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  1. #1
    Avatar von LittleLunacy
    LittleLunacy ist offline pinteresting
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    Standard Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Wir fahren jedes Jahr an Weihnachten zu meiner Mutter in das Haus, das unsere "Familie" gemeinsam gebaut hat (ich hatte das mal geschrieben, dass ich mit 12 fleißig Steine schleppen und beim hausbau mithelfen durfte). Dort lebt meine Mutter, meine kleine Schwester und mit Stiefvater.

    Meine Schwester (15) ist ein ganz liebes Mädel. Sie wünscht sich seit Monaten heiß und innig einen Hamster und hat mit ihrer besten Freundin nun mehr oder minder heimlich Nägel mit Köpfen gemacht - die Freundin hat das Tier gekauft und ihr zu Weihnachten geschenkt. Den Käfig hat sie günstig gekauft und am Weihnachtstag zog der Hamster ein.

    Mein Stiefvater hat das achselzuckend zur Kenntnis genommen. Als ich dann abends in der Küche saß, in der ich jahrelang zusammengeschrien, gedemütigt und beleidigt wurde kam es dann irgendwie hoch. Ich meinte nur beiläufig zu meiner Mutter (wir waren allein), dass ich es mal hätte wagen sollen ein Tier mit ins Haus zu bringen. Das hätte M. (Stiefvater) entweder persönlich getötet oder aus dem Fenster geworfen.

    Das Klima in der Familie ist seit Jahren nicht mehr so, wie es war, als ich noch dort lebte und das merkt man auch an meiner Schwester - ich bin ehrlich froh für sie. Sie kann unbeschwert leben, muss keine angst haben, dass nachts wieder Türen knallen und Geschrei folgt. Nur mir hängt das immer noch nach, vielleicht ein Leben lang.

    Irgendwann werde ich mit meiner Mutter versuchen über alles zu reden. Sie signalisiert, dass sie das auch will, aber ich hatte bisher die Kraft und den Mut nicht. Nach dem Satz mit dem Haustier meinte sie, dass sie eine furchtbare Mutter sei und so viel falsch mache. Ich meinte sie macht jetzt viel richtig und was war kann man nicht mehr ändern.

    Was mich am meisten an der Sache ankotzt ist, dass ich in Stresssituationen ausrasten kan wie mein Stiefvater, wenn ich mich nicht bremse. Ich könnte dann ewig cholerisch herumschreien und muss mich sehr unter Kontrolle halten. Das passier tmir aber ausschließlich bei meinen Kindern und das werfe ich ihm, von allem, am meisten vor.

    Ich mache meine Arbeit, Therapie, Bücher, etc - ich gehe grade durch den Trauerprozess über diese "Kindheit", die Eiseskälte, das Desinteresse, das Alleingelassensein.

    Manchmal denke ich, ich fahre lieber nicht wieder in dieses Haus. Aber wenn wir zusammen dort sind ist es auch immer wirklich schön, außer wenn ich wegen irgendwas plötzlich aus der Bahn geworfen bin und mich hundeelend fühle. Wenn sie das Haus irgendwann vererben dann eh nicht mir, ich bin ja nicht "sein" leibliches Kind. Ich will es nicht haben, das ist ein Gefängnis, egal wie schön es aussieht.
    "Experience is a brutal teacher, but you learn. My God, do you learn."
    C.S. Lewis


  2. #2
    Gast

    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Zitat Zitat von LittleLunacy Beitrag anzeigen
    Wir fahren jedes Jahr an Weihnachten zu meiner Mutter in das Haus, das unsere "Familie" gemeinsam gebaut hat (ich hatte das mal geschrieben, dass ich mit 12 fleißig Steine schleppen und beim hausbau mithelfen durfte). Dort lebt meine Mutter, meine kleine Schwester und mit Stiefvater.

    Meine Schwester (15) ist ein ganz liebes Mädel. Sie wünscht sich seit Monaten heiß und innig einen Hamster und hat mit ihrer besten Freundin nun mehr oder minder heimlich Nägel mit Köpfen gemacht - die Freundin hat das Tier gekauft und ihr zu Weihnachten geschenkt. Den Käfig hat sie günstig gekauft und am Weihnachtstag zog der Hamster ein.

    Mein Stiefvater hat das achselzuckend zur Kenntnis genommen. Als ich dann abends in der Küche saß, in der ich jahrelang zusammengeschrien, gedemütigt und beleidigt wurde kam es dann irgendwie hoch. Ich meinte nur beiläufig zu meiner Mutter (wir waren allein), dass ich es mal hätte wagen sollen ein Tier mit ins Haus zu bringen. Das hätte M. (Stiefvater) entweder persönlich getötet oder aus dem Fenster geworfen.

    Das Klima in der Familie ist seit Jahren nicht mehr so, wie es war, als ich noch dort lebte und das merkt man auch an meiner Schwester - ich bin ehrlich froh für sie. Sie kann unbeschwert leben, muss keine angst haben, dass nachts wieder Türen knallen und Geschrei folgt. Nur mir hängt das immer noch nach, vielleicht ein Leben lang.

    Irgendwann werde ich mit meiner Mutter versuchen über alles zu reden. Sie signalisiert, dass sie das auch will, aber ich hatte bisher die Kraft und den Mut nicht. Nach dem Satz mit dem Haustier meinte sie, dass sie eine furchtbare Mutter sei und so viel falsch mache. Ich meinte sie macht jetzt viel richtig und was war kann man nicht mehr ändern.

    Was mich am meisten an der Sache ankotzt ist, dass ich in Stresssituationen ausrasten kan wie mein Stiefvater, wenn ich mich nicht bremse. Ich könnte dann ewig cholerisch herumschreien und muss mich sehr unter Kontrolle halten. Das passier tmir aber ausschließlich bei meinen Kindern und das werfe ich ihm, von allem, am meisten vor.

    Ich mache meine Arbeit, Therapie, Bücher, etc - ich gehe grade durch den Trauerprozess über diese "Kindheit", die Eiseskälte, das Desinteresse, das Alleingelassensein.

    Manchmal denke ich, ich fahre lieber nicht wieder in dieses Haus. Aber wenn wir zusammen dort sind ist es auch immer wirklich schön, außer wenn ich wegen irgendwas plötzlich aus der Bahn geworfen bin und mich hundeelend fühle. Wenn sie das Haus irgendwann vererben dann eh nicht mir, ich bin ja nicht "sein" leibliches Kind. Ich will es nicht haben, das ist ein Gefängnis, egal wie schön es aussieht.

    Egal, wie oft Du dieses Thema mit Deiner Mutter durchkauen wirst, es wird Dir trotzdem nachhängen- ich könnte nicht mehr in dieses Haus fahren, ich würde den Stiefvater komplett aus meinen Leben streichen. Und ändern kannst Du das vorgefallene nicht mehr- da gebe ich Dir recht(und nenn mich nachtragend und egoistisch, aber ICH hätte zu meiner mutter gesagt, nee, Jetzt machst du alles richtig, aber mich hast du oft im stich gelassen)- Du hast noch viel aufzuarbeiten, ich wünsche dir kraft, stärke und selbstvertrauen

  3. #3
    Avatar von fancy
    fancy ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    : dein beitrag beruehrt mich sehr. Ich traure mit dir mit um alles was du nicht bekommen hast und doch so arg gebraucht haettest von deiner mutter. Es waere schoen wenn sie sich in so einem gespraech nicht nur mit ihrer rolle als mutter auseinandersetzen wuerde, sondern dich sehen koennte mit deiner trauer um deine kindheit.
    "Ich begriff nicht, dass Kinder manchmal deshalb so laut schreien, dass die Nachbarn kurz davor sind, das Jugendamt zu rufen, weil man die falsche Sorte Nudeln zum Abendessen gekocht hat. Mir war nicht klar, dass sich die Atemuebungen, die Frauen bei Kursen zum Thema natuerliche Geburt lernen, erst dann wirklich auszahlen, wenn das Kind schon lange auf der Welt ist." aus Alfie Kohn: Liebe und Eigenstaendigkeit - Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung

  4. #4
    Gast

    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Zitat Zitat von LittleLunacy Beitrag anzeigen
    das unsere "Familie" gemeinsam gebaut hat (ich hatte das mal geschrieben, dass ich mit 12 fleißig Steine schleppen und beim hausbau mithelfen durfte). .

    Ähm du schreibst das so giftig, meine Kinder mussten auch beim Hausbau mithelfen, ob ich das irgendwann mal vorgeworfen bekomme?

    Egal

    zum Rest, du bist erwachsen und kannst mit deiner Mutter reden, ich würds aber an einem neutralen Ort tun

    Und mit dem Stiefvate würde ich auch mal ein Wort reden...ob er irgendwas einsieht oder nicht, ist wurscht..aber gesagt hast du es!

  5. #5
    Andrea B ist offline Legende
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    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Zitat Zitat von LittleLunacy Beitrag anzeigen
    Wir fahren jedes Jahr an Weihnachten zu meiner Mutter in das Haus, das unsere "Familie" gemeinsam gebaut hat (ich hatte das mal geschrieben, dass ich mit 12 fleißig Steine schleppen und beim hausbau mithelfen durfte). Dort lebt meine Mutter, meine kleine Schwester und mit Stiefvater.

    Meine Schwester (15) ist ein ganz liebes Mädel. Sie wünscht sich seit Monaten heiß und innig einen Hamster und hat mit ihrer besten Freundin nun mehr oder minder heimlich Nägel mit Köpfen gemacht - die Freundin hat das Tier gekauft und ihr zu Weihnachten geschenkt. Den Käfig hat sie günstig gekauft und am Weihnachtstag zog der Hamster ein.

    Mein Stiefvater hat das achselzuckend zur Kenntnis genommen. Als ich dann abends in der Küche saß, in der ich jahrelang zusammengeschrien, gedemütigt und beleidigt wurde kam es dann irgendwie hoch. Ich meinte nur beiläufig zu meiner Mutter (wir waren allein), dass ich es mal hätte wagen sollen ein Tier mit ins Haus zu bringen. Das hätte M. (Stiefvater) entweder persönlich getötet oder aus dem Fenster geworfen.

    Das Klima in der Familie ist seit Jahren nicht mehr so, wie es war, als ich noch dort lebte und das merkt man auch an meiner Schwester - ich bin ehrlich froh für sie. Sie kann unbeschwert leben, muss keine angst haben, dass nachts wieder Türen knallen und Geschrei folgt. Nur mir hängt das immer noch nach, vielleicht ein Leben lang.

    Irgendwann werde ich mit meiner Mutter versuchen über alles zu reden. Sie signalisiert, dass sie das auch will, aber ich hatte bisher die Kraft und den Mut nicht. Nach dem Satz mit dem Haustier meinte sie, dass sie eine furchtbare Mutter sei und so viel falsch mache. Ich meinte sie macht jetzt viel richtig und was war kann man nicht mehr ändern.

    Was mich am meisten an der Sache ankotzt ist, dass ich in Stresssituationen ausrasten kan wie mein Stiefvater, wenn ich mich nicht bremse. Ich könnte dann ewig cholerisch herumschreien und muss mich sehr unter Kontrolle halten. Das passier tmir aber ausschließlich bei meinen Kindern und das werfe ich ihm, von allem, am meisten vor.

    Ich mache meine Arbeit, Therapie, Bücher, etc - ich gehe grade durch den Trauerprozess über diese "Kindheit", die Eiseskälte, das Desinteresse, das Alleingelassensein.

    Manchmal denke ich, ich fahre lieber nicht wieder in dieses Haus. Aber wenn wir zusammen dort sind ist es auch immer wirklich schön, außer wenn ich wegen irgendwas plötzlich aus der Bahn geworfen bin und mich hundeelend fühle. Wenn sie das Haus irgendwann vererben dann eh nicht mir, ich bin ja nicht "sein" leibliches Kind. Ich will es nicht haben, das ist ein Gefängnis, egal wie schön es aussieht.

    Wieso fährst du dann da hin? Wenn du dich mit deiner Mutter treffen willst kannst du das auf neutralem Boden tun. Genau so mit deiner Schwester.
    Da du das Haus irgendwann mit deiner Schwester gemeinsam erben wirst mußt du da ja nicht einziehen. Ihr könntet es ja verkaufen und jede bekommt ihren Anteil davon auf´s Konto. Danach ist das Haus Geschichte.
    Deine Kinder mußt du wegen deiner besch... Kindheit nicht anmaulen. Überlege wie es dir dabei ging. Danach überlegst du ob du das deinen Kindern auch natun willst. Dann gehst du "anständig" mit ihnen um.
    Andrea
    Geändert von Andrea B (28.12.2011 um 08:14 Uhr)

  6. #6
    Gast

    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Ein sehr berührender Text - auch wie du das schreibst, so ruhig...

    Das hier:
    Zitat Zitat von LittleLunacy Beitrag anzeigen
    außer wenn ich wegen irgendwas plötzlich aus der Bahn geworfen bin und mich hundeelend fühle.
    Wenn du eh in Therapie bist, dann weiß du, dass du in solchen Situationen von irgendwas getriggert bist, ebenso in den Situationen, in denen du so cholerisch wirst wie dein Stiefvater.

    Mach dir klar, dass du keine anderen Konfliktbewältigungen gelernt hast und suche bewusst mit deiner Therapeutin nach detaillierten Alternativen, um diese Muster nicht an deine Kinder weiterzugeben.

    Ich weiß, dass das wahnsinnig schwierig ist, aber es ist möglich. Und es ist leichter, wenn du die Auslöser kennen lernst und genau anschaust, die dich fühlen lassen wie ein hilfloses Kind. Dann erkennst du sie irgendwann nämlich, bevor du explodierst und kannst dir ein innerliches Stopp setzen.

    Wichtig ist auch: Sei lieb zu dir. Deine Eltern waren es nicht - aber du kannst dem hilflosen Kind in dir jetzt liebevoll begegnen.

  7. #7
    MelH72 ist offline Teilzeithippie
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    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Zitat Zitat von LittleLunacy Beitrag anzeigen
    Wir fahren jedes Jahr an Weihnachten zu meiner Mutter in das Haus, das unsere "Familie" gemeinsam gebaut hat (ich hatte das mal geschrieben, dass ich mit 12 fleißig Steine schleppen und beim hausbau mithelfen durfte). Dort lebt meine Mutter, meine kleine Schwester und mit Stiefvater.

    Meine Schwester (15) ist ein ganz liebes Mädel. Sie wünscht sich seit Monaten heiß und innig einen Hamster und hat mit ihrer besten Freundin nun mehr oder minder heimlich Nägel mit Köpfen gemacht - die Freundin hat das Tier gekauft und ihr zu Weihnachten geschenkt. Den Käfig hat sie günstig gekauft und am Weihnachtstag zog der Hamster ein.

    Mein Stiefvater hat das achselzuckend zur Kenntnis genommen. Als ich dann abends in der Küche saß, in der ich jahrelang zusammengeschrien, gedemütigt und beleidigt wurde kam es dann irgendwie hoch. Ich meinte nur beiläufig zu meiner Mutter (wir waren allein), dass ich es mal hätte wagen sollen ein Tier mit ins Haus zu bringen. Das hätte M. (Stiefvater) entweder persönlich getötet oder aus dem Fenster geworfen.

    Das Klima in der Familie ist seit Jahren nicht mehr so, wie es war, als ich noch dort lebte und das merkt man auch an meiner Schwester - ich bin ehrlich froh für sie. Sie kann unbeschwert leben, muss keine angst haben, dass nachts wieder Türen knallen und Geschrei folgt. Nur mir hängt das immer noch nach, vielleicht ein Leben lang.

    Irgendwann werde ich mit meiner Mutter versuchen über alles zu reden. Sie signalisiert, dass sie das auch will, aber ich hatte bisher die Kraft und den Mut nicht. Nach dem Satz mit dem Haustier meinte sie, dass sie eine furchtbare Mutter sei und so viel falsch mache. Ich meinte sie macht jetzt viel richtig und was war kann man nicht mehr ändern.

    Was mich am meisten an der Sache ankotzt ist, dass ich in Stresssituationen ausrasten kan wie mein Stiefvater, wenn ich mich nicht bremse. Ich könnte dann ewig cholerisch herumschreien und muss mich sehr unter Kontrolle halten. Das passier mir aber ausschließlich bei meinen Kindern und das werfe ich ihm, von allem, am meisten vor.

    Ich mache meine Arbeit, Therapie, Bücher, etc - ich gehe grade durch den Trauerprozess über diese "Kindheit", die Eiseskälte, das Desinteresse, das Alleingelassensein.

    Manchmal denke ich, ich fahre lieber nicht wieder in dieses Haus. Aber wenn wir zusammen dort sind ist es auch immer wirklich schön, außer wenn ich wegen irgendwas plötzlich aus der Bahn geworfen bin und mich hundeelend fühle. Wenn sie das Haus irgendwann vererben dann eh nicht mir, ich bin ja nicht "sein" leibliches Kind. Ich will es nicht haben, das ist ein Gefängnis, egal wie schön es aussieht.
    Warum wirfst du ihm vor, dass du bei deinen Kindern ausrastet? Vielleicht hat dein Stiefvater das ja auch von seinen Eltern und kann gar nix dafür? Muss jemand schuld daran sein?

    Ansonsten ist eine Therapie sicherlich sinnvoll (machst du schon, oder?) und vielleicht wirklich Abstand. Zum Haus, zum Stiefvater.

  8. #8
    Avatar von -DatBloemsche-
    -DatBloemsche- ist offline Hand in Hand ins Glück!
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    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Zitat Zitat von LittleLunacy Beitrag anzeigen
    Wir fahren jedes Jahr an Weihnachten zu meiner Mutter in das Haus, das unsere "Familie" gemeinsam gebaut hat (ich hatte das mal geschrieben, dass ich mit 12 fleißig Steine schleppen und beim hausbau mithelfen durfte). Dort lebt meine Mutter, meine kleine Schwester und mit Stiefvater.

    Meine Schwester (15) ist ein ganz liebes Mädel. Sie wünscht sich seit Monaten heiß und innig einen Hamster und hat mit ihrer besten Freundin nun mehr oder minder heimlich Nägel mit Köpfen gemacht - die Freundin hat das Tier gekauft und ihr zu Weihnachten geschenkt. Den Käfig hat sie günstig gekauft und am Weihnachtstag zog der Hamster ein.

    Mein Stiefvater hat das achselzuckend zur Kenntnis genommen. Als ich dann abends in der Küche saß, in der ich jahrelang zusammengeschrien, gedemütigt und beleidigt wurde kam es dann irgendwie hoch. Ich meinte nur beiläufig zu meiner Mutter (wir waren allein), dass ich es mal hätte wagen sollen ein Tier mit ins Haus zu bringen. Das hätte M. (Stiefvater) entweder persönlich getötet oder aus dem Fenster geworfen.

    Das Klima in der Familie ist seit Jahren nicht mehr so, wie es war, als ich noch dort lebte und das merkt man auch an meiner Schwester - ich bin ehrlich froh für sie. Sie kann unbeschwert leben, muss keine angst haben, dass nachts wieder Türen knallen und Geschrei folgt. Nur mir hängt das immer noch nach, vielleicht ein Leben lang.

    Irgendwann werde ich mit meiner Mutter versuchen über alles zu reden. Sie signalisiert, dass sie das auch will, aber ich hatte bisher die Kraft und den Mut nicht. Nach dem Satz mit dem Haustier meinte sie, dass sie eine furchtbare Mutter sei und so viel falsch mache. Ich meinte sie macht jetzt viel richtig und was war kann man nicht mehr ändern.

    Was mich am meisten an der Sache ankotzt ist, dass ich in Stresssituationen ausrasten kan wie mein Stiefvater, wenn ich mich nicht bremse. Ich könnte dann ewig cholerisch herumschreien und muss mich sehr unter Kontrolle halten. Das passier tmir aber ausschließlich bei meinen Kindern und das werfe ich ihm, von allem, am meisten vor.

    Ich mache meine Arbeit, Therapie, Bücher, etc - ich gehe grade durch den Trauerprozess über diese "Kindheit", die Eiseskälte, das Desinteresse, das Alleingelassensein.

    Manchmal denke ich, ich fahre lieber nicht wieder in dieses Haus. Aber wenn wir zusammen dort sind ist es auch immer wirklich schön, außer wenn ich wegen irgendwas plötzlich aus der Bahn geworfen bin und mich hundeelend fühle. Wenn sie das Haus irgendwann vererben dann eh nicht mir, ich bin ja nicht "sein" leibliches Kind. Ich will es nicht haben, das ist ein Gefängnis, egal wie schön es aussieht.
    das haus könnte ein triggerpunkt sein.
    ich selbst habe eine traumatische kindheit und jugend hinter mir. dieses haus zu betretet-dazu wäre ich rein körperlich gar nicht in der lage.
    der schutzmechanismus angst würde sofort und brutal übermächtig zuschlagen.
    warum tust du dir das an?
    du verbindest selbst schöne ereignisse(hamstergeschenk) mit dem von dir erlebten grausamen.
    ich würde mich diesen triggerpunkten nicht bewusst aussetzen.
    und ich hätte sicher auch kein kontakt mehr zu diesem mann.
    Moshi ist weltbeste Löwenkrümel-Binotante


    http://chesapeakeforum.de/images/smilies/panik.gif

  9. #9
    Avatar von LittleLunacy
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    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Zitat Zitat von Alex1961 Beitrag anzeigen
    Ähm du schreibst das so giftig, meine Kinder mussten auch beim Hausbau mithelfen, ob ich das irgendwann mal vorgeworfen bekomme?

    Egal

    zum Rest, du bist erwachsen und kannst mit deiner Mutter reden, ich würds aber an einem neutralen Ort tun

    Und mit dem Stiefvate würde ich auch mal ein Wort reden...ob er irgendwas einsieht oder nicht, ist wurscht..aber gesagt hast du es!
    Wenn die Grundstimmung in der Familie sonst in Ordnung ist, dann helfen die Kinder mehr oder minder freiwillig - manchmal sogar gern (sehe ich auch an meinen Jungs). Bei uns aber war es sehr dysfunktional und da war das Steineschleppen quasi ein "Highlight". Ich würde heute meine Kinder auch nicht in einen hausbau mit einbinden, bis auf Sachen, die sie machen wollen (streichen, fegen etwa) und können - nicht mit 10, 11 jahren richtige, körperliche Arbeit.

    Was meinen Stiefvater anbelangt. Mit dem kannst du nicht reden. Nachdem ich mit 16 nachts aus dem Fenster zu meiner besten Freundin geflüchtet bin (mein "Auszug") war ich noch jahrelang an allem schuld, was im haus kaputt ging oder nicht so lief, wie er das wollte. Der ist als Kind schlimm von seinem Vater verprügelt worden, ich glaube der KANN gar nicht mehr fühlen. Seine eigene Tochter und meinen jüngeren Bruder, der auch nicht sein Kind ist, die haben es nicht so abbekommen - zum Glück. Ich war der Sündenbock und das "schwarze Schaf".

    Die ganze Familie ist so kaputt - die Eltern lebten nebenan, "unser" Haus wurde auf einem geschenkten Teil ihres Grundstücks gebaut. Oben im Haus der Großeltern wohnt der Bruder mit seiner Frau und damals noch den beiden Töchtern. Der ehemals brutal prügelnde Vater ist nun vor zwei Jahren vor Weihnachten an Krebs gestorben und alle waren sooooo traurig. Meine kleine Schwester weiß bis heute nicht, was für ein Mensch ihr geliebter Opa war. Der hat bis zum Schluss seine Frau behandelt wie die Dienstmagd - wenn kein Bier da war konntest du das Geschrei bis sonstwo hören.

    Aber alle haben sich lieb, alles kein Problem.. hachja..

    Vor dem Stiefvater hatte ich noch einen anderen, der hat mich mit zwei Jahren adoptiert und ist das, was einem Vater am nächsten kommt. Die Familie ist genauso flauschig-krank wie die andere. Aber ich war das Problemkind. So mit 20 Jahren Abstand kann ich vieles verstehen aber schalt mal die Gefühle dazu aus. Manchmal möchte ich das auch können.
    "Experience is a brutal teacher, but you learn. My God, do you learn."
    C.S. Lewis


  10. #10
    Avatar von -DatBloemsche-
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    Standard Re: Da bin ich bald 29 und fühle mich immer noch wie ein hilfloses Kind manchmal...

    Zitat Zitat von LittleLunacy Beitrag anzeigen
    Wenn die Grundstimmung in der Familie sonst in Ordnung ist, dann helfen die Kinder mehr oder minder freiwillig - manchmal sogar gern (sehe ich auch an meinen Jungs). Bei uns aber war es sehr dysfunktional und da war das Steineschleppen quasi ein "Highlight". Ich würde heute meine Kinder auch nicht in einen hausbau mit einbinden, bis auf Sachen, die sie machen wollen (streichen, fegen etwa) und können - nicht mit 10, 11 jahren richtige, körperliche Arbeit.

    Was meinen Stiefvater anbelangt. Mit dem kannst du nicht reden. Nachdem ich mit 16 nachts aus dem Fenster zu meiner besten Freundin geflüchtet bin (mein "Auszug") war ich noch jahrelang an allem schuld, was im haus kaputt ging oder nicht so lief, wie er das wollte. Der ist als Kind schlimm von seinem Vater verprügelt worden, ich glaube der KANN gar nicht mehr fühlen. Seine eigene Tochter und meinen jüngeren Bruder, der auch nicht sein Kind ist, die haben es nicht so abbekommen - zum Glück. Ich war der Sündenbock und das "schwarze Schaf".

    Die ganze Familie ist so kaputt - die Eltern lebten nebenan, "unser" Haus wurde auf einem geschenkten Teil ihres Grundstücks gebaut. Oben im Haus der Großeltern wohnt der Bruder mit seiner Frau und damals noch den beiden Töchtern. Der ehemals brutal prügelnde Vater ist nun vor zwei Jahren vor Weihnachten an Krebs gestorben und alle waren sooooo traurig. Meine kleine Schwester weiß bis heute nicht, was für ein Mensch ihr geliebter Opa war. Der hat bis zum Schluss seine Frau behandelt wie die Dienstmagd - wenn kein Bier da war konntest du das Geschrei bis sonstwo hören.

    Aber alle haben sich lieb, alles kein Problem.. hachja..

    Vor dem Stiefvater hatte ich noch einen anderen, der hat mich mit zwei Jahren adoptiert und ist das, was einem Vater am nächsten kommt. Die Familie ist genauso flauschig-krank wie die andere. Aber ich war das Problemkind. So mit 20 Jahren Abstand kann ich vieles verstehen aber schalt mal die Gefühle dazu aus. Manchmal möchte ich das auch können.
    ich denke nicht,dass du dich vor alex,so im detail rechtfertigen musst. ich glaube,dass alex erst tippte,weil ihr das aufstieß ,bevor sie weiterlas und zusammenhänge erkennen konnte.


    mir tut es sehr leid für dich
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