Seite 1 von 21 12311 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 204
Like Tree149gefällt dies

Thema: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

  1. #1
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline freesie (für Fim!)
    Registriert seit
    07.09.2015
    Beiträge
    19.140

    Standard Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Seit vielen Monaten beschäftigt mich die Situation im Beruf, und das z.T. sehr massiv.

    Die Rahmendaten:

    Erstmal das Thema Mehrarbeit vorweg, das dient dem Verständnis.
    Ein Wandertag, ein Methodentag, ein Projekttag u.ä. an meinem freien oder kurzen Tag wird hochoffiziell nicht als Überstunden gerechnet, aber soll irgendwie ("im vertretbaren Rahmen" lt. Erlass) ausgeglichen werden.
    Mehrstunden, die in Stunden gezählt wird, erarbeite ich nur noch im Rahmen von Vertretungsstunden.
    Anweisung des Ministeriums.


    Ich arbeite an einer Schule im Brennpunkt, die gut geführt war/ist und auch von Kindern aus "guten Familien" besucht wird, weil der Ruf gut ist.
    Ich arbeite dort prinzipiell gerne.

    Seit letztem Juni ist die Direktorin in Rente gegangen.
    Sie hat das Schulleben stark geprägt. Sie war eine unkonventionelle Schulleiterin (alleine der Porsche und die sündhaft teuren Klamotten sowie das perfekte Makeup und die extravaganten Schuhe machten sie zu einer eher ungewöhnlichen Erscheinung im pädagogischen Betrieb) und hatte alles gut im Griff.

    Es war schon länger klar, dass sie in Rente gehen würde.

    Was uns als Kollegium verblüffte: Ihre Stelle wurde nicht ausgeschrieben.

    Sie war dann irgendwann weg, das neue Schuljahr startete, und da die Schulleitungsstelle nicht besetzt war, übernahm die 1. Konrektorin die Aufgaben der Direktorin.
    Völlig korrekt, keine Einwände.

    Das Kollegium war aufgeschlossen und bereit zur Unterstützung.
    Es lief nicht immer alles glatt, aber wir sahen, dass die 1. Konrektorin und der 2. Konrektor sich viel Mühe gaben.

    Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass irgendwas komisch war bzw. dass ich komisch behandelt wurde von meiner neuen Chefin.
    Sie war immer mal kurz angebunden, sie gab mir auf konkrete Fragen keine Antwort ("Findet morgen die HA-Betreuung statt? Letzte Woche hattest du angedeutet, sie falle aus." -- "Tja, das wüsstest du wohl gerne."), auch in Sachen der konkreten Arbeit mit den Schülern gab es keine Unterstützung mehr ("Der Fridolin hat 39 unentschuldigte Fehltage, wir MÜSSEN da jetzt was machen. Ich war ja schon bei dir. Polizeiliche Zuführung? Konferenz? Beides?" --- "Ach, der ist eh verloren, das nervt mich alles." Oder: "Der Kasimir hat die Gerlinde mit Steinen beworfen, sie blutet an der Schulter. Wie reagieren wir für heute? Wie du weißt, hat er sich schon mehrere Klopper geleistet, ich finde, da muss heute schon ein Zeichen gesetzt werden." --- "Hast du mal dran gedacht, pädagogisch zu arbeiten mit ihm?" [Zur Erklärung: Bei uns wird in der Regel IMMER irgendwie nach den Hintergründen geschaut, mit den Sozialarbeiterinnen gearbeitet, die Eltern gesprochen usw - wenn das keine päd. Arbeit ist, weiß ich auch nicht. Und dass ich diese machte, wusste sie...]).
    Ich dachte, ich sei zu fordernd, zu oft da oder sonstwas und die stellv. Schulleiterin halt gestresst und geschafft.

    Dann gab es auf einmal ansagen, wonach Teilzeit-Leute an Wandertagen, Teamsitzungen, Konferenzen,... immer Vollzeit teilnehmen sollten. Auch Vertretungsstunden nahmen deutlich zu.
    Das war vorher eigentlich phasenweise auch so, aber da und dort kamen Schulleitung und Kollegen sich entgegen.
    Ich machte einen Wandertag komplett, durfte aber ein Team ausfallen lassen, wenn mein Kind einen Termin hatte.
    Geben und Nehmen.
    Es wurde auf einmal ein Geben und Geben und Geben.

    Im Januar gab es einen neuen Stundenplan, der trotz TZ die Situation ergab, dass ich an 4 Tagen quasi voll da war und nur noch meinen freien Tag hatte (ich arbeite 58%).
    Es sei organisatorisch nicht anders möglich.

    Als ich ein Projekt mit meiner Klasse machen wollte, wurde das abgelehnt.
    2 Monate später bekam ich ein sehr ähnliches Projekt an meinem freien Tag aufgedrückt.
    Ich sollte 8 Stunden bleiben ohne Zeitausgleich.
    Alles kulminierte in einer Woche, in der ich 6 Vertretungsstunden + 6 Stunden an meinem freien Tag arbeiten sollte, alles im Rahmen von Projekten, Wanderungen etc. - also nichts, was in konkreten Stundenzahlen hätte zurückfordern können.
    Ich weinte ziemlich, ich war echt am Ende.


    Ich merkte, wie ich aufgrund unzähliger beiläufig getätigter Äußerungen immer unsicherer wurde.
    Ich schlief schlechter.
    Ich wurde nervös, wenn ich was mit der Schulleitung zu bereden hatte.
    Ich hatte eines Tages Angst, zur Arbeit zu gehen (hatte auch einen Thread dazu drinnen).
    Ich fragte mich, wie ich den Job noch über 20 Jahre durchstehen sollte.

    Nach Fasching dachte ich über eine Krankmeldung nach.
    Aber ich kam an die Schule, und Überraschung: Sie 1. Konrektorin fehlte.
    Ich arbeitete los, ich war für den Moment erleichtert.
    2. Woche nach Fasching: Die Konrektorin fehlte weiterhin.
    Nach 4 Wochen kam der 2. Konrektor auf mich zu und sprach mich drauf an, dass meine Inklusions-Kinder sehr gut organisiert und differenziert würden von mir und dass das seine Arbeit doch sehr erleichtere.
    Auch sei er froh, dass ich einen guten Kontakt zur Sozialarbeit pflege, formal alles richtig mache in Sachen Schwänzen, Gefährdungsmeldung u.ä. und er echt froh sei, dass das gut laufe.
    Ich staunte.

    Nach einigen weiteren Wochen kam eine Mail vom 2. Konrektor:
    Es sei zu erwarten, dass die 1. Konrektorin bis zu den Sommerferien ausfalle. Es gäbe einen neuen Plan.
    Ich arbeite seither nur noch von Mi-Fr, die andere Klassenleitung (wir führen die Klasse gemeinsam) kommt Mo, Di, Do.
    War vorher ein Ding der Unmöglichkeit.
    Ich bekam eine Mail: "Hi Johnny, ich habe mir mal deine Mehrarbeit angesehen. Es wäre echt nett, wenn du noch den Juni über kämst. Eigentlich hast du dein Jahressoll schon erledigt. "

    Dieser Mann gesteht mir zu, an meinem freien Tag daheim zu bleiben, sofern die andere Klassenleitung an einem Projekttag kommt (fragt nicht - vorher wurde einfach Dienstpflicht ausgesprochen, dann habe ich zu kommen).
    Er sagt, dass wir, wenn gemeinsam was machen (Bundesjugendspiele) einfach selbst absprechen sollen, wann wer kommt.
    Er hat immer ein offenes Ohr.
    Er hat Vertrauen in meine (unsere) Arbeit.
    Und nebenher macht er alleine 3 100%-Stellen.


    Mein Problem: Die 1. Konrektorin kommt wieder nach den Sommerferien, das ist klar.
    Ich weiß, dass ich ihr viel konfrontativer begegnen werde.
    Wenn ich nochmal so blöde Antworten bekomme, werde ich nicht den Fehler bei mir suchen, denn ich merke ja derzeit, dass man mit mir offenbar ganz vernünftig arbeiten kann.
    Und ich werde das auch verbalisieren.

    Aber trotzdem: Die Stelle der Schulleitung ist weiterhin nicht ausgeschrieben. Evtl. dauert das auch noch 2 Jahre.
    Und ich frage mich, wie ich das mit der Konrektorin so lange hinkriegen kann....



    Übrigens gibt es einen Teil des Kollegiums, den die Konrektorin sehr schätzt.
    Da ist alles möglich. Und das sind auch die Leute, die Einfluss haben.
    Wen sie nicht mag, den lässt sie es spüren.
    Dummerweise mag sie den örtlichen Personalrat sehr, sehr gerne. Und die 2 Leute aus dem Hauptersonalrat (Vertretung der Lehrerschaft auf Landesebene) auch.
    Gewerkschaftlich werde ich also nicht unterstützt werden.


    Ich will auch gar nicht viel von euch.
    Ich wollte es mal formuliert haben, weil es mir immer noch so nachgeht und ich total erstaunt mir selbst zuschaue, wie ich unter dem 2. Konrektor aufblühe.

  2. #2
    holunder ist gerade online Carpal Tunnel
    Registriert seit
    21.01.2004
    Beiträge
    4.780

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Schulwechsel.


    Der Fisch stinkt vom Kopf her, man kann Lehrern immer und jederzeit und noch mehr Zusatzarbeit aufdrücken und du kannst dich nicht wehren. Auch wenn du ihr gegenüber eindeutiger auftrittst, wird es sehr sehr hart werden... weil es immer dienstliche Belange gibt.

    Ich sage auch immer, Stundenmäßig hätte ich schon Sommerferien - meistens mache ich es aber gerne. Aber erst, seitdem ich die Schule gewechselt habe...
    Kopiere dir den Text und hebe ihn auf... vielleicht musst du ihn mal dienstlich über arbeiten.
    viola5 gefällt dies
    Das wars wohl mit Yogo -verschwunden in den Weiten des www!

  3. #3
    Avatar von -AppErol-
    -AppErol- ist offline love & peace
    Registriert seit
    05.09.2017
    Beiträge
    7.945

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Puh, das liest sich echt doof. Und es gibt für dich kein Entrinnen, wenn die wieder da ist?
    Aber schön, dass du dahinter gekommen bist, dass es nicht an der Qualität deiner Arbeit liegt. Eventuell bist du ihr ja zu gut und sie fühlt sich dir leistungsmäßig nicht ebenbürtig?



    We can choose to see the best in one another.
    Barack Obama, 11/9/16
    Wenn ihr Großhirn mit der Amygdala eines Pubertisten diskutiert, kann das nur schief gehen!
    aus einem Vortrag der hiesigen Erziehungsberatung 11/13/19

  4. #4
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline freesie (für Fim!)
    Registriert seit
    07.09.2015
    Beiträge
    19.140

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Zitat Zitat von holunder Beitrag anzeigen
    Schulwechsel.
    Ich kann immer nur zum 1.12. einen Wechselantrag stellen, schulscharf wird hier nicht eingestellt.
    Das kommende Jahr muss ich mindestens packen, und ob eine Versetzung genehmigt wird, ist fraglich.
    Ich habe ein Mangelfach und meine Klasse ist weit weg von einem Klassenleitungswechsel.

    Der Fisch stinkt vom Kopf her, man kann Lehrern immer und jederzeit und noch mehr Zusatzarbeit aufdrücken und du kannst dich nicht wehren. Auch wenn du ihr gegenüber eindeutiger auftrittst, wird es sehr sehr hart werden... weil es immer dienstliche Belange gibt.
    Darauf bin ich eingestellt.
    Leider.

    Ich sage auch immer, Stundenmäßig hätte ich schon Sommerferien - meistens mache ich es aber gerne. Aber erst, seitdem ich die Schule gewechselt habe...
    Kopiere dir den Text und hebe ihn auf... vielleicht musst du ihn mal dienstlich über arbeiten.
    Das ist es!
    Ich merke, dass ich derzeit wieder gerne gehe und mehr mache und mich das nicht mal besonders stresst.

    Aber die Haltung, dass ein TZ-Mensch faul ist und zum Arbeiten getreten werden muss, die hat mich echt zermürbt.
    Und halt das Grundmisstrauen, die Kontrolle, die permanenten Extra-Aufgaben.

  5. #5
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn
    Registriert seit
    04.03.2008
    Beiträge
    34.893

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Jonny, frag mal beim Amt nach, wann die Direktoren-Stelle ausgeschrieben wird!
    Silm

  6. #6
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline freesie (für Fim!)
    Registriert seit
    07.09.2015
    Beiträge
    19.140

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Zitat Zitat von -AppErol- Beitrag anzeigen
    Puh, das liest sich echt doof. Und es gibt für dich kein Entrinnen, wenn die wieder da ist?
    Aber schön, dass du dahinter gekommen bist, dass es nicht an der Qualität deiner Arbeit liegt. Eventuell bist du ihr ja zu gut und sie fühlt sich dir leistungsmäßig nicht ebenbürtig?
    Wir kennen uns seit dem Referendariat.
    Sie hat sich bewusst gegen Kinder entschieden, weil das in unserem Beruf ja nicht klappen kann.
    Wir waren früher befreundet, haben uns auf unseren Hochzeiten eingeladen und waren sogar gemeinsam mit unseren Männern im Urlaub.
    Von Jetzt auf Gleich war das vorbei und ich weiß nicht, wieso.

    Ich kam nach vielen Jahren an die Dienststelle zurück, sie hatte Karriere gemacht, ich Kinder bekommen.
    Ich verliere bei der Arbeit sehr, sehr selten ein Wort über meine Kinder.
    Sie wollte mich anfangs bemuttern und teilte mir mit, ich solle schön langsam machen.
    Aber ich dachte mir: Daheim ist Daheim und Arbeit ist Arbeit und ich mach das, was ich kann und mach es dann auch, so gut ich es kann.

    Die Kollegen und Kolleginnen, die offensiv müde sind, offensiv unter dem HA-Marathon der eigenen Kinder leiden - die bekommen viel Unterstützung.
    Ich wurde sogar schon aufgefordert, eine "alleinerziehende Kollegin" (ihre Kinder studieren in 300 km Entfernung) zu entlasten.

    Ich habe anfangs nicht kapiert, dass das meine Chance gewesen wäre.

    Ich vermute, dass sie echt davon getriggert wird, dass ich Kinder und Beruf unter einen Hut bringe.
    Es gibt zwar immer mal Hängepartien, aber insgesamt geht es.

    Allerdings ging es von ~Oktober - März fast nicht nicht mehr.
    Ich dachte, ich laufe in den Burnout.

  7. #7
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline freesie (für Fim!)
    Registriert seit
    07.09.2015
    Beiträge
    19.140

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Zitat Zitat von silm Beitrag anzeigen
    Jonny, frag mal beim Amt nach, wann die Direktoren-Stelle ausgeschrieben wird!
    Aussage vom letzten Dienstag: "Wir können dazu keine Angabe treffen."
    Es war extra eine Dienstbesprechung angesetzt, weil es hieß, am 27.5. gäbe es eine Entscheidung.

    Ich finde es auch den beiden Konrektoren eine Unverschämtheit, unabhängig von den zwischenmenschlichen Problemen, die wir haben.

  8. #8
    Avatar von -AppErol-
    -AppErol- ist offline love & peace
    Registriert seit
    05.09.2017
    Beiträge
    7.945

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Zitat Zitat von JohnnyTrotz Beitrag anzeigen
    Aber die Haltung, dass ein TZ-Mensch faul ist und zum Arbeiten getreten werden muss, die hat mich echt zermürbt.
    Und halt das Grundmisstrauen, die Kontrolle, die permanenten Extra-Aufgaben.
    und die Gutste arbeitet VZ und ist mal eben einige Monate krank.



    We can choose to see the best in one another.
    Barack Obama, 11/9/16
    Wenn ihr Großhirn mit der Amygdala eines Pubertisten diskutiert, kann das nur schief gehen!
    aus einem Vortrag der hiesigen Erziehungsberatung 11/13/19

  9. #9
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline freesie (für Fim!)
    Registriert seit
    07.09.2015
    Beiträge
    19.140

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Zitat Zitat von -AppErol- Beitrag anzeigen
    und die Gutste arbeitet VZ und ist mal eben einige Monate krank.
    Ich glaube, diese Art zu führen ist anstrengend.

    Die Erkrankung passt dazu.

  10. #10
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn
    Registriert seit
    04.03.2008
    Beiträge
    34.893

    Standard Re: Berufliches Thema - seeeehr lang und kompliziert

    Zitat Zitat von JohnnyTrotz Beitrag anzeigen
    Aussage vom letzten Dienstag: "Wir können dazu keine Angabe treffen."
    Es war extra eine Dienstbesprechung angesetzt, weil es hieß, am 27.5. gäbe es eine Entscheidung.

    Ich finde es auch den beiden Konrektoren eine Unverschämtheit, unabhängig von den zwischenmenschlichen Problemen, die wir haben.
    Ohje, also keine Aussicht auf Besserung.
    Am besten du bist wirklich nach ihrer Rückkehr erst mal krank und erzählst dann hinterher, dass du jede Unterstützung brauchst, damit du nicht wegen Burnout ausfällst.
    cosima, xantippe und Alberta_2Stein gefällt dies.
    Silm

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •