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Thema: Gespielte Hilflosigkeit

  1. #1
    Avatar von Capretta
    Capretta ist offline Zicklein
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    Standard Gespielte Hilflosigkeit

    Meine Mutter ist 86, ein durchaus stolzes Alter und auch durchaus ein Alter, wo man nicht mehr alles alleine kann. Ohne Frage bin ich gerne bereit, da wo es nötig ist zu helfen. Das ist allerdings bei meiner Mutter schwierig.

    Sie gibt sich gerne vollkommen hilflos. Wenn ich mich drauf einlassen würde, würde sie sich von mir waschen, wickeln und füttern lassen.

    Sie gibt gerne jegliche Verantwortung für sich ab und das macht es schwer da wo es wirklich notwendig ist zu helfen.

    Das führt so weit, dass sie z.B. Weihnachten beim Familienessen sich nicht selber das Essen nahm, sondern sobald sich jemand beim Fleisch oder den Kartoffeln bediente, demjenigen den Teller unter die Nase hielt und darum bat, ihr auch etwas zu geben. Das ganze begleitet von Kommentaren wie "nicht so viel, ich vertrage das ja nicht mehr" usw. usw.

    Sie fordert immer bei so komischen Sachen Hilfe ein. So wollte sie, dass ich ihr Nasentropfen gebe, oder neulich, dass ich ihr die Fußnägel schneide, obwohl sie jeden Monat zur Fußpflege geht.

    Ich verweigere dann solche Dinge auch, weil sie mich böse machen, aber aufgeben tut sie nicht. Es sind oft Dinge dabei von denen sie weiß, dass ich es nicht sonderlich angenehm finde sie zu tun. Und sie ist ohne Frage alleine in der Lage diese Dinge zu tun.

    Wie gesagt, es ist eine Menge an Dingen, bei denen sie sich hilflos gibt. Auf der anderen Seite weiß sie aber oft alles besser, oder fragt wegen einer harmlosen Sache 10 Leute.

    Manche Dinge, bei denen sie Hilfe haben will, traue ich mich gar nicht hier zu schreiben, weil man es sich gar nicht vorstellen kann.

    So langsam weiß ich auch nicht mehr was ich machen soll, außer es zu ignorieren. Oder habt ihr noch eine Idee?

  2. #2
    Avatar von Stadtmusikantin
    Stadtmusikantin ist offline Urgestein
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Ich glaube, dass es hauptsächlich um Aufmerksamkeit geht und nicht um die Verrichtungen. Das mit dem Essen aufgeben finde ich übrigens völlig normal. Ich habe ca. 30 Jahre lang anderen Essen aufgegeben und freue mich, wenn es jemand für mich tut. Fußnägel schneiden würde ich außer bei meinen Kindern und meiner Enkelin im Kleinkindalter niemandem, komme was wolle. Und das kannst du ihr auch sagen.
    Sascha, cosima, Foxlady und 3 anderen gefällt dies.

  3. #3
    Zwutschgal ist offline I mog nimma
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Hm. Ein bisschen seh ich das als Alterserscheinung.

    Wie reagiert sie denn, wenn Du ihr sagst "Das kannst Du doch alleine"?

    Ist sie allein? versucht sie mit der Bitte um Hilfe vielleicht, ein wenig mehr Zeit in Gesellschaft herauszuschlagen?

  4. #4
    Sascha ist offline Urgestein
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Zitat Zitat von Stadtmusikantin Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass es hauptsächlich um Aufmerksamkeit geht und nicht um die Verrichtungen. Das mit dem Essen aufgeben finde ich übrigens völlig normal. Ich habe ca. 30 Jahre lang anderen Essen aufgegeben und freue mich, wenn es jemand für mich tut. Fußnägel schneiden würde ich außer bei meinen Kindern und meiner Enkelin im Kleinkindalter niemandem, komme was wolle. Und das kannst du ihr auch sagen.
    ebenso, wobei ich DANN einmal monatlich Fußpflege nicht ausreichend finde (also wenn die Mutter nicht dazwischen mal selber schneidet).

    @Capretta: meine Mutter ist da ähnlich. Manche Dinge mach ich, manche nicht. Bei manchen WEISS ich aber nicht genau, ob sie sie nicht WIRLICH nicht mehr selber kann. Bei uns ist das aber einfacher, weil mein Vater sich noch um sie kümmert und auch in der Früh und am Abend kurz ein Pflegedienst kommt (und sie tagsüber in der Tagespflege ist). Aber gerade sowas wie Essen auftun, das würde ich machen, das ist für mich weder anstrengend noch eklig, warum sollte ich ihr nicht die Freude machen? Ich wäge da halt ab. Und ich glaube, wenn ich mal sehr alt bin, möchte ich auch nicht dauernd von anderen darauf hingewiesen werden, was ich doch aber bitte alles selber machen kann.
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    Sascha
    das war ja wohl individualtaktischer Nonsens

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  5. #5
    Avatar von Foxlady
    Foxlady ist offline Urgestein
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Zitat Zitat von Stadtmusikantin Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass es hauptsächlich um Aufmerksamkeit geht und nicht um die Verrichtungen. Das mit dem Essen aufgeben finde ich übrigens völlig normal. Ich habe ca. 30 Jahre lang anderen Essen aufgegeben und freue mich, wenn es jemand für mich tut. Fußnägel schneiden würde ich außer bei meinen Kindern und meiner Enkelin im Kleinkindalter niemandem, komme was wolle. Und das kannst du ihr auch sagen.
    Das mit der fehlenden Zuwendung fiel mir auch als erstes ein. Ich kenne das auch von meinen Eltern. Wenn sie das Bedürfnis haben mich öfter zu sehen, meine Gesellschaft wollen, dann fallen ihn auch immer mal Dinge ein die sie gar nicht können oder verstehen und die ich dringend mal angucken und regeln kommen soll. Und meist ist es pillepalle was sie allein gekonnt hätten.




  6. #6
    Avatar von -AppErol-
    -AppErol- ist offline love & peace
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Zitat Zitat von Capretta Beitrag anzeigen
    Meine Mutter ist 86, ein durchaus stolzes Alter und auch durchaus ein Alter, wo man nicht mehr alles alleine kann. Ohne Frage bin ich gerne bereit, da wo es nötig ist zu helfen. Das ist allerdings bei meiner Mutter schwierig.

    Sie gibt sich gerne vollkommen hilflos. Wenn ich mich drauf einlassen würde, würde sie sich von mir waschen, wickeln und füttern lassen.

    Sie gibt gerne jegliche Verantwortung für sich ab und das macht es schwer da wo es wirklich notwendig ist zu helfen.

    Das führt so weit, dass sie z.B. Weihnachten beim Familienessen sich nicht selber das Essen nahm, sondern sobald sich jemand beim Fleisch oder den Kartoffeln bediente, demjenigen den Teller unter die Nase hielt und darum bat, ihr auch etwas zu geben. Das ganze begleitet von Kommentaren wie "nicht so viel, ich vertrage das ja nicht mehr" usw. usw.

    Sie fordert immer bei so komischen Sachen Hilfe ein. So wollte sie, dass ich ihr Nasentropfen gebe, oder neulich, dass ich ihr die Fußnägel schneide, obwohl sie jeden Monat zur Fußpflege geht.

    Ich verweigere dann solche Dinge auch, weil sie mich böse machen, aber aufgeben tut sie nicht. Es sind oft Dinge dabei von denen sie weiß, dass ich es nicht sonderlich angenehm finde sie zu tun. Und sie ist ohne Frage alleine in der Lage diese Dinge zu tun.

    Wie gesagt, es ist eine Menge an Dingen, bei denen sie sich hilflos gibt. Auf der anderen Seite weiß sie aber oft alles besser, oder fragt wegen einer harmlosen Sache 10 Leute.

    Manche Dinge, bei denen sie Hilfe haben will, traue ich mich gar nicht hier zu schreiben, weil man es sich gar nicht vorstellen kann.

    So langsam weiß ich auch nicht mehr was ich machen soll, außer es zu ignorieren. Oder habt ihr noch eine Idee?
    Daran bleibe ich hängen... aufgeben hat was von kämpfen, verlieren und gewinnen. Siehst du es so?
    Und was genau macht dich böse? Das was sie fordert (fordert sie überhaupt oder wünscht sie nur?), oder eher wie sie es fordert, oder dass du nicht nein sagen kannst oder was sonst?

    Ignorieren wäre doch eine Möglichkeit. Warum geht das für dich nicht?



    We can choose to see the best in one another.
    Barack Obama, 11/9/16
    Wenn ihr Großhirn mit der Amygdala eines Pubertisten diskutiert, kann das nur schief gehen!
    aus einem Vortrag der hiesigen Erziehungsberatung 11/13/19

  7. #7
    Avatar von Capretta
    Capretta ist offline Zicklein
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Zitat Zitat von Stadtmusikantin Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass es hauptsächlich um Aufmerksamkeit geht und nicht um die Verrichtungen. Das mit dem Essen aufgeben finde ich übrigens völlig normal. Ich habe ca. 30 Jahre lang anderen Essen aufgegeben und freue mich, wenn es jemand für mich tut. Fußnägel schneiden würde ich außer bei meinen Kindern und meiner Enkelin im Kleinkindalter niemandem, komme was wolle. Und das kannst du ihr auch sagen.
    Ja, es geht ihr sicherlich um Aufmerksamkeit, wobei wir uns sicherlich besser um sie kümmern könnten, wenn sie nicht immer so komische Ideen hätte. Selbst meine Mädels gehen kaum noch hin, weil sie ihre Ideen seltsam finden.

    Ich sage dann auch, dass ich das nicht machen werde, aber es dauert nicht lange, dann findet sie was Neues.

    Ich bin manchmal wirklich erstaunt auf was sie alles kommt und es gibt da deutlich schlimmere Dinge wie die Fußnägel.

    Ich bin schon regelrecht ausgerastet und habe mit ihr geschimpft, aber auch das hilft nur kurz.

  8. #8
    Avatar von Andrea
    Andrea ist offline besser is
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Ich lese bei dir, dass du glaubst, dass sie anderen mit Absicht das Leben schwer machen will.
    Welche Absicht könnte das sein deiner Meinung nach?
    MartinaC gefällt dies
    ___________________________________
    Das Böse sind falsche Entscheidungen.

  9. #9
    Avatar von Capretta
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Zitat Zitat von Foxlady Beitrag anzeigen
    Das mit der fehlenden Zuwendung fiel mir auch als erstes ein. Ich kenne das auch von meinen Eltern. Wenn sie das Bedürfnis haben mich öfter zu sehen, meine Gesellschaft wollen, dann fallen ihn auch immer mal Dinge ein die sie gar nicht können oder verstehen und die ich dringend mal angucken und regeln kommen soll. Und meist ist es pillepalle was sie allein gekonnt hätten.
    So ist es. Wobei ich ja auch durchaus etwas mit ihr unternehme. Mal ein Stadtbummel, Eis essen, oder eine Spazierfahrt ins Grüne.
    Aber auch da hat sie immer irgend etwas, was sie angeblich nicht kann und das macht die Sache dann manchmal sehr anstrengend.
    Ich verstehe es nicht, dass sie selbst dann, wenn sie ja eigentlich bekommt, was sie will so weiter macht, statt einfach mal den Tag zu genießen.

  10. #10
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    Standard Re: Gespielte Hilflosigkeit

    Zitat Zitat von Capretta Beitrag anzeigen
    So langsam weiß ich auch nicht mehr was ich machen soll, außer es zu ignorieren. Oder habt ihr noch eine Idee?
    Ist sie geistig fit? Dann wäre meine Idee, ihr zu sagen, dass ich verstehe, dass sie gern mehr Aufmerksamkeit/Zuwendung hätte. Ich aber nicht bereit bin, ihr diese über die Fußpflege oder das Pickelausdrücken zukommen zu lassen und ihr stattdessen anderes anzubieten (was Du halt zu geben bereit bist).
    Wenn sie geistig nimmer beieinander ist, würde ich immer nur für die jeweilige Situation sprechen und damit leben, dass sie das halt nicht mehr begreifen kann.
    Das mit dem Essen auftun, finde ich allerdings normal. So läuft das hier auch. Irgendwer tut jedem die Kartoffeln auf, der andere die Soße usw. Da fiele mir nicht auf, dass sie da "Hilfe" einfordert.

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