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Thema: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

  1. #1
    MostlyHarmless ist offline Irdisch
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    Standard @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Meine Freundin ist gerade auf der Palme.

    Ihre Mutter ist mit 83 nach mehreren Schlaganfällen und mittelschwerer Demenz in ein privates Pflegeheim gekommen. Sie war nur noch eingeschränkt mobil, aber nicht bettlägrig. Sie war übergewichtig, mit ca. 1,55m etwas über 80 kg.
    Meine Freundin konnte sie aus Entfernungsgründen nur ca. alle zwei Wochen besuchen. Sie hat bemerkt, dass ihre Mutter ständig über Hunger geklagt hat, dass sie nicht genug zu essen bekomme. Sie hat mit den Pflegekräften gesprochen, die haben gemeint, sie werde"ganz normal" versorgt, esse auch, sei von ihren Vorlieben halt etwas speziell. Wegen ihrer Demenz wisse sie womöglich auch nicht mehr immer, dass sie gerade gegessen habe. Meine Freundin wusste, dass ihrer Mutter das Essen - quasi als einzige verbliebene"Freude" mit zunehmendem Alter immer wichtiger geworden ist, was natürlich auch zum Übergewicht geführt hat.
    Sie war Betreuerin auch für Gesundheitsangelegenheiten, der Hausarzt meinte wohl, eine spezielle Diät habe keinen Sinn, ihre Lebenserwartung sei sowieso nur noch beschränkt, man solle sie natürlich nicht "überfüttern" und auf ausreichende Nährstoffzufuhr achten., ansonsten der Mutter die Frede am Essen erhalten. Sie hat das dem Heim so mitgeteilt, das wurde zur Kenntnis genommen.
    Sie hat also ihrer Mutter bei ihren Besuchen Lebensmittel mitgebracht, von denen sie wusste,dass ihre Mutter sie gerne gegessen hat, und die sie im Heim eher nicht bekommen hat - Obst, mal ein Stück selbstgebackenen Kuchen, sowas.
    Nach ca. 10 Wochen ist ihr ein beträchtlicher Gewichtsverlust bei ihrer Mutter aufgefallen. Sie hat die Pflegekräfte drauf angesprochen. Nachdem sie zunächst ausweichende Antworten bekommen hat, hat sie Einsicht in die Pflegeprotokolle verlangt. Es hat sich herausgestellt, dass das Heim sie ohne Abstimmung mit ihr geschweige denn ärztliche Anordnung auf eine 800 kcal-Diät gesetzt hat.
    Zur Begründung hat man ihr gesagt, das sei so üblich, es sei schließlich für die Pflegekräfte unzumutbar, so schwere Personen zu versorgen. Man hätte sie bei ca 50 kg haben wollen, das sei genug.
    Inzwischen ist ihre Mutter nach mehreren Stürzen an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. In den ca.12 Wochen im Heim hat sie über 10 kg abgenommen.

    Meine Freundin kocht. Sie überlegt, die Heimleitung anzuzeigen. Sie geht davon aus, dass die aus ihrer Sicht unzureichende Versorgung zu Schwäche, den Stürzen und letztendlich zum Tod geführt hat.

    Dass das schwer nachzuweisen sein wird, also der kausale Zusammenhang, weiß ich, und sie weiß es auch. Ihr Hauptproblem ist, dass aus ihrer Sicht ein massiver Vertrauensbruch stattgefunden hat, sie hat (auch) das Gefühl, dass das Heim damit in erster Linie Kosten für Essen sparen wollte.

    Ich weiß nicht recht, wie ich diese Vorgehensweise finden soll.

    Meine Frage an die Auskennerinnen:
    Ist es "üblich", dass "zu schwere" Bewohner einfach so auf Diät gesetzt werden? Ohne Absprache mit Angehörigen/Betreuern? Ohne Einbeziehung des behandelnden Arztes?

  2. #2
    Avatar von Falconheart
    Falconheart ist offline Legende
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von MostlyHarmless Beitrag anzeigen
    Meine Freundin ist gerade auf der Palme.

    Ihre Mutter ist mit 83 nach mehreren Schlaganfällen und mittelschwerer Demenz in ein privates Pflegeheim gekommen. Sie war nur noch eingeschränkt mobil, aber nicht bettlägrig. Sie war übergewichtig, mit ca. 1,55m etwas über 80 kg.
    Meine Freundin konnte sie aus Entfernungsgründen nur ca. alle zwei Wochen besuchen. Sie hat bemerkt, dass ihre Mutter ständig über Hunger geklagt hat, dass sie nicht genug zu essen bekomme. Sie hat mit den Pflegekräften gesprochen, die haben gemeint, sie werde"ganz normal" versorgt, esse auch, sei von ihren Vorlieben halt etwas speziell. Wegen ihrer Demenz wisse sie womöglich auch nicht mehr immer, dass sie gerade gegessen habe. Meine Freundin wusste, dass ihrer Mutter das Essen - quasi als einzige verbliebene"Freude" mit zunehmendem Alter immer wichtiger geworden ist, was natürlich auch zum Übergewicht geführt hat.
    Sie war Betreuerin auch für Gesundheitsangelegenheiten, der Hausarzt meinte wohl, eine spezielle Diät habe keinen Sinn, ihre Lebenserwartung sei sowieso nur noch beschränkt, man solle sie natürlich nicht "überfüttern" und auf ausreichende Nährstoffzufuhr achten., ansonsten der Mutter die Frede am Essen erhalten. Sie hat das dem Heim so mitgeteilt, das wurde zur Kenntnis genommen.
    Sie hat also ihrer Mutter bei ihren Besuchen Lebensmittel mitgebracht, von denen sie wusste,dass ihre Mutter sie gerne gegessen hat, und die sie im Heim eher nicht bekommen hat - Obst, mal ein Stück selbstgebackenen Kuchen, sowas.
    Nach ca. 10 Wochen ist ihr ein beträchtlicher Gewichtsverlust bei ihrer Mutter aufgefallen. Sie hat die Pflegekräfte drauf angesprochen. Nachdem sie zunächst ausweichende Antworten bekommen hat, hat sie Einsicht in die Pflegeprotokolle verlangt. Es hat sich herausgestellt, dass das Heim sie ohne Abstimmung mit ihr geschweige denn ärztliche Anordnung auf eine 800 kcal-Diät gesetzt hat.
    Zur Begründung hat man ihr gesagt, das sei so üblich, es sei schließlich für die Pflegekräfte unzumutbar, so schwere Personen zu versorgen. Man hätte sie bei ca 50 kg haben wollen, das sei genug.
    Inzwischen ist ihre Mutter nach mehreren Stürzen an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. In den ca.12 Wochen im Heim hat sie über 10 kg abgenommen.

    Meine Freundin kocht. Sie überlegt, die Heimleitung anzuzeigen. Sie geht davon aus, dass die aus ihrer Sicht unzureichende Versorgung zu Schwäche, den Stürzen und letztendlich zum Tod geführt hat.

    Dass das schwer nachzuweisen sein wird, also der kausale Zusammenhang, weiß ich, und sie weiß es auch. Ihr Hauptproblem ist, dass aus ihrer Sicht ein massiver Vertrauensbruch stattgefunden hat, sie hat (auch) das Gefühl, dass das Heim damit in erster Linie Kosten für Essen sparen wollte.

    Ich weiß nicht recht, wie ich diese Vorgehensweise finden soll.

    Meine Frage an die Auskennerinnen:
    Ist es "üblich", dass "zu schwere" Bewohner einfach so auf Diät gesetzt werden? Ohne Absprache mit Angehörigen/Betreuern? Ohne Einbeziehung des behandelnden Arztes?
    Nein. Ist es nicht. Mein Vater ist ein 2m Mann, groß&schwer und das Heim hat keinerlei solche Anwandlungen. Sie haben ein Spezialgerät zum Heben, dass nicht nur wg. Gewicht sondern auch wegen der genrellen Größe hilft, und damit werden alle Hebefragen erledigt (mein Vater kann weder laufen noch selber stehen). Die Aussage mit dem "das kann man nicht zumuten" ist schon hochfragwürdig und die Diät erst recht. Allerdings ist mein Vater nicht in einem privaten Heim, sondern bei einem von einem der großen Sozialverbände.

    Jetzt reifen schon die roten Berberitzen,
    alternde Astern atmen schwach im Beet.
    Wer jetzt nicht reich ist, da der Sommer geht,
    wird immer warten und sich nie besitzen.

    (Rilke)

  3. #3
    MostlyHarmless ist offline Irdisch
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von Falconheart Beitrag anzeigen
    Nein. Ist es nicht. Mein Vater ist ein 2m Mann, groß&schwer und das Heim hat keinerlei solche Anwandlungen. Sie haben ein Spezialgerät zum Heben, dass nicht nur wg. Gewicht sondern auch wegen der genrellen Größe hilft, und damit werden alle Hebefragen erledigt (mein Vater kann weder laufen noch selber stehen). Die Aussage mit dem "das kann man nicht zumuten" ist schon hochfragwürdig und die Diät erst recht. Allerdings ist mein Vater nicht in einem privaten Heim, sondern bei einem von einem der großen Sozialverbände.
    Vielen Dank.

    Die Betroffene musste ja noch nicht einmal aus dem Bett gehoben werden (außer ganz zum Schluss), sie hat nur Unterstützung gebraucht.

    Eine Meldung an die Heimaufsicht wird das ganz bestimmt.

  4. #4
    Viviane ist offline Poweruser
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von MostlyHarmless Beitrag anzeigen
    Vielen Dank.

    Die Betroffene musste ja noch nicht einmal aus dem Bett gehoben werden (außer ganz zum Schluss), sie hat nur Unterstützung gebraucht.

    Eine Meldung an die Heimaufsicht wird das ganz bestimmt.
    Hat deine Freundin die Heimdokumentation kopiert bzw. fotografiert? Das würde ich schnellstens machen.
    Puh, ich hoffe, ich kippe so aus den Schuhen wie meine Mutter und lande niemals in einem Pflegeheim.
    surfgroupie, elina2, st.paula75 und 2 anderen gefällt dies.

  5. #5
    Avatar von Wanda.Lismus
    Wanda.Lismus ist offline Klimakiller
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Kann ich von Papa auch nicht bestätigen. Bei anfangs noch 79 Kilo haben sie einen "Kran" benutzt, und selbst jetzt in den letzten Wochen waren sie meist zu zweit, wenn sie ihn umgelagert haben.
    Das Gespräch, dass er zu schwer war, kam nie auf.

    Ich finde, die haben da einen ganz tollen Job gemacht, auch jetzt aufs Ende hin, ein ganz großes Begleiten und Gehenlassen haben sie ihm und uns ermöglicht.

  6. #6
    MostlyHarmless ist offline Irdisch
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von Viviane Beitrag anzeigen
    Hat deine Freundin die Heimdokumentation kopiert bzw. fotografiert? Das würde ich schnellstens machen.
    Puh, ich hoffe, ich kippe so aus den Schuhen wie meine Mutter und lande niemals in einem Pflegeheim.
    Ja, hat sie (kam fast zum Eklat, sie musste wohl mit Polizei drohen).

    Je mehr ich drüber nachdenke, desto wütender werde ich selber (ich hab die Mutter auch gekannt, das war eine ganz liebenswerte Frau, die sich praktisch nie beklagt hat).

  7. #7
    MostlyHarmless ist offline Irdisch
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von Wanda.Lismus Beitrag anzeigen
    Kann ich von Papa auch nicht bestätigen. Bei anfangs noch 79 Kilo haben sie einen "Kran" benutzt, und selbst jetzt in den letzten Wochen waren sie meist zu zweit, wenn sie ihn umgelagert haben.
    Das Gespräch, dass er zu schwer war, kam nie auf.

    Ich finde, die haben da einen ganz tollen Job gemacht, auch jetzt aufs Ende hin, ein ganz großes Begleiten und Gehenlassen haben sie ihm und uns ermöglicht.
    Das klingt tröstlich.

    Sie hat vielleicht wirklich ein außergewöhnlich schlechtes Heim erwischt (musste schnell gehen,weite Entfernung, kaum Plätze... Mist)

  8. #8
    Avatar von Wanda.Lismus
    Wanda.Lismus ist offline Klimakiller
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von MostlyHarmless Beitrag anzeigen
    Das klingt tröstlich.

    Sie hat vielleicht wirklich ein außergewöhnlich schlechtes Heim erwischt (musste schnell gehen,weite Entfernung, kaum Plätze... Mist)
    Oh je, das kann dann schon sein. Hauptsache schnell irgendwo untergebracht. Blöd und schade, wie es gelaufen ist. :(

  9. #9
    Avatar von Falconheart
    Falconheart ist offline Legende
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von MostlyHarmless Beitrag anzeigen
    Das klingt tröstlich.

    Sie hat vielleicht wirklich ein außergewöhnlich schlechtes Heim erwischt (musste schnell gehen,weite Entfernung, kaum Plätze... Mist)
    Ich war ja mit der eiligen Heimsuche letztes Jahr in der selben Klemme und muss sagen: grad einige der privaten Heime haben bei mir damals einen sehr negativen Eindruck hinterlassen. Zwei Plätze haben meine Mutter und ich abgelehnt, weil der Eindruck zu negativ war. Dagegen waren gerade DRK, ASB und so, sehr bemührt und engagiert. Ich sag jetzt nix zur Diakonie... die waren in der Schote ein totaler Sonderfall und durch die Umstände vermutlich nicht repräsentativ.

    Jetzt reifen schon die roten Berberitzen,
    alternde Astern atmen schwach im Beet.
    Wer jetzt nicht reich ist, da der Sommer geht,
    wird immer warten und sich nie besitzen.

    (Rilke)

  10. #10
    MostlyHarmless ist offline Irdisch
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    Standard Re: @ Altenpflegerinnen: Ist das üblich?

    Zitat Zitat von Wanda.Lismus Beitrag anzeigen
    Oh je, das kann dann schon sein. Hauptsache schnell irgendwo untergebracht. Blöd und schade, wie es gelaufen ist. :(
    Sie war auch schon auf der Suche nach einer neuen Einrichtung, hätte die Mutter gerne näher zu sich geholt (das hatte die Mutter zunächst abgelehnt, die wollte in "ihrer" Umgebung bleiben). Dazu kam es dann nicht mehr.

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