Seite 7 von 8 ErsteErste ... 5678 LetzteLetzte
Ergebnis 61 bis 70 von 73
Like Tree134gefällt dies

Thema: 7-jährige ist so egoistisch

  1. #61
    Alina73 ist offline Legende
    Registriert seit
    03.03.2008
    Beiträge
    13.062

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Meine Tochter war lange Zeit so, wie du das beschreibst. Und damit hatte ich auch einige Zeit ziemliche Schwierigkeiten. Ich hatte immer das Gefühl- egal was ich mache und egal wie sehr ich mich bemühe- ich kann sie einfach nie zufrieden stellen. Sie war als Baby ein Schreikind und brüllte sogar während dem Stillen. Ich war da teilweise echt verzweifelt. Und als sie größer wurde auch immer mehr genervt von ihr, weil ich sie so extrem fordernd und nach meinem Empfinden unzufrieden war- trotz aller Mühe die ich mir gab.

    Irgendwann stellte ich fest, dass ihre Art eigentlich gar nicht so das Problem war, sondern meine Art damit umzugehen. Ich war nämlich jedesmal total getriggert von ihr, wenn es wieder zu einer solchen Situation kam und reagierte eigentlich wie sie- nämlich drüber. Ich hab dann angefangen, ihr diesen Frust zu lassen und hab aufgehört ihr permanent zu erklären, dass sie nicht kürzer kommt, sie hat was sie braucht, sie sich da unschön verhält,...

    Beispiel: Ich hab dann nicht endlos erklärt, warum sie das jetzt nicht bekommt und warum ich es blöd finde, wie sie da drauf reagiert, sondern ich hab gesagt- ja, ich verstehe deinen Frust, du willst das jetzt gerne haben, aber ich kann dieses Teil jetzt nicht kaufen, weil nicht genug Geld oder was auch immer dafür vorhanden ist (nur ein Beispiel).

    Ich hab ihr das quasi einfach gelassen, dass sie sauer auf mich sein kann und frustriert, weil ich dem jetzt nicht nachgehen kann (das geht halt auch nicht immer). Und je öfter mir das gelungen ist, umso weniger wurde dieses extreme Verhalten bei ihr- ich denke einfach weil ich aufgehört habe sie da ändern zu wollen und sie so genommen habe, wie sie ist. Das war ja nur eine Seite von ihr, der ich da unheimlich viel "Gewicht" verliehen habe.

    Ich weiß nicht, ob ich das jetzt einigermaßen verständlich rüberbringen konnte. Ich hoffe es.


    Zitat Zitat von Vronli87 Beitrag anzeigen
    Ich hab lang überlegt ob ich mir hier mal „hilfe“ bzw neue Denkansätze hole... es geht um unsere älteste Tochter. Sie ist unglaublich egoistisch und materialistisch und ich weiß überhaupt nicht wie ich damit umgehen soll. Mein Mann und ich sind überhaupt nicht so, wir kommen/kamen immer mit wenig gut klar, kaufen (auch aus Umweltbewusstseinsgründen) gerne mal gebraucht, gönnen uns aber hin und wieder mal was. Diese Handelsweise versuchen wir auch unseren Kindern beizubringen. Aber bei der großen funktioniert das nicht. Sie kann eigentlich nichts mit ihren Geschwistern teilen. Beispiel: es gibt zwei ofenkäse für drei Kinder. Die große nimmt sich einen ganzen auf ihren Teller und sagt sie ist die größte, sie kriegt einen allein. Die beiden kleinen geben sich damit zufrieden und teilen sich ihren relativ harmonisch. Die große hat derweil den knusprigen Käse bei sich inhaliert und will sich dann was von den kleinen klauen. Die kleine sagt „hey, du hast einen eigenen, das ist jetzt unserer!“ und ich stimme ihr zu. Da wir die große total pampig und motzt rum dass sie jawohl nur ein Stück von den anderen will und dass es voll unfair ist dass die beiden nicht mit ihr teilen. Und das ist ganz oft so, auch dass sie den kleinen Sachen wegnimmt und sie dann nicht mehr mitspielen lässt; sie teilt einfach gar nicht und wenn dann nur zu ihrem eigenen Vorteil.
    Andere Situation: sie kommt aus heiterem Himmel an und sagt sie will unter ihren Schreibtisch Schubladen. Und zwar sofort. Mein Mann erklärt dass das jetzt grad nicht geht, weil wir erstens jetzt grad nicht zu nem Möbelladen fahren können/wollen und zweitens wir bald umziehen und da vorher nicht noch unnötig viel anschaffen wollen was wir dann wieder umziehen müssen. Und sie motzt weiter und will aber JETZT so ein schubladending und lässt sich halt überhaupt nicht auf Alternativen oder Erklärungen ein. Und auch das häuft sich immer mehr, sie will ständig was haben. Wenn ich einem Kind ne neue matschhose kaufe weil es eine neue braucht, kriegt sie nen Anfall weil sie nicht auch was bekommt. Und dabei bin ich eigentlich fair, ich Nähe für die Kinder abwechselnd Sachen, ich nehme die große mit zu Flohmärkten wo sie auch selbst gucken kann und niemand kommt zu kurz.
    Ich kann verstehen dass es für sie nicht immer so leicht war: ihre erste Schwester ist gestorben kurz nach der Geburt, nun hat sie noch drei kleine Geschwister wo sie auch mal Rücksicht nehmen muss und im Frühling ist auch noch ihre liebste Oma viel zu früh gestorben. Zudem ziehen wir bald das dritte mal in ihrem Leben um (aber das ist eine Verbesserung auch in ihren Augen weil wir ganz in die Nähe meiner Familie ziehen, also zu der anderen Oma, den Cousinen und tanten usw).
    Andererseits bin ich IMMER für sie da, weil ich dank Elternzeit nicht arbeite und auch wenn ich zwischendurch gearbeitet hab, war ich zuhause als Tagesmutter. Der Papa arbeitet nur den halben Tag und ist somit auch Mega viel da. Eigentlich sogar immer, weil sie morgens ja in der Schule ist.

    Ich weiß einfach nicht mehr wie ich reagieren soll. Mein Mann sagt, dass die 4-jährige zb sich auch wehren muss und sich nicht immer alles wegnehmen lassen soll, aber das find ich auch gemein, nur weil sie ein sehr gutmütiger mensch ist, lässt sie sich halt alles gefallen und ist dann aber auch traurig. Ich Versuch mit ihr zu reden und ihr zu erklären dass es einen nicht weiterbringt nur an sich zu denken, aber nicht mal im direkten Anschluss an solche Gespräche Merk ich ne Veränderung. In der Schule ist sie wohl gar nicht so laut Lehrerin. Hilfsbereit, sozial, lieb... warum dann hier? Warum so arg? Bin ich etwas verzweifelt.
    Wer es bis hierher geschafft hat: Danke fürs durchlesen, bin gespannt auf antworten
    xantippe, viola5, st.paula75 und 4 anderen gefällt dies.

  2. #62
    Gast

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Zitat Zitat von Alina73 Beitrag anzeigen
    Meine Tochter war lange Zeit so, wie du das beschreibst. Und damit hatte ich auch einige Zeit ziemliche Schwierigkeiten. Ich hatte immer das Gefühl- egal was ich mache und egal wie sehr ich mich bemühe- ich kann sie einfach nie zufrieden stellen. Sie war als Baby ein Schreikind und brüllte sogar während dem Stillen. Ich war da teilweise echt verzweifelt. Und als sie größer wurde auch immer mehr genervt von ihr, weil ich sie so extrem fordernd und nach meinem Empfinden unzufrieden war- trotz aller Mühe die ich mir gab.

    Irgendwann stellte ich fest, dass ihre Art eigentlich gar nicht so das Problem war, sondern meine Art damit umzugehen. Ich war nämlich jedesmal total getriggert von ihr, wenn es wieder zu einer solchen Situation kam und reagierte eigentlich wie sie- nämlich drüber. Ich hab dann angefangen, ihr diesen Frust zu lassen und hab aufgehört ihr permanent zu erklären, dass sie nicht kürzer kommt, sie hat was sie braucht, sie sich da unschön verhält,...

    Beispiel: Ich hab dann nicht endlos erklärt, warum sie das jetzt nicht bekommt und warum ich es blöd finde, wie sie da drauf reagiert, sondern ich hab gesagt- ja, ich verstehe deinen Frust, du willst das jetzt gerne haben, aber ich kann dieses Teil jetzt nicht kaufen, weil nicht genug Geld oder was auch immer dafür vorhanden ist (nur ein Beispiel).

    Ich hab ihr das quasi einfach gelassen, dass sie sauer auf mich sein kann und frustriert, weil ich dem jetzt nicht nachgehen kann (das geht halt auch nicht immer). Und je öfter mir das gelungen ist, umso weniger wurde dieses extreme Verhalten bei ihr- ich denke einfach weil ich aufgehört habe sie da ändern zu wollen und sie so genommen habe, wie sie ist. Das war ja nur eine Seite von ihr, der ich da unheimlich viel "Gewicht" verliehen habe.

    Ich weiß nicht, ob ich das jetzt einigermaßen verständlich rüberbringen konnte. Ich hoffe es.
    Aktiv zuhören...

  3. #63
    Avatar von nykaenen88
    nykaenen88 ist offline Poweruser
    Registriert seit
    15.08.2007
    Beiträge
    8.668

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Das ist im Grunde egal. Menschen haben halt unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse.

    Allerdings kann ich mir tatsächlich nicht vorstellen, wie man auf fünf Kinder zwischen 0 und sieben individuell eingehen kann. Plus der Trauer um ein sechstes Kind.
    Es sind insgesamt 4 Kinder, eine Fehlgeburt und ein Baby, welches kurz nach der Geburt verstorben ist.
    Sie ist allerdings das einzige Kind, welches dieses Baby, den Tod und die Trauer erlebt hat. Und das in sehr jungem Alter, in dem man solche Verluste noch nicht bewußt verarbeiten kann.
    Liebe Grüße

    Matti
    _________________
    verhütungsfrei seit 03/06
    ICSI - NEGATIV
    6x Kryo - NEGATIV
    Kryo - POSITIV - Kind 06/2010
    Kryo - POSITIV *19. Woche
    Kryo - NEGATIV
    ICSI - POSITIV *10.Woche
    Kryo - POSITIV - Kind 05/2014

  4. #64
    Nairobi ist offline oder auch Sambesi
    Registriert seit
    15.09.2019
    Beiträge
    341

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Zitat Zitat von Vronli87 Beitrag anzeigen
    Ich hab lang überlegt ob ich mir hier mal „hilfe“ bzw neue Denkansätze hole... es geht um unsere älteste Tochter. Sie ist unglaublich egoistisch und materialistisch und ich weiß überhaupt nicht wie ich damit umgehen soll. Mein Mann und ich sind überhaupt nicht so, wir kommen/kamen immer mit wenig gut klar, kaufen (auch aus Umweltbewusstseinsgründen) gerne mal gebraucht, gönnen uns aber hin und wieder mal was. Diese Handelsweise versuchen wir auch unseren Kindern beizubringen. Aber bei der großen funktioniert das nicht. Sie kann eigentlich nichts mit ihren Geschwistern teilen. Beispiel: es gibt zwei ofenkäse für drei Kinder. Die große nimmt sich einen ganzen auf ihren Teller und sagt sie ist die größte, sie kriegt einen allein. Die beiden kleinen geben sich damit zufrieden und teilen sich ihren relativ harmonisch. Die große hat derweil den knusprigen Käse bei sich inhaliert und will sich dann was von den kleinen klauen. Die kleine sagt „hey, du hast einen eigenen, das ist jetzt unserer!“ und ich stimme ihr zu. Da wir die große total pampig und motzt rum dass sie jawohl nur ein Stück von den anderen will und dass es voll unfair ist dass die beiden nicht mit ihr teilen. Und das ist ganz oft so, auch dass sie den kleinen Sachen wegnimmt und sie dann nicht mehr mitspielen lässt; sie teilt einfach gar nicht und wenn dann nur zu ihrem eigenen Vorteil.
    Andere Situation: sie kommt aus heiterem Himmel an und sagt sie will unter ihren Schreibtisch Schubladen. Und zwar sofort. Mein Mann erklärt dass das jetzt grad nicht geht, weil wir erstens jetzt grad nicht zu nem Möbelladen fahren können/wollen und zweitens wir bald umziehen und da vorher nicht noch unnötig viel anschaffen wollen was wir dann wieder umziehen müssen. Und sie motzt weiter und will aber JETZT so ein schubladending und lässt sich halt überhaupt nicht auf Alternativen oder Erklärungen ein. Und auch das häuft sich immer mehr, sie will ständig was haben. Wenn ich einem Kind ne neue matschhose kaufe weil es eine neue braucht, kriegt sie nen Anfall weil sie nicht auch was bekommt. Und dabei bin ich eigentlich fair, ich Nähe für die Kinder abwechselnd Sachen, ich nehme die große mit zu Flohmärkten wo sie auch selbst gucken kann und niemand kommt zu kurz.
    Ich kann verstehen dass es für sie nicht immer so leicht war: ihre erste Schwester ist gestorben kurz nach der Geburt, nun hat sie noch drei kleine Geschwister wo sie auch mal Rücksicht nehmen muss und im Frühling ist auch noch ihre liebste Oma viel zu früh gestorben. Zudem ziehen wir bald das dritte mal in ihrem Leben um (aber das ist eine Verbesserung auch in ihren Augen weil wir ganz in die Nähe meiner Familie ziehen, also zu der anderen Oma, den Cousinen und tanten usw).
    Andererseits bin ich IMMER für sie da, weil ich dank Elternzeit nicht arbeite und auch wenn ich zwischendurch gearbeitet hab, war ich zuhause als Tagesmutter. Der Papa arbeitet nur den halben Tag und ist somit auch Mega viel da. Eigentlich sogar immer, weil sie morgens ja in der Schule ist.

    Ich weiß einfach nicht mehr wie ich reagieren soll. Mein Mann sagt, dass die 4-jährige zb sich auch wehren muss und sich nicht immer alles wegnehmen lassen soll, aber das find ich auch gemein, nur weil sie ein sehr gutmütiger mensch ist, lässt sie sich halt alles gefallen und ist dann aber auch traurig. Ich Versuch mit ihr zu reden und ihr zu erklären dass es einen nicht weiterbringt nur an sich zu denken, aber nicht mal im direkten Anschluss an solche Gespräche Merk ich ne Veränderung. In der Schule ist sie wohl gar nicht so laut Lehrerin. Hilfsbereit, sozial, lieb... warum dann hier? Warum so arg? Bin ich etwas verzweifelt.
    Wer es bis hierher geschafft hat: Danke fürs durchlesen, bin gespannt auf antworten
    Mein erster Gedanke war, dass ich mich erinnert fühle an ähnliche Schilderungen aus meiner Umgebung.

    Ich finde auffällig, wie oft vom egoistischen Verhalten von Kindern, oft älteren in der Geschwisterfolge geredet wird...

    Kann es nicht einfach sein, dass sie damit um etwas kämpft, nicht eigentlich um die Sache wie den Käse oder Ähnliches, sondern eher gegen die eigene Angst?

    Sieben Jahre ist noch verflixt klein, um die Große zu sein. Vernünftig zu sein, einzusehen, dass man auf die kleineren Rücksicht nehmen muss, zu akzeptieren, dass man "entthront" wurde...

    Ich glaube, da reicht ein "gerechtes Aufteilen" manchmal nicht. Da brauchen die ältesten Kinder eventuell tatsächlich mal mehr Aufmerksamkeit usw als es "gerecht" wäre.

    Ich kann nur meinen Eindruck schildern, ich bin selbst die Jüngste, mein Sohn Einzelkind. Aber ich glaube, um dieses Gefühl beim Ältesten "doch irgendwie zu kurz zu kommen" zu bekämpfen, braucht es keine Vorwürfe a la Egoismus, sondern eher sehr viel besondere Aufmerksamkeit und die ständige Versicherung, dass sie als Älteste zB schon mehr kann oder darf.
    Im Übrigen ist Gerechtigkeit in meinen Augen nicht hundertprozentig möglich. Zumal Gerichtigkeit nicht bedeuten muss, dass jedes Geschwisterkind dieselben Dinge bekommt, sondern eher, dass jedes Kind bekommt, was es brauch, vor allem auch emotional. Und sie hat da offensichtlich ein Bedürfnis... Welches, könnt nur ihr als Eltern herausfinden.
    Vor allem nicht vergessen, dass sie erst sieben ist. Nicht schon sieben.
    st.paula75 gefällt dies
    Bitte Rechtschreibfehler verzeihen! Insbesondere ss wo ß hingehört, irgendwie akzeptiert meine Handytastatur diesen Buchstaben nicht. Genauso klappen ä, ö und ü nur sehr selten, warum auch immer. Wenn stattdessen a, o und u stehen wisst ihr jetzt warum.

  5. #65
    Avatar von .PMS.
    .PMS. ist offline Veteran
    Registriert seit
    06.04.2018
    Beiträge
    1.239

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Zitat Zitat von Vronli87 Beitrag anzeigen
    (...) Ich Versuch mit ihr zu reden und ihr zu erklären dass es einen nicht weiterbringt nur an sich zu denken, aber nicht mal im direkten Anschluss an solche Gespräche Merk ich ne Veränderung.(...)
    Ist das denn so, dass es einen nicht weiterbringt, nur an sich zu denken? In Sachen Ofenkaese waere das schonmal widerlegt. Und soll sie altruistisch sein, damit es sie weiterbringt? Es waere bequemer fuer alle anderen, das wohl. Ich wuerde also nicht versuchen, sie von einem Ideal zu ueberzeugen, dass selbst sie mit ihren wenigen Jahren Lebenserfahrung bereits als nicht so ganz universell gueltig beobachten kann. Das waere toll, wenn die Menschheit widerspruchslos teilen wuerde, und das auch noch ehrlichen Herzens. Wobei, wir wissens nicht....
    Ich wuerde ihren Kampf, den sie ja offenbar gegen irgendwas fuehrt, nicht als Egoismus verurteilen. Vielleicht kann man Situationen schaffen, in denen sie sich entspannen kann. Wie das gehen koennte, muss ausprobiert werden. Mehr mit anderen Kindern zusammenkommen vielleicht. Und insgesamt weniger reden, ohne wieder und wieder Ueberzeugungsversuche. Ich kann nur von mir sagen, dass ich viel zu viel gequatscht habe bei meinen Kindern, haette ich mir sparen koennen. Das Konzept Teilen ist denen mit sieben zur Genuege erklaert worden.

  6. #66
    Avatar von Zickzackkind
    Zickzackkind ist offline Legende
    Registriert seit
    01.05.2015
    Beiträge
    14.448

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Zitat Zitat von Nairobi Beitrag anzeigen
    Mein erster Gedanke war, dass ich mich erinnert fühle an ähnliche Schilderungen aus meiner Umgebung.

    Ich finde auffällig, wie oft vom egoistischen Verhalten von Kindern, oft älteren in der Geschwisterfolge geredet wird...

    Kann es nicht einfach sein, dass sie damit um etwas kämpft, nicht eigentlich um die Sache wie den Käse oder Ähnliches, sondern eher gegen die eigene Angst?

    Sieben Jahre ist noch verflixt klein, um die Große zu sein. Vernünftig zu sein, einzusehen, dass man auf die kleineren Rücksicht nehmen muss, zu akzeptieren, dass man "entthront" wurde...

    Ich glaube, da reicht ein "gerechtes Aufteilen" manchmal nicht. Da brauchen die ältesten Kinder eventuell tatsächlich mal mehr Aufmerksamkeit usw als es "gerecht" wäre.

    Ich kann nur meinen Eindruck schildern, ich bin selbst die Jüngste, mein Sohn Einzelkind. Aber ich glaube, um dieses Gefühl beim Ältesten "doch irgendwie zu kurz zu kommen" zu bekämpfen, braucht es keine Vorwürfe a la Egoismus, sondern eher sehr viel besondere Aufmerksamkeit und die ständige Versicherung, dass sie als Älteste zB schon mehr kann oder darf.
    Im Übrigen ist Gerechtigkeit in meinen Augen nicht hundertprozentig möglich. Zumal Gerichtigkeit nicht bedeuten muss, dass jedes Geschwisterkind dieselben Dinge bekommt, sondern eher, dass jedes Kind bekommt, was es brauch, vor allem auch emotional. Und sie hat da offensichtlich ein Bedürfnis... Welches, könnt nur ihr als Eltern herausfinden.
    Vor allem nicht vergessen, dass sie erst sieben ist. Nicht schon sieben.
    Das mit dem Alter sehe ich genauso - bei uns ist es die Jüngste (6) und bei ihr fängt es gerade ein bisschen an, dass sie Sachen verschenkt, verleiht. Das war bei den anderen Dreien selbstverständlicher, da sie aber durch ihre Krankheit verwöhnt und ständig beschenkt wurde, ist sie durch ihre Geschichte anders. 7 ist noch klein und gerade beim Ältesten habe ich oft gedacht, dass ich ihn immer wieder ganz schön überfordert habe.

    Geholfen hat, dass ich auf die Extrawünsche gelassen reagiert habe und bei einem festen Nein geblieben bin, ohne viel zu diskutieren und zu begründen. Auf der anderen Seite habe ich sie darauf aufmerksam gemacht, wie sie sich über Geschenke freut und dass andere auch gerne geben, wenn sie immer wieder etwas bekommen.
    An Deiner Stelle würde ich mit ihr reden, dass Du merkst, dass sie viel zurückstecken, funktionieren und teilen muss (auch die Mama) und wenn möglich bewusste und geplante Exklusivzeiten einbauen. Abends ins Bett bringen ist schon mal gut. Geht sie als letzte ins Bett, liest Du ihr da zum Beispiel vorher noch vor, oder spielst etwas mit ihr? Oder ich würde einmal im Monat oder alle zwei Monate eine Aktion mit ihr alleine planen und wenn es nur gemeinsam für eine Stunde in die Bücherei gehen o.ä. Ich denke wenige aber bewusste Mama-Kind Aktionen kommen besser an, als mal hier mal dort, weil es so passt und geschickt ist. Im Gegenzug würde ich aber auch Grenzen setzen und ihr bei solchem Theater sagen, dass ihr Euch wirklich bemüht sie zu sehen, dass aber auch ihre Geschwister da sind und ihre Rechte haben. Weiter diskutieren würde ich nicht, aber versuchen bei schon kleinen Ansätze zum Teilen, Verschenken, Sich-Zurücknehmen rückzumelden, dass Du ihre Bemühungen siehst und Dich darüber freust.
    99/02/07/13

  7. #67
    Avatar von Vronli87
    Vronli87 ist offline Hopeless Drifter
    Registriert seit
    26.10.2011
    Beiträge
    6.572

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Wow, ehrlich, vielen Dank für die ganzen Antworten und den Input. Und ihr habt natürlich absolut recht, sie ist zwar die Große, aber eben auch erst sieben. Das war wichtig, dass mir das jemand mal gesagt hat. Sie wirkt in vielen Sachen schon so reif und dadurch sind meine Erwartungen an sie was das Verständnis angeht einfach höher als es vermutlich gut ist.
    Ein paar Dinge hatten wir natürlich auch auf dem Schirm. So war es zb so dass sie eigentlich immer ein Zimmer mit der Schwester geteilt hat, als sie letztes Jahr zur Schule kam wollte sie aber ein eigenes. Das haben wir dann vor einem halben Jahr umgesetzt, damit sie einfach Raum für sich hat. Sie spielt auch tatsächlich viel mit ihren Geschwistern und auch viel mit der Schwester allein, weil der kleinere einfach noch nicht viel spricht, oft mal was kaputt macht und im „trauten“ mädchenspiel manchmal stört. Also dass da so eine Lücke klafft, find ich eigentlich nicht.
    Bis letzte Woche hat sie Klavierunterricht genommen, da ist einer von uns immer allein mit ihr hingefahren. Mussten wir jetzt wegen dem Umzug kündigen, aber es hat ihr eh keinen Spaß gemacht. Wir testen das im neuen Umfeld dann nochmal.
    Naja, auf jeden Fall werden wir zusehen, dass wir uns mehr Zeit nehmen. Weniger diskutieren.
    Ich würd gern viel ausführlicher antworten, aber ich bin sehr geschafft vom Wochenende und krieg meine Gedanken nicht mehr so richtig zusammen. Ich nehm mir aber jede einzelne Antwort zu Herzen
    Alina73 und Zickzackkind gefällt dies.
    L. (6/12), ★F. (✱06/14† ), N. (5/15),
    ★(7/16), O. (07/17), M. (6/19)



  8. #68
    Avatar von FrauDirektorPogge
    FrauDirektorPogge ist offline hybridwahnsinnig
    Registriert seit
    28.10.2010
    Beiträge
    17.996

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Zitat Zitat von Alina73 Beitrag anzeigen
    Meine Tochter war lange Zeit so, wie du das beschreibst. Und damit hatte ich auch einige Zeit ziemliche Schwierigkeiten. Ich hatte immer das Gefühl- egal was ich mache und egal wie sehr ich mich bemühe- ich kann sie einfach nie zufrieden stellen. Sie war als Baby ein Schreikind und brüllte sogar während dem Stillen. Ich war da teilweise echt verzweifelt. Und als sie größer wurde auch immer mehr genervt von ihr, weil ich sie so extrem fordernd und nach meinem Empfinden unzufrieden war- trotz aller Mühe die ich mir gab.

    Irgendwann stellte ich fest, dass ihre Art eigentlich gar nicht so das Problem war, sondern meine Art damit umzugehen. Ich war nämlich jedesmal total getriggert von ihr, wenn es wieder zu einer solchen Situation kam und reagierte eigentlich wie sie- nämlich drüber. Ich hab dann angefangen, ihr diesen Frust zu lassen und hab aufgehört ihr permanent zu erklären, dass sie nicht kürzer kommt, sie hat was sie braucht, sie sich da unschön verhält,...

    Beispiel: Ich hab dann nicht endlos erklärt, warum sie das jetzt nicht bekommt und warum ich es blöd finde, wie sie da drauf reagiert, sondern ich hab gesagt- ja, ich verstehe deinen Frust, du willst das jetzt gerne haben, aber ich kann dieses Teil jetzt nicht kaufen, weil nicht genug Geld oder was auch immer dafür vorhanden ist (nur ein Beispiel).

    Ich hab ihr das quasi einfach gelassen, dass sie sauer auf mich sein kann und frustriert, weil ich dem jetzt nicht nachgehen kann (das geht halt auch nicht immer). Und je öfter mir das gelungen ist, umso weniger wurde dieses extreme Verhalten bei ihr- ich denke einfach weil ich aufgehört habe sie da ändern zu wollen und sie so genommen habe, wie sie ist. Das war ja nur eine Seite von ihr, der ich da unheimlich viel "Gewicht" verliehen habe.

    Ich weiß nicht, ob ich das jetzt einigermaßen verständlich rüberbringen konnte. Ich hoffe es.
    Ein sehr guter Denkanstoß - auch für mich gerade!
    Zickzackkind gefällt dies







    Meine Texte, meine Bilder!

  9. #69
    Kutzle ist offline addict
    Registriert seit
    19.05.2019
    Beiträge
    471

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Zitat Zitat von Vronli87 Beitrag anzeigen
    Ich hab lang überlegt ob ich mir hier mal „hilfe“ bzw neue Denkansätze hole... es geht um unsere älteste Tochter. Sie ist unglaublich egoistisch und materialistisch und ich weiß überhaupt nicht wie ich damit umgehen soll. Mein Mann und ich sind überhaupt nicht so, wir kommen/kamen immer mit wenig gut klar, kaufen (auch aus Umweltbewusstseinsgründen) gerne mal gebraucht, gönnen uns aber hin und wieder mal was. Diese Handelsweise versuchen wir auch unseren Kindern beizubringen. Aber bei der großen funktioniert das nicht. Sie kann eigentlich nichts mit ihren Geschwistern teilen. Beispiel: es gibt zwei ofenkäse für drei Kinder. Die große nimmt sich einen ganzen auf ihren Teller und sagt sie ist die größte, sie kriegt einen allein. Die beiden kleinen geben sich damit zufrieden und teilen sich ihren relativ harmonisch. Die große hat derweil den knusprigen Käse bei sich inhaliert und will sich dann was von den kleinen klauen. Die kleine sagt „hey, du hast einen eigenen, das ist jetzt unserer!“ und ich stimme ihr zu. Da wir die große total pampig und motzt rum dass sie jawohl nur ein Stück von den anderen will und dass es voll unfair ist dass die beiden nicht mit ihr teilen. Und das ist ganz oft so, auch dass sie den kleinen Sachen wegnimmt und sie dann nicht mehr mitspielen lässt; sie teilt einfach gar nicht und wenn dann nur zu ihrem eigenen Vorteil.
    Andere Situation: sie kommt aus heiterem Himmel an und sagt sie will unter ihren Schreibtisch Schubladen. Und zwar sofort. Mein Mann erklärt dass das jetzt grad nicht geht, weil wir erstens jetzt grad nicht zu nem Möbelladen fahren können/wollen und zweitens wir bald umziehen und da vorher nicht noch unnötig viel anschaffen wollen was wir dann wieder umziehen müssen. Und sie motzt weiter und will aber JETZT so ein schubladending und lässt sich halt überhaupt nicht auf Alternativen oder Erklärungen ein. Und auch das häuft sich immer mehr, sie will ständig was haben. Wenn ich einem Kind ne neue matschhose kaufe weil es eine neue braucht, kriegt sie nen Anfall weil sie nicht auch was bekommt. Und dabei bin ich eigentlich fair, ich Nähe für die Kinder abwechselnd Sachen, ich nehme die große mit zu Flohmärkten wo sie auch selbst gucken kann und niemand kommt zu kurz.
    Ich kann verstehen dass es für sie nicht immer so leicht war: ihre erste Schwester ist gestorben kurz nach der Geburt, nun hat sie noch drei kleine Geschwister wo sie auch mal Rücksicht nehmen muss und im Frühling ist auch noch ihre liebste Oma viel zu früh gestorben. Zudem ziehen wir bald das dritte mal in ihrem Leben um (aber das ist eine Verbesserung auch in ihren Augen weil wir ganz in die Nähe meiner Familie ziehen, also zu der anderen Oma, den Cousinen und tanten usw).
    Andererseits bin ich IMMER für sie da, weil ich dank Elternzeit nicht arbeite und auch wenn ich zwischendurch gearbeitet hab, war ich zuhause als Tagesmutter. Der Papa arbeitet nur den halben Tag und ist somit auch Mega viel da. Eigentlich sogar immer, weil sie morgens ja in der Schule ist.

    Ich weiß einfach nicht mehr wie ich reagieren soll. Mein Mann sagt, dass die 4-jährige zb sich auch wehren muss und sich nicht immer alles wegnehmen lassen soll, aber das find ich auch gemein, nur weil sie ein sehr gutmütiger mensch ist, lässt sie sich halt alles gefallen und ist dann aber auch traurig. Ich Versuch mit ihr zu reden und ihr zu erklären dass es einen nicht weiterbringt nur an sich zu denken, aber nicht mal im direkten Anschluss an solche Gespräche Merk ich ne Veränderung. In der Schule ist sie wohl gar nicht so laut Lehrerin. Hilfsbereit, sozial, lieb... warum dann hier? Warum so arg? Bin ich etwas verzweifelt.
    Wer es bis hierher geschafft hat: Danke fürs durchlesen, bin gespannt auf antworten
    Bitte beachte, ich kenne euch nicht und kann nur auf das reagieren, was ich lese.

    Es wirkt auf mich so, als ob du auf der Seite der Kleinen stündest. Die kommen eher nach euch, die Siebenjährige ist da ganz anders. So egoistisch. Und dann gibst du den Kleinen Recht, sie müssen nicht teilen. Ergreifst Partei. Das ist aus meiner Sicht auch richtig so. Es kann aber sein, dass das sehr häufig passiert und sich die Siebenjährige momentan ausgegrenzt fühlt.

    Ich weiss, wie weh es tut, von der Mama als egoistisch bezeichnet zu werden. Und wenn die Mama auf der Seite der Kleinen steht. Dann bekommt man noch mit, dass die Mama die anderen als lieb, nett, gutmütig und hilfsbereit (...) findet und man selbst diejenige ist, mit der Mama einfach nicht klar kommt. Ich fühlte mich nicht akzeptiert und liess das an meinen Geschwistern aus. Möglicherweise fühlt sich deine Kleine auch gerade nicht akzeptiert und äussert das so.

    (Das erklärt vielleicht auch, warum auf mich dein Text so wirkt, das hat etwas getriggert. Aber vielleicht gibt es dir einen zusätzlichen Hinweis, was zurzeit bei euch nicht passt. Ich hoffe es zumindest. :) )
    Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, daß er hineinschlüpfen kann - nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.
    Max Frisch

  10. #70
    Quantensprung ist offline newbie
    Registriert seit
    03.02.2019
    Beiträge
    34

    Standard Re: 7-jährige ist so egoistisch

    Hallo Vronli87,
    ich möchte auch kurz meinen Senf dazugeben. Zunächst möchte ich noch einen Post hervorheben diesen Gedanken fand ich ziemlich schlau:
    Zitat Zitat von Toffi Beitrag anzeigen
    ... Vielleicht kann man das ein bißchen lockern, indem man das Verhältnis zum nächst jüngeren Geschwister festigt, gemeinsame Erlebnisse schafft. Also vielleicht die Kleinen mal zu Oma und Opa bringen und nur mir den zwei ältesten etwas unternehmen?
    Wenn man die Große häufiger nur alleine zu einer Veranstaltung mitnimmt (was ab und zu sicher auch gut ist), verfestigt das vielleicht zusätzlich noch das Gefühl „ich hier, die anderen dort“. ...
    Dazu möchte ich ergänzen, dass sie die einzige ist, die in die Schule geht. Allein dadurch hat sie eine Sonderstellung und die Geschwister viel mehr Zeit miteinander.

    Ansonsten habe ich bei meinem vierjährigen die Erfahrung gemacht, dass viel diskutieren, erklären, ... einfach nichts bring. Ein klares "Nein", oder "So geht es nicht." akzeptiert er viel besser. Wenn man Anfängt zu diskutieren, erkennt er die Chance mit Argumenten etwas zu verändern und ist dann noch mehr frustriert, wenn er sich nicht durchsetzten kann. Bei meinem großen läuft vieles deutlich besser, seit ich viel klarer Grenzen setze. Auch in der Schule sind die Grenzen oft viel klarer als zu Hause. Vielleicht braucht sie das einfach?
    Außerdem testen Kinder gerne Grenzen aus. Wenn deine Tochter sowieso schon mehr bekommt, kann sie ja versuchen ob sie nicht noch ein bisschen mehr kriegt. Hast du mal versucht den Käse fair zu teilen und wenn die kleinen etwas übrig lassen, darf sie die Reste haben?

    Zum Thema Umzug: Du schreibst, dass es eine Verbesserung sei, weil ihr näher zur Oma und deiner Familie zieht. Das kann deine Tochter anders sehen. Sicher freut sie sich darauf näher bei der Oma zu sein, aber sie verliert auch ihre Freunde an der Schule. Der Umzug ist also nicht nur positiv.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •