Seite 1 von 32 12311 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 312
Like Tree244gefällt dies

Thema: Meine Mutter

  1. #1
    Anna__Blume ist offline Veteran
    Registriert seit
    10.08.2014
    Beiträge
    1.257

    Standard Meine Mutter

    Ich hatte ja schon öfter von meiner Mutter und ihrem Desinteresse an mir und meiner Familie geschrieben. Das ist ein alter Hut im Grunde, aber es hört einfach nicht auf, mich zu quälen.

    Ich ärgere mich da über mich selbst, schon verrückt, was für ein unkaputtbares Band zwischen Kind und Eltern gespannt sein kann, selbst dann, wenn die Beziehung längst gescheitert ist. Bei mir ist es jedenfalls so. Es ist echt so eine "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Nummer. Sie tut oder sagt etwas (bzw. meistens: tut oder sagt irgendwas nicht), und ich fühle diesen Stich. Wie bei Harry Potter und seiner Narbe, die brennt, wenn Voldemort in der Nähe ist. Furchtbar.

    Nun bin ich ja 40 geworden letzte Woche. Gott und die Welt hat angerufen, es gibt auch noch ein großes Fest. Sie gratulierte kurz angebunden per WhatsApp, wobei die halbe Nachricht daraus bestand zu erklären, dass sie erkältet sei und nicht zum Geburtstagskaffee kommen könne. Ob ich den verschieben könne. Wollte ich nicht, ich hatte gebacken und mich auf meinen Papa und meinen Bruder und meine Nichten gefreut (die Kinder auch). Ich schrieb, sie können dann ja irgendwann in ein paar Tagen noch vorbeikommen. Keine Antwort.

    Mein Vater rief dann noch an, ganz gerührt und bewegt, dass sein ältestes Kind jetzt 40 wird, er erzählte von seinem Vierzigwerden, dem beruflichen Umbruch, den er damals erlebte, von uns Kindern. Und ich war gerührt und bewegt, wie so oft, dass ich ihn habe. Meine Mutter saß im Hintergrund und ließ sich den Hörer nicht geben. Das Kuchenessen war sehr sehr nett. Viel entspannter für mich, als wenn sie dabei gewesen wäre.

    Am Tag drauf hat sie übrigens eine Radtour mit meinem Vater gemacht. Ob die Erkältung so schlimm war? Egal. Ich wusste irgendwie seit Tagen, dass sie nicht kommen würde, weil irgendwas ist: erkältet, ein Zahn, schlecht geschlafen, Rückenschmerzen. Ich habe beruflich einmal einen großen Preis gewonnen, mit festlicher Verleihung und allem drum und dran, in unserer Stadt. Sie kam nicht, weil sie Yoga hatte. Das Wort egozentrisch wurde für sie erfunden. Sie nennt es: gut auf sich achten.

    Und jetzt arbeitet es in mir. Ich merke, dass ich richtig gekränkt bin, auch wenn ein persönliches "Herzlichen Glückwunsch" und auch ein Besuch nur eine Pflichtveranstaltung für sie gewesen wären. Ich bin richtig ordentlich traurig seitdem, weine abends, wenn die Kinder im Bett sind. Und habe Alpträume von ihr, dass sie mich mit verzerrtem Gesicht anschreit und ganz, ganz böse beleidigt. Was soll das? Ich will das nicht. Kognitiv bin ich doch schon viel weiter. Aber irgendwie geht das tiefer.

    Ich möchte von ihr loskommen, innerlich, und gerne auch physisch (soweit sich das halt machen lässt, da ich die Beziehung zu meinem Vater nicht gefährden will, meine Eltern leben ja zusammen).

    Den Kontakt still einschlafen lassen. Was eigentlich nicht so schwer sein sollte, da von ihr eh nichts kommt. Wir wohnen zwar in der gleichen Stadt, aber weit genug auseinander, um uns nicht beim Bäcker zu begegnen. Aber je mehr ich unsere Nicht-Beziehung von mir wegschiebe, desto heftiger knallt es in mir (Alpträume). Ätzend.

    Wie schafft man die innere Befreiung? Ach ja, in Therapie war ich schon, das war gut, aber irgendwie bin ich mit dem Thema noch lange nicht "durch".

  2. #2
    Avatar von Stulle
    Stulle ist offline Legende
    Registriert seit
    07.12.2007
    Beiträge
    17.411

    Standard Re: Meine Mutter

    Zitat Zitat von Anna__Blume Beitrag anzeigen
    Ich hatte ja schon öfter von meiner Mutter und ihrem Desinteresse an mir und meiner Familie geschrieben. Das ist ein alter Hut im Grunde, aber es hört einfach nicht auf, mich zu quälen.

    Ich ärgere mich da über mich selbst, schon verrückt, was für ein unkaputtbares Band zwischen Kind und Eltern gespannt sein kann, selbst dann, wenn die Beziehung längst gescheitert ist. Bei mir ist es jedenfalls so. Es ist echt so eine "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Nummer. Sie tut oder sagt etwas (bzw. meistens: tut oder sagt irgendwas nicht), und ich fühle diesen Stich. Wie bei Harry Potter und seiner Narbe, die brennt, wenn Voldemort in der Nähe ist. Furchtbar.

    Nun bin ich ja 40 geworden letzte Woche. Gott und die Welt hat angerufen, es gibt auch noch ein großes Fest. Sie gratulierte kurz angebunden per WhatsApp, wobei die halbe Nachricht daraus bestand zu erklären, dass sie erkältet sei und nicht zum Geburtstagskaffee kommen könne. Ob ich den verschieben könne. Wollte ich nicht, ich hatte gebacken und mich auf meinen Papa und meinen Bruder und meine Nichten gefreut (die Kinder auch). Ich schrieb, sie können dann ja irgendwann in ein paar Tagen noch vorbeikommen. Keine Antwort.

    Mein Vater rief dann noch an, ganz gerührt und bewegt, dass sein ältestes Kind jetzt 40 wird, er erzählte von seinem Vierzigwerden, dem beruflichen Umbruch, den er damals erlebte, von uns Kindern. Und ich war gerührt und bewegt, wie so oft, dass ich ihn habe. Meine Mutter saß im Hintergrund und ließ sich den Hörer nicht geben. Das Kuchenessen war sehr sehr nett. Viel entspannter für mich, als wenn sie dabei gewesen wäre.

    Am Tag drauf hat sie übrigens eine Radtour mit meinem Vater gemacht. Ob die Erkältung so schlimm war? Egal. Ich wusste irgendwie seit Tagen, dass sie nicht kommen würde, weil irgendwas ist: erkältet, ein Zahn, schlecht geschlafen, Rückenschmerzen. Ich habe beruflich einmal einen großen Preis gewonnen, mit festlicher Verleihung und allem drum und dran, in unserer Stadt. Sie kam nicht, weil sie Yoga hatte. Das Wort egozentrisch wurde für sie erfunden. Sie nennt es: gut auf sich achten.

    Und jetzt arbeitet es in mir. Ich merke, dass ich richtig gekränkt bin, auch wenn ein persönliches "Herzlichen Glückwunsch" und auch ein Besuch nur eine Pflichtveranstaltung für sie gewesen wären. Ich bin richtig ordentlich traurig seitdem, weine abends, wenn die Kinder im Bett sind. Und habe Alpträume von ihr, dass sie mich mit verzerrtem Gesicht anschreit und ganz, ganz böse beleidigt. Was soll das? Ich will das nicht. Kognitiv bin ich doch schon viel weiter. Aber irgendwie geht das tiefer.

    Ich möchte von ihr loskommen, innerlich, und gerne auch physisch (soweit sich das halt machen lässt, da ich die Beziehung zu meinem Vater nicht gefährden will, meine Eltern leben ja zusammen).

    Den Kontakt still einschlafen lassen. Was eigentlich nicht so schwer sein sollte, da von ihr eh nichts kommt. Wir wohnen zwar in der gleichen Stadt, aber weit genug auseinander, um uns nicht beim Bäcker zu begegnen. Aber je mehr ich unsere Nicht-Beziehung von mir wegschiebe, desto heftiger knallt es in mir (Alpträume). Ätzend.

    Wie schafft man die innere Befreiung? Ach ja, in Therapie war ich schon, das war gut, aber irgendwie bin ich mit dem Thema noch lange nicht "durch".

    Warum legst du so viel Wert darauf von jemanden Beachtung zu bekommen, der keine Liebe und Beachtung geben kann?

  3. #3
    Anna__Blume ist offline Veteran
    Registriert seit
    10.08.2014
    Beiträge
    1.257

    Standard Re: Meine Mutter

    Zitat Zitat von Stulle Beitrag anzeigen
    Warum legst du so viel Wert darauf von jemanden Beachtung zu bekommen, der keine Liebe und Beachtung geben kann?
    Gute Frage.

  4. #4
    Avatar von Stulle
    Stulle ist offline Legende
    Registriert seit
    07.12.2007
    Beiträge
    17.411

    Standard Re: Meine Mutter

    Zitat Zitat von Anna__Blume Beitrag anzeigen
    Gute Frage.
    Für wirst sie nicht ändern, das geht doch auch nicht.

    Gut wäre, wenn du dich freuen würdest, dass du deinen Geburtsag in Ruhe feiern konntest. Eigentlich hat sie dir doch einen Gefallen getan das sie nicht gekommen ist.

    ( und trotzdem verstehe ich, dass es dich traurig und wütend macht, weil du etwas nicht bekommst, was dir eigentlich zusteht)
    Sascha und Carmen_13 gefällt dies.

  5. #5
    Alex1961 ist offline Gesperrt
    Registriert seit
    18.04.2017
    Beiträge
    11.547

    Standard Re: Meine Mutter

    Zitat Zitat von Anna__Blume Beitrag anzeigen
    Wie schafft man die innere Befreiung? Ach ja, in Therapie war ich schon, das war gut, aber irgendwie bin ich mit dem Thema noch lange nicht "durch".
    Keine Ahnung, mein Mann hat es schon lange geschafft, aber der hatte dann auch NULL Kontakt mehr und ist auch auf die andere Straßenseite gewechselt, WENN er sie mal gesehen hat!

    Wenn dir ein Mensch nicht guttut, dann lass ihn links liegen und fertig
    Loctite, Carmen_13 und Anna__Blume gefällt dies.

  6. #6
    Anna__Blume ist offline Veteran
    Registriert seit
    10.08.2014
    Beiträge
    1.257

    Standard Re: Meine Mutter

    Zitat Zitat von Alex1961 Beitrag anzeigen
    Keine Ahnung, mein Mann hat es schon lange geschafft, aber der hatte dann auch NULL Kontakt mehr und ist auch auf die andere Straßenseite gewechselt, WENN er sie mal gesehen hat!

    Wenn dir ein Mensch nicht guttut, dann lass ihn links liegen und fertig
    Ja, darauf wird es jetzt hinauslaufen. Diese innere Schallplatte mit dem Sprung muss ich bloß noch irgendwie entsorgen.

  7. #7
    Avatar von Aoraki
    Aoraki ist offline Vogel Gottes
    Registriert seit
    06.07.2011
    Beiträge
    17.076

    Standard Re: Meine Mutter

    Mir hat der Ansatz geholfen, mich von meinem Wunschbild zu verabschieden, das ich von meiner Mutter bzw. unserer Beziehung zueinander hatte.
    Dieser ‚Zustand‘ wird niemals eintreffen. „Isso.“

    Und aufzuhören zu glauben, dass ich etwas an der Situation ändern kann. Es ist ihre Entscheidung, unglücklich zu sein und mit den Fehlentscheidungen ihrer Töchter zu hadern. Ich bin nicht für ihr Wohlbefinden verantwortlich.

    Gut 10 Jahre später verstehen wir uns im Normalfall und abgesehen von immer mal wiederkehrenden Aussetzern ganz gut.

  8. #8
    Alex1961 ist offline Gesperrt
    Registriert seit
    18.04.2017
    Beiträge
    11.547

    Standard Re: Meine Mutter

    Zitat Zitat von Anna__Blume Beitrag anzeigen
    Ja, darauf wird es jetzt hinauslaufen. Diese innere Schallplatte mit dem Sprung muss ich bloß noch irgendwie entsorgen.
    Die Frage ist halt ob es dir guttut GAR keinen Kontakt mehr zu haben.

    Das die Eltern evtl. ganz anders sind, als man sie mit kindlichem Auge sah..mei das gehört zum Erwachsenwerden dazu

  9. #9
    tigger ist offline Poweruser
    Registriert seit
    04.12.2016
    Beiträge
    8.137

    Standard Re: Meine Mutter

    Zitat Zitat von Anna__Blume Beitrag anzeigen

    Wie schafft man die innere Befreiung? Ach ja, in Therapie war ich schon, das war gut, aber irgendwie bin ich mit dem Thema noch lange nicht "durch".
    Indem man lernt zu verstehen, was einem da fehlt und versucht, sich das soweit wie möglich selbst zu geben und sich bei anderen zu holen. Freunde, Mann usw.

    Dieses dringende Bedürfnis, dass da was kommen sollte, was nicht kommt, ist ja in der Kindheit entstanden und muss auch in der Kindheit erfüllt werden.
    Selbst wenn sie es Dir jetzt gäbe, wäre es nicht das gleiche.
    (Könntest Du es überhaupt annehmen? Ich könnte es gar nicht, selbst wenn meine Mutter versuchen würde, da was nachzuholen. Das geht nicht.)
    Carmen_13 und Dark-mouse gefällt dies.

  10. #10
    Anna__Blume ist offline Veteran
    Registriert seit
    10.08.2014
    Beiträge
    1.257

    Standard Re: Meine Mutter

    Meine Mutter ist ja gar nicht unglücklich. Und jegliche Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe, sind ihr egal.

    Eigentlich erstaunlich, dass wir überhaupt irgendeine Form von Kontakt haben.

    Mein Vater besucht mich regelmäßig, allein.
    Mit so einem „offiziellen“ Kontaktabbruch käme er nicht klar.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •