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Thema: Der Özil und der Gündogan

  1. #491
    Sascha ist offline Urgestein

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Ich kenn ihn nicht, kann also seine Motivationslage nicht beurteilen.

    Ich bin aber sicher, dass kulturelle Bindungen („kulturell“ im weitesten Sinn) nicht durch einen Rechtsakt mal eben aufgelöst werden können - und auch nicht sollten: Sie sind ja grade ein Reichtum einer vielfältigen Gesellschaft.
    Die Migranten, die ich kenne, angefangen von meinem Anfang der 50er Jahre in die USA ausgewanderten Onkel, der weit über 80 ist, über meine italienischstämmige Schulfreundin, die Freundinnen von mir, deren Eltern als Deutschstämmige aus Tschechien oder Schlesien kamen, bis hin zu den Kindern aus afrikanisch-deutschen Verbindungen im Freundeskreis, tragen alle Patchwork-Identitäten und pflegen ihr kulturelles Erbe. Das ist nicht weg, auch wenn sie alle die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Wohnsitz-Landes besitzen.
    Ich finde das gut so. Und ich käme gar nicht auf die Idee, dass es anders sein könnte. Ich selbst fühle mich ja auch nicht so sehr als deutsche Staatsangehörige (ich wüsste gar nicht, wie sich das anfühlen könnte), sondern als Münchnerin. Zu Deutschland habe ich ein bloß rationales Verhältnis - mein Heimatgefühl und meine Liebe gilt aber der Gegend hier, wo ich die Sprache spreche, die Mentalität, die Lieder, den Humor, die Traditionen kenne und teile und mich zugehörig fühle.
    Alles

  2. #492
    Sascha ist offline Urgestein

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Labrador_reloaded Beitrag anzeigen
    Sagen wir es mal so, ich finde es wünschenswert, wenn demokratische Grundwerte möglichst überall hochgehalten werden. Dass man denen nicht am Zeug flicken kann für ihre Aktion, ja klar. Dass man Menschen, die jemanden wie Erdogan offen verehren, obwohl sie hier leben darf man aber unglaublich unsympathisch finden, sehr sogar. Man ist ja sonst auch nicht so zimperlich mit Leuten, die nicht so wählen wie man will. Und auf der Werteskala sehe ich Erdogan halt noch ein ganzes Stück weiter unten als die hiesigen üblichen Verdächtigen. Ich denke, sie haben sich da ganz schön ins Knie geschossen.

    Dein letzter Absatz, ja, da liegt der Hase im Pfeffer. Bei hiesigen Politikern kann man viel unterstellen, mehr nicht. Bei Erdogan braucht man sich die Mühe nicht machen, der liefert ja freiwillig.
    Wieso, es haben doch eh alle geschrieben, dass sie die Aktion blöd finden. NIemand hier im Forum fand das ganz super. Natürlich kann man das unsympathisch finden (fanden, soweit ich gelesen habe alle, für mich kann ich es auf jeden Fall sagen).
    Sascha
    Most important decisions in life are made between two people in bed
    Billy Bragg


    Ostern mal anders:
    https://www.bilder-upload.eu/bild-a2...2880.jpeg.html

    https://www.youtube.com/watch?v=0Hiu...ature=emb_logo

  3. #493
    Avatar von Diamant
    Diamant ist offline Sächsisches Angelhuhn

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von tropi Beitrag anzeigen
    Zumindest die richtigen Buchstaben hatte ich. An der Reihenfolge muss ich noch arbeiten.
    LG STEINLINDA WHISKAS LIKORIA HUHN


  4. #494
    Sascha ist offline Urgestein

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Labrador_reloaded Beitrag anzeigen
    Ob man sich im Herzen als Türke, Marokkaner, Kanadier oder Deutscher sieht ist doch aber eigentlich eh egal. Das ist sicher von Fall zu Fall verschieden. Will ich auch garnicht werten, auch wenn ich es äusserst merkwürdig finde, wenn sich ein hier geborener Mensch nicht als Deutscher sieht. Kommt vielleicht auch drauf an, wie eng die Bindung noch ist und wie zuhause Traditionen gepflegt wurden. Aber auf keinen Fall ist irgendein Staatsoberhaupt des Landes, in dem familiäre Wurzeln liegen "mein verehrter Präsident", lachhaft, echt.
    Ich finde das - aus eigenem Erleben - überhaupt nicht merkwürdig. Ich bin hier geboren, ich bin hier aufgewachsen, aber nienie würde ich behaupten, ich fühlte mich als Deutsche. Ich bin keine . Ganz einfach von meinen Wurzeln und meiner Abstammung her bin ich keine. Und nicht nur, dass ich mich nicht als Deutsche fühle, ich SEHE mich auch nicht als Deutsche. Auch wenn ich gar nicht eng verwoben bin mit meinen „Ursprungs“-Traditionen und so.
    Was mich hier in der Diskussion aber schon wundert ist, dass das als Dumme-Jungen-Fail abgetan wird, dabei ist es gleich in mehrfacher Hinsicht absurd, was die da veranstaltet haben. Noch mehr stört mich aber die Argumentation dazu, dass mögliche Kritiker es mit der Demokratie eh nicht so genau nehmen, indem sie AfD wählen etc. Das ist einerseits richtig, andererseits eine extreme Verharmlosung der Situation in der Türkei. Die ist mit nichts zu vergleichen und der Despot Erdogan mit keinem einzigen deutschen Politiker. Es ist also vollkommen wurscht, ob jemand, der Gündogans Aktion unterirdisch findet, zufällig AfD wählt. Wieso wird dann also damit argumentiert.
    Es war kein Vergleich der Situationen, das kam wohl leider nicht so richtig an. Es war einfach die Argumentationsschiene „Deutschsein ist nicht gleichzusetzen mit Demokratischsein“ und auch dem Rückschluss „antidemokratischsein kann trotzdem Deutschsein nicht ausschließen“
    Sascha
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  5. #495
    Avatar von Klopferline
    Klopferline ist offline Altlast

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Ich kenn ihn nicht, kann also seine Motivationslage nicht beurteilen.

    Ich bin aber sicher, dass kulturelle Bindungen („kulturell“ im weitesten Sinn) nicht durch einen Rechtsakt mal eben aufgelöst werden können - und auch nicht sollten: Sie sind ja grade ein Reichtum einer vielfältigen Gesellschaft.
    Die Migranten, die ich kenne, angefangen von meinem Anfang der 50er Jahre in die USA ausgewanderten Onkel, der weit über 80 ist, über meine italienischstämmige Schulfreundin, die Freundinnen von mir, deren Eltern als Deutschstämmige aus Tschechien oder Schlesien kamen, bis hin zu den Kindern aus afrikanisch-deutschen Verbindungen im Freundeskreis, tragen alle Patchwork-Identitäten und pflegen ihr kulturelles Erbe. Das ist nicht weg, auch wenn sie alle die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Wohnsitz-Landes besitzen.
    Ich finde das gut so. Und ich käme gar nicht auf die Idee, dass es anders sein könnte. Ich selbst fühle mich ja auch nicht so sehr als deutsche Staatsangehörige (ich wüsste gar nicht, wie sich das anfühlen könnte), sondern als Münchnerin. Zu Deutschland habe ich ein bloß rationales Verhältnis - mein Heimatgefühl und meine Liebe gilt aber der Gegend hier, wo ich die Sprache spreche, die Mentalität, die Lieder, den Humor, die Traditionen kenne und teile und mich zugehörig fühle.
    all das, was Du beschreibst, steht aber nicht zwingend in einem Zusammenhang mit der Staatsbürgerschaft.
    Er kann es besser erklären, auch wenn ich ihm eigentlich sonst nie zustimmen kann:
    Doppelte Staatsbürgerschaft für Deutsch-Türken war ein Fehler - Kolumne - SPIEGEL ONLINE

    Der Doppelpass ist für mich eine rein politische Angelegenheit und hat für mich nichts mit kulturellem Erbe oder Bindungen zu tun, Du selber beschreibst es in Deinem Fühlen oder eben nicht als deutsche Staatsangehörige. Ich finde, auch wenn das nicht passieren wird, daß die doppelte Staatsbürgerschaft abgeschafft gehört.

  6. #496
    Frau_in_Blau Gast

    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von SofieAmundsen Beitrag anzeigen
    Ich nehme an, keiner hier kennt ihn. Ebensowenig wie Schröder oder Kollegah. Dennoch wird ihr Verhalten beurteilt.



    Wie gesagt: ich sehe einen Unterschied zwischen "kulturelle Bräuche" pflegen und eine diktatorisch agierende Person hypen.

    Der Onkel meines Mannes ist übrigens als junger Mann nach Kanada ausgewandert. Er selber lebt nicht mehr, aber seine Kinder und Enkel sehen sich ausnahmslos als Kanadier.
    (Und ich fände es auch seltsam, wenn sie für die kanadische Nationalmannschaft spielen würden und öffentlich Alice Weidel huldigen und mit einem Shirt beglücken würden.)
    Weidel hat kein vergleichbares Amt. Wird sie hoffentlich auch nie haben.

    Jo, seltsam finde ich das Verhalten auch. Aber erklärbar durch die doppelten Bindungen. Und es wird viel damit zu tun haben, dass Kanada und die USA klassische Einwanderungsländer sind und Deutschland sich dagegen über Jahrzehnte hinweg geweigert hat, anzuerkennen, dass es auch eines ist, und die entsprechenden Strukturen zu schaffen. In Kanada oder den USA werden Einwandererkinder noch der dritten Generation in der Regel nicht gefragt, wann sie wieder in ihre Heimat zurückkehren.

    Wenn man kontinuierlich Kontakt mit Leuten hatte, deren Familien vor Jahren eingewandert sind, weiß man, dass es diese doppelten Loyalitäten aus vielerlei Gründen gibt. Unter anderem aus - imho wünschenswert - kulturellen.
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  7. #497
    Frau_in_Blau Gast

    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen
    all das, was Du beschreibst, steht aber nicht zwingend in einem Zusammenhang mit der Staatsbürgerschaft.
    Er kann es besser erklären, auch wenn ich ihm eigentlich sonst nie zustimmen kann:
    Doppelte Staatsbürgerschaft für Deutsch-Türken war ein Fehler - Kolumne - SPIEGEL ONLINE

    Der Doppelpass ist für mich eine rein politische Angelegenheit und hat für mich nichts mit kulturellem Erbe oder Bindungen zu tun, Du selber beschreibst es in Deinem Fühlen oder eben nicht als deutsche Staatsangehörige. Ich finde, auch wenn das nicht passieren wird, daß die doppelte Staatsbürgerschaft abgeschafft gehört.
    Ja, vielleicht ist es so, wie du (und Augstein) schreibst.
    Ich glaube eher, die Frage nach der Staatsbürgerschaft ist allenfalls ein Symptom, nicht die Ursache der Schwierigkeiten.
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  8. #498
    Sascha ist offline Urgestein

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen
    all das, was Du beschreibst, steht aber nicht zwingend in einem Zusammenhang mit der Staatsbürgerschaft.
    Er kann es besser erklären, auch wenn ich ihm eigentlich sonst nie zustimmen kann:
    Doppelte Staatsbürgerschaft für Deutsch-Türken war ein Fehler - Kolumne - SPIEGEL ONLINE

    Der Doppelpass ist für mich eine rein politische Angelegenheit und hat für mich nichts mit kulturellem Erbe oder Bindungen zu tun, Du selber beschreibst es in Deinem Fühlen oder eben nicht als deutsche Staatsangehörige. Ich finde, auch wenn das nicht passieren wird, daß die doppelte Staatsbürgerschaft abgeschafft gehört.
    Für DICH hat die doppelte Staatsbürgerschaft nichts mit kulturellem Erbe zu oder Bindungen zu tun. Mhm. Aber Du bist ja auch niemand, der zwei Pässe haben könnte.
    Für MICH hätten zwei Pässe durchaus etwas mit kulturellem Erbe und Bindungen zu tun. Nur: ich bekomm keine zwei.
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    Sascha
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  9. #499
    Avatar von Klopferline
    Klopferline ist offline Altlast

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Sascha Beitrag anzeigen
    Für DICH hat die doppelte Staatsbürgerschaft nichts mit kulturellem Erbe zu oder Bindungen zu tun. Mhm. Aber Du bist ja auch niemand, der zwei Pässe haben könnte.
    Für MICH hätten zwei Pässe durchaus etwas mit kulturellem Erbe und Bindungen zu tun. Nur: ich bekomm keine zwei.
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Ja, vielleicht ist es so, wie du (und Augstein) schreibst.
    Ich glaube eher, die Frage nach der Staatsbürgerschaft ist allenfalls ein Symptom, nicht die Ursache der Schwierigkeiten.
    Ich finde, die Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft wurde von deutscher Seite immer viel zu sehr emotionalisiert und dadurch ein Gefühl erzeugt, die Staatsbürgerschaft stehe für irgendeine Identifikation. Die Hoffnungen, mit dem Doppelpass zu mehr Integration (was immer das sein soll) beizutragen, haben sich meiner Meinung nach nicht erfüllt, die Probleme überwiegen bzw haben sich nicht verändert.

  10. #500
    Sascha ist offline Urgestein

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    Standard Re: Der Özil und der Gündogan

    Zitat Zitat von Klopferline Beitrag anzeigen
    Ich finde, die Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft wurde von deutscher Seite immer viel zu sehr emotionalisiert und dadurch ein Gefühl erzeugt, die Staatsbürgerschaft stehe für irgendeine Identifikation. Die Hoffnungen, mit dem Doppelpass zu mehr Integration (was immer das sein soll) beizutragen, haben sich meiner Meinung nach nicht erfüllt, die Probleme überwiegen bzw haben sich nicht verändert.
    Na hier im Forum wird doch aber jetzt auch so getan, als stünde Staatsbürgerschaft für irgendeine Identifikation, bzw. sollte das

    Ich SEHE einfach keine Probleme an der doppelten Staatsbürgerschaft, aus meiner Sicht gibt es da nix, was es nicht auch ohne doppelte Staatsbürgerschaft gäbe. Gut, ich glaube aber auch nicht, dass sie zu mehr Integration führt. Ich persönlich wäre halt froh gewesen, hätte ich nicht eine Staatsbürgerschaft ablegen müssen.
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    Sascha
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