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Thema: Gedichte

  1. #1
    alles_ist_alles ist offline Kleines Glück
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    Standard Gedichte

    Der Lehrplan-Thread bringt mich drauf: Welches Gedicht würdet ihr als wertvoll für euer Leben bezeichnen?

  2. #2
    alles_ist_alles ist offline Kleines Glück
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    Standard Re: Gedichte

    Eins für mich:

    Kinderkreuzzug von Bertold Brecht

    In Polen, im Jahr Neunundreißig
    War eine blutige Schlacht
    Die hatte viele Städte und Dörfer
    Zu einer Wildnis gemacht.

    Die Schwester verlor den Bruder
    Die Frau den Mann im Heer;
    Zwischen Feuer und Trümmerstätte
    Fand das Kind die Eltern nicht mehr.

    Aus Polen ist nichts mehr gekommen
    Nicht Brief noch Zeitungsbericht.
    Doch in den östlichen Ländern
    Läuft eine seltsame Geschicht.

    Schnee fiel, als man sich's erzählte
    In einer östlichen Stadt
    Von einem Kinderkreuzzug
    Der in Polen begonnen hat.

    Da trippelten Kinder hungernd
    In Trüpplein hinab die Chausseen
    Und nahmen mit sich andere, die
    In zerschossenen Dörfern stehn.

    Sie wollten entrinnen den Schlachten
    Dem ganzen Nachtmahr
    Und eines Tages kommen
    In ein Land, wo Frieden war.

    Da war ein kleiner Führer
    Das hat sie aufgericht'.
    Er hatte eine große Sorge:
    Den Weg, den wußte er nicht.

    Eine Elfjährige schleppte
    Ein Kind von vier Jahr
    Hatte alles für eine Mutter
    Nur nicht ein Land, wo Frieden war.

    Ein kleiner Jude marschierte im Trupp
    Mit einem samtenen Kragen
    Der war das weißeste Brot gewohnt
    Und hat sich gut geschlagen.

    Und ging ein dünner Grauer mit
    Hielt sich abseits in der Landschaft.
    Er trug an einer schrecklichen Schuld:
    Er kam aus einer Nazigesandtschaft.

    Und da war ein Hund
    Gefangen zum Schlachten
    Mitgenommen als Esser
    Weils sie's nicht übers Herz brachten.

    Da war eine Schule

    Und ein kleiner Lehrer für Kalligraphie.
    Und ein Schüler an einer zerschossenen Tankwand
    Lernte schreiben bis zu Frie...

    Da war auch eine Liebe.
    Sie war zwölf, er war fünfzehn Jahr.
    In einem zerschossenen Hofe
    Kämmte sie ihm sein Haar.

    Die Liebe konnte nicht bestehen
    Es kam zu große Kält:
    Wie sollen die Bäumchen blühen
    Wenn so viel Schnee drauf fällt?

    Da war auch ein Begräbnis
    Eines Jungen mit samtenen Kragen
    Der wurde von zwei Deutschen
    Und zwei Polen zu Grab getragen.

    Protestant, Katholik und Nazi war da
    Ihn der Erde einzuhändigen.
    Und zum Schluß sprach ein kleiner Kommunist
    Von der Zukunft der Lebendigen.

    So gab es Glaube und Hoffnung
    Nur nicht Fleisch und Brot.
    Und keiner schelt sie mir, wenn sie was stahln
    Der ihnen nicht Obdach bot.

    Und keiner schelt mir den armen Mann
    Der sie nicht zu Tische lud:
    Für ein halbes Hundert, da braucht es
    Mehl, nicht Opfermut.

    Sie zogen vornehmlich nach Süden.
    Süden ist, wo die Sonn
    Mittags um zwölf steht
    Gradaus davon.

    Sie fanden zwar einen Soldaten
    Verwundet im Tannengries
    Sie pflegten ihn sieben Tage
    Damit er den Weg ihnen wies.

    Er sagte ihnen: Nach Bilgoray!
    Muß stark gefiebert haben
    Und starb ihnen weg am achten Tag.
    Sie haben auch ihn begraben.

    Und da gab es ja Wegweiser
    Wenn auch vom Schnee verweht
    Nur zeigten sie nicht mehr die Richtung an
    Sondern waren umgedreht.

    Das war nicht etwa ein schlechter Spaß
    Sondern aus militärischen Gründen.
    Und als sie suchten nach Bilgoray
    Konnten sie es nicht finden.

    Sie standen um ihren Führer.
    Der sah in die Schneeluft hinein
    Und deutete mit der kleinen Hand
    Und sagte: Es muß dort sein.

    Einmal, nachts, sahen sie ein Feuer
    Da gingen sie nicht hin.
    Einmal rollten drei Tanks vorbei
    Da waren Menschen drin.

    Einmal kamen sie an eine Stadt
    Da machten sie einen Bogen.
    Bis sie daran vorüber waren
    Sind sie nur nachts weitergezogen.

    Wo einst das südöstliche Polen war
    Bei starkem Schneewehn
    Hat man die fünfundfünfzig
    Zuletzt gesehn.

    Wenn ich die Augen schließe
    Seh ich sie wandern
    Von einem zerschossenen Bauerngehöft
    Zu einem zerschossenen andern.

    Über ihnen, in den Wolken oben
    Seh ich andre Züge, neue, große!
    Mühsam wandernd gegen kalte Winde
    Heimatlose, Richtungslose

    Suchend nach dem Land mit Frieden
    Ohne Donner, ohne Feuer
    Nicht wie das, aus dem sie kamen
    Und der Zug wird ungeheuer.

    Und er scheint mir durch den Dämmer
    Bald schon gar nicht mehr derselbe:
    Andere Gesichtlein seh ich
    Spanische, französische, gelbe!

    In Polen, in jenem Januar
    Wurde ein Hund gefangen
    Der hatte um seinen mageren Hals
    Eine Tafel aus Pappe hangen.

    Darauf stand: Bitte um Hilfe!
    Wir wissen den Weg nicht mehr.
    Wir sind fünfundfünfzig
    Der Hund führt euch her.

    Wenn ihr nicht kommen könnt
    Jagt ihn weg
    Schießt nicht auf ihn
    Nur er weiß den Fleck.

    Die Schrift war eine Kinderhand.
    Bauern haben sie gelesen.
    Seitdem sind eineinhalb Jahre um.
    Der Hund ist verhungert gewesen.
    xantippe und Pietje gefällt dies.

  3. #3
    Avatar von maigloeckchen
    maigloeckchen ist offline Urgestein
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    Standard Re: Gedichte

    loch in erde, bronze rin, glocke fertig, bim bim bim.

    sehr erbaulich auch des fischleins nachtgesang.
    das schlimme an klugscheißern ist, manchmal haben sie recht.

  4. #4
    alles_ist_alles ist offline Kleines Glück
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    Standard Re: Gedichte

    Zitat Zitat von maiglöckchen Beitrag anzeigen
    sehr erbaulich auch des fischleins nachtgesang.
    Konkret mag ich den Jandl.

  5. #5
    Gast

    Standard Re: Gedichte

    Zitat Zitat von alles_ist_alles Beitrag anzeigen
    Der Lehrplan-Thread bringt mich drauf: Welches Gedicht würdet ihr als wertvoll für euer Leben bezeichnen?
    Keins
    CatBalou und nightwish gefällt dies.

  6. #6
    Avatar von Falconheart
    Falconheart ist offline Legende
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    Standard Re: Gedichte

    Zitat Zitat von alles_ist_alles Beitrag anzeigen
    Der Lehrplan-Thread bringt mich drauf: Welches Gedicht würdet ihr als wertvoll für euer Leben bezeichnen?
    Sehr sehr viele. Da ich hier keine riesenlange Liste anfange will, belasse ich es bei einem:

    Jerusalem” by James Fenton

    Stone cries to stone,
    Heart to heart, heart to stone,
    And the interrogation will not die
    For there is no eternal city
    And there is no pity
    And there is nothing underneath the sky
    No rainbow and no guarantee –
    There is no covenant between your God and me.
    2
    It is superb in the air.
    Suffering is everywhere
    And each man wears his suffering like a skin.
    My history is proud.
    Mine is not allowed.
    This is the cistern where all wars begin,
    The laughter from the armoured car.
    This is the man who won’t believe you’re what you are.
    3
    This is your fault.
    This is a crusader vault.
    The Brook of Kidron flows from Mea She’arim.
    I will pray for you.
    I will tell you what to do.
    I’ll stone you. I shall break your every limb.
    Oh, I am not afraid of you,
    But maybe I should fear the things you make me do.
    4
    This is not Golgotha.
    This is the Holy Sepulchre,
    The Emperor Hadrian’s temple to a love
    Which he did not much share.
    Golgotha could be anywhere.
    Jerusalem itself is on the move.
    It leaps and leaps from hill to hill
    And as it makes its way it also makes its will.
    5
    The city was sacked.
    Jordan was driven back.
    The pious Christians burned the Jews alive.
    This is a minaret.
    I’m not finished yet.
    We’re waiting for reinforcements to arrive.
    What was your mother’s real name?
    Would it be safe today to go to Bethlehem?
    6
    This is the Garden Tomb.
    No, this is the Garden Tomb.
    I’m an Armenian. I am a Copt.
    This is Utopia.
    I came here from Ethiopia.
    This hole is where the flying carpet dropped
    The Prophet off to pray one night
    And from here one hour later he resumed his flight.
    7
    Who packed your bag?
    I packed my bag.
    Where was your uncle’s mother’s sister born?
    Have you ever met an Arab?
    Yes, I am a scarab.
    I am a worm. I am a thing of scorn.
    I cry Impure from street to street
    And see my degradation in the eyes I meet.
    8
    I am your enemy.
    This is Gethsemane.
    The broken graves look to the Temple Mount.
    Tell me now, tell me when
    When shall we all rise again?
    Shall I be first in that great body count?
    When shall the tribes be gathered in?
    When, tell me, when shall the Last Things begin?
    9
    You are in error.
    This is terror.
    This is your banishment. This land is mine.
    This is what you earn.
    This is the Law of No Return.
    This is the sour dough, this the sweet wine.
    This is my history, this my race
    And this unhappy man threw acid in my face.
    10
    Stone cries to stone,
    Heart to heart, heart to stone.
    These are the warrior archaeologists.
    This is us and that is them.
    This is Jerusalem.
    These are dying men with tattooed wrists.
    Do this and I’ll destroy your home.
    I have destroyed your home. You have destroyed my home.
    alles_ist_alles gefällt dies

    Jetzt reifen schon die roten Berberitzen,
    alternde Astern atmen schwach im Beet.
    Wer jetzt nicht reich ist, da der Sommer geht,
    wird immer warten und sich nie besitzen.

    (Rilke)

  7. #7
    Gast

    Standard Re: Gedichte

    Zitat Zitat von alles_ist_alles Beitrag anzeigen
    Der Lehrplan-Thread bringt mich drauf: Welches Gedicht würdet ihr als wertvoll für euer Leben bezeichnen?
    Ich mag Erich Kästner und vieles aus der Lyrischen Hausapotheke.
    alles_ist_alles und -Freesie- gefällt dies.

  8. #8
    Registriert seit
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    Standard Re: Gedichte

    Zitat Zitat von alles_ist_alles Beitrag anzeigen
    Der Lehrplan-Thread bringt mich drauf: Welches Gedicht würdet ihr als wertvoll für euer Leben bezeichnen?
    Gedichte ? Wertvoll für mich ???

    Ich find ein paar unterhaltsam - Loriots Adventsgedicht z.B - aber das wars dann auch *gg*.
    Schneehase, Muffirella und K.Fee gefällt dies.

  9. #9
    Avatar von SofieAmundsen
    SofieAmundsen ist offline Urgestein
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    Standard Re: Gedichte

    Ich mag die Gedichte von Mascha Kaléko sehr!

    Von den Schulgedichten mag ich den Ribbeck aus dem Havelland (zumal wir schon oft in Ribbeck waren) und den Zauberlehrling.
    julerennt, Pietje und alles_ist_alles gefällt dies.
    Liebe Grüße

    Sofie

  10. #10
    Gast

    Standard Re: Gedichte

    Öhm, keins

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