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Thema: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

  1. #1
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn
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    Standard Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Dass bisherige Vorgehensweisen bei unter 14 Jährigen Straftätern (schwere Straftaten und/oder Intensivtäter) oft scheitern, ist bekannt.
    Was würdet ihr ändern im Umgang mit denen?
    Silm

  2. #2
    RaeMea ist offline old hand
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Schwierige Frage. Meiner Meinung nach ist da vorher meist schon wahnsinnig viel schief gelaufen.

    Ich hielte eine Herausnahme aus der Familie immer für sinnvoll. Allerdings nur, wenn im Heim die notwendigen Ressourcen da sind, sich intensiv psychologisch und erzieherisch mit dem Kind zu befassen.
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  3. #3
    Avatar von Schiri
    Schiri ist gerade online Legende
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Zitat Zitat von RaeMea Beitrag anzeigen
    Schwierige Frage. Meiner Meinung nach ist da vorher meist schon wahnsinnig viel schief gelaufen.

    Ich hielte eine Herausnahme aus der Familie immer für sinnvoll. Allerdings nur, wenn im Heim die notwendigen Ressourcen da sind, sich intensiv psychologisch und erzieherisch mit dem Kind zu befassen.
    Immer halte ich für zu pauschal. Es ist bei straffälligen Jugendlichen manchmal das MIttel der Wahl, besser ist es aber doch, wenn man in Kooperation mit der Familie einen Weg findet und der kann auch über eine intensive ambulante oder teilstationäre Maßnahme mit therapeutischer Begleitung, z.B. auch Multifamilientherapie sein. Wenn das immer das MIttel der Wahl wäre, wäre es ja sehr einfach und man könnte sich die Mühe sparen, aufwendige Gutachten zu schreiben
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  4. #4
    rastamamma ist gerade online Urgestein
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Zitat Zitat von Schiri Beitrag anzeigen
    Immer halte ich für zu pauschal. Es ist bei straffälligen Jugendlichen manchmal das MIttel der Wahl, besser ist es aber doch, wenn man in Kooperation mit der Familie einen Weg findet und der kann auch über eine intensive ambulante oder teilstationäre Maßnahme mit therapeutischer Begleitung, z.B. auch Multifamilientherapie sein. Wenn das immer das MIttel der Wahl wäre, wäre es ja sehr einfach und man könnte sich die Mühe sparen, aufwendige Gutachten zu schreiben
    Sind denn Menschen unter 14, die Straftaten begehen, immer krank im weitesten Sinn und sollen daher therapeutisch behandelt werden?

    Die Frage ist erntsgemeint, ich sehe nämlich nicht, dass jeder jugendliche Straftäter unter 14 ein behandlungsbedürftiger Mensch ist.

    Aber vielleicht sollten wir mal die Straftat an sich definieren - wird ja einen Unterschied machen, ob einer gern klaut, Drogen dealt, Leute zusammenschlägt .... (wobei Klauen eventuell ja keine schwere Straftat ist).

  5. #5
    Avatar von SofieAmundsen
    SofieAmundsen ist offline Urgestein
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Zitat Zitat von silm Beitrag anzeigen
    Dass bisherige Vorgehensweisen bei unter 14 Jährigen Straftätern (schwere Straftaten und/oder Intensivtäter) oft scheitern, ist bekannt.
    Was würdet ihr ändern im Umgang mit denen?
    Kommt auf den Einzelfall an. Ich war erst neulich in einer Verhandlung gegen eine 19-jährige Intensivtäterin (erste Auffälligkeiten mit 7), die wuchs in einer sehr gewaltbelasteten Familie auf, wurde ab dem Alter von 2 von Jugendhilfeeinrichtungen mit diversen Unterbrechungen betreut, mal Pflegefamilie, mal Heim, mal Wohngruppe...Der Prozess fand dann auch noch am Todestag ihrer Mutter statt, die aus ungeklärten Umständen vom Balkon gestürzt war.
    Die junge Frau tat mir sehr Leid und ich dachte im Verfahren, dass es sinnvoll gewesen wäre, mal EINE stabile Einrichtung mit stabilen Bezugspersonen zu finden. (Von den Pflegefamilien wurde sie aufgrund ihres Verhaltens meist schnell wieder abgegeben.)

    Auch bei unter 14-jährigen Tätern mit einer gestörten Persönlichkeit (!) fände ich also eine Betreuung in einem stabilen, nicht mehr wechselnden Umfeld mit festen, zugewandten Personen sinnvoll.
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    Liebe Grüße

    Sofie

  6. #6
    Avatar von SofieAmundsen
    SofieAmundsen ist offline Urgestein
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Zitat Zitat von rastamamma Beitrag anzeigen
    Sind denn Menschen unter 14, die Straftaten begehen, immer krank im weitesten Sinn und sollen daher therapeutisch behandelt werden?

    Die Frage ist erntsgemeint, ich sehe nämlich nicht, dass jeder jugendliche Straftäter unter 14 ein behandlungsbedürftiger Mensch ist.

    Aber vielleicht sollten wir mal die Straftat an sich definieren - wird ja einen Unterschied machen, ob einer gern klaut, Drogen dealt, Leute zusammenschlägt .... (wobei Klauen eventuell ja keine schwere Straftat ist).
    Vielleicht sollten wir "krank" definieren, der Begriff der "schweren Straftat" ist bei uns definiert. Dazu gehören Kapitalverbrechen, also Delikte gegen Leib und Leben.
    Weder Körperverletzung (schon gar nicht, wenn sie als jugendtypisches Delikt eingestuft werden kann) noch Diebstahl noch Drogenhandel in jugendtypischem Ausmaß.
    Wenn unter 14-jährige Mord oder Totschlag begehen (oder den Versuch dazu), kann i.d.R. von einer gestörten Persönlichkeit ausgegangen werden.
    Das könnte man also auch "krank" nennen. Im Einzelfall wird aber die Motivlage und die Persönlichkeitsstruktur geprüft, infolgedessen braucht man keine allseits immergleichen Maßnahmen befürchten.
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    Liebe Grüße

    Sofie

  7. #7
    Sepia ist offline Veteran
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Jeder nicht. Wenn ein 11 oder 12-jähriger in der Gruppe eine Frau vergewaltigt (geht gerade durch die Nachrichten) oder andere schwere Verbrechen (Totschlag, Mord) vorliegen, finde ich eine inobhutnahme angebracht - zumindest wenn die Eltern auch noch im Kontakt mit dem Jugendamt keine Hilfe annehmen wollen bzw. Nicht die Tür aufmachen (wie anscheinend in o.g. Fall). Da finde ich muß es mehr Möglichkeiten geben. Wie will man sonst zukünftige Übergriffe verhindern? Wenn Eltern hilflos sind, aber Hilfe annehmen, ist das nochmal was anderes für mich.

    Was anderes natürlich wenn da vielleicht x Mal Ladendiebstahl gemacht wurde oder beim Rauchen erwischt.
    Zitat Zitat von rastamamma Beitrag anzeigen
    Sind denn Menschen unter 14, die Straftaten begehen, immer krank im weitesten Sinn und sollen daher therapeutisch behandelt werden?

    Die Frage ist erntsgemeint, ich sehe nämlich nicht, dass jeder jugendliche Straftäter unter 14 ein behandlungsbedürftiger Mensch ist.

    Aber vielleicht sollten wir mal die Straftat an sich definieren - wird ja einen Unterschied machen, ob einer gern klaut, Drogen dealt, Leute zusammenschlägt .... (wobei Klauen eventuell ja keine schwere Straftat ist).
    Fimbrethil gefällt dies

  8. #8
    Avatar von Schiri
    Schiri ist gerade online Legende
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Zitat Zitat von rastamamma Beitrag anzeigen
    Sind denn Menschen unter 14, die Straftaten begehen, immer krank im weitesten Sinn und sollen daher therapeutisch behandelt werden?

    Die Frage ist erntsgemeint, ich sehe nämlich nicht, dass jeder jugendliche Straftäter unter 14 ein behandlungsbedürftiger Mensch ist.

    Aber vielleicht sollten wir mal die Straftat an sich definieren - wird ja einen Unterschied machen, ob einer gern klaut, Drogen dealt, Leute zusammenschlägt .... (wobei Klauen eventuell ja keine schwere Straftat ist).
    Nun ja, unter 14-jährige, die schwere Straftaten begehen, halte ich nicht für gesund, aber dafür werden in der Regel ja Gutachten erstellt, um zu beurteilen, was das Kind braucht, um zu verhindern, dass es wieder straffällig wird.
    Ich meinte mit teilstationärer oder vollstationärer Maßnahme zunächst Jugendhilfemaßnahmen, nicht zwingend KJP Maßnahmen (die natürlich auch notwendig sein können), die Jugendhilfemaßnahmen gibt es auch in therapeutisch und ich kann mir kaum vorstellen, dass das nicht notwendig sein sollte.
    Aber dafür gibt es ja, wie schon geschrieben, die Gutachten.
    xantippe, viola5, Ellaha und 1 anderen gefällt dies.

  9. #9
    RaeMea ist offline old hand
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Zitat Zitat von Schiri Beitrag anzeigen
    Immer halte ich für zu pauschal. Es ist bei straffälligen Jugendlichen manchmal das MIttel der Wahl, besser ist es aber doch, wenn man in Kooperation mit der Familie einen Weg findet und der kann auch über eine intensive ambulante oder teilstationäre Maßnahme mit therapeutischer Begleitung, z.B. auch Multifamilientherapie sein. Wenn das immer das MIttel der Wahl wäre, wäre es ja sehr einfach und man könnte sich die Mühe sparen, aufwendige Gutachten zu schreiben
    Es ging um Intensivtäter bzw. schwere Straftaten. In den allermeisten Fällen dürften diese Kinder schon vorher aufgefallen sein und Maßnahmen in Kooperation mit der Familie stattgefunden haben.
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  10. #10
    Avatar von Schiri
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    Standard Re: Umgang mit minderjährigen Tätern und deren Eltern

    Zitat Zitat von RaeMea Beitrag anzeigen
    Es ging um Intensivtäter bzw. schwere Straftaten. In den allermeisten Fällen dürften diese Kinder schon vorher aufgefallen sein und Maßnahmen in Kooperation mit der Familie stattgefunden haben.
    Nicht zwingend. UNd zweitens könnte es auch zu einer Fremdunterbringung in Kooperation mit der Familie kommen. Nicht immer sind die Eltern von Straftätern einverstanden mit deren Taten. Es liegt bestimmt etwas im Argen, wenn ein relativ kleines Kind eine schwere Tat begeht, aber es muss nicht heißen, dass man nicht in Kooperation mit der Familie mehr erreichen kann. Deswegen schrieb ich auch z.B. Multifamilientherapie, weil es vermutlich sinnvoll ist, wenn sich auch in der Familie was verändert, der Kontakt bleibt ja, auch wenn das Kind evtl woanders untergebracht wird.

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