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Thema: Dissoziales Verhalten

  1. #21
    Avatar von gola
    gola ist offline ...
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Valrhona Beitrag anzeigen
    Kinder verhalten sich in einem stationären Setting oft ganz anders als im Alltag, ich weiß nciht, ob das dann unbedingt Aussagekraft hätte. Letztlich geht es ja auch darum, dass das Kind lernen muss, sein Verhalten im Alltag zu ändern und anzupassen, von daher halte ich eine stationäre Therapie bei dieser Störung nicht unbedingt für passend.
    So sind die Meinungen dazu verschieden Klar verhalten sich die Kinder im stationären Setting erstmal anders, aber meistens zeigen sie ihre Störung (sie bleiben ja nicht nur eine Woche in Behandlung) und selbst wenn das Kind die Symptome in der Klinik nicht zeigt, zuhause wird es sie weiter zeigen und da geht es dann um Elternberatung und Begleitung. Gerade eine tagesklinische Behandlung könnte dabei helfen, da der Junge dann immer den Transfer zwischen Klinik und zuhause hin bekommen muss und sich dann sicherlich seine Problematik zeigt... Zudem kann dann auch umfangreicher nach Schule etc. geschaut werden. Wenn er ambulant behandelt wird, bekommt er auch keine Schuldiagnostik in einer Kliniksschule....

  2. #22
    advena ist gerade online Legende
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Ich kenne die Diagnose nicht. Aber in der Nachbarschaft kenne ich eine Familie, mit derem mittleren Sohn (so alt wie Nr. 1) gabs immer Probleme. Im KiGa hat er rumgeschlägert, in der GS auch, Empathie? Nicht vorhanden. Störte immer den Unterricht, war rotzfrech, aggressiv - natürlich begab man sich in Therapie.
    Aus dem Konfiunterricht flog er raus (er hat die Getränkekasse geklaut). Schulen hat er mehrere durchlaufen, flog aber immer wieder runter wegen Schlägerei, Diebstahl, Mobbing - such Dir was aus.
    Mittlerweile ist er 19 und im Jugendknast, wegen Drogenhandel...

    Das ist da liebevolle, nette Familie. Christlich, aber jetzt nicht extrem fromm. Alles in Ordnung, Wohlstand, gutes soziales Umfeld.

    Die Mutter tut mir leid. Man kann ihr keine Vorwürfe machen. die andern beiden Kinder sind völlig "normal". Aber der Junge war wirklich von klein an total auffällig und man hat sich von Anfang an drum gekümmert, versucht, dass was aus ihm wird.

    Wahrscheinlich gibt es so Menschen, da ist tatsächlich sowas wie eine "Schraube locker" und es ist auch kaum möglich sie anzuziehen.
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  3. #23
    Avatar von UschiBlum
    UschiBlum ist offline Wirklich bekloppt
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Das klingt furchtbar, Distelfalter. Ich wünsche der Familie viel Kraft und dem Kind, dass man eine Behandlung findet.
    Eines deiner ❤️-Lieder: https://youtu.be/qN4ooNx77u0

  4. #24
    Valrhona ist offline Poweruser
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von gola Beitrag anzeigen
    So sind die Meinungen dazu verschieden Klar verhalten sich die Kinder im stationären Setting erstmal anders, aber meistens zeigen sie ihre Störung (sie bleiben ja nicht nur eine Woche in Behandlung) und selbst wenn das Kind die Symptome in der Klinik nicht zeigt, zuhause wird es sie weiter zeigen und da geht es dann um Elternberatung und Begleitung. Gerade eine tagesklinische Behandlung könnte dabei helfen, da der Junge dann immer den Transfer zwischen Klinik und zuhause hin bekommen muss und sich dann sicherlich seine Problematik zeigt... Zudem kann dann auch umfangreicher nach Schule etc. geschaut werden. Wenn er ambulant behandelt wird, bekommt er auch keine Schuldiagnostik in einer Kliniksschule....
    Wie gesagt, ich sehe das anders. In einer Klinik ist alles neu, das Kind müsste sich erst einleben, die ganzen neuen Leute kennen lernen, bis sich so eine Art Alltag einstellt und man sehen kann, was das Kind im Alltag für Probleme zeigt und wie man mit diesen umgehen kann. Ich halte viel davon, dass, wenn sich im Alltag etwas ändern soll, auch im Alltag etwas zu verändern.
    Eventuell fühlt sich das Kind in der Klinik überfordert und zeigt ganz andere Verhaltensweisen. Oder es fühlt sich sehr wohl und zeigt überhaupt keine Probleme.
    In der Klinik kann man viel lernen, aber a) schafft ein Großteil der behandelten Personen es gar nicht, das, was sie in der Klinik gelernt haben dann auch im Alltag einzusetzen, wo sich andere Mechanismen vorher meist schon seit Jahren eingespielt haben und b) kommt es auch vor, dass man sich in der Klinik in der Theorie Strategien für den Alltag zurecht gelegt und stellt dann in der Praxis fest, dass die gar nicht funktionieren. Zu Klinik würde ich immer nur dann raten, wenn eine Problematik so schlimm ist, dass kein Alltag mehr möglich ist.

    Ich weiß nciht, wie alt das Kind in diesem Fall genau ist, aber bei dissozialen Jugendlichen ist Klinik nochmal ein besonderes Problem...

  5. #25
    Avatar von gola
    gola ist offline ...
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Valrhona Beitrag anzeigen
    Wie gesagt, ich sehe das anders. In einer Klinik ist alles neu, das Kind müsste sich erst einleben, die ganzen neuen Leute kennen lernen, bis sich so eine Art Alltag einstellt und man sehen kann, was das Kind im Alltag für Probleme zeigt und wie man mit diesen umgehen kann. Ich halte viel davon, dass, wenn sich im Alltag etwas ändern soll, auch im Alltag etwas zu verändern.
    Eventuell fühlt sich das Kind in der Klinik überfordert und zeigt ganz andere Verhaltensweisen. Oder es fühlt sich sehr wohl und zeigt überhaupt keine Probleme.
    In der Klinik kann man viel lernen, aber a) schafft ein Großteil der behandelten Personen es gar nicht, das, was sie in der Klinik gelernt haben dann auch im Alltag einzusetzen, wo sich andere Mechanismen vorher meist schon seit Jahren eingespielt haben und b) kommt es auch vor, dass man sich in der Klinik in der Theorie Strategien für den Alltag zurecht gelegt und stellt dann in der Praxis fest, dass die gar nicht funktionieren. Zu Klinik würde ich immer nur dann raten, wenn eine Problematik so schlimm ist, dass kein Alltag mehr möglich ist.

    Ich weiß nciht, wie alt das Kind in diesem Fall genau ist, aber bei dissozialen Jugendlichen ist Klinik nochmal ein besonderes Problem...
    Der Junge ist 10 und da sollte schnell gehandelt werden, bald kommt die Pubertät.
    Gut, wir haben ganz unterschiedliche Sichtweisen, macht ja nix. In der Klinik würde ich auch die Jugendhilfe miteinbeziehen für eine ambulante Unterstützung zuhause. Aber meistens sagt die Jugendhilfe das Kind soll erstmal in der Klinik behandelt werden (so kenne ich es).
    Die Umstellung in eine Tagesklinik ist für 10 jährige in der Regel nicht schlimm und die Eingewöhnung sehr schnell.
    Ich als Eltern würde lieber mehrere Wege ausprobieren, sonst droht bei diesem Krankheitsbild dann wirklich der Jugendknast...
    Durch eine stationäre oder teilstationäre Behandlung haben die Familien ja nichts zu verlieren...

  6. #26
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Ich halte nicht so viel von Diagnosen, obwohl ich in dem Bereich arbeite. Für mich sind das "Arbeitstitel", die gewährleisten, dass die Krankenkasse die Behandlung bezahlt... Es hat immer etwas von "ich bin krank, nicht normal, das Problem bin ich usw..."

    Daher schaue ich immer, in welchen Bereichen gibt es einen Leidensdruck beim "Betroffenen" und wie kann derjenige das verändern und wie können vielleicht auch andere dabei unterstützen.
    Im Falle von "dissoziale Verhaltensstörung" heißt das ja: Das Verhalten ist nicht sozial (verträglich).
    Klar braucht derjenige Hilfe, Strategien, wie er anders seine Bedürfnisse erfüllen kann außer ausrasten, um sich schlagen, sich selbst verletzen, lügen, klauen,... und was sonst noch alles nicht sozial verträglich ist.

    Kinder, die solche Schwierigkeiten haben sind eh oft schon ausgegrenzt, eine Diagnose tut das nach meiner Erfahrung noch einmal mehr, bzw. drückt oft noch einmal anders auf das Selbstwertgefühl (mit mir stimmt was nicht). Den ein oder anderen kann es vielleicht auch entlasten (ich kann nichts dafür- das ist eine Krankheit), mehr Handlungskompetenz ist nach meiner Meinung möglich, wenn der Klient erkennen kann, was er da für sich anders will und wie er das erreichen kann.
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  7. #27
    Lolola ist offline newbie
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Mein großer Sohn war vor gut einem Jahr stationär in der Diagnostik.

    Für uns war es das beste, was wir machen konnten. Es tat ihm und uns sehr gut, dass es erstmal aus der Schule raus kam.

    Klar hat sich der Bub in der Klini teilweise anders verhalten, als Zuhause. Aber es ist ja nicht so, dass da keine Kommunikation besteht. In der Klinik haben sich zum Teil auch Symptome gezeigt, die Zuhause vermutlich gar nicht aufgefallen wären. Nachdem er sich eingwöhnt hat, gab es in der Klinik auch Wutanfälle und ähnliche problematische Verhaltensweisen.

    Wir wurden auch von der Klinik unheimlich unterstützt bei dem Antrag für einen Schulbegleiter und allgemein bei seiner Schullaufbahn.

    Mittlerweile geht es ihm deutlich besser.

    Therapeutisch läuft noch eine Verhaltenstherapie und SKT.

    Mein Mann und ich erhielten regelmäßig Eltern Trainings.
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  8. #28
    Valrhona ist offline Poweruser
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von advena Beitrag anzeigen
    Ich kenne die Diagnose nicht. Aber in der Nachbarschaft kenne ich eine Familie, mit derem mittleren Sohn (so alt wie Nr. 1) gabs immer Probleme. Im KiGa hat er rumgeschlägert, in der GS auch, Empathie? Nicht vorhanden. Störte immer den Unterricht, war rotzfrech, aggressiv - natürlich begab man sich in Therapie.
    Aus dem Konfiunterricht flog er raus (er hat die Getränkekasse geklaut). Schulen hat er mehrere durchlaufen, flog aber immer wieder runter wegen Schlägerei, Diebstahl, Mobbing - such Dir was aus.
    Mittlerweile ist er 19 und im Jugendknast, wegen Drogenhandel...

    Das ist da liebevolle, nette Familie. Christlich, aber jetzt nicht extrem fromm. Alles in Ordnung, Wohlstand, gutes soziales Umfeld.

    Die Mutter tut mir leid. Man kann ihr keine Vorwürfe machen. die andern beiden Kinder sind völlig "normal". Aber der Junge war wirklich von klein an total auffällig und man hat sich von Anfang an drum gekümmert, versucht, dass was aus ihm wird.

    Wahrscheinlich gibt es so Menschen, da ist tatsächlich sowas wie eine "Schraube locker" und es ist auch kaum möglich sie anzuziehen.
    Du sprichst von unseren Klienten ;-) Wobei man zugeben muss, dass in den meisten Fällen klar erkennenbar ist, wie die Störung entstanden ist und die Familie nicht ganz unschuldig ist. Aber Ausnahmen gibt es immer wieder, da sind alle Kinder wunderbar geraten und eins fällt völlig aus der Reihe. Da liegt dann vermutlich wirklich eine Störung vor, deren Behandlung nicht angeschlagen hat.
    Wie schon gesagt, wir haben auch einige, da kann man machen und tun, am Ende sitzen sie dann im Knast (und heulen, drohen mit Selbstmord und schwören, ihr Leben zu ändern... so bald sie draußen sind, wissen sie davon nur nix mehr) und bei manchen, gerade, wenn sie Familie dahinter steht, erreicht man eine ganze Menge.

  9. #29
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline freesie (für Fim!)
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Valrhona Beitrag anzeigen
    Du sprichst von unseren Klienten ;-) Wobei man zugeben muss, dass in den meisten Fällen klar erkennenbar ist, wie die Störung entstanden ist und die Familie nicht ganz unschuldig ist. Aber Ausnahmen gibt es immer wieder, da sind alle Kinder wunderbar geraten und eins fällt völlig aus der Reihe. Da liegt dann vermutlich wirklich eine Störung vor, deren Behandlung nicht angeschlagen hat.
    Wie schon gesagt, wir haben auch einige, da kann man machen und tun, am Ende sitzen sie dann im Knast (und heulen, drohen mit Selbstmord und schwören, ihr Leben zu ändern... so bald sie draußen sind, wissen sie davon nur nix mehr) und bei manchen, gerade, wenn sie Familie dahinter steht, erreicht man eine ganze Menge.
    Dass du das, wenn die Familien nicht mitlesen/-hören, schreibst (vielleicht auch sagen würdest), erschreckt mich.
    Ich kenne mehrere Familien mit mehr oder minder betroffenen Kinder, das bringt mein Beruf mit sich. Und die Frage, was die Eltern falsch gemacht haben, ob sie schuldig sind, treibt alle um.
    Ich sage dann immer, dass das Wort Schuld das ganz falsche Wort ist. Schulhaft handle ich dann, wenn ich weiß, dass ich Schaden zufüge.
    Ich unterstelle aber, dass ALLE Eltern wollen, dass es ihren Kindern gut geht. Manchen fehlt das Know-how, manche haben ganz schwierige Lebensumstände, aber es will doch niemand, dass es dem Kind schlecht geht und es so eine Störung entwickelt.

    Ich hoffe sehr, dass der Großteil der Profis nicht einmal in diese Richtung denkt!
    "Es ist gefährlich, über einen Witz zu lachen. Man bekommt ihn dann immer wieder zu hören."
    Danny Kaye

  10. #30
    Valrhona ist offline Poweruser
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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von gola Beitrag anzeigen
    Der Junge ist 10 und da sollte schnell gehandelt werden, bald kommt die Pubertät.
    Gut, wir haben ganz unterschiedliche Sichtweisen, macht ja nix. In der Klinik würde ich auch die Jugendhilfe miteinbeziehen für eine ambulante Unterstützung zuhause. Aber meistens sagt die Jugendhilfe das Kind soll erstmal in der Klinik behandelt werden (so kenne ich es).
    Die Umstellung in eine Tagesklinik ist für 10 jährige in der Regel nicht schlimm und die Eingewöhnung sehr schnell.
    Ich als Eltern würde lieber mehrere Wege ausprobieren, sonst droht bei diesem Krankheitsbild dann wirklich der Jugendknast...
    Durch eine stationäre oder teilstationäre Behandlung haben die Familien ja nichts zu verlieren...
    Ja, ist vielleicht wirklich eine Glaubensfrage, ich denke immer noch, dass ambulante Therapien bei Problemen im Alltagsleben meistens besser wirken ;-)
    Ich arbeite ja in der Jugendhilfe und kenne daher einige dieser Jugendlichen (wir übernehmen allerdings eigentlich nur die, die nicht therapiefähig sind, um niedrigschwellig wenigstens kleine Dinge zu ändern). Das Problem ist, dass es in fast allen deutschen Großstädten Cliquen mit diesen Jugendlichen gibt, die Polizei, Jugendhilfe und auch manchmal die Bevölkerung in Atem halten, weil sie eben nicht ganz ungefährlich sind. Wenn man sich die einzeln rauspickt, stellt man fest, dass die alle mehrere psychische Störungen haben, die meistens eben auch etwas im dissozialen Bereich. Die haben dann auch noch gegenseitig schlechten Einfluss auf sich.
    Wenn man die fragt, wie sich ihre Clique gebildet hat und woher sie die anderen Cliquenmitglieder kennen: Die finden sich eben in den Kinder- und Jugendpsychiatrien oder in Inobhutnahmestellen zusammen.
    Meine ehemalige Klientin hat ihre beste Freundin so gewonnen, in dem sie zusammen aus der Psychiatrie abgehauen sind

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