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Thema: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

  1. #1
    Gast

    Standard Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Mich hat neulich ein Bekannter (ein Kinderarzt) angesprochen, wegen Spahns Gesundheitsnetzes. Und mich lässt das nicht richtig los. Ich finde auch, dass deutlich zu wenig darüber berichtet wird, wenn man bedenkt, welche Dimension dieser Umbau hat.

    Kurzfassung:
    Es wird derzeit eine Infrastruktur geschaffen, die die Patientendaten aus allen Arztpraxen und Kliniken bündeln und in einer einzige elektronischen Akte zusammenführen soll. Darin würde dann alles stehen: Ob man wegen Depressionen in Behandlung war, eine Krebserkrankung hatte, eine Immunschwäche, eine Erbkrankheit hat, Röntgenbilder usw. Alles, was irgendein behandelnder Arzt oder Psychotherapeut in Praxis oder Krankenhaus je über den Patienten dokumentiert hat. Das hätte ein paar praktische Vorteile, wäre aber natürlich für alle möglichen Kreise interessant, die mit der Patientenversorgung nichts zu tun haben: Arbeitgeber, Versicherungen, Pharmafirmen. Eingefundenes Fressen für Hacker und andere Leute mit kriminellen Absichten. Aus Norwegen, den USA, Großbritannien gibt es bereits einige Beispiele, dass Patientendaten in großem Stil geklaut wurden.

    Dass Daten per se unsicher sind, wissen wir alle. Dass es keine sensibleren Daten als Gesundheitsdaten gibt, auch.

    Die Ärzte müssen für diese Infrastruktur eine Art "Blackbox" installieren, die die Daten aus ihren Praxissystemen abfließen lässt. Auf diese "Blackbox" selbst haben sie keinen Zugriff. Wenn sie das nicht tun (weil sie zum Beispiel fürchten, dass die sensiblen Patientendaten, für deren Sicherheit sie verantwortlich sind, nicht ausreichend vor externen Zugriffen geschützt sind), droht ihnen eine Einkommenskürzung um pauschal 1 Prozent. Ende März war der Termin, zu dem die Ärzte dieses Gerät bestellen mussten, bis zum Sommer müssen sie angeschlossen sein.

    https://www.heise.de/tp/features/Wer...i-4223472.html

    https://www.aerzteblatt.de/nachricht...ten-gegenueber

  2. #2
    Avatar von rosenma
    rosenma ist offline Legende
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    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Mich hat neulich ein Bekannter (ein Kinderarzt) angesprochen, wegen Spahns Gesundheitsnetzes. Und mich lässt das nicht richtig los. Ich finde auch, dass deutlich zu wenig darüber berichtet wird, wenn man bedenkt, welche Dimension dieser Umbau hat.

    Kurzfassung:
    Es wird derzeit eine Infrastruktur geschaffen, die die Patientendaten aus allen Arztpraxen und Kliniken bündeln und in einer einzige elektronischen Akte zusammenführen soll. Darin würde dann alles stehen: Ob man wegen Depressionen in Behandlung war, eine Krebserkrankung hatte, eine Immunschwäche, eine Erbkrankheit hat, Röntgenbilder usw. Alles, was irgendein behandelnder Arzt oder Psychotherapeut in Praxis oder Krankenhaus je über den Patienten dokumentiert hat. Das hätte ein paar praktische Vorteile, wäre aber natürlich für alle möglichen Kreise interessant, die mit der Patientenversorgung nichts zu tun haben: Arbeitgeber, Versicherungen, Pharmafirmen. Eingefundenes Fressen für Hacker und andere Leute mit kriminellen Absichten. Aus Norwegen, den USA, Großbritannien gibt es bereits einige Beispiele, dass Patientendaten in großem Stil geklaut wurden.

    Dass Daten per se unsicher sind, wissen wir alle. Dass es keine sensibleren Daten als Gesundheitsdaten gibt, auch.

    Die Ärzte müssen für diese Infrastruktur eine Art "Blackbox" installieren, die die Daten aus ihren Praxissystemen abfließen lässt. Auf diese "Blackbox" selbst haben sie keinen Zugriff. Wenn sie das nicht tun (weil sie zum Beispiel fürchten, dass die sensiblen Patientendaten, für deren Sicherheit sie verantwortlich sind, nicht ausreichend vor externen Zugriffen geschützt sind), droht ihnen eine Einkommenskürzung um pauschal 1 Prozent. Ende März war der Termin, zu dem die Ärzte dieses Gerät bestellen mussten, bis zum Sommer müssen sie angeschlossen sein.

    https://www.heise.de/tp/features/Wer...i-4223472.html

    https://www.aerzteblatt.de/nachricht...ten-gegenueber
    Was bis zum Sommer angeschlossen sein muss, ist erstmal nur die Telematik-Infrastruktur. Das heißt, es werden erstmal nur mit der KK die Versicherten-Stammdaten (Adresse, etc) abgeglichen.
    Als nächster Schritt sollen auf der Karte Notfalldaten hinterlegt werden.
    Die elektronische Patientenakte soll frühestens 2021 kommen.
    Es gibt natürlich Vorteile, wie Vermeidung von Doppeluntersuchungen, Zugriff auf Allergien, Medikamentenpläne, Vorerkrankungen, etc. Aber die Datensicherheit ist momentan in keine Weise gewährleistet und man kann eigentlich allen Patienten nur raten, der Anlage einer Patientenakte nicht zuzustimmen.
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  3. #3
    Avatar von Lacustris2
    Lacustris2 ist gerade online und wieder auf Anfang ...
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    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Tja, aber nicht alle Arztpraxen machen da mit und die, die sich weigern, sich anzuschließen, müssen mit nicht unerheblichen Strafzahlungen rechnen.

  4. #4
    Gast

    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Zitat Zitat von Lacustris2 Beitrag anzeigen
    Tja, aber nicht alle Arztpraxen machen da mit und die, die sich weigern, sich anzuschließen, müssen mit nicht unerheblichen Strafzahlungen rechnen.
    Hat sie doch schon geschrieben

  5. #5
    Avatar von Lacustris2
    Lacustris2 ist gerade online und wieder auf Anfang ...
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    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Hab es gerade gelesen. Bin zuerst nur fluechtig drueber gegangen.
    Ich habe mich dieser Tage mit meinem Chef darueber unterhalten.

  6. #6
    Casalinga2012 ist offline Legende
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    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Ist auch irgendwie geplant, dass ich als Patient die Richtigkeit der gespeicherten Daten bestätigen muss?

  7. #7
    Avatar von rosenma
    rosenma ist offline Legende
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    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Zitat Zitat von Casalinga2012 Beitrag anzeigen
    Ist auch irgendwie geplant, dass ich als Patient die Richtigkeit der gespeicherten Daten bestätigen muss?
    Wo denkst du hin, natürlich nicht.
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  8. #8
    Avatar von Falconheart
    Falconheart ist offline Legende
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    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Mich hat neulich ein Bekannter (ein Kinderarzt) angesprochen, wegen Spahns Gesundheitsnetzes. Und mich lässt das nicht richtig los. Ich finde auch, dass deutlich zu wenig darüber berichtet wird, wenn man bedenkt, welche Dimension dieser Umbau hat.

    Kurzfassung:
    Es wird derzeit eine Infrastruktur geschaffen, die die Patientendaten aus allen Arztpraxen und Kliniken bündeln und in einer einzige elektronischen Akte zusammenführen soll. Darin würde dann alles stehen: Ob man wegen Depressionen in Behandlung war, eine Krebserkrankung hatte, eine Immunschwäche, eine Erbkrankheit hat, Röntgenbilder usw. Alles, was irgendein behandelnder Arzt oder Psychotherapeut in Praxis oder Krankenhaus je über den Patienten dokumentiert hat. Das hätte ein paar praktische Vorteile, wäre aber natürlich für alle möglichen Kreise interessant, die mit der Patientenversorgung nichts zu tun haben: Arbeitgeber, Versicherungen, Pharmafirmen. Eingefundenes Fressen für Hacker und andere Leute mit kriminellen Absichten. Aus Norwegen, den USA, Großbritannien gibt es bereits einige Beispiele, dass Patientendaten in großem Stil geklaut wurden.

    Dass Daten per se unsicher sind, wissen wir alle. Dass es keine sensibleren Daten als Gesundheitsdaten gibt, auch.

    Die Ärzte müssen für diese Infrastruktur eine Art "Blackbox" installieren, die die Daten aus ihren Praxissystemen abfließen lässt. Auf diese "Blackbox" selbst haben sie keinen Zugriff. Wenn sie das nicht tun (weil sie zum Beispiel fürchten, dass die sensiblen Patientendaten, für deren Sicherheit sie verantwortlich sind, nicht ausreichend vor externen Zugriffen geschützt sind), droht ihnen eine Einkommenskürzung um pauschal 1 Prozent. Ende März war der Termin, zu dem die Ärzte dieses Gerät bestellen mussten, bis zum Sommer müssen sie angeschlossen sein.

    https://www.heise.de/tp/features/Wer...i-4223472.html

    https://www.aerzteblatt.de/nachricht...ten-gegenueber
    Ich sehe das sehr zweiseitig. Auf der einen Seiter sehe ich schon die praktischen Möglichkeiten und wie viel Nerven es sparen kann, wenn man als Patient von Krankenhaus A und Therapeut D nicht noch die Daten zu Arzt F tragen muss. Frag nicht was ich den Facharztdaten hinterhergerannt bin für meine Mutter, damit beim Hausarzt halbwegs eine vernünftige Dokumentation vorliegt, (wir reden hier u.a. über Schmerztherapie) und trotzdem hat er mir mal gesagt, sind ihm nicht alle Medikamente die ihr verschrieben wurden, verständlich oder auch nur vernünftig erläutert. Also an dem Ende sehe ich durchaus was zum Wohle des Patienten.

    Es würde außerdem auffälliger machen, wenn jemand a) einen Hausarzt hat, für Medikamente und so, b) einen "Krankschreibungsarzt", zu dem er geht wenn er mal nen gelben Schein braucht. Da bekäme es der Hausarzt nämlich mit.

    Ich streite mich jetzt nicht ob es wirklich keine sensibleren Daten gibt, als Gesundheitsdaten, das ist müßig. Das Hacker ein Problem sind: unbestritten, der Datenklau ist immer ein Thema, aber ich würde ein Projekt nicht auf der Basis "die Daten könnten geklaut werden" negativ bewerten. So ein "Könnte" gib es für fast jede Sache.

    Die anderen Interessenten an den Daten: ja, ich kann mir gut vorstellen, dass Pharmafirmen, Versicherungen und AGs Interesse haben, die Frage ist: bekommen sie legal Zugang? Kann ich mir bei unserem Datenschutzgesetzt schwer vorstellen. Und eine Versicherung, die jemandem eine Police auf der Basis geklauter Daten verweigert, begibt sich in rechtlich sehr schwierige Wasser. Ditto für den AG der einen AN auf der Basis illegal erworbener Daten kündigt. Klar ist das eine Seite mit Risiko, besonders nachzuweisen, dass sich da jemand Zugang zu den Daten verschafft hat. Bei dir klingt es, als würdest du befürchten, dass Drittzugriff auf diese Daten automatisch passieren wird (so verstehe ich jedenfalls deinen letzten Absatz, die Patientenakten aus den meisten Arztpraxen zu klauen wäre vermutlich ebenso easy, ist ja nicht so, dass die Aktenschränke sehr sicher, oder die IT dr Praxen sooo gut wäre.).

    Jetzt reifen schon die roten Berberitzen,
    alternde Astern atmen schwach im Beet.
    Wer jetzt nicht reich ist, da der Sommer geht,
    wird immer warten und sich nie besitzen.

    (Rilke)

  9. #9
    Gast

    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Zitat Zitat von Falconheart Beitrag anzeigen
    Ich sehe das sehr zweiseitig. Auf der einen Seiter sehe ich schon die praktischen Möglichkeiten und wie viel Nerven es sparen kann, wenn man als Patient von Krankenhaus A und Therapeut D nicht noch die Daten zu Arzt F tragen muss. Frag nicht was ich den Facharztdaten hinterhergerannt bin für meine Mutter, damit beim Hausarzt halbwegs eine vernünftige Dokumentation vorliegt, (wir reden hier u.a. über Schmerztherapie) und trotzdem hat er mir mal gesagt, sind ihm nicht alle Medikamente die ihr verschrieben wurden, verständlich oder auch nur vernünftig erläutert. Also an dem Ende sehe ich durchaus was zum Wohle des Patienten.

    Es würde außerdem auffälliger machen, wenn jemand a) einen Hausarzt hat, für Medikamente und so, b) einen "Krankschreibungsarzt", zu dem er geht wenn er mal nen gelben Schein braucht. Da bekäme es der Hausarzt nämlich mit.

    Ich streite mich jetzt nicht ob es wirklich keine sensibleren Daten gibt, als Gesundheitsdaten, das ist müßig. Das Hacker ein Problem sind: unbestritten, der Datenklau ist immer ein Thema, aber ich würde ein Projekt nicht auf der Basis "die Daten könnten geklaut werden" negativ bewerten. So ein "Könnte" gib es für fast jede Sache.

    Die anderen Interessenten an den Daten: ja, ich kann mir gut vorstellen, dass Pharmafirmen, Versicherungen und AGs Interesse haben, die Frage ist: bekommen sie legal Zugang? Kann ich mir bei unserem Datenschutzgesetzt schwer vorstellen. Und eine Versicherung, die jemandem eine Police auf der Basis geklauter Daten verweigert, begibt sich in rechtlich sehr schwierige Wasser. Ditto für den AG der einen AN auf der Basis illegal erworbener Daten kündigt. Klar ist das eine Seite mit Risiko, besonders nachzuweisen, dass sich da jemand Zugang zu den Daten verschafft hat. Bei dir klingt es, als würdest du befürchten, dass Drittzugriff auf diese Daten automatisch passieren wird (so verstehe ich jedenfalls deinen letzten Absatz, die Patientenakten aus den meisten Arztpraxen zu klauen wäre vermutlich ebenso easy, ist ja nicht so, dass die Aktenschränke sehr sicher, oder die IT dr Praxen sooo gut wäre.).
    Mir wäre neu, dass es ein Recht darauf gibt, versichert zu werden.
    Sprich-das kriegst Du gar nicht mit, wieso Du abgelehnt wirst.
    Fimbrethil, silm und Gast gefällt dies.

  10. #10
    Casalinga2012 ist offline Legende
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    Standard Re: Gesundheitsnetz/E-Health-Gesetz: Was geschieht mit unseren Gesundheitsdaten?

    Zitat Zitat von rosenma Beitrag anzeigen
    Wo denkst du hin, natürlich nicht.
    Dann wird das aber interessant, wenn ich daran denke, was da mir Bekanntes alles schief gelaufen ist.

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