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Thema: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

  1. #21
    Mumpitz ist offline Legende
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Vermutlich ist es eine Frage der Erfahrungen, der persönlichen Ressourcen und der sozialen Unterstützung. Es ist doch ein sehr nachvollziehbarer Wunsch in der Konfrontation mit einer emotional so schwierigen Situation irgendwie "gerettet" zu werden. Angst vor dem eigenen Schmerz, Angst in der Öffentlichkeit Gefühle zu zeigen oder die eigenen Gefühle nicht mehr kontrolliert zum Ausdruck bringen zu können. Und dann ist die Frage ob ich Möglichkeiten sehe hier Unterstützung zu erhalten (durch Zuspruch, durch Freunde/Familie, durch Erfahrungen auf die ich zurückgreifen kann, dadurch, dass ich mich in meinem Umfeld aufgehoben und aufgefangen fühle) oder nicht.

    Die Leute werfen sich zu allen möglichen Gelegenheiten diverse Mittelchen ein (zum Schlafen, vor Flugreisen, vor Prüfungen,...).
    In den Fällen, die ich so kenne, geht es meistens gar nicht direkt um das Zeigen von Gefühlen zu kontrollieren, sondern darum, heftige psychosomatische Symptome zu unterdrücken- also Zitteranfälle, Durchfall/Erbrechen, Kreislaufkollaps.....

  2. #22
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist offline Legende
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Mumpitz Beitrag anzeigen
    In den Fällen, die ich so kenne, geht es meistens gar nicht direkt um das Zeigen von Gefühlen zu kontrollieren, sondern darum, heftige psychosomatische Symptome zu unterdrücken- also Zitteranfälle, Durchfall/Erbrechen, Kreislaufkollaps.....
    Die meisten Leute nehmen Pillen prophylaktisch aus der Angst vor diesen Reaktionen und nicht aufgrund solcher tatsächlicher Reaktionen.

    Zitteranfälle und Kreislaufprobleme sind häufig vorübergehend (hinlegen, Beine hoch, Glas Wasser,...), gegen Durchfall und Erbrechen gibt es im Zweifelsfall andere schnellwirksame Medikamente. Ich will damit nicht sagen dass das Pillepalle ist, aber es ist halt eine Frage der Herangehensweise.
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  3. #23
    Fimbrethil ist offline Baumhuhn
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Babette267 Beitrag anzeigen
    Ich weiß auch nicht, wozu das gut sein soll. Die Beerdigung ist nicht "das Schlimmste", denn dann hat man von allen Seiten Zuspruch und Mitgefühl. Viel schlimmer ist die Trauer danach, wenn andere schon längst wieder abgeschlossen haben mit der Angelegenheit.
    Meiner Mutter allerdings wurde auch von Freunden empfohlen, zur Beerdigung meines Vaters "was zu nehmen". Sie hat es nicht getan.

    Also, der Moment, wo der Sarg in die Erde gesenkt wird, der war einfach schlimm wie ein glühendes Messer im Gedärm.
    Und ich habe eigentlich von Beginn bis Ende der Beerdigung geheult.
    Und danach die Tränen weggedrückt und mit meinem Auto nach Hause gefahren, Kaffeetrinken war nur 3 min entfernt von uns.
    Und war erstaunt, dass einige, meine Eltern inklusive, mich anguckten wie ein Auto, dass ich "in meinem Zustand" fahren wollte.

    Nein, ich hatte keine Medis, und ich habe auch keine gebraucht.
    Aber ich habe vollstes Verständnis, wenn jemand welche braucht oder zumindest das Gefühl hat, es ohne nicht zu überstehen.
    Mir laufen auch jetzt, 1,5 Jahre später, gerade wieder die Tränen übers Gesicht.
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  4. #24
    Avatar von ChilangaReloaded
    ChilangaReloaded ist offline Altes Eisen!
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Fimbrethil Beitrag anzeigen
    Also, der Moment, wo der Sarg in die Erde gesenkt wird, der war einfach schlimm wie ein glühendes Messer im Gedärm.
    Und ich habe eigentlich von Beginn bis Ende der Beerdigung geheult.
    Und danach die Tränen weggedrückt und mit meinem Auto nach Hause gefahren, Kaffeetrinken war nur 3 min entfernt von uns.

    Nein, ich hatte keine Medis, und ich habe auch keine gebraucht.
    Aber ich habe vollstes Verständnis, wenn jemand welche braucht oder zumindest das Gefühl hat, es ohne nicht zu überstehen.
    Mir laufen auch jetzt, 1,5 Jahre später, gerade wieder die Tränen übers Gesicht.
    Schönheit vergeht. Hektar besteht.

  5. #25
    Gast

    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    in der zeit, bis die beerdigung stattfindet, sind viele leute oft eh durch den seelenschmerz betäubt und müssen sich konzentrieren, alles für die beerdigung vorzubereiten und was alles kurzfristig erledigt werden muss, wozu aber auch der gang zum beerdigunsinstitut gehört, wenn man es nicht selbst macht. manche haben hilfe aus der familie, andere nicht.

    wenn die große aufregung hinter einem ist, die beerdigung ist vorbei, fängt quasi die richtige trauerzeit an.
    die kathol. kirche hat das sechswochenamt, dann gibt es das witwenjahr, das ist ungefähr angelehnt an die schlimmsten phasen und eckpunkte für hinterbliebene..trauer hört nie auf, sie verändert sich bloß.

    wer meint, er braucht nicht mehr zu trauern, oder er wäre fertig damit, hat wahrscheinlich noch ein ganz anderes problem bekommen...

    tatsächlich brauchen viele erst dann richtig unterstützung, wenn das bett leer ist und der sessel leer ist, und es sind noch erbsachen zu klären, versicherungen müssen umgeschrieben werden, haushalt muss aufgelöst werden usw, das kann einen schon mal gern über den kopf wachsen. manchmal wäre da pillen zur stablisierung der seele ganz nützlich.
    und immer wieder kommen erinnerungen hoch und vor lauter zu tun vergisst manch einer sich selbst, vergisst für sich zu sorgen an wäschewaschen, gesundes essen kochen, genug schlaf und auszeiten....
    genau da bleiben viele oft alleine und ohne hilfe.
    eine mehrmonatige professionelle oder enge private begleitung und unterstützung nebst gff medikamenen kann der seele helfen gesund zu bleiben.
    das andere extrem wäre dann suizide oder depressionen, weil alles über einen wächst und keine hilfe weit und genau jetzt wird einem der verlust des partners oder wem auch immer so richtig bewusst...psychopillen sind schon ein hartes geschoss.
    aber ich glaube, richtig angewandt, können sie auch gewissermaßen leben retten.

  6. #26
    Avatar von Pietje
    Pietje ist offline Trümmerlotte
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Fimbrethil Beitrag anzeigen
    Mir laufen auch jetzt, 1,5 Jahre später, gerade wieder die Tränen übers Gesicht.
    http://www.smiliemania.de/smilie132/00001934.gif "Mama, wenn Leute A-A zu Kacke sagen, finde ich das Scheiße!"

  7. #27
    Grinsekater ist offline Gesperrt
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Loctite Beitrag anzeigen
    Frage einer Unwissenden, der Thred von Kicki bringt mich darauf, weil es da an der ein oder anderen Stelle angesprochen wurde:

    Wie dröhnt man sich mit Medikamenten zu? Wieso sollte man das tun anlässlich einer Beerdigung? Darf man nicht traurig sein? Wo kriegt man die Medikamente her und was muss man nehmen um angemessen zugedröhnt zu sein?

    Man sollte ja laufen und sprechen können, oder??

    Ich glaube nicht, dass ich je jemanden auf einer Beerdigung getroffen habe, der zugedröhnt war
    Das kommt mir vollkommen abwegig vor.
    Kommt ja immer auf die Situation und Person ab.
    Meine Freundin hat zur Beerdigung ihres Mannes auch Diazepam genommen. Ohne hätte sie das nicht geschafft. Und ich finde es durchaus ok. Es war für uns schon schlimm, wie muss es erst für sie gewesen sein:-(
    Fimbrethil gefällt dies

  8. #28
    Avatar von ChilangaReloaded
    ChilangaReloaded ist offline Altes Eisen!
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Loctite Beitrag anzeigen
    Frage einer Unwissenden, der Thred von Kicki bringt mich darauf, weil es da an der ein oder anderen Stelle angesprochen wurde:

    Wie dröhnt man sich mit Medikamenten zu? Wieso sollte man das tun anlässlich einer Beerdigung? Darf man nicht traurig sein? Wo kriegt man die Medikamente her und was muss man nehmen um angemessen zugedröhnt zu sein?

    Man sollte ja laufen und sprechen können, oder??

    Ich glaube nicht, dass ich je jemanden auf einer Beerdigung getroffen habe, der zugedröhnt war
    Das kommt mir vollkommen abwegig vor.
    Bei der Beerdigung meines Vaters habe ich nichts genommen. Ich glaube, meine Mutter hatte was zur Beruhigung.
    Ich wollte das ganze Drumrum ausblenden, die vielen Menschen, die Beileidsbezeugungen.
    Meine Mutter war schlichtweg am Ende und ist zusammengebrochen, als sie vom Tod ihres Mannes erfuhr. Ich kann es ihr nicht verdenken, dass sie Beruhigungsmittel brauchte. Ich glaube, ein, zwei Tage nach der Trauerfeier hat sie es sein lassen, aber davor ging es nicht ohne.
    Und sie war nicht zugedröhnt, aber sie funktionierte.
    Schönheit vergeht. Hektar besteht.

  9. #29
    Fimbrethil ist offline Baumhuhn
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von ChilangaReloaded Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Pietje Beitrag anzeigen
    Danke.
    Er fehlt, der Heini.

  10. #30
    Avatar von Pietje
    Pietje ist offline Trümmerlotte
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Fimbrethil Beitrag anzeigen
    Danke.
    Er fehlt, der Heini.
    Ja - an jeder Ecke und an jedem Ende...
    http://www.smiliemania.de/smilie132/00001934.gif "Mama, wenn Leute A-A zu Kacke sagen, finde ich das Scheiße!"

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