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Thema: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

  1. #1
    Avatar von rosenma
    rosenma ist gerade online Legende
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    Standard Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Wenn ein Kind bei Pflegeeltern aufwächst, die eine andere religiöse Ausrichtung haben als die Ursprungsfamilie (hier streng evanglikale Pflegeeltern), wie sieht dann die religiöse Erziehung des Pflegekindes aus? Ist das ein Kriterium für die Auswahl der Pflegefamilie?


    Time ist the fire in which we burn.

  2. #2
    Avatar von Andrea
    Andrea ist offline besser is
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Zitat Zitat von rosenma Beitrag anzeigen
    Wenn ein Kind bei Pflegeeltern aufwächst, die eine andere religiöse Ausrichtung haben als die Ursprungsfamilie (hier streng evanglikale Pflegeeltern), wie sieht dann die religiöse Erziehung des Pflegekindes aus? Ist das ein Kriterium für die Auswahl der Pflegefamilie?
    Ich kann nur aus zweiter Hand berichten:

    Eine meiner guten Bekannten ist Zeugin Jehovas.
    Sie hat beim Jugendamt gesagt, dass sie die Kinder in diesem Glauben erziehen wird:
    Die Familie geht halt dreimal die Woche zur Versammlung und lebt auch zu Hause danach.
    Da müssen nun mal alle Kinder mit und zu Hause wird sie jetzt auch nichts anderes leben.
    Das war dem Jugendamt/Eltern egal: Die Frau hat ein schwerbehindertes Pflegekind und zwei weitere aufgenommen.
    Und eines dieser Pflegekinder ging auf die Waldorf-Schule. Das war wiederum für die Pflegemutter kein Problem.

    Eine meiner Nachbarinnen hat sich mehrmals beim Jugendamt beschwert, dass sie Kindeswohlgefährdung sieht:
    Das Jugendamt sah das nicht so.

    Genau so wie eines ihrer Enkelkind nicht der elternlichen Sorge vorübergehend entzogen wurde, als diese ihm eine Bluttransfusion verweigerten.
    (Das Kind hat überlebt, es gibt einen Arzt, der die Krankheit ohne Transfusion behandelt.Die Eltern waren sich sehr bewusst, dass das Kind ohne die Transfusion sterben kann.)

    Also da geht ganz viel, je auch nach Angebot und Nachfrage bei den Pflegeeltern/-plätzen.
    ___________________________________
    Das Böse sind falsche Entscheidungen.

  3. #3
    elina2 ist gerade online Poweruser
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Hier ist das auch kein Problem, das Kind wird dann eben so erzogen wie in der Pflegefamilie üblich.

    Wegen den zeugen Jehovas, die Bluttransfusion beim Pflegekind würde dann aber gemacht werden, da das JA die Gesundheitsfürsorge behält und die Pflegeeltern ja nur die "Alltäglichen Dinge" bestimmen. Bluttransfusion würde hier daher nicht dazu gehören.

  4. #4
    Avatar von Andrea
    Andrea ist offline besser is
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Zitat Zitat von elina2 Beitrag anzeigen
    Hier ist das auch kein Problem, das Kind wird dann eben so erzogen wie in der Pflegefamilie üblich.

    Wegen den zeugen Jehovas, die Bluttransfusion beim Pflegekind würde dann aber gemacht werden, da das JA die Gesundheitsfürsorgebehält und die Pflegeeltern ja nur die "Alltäglichen Dinge" bestimmen. Bluttransfusion würde hier daher nicht dazu gehören.
    Bluttransfusion - bzw. die Weigerung - war ja beim eigenen Enkelkind.
    Sie hatte bei den Pflegekindern da auch keine Probleme oder Vorbehalte.
    "Die müssen nicht Zeugen Jehovas werden, aber die werden das halt alles mitbekommen und in dem Umfeld aufwachsen."

    Eines ihrer leiblichen Kinder ist geschieden und sie hat den Kontakt auch nicht abgebrochen.
    Sie ist auch sonst ziemlich weit gegangen in der Regelauslegung.
    ___________________________________
    Das Böse sind falsche Entscheidungen.

  5. #5
    opus ist offline Muddi h.c.
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Zitat Zitat von rosenma Beitrag anzeigen
    Wenn ein Kind bei Pflegeeltern aufwächst, die eine andere religiöse Ausrichtung haben als die Ursprungsfamilie (hier streng evanglikale Pflegeeltern), wie sieht dann die religiöse Erziehung des Pflegekindes aus? Ist das ein Kriterium für die Auswahl der Pflegefamilie?
    Das spielt normalerweise keine Rolle, weil keine Religion per se als 'gegen das Kindswohl gerichtet' gilt. Wenn, geht es um konkrete Handlungen.

    Bei Andreas Beispiel mit den Zeugen Jehovas wäre das fast so ein Fall, allerdings nicht bezogen auf ihre Bekannte, da die als Oma nicht verantwortlich zu machen ist, für das, was mit dem Enkel geschieht.

    Wenn sie jedoch einem eigenen Kind, leiblich oder Pflege-, die Transfusion verweigert hätte, sähe es anders aus, auch wenn in diesem Fall die Behörden offensichtlich geschlafen haben (oder das Krankenhaus oder der behandelnde Arzt haben es gar nicht gemeldet). Normalerweise wird in so einem Fall sehr schnell die gerichtliche Verfügung eingeholt, eine notwendige medizinische Behandlung zu erzwingen, zumindest sofern man sich nicht sicher sein kann, dass es auch ohne geht.

    Die Mutter wäre als Pflegemutter jedenfalls disqualifiziert, wenn der Verdacht bestünde, dass sie ihre anvertrauten Kinder aus religiösen Gründen in diesem Fall durch Unterlassung töten (lassen) würde.

    Man geht nur nicht von vorn herein davon aus, dass die Leute soweit gehen, wenn es ernst würde. So oft passiert das ja auch nicht.
    Dem Philosoph ist nichts zu doof.

  6. #6
    Avatar von salvadora
    salvadora ist offline Claqueuse
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Zitat Zitat von Andrea Beitrag anzeigen
    Ich kann nur aus zweiter Hand berichten:

    Eine meiner guten Bekannten ist Zeugin Jehovas.
    Sie hat beim Jugendamt gesagt, dass sie die Kinder in diesem Glauben erziehen wird:
    Die Familie geht halt dreimal die Woche zur Versammlung und lebt auch zu Hause danach.
    Da müssen nun mal alle Kinder mit und zu Hause wird sie jetzt auch nichts anderes leben.
    Das war dem Jugendamt/Eltern egal: Die Frau hat ein schwerbehindertes Pflegekind und zwei weitere aufgenommen.
    Und eines dieser Pflegekinder ging auf die Waldorf-Schule. Das war wiederum für die Pflegemutter kein Problem.

    Eine meiner Nachbarinnen hat sich mehrmals beim Jugendamt beschwert, dass sie Kindeswohlgefährdung sieht:
    Das Jugendamt sah das nicht so.

    Genau so wie eines ihrer Enkelkind nicht der elternlichen Sorge vorübergehend entzogen wurde, als diese ihm eine Bluttransfusion verweigerten
    (Das Kind hat überlebt, es gibt einen Arzt, der die Krankheit ohne Transfusion behandelt.Die Eltern waren sich sehr bewusst, dass das Kind ohne die Transfusion sterben kann.)

    Also da geht ganz viel, je auch nach Angebot und Nachfrage bei den Pflegeeltern/-plätzen.
    Das finde ich wirklich unfassbar.

  7. #7
    Avatar von Maumau
    Maumau ist offline *wichtiger Chefwichtel*
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Zitat Zitat von rosenma Beitrag anzeigen
    Wenn ein Kind bei Pflegeeltern aufwächst, die eine andere religiöse Ausrichtung haben als die Ursprungsfamilie (hier streng evanglikale Pflegeeltern), wie sieht dann die religiöse Erziehung des Pflegekindes aus? Ist das ein Kriterium für die Auswahl der Pflegefamilie?
    Nein, so was ist kein Kriterium. Es herrscht ein Pflegenotstand in Deutschland, das gilt nicht nur für die Kranken- und Altenpflege sondern auch für Pflegeeltern. Es gibt viel zu wenig. Und es ist normal, dass es in den Pflegefamilien ganz anders zugeht als zu Hause. Das lernen die Kinder schnell. Und evangelischer Fundamentalismus ist sicher kein Grund um als Pflegeeltern ungeeignet zu sein. Die Pflegefamilien die ich so kenne sind mehrheitlich Mitglieder Evangelischer Freikirchen.

  8. #8
    Avatar von rosenma
    rosenma ist gerade online Legende
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    @ all: Danke, dass beantwortet meine Frage.


    Time ist the fire in which we burn.

  9. #9
    Avatar von Martha74
    Martha74 ist offline Urgestein
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    ich kenne es so, dass die Pflegekinder so leben, wie in der Pflegefamilie gelebt wird.

    Ich weiß aber von befreundeten Pflegefamilien, dass es durchaus schwierig werden kann. Konkret ging es um eine Mutter, deren Sohn in einer Pflegefamilie lebte und die leibl. Mutter wollte, dass das Kind ohne Schweinefleisch aufwächst. Begründung war: Religion. Das konnte die Pflegefamilie abdecken. Als die leibl. Mutter dann die Beschneidung wollte, wurde es schon schwieriger. Meines Wissens wurde diese nicht gemacht, weil die leibl. Mutter nicht nachweisen konnte, dass sie muslimischen Glaubens sei.

    Da war das JA aber mit involviert in diesem Prozess.

  10. #10
    rastamamma ist offline Urgestein
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    Standard Re: Frage an die Pflegekinderfahrenen-Religion

    Zitat Zitat von opus Beitrag anzeigen
    Das spielt normalerweise keine Rolle, weil keine Religion per se als 'gegen das Kindswohl gerichtet' gilt. Wenn, geht es um konkrete Handlungen.

    Bei Andreas Beispiel mit den Zeugen Jehovas wäre das fast so ein Fall, allerdings nicht bezogen auf ihre Bekannte, da die als Oma nicht verantwortlich zu machen ist, für das, was mit dem Enkel geschieht.

    Wenn sie jedoch einem eigenen Kind, leiblich oder Pflege-, die Transfusion verweigert hätte, sähe es anders aus, auch wenn in diesem Fall die Behörden offensichtlich geschlafen haben (oder das Krankenhaus oder der behandelnde Arzt haben es gar nicht gemeldet). Normalerweise wird in so einem Fall sehr schnell die gerichtliche Verfügung eingeholt, eine notwendige medizinische Behandlung zu erzwingen, zumindest sofern man sich nicht sicher sein kann, dass es auch ohne geht.

    Die Mutter wäre als Pflegemutter jedenfalls disqualifiziert, wenn der Verdacht bestünde, dass sie ihre anvertrauten Kinder aus religiösen Gründen in diesem Fall durch Unterlassung töten (lassen) würde.

    Man geht nur nicht von vorn herein davon aus, dass die Leute soweit gehen, wenn es ernst würde. So oft passiert das ja auch nicht.
    Wo haben denn die Behörden geschlafen, wenn es einen Arzt gab, der ohne Bluttransfusion zu behandeln bereit war (erfolgreich, eventuell auch nicht zum ersten Mal)? Da stehen einander eventuell medizinisch einfach verschiedene Lehrmeinungen bzw. Behandlungsansätze gegenüber, und einen davon haben die Eltern für ihr Kind gewählt (ob sie für das Pflegekind wählen dürften, ist eine andere Frage).

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