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Thema: Bipolare Störungen - Angehörige

  1. #1
    Avatar von Klopferline
    Klopferline ist offline Altlast
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    Standard Bipolare Störungen - Angehörige

    Hat jemand Erfahrung im Umgang mit Menschen, die an bipolaren Störungen leiden?

    Die Ehefrau eines wirklich guten Freundes leidet darunter und mich würde interessieren, was man den Angehörigen/Ehepaartnern in so einem Fall raten kann.

    Die Frau ist absolut uneinsichtig, lehnt grundsätzlich aus Überzeugung alle Pharmapräparate ab, ebenso sämtliche Psychologen, Psychiater und Neurologen, blamiert sich und die Familie in der Öffentlichkeit, trinkt übermäßig Alkohol oder hat halt eben depressive Phasen, in denen sie tagelang kaum ansprechbar im Bett bleibt. Ebenso ist es schon vorgekommen, daß sie plötzlich bewußtlos wird und einfach umfällt.

    Kinder leben keine mehr im Haushalt. Frau geht nicht arbeiten, ist Hausfau. Das Problem besteht ganz massiv und akkut seit 3 Jahren.

    So und jetzt meine Frage: was kann man dem Ehemann sinnvoll raten? War schonmal jemand in der Situation?

  2. #2
    Avatar von orfanos
    orfanos ist offline Legende
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen
    Hat jemand Erfahrung im Umgang mit Menschen, die an bipolaren Störungen leiden?

    Die Ehefrau eines wirklich guten Freundes leidet darunter und mich würde interessieren, was man den Angehörigen/Ehepaartnern in so einem Fall raten kann.

    Die Frau ist absolut uneinsichtig, lehnt grundsätzlich aus Überzeugung alle Pharmapräparate ab, ebenso sämtliche Psychologen, Psychiater und Neurologen, blamiert sich und die Familie in der Öffentlichkeit, trinkt übermäßig Alkohol oder hat halt eben depressive Phasen, in denen sie tagelang kaum ansprechbar im Bett bleibt. Ebenso ist es schon vorgekommen, daß sie plötzlich bewußtlos wird und einfach umfällt.

    Kinder leben keine mehr im Haushalt. Frau geht nicht arbeiten, ist Hausfau. Das Problem besteht ganz massiv und akkut seit 3 Jahren.

    So und jetzt meine Frage: was kann man dem Ehemann sinnvoll raten? War schonmal jemand in der Situation?
    Therapiemotivation der Betroffenen besteht eher in den depressiven Phasen.
    Wenn sie sich oder andere gefährdet, dann muss sie stationär untergebracht werden. Als Angehöriger würde ich das nicht lange mitmachen. Klare Ansage: Therapie oder Trennung!

    Ob man das dann so durchhält, das ist ja immer die andere Frage... Aber pharmakologisch ist heutzutage so viel und so gut möglich.

    Orfanos
    Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken..

    J. W. von Goethe

  3. #3
    Avatar von Klopferline
    Klopferline ist offline Altlast
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von orfanos Beitrag anzeigen
    Therapiemotivation der Betroffenen besteht eher in den depressiven Phasen.
    Wenn sie sich oder andere gefährdet, dann muss sie stationär untergebracht werden. Als Angehöriger würde ich das nicht lange mitmachen. Klare Ansage: Therapie oder Trennung!
    Auch in den depressiven Phasen keine Chance zur Therapie, weil es ihr dann (auch mit Mann gemeinsam) unmöglich ist, das Haus zu verlassen. In der manischen Phase ist sie zu "Spitzenzeiten" fast immer auch betrunken, weshalb bereits ein Krankenhaus die stationäre Aufnahme abgelehnt hat - sie wäre ja nur betrunken.

    Zitat Zitat von orfanos Beitrag anzeigen
    Ob man das dann so durchhält, das ist ja immer die andere Frage... Aber pharmakologisch ist heutzutage so viel und so gut möglich.
    Sie hat einmal der Einnahme eines Medikamentes zugestimmt. Angeblich (ich kann das überhaupt nicht werten, zweifle aber), hat sie davon massive Wucherungen in der Gebärmutter bekommen. Das hat sie in ihren wildesten Verschwörungstheorien bezüglich der Pharmaindustrie nur noch mehr bestärkt.

    Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob sie wirklich "nur" bipolare Störungen hat. So, wie ich das erlebe, ist sie zu mindesten 80 % überhaupt nicht zurechnungsfähig.

    Also: Therapie sehr unwahrscheinlich! Dann wirklich Trennung? eventuelle Selbstmordgefährdung ignorieren?

  4. #4
    Gast

    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen

    So und jetzt meine Frage: was kann man dem Ehemann sinnvoll raten? War schonmal jemand in der Situation?
    Es gibt einen Verband der Angehörigen psychisch Kranker. Den Landesverband hier hab ich beruflich kürzlich mal kennengelernt, die beraten nach meinem Eindruck auf sinnvolle Weise, wie Angehörige mit der Situation umgehen können. Grade bei bipolaren Störungen ist sowas extrem wichtig und hilfreich.

  5. #5
    WATERPROOF ist gerade online Renitent.
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Gegen den Willen der Betroffenen kannst nur was machen, wenn sie eigen- oder fremdgefährdend wird.

    Aber sorry, wenn das Problem schon seit 3 Jahren besteht, ist es nicht "akut", da ist dann wohl auch forciert weggeschaut worden. Alkohol benutzen viele auch als Selbstmedikation.

    Vielleicht ist eine Trennung auch besser für sie, weil sie es in ihrem System einfach nicht mehr aushält.

    Ich habe auch eine bipolare Störung, aber lebe ein normales Leben. Es ist zwar nicht immer einfach, aber es geht. Meine Ehe ist dabei auch teils instabil geworden, aber es lag nicht nur an mir bzw. der Krankheit, auch mein Mann hatte da seine Anteile. Und ich glaub, so ist es meistens.

  6. #6
    Avatar von Klopferline
    Klopferline ist offline Altlast
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von Frau_in_Blau Beitrag anzeigen
    Es gibt einen Verband der Angehörigen psychisch Kranker. Den Landesverband hier hab ich beruflich kürzlich mal kennengelernt, die beraten nach meinem Eindruck auf sinnvolle Weise, wie Angehörige mit der Situation umgehen können. Grade bei bipolaren Störungen ist sowas extrem wichtig und hilfreich.
    Das habe ich auch schon geraten, gesucht und weitergegeben. Ich habe ihn sogar in einem entsprechenden Forum angemeldet, damit er dort Hilfe und Rat suchen kann. Aber der Mann ist nicht der Typ, der "Fremden" vertraut. Er erzählt es mir, täglich, und ich weiß einfach nicht, was ich bei der Fülle der Probleme und Konsequenzen noch sagen soll. Ich höre ja gerne zu aber ich bin Laie und das übersteigt einfach ein gewisses Maß an normalem Menschenverstand.

  7. #7
    Fairie ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen
    Hat jemand Erfahrung im Umgang mit Menschen, die an bipolaren Störungen leiden?

    Die Ehefrau eines wirklich guten Freundes leidet darunter und mich würde interessieren, was man den Angehörigen/Ehepaartnern in so einem Fall raten kann.

    Die Frau ist absolut uneinsichtig, lehnt grundsätzlich aus Überzeugung alle Pharmapräparate ab, ebenso sämtliche Psychologen, Psychiater und Neurologen, blamiert sich und die Familie in der Öffentlichkeit, trinkt übermäßig Alkohol oder hat halt eben depressive Phasen, in denen sie tagelang kaum ansprechbar im Bett bleibt. Ebenso ist es schon vorgekommen, daß sie plötzlich bewußtlos wird und einfach umfällt.

    Kinder leben keine mehr im Haushalt. Frau geht nicht arbeiten, ist Hausfau. Das Problem besteht ganz massiv und akkut seit 3 Jahren.

    So und jetzt meine Frage: was kann man dem Ehemann sinnvoll raten? War schonmal jemand in der Situation?
    Solange sie nicht einsieht, dass sie da Medizin und/oder Therapie braucht, ist da nicht viel zu machen. Da muss sich der Mann überlegen, ob er die Konsequenzen zieht und sich trennt. Natürlich ist das hart, aber es könnte ja die Frau wirklich zum Nachdenken bewegen. Solange er da mitspielt, sieht sie vielleicht keinen Grund das zu ändern.

    Hat die Frau denn die Diagnose bekommen? Wundert mich jetzt, weil sie doch zu keinem Psychiater will. Hat das Paar erwachsene Kinder? Es ist eher ungewöhnlich, dass das nicht schon um die 20 auftritt.

  8. #8
    Avatar von Klopferline
    Klopferline ist offline Altlast
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von WATERPROOF Beitrag anzeigen
    Gegen den Willen der Betroffenen kannst nur was machen, wenn sie eigen- oder fremdgefährdend wird.

    Aber sorry, wenn das Problem schon seit 3 Jahren besteht, ist es nicht "akut", da ist dann wohl auch forciert weggeschaut worden. Alkohol benutzen viele auch als Selbstmedikation.

    Vielleicht ist eine Trennung auch besser für sie, weil sie es in ihrem System einfach nicht mehr aushält.

    Ich habe auch eine bipolare Störung, aber lebe ein normales Leben. Es ist zwar nicht immer einfach, aber es geht. Meine Ehe ist dabei auch teils instabil geworden, aber es lag nicht nur an mir bzw. der Krankheit, auch mein Mann hatte da seine Anteile. Und ich glaub, so ist es meistens.
    Es begann schleichend. Anfangs tat sie manchmal Dinge, da konnte man vielleicht noch schmunzeln. Auch, daß sie mal 24 Stunden im Bett blieb, ja das ging eben, sie war müde. Dann gab es erste Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit, bei einem falsch verstandenen Wort (definitiv so gewesen, Tochter bestätigt das), dem Mann ein Glas Wein ins Gesicht gekippt. Danach verschwand sie mal über Nacht. Klar, konnte man alles irgendwo noch entschuldigen und schaute lieber weg. Da hast Du ganz sicher recht.

    Sie hält kein System aus. Ihre erwachsenen Kinder nicht, den Mann nicht, Freunde nicht. Am liebsten ist sie in den manischen Phasen nachts allein in irgendwelchen Bars unterwegs, um Fremde zu treffen. Vieles, was sie in den manischen Phasen tut, erinnert sie später nicht mehr. Der Mann steht nicht zu ihr, so sagt sie, er geht immer Arbeiten (ist täglich 9 h außer Haus) und will schon um 2.00 Uhr nachts während der Woche ins Bett.

    Mal ein paar Beispiele. Realistisch betrachtet, unterstützen sie alle nach Kräften. Ich denke manchmal, durch diese enorme Unterstützung wird ihr gar nicht klar, daß sie krank ist.

  9. #9
    Fairie ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen
    Auch in den depressiven Phasen keine Chance zur Therapie, weil es ihr dann (auch mit Mann gemeinsam) unmöglich ist, das Haus zu verlassen. In der manischen Phase ist sie zu "Spitzenzeiten" fast immer auch betrunken, weshalb bereits ein Krankenhaus die stationäre Aufnahme abgelehnt hat - sie wäre ja nur betrunken.



    Sie hat einmal der Einnahme eines Medikamentes zugestimmt. Angeblich (ich kann das überhaupt nicht werten, zweifle aber), hat sie davon massive Wucherungen in der Gebärmutter bekommen. Das hat sie in ihren wildesten Verschwörungstheorien bezüglich der Pharmaindustrie nur noch mehr bestärkt.

    Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob sie wirklich "nur" bipolare Störungen hat. So, wie ich das erlebe, ist sie zu mindesten 80 % überhaupt nicht zurechnungsfähig.

    Also: Therapie sehr unwahrscheinlich! Dann wirklich Trennung? eventuelle Selbstmordgefährdung ignorieren?
    Gibt es keine Möglichkeit, dass ein Arzt sie zu Hause besucht? Gerade bei psychischen Krankheiten gibt es oft "mobile" Teams, die nach Hause kommen. Das Problem ist ja nicht gerade selten, dass man die Leute nicht zum Krankenhaus kriegt. Der Mann sollte auch ihren Zugriff auf gemeinsames Geld irgendwie kontrollieren. In manischen Phasen haben Kranke gar keinen relastischen Bezug zu Geld.

    Wenn sie selbstmordgefärdet ist - das ist ja ein Grund sie einweisen zu lassen. Es kann durchaus "nur" bipolär sein. Manche sind dabei psychotisch. Es kann auch eine Mischung sein, aber das muss es gar nicht sein. Manche Bipoläre sind sehr extrem.

  10. #10
    cosima ist offline Urgestein
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    Standard Re: Bipolare Störungen - Angehörige

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen
    Das habe ich auch schon geraten, gesucht und weitergegeben. Ich habe ihn sogar in einem entsprechenden Forum angemeldet, damit er dort Hilfe und Rat suchen kann. Aber der Mann ist nicht der Typ, der "Fremden" vertraut. Er erzählt es mir, täglich, und ich weiß einfach nicht, was ich bei der Fülle der Probleme und Konsequenzen noch sagen soll. Ich höre ja gerne zu aber ich bin Laie und das übersteigt einfach ein gewisses Maß an normalem Menschenverstand.
    du hast jemand anders ungefragt in einem forum angemeldet ?
    Das ist ja wirklich ganz ganz toll!

    Wenn es dir zu viel wird hör halt einfach nicht mehr zu, da kann man auch Grenzen setzen

    letztlich muss da sowieso jeder Betroffene seinen Weg für sich finden und es ist nicht immer hilfreich an die Freunde hinzujammern
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