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Thema: Problemkinder und meine Ohnmacht

  1. #31
    Foxlady Gast

    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Wenn dir das wichtig ist zu helfen, dann schließe dich mit der Mutter kurz. Und dann guckt gemeinsam was man angehen kann.
    Was hat eigentlich die Lehrerin auf deine letzte Aussage geantwortet?

  2. #32
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist offline Legende

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Hm, eines der Probleme ist, dass du zwei Rollen vermengt hast - Mutter und Coach für Lehrer. Eigentlich sollte man das sorgfältig trennen. Das andere ist: Aus einem Tag und ein paar Stunden der Beobachtung wirst du keine belastbaren Schlussfolgerungen ziehen können. Für diese sehr begrenzte Perspektive ist deine Gefühlslage ganz schön stark - "hilflos", "Ohnmacht", "voller Mitgefühl". Du hast ja sonst auch eine Neigung, dich sehr in Problemlagen reinfallen zu lassen, deswegen denke ich: Versuch mal das abzuziehen, was deine persönliche Involvierung ist und schau auf die Fakten.

    Wenn du dann immer noch das Gefühl hast, aktiv werden zu wollen, hast du aus meiner Sicht zunächst nur die Möglichkeit, das Gespräch mit den Eltern zu suchen und deinen Eindruck zu schildern. Vielleicht spricht ja der Vater ausreichend deutsch? Oder es findet sich jemand, der übersetzen kann? Dann können die Eltern überlegen, ob sie dich im Boot haben wollen. Wenn ja, kannst du z.B. anbieten, mit zu einem Gespräch mit der Klassenlehrerin zu gehen. Ggf. muss man im Kollegium Verbündete suchen. Oder was auch immer euch einfällt.

    Aber die Voraussetzung ist auf jeden Fall die Zustimmung der Eltern.
    Grundsätzlich schätze ich Deine Beiträge, halte Deinen Blick, so wie ich Dich hier erlebe, für reflektiert und geschärft. Deine Beurteilungen teile ich jedoch nicht uneingeschränkt.

    Nein, ich vermenge nicht zwei Rollen. Aber ich bin ein und dieselbe Person und kann Informationen die mir bekannt sind nicht ignorieren, ganz gleich auf welchem Weg mich diese erreicht haben. An der Schule bin ich lediglich Mutter und dass mir in meinem Beruf zwei Lehrerinnen der Schule begegnet sind war reiner Zufall. Ich wusste das im Vorfeld nicht und die Veranstaltung war auch in einem anderen Ort.

    Und nein, ich habe ganz und gar keine Neigung, mich in Problemlagen reinfallen zu lassen. Das Gegenteil ist oft der Fall und mir wird im Kollegenkreis oft nachgesagt ich sei so sachlich und tough und vergleichsweise unemotional.

    Natürlich ergibt sich aus Momentaufnahmen kein belastbares Bild, aber ergänzt durch die kontinuierlichen Erzählungen meiner Tochter über einen Zeitraum von jetzt fast 2 Schuljahren, wird die soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung dieser Kinder schon sehr deutlich sichtbar. Und ich fühle mich dann tatsächlich ohnmächtig wenn ich erlebe, wie die Weichen gestellt werden und aus welcher Haltung heraus dies geschieht (wer stört muss weg). Und ja, da habe ich Mitgefühl, weil ich diese Kinder für deutlich benachteiligt halte und mir sehr bewusst ist, dass sich dies in ihrer Zukunft eher verschlechtern als verbessern wird. Und ich denke wir (also "die Gesellschaft") müssten viel mehr für diese Kinder tun und in diese Kinder investieren, um ihnen zu ermöglichen auch eine Chance zu haben. Ich mache mir auch keinerlei Illusionen dass ganz gleich welches Gespräch mit wem, langfristig darauf irgendwelche Auswirkungen haben könnte und ja, das ist ein hilfloses Gefühl gegenüber solchen Situationen.

    Ich bin hier nicht persönlich involviert. Ich hatte bereits Mitgefühl mit diesen Kindern und deren Stigmatisierung, da wusste ich noch nichtmal, dass meine Tochter Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben haben wird. Im Vergleich zu Kevin und Justin hat sie jedoch viele Ressourcen und Unterstützung, sie ist bei Schülern und Lehrern gleichermaßen beliebt und hat keinerlei sozialen Probleme.

    Vielleicht lässt meine Schilderung auch Rückschlüsse darauf, dass ich irgendwie nah an der Situation dran bin. Das ist nicht der Fall. Die Mutter habe ich drei Mal in meinem Leben gesehen (zwei Mal beim Elternabend und ein Mal als sie mit ihren Kindern auf dem Schulweg war) und in fast zwei Schuljahren insgesamt weniger als drei Sätze mit ihr gesprochen (ohne eine Antwort zu erhalten). Ich weiß rein gar nichts Privates über diese Familie, auch nicht ob es einen Vater gibt.

    Ich werde der Klassenlehrerin meiner Tochter eine E-Mail schreiben in der ich meine Beobachtungen schildere und sie um Weiterleitung an die Lehrerin von Kevin bitten. Ich werde mich jedoch nicht als selbsternannte Schulsozialarbeiterin selbst beauftragen tätig zu werden, in die Familie gehen oder sonstwas ohne Auftrag initiieren.
    -AppErol- gefällt dies

  3. #33
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist offline Legende

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Wenn dir das wichtig ist zu helfen, dann schließe dich mit der Mutter kurz. Und dann guckt gemeinsam was man angehen kann.
    Was hat eigentlich die Lehrerin auf deine letzte Aussage geantwortet?
    Sie sagte überrascht "oh" und machte ein Gesicht als könne sie es gar nicht glauben (allerdings weiß ich nicht ob das darauf bezogen war dass der Kerl sich tatsächlich benommen hat oder auf meinen Kommentar, dass er massiv provoziert wurde).

  4. #34
    Ingrid3 ist offline Legende

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von tigger Beitrag anzeigen
    Blödsinn.
    sorry tigger, aber das ist leider kein Blödsinn. Der ehemalige Geschichtslehrer meines Sohnes sagte mal im Unterricht: Kevin ist kein Name, das ist eine Sozialprognose

  5. #35
    Avatar von -AppErol-
    -AppErol- ist offline love & peace

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Es ist schon heftig, wenn Lehrkräfte offen mit Schülernamen umgehen. Ich glaube da hätte ich schon geschluckt.
    Willst du den etwas tun? Ginge es, mit der Direktion zu sprechen, wie unterschiedlich deine Wahrnehmung zu der der Anderen ist? Manchmal reicht sowas ja schon um mal anders drauf zu schauen.

    Ist halt schwer weil du privat involviert bist und es deinen Job betreffen kann. Da hilft im Zweifelsfall wohl nur aushalten. Mir würde diese deutliche Pygmalion-Effekt auch zu schaffen machen.



    We can choose to see the best in one another.
    Barack Obama, 11/9/16
    Wenn ihr Großhirn mit der Amygdala eines Pubertisten diskutiert, kann das nur schief gehen!
    aus einem Vortrag der hiesigen Erziehungsberatung 11/13/19

  6. #36
    Frau_in_Blau Gast

    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Ich werde mich jedoch nicht als selbsternannte Schulsozialarbeiterin selbst beauftragen tätig zu werden, in die Familie gehen oder sonstwas ohne Auftrag initiieren.
    Dann isses ja gut. :)
    Ich habe grad dein Eröffnungspost nochmal gelesen und gesehen, dass du nicht um Vorschläge gebeten, sondern nur beschrieben hast, was du da erlebst und empfindest. Vermutlich bin ich durch die ersten "was tun?"-Antworten drauf gekommen.
    Ja, Hilflosigkeit - das ist was, womit wir angesichts der Ungerechtigkeiten dieses Lebens ständig konfrontiert werden.

    Vielleicht noch eine Anmerkung zu den Erzählungen deiner Tochter: Erzählt sie denn ebenfalls, dass der Junge in ihrer Klasse ungerecht behandelt wird? Ich habe da in ähnlichen Situationen versucht, mit ihr ihren Handlungsspielraum auszuloten. Da kamen manchmal auch ganz pfiffige Sachen raus - lui (?) hat gestern von der Reaktion der Klasse auf diese blöde Geländelauf-Geschichte im Sportunterricht erzählt. Solche Erlebnisse des Kindes für ganz grundsätzliche Gespräche zu nutzen, fand ich immer sehr schön. In dem Fall also: Rückgrat und Zivilcourage also auf kindlicher Ebene. Wann muss ich was sagen? Was kann ich tun, wenn ich etwas sehe, das mies läuft? Was traue ich mich? usw.

  7. #37
    Mumpitz ist offline Legende

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Tigerblume Beitrag anzeigen
    Beide Kinder haben ihren Ruf als Problemkinder weg und nein, der Blick der Lehrerin galt sehr sicher nicht Kevin als gemobbtes Kind sondern ganz klar Kevin als schwieriger Störer. Er ist auch gar nicht in ihrer Klasse.

    Kevins Klasse war nicht im Schullandheim.

    Mich stört am meisten die feindselige und ablehnende Haltung gegnüber diesen Kindern. Klar sind sie nervig und machen einem das Leben schwer. Trotzdem sind's Buben. Und ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass gerade sie die Zuwendung und Aufmerksamkeit und Sympathie der Lehrer mehr brauchen als es bei den anderen Kindern der Fall ist.
    Ich kann das gut verstehen und ich glaube, das würde mich auch stören.

  8. #38
    WATERPROOF ist offline Renitent.

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Der Lehrer sieht die Kinder in der Klasse mehr als 20h/Woche.

    Du hast sie mal kurz gesehen, und auch das nur in wenigen Situationen.

    Ich glaube nicht, dass du beurteilen kannst, was das wirklich abgeht.

    Und ich wäre als Lehrerin hochgradig angepisst, wenn eine außen stehende Person wie du mich und meine Arbeit (evtl. sogar noch vor meinem Vorgesetzen) kritisieren würdest.

    Vielleicht versetzt du dich mal in die Person des Lehrers.

  9. #39

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Ich wäre da vorsichtig. Ich kenne genug Kandidaten, die bei bestimmten Aktionen Feuer und Flamme waren, da hat alles gefunzt. Und ansonsten wurde aufgemischt, gestört etc. Auch bei den gleichen Betreuern. Heute so, morgen anders. Und die ruhigen Tage waren eher rar.

  10. #40
    tigger ist offline Legende

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    Standard Re: Problemkinder und meine Ohnmacht

    Zitat Zitat von Ingrid3 Beitrag anzeigen
    sorry tigger, aber das ist leider kein Blödsinn. Der ehemalige Geschichtslehrer meines Sohnes sagte mal im Unterricht: Kevin ist kein Name, das ist eine Sozialprognose
    Mein Sohn heißt Kevin und ich mache keine derartigen Erfahrungen und so einem Lehrer würde der auch ein paar Takte erzählen.
    Kann sein, dass der Lehrer Deines Sohn eine Flachpfeife ist.

    Aber das sind ja nun nicht alle Lehrer in Deutschland.
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