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Thema: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

  1. #247261
    Avatar von Junon
    Junon ist offline ... war mal FiB

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von stpaula_75 Beitrag anzeigen
    Wie denn auch, in aller Welt?
    Das wäre ja eigentlich drangewesen, als die Pandemie kam. Das ist so mistig.

    Zum eigentlichen Thema kann ich nicht viel beitragen. Ich hatte hier eine sehr liebe Bekannte, deren eines Kind das Rettsyndrom hat. Als das Mädchen etwa acht war, hat sie sie in eine Einrichtung gegeben, sie hat es nicht mehr geschafft zuhause. Es ist ihr wahnsinnig schwer gefallen, und ich weiß nicht, ob ihre ‚Schuldgefühle‘ irgendwann vergangen sind, wir haben leider keinen Kontakt mehr. Sie holte die Kleine seinerzeit aber an den Wochenenden nach Hause, trotzdem war immer auch ein Gefühl von abschieben dabei.
    Ich stell mir das wahnsinnig schwer vor, da abzuwägen und dann zu entscheiden, bei Kindern, die nicht mitentscheiden können.

    Edit: das ist ja weder bei deinem, noch bei ZZKs Sohn in der Form überhaupt zutreffend.

    Es gibt halt da auch, wie immer, alles. Ich kenne auch einige Familien, deren Kinder in Heimen oder WGs leben, und das funktioniert sehr gut. Bei einer anderen Familie hat sich die Mutter wirklich aufgearbeitet, bis die Tochter starb. Da habe ich mir von außen immer gedacht: Mensch, hol dir doch Unterstützung, wenigstens Nachtdienste. Aber das wollte sie nicht. Für sie fühlte sich das richtig an und sie war rückblickend froh, es so gemacht zu haben.

    Wie Menschen ihr Elternsein leben, ist halt sehr individuell. Das ist bei gesunden Kindern nicht anders als bei kranken.

    Wir haben ja eine 24h-Versorgung (normalerweise) und meine Tochter lebt in ihrer eigenen Wohnung, aber bei mir im Haus. Für mich ist das weniger anstrengend, als wenn ich sie am Wochenende aus einer Einrichtung holen würde und die ganze Zeit dann selbst versorgen müsste, weil dann kein Pflegedienst mehr bezahlt würde.
    lucillaminor und Zickzackkind gefällt dies.

  2. #247262
    Fimbrethil ist gerade online Baumhuhn

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen

    Uffz. Ich bin dann bedient. Danke.
    1) du bist definitiv eine gute Mutter, denn dein Kind hat erkannt, dass da gewaltig was schief läuft UND ist zu dir gekommen
    2) du hast super reagiert
    3) die Reaktion der beiden anderen Mütter ist auch gut, das macht Mut
    4) auch die Schule reagiert, auch gut.

  3. #247263
    Fimbrethil ist gerade online Baumhuhn

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von Junon Beitrag anzeigen
    Hey, alles bestens.

    Was ich ja lustig finde: Die Frage nach dem Loslassen oder Abgeben stellt sich ja zunehmend auch bei ganz gesunden erwachsenen Kinder, aber umgekehrt. Da gibts inzwischen eine ganze Reihe Menge Forschung dazu, dass das Abnabeln durch die vertrauensvolleren, freundschaftlicheren Beziehungen zwischen Eltern und Kindern - ist ja deutlich enger als früher - viel später stattfindet. Ich habe einige Mütter von erwachsenen Kindern in meinem Freundeskreis, die (heimlich) seufzen, weil die Kinder tatsächlich emotional noch sehr am Rockzipfel hängen und die Mütter gerne mehr abgeben würden.
    Da ändert sich grade was im Vergleich zu früheren Generationen
    Ich glaube, da hast du recht.
    Keine große Sehnsucht mehr, endlich der Enge des Elternhauses zu entkommen.

  4. #247264
    Fimbrethil ist gerade online Baumhuhn

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Im Sonderkindergarten von Nr. 2 gab es eine Familie:
    Kind schwer behindert, Vater berufstätig, aber ohne Führerschein, Geld offensichtlich knapp.
    Die Mutter musste den Vater morgens zur Arbeit fahren und auch später wieder abholen, das Kind versorgen.
    Sich selbst immer nur hintangestellt.
    Als die Frage der Einschulung sich näherte, gab es 2 Schulen, die in Frage kamen, eine davon mit Internat. Aber ihre Tochter schläft nicht auswärts, also kam das Internat nicht in Frage (für uns damals auch nicht, mit 13 ist der Sohn aber dahin gewechselt, DA war es dann genau richtig, davor war es anders besser).
    Sie hatte wohl schon das eine oder andere Mal eine Nierenbeckenentzündung o.ä. gehabt, aber für Krankenhaus und so war keine Zeit, jedenfalls saß sie eines Tages tot im Sessel.
    Der Vater war völlig überfordert, der Kindergarten hat dann organisiert (oder mitgeholfen, angestoßen, wie auch immer), dass das Mädchen schon ein paar Monate früher eingeschult wurde.

    Zitat Zitat von Junon Beitrag anzeigen
    Es gibt halt da auch, wie immer, alles. Ich kenne auch einige Familien, deren Kinder in Heimen oder WGs leben, und das funktioniert sehr gut. Bei einer anderen Familie hat sich die Mutter wirklich aufgearbeitet, bis die Tochter starb. Da habe ich mir von außen immer gedacht: Mensch, hol dir doch Unterstützung, wenigstens Nachtdienste. Aber das wollte sie nicht. Für sie fühlte sich das richtig an und sie war rückblickend froh, es so gemacht zu haben.

    Wie Menschen ihr Elternsein leben, ist halt sehr individuell. Das ist bei gesunden Kindern nicht anders als bei kranken.

    Wir haben ja eine 24h-Versorgung (normalerweise) und meine Tochter lebt in ihrer eigenen Wohnung, aber bei mir im Haus. Für mich ist das weniger anstrengend, als wenn ich sie am Wochenende aus einer Einrichtung holen würde und die ganze Zeit dann selbst versorgen müsste, weil dann kein Pflegedienst mehr bezahlt würde.

  5. #247265
    Fimbrethil ist gerade online Baumhuhn

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen

    Ich möchte dies aber jetzt gerne beenden. Einerseits weil ich das Gefühl habe, nicht richtig verstanden zu werden. Aber andererseits auch, weil ich denke, dass es nicht gut ist, das hier weiter auszubreiten. Ich möchte niemand zu nahe treten und Dinge schreiben, die missverstanden werden oder mir nicht zustehen.
    Tut mir wirklich leid, wenn du dachtest, ich hätte das so verstanden.
    Ich stimme doch mit dir überein, glaube ich jedenfalls *g*
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  6. #247266
    Avatar von Junon
    Junon ist offline ... war mal FiB

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von Fimbrethil Beitrag anzeigen
    Ich glaube, da hast du recht.
    Keine große Sehnsucht mehr, endlich der Enge des Elternhauses zu entkommen.
    Ja, genau, das war bei uns definitiv anders (auch nicht bei allen, klar). Die Beziehungen sind von Anfang an viel partnerschaftlicher gestaltet worden - Kinder wurden ernst genommen, liebevoll begleitet, durften überall mitreden.In unserer Generation waren Eltern ja eher Leute, die Macht und Kontrolle hatten und von denen man sich von klein auf lieber nicht zu genau in die Karten schauen ließ, mal überspitzt gesagt.

    Ich staune schon auch manchmal, was mir meine Tochter alles ganz unbekümmert erzählt, als wäre ich eine ihrer Freundinnen.
    Schon allein das Beispiel mit dieser Eisenbahnbrücke - niemals hätte ich meine Mutter dorthin geschleift. Und auch sonst habe ich viel mehr Anteil an ihrem Leben, obwohl sie wirklich selbständig ist und mehrere 100km weit weg wohnt als das bei mir jemals der Fall war.
    Das ist einerseits sehr schön, hat aber natürlich auch Schattenseiten.
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  7. #247267
    TanteHilde ist offline TanteGünni

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Nicht angucken, nicht ansprechen, nicht anlächeln!!!!!
    *verbuddel*

  8. #247268
    Avatar von wenhei
    wenhei ist offline eigentlich immer Optimist

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von TanteHilde Beitrag anzeigen
    Nicht angucken, nicht ansprechen, nicht anlächeln!!!!!
    *verbuddel*
    *in die Flügel spring und durchkuschel*

    Das ist nach Deiner Auflistung erlaubt.
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    Fräulein Wenhei Gertrude Esilabeth von Hühnerstein!

    Träumerle (04/04) Hibbelmors (03/06) Grinsebacke (01/08) Madame Zufrieden (05/10)
    Purtzel (05/12)

  9. #247269
    Fimbrethil ist gerade online Baumhuhn

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    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von Junon Beitrag anzeigen
    Ja, genau, das war bei uns definitiv anders (auch nicht bei allen, klar). Die Beziehungen sind von Anfang an viel partnerschaftlicher gestaltet worden - Kinder wurden ernst genommen, liebevoll begleitet, durften überall mitreden.In unserer Generation waren Eltern ja eher Leute, die Macht und Kontrolle hatten und von denen man sich von klein auf lieber nicht zu genau in die Karten schauen ließ, mal überspitzt gesagt.

    Ich staune schon auch manchmal, was mir meine Tochter alles ganz unbekümmert erzählt, als wäre ich eine ihrer Freundinnen.
    Schon allein das Beispiel mit dieser Eisenbahnbrücke - niemals hätte ich meine Mutter dorthin geschleift. Und auch sonst habe ich viel mehr Anteil an ihrem Leben, obwohl sie wirklich selbständig ist und mehrere 100km weit weg wohnt als das bei mir jemals der Fall war.
    Das ist einerseits sehr schön, hat aber natürlich auch Schattenseiten.
    Für das kleinbäuerliche Umfeld waren meine Eltern eigentlich echt gut, aber halt übergriffig, und dann gab es da noch die Oma im Haushalt.....
    Es hat lange gedauert, bis sie mich als eigenständigen Menschen akzeptiert haben, und ich war nicht böse, so weit weg zu sein.
    Inzwischen, wo sie jetzt alt werden, ist es Mist und ich wäre gerne näher bei ihnen.

  10. #247270
    Gast Gast

    Standard Re: Stacheldraht Gemeinschaft -SLP-

    Zitat Zitat von TanteHilde Beitrag anzeigen
    Nicht angucken, nicht ansprechen, nicht anlächeln!!!!!
    *verbuddel*
    *wortlos und unauffällig süßes, schokoladiges Gebäck zu Hildes Nest schieb*
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