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  1. #1
    jellybean73 ist offline Legende
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    Standard weil wir es mit dem papst haben

    und ich es immer wieder erstaunlich und faszinierend finde, wie intensiv viele leute glauben (können):
    wie seid ihr denn zu eurem glauben gekommen?
    war der immer da? oder kam die "erkenntnis" ganz plötzlich?
    gab es einen auslöser?
    seid ihr in gläubigen haushalten aufgewachsen, meint ihr, dass das eine große rolle spielt?

    ich hatte ja zeitlebens nie ein "glaubensgen", für mich ist das alles unglaubwürdig (geblieben), sozusagen.
    ich habe keinen zugang dazu und auch keinen drang danach. es spielt keine rolle in meinem leben.
    manchmal denk ich mir, es wär schön, da halt finden zu können, aber ich kann es trotzdem nicht.

    was meint ihr, warum glaubt der eine und der andere nicht?
    genetisch bedingt? *g*
    oder anders?

  2. #2
    Fairie ist gerade online Carpal Tunnel
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Ich halte das schon für "umweltbedingt". Viele sind damit aufgewachsen. Ich bin zwar auch damit aufgewachsen, dass man jeden Sonntag in die Kirche geht und auch sonst die wichtigsten Traditionen mitmacht. Aber irgendwie haben meine Eltern "vergessen" mir auch den Glauben an sich - aus ihrer Sicht - näher zu bringen. Deshalb hab ich mich oft gefragt, ob sie wirklich einen eigenen Glauben haben, von dem sie auch überzeugt sind. Oder ob sie eher nur die Tradition fortführen? Hab mal meinen Cousin gefragt, der meinte, unsere Eltern haben das wohl nie in Frage gestellt, daher mussten sie gar nicht so aktiv Stellung dazu nehmen. Es war irgendwie selbstverständlich. Und für mich war es das NICHT. Vielleicht auch weil man in der Schule und sonst in der Umwelt durchaus kritische Meinungen mitgekriegt hat. Bzw. auch von der Schule angehalten wurde, selbst zu denken.

  3. #3
    jellybean73 ist offline Legende
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Zitat Zitat von Fairie Beitrag anzeigen
    Ich halte das schon für "umweltbedingt". Viele sind damit aufgewachsen. Ich bin zwar auch damit aufgewachsen, dass man jeden Sonntag in die Kirche geht und auch sonst die wichtigsten Traditionen mitmacht. Aber irgendwie haben meine Eltern "vergessen" mir auch den Glauben an sich - aus ihrer Sicht - näher zu bringen. Deshalb hab ich mich oft gefragt, ob sie wirklich einen eigenen Glauben haben, von dem sie auch überzeugt sind. Oder ob sie eher nur die Tradition fortführen? Hab mal meinen Cousin gefragt, der meinte, unsere Eltern haben das wohl nie in Frage gestellt, daher mussten sie gar nicht so aktiv Stellung dazu nehmen. Es war irgendwie selbstverständlich. Und für mich war es das NICHT. Vielleicht auch weil man in der Schule und sonst in der Umwelt durchaus kritische Meinungen mitgekriegt hat. Bzw. auch von der Schule angehalten wurde, selbst zu denken.
    in die kirche sind meine eltern auch gegangen.
    nicht immer ganz regelmäßig, aber doch.
    bei denen war es aber NUR tradition/macht man halt, weil sonst die leute reden. das letztere war der hauptgrund.
    ich hab dann, als ich größer wurde, schon mitbekommen, der glaube an sich bedeutet ihnen nix bzw. sie haben keinen.
    sie sind da nur hin, weil der soziale druck von rundherum zu groß war.

    meien großmutter ist wirklich gläubig im sinn von "himmel" und "auferstehung".
    aber die war das schon immer.
    Geändert von jellybean73 (14.03.2013 um 12:50 Uhr)

  4. #4
    Gast

    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Ich bin zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen aufgewachsen, katholisch und orthodox, die sich gegenseitig angegriffen haben. Vielleicht habe ich deshalb schon von klein auf eine deutliche Skepsis gegenüber absoluten Wahrheiten entwickelt, so dass ich mit der Kirche nie warm werden konnte, obwohl ich auch Zeiten hatte, in denen ich mich intensiv damit auseinandergesetzt habe.

    Einen Zugang zu einer höheren Kraft in mir hatte ich schon immer, im Laufe des Lebens wird sie für mich immer wichtiger. Gott, Liebe, Leben, wie auch immer man sie nennen mag spielt keine Rolle, man kann sie nur erfahren. Im Grunde weist jede Religion auf diese Kraft hin, nur der Mensch hat halt wieder so ein Bessergewisse daraus gemacht. Jede spirituelle Lehre, die Trennung, Urteilen, Ausgrenzung, Härte, Strafe lehrt oder praktiziert ist für mich nichts wert.

    Ich habe eine Weile versucht in der katholischen Kirche, der ich theoretisch angehöre, die Manifestation des Göttlichen zu finden, aber es ist mir nicht gelungen. Sicher, in einigen einzelnen Vertretern schon, aber als Institution mit einer Lehrmeinung ist sie für mich weit von Liebe und Gemeinschaft entfernt. Wahrscheinlich kann Liebe und Gemeinschaft nicht gedeihen wenn Hierarchie, Ausgrenzung und Festhalten dominiert.

    Ich werde jetzt wenn meine Bedenkzeit um ist wohl austreten. Mir wird immer deutlicher, dass schon das reine Einteilen in Gruppen nichts als Trennung schafft und aufrechterhält.
    Geändert von mophithaja (14.03.2013 um 13:04 Uhr)

  5. #5
    Evliya ist offline Pooh-Bah
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    und ich es immer wieder erstaunlich und faszinierend finde, wie intensiv viele leute glauben (können):
    wie seid ihr denn zu eurem glauben gekommen?
    war der immer da? oder kam die "erkenntnis" ganz plötzlich?
    gab es einen auslöser?
    seid ihr in gläubigen haushalten aufgewachsen, meint ihr, dass das eine große rolle spielt?

    ich hatte ja zeitlebens nie ein "glaubensgen", für mich ist das alles unglaubwürdig (geblieben), sozusagen.
    ich habe keinen zugang dazu und auch keinen drang danach. es spielt keine rolle in meinem leben.
    manchmal denk ich mir, es wär schön, da halt finden zu können, aber ich kann es trotzdem nicht.

    was meint ihr, warum glaubt der eine und der andere nicht?
    genetisch bedingt? *g*
    oder anders?
    Ich denke, jeder Mensch braucht einen Anker im Universum, insofern ist es uns immanent (etwas) glauben zu wollen.
    Was man dann glaubt, hängt wahrscheinlich vom individuellen Erleben ab.

    Ich bin evangelisch getauft und auch noch konfirmiert. In meiner frühen Jugend hatten wir einen tollen Pfarrer, der auch den Schulunterricht gehalten hat. Der war modern und aufgeschlossen und lebte einen lebendigen, an den Menschen orientierten Glauben. In der Zeit bin ich auch öfter in die Kirche gegangen.
    Danach kam allerdings ein Pfarrer, mit dem konnte ich nichts anfangen. Da ging es dann immer nur noch darum, dass das Leben in irdisches Jammertal sei und es Glückseeligkeit nur im Himmelreich gibt etc.... Das gefiel mir nicht, das wollte ich nicht für mich, das entsprach nicht meinem Erleben und meiner Vorstellung vom Leben. Und komischerweise treffe ich bei meinen gelegentlichen Begegnungen mit der Kirche (Hochzeiten, Todesfälle) immer auf Kirchenvertreter dieser Art. Dazu kam dann altersgemäß die üblichen Kritikpunkte an der Institution Kirche, z.B. solche Schwänke, wie dass mein Vater an der einzigen örtlichen Schule (natürlich katholisch) während des Religionsunterrichtes immer auf einem Holzscheit in der Ecke knien musste, weil er als unehelich galt, da meine Großeltern von einem evangelischen Pfarrer getraut wurden, da mein Opa evangelisch war und meine Oma katholisch. Mit 20 bin ich dann aus Überzeugung ausgetreten.
    There ARE magic numbers!
    29.01.11 - 49 cm - 3660 gr

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  6. #6
    Miss_Granger ist offline Veteran
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Ich bin schwer ungläubig und vermisse auch keinen Halt in meinem Leben, die mir Geschichten alleine sowieso nicht geben könnten. Ich bin gläubig/ungläubig aufgewachsen. Mit Oma haben wir gebetet, meine Mutter ist auch gläubig, mein Vater ungläubig. Es gab keinen Streit deswegen, meine Eltern haben sich gegenseitig immer in Ruhe gelassen mit ihren Einstellungen.

    Wenn es meiner Mutter extrem wichtig war und sie meinen Vater drum gebeten hat, ist er auch mit in die Kirche gegangen. Nur gebetet hat er natürlich nicht. Ich mache das auch so. Wenn es ihr wichtig ist (in 35 Jahren sprechen wir hier von 2x), dann gehe ich mit. Ich hab mich nach eingehenden Überlegungen, Besuchen von Gottesdiensten, Lesen der Bibel usw. für die nichtgläubige Seite entschieden. Mir ist es einfach zu viel Märchen. Ich kann das nicht ernst nehmen. Deswegen glaube ich natürlich auch nicht an den Himmel, Seelenwanderungen, Vergebung der Sünden, Gottes Strafe oder Segen oder ähnliches. Ich glaube nicht an das Schicksal und nicht an Wunder.


    Gerade nach schweren Schlägen (Tod eines Angehörigen) sehe ich, dass es den Gläubigen etwas leichter fällt, gewisse Dinge einfach hinzunehmen. Sie gehen davon aus, dass sie ihn irgendwann wiedersehen. Ich hab es da schwerer. Ich weiß, dass der Abschied für die Ewigkeit ist. Ich werde denjenigen nie mehr sehen.

    Manchmal vermute ich, dass die Gläubigen ihre Meinung, bzw. ihren Glauben von den Eltern übernommen haben, nie hinterfragt haben und so richtig ausgereift ist die Meinung auch häufig nicht. Andere können voller Überzeugung glauben. Aussuchen kann man es sich wahrscheinlich nicht wirklich. Ich könnte nicht von heute auf morgen sagen: "So, ab jetzt glaube ich an Gott." Das funktioniert nicht.

  7. #7
    Schnatti. ist offline CrazyCatLady
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    und ich es immer wieder erstaunlich und faszinierend finde, wie intensiv viele leute glauben (können):
    wie seid ihr denn zu eurem glauben gekommen?
    war der immer da? oder kam die "erkenntnis" ganz plötzlich?
    gab es einen auslöser?
    seid ihr in gläubigen haushalten aufgewachsen, meint ihr, dass das eine große rolle spielt?

    ich hatte ja zeitlebens nie ein "glaubensgen", für mich ist das alles unglaubwürdig (geblieben), sozusagen.
    ich habe keinen zugang dazu und auch keinen drang danach. es spielt keine rolle in meinem leben.
    manchmal denk ich mir, es wär schön, da halt finden zu können, aber ich kann es trotzdem nicht.

    was meint ihr, warum glaubt der eine und der andere nicht?
    genetisch bedingt? *g*
    oder anders?
    Ich bin in einem Haushalt groß geworden in dem die Kirche ein böser unsäglicher Verein voller Lügner (u.v.m.) ist...da kann man gar nicht anders, als nicht zu glauben.

  8. #8
    Fairie ist gerade online Carpal Tunnel
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Zitat Zitat von Miss_Granger Beitrag anzeigen
    Ich bin schwer ungläubig und vermisse auch keinen Halt in meinem Leben, die mir Geschichten alleine sowieso nicht geben könnten. Ich bin gläubig/ungläubig aufgewachsen. Mit Oma haben wir gebetet, meine Mutter ist auch gläubig, mein Vater ungläubig. Es gab keinen Streit deswegen, meine Eltern haben sich gegenseitig immer in Ruhe gelassen mit ihren Einstellungen.

    Wenn es meiner Mutter extrem wichtig war und sie meinen Vater drum gebeten hat, ist er auch mit in die Kirche gegangen. Nur gebetet hat er natürlich nicht. Ich mache das auch so. Wenn es ihr wichtig ist (in 35 Jahren sprechen wir hier von 2x), dann gehe ich mit. Ich hab mich nach eingehenden Überlegungen, Besuchen von Gottesdiensten, Lesen der Bibel usw. für die nichtgläubige Seite entschieden. Mir ist es einfach zu viel Märchen. Ich kann das nicht ernst nehmen. Deswegen glaube ich natürlich auch nicht an den Himmel, Seelenwanderungen, Vergebung der Sünden, Gottes Strafe oder Segen oder ähnliches. Ich glaube nicht an das Schicksal und nicht an Wunder.


    Gerade nach schweren Schlägen (Tod eines Angehörigen) sehe ich, dass es den Gläubigen etwas leichter fällt, gewisse Dinge einfach hinzunehmen. Sie gehen davon aus, dass sie ihn irgendwann wiedersehen. Ich hab es da schwerer. Ich weiß, dass der Abschied für die Ewigkeit ist. Ich werde denjenigen nie mehr sehen.

    Manchmal vermute ich, dass die Gläubigen ihre Meinung, bzw. ihren Glauben von den Eltern übernommen haben, nie hinterfragt haben und so richtig ausgereift ist die Meinung auch häufig nicht. Andere können voller Überzeugung glauben. Aussuchen kann man es sich wahrscheinlich nicht wirklich. Ich könnte nicht von heute auf morgen sagen: "So, ab jetzt glaube ich an Gott." Das funktioniert nicht.
    Mir geht's ähnlich. Ich könnte nie an einen Gott glauben, ich bin einfach sicher, dass es keinen gibt. Und ich glaube auch, dass viele ihren Glauben nicht richtig hinterfragt haben und er daher nicht wirklich "tief" ist. Ich finde es übrigens immer wieder interessant wie unterschiedlich das in verschiedenen Ländern ist. Jetzt reden wir nicht von Afghanistan oder so.... aber z.B. in den USA geht es so gar nicht, Atheist zu sein. Da kannst du kein Politiker sein und überhaupt kein öffentliches Amt haben. In Deutschland ist es etwas entspannter, aber ein Teil Menschen hat durchaus einen Glauben. In Schweden, wo ich seit gut 20 Jahren lebe, glaubt so gut kaum einer. Und vor allem Teenager und junge Menschen hier glauben manchmal, dass das nur entweder sehr naive Leute sind, die einen Glauben haben, oder nur Moslems und ein paar christliche Extremisten. Oder höchstens noch die ältere Generation.

  9. #9
    Fairie ist gerade online Carpal Tunnel
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    in die kirche sind meine eltern auch gegangen.
    nicht immer ganz regelmäßig, aber doch.
    bei denen war es aber NUR tradition/macht man halt, weil sonst die leute reden. das letztere war der hauptgrund.
    ich hab dann, als ich größer wurde, schon mitbekommen, der glaube an sich bedeutet ihnen nix bzw. sie haben keinen.
    sie sind da nur hin, weil der soziale druck von rundherum zu groß war.

    meien großmutter ist wirklich gläubig im sinn von "himmel" und "auferstehung".
    aber die war das schon immer.
    Ich steige da, ehrlich gesagt, nicht dahinter bei meinen Eltern. Es ist nicht so eindeutig nur wegen der Leute. Andererseits hab ich auch keine Anzeichen von eigener bewusster Überzeugung gemerkt.

  10. #10
    Fairie ist gerade online Carpal Tunnel
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    Standard Re: weil wir es mit dem papst haben

    Zitat Zitat von Schnatti. Beitrag anzeigen
    Ich bin in einem Haushalt groß geworden in dem die Kirche ein böser unsäglicher Verein voller Lügner (u.v.m.) ist...da kann man gar nicht anders, als nicht zu glauben.
    Das finde ich falsch. Ich wollte meine Kinder da nie beeinflussen. Deshalb hat es mich geärgert, wenn mein Ex-Mann da öfters mal sarkastische Scherze über Religion gemacht hat. Ich wollte eher, dass meine Kinder den Glauben anderer Leute respektieren, auch wenn sie ihn nicht teilen. Und dass sie eine Wahl haben. Wer nur die eine Seite hört, kann nicht so gut wählen. Gut, er kann es zwar, aber nicht so gut.

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