Seite 3 von 8 ErsteErste 12345 ... LetzteLetzte
Ergebnis 21 bis 30 von 73
Like Tree41gefällt dies

Thema: Heute vor 30 Jahren

  1. #21
    Avatar von phina
    phina ist offline Glückskeks
    Registriert seit
    27.02.2011
    Beiträge
    13.988

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Ich kann mich nicht an viel erinnern, auch wenn ich schon zwölf war. Ein paar Bilder und Gefühle.
    Aber die zeitliche Einordnung fällt mir schwer.

    Im TV habe ich Bilder vom Brandenburger Tor gesehen und wie Menschen da auf der Mauer geklettert sind, so viele Menschen.
    Ich weiß noch, dass ich meine Mutter angerufen habe, die war in der Kneipe, und ihr erzählt habe, was ich grad sehe, was da gerade passiert. Das war für mich bewegend und mir war die historische Bedeutung schon bewusst.

    Aber an mehr erinnere ich mich an dem Tag auch nicht.

    Wir hatten Verwandtschaft aus der ehemaligen DDR die im Sommer vorher geflüchtet zT bei uns waren und Angst hatten.
    VG
    phina



  2. #22
    Avatar von papillon
    papillon ist offline Poweruser
    Registriert seit
    13.06.2002
    Beiträge
    6.601

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Ich war damals in den USA, hab im Rahmen eines Austauschprogramms in Kalifornien studiert. Ich saß den ganzen Tag vorm Fernseher meines Wohnungskollegens und hab CNN geschaut - da sah man immer wieder die gleichen Bilder, trotzdem konnt ich mich nicht losreißen. Ich konnte das gar nicht fassen, hatte immer wieder Tränen in den Augen.
    Ich war als 14jähriges Mädchen mit meinen Eltern in der DDR gewesen, Freunde von ihnen besuchen, und erlebte diese Fahrt als sehr beklemmend. Dass da auf einmal alle Grenzen offen waren - für mich war das unglaublich.

    Lg,
    papillon

  3. #23
    Registriert seit
    19.09.2018
    Beiträge
    107

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Ich machte damals Abi, wohnte in Grenznähe zu West-Berlin und ging dort auch zur Schule.

    Es war Donnerstag. Bei uns war an dem Abend große Schulparty/Schuldisco in einer Gaststätte. Der Wirt hatte nebenbei das Radio laufen. Gegen 21.00 Uhr war plötzlich die Musik aus und das Radio wurde lauter gemacht. Gebanntes Zuhören von ca. 100 11- und 12-Klässlern. Große Stille im Raum. Dann die ersten Jubelschreie. Viele überlegten, ob sie sich direkt aufs Fahrrad setzen und losfahren sollten. Die Grenze war nicht weit weg. Dann wäre die Party zu Ende gewesen.

    Nach kurzer Diskussion beschlossen die meisten, jetzt erst mal richtig weiterzufeiern und später "rüber" zu fahren.

    Viele warfen am Morgen nach Partyende ihre Eltern zu Hause aus dem Bett und fuhren direkt nach West-Berlin, andere holten nur ihre Schulsachen und gingen zu Schule. In der Schule hingen sämtliche Klassen nur vor den Fernsehern - an Unterricht war nicht zu denken. Die meisten, die am Freitag in der Schule waren, fuhren nach dem Unterricht direkt "rüber".

    Ich hatte mir morgens die Ausweise meiner Familie geschnappt und hab mich nach der Schule bei der Polizei angestellt, um das Visum reinstempeln zu lassen. Das Polizeirevier lag auf meinem Schulweg und wenn man das Visum schon hatte, dann musste man an der Grenze nicht so lange warten

    Ich selbst bin dann am Samstag direkt nach der Schule (Für die Jüngeren: In der DDR wir mussten damals auch Samstags in die Schule gehen ) mit Freunden das erste mal in den Westen gefahren. Uns hat direkt hinter dem Grenzübergang ein netter Westberliner im Auto mitgenommen und direkt nach Steglitz vor die Bank gefahren. Nach nur 15 Minuten Schlange stehen hatte ich 100 West-Mark in der Hand. Das erste Westgeld, was je in der Hand hatte.

    Wir sind dann völlig geflasht durchs nachmittägliche und abendliche Berlin gezogen - Steglitz, Ku`Damm, Bahnhof Zoo, Straße d. 17. Juni, Brandenburger Tor, U-Bahn und Doppeldeckerbus fahren... Das war irgendwie völlig surreal, da zwischen den ganzen bunten Leuchtreklamen und in diesen riesigen, übervollen Kaufhäusern überhaupt auf den Straßen herumzulaufen, die man zuvor nur aus dem Schwarz-Weiß-Fernsehen kannte und die noch Tage zuvor unerreichbar schienen.

    Wir hatten ausnahmslos angenehme Begegnungen mit den "Einheimischen" jeder Altersklasse, uns wurden Snacks und Getränke angeboten und wir haben uns richtig nett unterhalten. Irgendwann in der Nacht kam ich dann völlig platt mit einer Orange, 3 Kiwis, 2 Äpfeln und meinen 100 Westmark im Gepäck nach Hause - und schlief 20 Stunden durch
    papillon, Fimbrethil, xantippe und 7 anderen gefällt dies.

  4. #24
    Avatar von lucillaminor
    lucillaminor ist offline Bücherwurm
    Registriert seit
    18.11.2008
    Beiträge
    70.747

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Ich war 11 und habe das damals gar nicht so richtig erfasst - im tiefen Südwesten, ohne Verwandtschaft im Osten, kannte ich die Tatsache der "zwei Deutschlands" eigentlich nur aus der Sportberichterstattung. Aber dass es was Großartiges war, das hab ich verstanden.

    Meine Schwester war 15 damals und konnte überhaupt nicht fassen, dass wir nicht ins Auto gestiegen und nach Berlin gefahren sind
    Alles außer Familie, Freunden und Nähen wird gnadenlos überschätzt.





    Immer in der Hosentasche: Wingst und Waffles und die Mädels aus dem Hibbeln-light






  5. #25
    Avatar von Lui
    Lui
    Lui ist offline Regels sind Regels
    Registriert seit
    01.01.2016
    Beiträge
    26.579

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Sylta Beitrag anzeigen
    ich häng mich mal hier dran

    wo ich an dem Geschichtsträchtigen Tag war , weiß ich nicht mehr

    ich weiß aber, dass ich eine sehr gute Freundin ohne den Mauerfall nie kennengelernt hätte
    Ich hätte ein komplett anderes Leben. Mein Mann auch . Er war im Oktober gezogen geworden. Die Grundausbildung (=keine Heimfahren ) lag noch vor ihm und er war schon zweimal väterlich zur Seite genommen worden, er möge die Klappe halten, sonst sei er Weihnachten in Schwedt.

  6. #26
    Avatar von Foxlady
    Foxlady ist offline Urgestein
    Registriert seit
    01.11.2006
    Beiträge
    92.212

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    An dem Abend lief in Hintergrund die aktuelle Kamera (ich hatte vergessen nach dem Sandmann umzuschalten) während ich Kind 1 ins Bett brachte. Kind2 schlief schon. ich nahm es mit halbem Ohr wahr, dachte noch "Hä? Was faselt der da verwirrt?" und wandte mich dem Kind zu. Machte noch Ordnung und ging auch ins Bett. Und am nächsten Morgen, als ich die Bilder im Frühstücksfernsehen sah staunte ich nicht schlecht. War fassungslos und musste erstmal sitzen bleiben und gebannt schauen. Kurz darauf rief mein Bruder an. Er war grad zurück, hatte die Nacht auf dem Ku'damm und im Big Eden verbracht. Ihn erreichte die Nachricht noch auf der Arbeit in der Friedrichstraße und ist mit vielen Kollegen gemeinsam gleich mal rüber.

    Ich bin dann zur Arbeit. Und mir kamen Eltern fröhlich entgegen. Sie würden heute nicht kommen und erstmal rüber gehen.

    Ehrlich gesagt war das ein ganz beschissenees Gefühl. Es war die Zeit wo eh schon Nachbarn, Kollegen, Bekannte über Ungarn oder Prag weg sind. das war merklich. Leute, die einfach weg waren. und nun gingen die Menschen in Massen. OB es so bleiben wird, ob sie nicht doch wieder die Grenze zu machen war nicht klar. Man schaute zu wie es leer wurde.

    Ich selbst war mit Mann und Kindern ( 1 1/2 und grad 6) sind erst am Samstag (9.11. war Donnerstag) zur Familie nach Berlin West rüber. Stundenlang standen wir in einer endlosen Schlange an der Friedrichsstraße. Übergang der heutige Tränenpalast. Und ich kann berichten, dass die Menschen aufgeregt waren. Es war eine Mischung auf Vorfreude und Unsicherheit. Komme ich durch? Machen die vor mir zu? Komme ich wieder zurück? Was wenn nicht? Als ich die Grenzkontrolle passierte hatte, ERST DA habe ich dran geglaubt, dass man rüber kommt.


    Vor 5 Jahren, zum 25. war ich live dabei als die Lichterballons an der Grenze im Dominoeffekt in den Himmel stiegen.

    Heute wollte ich mir eigentlich auch den Teppich der guten Wünsche live ansehen. Aber bis vorhin hat es geregnet und meine Füße sind vom Shoppen platt. Also gucke ich das heute mal am TV.
    viola5 gefällt dies




  7. #27
    Alina73 ist offline Legende
    Registriert seit
    03.03.2008
    Beiträge
    13.032

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Sire Beitrag anzeigen
    habe ich Koffer gepackt und saß dann abends alleine vor dem Farb-TV.
    Mein Mann war noch draußen, hat das Auto fertig gemacht (Wartburg mit Anhänger).
    Wir sind nämlich am nächsten Morgen ganz früh an die Ostsee gefahren (alle fuhren damals in die andere Richtung).
    Dort bin ich dann ganze 3 Wochen mit meiner Schwägerin zusammen mit unseren Muco-Kindern geblieben.

    Wir haben die ganze Aufregung auf einem kleinen schwarz-weiß-Junost-TV verfolgt, oder eben ab an an am Telefon (Telefonzelle).
    Ansonsten hatten wir eine entspannte Zeit mit unseren 2jährigen Jungs.

    Mir ist erst später aufgefallen, dass ich immer recht nah an der Grenze gelebt habe, wirklich nur einen Katzensprung.

    Die Zeit vor der Grenzöffnung war eine aufregende Zeit. Auch wir sind hier in unserer Stadt auf die Straße. Und ich hatte damals Angst, aber wir hatten Mut...

    Wollte ich nur mal erzählen...
    Ich war 15 damals und fand das alles total faszinierend, was da passiert ist. Wir hatten kurz nach dem Mauerfall Abschlußfahrt in Berlin - ich hab die Stadt noch mit der Mauer gesehen quasi. Seitdem war ich ein paar mal dort (ich liebe Berlin) und es ist einfach irre, wie sich diese Stadt entwickelt hat und wie schnell man sich gar nicht mehr vorstellen konnte, dass es diese Mauer quer durch die Stadt gegeben hat. Für mich lief das quasi wie im Zeitraffer Ich hab mich einfach irre gefreut für die Menschen, dass sie raus durften. Meine Mutter hat bis zuletzt nicht dran geglaubt, dass das wirklich passiert (sie war eine vertriebene Sudetendeutsche). Sie hat das kaum fassen können damals, freute sich zwar sehr, aber hatte auch Angst, was da noch alles kommt. Einfach weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass die Mauer "einfach" fällt. Ich war da ja noch wesentlich naiver.

  8. #28
    Avatar von steph1975
    steph1975 ist offline Legende
    Registriert seit
    21.05.2008
    Beiträge
    10.238

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Sire Beitrag anzeigen
    habe ich Koffer gepackt und saß dann abends alleine vor dem Farb-TV.
    Mein Mann war noch draußen, hat das Auto fertig gemacht (Wartburg mit Anhänger).
    Wir sind nämlich am nächsten Morgen ganz früh an die Ostsee gefahren (alle fuhren damals in die andere Richtung).
    Dort bin ich dann ganze 3 Wochen mit meiner Schwägerin zusammen mit unseren Muco-Kindern geblieben.

    Wir haben die ganze Aufregung auf einem kleinen schwarz-weiß-Junost-TV verfolgt, oder eben ab an an am Telefon (Telefonzelle).
    Ansonsten hatten wir eine entspannte Zeit mit unseren 2jährigen Jungs.

    Mir ist erst später aufgefallen, dass ich immer recht nah an der Grenze gelebt habe, wirklich nur einen Katzensprung.

    Die Zeit vor der Grenzöffnung war eine aufregende Zeit. Auch wir sind hier in unserer Stadt auf die Straße. Und ich hatte damals Angst, aber wir hatten Mut...

    Wollte ich nur mal erzählen...
    Bei uns lief tagsüber nie Radio oder Fernsehen. Mein Vater kam abends um 7 vom Geschäft nach Hause und ich kann mich noch sehr gut an seinen fassungslosen Blick erinnern, er hat meiner Mutter gar nicht guten Tag gesagt sondern nur gestammelt:" Mach den Fernseher an, die Mauer ist offen" und saß danach vorm Fernseher und Tränen liefen ihm übers Gesicht. (Er war zum Bau der Mauer in Berlin und sein Cousin wohnt in Plauen)
    Einige Zeit später waren wir bei meinen Großeltern und haben eine Tour Richtung Grenze gemacht und er hatte viel Spaß daran auf der Landstraße immer wieder über die Grenze und zurück zu fahren (wobei, wenn ich darüber nachdenke, muss das eigentlich nach der Wiedervereinigung gewesen sein, da war nämlich überhaupt keine Spur mehr von einer Grenze)

  9. #29
    Nairobi ist offline oder auch Sambesi
    Registriert seit
    15.09.2019
    Beiträge
    333

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Sire Beitrag anzeigen
    habe ich Koffer gepackt und saß dann abends alleine vor dem Farb-TV.
    Mein Mann war noch draußen, hat das Auto fertig gemacht (Wartburg mit Anhänger).
    Wir sind nämlich am nächsten Morgen ganz früh an die Ostsee gefahren (alle fuhren damals in die andere Richtung).
    Dort bin ich dann ganze 3 Wochen mit meiner Schwägerin zusammen mit unseren Muco-Kindern geblieben.

    Wir haben die ganze Aufregung auf einem kleinen schwarz-weiß-Junost-TV verfolgt, oder eben ab an an am Telefon (Telefonzelle).
    Ansonsten hatten wir eine entspannte Zeit mit unseren 2jährigen Jungs.

    Mir ist erst später aufgefallen, dass ich immer recht nah an der Grenze gelebt habe, wirklich nur einen Katzensprung.

    Die Zeit vor der Grenzöffnung war eine aufregende Zeit. Auch wir sind hier in unserer Stadt auf die Straße. Und ich hatte damals Angst, aber wir hatten Mut...

    Wollte ich nur mal erzählen...
    Hallo,
    ich war dreizehn, habe in NRW gelebt. Ich habe heulend vor dem Fernseher gesessen, konnte nicht fassen was ich sah. Mein Vater hatte am selben Tag einen fast tödlichen Schlaganfall, lag auf der Intensivstation... Und ich war sauer, völlig durcheinander, weil ich nicht nach Berlin durfte (ich habe wirklich darum gebettet) und Angst um meinen Vater...
    Der neunte November ist ein unglaublich heftiges Datum für mich.
    Ich glaube, ich habe tatsächlich schon kapiert, was das für ein Wunder war.
    Wenig später bin ich dann jährlich mehrfach in Berlin gewesen und konnte nicht fassen, dass ich einfach so überallhin konnte, daß alle frei waren... und die Mauer einfach weg war.

    Sobald ich 18 war, bin ich nach Berlin gezogen.

    Mein Kind gäbe es nicht, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Als die Mauer fiel saß sein Vater in Dresden mit seiner damaligen Frau und den 9 und 13jahrigen Töchtern (ja, seine Älteste ist so alt wie ich...) und konnte genauso wenig fassen, was da geschah.

    Ohne den Mauerfall hätten wir uns nie getroffen!

    Ich kann bis heute "Wind of Change" nicht hören oder Bilder von damals sehen ohne das mir die Tränen kommen.

    Da ist einem Geschichte auf einmal sehr, sehr nahe.
    Bitte Rechtschreibfehler verzeihen! Insbesondere ss wo ß hingehört, irgendwie akzeptiert meine Handytastatur diesen Buchstaben nicht. Genauso klappen ä, ö und ü nur sehr selten, warum auch immer. Wenn stattdessen a, o und u stehen wisst ihr jetzt warum.

  10. #30
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn
    Registriert seit
    04.03.2008
    Beiträge
    34.883

    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Mein Kind singt heute in der Leipziger Nikolaikirche - auf koreanisch für die Einheit Koreas.
    Die hoffen auf ein ähnliches Wunder.
    xantippe, Foxlady, Stulle und 4 anderen gefällt dies.
    Silm

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •