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Thema: Dissoziales Verhalten

  1. #51
    Valrhona ist offline Poweruser

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von gola Beitrag anzeigen
    Klar, Kliniken haben auch den Nachteil, dass Kinder/Jugendliche Dinge lernen können die sie vorher nicht kannten...
    Dennoch, der Junge ist 10 und da sollte doch alles ausprobiert werden!?
    Und klar, ich kenne auch Jugendliche, die Drehtürpatienten sind und die von der Klinik auch auf die Straße entlassen werden, weil die Jugendhilfe auch nicht mehr unterstützt.

    Aber, ich beziehe mich immer noch auf den 10 jährigen Jungen, dessen Familie Not hat und dieser Familie würde ich eine Behandlung in einer Tagesklinik oder ggf. im vollstationären Bereich raten...
    Ich habe auch nie gesagt, dass der Junge im Anschluß nicht eine weitere ambulante Therapie benötigt, aber gerade durch den intensiven Blick der Klinik kann dann auch eine geeignete Therapieform gefunden werden.
    Ambulant geht mir persönlich, bei diesem Krankheitsbild, zuviel Zeit verloren...
    Ich würde halt erst mit der ambulaten Therapie anfangen ;-) Aber letztendlich führen vermutlich beide Wege zum Ziel oder eben nicht. Kommt ja auch immer auf den Leidensdruck und die Mitarbeit der Person selber an.

  2. #52
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Valrhona Beitrag anzeigen
    Die benehmen sich nicht so, damit ihr Kind so wird, sondern weil es ihnen egal ist, wie ihr Kind wird. Sorry, aber Eltern, die ihre Kinder missbrauchen und verprügeln, denen erzähle ich nicht, dass sie das ja nicht besser wissen konnten und sich keine Vorwürfe machen sollen. Und ich finde, es ist für die Kinder von solchen Leuten ein ganz blödes Signal, zu sagen, dass ihre Eltern doch nicht schuld sind und nur das beste wollten.
    Wär in diesen Fällen auch ne Lüge...
    Was erzählst du dann?
    Silm

  3. #53
    Valrhona ist offline Poweruser

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    du schriebst, dass es Eltern gibt, die ihr Kind misshandeln und sich dann eine Störung entwickeln kann.
    Da wäre dann die Frage nach Henne und Ei. Vielleicht misshandeln sie das Kind aus Hilflosigkeit, weil es so schwierig ist und weil sie den Druck der Umwelt nicht anders standhalten können.
    Da auseinanderzudiagnostizieren, was war zuerst da und was kam danach, wird bis auf einige wenige eindeutige Fälle wohl kaum möglich sein.
    Und da würde ich mir für mein Kind auch Therapeuten wünschen, die sich nicht dran festbeißen, dass die Eltern nun ganz sicher die Auslöser sind, sondern die trotzdem die Situation sich erstmal neutral angucken und in allererster Linie dem Kind helfen wollen.
    In der Praxis ist es manchmal doch recht einfach, das zu sehen, weil die Familie seit Babytagen in Betreuung vom Jugendamt ist. Es ist leider so, dass wirklich nicht alle Eltern immer das Beste für ihr Kind wollen, so hart das auch ist. Ich kenne genug Eltern, die ihr Kind gar nicht wollten und denen auch ziemlich egal ist, was draus wird. Hauptsache, es stört ihr eigenes Leben nicht.

    Dass die meisten Eltern ihr Bestes geben und natürlich keiner damit anfängt, erstmal zu gucken, wer Schuld ist, habe ich auch schon ein paar mal wiederholt. Und dass ich durchaus glaube, dass das im Falle der Nachbarn der TE so sein kann, habe ich nie bezweifelt.
    Aber es gibt eben auch die Jugendlichen, wo du nach zwei Gesprächen mit denen weißt, dass das, was die Eltern getan haben, ganz erheblich zur aktuellen Problematik beigetragen hat. Hat ja seine Gründe, warum die da nicht mehr leben.

  4. #54
    Valrhona ist offline Poweruser

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von gola Beitrag anzeigen
    Ja, dies wollte ich auch damit sagen, wo will man bei der Schuldfrage anfangen? Misshandelnde Eltern machen es ja nicht grundlos. Und nur mit der Schuldfrage zu arbeiten wäre eine Katastrophe, dann dreht man sich im Kreis und keinem ist geholfen...
    Vielleicht ist "Schuld" nicht das richtige Wort, die müsste man ja irgendwie beseitigen. Vielleicht passt "Ursache" besser. Wenn ein Kind nie eine Bindung erlebt hat, sich nie auf seine Bezugspersonen verlassen konnte, geschlagen und im schlimmsten Fall missbraucht wurde, ist das nun mal die Ursache für aktuelle Probleme, die man dann dementsprechend bearbeiten kann.
    Klar haben auch die Eltern immer ihre Geschichte (wobei es für mich für missbrauchen und verprügeln einfach keine Entschuldigung oder gute Erklärung gibt), aber die werden meistens nicht von den gleichen Leuten therapiert, trainiert oder betreut, von daher muss man das manchmal einfach ausklammern und sich auf die eigentliche Aufgabe, nämlich das Leben der Kinder und Jugendlichen in deren Sinne verbessern.
    cosima und trio08 gefällt dies.

  5. #55
    Valrhona ist offline Poweruser

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von silm Beitrag anzeigen
    Was erzählst du dann?
    Kommt immer drauf an. Oft spielen solche Eltern für ihre Kinder überhaupt keine Rolle mehr, deswegen werden sie gar nicht groß in unsere Arbeit mit einbezogen. Wenn ich sie kennenlerne, kommt es drauf an, was der/die Jugendliche mir überhaupt erlaubt, zu sagen. Von alleine spreche ich mit den Eltern selten über die Ursache des Verhaltens, öfter kommen die Eltern selber damit an. "Ich weiß auch nicht, warum XY sowas immer macht, die ist doch total krank im Kopf!" Dann weise ich sie meistens distanziert daraufhin, was manche Ereignisse in der Kindheit für langfristige Folgen haben, erzähle was über lebensnotwendige Bindungen, Vorbildfunktionen etc. Aber meistens ist das vergebene Liebesmühe.
    Wenn ich mitkriege, dass Jugendliche aktuell missbraucht oder misshandelt werden, müsste ich umgehend das Jugendamt informieren und würde in Absprache mit den Jugendlichen über ne Anzeige nachdenken. Das ist bisher aber noch nicht vorgekommen.

  6. #56
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Valrhona Beitrag anzeigen
    Kommt immer drauf an. Oft spielen solche Eltern für ihre Kinder überhaupt keine Rolle mehr, deswegen werden sie gar nicht groß in unsere Arbeit mit einbezogen. Wenn ich sie kennenlerne, kommt es drauf an, was der/die Jugendliche mir überhaupt erlaubt, zu sagen. Von alleine spreche ich mit den Eltern selten über die Ursache des Verhaltens, öfter kommen die Eltern selber damit an. "Ich weiß auch nicht, warum XY sowas immer macht, die ist doch total krank im Kopf!" Dann weise ich sie meistens distanziert daraufhin, was manche Ereignisse in der Kindheit für langfristige Folgen haben, erzähle was über lebensnotwendige Bindungen, Vorbildfunktionen etc. Aber meistens ist das vergebene Liebesmühe.
    Wenn ich mitkriege, dass Jugendliche aktuell missbraucht oder misshandelt werden, müsste ich umgehend das Jugendamt informieren und würde in Absprache mit den Jugendlichen über ne Anzeige nachdenken. Das ist bisher aber noch nicht vorgekommen.
    Es ging aber hier um Fälle, bei denen die Eltern dabei sind.
    Da ist eine " Schuldzuweisung" wohl wenig sinnvoll für die Zusammenarbeit.
    Teilzeithippie und Jimmy-Gold gefällt dies.
    Silm

  7. #57
    Valrhona ist offline Poweruser

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von silm Beitrag anzeigen
    Es ging aber hier um Fälle, bei denen die Eltern dabei sind.
    Da ist eine " Schuldzuweisung" wohl wenig sinnvoll für die Zusammenarbeit.
    Okay, dass die Eltern mit dem Kind zusammen kommen, kommt in unseren Jugendhilfefällen selten vor. Da hab ich nur einen Fall meines Kollegen im Kopf, der letztendlich daran gescheitert ist, dass die Eltern nicht mitarbeiten und nichts an ihrem Verhalten ändern wollten. Da hatten die Eltern einen Krankheitsgewinn durch die Krankheit ihrer Tochter, das war sehr abstrus.

    Das Eltern mit Kindern kommen, habe ich nur in der Erziehungsberatung. Da geht es nie um eine Schuldfrage, aber da kommen auch keine Eltern, die sich etwas so extremes wie Misshandlung oder Missbrauch geleistet habe. In der Beratung höre ich mir meist erstmal einige Termine alle Geschichten aus allen Perspektiven an und versuche dann, die Zusammenhänge, die zu erkennen sind, aufzuzeigen. Welches Verhalten von wem zu welcher Reaktion führt, Teufelskreise, wie durchbrechen usw. Aber das ist ein anderes Level als der Jugendhilfebereiche und hat jetzt nix mehr mit dem Thema der TE zu tun.

    Wie gesagt, was ich schon 5 mal wiederholt habe: Eltern, die ihre Kinder misshandeln und missbrauchen, würde ich niemals sagen, sie hätten keine Schuld an den Folgeproblemen ihrer Kinder. Mit allen anderen Eltern diskutiere ich gar keine Schuldfragen.

  8. #58
    Gast Gast

    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Valrhona Beitrag anzeigen
    Okay, dass die Eltern mit dem Kind zusammen kommen, kommt in unseren Jugendhilfefällen selten vor. Da hab ich nur einen Fall meines Kollegen im Kopf, der letztendlich daran gescheitert ist, dass die Eltern nicht mitarbeiten und nichts an ihrem Verhalten ändern wollten. Da hatten die Eltern einen Krankheitsgewinn durch die Krankheit ihrer Tochter, das war sehr abstrus.
    Krankheitsgewinn durch die Krankheit der Tochter? Irgendwie bin ich phantasielos und kann mir grad gar nichts vorstellen.
    JohnnyTrotz gefällt dies

  9. #59
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Krankheitsgewinn durch die Krankheit der Tochter? Irgendwie bin ich phantasielos und kann mir grad gar nichts vorstellen.
    Wahrscheinlich als Absolution für sie.
    Aber egal, was vorher war: Kein Elternteil will, dass sein Kind so wird.
    Selbst wenn das Kind nur nebenher läuft oder gar misshandelt wird - nie mit diesem Ziel!
    JohnnyTrotz gefällt dies
    Silm

  10. #60
    cosima ist offline Urgestein

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    Standard Re: Dissoziales Verhalten

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Krankheitsgewinn durch die Krankheit der Tochter? Irgendwie bin ich phantasielos und kann mir grad gar nichts vorstellen.
    vielleicht in Form von Zuwendung, Aufmerksamkeit, wichtig genommen werden
    Vielleicht auch als Absolution für "ich würde ja so gerne mein Leben ändern / arbeiten / umziehen... aber leider, leider, mein Kind..."
    gola und UschiBlum gefällt dies.

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