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Thema: Problemkinder und meine Ohnmacht

  1. #21
    Tijana ist offline 20.000 Beiträge gekappt
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Ist mir völlig bewusst, dass das keine Engelchen sind. Darum geht es mir auch gar nicht sondern um die Haltung, wie mit "schwierigen" Kindern umgegangen wird. Sozialer Ausschluss und Stigmatisierung.

    Meine Tochter war erst in einer Akademiker-Privatkita und hat dann in eine Kita gewechselt wo das bildungsferne Milieu deutlich überrepräsentiert war (dort ist sie weiterhin im Hort). Den Wechsel von bio-Vollkornbrot mit Wasser zu Snickers mit Fanta am Frühstückstisch musste auch ich erstmal verdauen. Aber auch wenn in dieser Kita längst nicht alles Gold ist was glänzt, so gibt es dort eins nicht: Sozialen Ausschluss und Stigmatisierung. Ich schätze das sehr hoch und bin davon überzeugt, dass meine Kinder dort mehr für's Leben lernen und mitnehmen als von bio-Vollkornbrot und den Diskussionen, ob Nutella und Marmelade aus der Hölle kommen.
    Wobei ich an deiner Stelle das mit dem Ausschluss bezüglich der Klassenfahrt durchaus kritischer sehe.

    Je nachdem was passiert ist im Vorfeld, ist es für die Lehrkraft schlicht nicht zumutbar. Wir hatten die Diskussion auch schon. Dabei ging es überhaupt nicht um Dinge die täglich passieren, sondern um 3 oder 4 massive Vorfälle, mit denen ein Schüler sich oder andere in Gefahr gebracht hätte und weil es halt zu befürchten stand, dass es zu einem solchen auch bei der Klassenfahrt kommen könnte, kam es zum Ausschluss.
    GRUSS Tijana

  2. #22
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist gerade online Legende
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Tijana Beitrag anzeigen
    Und man ist noch nicht an dich herangetreten? Finde ich sehr bedenklich.

    Genauso wie bei den beiden Jungs hätte ich erwartet, dass es entsprechende Maßnahmen (Testungen usw.) laufen, um den Kindern und auch der Klasse zu helfen.
    Wer hätte wegen was an mich herantreten sollen? Die Schule wegen meiner Tochter?

    Die Klassenlehrerin war im vergangenen Schuljahr über 4 Monate lang nicht da. Die Lehrerin in deren Klasse sie in der Zeit war habe ich ein Mal gesehen, sie sagte es sei alles prima. Folglich habe ich mir nie Gedanken gemacht. Da die meisten Schulsachen in der Schule verbleiben, habe ich auch kaum etwas zu Gesicht bekommen. Mir war ehrlichgesagt auch nicht bewusst, dass schon die Grundschulzeit einer engmaschigen Überwachung und Begleitung meinerseits bedarf.

    Eine Woche vor den Sommerferien gab es ein Elterngespräch mit der Klassenlehrerin (Dauer 8 Minuten). Dort wurde mir gesagt wie schwierig das mit meiner Tochter sei und dass sie so etwas schon lange nicht mehr erlebt hätte. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Auf meine Nachfrage hin was ihre Ideen sind, wie wir meine Tochter besser unterstützen können, zeigte sie sich völlig ratlos. Ebenso ratlos war sie als ich sie nach Hypothesen für die Ursachen der Schwierigkeiten meiner Tochter fragte. Da war mir klar, dass wir von dort nichts zu erwarten haben.

    Meine Tochter geht seitdem wöchentlich zur Ergotherapie und bekommt zwei Mal die Woche Lese- und Rechtschreibförderung. Außerdem üben wir täglich nach einem speziellen Programm. Schule und Hort sind da völlig außen vor, was ich als sehr mühsam empfinde. LRS-Testung habe ich Anfang des Jahres auch in die Wege geleitet, das geht hier aber leider nur nach vielen Monaten Wartezeit. Ich habe natürlich schon darüber nachgedacht eine andere Schule für sie zu finden, aber damit würde ich ihr alles nehmen, was sie sich in den letzten Jahren an Selbständigkeit erarbeitet hat sowie die meisten ihrer Freizeitaktivitäten.

  3. #23
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist gerade online Legende
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Tijana Beitrag anzeigen
    Wobei ich an deiner Stelle das mit dem Ausschluss bezüglich der Klassenfahrt durchaus kritischer sehe.

    Je nachdem was passiert ist im Vorfeld, ist es für die Lehrkraft schlicht nicht zumutbar. Wir hatten die Diskussion auch schon. Dabei ging es überhaupt nicht um Dinge die täglich passieren, sondern um 3 oder 4 massive Vorfälle, mit denen ein Schüler sich oder andere in Gefahr gebracht hätte und weil es halt zu befürchten stand, dass es zu einem solchen auch bei der Klassenfahrt kommen könnte, kam es zum Ausschluss.
    So war es aber nicht, sondern: Weil der sich nicht benehmen kann, darf er zur Strafe nicht mit ins Schullandheim.

    Aktuell selbes Szenario beim Sohn meiner Freundin (hochpreisige Privatschule!!!). Kind (6 Jahre) sagt Schimpfwort (nichts Nettes, aber auch nichts aus der untersten Schublade) zu einem anderen Kind nachdem er von diesem vor der ganzen Klasse gedemütigt wurde. Lehrerin verlangt eine Entschuldigung, Kind meiner Freundin verweigert dies. Lehrerin schreibt den Eltern eine E-Mail in der sie die Situation schildert (die habe ich gelesen) und verlangt von den Eltern dass sie dafür sorgen dass ihr Sohn sich entschuldigt. Wenn dies bis zum nächsten Tag nicht erfolgt, dürfe er nicht mit ins Schullandheim.

    Ist mir völlig klar, dass Lehrer kein leichtes Leben haben und dass es teilweise unerfüllbare Anforderungen gibt. Ich schätze auch das persönliche und berufliche Engagement von Lehrern grundsätzlich sehr hoch. Aber insgesamt erfüllen mich solche Situationen der einen Blick auf die pädagogische Haltung erahnen lässt schon mit Sorge und ich frage mich, was da schief läuft und was wir als Eltern tun können um einen konstruktiven Beitrag zu leisten.

  4. #24
    Avatar von Andrea
    Andrea ist offline besser is
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Ach du Schande. Ich fühle mit dir.

    Kinderschutzbund zur Beratung, was du tun kannst?
    Gespräch in aller Ruhe mit der Rektorin?
    ___________________________________
    Das Böse sind falsche Entscheidungen.

  5. #25
    Avatar von Andrea
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Andrea Beitrag anzeigen
    Ach du Schande. Ich fühle mit dir.

    Kinderschutzbund zur Beratung, was du tun kannst?
    Gespräch in aller Ruhe mit der Rektorin?
    PS: Eventuell hätte ich Gesprächsbedarf mit der Klassenlehrerin, weil ich nicht will, dass mein Kind unter so einer Klassenleitung seine Schulzeit verbringt.
    ___________________________________
    Das Böse sind falsche Entscheidungen.

  6. #26
    Tijana ist offline 20.000 Beiträge gekappt
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Wer hätte wegen was an mich herantreten sollen? Die Schule wegen meiner Tochter?

    Die Klassenlehrerin war im vergangenen Schuljahr über 4 Monate lang nicht da. Die Lehrerin in deren Klasse sie in der Zeit war habe ich ein Mal gesehen, sie sagte es sei alles prima. Folglich habe ich mir nie Gedanken gemacht. Da die meisten Schulsachen in der Schule verbleiben, habe ich auch kaum etwas zu Gesicht bekommen. Mir war ehrlichgesagt auch nicht bewusst, dass schon die Grundschulzeit einer engmaschigen Überwachung und Begleitung meinerseits bedarf.

    Eine Woche vor den Sommerferien gab es ein Elterngespräch mit der Klassenlehrerin (Dauer 8 Minuten). Dort wurde mir gesagt wie schwierig das mit meiner Tochter sei und dass sie so etwas schon lange nicht mehr erlebt hätte. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Auf meine Nachfrage hin was ihre Ideen sind, wie wir meine Tochter besser unterstützen können, zeigte sie sich völlig ratlos. Ebenso ratlos war sie als ich sie nach Hypothesen für die Ursachen der Schwierigkeiten meiner Tochter fragte. Da war mir klar, dass wir von dort nichts zu erwarten haben.

    Meine Tochter geht seitdem wöchentlich zur Ergotherapie und bekommt zwei Mal die Woche Lese- und Rechtschreibförderung. Außerdem üben wir täglich nach einem speziellen Programm. Schule und Hort sind da völlig außen vor, was ich als sehr mühsam empfinde. LRS-Testung habe ich Anfang des Jahres auch in die Wege geleitet, das geht hier aber leider nur nach vielen Monaten Wartezeit. Ich habe natürlich schon darüber nachgedacht eine andere Schule für sie zu finden, aber damit würde ich ihr alles nehmen, was sie sich in den letzten Jahren an Selbständigkeit erarbeitet hat sowie die meisten ihrer Freizeitaktivitäten.
    Ich sehe es als Pflicht an, dass die Schule bei schwerwiegenden Problemen sofort etwas sagt. Gerade in der Grundschule.

    Ich halte Lehrer auch für durchaus kompetent, zu sehen, ob ein Kind einfach noch etwas Zeit braucht oder ob es ein grundlegendes Problem gibt.

    Meine Tochter kam ja als I-Kind in die Schule. Sie war sofort auf dem Schirm der Lehrer und die ersten Gespräche fanden - nach dem Grundsatzgespräch in den ersten Tagen - engmaschig statt bis zu Halbjahr und dann stand die Förderung. OK, das war ein Ausnahmefall.

    Aber es gab ja in der Klasse noch einige Kinder mit Problemen. Und ich weiß von der Schule, dass da je nach Kind entschieden wurde. Bei einigen wurde den Eltern gesagt, sie sind zu ungeduldig, das käme schon noch (und so war es auch). Bei anderen wurde von Anfang an darauf hingearbeitet, dass mehr passiert (teilweise waren die Eltern da sehr verärgert) und es zeigte sich auch, dass die Kinder durchweg weiter Probleme hatten. Was die Lehrer bemerkt hatten, hatte also schon seinen Grund.

    Wenn ein Kind im Lesen, Schreiben und Rechnen massive Probleme hat, wäre ich sehr sauer, wenn man das 1,5 Jahre so laufen lässt. Da geht viel Zeit verloren und der Frust steigt beim Kind immer weiter an.
    GRUSS Tijana

  7. #27
    Tijana ist offline 20.000 Beiträge gekappt
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    So war es aber nicht, sondern: Weil der sich nicht benehmen kann, darf er zur Strafe nicht mit ins Schullandheim.

    Aktuell selbes Szenario beim Sohn meiner Freundin (hochpreisige Privatschule!!!). Kind (6 Jahre) sagt Schimpfwort (nichts Nettes, aber auch nichts aus der untersten Schublade) zu einem anderen Kind nachdem er von diesem vor der ganzen Klasse gedemütigt wurde. Lehrerin verlangt eine Entschuldigung, Kind meiner Freundin verweigert dies. Lehrerin schreibt den Eltern eine E-Mail in der sie die Situation schildert (die habe ich gelesen) und verlangt von den Eltern dass sie dafür sorgen dass ihr Sohn sich entschuldigt. Wenn dies bis zum nächsten Tag nicht erfolgt, dürfe er nicht mit ins Schullandheim.

    Ist mir völlig klar, dass Lehrer kein leichtes Leben haben und dass es teilweise unerfüllbare Anforderungen gibt. Ich schätze auch das persönliche und berufliche Engagement von Lehrern grundsätzlich sehr hoch. Aber insgesamt erfüllen mich solche Situationen der einen Blick auf die pädagogische Haltung erahnen lässt schon mit Sorge und ich frage mich, was da schief läuft und was wir als Eltern tun können um einen konstruktiven Beitrag zu leisten.
    Ich würde mein Kind von einer Privatschule nehmen, die meint so vorgehen zu müssen.

    Von einigen Privatschulen - egal ob jetzt mit Zahlungspflicht oder nicht - habe ich so ein Verhalten schon desöfteren gehört bzw. miterlebt. Da werden Kinder mit einer schlechten Verhaltensnote bedacht und von der Schule verwiesen (es gibt ja einen Vertrag), die völlig problemlos sind.

    Ganz ehrlich, ich bezahle doch nicht noch extra dafür, dass man mein Kind schikaniert.
    GRUSS Tijana

  8. #28
    Gast

    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Hm, eines der Probleme ist, dass du zwei Rollen vermengt hast - Mutter und Coach für Lehrer. Eigentlich sollte man das sorgfältig trennen. Das andere ist: Aus einem Tag und ein paar Stunden der Beobachtung wirst du keine belastbaren Schlussfolgerungen ziehen können. Für diese sehr begrenzte Perspektive ist deine Gefühlslage ganz schön stark - "hilflos", "Ohnmacht", "voller Mitgefühl". Du hast ja sonst auch eine Neigung, dich sehr in Problemlagen reinfallen zu lassen, deswegen denke ich: Versuch mal das abzuziehen, was deine persönliche Involvierung ist und schau auf die Fakten.

    Wenn du dann immer noch das Gefühl hast, aktiv werden zu wollen, hast du aus meiner Sicht zunächst nur die Möglichkeit, das Gespräch mit den Eltern zu suchen und deinen Eindruck zu schildern. Vielleicht spricht ja der Vater ausreichend deutsch? Oder es findet sich jemand, der übersetzen kann? Dann können die Eltern überlegen, ob sie dich im Boot haben wollen. Wenn ja, kannst du z.B. anbieten, mit zu einem Gespräch mit der Klassenlehrerin zu gehen. Ggf. muss man im Kollegium Verbündete suchen. Oder was auch immer euch einfällt.

    Aber die Voraussetzung ist auf jeden Fall die Zustimmung der Eltern.

  9. #29
    Jana_76 ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Ich würde das im Lehrerkollegium ruhig mal ansprechen. Schildere deine Beobachtungen so wie hier. Gern auch mal mit dem Hinweis auf den Rosenthal/Pygmalioneffekt.
    Sicher ist es schwierig einen ersten Eindruck nochmal in Frage zu stellen. Aber hier geht es um die Zukunft von 2 Menschen. Wenn sie immer eine negative Rückmeldung erfahren, warum noch Mühe geben?

  10. #30
    Gast

    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Sprich es an.
    Meinem gemobbten Sohn hat eine Externe zumindest soweit geholfen, dass die Schule nicht mehr leugnen konnte, dass er allein gegen 5 *********kinder war.
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