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Thema: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

  1. #761
    MostlyHarmless ist offline Irdisch

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    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von die blaue Frau Beitrag anzeigen
    Hm, irgendwie reden wir, glaube ich, hier aneinander vorbei.
    Es ging ja jetzt darum, ob eigene Werte im Rahmen der gesellschaftlichen Bewältigung der Migrationsbewegung aufgegeben werden. Viele Leute, die zu uns kommen, sind ja gerade oft religiöser oder anders religiös, haben konservativere Familienbilder, traditionellere Rollenstereotypen, Ehrbegriffe, die es hier so nicht mehr gibt etc. Ich sehe jetzt da keine Alternativen, die ich für "besser" hielte, sondern nur die Gefahr des Rückschritts, auch wenn ich nicht jeder der hiesigen sehr liberalen Entwicklungen optimal finde.

    Aber vielleicht haben wir uns falsch verstanden. Mein Gedanke in diesem Nebenstrang (Stichwort deutsche Geschichte) war, dass die Generation, die heute die Verantwortung trägt, mit dem Imperativ aufgewachsen ist, dass Rassismus nie wieder möglich sein darf in Deutschland. Und dass man als Lehre aus der Nazizeit extrem aufmerksam sein muss, was faschistische Strömungen angeht, dass die Deutschen da besonders anfällig sind etc. Rundum: Wehret den Anfängen, das ist das Postulat, denn alles andere führt möglicherweise in die Katastrophe.

    So, und auf Basis dieser politischen Sozialisation verstehe ich die ungeheure Polarisierung, die in den letzten zwei Jahren stattgefunden hat, und in der sich die deutsche Gesellschaft (scheinbar) geteilt hat in Leute, die die Willkommenskultur gefeiert haben und hochbesorgt waren und sind vor einer eskalierenden Gewalt von rechts. Und die anderen: denen, die in die braune Ecke gehören. Dazwischen gabs ja lange nix. Eine hochinteressantes, wenn auch oft ärgerliches sozialpsychologisches Phänomen.

    In diesem Kontext sehe ich das beim Stichwort "Werte aufgeben": Da wird vor lauter Bemühen, um Himmels Willen nicht intolerant zu sein (wie gesagt: Wehret den Anfängen!), ernsthaft diskutiert, ob die Schulpflicht auch für muslimische Mädchen gilt, die nach dem Willen der Eltern nicht mitschwimmen sollen. Da werden lächerliche Schweinefleisch-auf-dem-Grill-oder-in-der-(Schul-)Kantine-Debatten geführt (angestoßen nach meiner unrepräsentativen Beobachtung eher von übereifrigen Deutschen als von Muslims, damit sich keiner ausgeschlossen oder unwillkommen fühlt), da wird überlegt, ob man einer Muslima die Hand geben darf und lauter solcher Larifari. Schlimmer aber: Da werden auch Gesetze beschlossen wie die Zulassung der Beschneidung, obwohl sie unserem Patientenrecht komplett widerspricht.
    Super, danke.

  2. #762
    Avatar von BigMama
    BigMama ist offline Urgestein

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    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von -PMS- Beitrag anzeigen
    Komisch. Ich sehe das genau umgekehrt. Wie sexfixiert muss man sein, um seinen Koerper vermeintlich begehrlichen Blicken entziehen zu wollen?
    DAS hat mir echt noch keiner nachgesagt.

  3. #763
    rastamamma ist offline Urgestein

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    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von MostlyHarmless Beitrag anzeigen
    Weißt du, wenn man mehrheitlich kein Wort versteht, und einem Rumänisch dann schon fast heimatlich vorkommt - ich finde es manchmal einfach nervig.
    Hast du den Wunsch zu verstehen, was andere miteinander sprechen?

  4. #764
    *Unsichtbar* Gast

    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von die blaue Frau Beitrag anzeigen
    Hm, irgendwie reden wir, glaube ich, hier aneinander vorbei.
    Es ging ja jetzt darum, ob eigene Werte im Rahmen der gesellschaftlichen Bewältigung der Migrationsbewegung aufgegeben werden. Viele Leute, die zu uns kommen, sind ja gerade oft religiöser oder anders religiös, haben konservativere Familienbilder, traditionellere Rollenstereotypen, Ehrbegriffe, die es hier so nicht mehr gibt etc. Ich sehe jetzt da keine Alternativen, die ich für "besser" hielte, sondern nur die Gefahr des Rückschritts, auch wenn ich nicht jeder der hiesigen sehr liberalen Entwicklungen optimal finde.

    Aber vielleicht haben wir uns falsch verstanden. Mein Gedanke in diesem Nebenstrang (Stichwort deutsche Geschichte) war, dass die Generation, die heute die Verantwortung trägt, mit dem Imperativ aufgewachsen ist, dass Rassismus nie wieder möglich sein darf in Deutschland. Und dass man als Lehre aus der Nazizeit extrem aufmerksam sein muss, was faschistische Strömungen angeht, dass die Deutschen da besonders anfällig sind etc. Rundum: Wehret den Anfängen, das ist das Postulat, denn alles andere führt möglicherweise in die Katastrophe.

    So, und auf Basis dieser politischen Sozialisation verstehe ich die ungeheure Polarisierung, die in den letzten zwei Jahren stattgefunden hat, und in der sich die deutsche Gesellschaft (scheinbar) geteilt hat in Leute, die die Willkommenskultur gefeiert haben und hochbesorgt waren und sind vor einer eskalierenden Gewalt von rechts. Und die anderen: denen in der braunen Ecke gehören. Dazwischen gabs ja lange nix.

    In diesem Kontext sehe ich das beim Stichwort "Werte aufgeben": Da wird vor lauter Bemühen, um Himmels Willen nicht intolerant zu sein (wie gesagt: Wehret den Anfängen!), ernsthaft diskutiert, ob die Schulpflicht auch für muslimische Mädchen gilt, die nach dem Willen der Eltern nicht mitschwimmen sollen. Da werden lächerliche Schweinefleisch-auf-dem-Grill-oder-in-der-(Schul-)Kantine-Debatten geführt (angestoßen nach meiner unrepräsentativen Beobachtung eher von übereifrigen Deutschen als von Muslims, damit sich keiner ausgeschlossen oder unwillkommen fühlt), da wird überlegt, ob man einer Muslima die Hand geben darf und lauter solcher Larifari. Schlimmer aber: Da werden auch Gesetze beschlossen wie die Zulassung der Beschneidung, obwohl sie unserem Patientenrecht komplett widerspricht.
    Dem Patientenrechte widersprechen? Magst du das Mal erklären? Ich hab schon viele Argumente gelesen dazu, aber das mit dem Patientenrecht lese ich glaube ich zum ersten Mal.

  5. #765
    rastamamma ist offline Urgestein

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    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von BigMama Beitrag anzeigen
    Mich stört es nur, wenn sie deutsch NICHT verstehen.
    Mich stört das nur, wenn ich mit ihnen sprechen möchte und sie außerdem auch kein Englisch verstehen.

  6. #766
    Frau_in_Blau Gast

    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von *Unsichtbar* Beitrag anzeigen
    Dem Patientenrechte widersprechen? Magst du das Mal erklären? Ich hab schon viele Argumente gelesen dazu, aber das mit dem Patientenrecht lese ich glaube ich zum ersten Mal.
    Die Voraussetzung für jeden Eingriff ist eine Indikation. Ohne die geht normalerweise gar nichts, und das ist auch gut so.
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  7. #767
    *Unsichtbar* Gast

    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von rastamamma Beitrag anzeigen
    Hast du den Wunsch zu verstehen, was andere miteinander sprechen?
    "Gefällt mir" ich kann am Handy nicht liken.

  8. #768
    MostlyHarmless ist offline Irdisch

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    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von rastamamma Beitrag anzeigen
    Hast du den Wunsch zu verstehen, was andere miteinander sprechen?
    Ne, nicht im Detail. Ich möchte nur "spüren" dass ich "daheim" bin. So, Deutsch, meine Sprache, die vertraute Ausdrucksweise, als vertrautes Hintergrundgeräusch. Das ist ein Gefühlsding, nichts unbedingt Rationales. Wie gesagt - mir tut niemand was. Ich fühle mich nur manchmal - je nach Grundstimmung fehl am Platz, genervt...

  9. #769
    *Unsichtbar* Gast

    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von die blaue Frau Beitrag anzeigen
    Die Voraussetzung für jeden Eingriff ist eine Indikation. Ohne die geht normalerweise gar nichts, und das ist auch gut so.
    Wie ist das denn bei Schönheitsoperationen oder bei der Entfernung von Segelohren, Feuermalen? Da gibt es doch in der Regel auch keine Indikation. Oder liege ich da jetzt falsch?

  10. #770
    rastamamma ist offline Urgestein

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    Standard Re: Bäckerei Verkäuferin mit Kopftuch

    Zitat Zitat von MostlyHarmless Beitrag anzeigen
    Dass sich Frauen und Männer die Hand geben, dass sich Frauen und Männer die nicht verheiratet sind, in einem Raum ohne Anstandswauwau aufhalten, dass Religion nicht jede Ausprägung des Alltagslebens bestimmt (Fasten im Ramadan für Schulkinder...) das war hier schon ziemlich lange selbstverständlich. Möchte ich auch gerne weiter so haben.
    Ich möchte haben, dass Menschen schlicht selbst entscheiden dürfen - auch darüber, ob sie Personen des anderen Geschlechts die Hand geben, sich mit ihnen alleine in einem Raum aufhalten, fasten ....
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