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Thema: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

  1. #71
    Avatar von WhiseWoman
    WhiseWoman ist offline Es werde Licht.
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Es ist schwierig für mich diese Diskussion zu führen und zu argumentieren, ohne Gefahr zu laufen, respektlos gegenüber Betroffenen zu wirken. Es liegt mir sehr fern zynisch zu sein oder individuelle Befindlichkeiten in Extremsituationen abzutun oder gar zu verharmlosen. Das wollte ich damit nicht sagen!

    Sicherlich ist es für viele die erste Wahl, ein entsprechendes Medikament einzunehmen. Für manche ist es vielleicht sogar die beste Wahl. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es gerade bei Panik sehr einfache und hochwirksame andere Herangehensweisen gibt - die nützen nur nicht, wenn mir diese nicht bereits im Vorfeld geläufig und vertraut sind oder ich niemanden habe, der mich diesbezüglich erfolgreich anleitet. Manchmal kommt's auch gar nicht so schlimm wie befürchtet, viele Menschen nehmen aber nicht erst dann ein Medikament wenn sie den Eindruck haben es nicht mehr zu schaffen, sondern aus lauter Angst nehmen sie es vorsorglich. Es geht einem in dem Moment ja schon schlecht genug und man malt sich alles mögliche aus.

    Der Grund warum ich der Medikamenteneinnahme relativ kritisch gegenüberstehe ist, dass aus meiner Erfahrung heraus sehr viele Ärzte nicht unbedingt die geeignetsten Medikamente verordnen (ganz zu schweigen von der Dosierung). Die Leute sind dann platt und je nach dem wie sie mit der Einnahme umgehen hinterher auch noch abhängig (ja, schon erlebt und zwar mehrfach). Ich habe schon eine Mutter erlebt die den Nachmittag dann schlafend (unerweckbar!) im Bett verbracht hat anstatt Abschied von ihrer verstorbenen Tochter nehmen zu können.
    Gut, Letzteres kann mir nicht passieren

    Es ist für viele wichtig, etwas in der Tasche zu haben ... viele nehmen das Medikament gar nicht ein, aber es beruhigt, es zu haben.

    Im Falle des Todes eines nahen Angehörigen ist es für viele Leute ein Rettungsanker. Als mein Großvater, der mir sehr nahestand, starb, habe ich den ersten Tag nur mit einem Tranquillizer überstanden, weil ich nämlich nicht in der Ecke sitzen und weinen konnte, sondern funktionieren musste. Zur Beerdigung hatte ich das Medikament nur noch in der Jackentasche.
    Нет худа без добра.

  2. #72
    Avatar von WhiseWoman
    WhiseWoman ist offline Es werde Licht.
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Ernsthaft?

    Unabhängig vom Beerdigungsthema: Ich weiß von sehr vielen Menschen, die vorbeugend alles mögliche nehmen und kenne auch sehr viele Ärzte die sehr rasch ziemlich viel verordnen.
    Wir reden hier aber nicht von diesen "Allesfressern", sondern von der Extremsituation Todesfall/Beerdigung.
    tigger, Fimbrethil, nightwish und 3 anderen gefällt dies.
    Нет худа без добра.

  3. #73
    Gast

    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Es ist schwierig für mich diese Diskussion zu führen und zu argumentieren, ohne Gefahr zu laufen, respektlos gegenüber Betroffenen zu wirken. Es liegt mir sehr fern zynisch zu sein oder individuelle Befindlichkeiten in Extremsituationen abzutun oder gar zu verharmlosen. Das wollte ich damit nicht sagen!

    Sicherlich ist es für viele die erste Wahl, ein entsprechendes Medikament einzunehmen. Für manche ist es vielleicht sogar die beste Wahl. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es gerade bei Panik sehr einfache und hochwirksame andere Herangehensweisen gibt - die nützen nur nicht, wenn mir diese nicht bereits im Vorfeld geläufig und vertraut sind oder ich niemanden habe, der mich diesbezüglich erfolgreich anleitet. Manchmal kommt's auch gar nicht so schlimm wie befürchtet, viele Menschen nehmen aber nicht erst dann ein Medikament wenn sie den Eindruck haben es nicht mehr zu schaffen, sondern aus lauter Angst nehmen sie es vorsorglich. Es geht einem in dem Moment ja schon schlecht genug und man malt sich alles mögliche aus.

    Der Grund warum ich der Medikamenteneinnahme relativ kritisch gegenüberstehe ist, dass aus meiner Erfahrung heraus sehr viele Ärzte nicht unbedingt die geeignetsten Medikamente verordnen (ganz zu schweigen von der Dosierung). Die Leute sind dann platt und je nach dem wie sie mit der Einnahme umgehen hinterher auch noch abhängig (ja, schon erlebt und zwar mehrfach). Ich habe schon eine Mutter erlebt die den Nachmittag dann schlafend (unerweckbar!) im Bett verbracht hat anstatt Abschied von ihrer verstorbenen Tochter nehmen zu können.
    es ging hier ja nicht um wochenlange prophylaktische EInnahme, sondern um die Überlegung, ob das in der einen ganz schlimmen Situation möglich ist - dann gibt's eben eine Tablette und gut (ich hab zumindest mal *überleg* ich glaube 2 St waren es ... vom Notarzt in die Hand gedrückt bekommen nach einem Vorfall mit meiner Mutter, als nur noch gezittert habe)

  4. #74
    Mumpitz ist offline Legende
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Ernsthaft?

    Unabhängig vom Beerdigungsthema: Ich weiß von sehr vielen Menschen, die vorbeugend alles mögliche nehmen und kenne auch sehr viele Ärzte die sehr rasch ziemlich viel verordnen.
    Ja, ich meinte das ernst- da haben wir wohl einfach unterschiedliche Erfahrungen im Bekanntenkreis gemacht.

  5. #75
    Avatar von majathebookworm
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Fimbrethil Beitrag anzeigen
    Es gibt Leute, die nicht nur traurig sind oder weinen, sondern richtig zusammenbrechen.
    Davor hatte meine Mutter bei der Beerdigung meines Vaters Angst.
    Im KH haben sie ihr schon bei seinem Tod (Herzinfarkt, kam alles sehr plötzlich) etwas zur Beruhigung gegeben.

    Zur Beerdigung hatte sie was genommen.
    Hätte keiner gemerkt, sie war trotzdem fertig genug, hat auch geweint, so wie wir alle. Aber den totalen Zusammenbruch haben die Medikamente verhindert.
    Maja mit Mann und Mäusen: Technikerin (02/01), Künstlerin (12/02), Sportler (03/05)
    Learn as if you were to live forever, live as if you were to die tomorrow.
    M.Gandhi.

  6. #76
    Avatar von Tigerblume
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von WhiseWoman Beitrag anzeigen
    Wir reden hier aber nicht von diesen "Allesfressern", sondern von der Extremsituation Todesfall/Beerdigung.
    Stimmt, da habe ich dran vorbei geantwortet.

    Mit Blick auf den Todesfall kommt die Frage nach "etwas zur Beruhigung, Spritze, Medikament" meiner Erfahrung nach fast immer irgendwann auf. Oft gar nicht vom Betroffenen selbst sondern von Angehörigen die sich Sorgen machen. Es ist dann halt die Frage, wie darauf geantwortet wird (ich weiß von vielen Ärzten die schon die Spritze aufgezogen oder die Tablette ausgepackt haben, da ist die Frage noch gar nicht zu Ende gestellt - vielleicht auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit). Und es ist ein himmelweiter Unterschied ob ich im gleichen Atemzug die Tablette samt Wasserglas reiche oder zwei Stück auf den Tisch lege "für den Fall der Fälle".

    Meine Erfahrung (und die muss nicht für alle stimmen!) ist, dass in fast allen Fällen gut (!) ohne Medikamente mit der Situation umgegangen werden kann, wenn das Bedürfnis welches hinter der Medikamentenfrage steht anderweitig befriedigt werden kann.

  7. #77
    Gast

    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Es ist schwierig für mich diese Diskussion zu führen und zu argumentieren, ohne Gefahr zu laufen, respektlos gegenüber Betroffenen zu wirken. Es liegt mir sehr fern zynisch zu sein oder individuelle Befindlichkeiten in Extremsituationen abzutun oder gar zu verharmlosen. Das wollte ich damit nicht sagen!

    Sicherlich ist es für viele die erste Wahl, ein entsprechendes Medikament einzunehmen. Für manche ist es vielleicht sogar die beste Wahl. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es gerade bei Panik sehr einfache und hochwirksame andere Herangehensweisen gibt - die nützen nur nicht, wenn mir diese nicht bereits im Vorfeld geläufig und vertraut sind oder ich niemanden habe, der mich diesbezüglich erfolgreich anleitet. Manchmal kommt's auch gar nicht so schlimm wie befürchtet, viele Menschen nehmen aber nicht erst dann ein Medikament wenn sie den Eindruck haben es nicht mehr zu schaffen, sondern aus lauter Angst nehmen sie es vorsorglich. Es geht einem in dem Moment ja schon schlecht genug und man malt sich alles mögliche aus.

    Der Grund warum ich der Medikamenteneinnahme relativ kritisch gegenüberstehe ist, dass aus meiner Erfahrung heraus sehr viele Ärzte nicht unbedingt die geeignetsten Medikamente verordnen (ganz zu schweigen von der Dosierung). Die Leute sind dann platt und je nach dem wie sie mit der Einnahme umgehen hinterher auch noch abhängig (ja, schon erlebt und zwar mehrfach). Ich habe schon eine Mutter erlebt die den Nachmittag dann schlafend (unerweckbar!) im Bett verbracht hat anstatt Abschied von ihrer verstorbenen Tochter nehmen zu können.
    Ja, da hast Du recht, dieses Thema ist eines von denen, wo man sich schnell auf dünnem Eis bewegt. Deshalb werde ich mich nach diesem Post wohl auch besser raustun. Natürlich möchte ich Dir nicht unterstellen, absichtlich Betroffene zu verletzen, zu verharmlosen usw. Es impliziert nur schnell, dass Betroffene den falschen Weg gewählt hätten, zu schwach waren.Wer schonmal erlebt hat, wie ein Betroffener schreiend auf dem Boden liegt, versteht sicher besser, dass wir von unkontrollierbaren Emotionen sprechen, ganz unabhängig von der Stärke einer Person.

    Nur kurz meine Gedanken dazu:
    Es ist utopisch, Entspannungstechniken u.ä. vorauszusetzen, daher eigentlich keine Diskussion wert. Ich bin aber eh überzeugt, dass an dem Punkt, von dem ich hier spreche, dem Punkt, an dem einfach gar nichts mehr geht, ein Mensch nur noch spürt, dass es zuviel ist, er das nicht ertragen kann, akut keine andere Herangehensweise möglich ist. Auf lange Sicht, um Trauer ertragen und verarbeiten zu können, ist das selbstverständlich der richtige Weg.

    Dass manche es vorsorglich nehmen ist sicher so- aber warum auch nicht, wenn es die Krücke ist, die man dann braucht.

    In einem Atemzug von "eigener Erfahrung" und "sehr viele Ärzte" zu sprechen, halte ich nicht für tragbar in Anbetracht der Häufigkeit so einer Verordnung. Und eine Abhängigkeit entsteht, wie Du auch sagst, nicht aus der kurzfristigen Einnahme in einer Krisensituation heraus. Die entsteht danach, wobei es sowieso ausreichend Möglichkeiten gibt, bei denen kein Potential zur Abhängigkeit besteht.
    PerditaX. gefällt dies

  8. #78
    Fimbrethil ist gerade online Baumhuhn
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von majathebookworm Beitrag anzeigen
    Davor hatte meine Mutter bei der Beerdigung meines Vaters Angst.
    Im KH haben sie ihr schon bei seinem Tod (Herzinfarkt, kam alles sehr plötzlich) etwas zur Beruhigung gegeben.

    Zur Beerdigung hatte sie was genommen.
    Hätte keiner gemerkt, sie war trotzdem fertig genug, hat auch geweint, so wie wir alle. Aber den totalen Zusammenbruch haben die Medikamente verhindert.
    Also alles genau richtig!

    Warum kann man nicht verstehen, dass man in so einer Extremsituation mal was nimmt?
    majathebookworm und Pietje gefällt dies.

  9. #79
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist gerade online Legende
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Vassago Beitrag anzeigen
    Ja, da hast Du recht, dieses Thema ist eines von denen, wo man sich schnell auf dünnem Eis bewegt. Deshalb werde ich mich nach diesem Post wohl auch besser raustun. Natürlich möchte ich Dir nicht unterstellen, absichtlich Betroffene zu verletzen, zu verharmlosen usw. Es impliziert nur schnell, dass Betroffene den falschen Weg gewählt hätten, zu schwach waren.Wer schonmal erlebt hat, wie ein Betroffener schreiend auf dem Boden liegt, versteht sicher besser, dass wir von unkontrollierbaren Emotionen sprechen, ganz unabhängig von der Stärke einer Person.

    Nur kurz meine Gedanken dazu:
    Es ist utopisch, Entspannungstechniken u.ä. vorauszusetzen, daher eigentlich keine Diskussion wert. Ich bin aber eh überzeugt, dass an dem Punkt, von dem ich hier spreche, dem Punkt, an dem einfach gar nichts mehr geht, ein Mensch nur noch spürt, dass es zuviel ist, er das nicht ertragen kann, akut keine andere Herangehensweise möglich ist. Auf lange Sicht, um Trauer ertragen und verarbeiten zu können, ist das selbstverständlich der richtige Weg.

    Dass manche es vorsorglich nehmen ist sicher so- aber warum auch nicht, wenn es die Krücke ist, die man dann braucht.

    In einem Atemzug von "eigener Erfahrung" und "sehr viele Ärzte" zu sprechen, halte ich nicht für tragbar in Anbetracht der Häufigkeit so einer Verordnung. Und eine Abhängigkeit entsteht, wie Du auch sagst, nicht aus der kurzfristigen Einnahme in einer Krisensituation heraus. Die entsteht danach, wobei es sowieso ausreichend Möglichkeiten gibt, bei denen kein Potential zur Abhängigkeit besteht.
    Muss jetzt weg, möchte Dir aber später gerne noch etwas dazu schreiben.

  10. #80
    Avatar von majathebookworm
    majathebookworm ist offline frohsinnig
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    Standard Re: Mit Medikamenten zudröhnen zur Beerdigung

    Zitat Zitat von Fimbrethil Beitrag anzeigen
    Also alles genau richtig!

    Warum kann man nicht verstehen, dass man in so einer Extremsituation mal was nimmt?
    Ich konnte sie gut verstehen.
    Es war geplant (auch von ihr so gewünscht), dass meine Tochter in der Kirche sein Lieblingslied auf der Geige spielt (Gefangenenchor aus Nabucco). Das war die Situation, vor der sie am meisten Angst hatte. Und natürlich nachher, vor dem offenen Grab, . . .

    Sie sagte, sie hätte Angst gehabt, tatsächlich vor Kummer wahnsinnig zu werden.
    Und wenn die Medikamente einfach dazu da waren, diese Angst zu nehmen und den Schmerz ein bisschen zu dämpfen, fand ich es richtig. Der Schmerz war auch so noch schlimm genug.
    Maja mit Mann und Mäusen: Technikerin (02/01), Künstlerin (12/02), Sportler (03/05)
    Learn as if you were to live forever, live as if you were to die tomorrow.
    M.Gandhi.

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