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Thema: Grundschulfrage ADHS/LRS

  1. #1
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist gerade online Legende
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    Standard Grundschulfrage ADHS/LRS

    Meine Tochter geht in die 2. Klasse (Familienklasse) einer Montessori-Grundschule. Bei der Einschulungsuntersuchung war sie völlig unauffällig.

    Die Hinweise auf ADHS sind dermaßen eindeutig, dass der Kinderpsychiater und ich uns darin völlig einig waren, auf eine ausführliche Testung verzichten zu können.

    In der Schule hat sie größte Schwierigkeiten mit der Konzentration und Arbeitsdisziplin (beides ist nahezu nicht vorhanden). Von den Hausaufgaben im Hort sprechen wir besser gar nicht erst (dort sagt sie dass sie ihre Aufgaben bereits erledigt hat obwohl das nicht stimmt und geht spielen). Ihre Rechtschreibung ist katastrophal, ebenso ihre Heftführung in allen Fächern. Lesen ist ein Krampf, Mathe mittelschlecht.

    Ich schätze sie als durchschnittlich intelligent ein, eine Testung ist bislang nicht erfolgt.

    Das sehr hohe Maß an Freiarbeit und selbständigem Strukturieren/Lernen/Arbeiten an der Schule verstärkt die Probleme massiv. Meine Tochter ist definitiv nicht mit diesem System kompatibel. Durch die Klassenlehrerin erfolgt keinerlei Unterstützung, ihr fehlen die Ressourcen ("ich habe noch 25 andere Schüler") sowie das persönliche Verständnis zum Unterstützungsbedarf ("muss halt mal disziplinierter sein, muss halt mal fleissiger sein, muss halt mal schneller arbeiten,...").

    Meine Tochter geht gerne in diese Schule und auch in diese Klasse. Eine Schulbegleitung wird sie sicher nicht bekommen (im Sozialverhalten ist manchmal nervig aber insgesamt völlig unproblematisch).

    Mein großer Wunsch ist, dass meine Tochter ein glückliches Kind ist welches Freude am Lernen hat und dass ihre schulische Laufbahn ihr die Möglichkeit lässt, später die freie Berufswahl zu haben.

    Unser derzeitiger Plan ist: Wöchentlich 1 Stunde Ergotherapie, 1 Stunde Förderunterricht Lesen/Schreiben und nach Möglichkeit täglich Zuhause zusätzliche Begleitung bei Lesen/Schreiben/Hausaufgaben durch ein Elternteil. In Bälde LRS-Diagnostik und in Abhängigkeit des Ergebnisses Beantragung von ambulanter Lerntherapie (2 Stunden pro Woche). Je nach Verlauf zum nächsten Schuljahr einen Versuch mit Ritalin.

    Gleichzeitig denke ich immer wieder über einen Schulwechsel auf eine Privatschule mit jahrgangshomogenen Klassen und einem anderen pädagogischen Konzept nach. Was mich zögern lässt ist die 100%ige Unsicherheit, ob die bestehenden Probleme sich dadurch überhaupt signifikant verbessern würden und ob sich der Wechsel für zwei Schuljahre überhaupt noch "lohnt".

    Meine Tochter müsste bei einem Schulwechsel einen hohen Preis bezahlen. Alle Selbständigkeit die sie sich bisher erarbeitet hat wäre dahin. Hier im Staddteil geht sie alle Wege alleine und selbständig. Sie könnte den Schulweg nicht mehr alleine gehen sondern ich müsste sie täglich mit dem Auto bringen und abholen (das wäre auch für mich und uns als Eltern ein immenser Mehraufwand, von dem ich derzeit gar nicht weiß, wie wir ihn bewältigen könnten). Sie müsste ihre bisherigen sportlichen Aktivitäten (zu denen sie derzeit selbständig gemeinsam mit Freundinnen läuft) aufgeben. Sie müsste den bisherigen Hort verlassen, welches ihr zweites Zuhause ist.

    Ich habe Angst, aus "Bequemlichkeit" die falsche Entscheidung zu treffen und bin wahnsinnig ambivalent. Alle mit denen ich bislang gesprochen habe (Kinderpsychiater, Ergotherapeutin, Lerntherapeutin, Lehrerinnen, Freundinnen) schätzen die Situation gleich oder ähnlich ein und sind keine Entscheidungshilfe.

    Fällt Euch dazu etwas ein, was ich noch nicht bedacht habe oder habt Ihr Erfahrungswerte?

  2. #2
    Avatar von Diamant
    Diamant ist gerade online Sächsisches Angelhuhn
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Diagnose und Ritalin ohne Testung?

    Ich kann nur von meinem ADHSler ausgehen. Selbst strukturieren/lernen/arbeiten war da nicht möglich. Von daher würde ich den Wechsel der Schule in Betracht ziehen.
    LG STEINLINDA WHISKAS LIKORIA HUHN


  3. #3
    Avatar von HeiligerHafen
    HeiligerHafen ist offline Diplom-Bekloppte
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Eine strukturierte Umgebung finde ich sehr wichtig für diese Kinder. Da steht und fällt es an JEDER Schule leider mit dem Lehrer.

    Es gab mal so einen wirklich klasse Film auf ZDF oder ARD. Dort versuchte die Familie die Tochter auch mit Nachhilfe und Ergo und Struktur zuhause irgendwie zu händeln. Das wurde so zur Familienaufgabe und alle litten darunter.
    Ich finde zuviel Therapien egal welcher Art nicht förderlich neben dem Schulstress.
    Ich würde eine Testung durchlaufen und es mit Medikamenten versuchen.

  4. #4
    Avatar von Wanda.Lismus
    Wanda.Lismus ist offline Klimakiller
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Ich kann nur berichten, dass der Schulwechsel hier das Beste war, das wir machen konnten.
    Obwohl er völlig aus seinem Umfeld gerissen wurde.

    Zeit, um alte Freunde zu treffen, ist trotzdem noch.
    Aufstehen muss er nun um 6.00 statt 6.50.
    Geholt wird er mit einem Kleinbus, wär das bei euch nicht so?

    Die vielen positiven Seiten haben bei uns das doch auch deutlich sichtbare negative aber überwogen!

  5. #5
    Avatar von simili
    simili ist offline I did it my way
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Aus der Erfahrung mit meinen 3 Kindern mit ADS: Sie brauchten Struktur um arbeiten zu können.

    Ist die jetzige Schule die "normale" Schule die für sie zuständig ist?

    Meine hatten diverse Schulwechsel. Bis auf einen gab es immer eine Verbesserung. Schlechter wurde es nie.

    Ich würde trotzdem auf eine Testung und Diagnose setzen. Einfach so mit Medikamenten anfangen hätte ich nicht gemacht.
    Je schwächer das Argument, desto stärker die Worte.
    Ludwig Wittgenstein

  6. #6
    Avatar von Zickzackkind
    Zickzackkind ist offline Legende
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Warum sollte sie keine Schulbegleitung bekommen? Hier (BW) ist das bei ADHS in der Regel gar kein Problem. Es muss ja nicht darum gehen, das Kind zu integrieren, sondern ihr bei der Strukturierung Unterstützung zu geben. Im Kindergarten geht das über die Frühförderung und dann über das Landratsamt, in der Schule über das Jugendamt soviel ich weiß. Ich würde das auf jeden Fall beantragen, abgelehnt werden kann es zwar immer noch, aber einen Versuch wäre es wert. Es muss „nur“ eine drohende seelische Behinderung vorliegen - klingt hart, aber bei einem Kind das ich betreut habe, wurde das problemlos genehmigt, obwohl es keine sozialen Auffälligkeiten hatte. Denn die Gefahr, dass es welche entwickeln würde sei sehr wahrscheinlich bei dem täglichen Frust in der Schule.

    Montessorischule ist natürlich wirklich eine große Herausforderung - ich würde über einen Schulwechsel nachdenken (gibt es keine normale GS?) und auf jeden Fall eine Diagnostik machen.


    99/02/07/13

  7. #7
    Avatar von simili
    simili ist offline I did it my way
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Zitat Zitat von Zickzackkind Beitrag anzeigen
    Warum sollte sie keine Schulbegleitung bekommen? Hier (BW) ist das bei ADHS in der Regel gar kein Problem. Es muss ja nicht darum gehen, das Kind zu integrieren, sondern ihr bei der Strukturierung Unterstützung zu geben. Im Kindergarten geht das über die Frühförderung und dann über das Landratsamt, in der Schule über das Jugendamt soviel ich weiß. Ich würde das auf jeden Fall beantragen, abgelehnt werden kann es zwar immer noch, aber einen Versuch wäre es wert. Es muss „nur“ eine drohende seelische Behinderung vorliegen - klingt hart, aber bei einem Kind das ich betreut habe, wurde das problemlos genehmigt, obwohl es keine sozialen Auffälligkeiten hatte. Denn die Gefahr, dass es welche entwickeln würde sei sehr wahrscheinlich bei dem täglichen Frust in der Schule.
    Unsere Erfahrung mit der Bereitschaft des Jugendamtes eine Therapie oder gar einen Schulbegleiter zu zahlen sind sehr negativ. Und das trotz Autismus-Diagnose.
    Je schwächer das Argument, desto stärker die Worte.
    Ludwig Wittgenstein

  8. #8
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist gerade online Legende
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Zitat Zitat von Zickzackkind Beitrag anzeigen
    Warum sollte sie keine Schulbegleitung bekommen? Hier (BW) ist das bei ADHS in der Regel gar kein Problem. Es muss ja nicht darum gehen, das Kind zu integrieren, sondern ihr bei der Strukturierung Unterstützung zu geben. Im Kindergarten geht das über die Frühförderung und dann über das Landratsamt, in der Schule über das Jugendamt soviel ich weiß. Ich würde das auf jeden Fall beantragen, abgelehnt werden kann es zwar immer noch, aber einen Versuch wäre es wert. Es muss „nur“ eine drohende seelische Behinderung vorliegen - klingt hart, aber bei einem Kind das ich betreut habe, wurde das problemlos genehmigt, obwohl es keine sozialen Auffälligkeiten hatte. Denn die Gefahr, dass es welche entwickeln würde sei sehr wahrscheinlich bei dem täglichen Frust in der Schule.

    Montessorischule ist natürlich wirklich eine große Herausforderung - ich würde über einen Schulwechsel nachdenken (gibt es keine normale GS?) und auf jeden Fall eine Diagnostik machen.
    Vor zwei Jahren bekam die Eingliederungshilfe in Folge einer Prüfung durch das Land einen massiven Dämpfer, seitdem laufen Bewilligungen auf Sparflamme.

    Du hast aber Recht, einen Antrag stellen sollten wir trotzdem, auch wenn ich nach wie vor keine Hoffnung auf Erfolg habe.

  9. #9
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist gerade online Legende
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Zitat Zitat von simili Beitrag anzeigen
    Aus der Erfahrung mit meinen 3 Kindern mit ADS: Sie brauchten Struktur um arbeiten zu können.

    Ist die jetzige Schule die "normale" Schule die für sie zuständig ist?

    Meine hatten diverse Schulwechsel. Bis auf einen gab es immer eine Verbesserung. Schlechter wurde es nie.

    Ich würde trotzdem auf eine Testung und Diagnose setzen. Einfach so mit Medikamenten anfangen hätte ich nicht gemacht.
    Ja.

    Du darfst mir glauben, dass weder der behandelnde Arzt noch ich als Mutter mein Kind jemals leichtfertig einem Medikamentenversuch unterziehen würden.

  10. #10
    Avatar von Zickzackkind
    Zickzackkind ist offline Legende
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    Standard Re: Grundschulfrage ADHS/LRS

    Zitat Zitat von simili Beitrag anzeigen
    Unsere Erfahrung mit der Bereitschaft des Jugendamtes eine Therapie oder gar einen Schulbegleiter zu zahlen sind sehr negativ. Und das trotz Autismus-Diagnose.
    Dann hängt das vermutlich mit dem dortigen Personal zusammen - einen Versuch wert finde ich es auf jeden Fall. Wenn nichts beantragt wird, kann auch nichts genehmigt werden. Ich kenne 5 Fälle persönlich (dieses Mädchen ohne Diagnose aber mit gravierenden Konzentrationsproblemen und Schwierigkeiten in D und M bei normaler Intelligenz, ein Frühchen mit Konzentrationsschwäche und Probleme in der Merkfähigkeit, ein Asperger Autist und Zwillinge mit ADHS) und alle bekamen ohne Probleme eine Schulbegleitung bewilligt.


    99/02/07/13

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