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Thema: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

  1. #121
    jellybean73 ist offline Urgestein

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Das ist ein Erfolg des Männer-Lobbyismus . Ebenso wie unser nicht mehr ganz so neues Unterhaltsrecht

    Aber es ist auch genau der Punkt. Es ist nicht "irgendein" Vater, sondern es ist DER Vater, so wie die Mutter DIE Mutter ist. Eine Gleichstellungsfrage, rechtlich betrachtet. Dass es so viele Männer gibt, die sich da rausnehmen, liegt an der Sozialisation - von mir aus auch an der Biologie. Ganz egal.

    Es ist dieselbe Sozialisation /Biologie, die dazu führt, dass Frauen oft in sozialen Berufen tätig sind. Und dass soziale Berufe unangemessen schlecht bezahlt werden. Es ist dieselbe Sozialisation, die die Folge hat, dass Frauen dem Arbeitsmarkt deutlich weniger zur Verfügung stehen, weil sich Familienarbeit und Karriere meistens ziemlich schlecht vereinbaren lassen. Es ist übrigens dieselbe Sozialisation, die Abhängigkeits- und damit bekanntlich Gewaltbeziehungen begünstigt.

    Da die Fürsorge-Arbeit aber eine gesellschaftlich unverzichtbare ist - Kinder aufzuziehen ebenso wie sich um Kranke und Alte zu kümmern - und da diese Arbeit nur zum Teil, aber eben nicht vollständig outgesourct werden kann, ist das Ganze auch ein politisches und nicht nur ein privates Problem. Irgendwer muss diese Arbeit nämlich machen - gut wäre es, wenn es gleichberechtigt geschähe.

    Aber auch wenn es gleichberechtigt geschähe, ist diese Arbeit immer noch unbezahlt und nicht existenzsichernd. Das und die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur (also genügend Einrichtungen, genug Erziehungs- und Pflegepersonal) ist die politische Aufgabe daran, die, bei uns jedenfalls, völlig unzureichend gelöst ist.

    Das ist ein echter Konstruktionsfehler unseres neoliberal umgestalteten Sozialstaats mit dem Märchen vom stets für sich selbst verantwortlichen Marktteilnehmer. Bei euch ist das bisher noch ein bisschen anders. Aber Kurz arbeitet ja dran.
    Nicht- Erwerbstätigkeit war auch vor kurzens zeit ein Garant dafür, keine pension zu erhalten.
    Zb meine Mutter hat vielleicht ein Jahr in ihrem Leben gegen Lohn gearbeitet. Natürlich bekommt sie keine eigene Pension. Sie bekäme nur dann was, wenn sie Witwe wird.

    Allerdings hat sich für die Frauen, die lange Jahre teilzeit und erst sehr spät wieder Vollzeit ( als die Kinder groß waren) , viel verschlechtert durch den nun gültigen (erwerbs)lebenslangen durchrechnungszeitraum seit der letzten pensionsreform.
    Da machen sich Lücken und längere phasen der stunden Reduktion extrem stark bemerkbar im Endergebnis.
    ( Ja, haben auch Männer, aber Frauen viel ausgeprägter)
    Die Altersarmut von Frauen wird sich in Zukunft noch ausweiten durch die Kombi sowieso schlechter bezahlt ( aufgrund der berufswahl) und lebenslanger durchrechnungszeitraum. Man rechnet mit 50% altersarmen frauen.
    Das einzige Mittel dagegen ist ein lebenslang ausgeübter gutbezahlter job in vollzeit und kaum ausscherer/ Lücken. 15 Jahre durchschnittlich bezahlte teilzeit Tätigkeit ( warum auch immer man die ausübt ) sind desaströs für die Pension.

    Gott sei Dank haben wir ( noch!) die ausgleichszulage, mit der wird jede auch noch so winzige pension aufgestockt aufs Existenzminimum. Gabs die nicht, wären ganz viele alte leute, insbesondere frauen !, noch ärmer als jetzt.

    ( vor der pensionsreform galten die 15 besten Jahre als Grundlage für die Pension, da machte es nix aus, wenn Menschen auch 10 oder 15 Jahre teilzeit gearbeitet haben, diese Jahre fielen sowieso raus aus der Berechnung)

  2. #122
    Avatar von Pippi27
    Pippi27 ist gerade online Bibbi siemazwanzich

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    Wenn du sagst, jetzt wäre es auch möglich, mit einem ( durschschnitts) Gehalt eine Familie mit 4 Personen zu erhalten , aber auf dem Niveau der 70er oder 80er jahre....Ja, das wird stimmen. Das durchschnittsgehalt liegt bei ca 2200 Euro brutto , das sind ca 1700 netto , wenn man Alleinverdiener absetzbetrag und den neuen Familienbonus berücksichtigt und ca 2000 netto, wenn man 13/14 aliquot dazu rechnet.

    Aber damals, als ein Gehalt noch ausreichte, lebten die Leute ja auch nicht auf dem Niveau von 1930. Sondern auf dem Niveau der Zeit, in der alle lebten. Jeder lebt in seiner Zeit mit den " üblichen" Dingen. Deswegen verstehe ich nicht, wenn das immer verglichen wird mit 1970 oder 1980.
    Wir hatten zb lange kein Auto. Aber niemand hatte eins , außer der Bürgermeister. Gab ja viele busse. Wir hatten auch keinen Fernseher. Hatte niemand, außer das Gasthaus, wo man sich zum schauen traf.
    Wir hatten auch keine Waschmaschine. Die hatte aber niemand. Gewaschen wurde im Kessel im Keller.

    Es ist für mich widersinnig, das immer zum Vergleich heranzuziehen. Damals lebten die Leute mit ihrem einzelnen Einkommen auf Niveau der grade laufenden zeit und auch nicht auf dem 30 oder 40 Jahre davor.
    Bei deinen Geschichten frage ich mich oft, in welchem 3-welt-land du aufgewachsen bist.

    Ich bin ja in einer armen Gegend in einem armen Dorf in einer armen Familie aufgewachsen.
    Auto liegt oft an den örtlichen Gegebenheiten, aber 1975 hatte hier sicher jeder 2. Haushalt ein Auto. Ein Fernseher hatte jeder. Die Geschichte mit dem einen Fernseher im Gasthaus kenn ich aus Erzählungen von 1960. Waschmaschine war 1975 in Familien mit Kindern auch Standard.
    In den Urlaub fuhr keiner und kaum ein Kind hatte ein eigenes Zimmer.

  3. #123
    jellybean73 ist offline Urgestein

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von Pippi27 Beitrag anzeigen
    Bei deinen Geschichten frage ich mich oft, in welchem 3-welt-land du aufgewachsen bist.

    Ich bin ja in einer armen Gegend in einem armen Dorf in einer armen Familie aufgewachsen.
    Auto liegt oft an den örtlichen Gegebenheiten, aber 1975 hatte hier sicher jeder 2. Haushalt ein Auto. Ein Fernseher hatte jeder. Die Geschichte mit dem einen Fernseher im Gasthaus kenn ich aus Erzählungen von 1960. Waschmaschine war 1975 in Familien mit Kindern auch Standard.
    In den Urlaub fuhr keiner und kaum ein Kind hatte ein eigenes Zimmer.
    Es war Mitteleuropa. 😊
    Grad noch, 3 km weiter ging der eiserne Vorhang runter.
    Aber halt in einer armen und strukturschwachen/ bäuerlichen Gegend, noch dazu in einer armen Familie. ( Großvater war knecht von Beruf, mein Vater Hilfsarbeiter, die Frauen nie berufstätig, wir lebten lange zu viert auf 2 Zimmern im souterrain, bis dann meine Eltern einen Stock aufs Haus setzten ( und sich dafür auf Jahrzehnte verschuldeten) .

    Ich seh noch den Kessel vor mir, in dem die Wäsche gewaschen wurde und mit diesen langen Stöcken immer wieder reingestopft wurde.
    Die Nachbarin meiner Eltern bekam erst in den 1990er Jahren ein Badezimmer zb. ( sie war eine arme Witwe, die wirklich kein Geld hatte). Ihre Kinder hatten dann genug Geld zusammengespart, um der Mutter ein Badezimmer einzurichten.

    Ich seh auch noch das Gasthaus, in dem man fernschaute, vor mir. Mit der Vitrine, in der es kleine blaue und grüne schokotafeln gab und das Highlight der Woche war so eine Schokolade. Die Schlaufe wurde gesammelt als " trophäe".

    Im Laufe der 70er und 80er jahre wurde es dann langsam besser.
    Ein Auto bekamen wir 1980. Einen gebrauchten Käfer. Das weiß ich deswegen, weil irgendjemand ein Bild machte davon. Das war eine nötige Anschaffung und kein " spaßkauf" , weil mein Vater ja Schicht gefahren ist und es zunehmend problematisch wurde mit dem Arbeitsweg.

    Ich fürchte, die 3. Welt sah anders aus.

  4. #124
    Avatar von Pippi27
    Pippi27 ist gerade online Bibbi siemazwanzich

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    Es war Mitteleuropa. ��
    Grad noch, 3 km weiter ging der eiserne Vorhang runter.
    Aber halt in einer armen und strukturschwachen/ bäuerlichen Gegend, noch dazu in einer armen Familie. ( Großvater war knecht von Beruf, mein Vater Hilfsarbeiter, die Frauen nie berufstätig, wir lebten lange zu viert auf 2 Zimmern im souterrain, bis dann meine Eltern einen Stock aufs Haus setzten ( und sich dafür auf Jahrzehnte verschuldeten) .

    Ich seh noch den Kessel vor mir, in dem die Wäsche gewaschen wurde und mit diesen langen Stöcken immer wieder reingestopft wurde.
    Die Nachbarin meiner Eltern bekam erst in den 1990er Jahren ein Badezimmer zb. ( sie war eine arme Witwe, die wirklich kein Geld hatte). Ihre Kinder hatten dann genug Geld zusammengespart, um der Mutter ein Badezimmer einzurichten.

    Ich seh auch noch das Gasthaus, in dem man fernschaute, vor mir. Mit der Vitrine, in der es kleine blaue und grüne schokotafeln gab und das Highlight der Woche war so eine Schokolade. Die Schlaufe wurde gesammelt als " trophäe".

    Im Laufe der 70er und 80er jahre wurde es dann langsam besser.
    Ein Auto bekamen wir 1980. Einen Käfer. Das weiß ich deswegen, weil irgendjemand ein Bild machte davon. Das war eine nötige Anschaffung und kein " spaßkauf" , weil mein Vater ja Schicht gefahren ist und es zunehmend problematisch wurde mit dem Arbeitsweg.

    Ich fürchte, die 3. Welt sah anders aus.
    Ich glaube dir gerne, das es in deiner Familie so war, aber du schriebst das allgemein für alle.
    Wir hatten auch erst 1978 das erste Auto, ein Himmelblauer Käfer. Aber damit gehörten wir zu den letzten im Dorf. Fernseher und Waschmaschine gab's 1970.

  5. #125
    jellybean73 ist offline Urgestein

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von Pippi27 Beitrag anzeigen
    Ich glaube dir gerne, das es in deiner Familie so war, aber du schriebst das allgemein für alle.
    Wir hatten auch erst 1978 das erste Auto, ein Himmelblauer Käfer. Aber damit gehörten wir zu den letzten im Dorf. Fernseher und Waschmaschine gab's 1970.
    In unserem Dorf war das allgemein, ja.
    Ich glaube auch, dass Österreich so allgemein schlechter dastand als Deutschland. Also vom Lebensstandard her.
    Einen Job in Deutschland zu ergattern, war super und höchst lukrativ. ( zb am Bau oder in fabriken)
    In Wien war bis in die 1990er Jahre üblich, dass man sich in Altbauten mit den Nachbarn das Klo am Gang teilte, so als Beispiel.

    Ausnahmen bildeten arzt Familien und Unternehmer und lehrer Familien.
    Mit denen verglichen wir uns aber nie, weil das waren " die besseren leute".

  6. #126
    Avatar von Mamma.Mia
    Mamma.Mia ist offline Queen Mum

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    Es war Mitteleuropa. 
    Ich fürchte, die 3. Welt sah anders aus.
    Ich bin Jahrgang 69, in Wien aufgewachsen, Vater bis in meine Teenagerzeit Alleinverdiener und das in eher durchschnittlich bis unterdurchschnittlich bezahltem Job.

    Wir hatten zuerst Gemeindewohnung, dann mit viel Eigenleistung Haus gebaut.
    Immer schon Ferseher, Auto, Waschmaschine.
    Und Vierteltelefon.

  7. #127
    Avatar von Mamma.Mia
    Mamma.Mia ist offline Queen Mum

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    In unserem Dorf war das allgemein, ja.
    Ich glaube auch, dass Österreich so allgemein schlechter dastand als Deutschland. Also vom Lebensstandard her.
    Einen Job in Deutschland zu ergattern, war super und höchst lukrativ. ( zb am Bau oder in fabriken)
    In Wien war bis in die 1990er Jahre üblich, dass man sich in Altbauten mit den Nachbarn das Klo am Gang teilte, so als Beispiel.

    Ausnahmen bildeten arzt Familien und Unternehmer und lehrer Familien.
    Mit denen verglichen wir uns aber nie, weil das waren " die besseren leute".
    Das waren aber die Substandard Wohnungen.
    Wir sind keine "besseren Leut", aber das sind Zustände, die ich weder von meiner Kindheit noch von Bekannten/Verwandten kenne.

  8. #128
    jellybean73 ist offline Urgestein

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von Mamma.Mia Beitrag anzeigen
    Ich bin Jahrgang 69, in Wien aufgewachsen, Vater bis in meine Teenagerzeit Alleinverdiener und das in eher durchschnittlich bis unterdurchschnittlich bezahltem Job.

    Wir hatten zuerst Gemeindewohnung, dann mit viel Eigenleistung Haus gebaut.
    Immer schon Ferseher, Auto, Waschmaschine.
    Und Vierteltelefon.
    Vierteltelefon hatten wir auch ganz lange.
    Und Fernseher, Auto, Waschmaschine ( und ganz später dann so exotische Dinge wie Videorecorder!) hatten wir auch, aber eben erst spät. ( nach 1980)
    Mein Geschenk zu meinem 15. Geburtstag ( das war 1988) war ein Plattenspieler. Da war ich extrem stolz.

  9. #129
    jellybean73 ist offline Urgestein

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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von Mamma.Mia Beitrag anzeigen
    Das waren aber die Substandard Wohnungen.
    Wir sind keine "besseren Leut", aber das sind Zustände, die ich weder von meiner Kindheit noch von Bekannten/Verwandten kenne.
    Ich kenne sie halt.
    Von Verwandten zb ( Cousine meiner Mutter wohnte mit ihrer Familie in so einer wohnung in den 1980er jahren)
    Als ich 1991 anfing zu arbeiten, wohnten viele meiner damaligen berufsschulkollegen in solchen " Klo am gang" Wohnungen. Zumindest die, die nicht mehr daheim wohnten. Ich auch. Viele waren vom Land zugezogen und hatten keine Chance auf eine gemeindewohnung. Da musste man dann die halbwegs billigen Wohnungen nehmen.
    Klo am Gang, duschecke in der Küche.
    Mir kam das auch gar nicht seltsam vor, weil ja in meinem Umfeld einige so wohnten.
    Gibt sicher Statistiken drüber, wie viele Wohnungen zb 1975, 1985, 1995 " substandard" waren und welcher Prozentsatz an Leuten in so einer wohnte.

  10. #130
    Avatar von Mamma.Mia
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    Standard Re: "Was kann ich dafür, dass ich als Junge geboren bin?"

    Zitat Zitat von jellybean73 Beitrag anzeigen
    Ich kenne sie halt.
    Von Verwandten zb ( Cousine meiner Mutter wohnte mit ihrer Familie in so einer wohnung in den 1980er jahren)
    Als ich 1991 anfing zu arbeiten, wohnten viele meiner damaligen berufsschulkollegen in solchen " Klo am gang" Wohnungen. Zumindest die, die nicht mehr daheim wohnten. Ich auch. Viele waren vom Land zugezogen und hatten keine Chance auf eine gemeindewohnung. Da musste man dann die halbwegs billigen Wohnungen nehmen.
    Klo am Gang, duschecke in der Küche.
    Mir kam das auch gar nicht seltsam vor, weil ja in meinem Umfeld einige so wohnten.
    Ich bin 1988 direkt nach der Matura mit dem damaligen Freund, der Beamter war, zusammengezogen und unser wahrlich nicht hohes Gehalt reichte locker für eine neue Genossenschaftswohnung, natürlich mit Klo/Bad in der Wohnung.

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