir hatten aber auch Horrorzeiten durch...
    Meine Große, jetzt fast 10, damals 7, war ein typisches Vaterkind, wie das Klischee über Väter und Töchter es so hergibt. Sie fing auch damit an, dass sie gern beim Papa wohnen würde. Da ich noch in der ehelichen Wohnung (SEINER Eigentumswohnung, von Omma geerbt) wohnte, und er gezwungenermaßen bei seiner "Freundin" unterkam, ging es nicht sofort.
    Nun gab es natürlich Vieles, was dagegen sprach (ähnlich wie bei Dir vielleicht?):
    Mein Mann hat sich gegen seine Familie entschieden (Disqualifikation als Mensch und als Vater),
    er hat uns monatelang verar...t und letztlich nur betrogen,
    seine Freundin ist psychisch nicht gesund und extrem aggressiv,
    ich bin eine "totale Mutter", also Familienbett, stillen bis zum 2./3. Lebensjahr etc.

    Also hatte ich natürlich den Anspruch, dass ich mein Kind bei mir behalte.
    ABER: Ich habe gesehen, dass dieses Kind, dass ich ja getragen, geliebt und genährt habe, nicht mein Eigentum ist. Ich sah den Kummer, ich sah, wie unsäglich ich unter der Trennung litt (inkl. Suizidversuch), ich habe ihr emotional keine Sicherheit mehr geboten und das in der dramatischen Trennungszeit (!), sie begann, sich um mich zu kümmern, was absolut nicht geht! Ich bin Mutter, ich sorge für das Kind, nicht umgekehrt! Ich sah die Gefahr, dass sie sich von mir gefangen gefühlt hält. Also was tun?
    Ich habe einen Familienhelfer gehabt (heute noch), meine Tochter war und ist in Therapie wegen des Trennungstraumas (ich war es auch), unser Jugendamt hat eine nette Mitarbeiterin und mit allen beratschlagte ich mich, ob ich es wagen kann, mein Kind gehen zu lassen! Die Entscheidung war grausam. Aber: ich mußte meine Wünsche mal zurückstellen und es aus Tochters Sicht sehen. Ihr Wohl mußte ich in den Vordergrund stellen. Ich habe sie gehen lassen. Ihr wisst ja alle hier, wenn man Kinder hat, trägt man sein Herz ausserhalb des Körpers. Ihr könnt Euch vorstellen, wie das für mich war.
    Und nun sieht es so aus:
    Meine Tochter möchte zu mir zurück. Sie hatte ca. 1,5 Jahre Gelegenheit, den Alltag in der Patchworkfamilie ihres Vaters zu erleben (seine Freundin hat einen Sohn bei sich), nicht nur die lustigen Sonntage, wo Daddy der Held ist, sie hat erlebt, dass ihr Vater sie nicht vor der Freundin schützen will. Sie hat erlebt, dass sie dort keine Nestwärme bekommt.
    Also wird bald der Kampf losgehen, sie zurückzubekommen. Wir haben ja beide das Sorgerecht, wir haben ihr vorm Auszug zum Papa natürlich in Aussicht gestellt, dass sie jederzeit zurückkann. Ihr Vater läßt sie nun nicht, und hält sie gefangen. Seine Freundin erpresst sie, dass sie alle ihre Spielsachen wegnehmen, wenn sie zurück ginge. Sie hat soviel über dieses Horrorpärchen gelernt, dass sie ihre eigenen Schlüsse ziehen kann.
    Vielleicht erkennst Du, worauf ich hinaus will.
    Du kannst eine noch so fantastische Mutter sein, wenn Deine Kleine zum Papa will, wird sie sich vielleicht von Dir gefangen fühlen. Das ist aus Erwachsenensicht Quatsch, ich weiß, aber aus Sicht Deiner Tochter sieht es vielleicht genau anders herum aus!
    Wenn sie sieht, dass beim Papa auch Alltag herrscht und nicht nur Ferien-Laune, wird sie anfagen können, zu vergleichen. Erst dann kann sie eine Entscheidung treffen. Ich mußte mich auch fragen, wenn sie es beim Papa viel besser trifft, was dann? Und ich mußte die grausame Einsicht haben, dass ich dann zum Kindeswohl das Richtige getan habe. Man stellt sich das nicht vor, weil man als Mutter ja so viel näher am Kind ist. Dass es auch anders sein kann, ist erschütternd und grauenhaft. Aber es findet sich alles. Alles, was mein Mann z.B. falsch macht, läßt Tochter klarer sehen. Und dabei finde ich auch, dass Mütter das größere Recht haben, weil enger am Kind, und auch, dass Väter, die ihre Familie im Stich lassen, disqualifiziert sind. Die können tot überm Zaun hängen. Aber es geht nicht um diese Versager, auch nicht um uns, sondern ums Kind! Das hat vollständige Priorität.
    Ich würde vorschlagen, Du brauchst wirklich Rat von professioneller Seite. Du mußt Dir alle Möglichkeiten notieren, Deine Maus beobachten, das Verhältnis zu ihr oder wie es sich verschlechtert, sie nicht drängen etc. Alles, was für uns Mütter so unmenschlich schwer ist, weil wir ja so nah dran sind!
    Vielleicht muß Deine Kleine auch lernen, dass beim Papa nicht alles toll ist. Oder dass sie ohne Dich nicht sein kann. Und dass sie diese Erfahrung machen darf, damit sie nicht alles gegen Dich richtet.
    Das war jetzt viel auf einen Haufen. Du kannst mir gern schreiben, ich kann mir Rat bei meinem Familienhelfer holen für Deinen (anonymen) Fall. Ich sehe ihn morgen.
    Ich kann echt mit Dir fühlen.
    Sei lieb gegrüßt,
    Tanja
    Allerdings: In Deinem Fall wäre sie weit weg.
    Mimi5 gefällt dies
    LG
    Tanja mit Delia (8/02) und Erik (10/04) und Jonah (22.5.07)

  9. #9
    VaKa ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Zitat Zitat von Aura Beitrag anzeigen
    Mein Ex-Mann will, dass sie bei ihm lebt. Die Trennung der Beiden ist immer ein einziges Drama. Sie weint, er weint und ich steh immer wie bedröppelt daneben.


    Ihr würdet also alles aufgeben, in die Nähe des Ex-Mannes ziehen und dort, quasi ganz allein, neu anfangen?

    Dazu gehört echt viel Mut und ich weiß nicht, ob ich den habe, ich glaube eher nicht... Genauso die Entscheidung zu sagen: "Schatz, was hälst du davon bei Papa zu wohnen, wir sehen uns dann immer in den Ferien."
    Hm. schwierig und ich kann dich schon verstehen.
    Wahrscheinlich wäre meine erste Reaktion ähnlich.

    Ich finde, du solltest zuerst mit ihrem Vater sprechen, wie er das Ganze einschätzt. Wieso hat er dir denn von den sms`en nichts gesagt?

    Wenn deine Tochter beim Papa aber tatsächlich besser aufgehoben ist, würde ich dem Umzug zustimmen. Noch 2 Jahre und das kann sogar gerichtlich festgesetzt werden mit Ihrer Aussage.

    Dann besser jetzt mit deinem Einverständnis.

    Daß deine Tochter dir das nicht sagt, zeigt ja schon recht deutlich, daß sie weiß was es für DICH bedeuten würde. Mit dem Schritt würdest du also Größe zeigen.

    Und ja, wenn du flexibel bist und dort einen Job findet würde ich in die Nähe ziehen und ganz straff über ein Wechselmodell nachdenken.

    Unabhängig davon würde ich mir überlegen, ob es doch irgendwas gibt, was die Mutter-Tochter Beziehung so belastet. Ein bissechen außergwöhnlich ist es ja schon.

    VaKa

  10. #10
    VaKa ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Kind will bei ihrem Vater leben

    Zitat Zitat von _phantomias_ Beitrag anzeigen
    Nein, das würde ich ganz sicher nicht.

    Ich würde das Kind auch nicht freiwillig zum Vater ziehen lassen.
    Es hat keiner den Mann dazu gezwungen, seine Familie zu verlassen und für einen neue Liebe so weit weg zu ziehen. Dann soll er auch zusehen, dass er sich um sein Kind kümmert und wie er es organisieren kann, dass er sie öfter sieht.

    Das Kind kann einem nur zutiefst leid tun, dass sie so zwischen euch steht und immer wieder hin und her gerissen wird. Aber das ist nicht deine Schuld, sondern in diesem Fall zuerst mal die des Vaters, denn schließlich ist er doch wohl so weit weg gezogen.

    Es ist nicht verwunderlich, dass die neue Freundin des Vaters in ihrem Wohnort wohnen bleiben will, da sie dort Familie und ihren Beruf hat.

    Tja, wenn der Vater nun im Sinne seines Kindes gehandelt hätte, dann wäre er in eurer Nähe wohnen geblieben. Dann wäre es schließlich möglich gewesen, dass eure Tochter euch beide regelmäßig sehen kann.
    Aber er hat sich eben für seine neue Liebe und gegen sein Kind entschieden.

    Wenn er jetzt eine Mutter mit Kind gewesen wäre, dann hätte die sich hier auch anhören dürfen, dass man doch über eine so weite Entfernung nicht umziehen darf, da so ein Kontakt nicht mehr möglich ist.
    Da jetzt von dir zu "verlangen", doch dem neuen Glück hinterher zu ziehen, finde ich zu viel verlangt.

    An deiner Stelle würde ich mir Hilfe vor Ort suchen, um eure Situation zu verbessern und wieder ein besseres Verhältnis zu deiner Tochter herzustellen, z.B. durch Beratung in einer Familienberatungsstelle, beim Jugendamt, bei einem Jugendpsychologen, ....
    Vor allem auch, damit du eine unabhängige Person hast, mit der du professionell über dieses "Problem" sprechen kannst. Sollte deine Tochter nämlich eventuell irgendwann dann doch zu ihrem Vater ziehen, ist das sicher auch dafür hilfreich.
    Naja das Kind fühlt sich offensichtlich wohler beim Papa, OBWOHL sie ihn viel seltener sieht.

    Immerhin ist das Mädchen 10, ich denke wenn die TE einen Umzug verweigert, dann wird sie ihre Tochter in einigen Jahren womöglich ganz verlieren.

    Eventuell holt ein Signal der Mutter, daß es durchaus Ok wäre zum Vater zu ziehen, das Mädel auch aus dem Loyalitätskonflikt heraus.

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