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Thema: Heute vor 30 Jahren

  1. #1
    Avatar von Sire
    Sire ist offline ErElerin im Hintergrund
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    Standard Heute vor 30 Jahren

    habe ich Koffer gepackt und saß dann abends alleine vor dem Farb-TV.
    Mein Mann war noch draußen, hat das Auto fertig gemacht (Wartburg mit Anhänger).
    Wir sind nämlich am nächsten Morgen ganz früh an die Ostsee gefahren (alle fuhren damals in die andere Richtung).
    Dort bin ich dann ganze 3 Wochen mit meiner Schwägerin zusammen mit unseren Muco-Kindern geblieben.

    Wir haben die ganze Aufregung auf einem kleinen schwarz-weiß-Junost-TV verfolgt, oder eben ab an an am Telefon (Telefonzelle).
    Ansonsten hatten wir eine entspannte Zeit mit unseren 2jährigen Jungs.

    Mir ist erst später aufgefallen, dass ich immer recht nah an der Grenze gelebt habe, wirklich nur einen Katzensprung.

    Die Zeit vor der Grenzöffnung war eine aufregende Zeit. Auch wir sind hier in unserer Stadt auf die Straße. Und ich hatte damals Angst, aber wir hatten Mut...

    Wollte ich nur mal erzählen...
    Gruß Sire

    Lieblingsspruch vom großen Sohn:
    "Wenn das die Lösung ist, da hätte ich gerne das Problem zurück!"

    http://www.animaatjes.de/mini-bilder/mini-bilder/verkehr/TR10Car03.gif
    ...und momentaner Lieblingsspruch vom kleinen Sohn:
    Leben: geile Grafik, Scheixx-Inhalt




  2. #2
    Avatar von Pippi27
    Pippi27 ist gerade online Bibbi siemazwanzich
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    mhh, wir saßen vor dem Fernseher und konnten es nicht glauben.

    HIer (Grenzgebiet) war ja seit Wochen schon Unruhe, die Züge aus Prag kamen an, man fürchtete einen militärischen Schlag der Sowjetunion, soviel Tagesschau habe ich selten geschaut.

    Am 10 kamen die ersten Trabis, abends rief ein Kollege (arbeitete ja damals bei der Post) bei uns an, wir sollten unser Geld nicht zur Zentralbank bringen, sondern alles da lassen, kann sein, dass wir am nächsten Tag BEgrüßungsgeld auszahlen werden.

    Früh fand ich dann das hier vor meiner Arbeitsstelle vor:





    Und so zahlten wir aus, jeder ca 10.000 DM pro Stunde. Wenn das Geld weg war, ging jemand mit einer Plastiktüte zum nahen Hertie, unterschrieb einen Wisch und kam mit der Tüte voller Geld zurück.

    Nächste Tag war ein Sonntag, wir arbeiteten trotzdem, ca 10 Stunden, meine Hand war blau vom Rückschlag des Stempels.


    Geärgert haben wir uns später, weil andere Behördenmitarbeiter (Landratsamt, Stadt, etc) groß in der Zeitung erwähnt wurden. Die haben zusammen am ganzen Tag keine 10.000 DM ausgezahlt.

    Wir bekamen auch irgendwann eine Urkunde, weiß gar nicht, ob ich die noch habe.

    Problematisch war, dass die Mittagspause nicht zum Einkauf gereicht hatte, um 18 Uhr schlossen ja damals noch die Läden.

    Innenstadt war zwar voller Geschäfte, aber die waren übervoll.

    Also fuhr man in der knappen Mittagspause in irgendeinen versteckten Dorfsupermarkt und kaufte da seinen Lebensmittelbedarf ein .

    Seltsame Zeiten.

    Vor ein paar Jahren hat uns meine Nichte als Zeitzeuge für ein Referat befragt, war ein komisches Gefühl.
    babou, tufle und tiramiau gefällt dies.

  3. #3
    Avatar von Wanda.Lismus
    Wanda.Lismus ist offline Klimakiller
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Pippi27 Beitrag anzeigen
    mhh, wir saßen vor dem Fernseher und konnten es nicht glauben.

    HIer (Grenzgebiet) war ja seit Wochen schon Unruhe, die Züge aus Prag kamen an, man fürchtete einen militärischen Schlag der Sowjetunion, soviel Tagesschau habe ich selten geschaut.

    Am 10 kamen die ersten Trabis, abends rief ein Kollege (arbeitete ja damals bei der Post) bei uns an, wir sollten unser Geld nicht zur Zentralbank bringen, sondern alles da lassen, kann sein, dass wir am nächsten Tag BEgrüßungsgeld auszahlen werden.

    Früh fand ich dann das hier vor meiner Arbeitsstelle vor:





    Und so zahlten wir aus, jeder ca 10.000 DM pro Stunde. Wenn das Geld weg war, ging jemand mit einer Plastiktüte zum nahen Hertie, unterschrieb einen Wisch und kam mit der Tüte voller Geld zurück.

    Nächste Tag war ein Sonntag, wir arbeiteten trotzdem, ca 10 Stunden, meine Hand war blau vom Rückschlag des Stempels.


    Geärgert haben wir uns später, weil andere Behördenmitarbeiter (Landratsamt, Stadt, etc) groß in der Zeitung erwähnt wurden. Die haben zusammen am ganzen Tag keine 10.000 DM ausgezahlt.

    Wir bekamen auch irgendwann eine Urkunde, weiß gar nicht, ob ich die noch habe.

    Problematisch war, dass die Mittagspause nicht zum Einkauf gereicht hatte, um 18 Uhr schlossen ja damals noch die Läden.

    Innenstadt war zwar voller Geschäfte, aber die waren übervoll.

    Also fuhr man in der knappen Mittagspause in irgendeinen versteckten Dorfsupermarkt und kaufte da seinen Lebensmittelbedarf ein .

    Seltsame Zeiten.

    Vor ein paar Jahren hat uns meine Nichte als Zeitzeuge für ein Referat befragt, war ein komisches Gefühl.
    ich weiß noch, dass meine Eltern auf dem Weg zu meinem Bruder hinter Nürnberg im aldi eingekauft haben. Die näher an der Grenze waren restlos leer.
    ich war ja in bayreuth mit logenblick auf den volksfestplatz. Überübervoll mit Trabis, in der Stadt war die Hölle los, so bin ich nach der Schule kaum noch Bummeln gegangen. Es hätte es nix gegeben. Läden leer, restlos. Irre. Und bayreuth ist ja nun wahrlich nicht direkt nach der Grenze.
    zuhause bei meinen Eltern wars eher ruhig, da gabs noch nie was. Aber Naila und Hof konnte man vergessen.

  4. #4
    Avatar von Pippi27
    Pippi27 ist gerade online Bibbi siemazwanzich
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Wanda.Lismus Beitrag anzeigen
    ich weiß noch, dass meine Eltern auf dem Weg zu meinem Bruder hinter Nürnberg im aldi eingekauft haben. Die näher an der Grenze waren restlos leer.
    ich war ja in bayreuth mit logenblick auf den volksfestplatz. Überübervoll mit Trabis, in der Stadt war die Hölle los, so bin ich nach der Schule kaum noch Bummeln gegangen. Es hätte es nix gegeben. Läden leer, restlos. Irre. Und bayreuth ist ja nun wahrlich nicht direkt nach der Grenze.
    zuhause bei meinen Eltern wars eher ruhig, da gabs noch nie was. Aber Naila und Hof konnte man vergessen.
    dir ist schon klar, dass wir uns damals bestimmt mal begegnet sind, Bayreuth ist ja ein Dorf

  5. #5
    Avatar von rosenma
    rosenma ist gerade online Legende
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Pippi27 Beitrag anzeigen
    Und so zahlten wir aus, jeder ca 10.000 DM pro Stunde. Wenn das Geld weg war, ging jemand mit einer Plastiktüte zum nahen Hertie, unterschrieb einen Wisch und kam mit der Tüte voller Geld zurück.
    Hast du mir vielleicht mein Begrüßungsgeld ausgezahlt?


    Time ist the fire in which we burn.

  6. #6
    Avatar von xantippe
    xantippe ist offline Vorsicht Zicke!
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Ich saß im tiefen BaWü gebannt vor dem Fernseher und habe geheult vor Freude. Um mich herum hat das die meisten Menschen gar nicht so sehr beschäftigt. Ich war damals aber auch sehr naiv in meinen Vorstellungen über „den Osten“ vieles wurde erst hier im Forum sehr drastisch korrigiert.
    st.paula75 und Ere-Chefwichtel gefällt dies.

  7. #7
    Avatar von Pippi27
    Pippi27 ist gerade online Bibbi siemazwanzich
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von rosenma Beitrag anzeigen

    Hast du mir vielleicht mein Begrüßungsgeld ausgezahlt?
    bestimmt

  8. #8
    Avatar von Lui
    Lui
    Lui ist offline Regels sind Regels
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Pippi27 Beitrag anzeigen
    mhh, wir saßen vor dem Fernseher und konnten es nicht glauben.

    HIer (Grenzgebiet) war ja seit Wochen schon Unruhe, die Züge aus Prag kamen an, man fürchtete einen militärischen Schlag der Sowjetunion, soviel Tagesschau habe ich selten geschaut.

    Am 10 kamen die ersten Trabis, abends rief ein Kollege (arbeitete ja damals bei der Post) bei uns an, wir sollten unser Geld nicht zur Zentralbank bringen, sondern alles da lassen, kann sein, dass wir am nächsten Tag BEgrüßungsgeld auszahlen werden.

    Früh fand ich dann das hier vor meiner Arbeitsstelle vor:





    Und so zahlten wir aus, jeder ca 10.000 DM pro Stunde. Wenn das Geld weg war, ging jemand mit einer Plastiktüte zum nahen Hertie, unterschrieb einen Wisch und kam mit der Tüte voller Geld zurück.

    Nächste Tag war ein Sonntag, wir arbeiteten trotzdem, ca 10 Stunden, meine Hand war blau vom Rückschlag des Stempels.


    Geärgert haben wir uns später, weil andere Behördenmitarbeiter (Landratsamt, Stadt, etc) groß in der Zeitung erwähnt wurden. Die haben zusammen am ganzen Tag keine 10.000 DM ausgezahlt.

    Wir bekamen auch irgendwann eine Urkunde, weiß gar nicht, ob ich die noch habe.

    Problematisch war, dass die Mittagspause nicht zum Einkauf gereicht hatte, um 18 Uhr schlossen ja damals noch die Läden.

    Innenstadt war zwar voller Geschäfte, aber die waren übervoll.

    Also fuhr man in der knappen Mittagspause in irgendeinen versteckten Dorfsupermarkt und kaufte da seinen Lebensmittelbedarf ein .

    Seltsame Zeiten.

    Vor ein paar Jahren hat uns meine Nichte als Zeitzeuge für ein Referat befragt, war ein komisches Gefühl.
    Ich hatte keinen Fernseher, nur ein Radio.
    Fr-So war ich mit Neuankömmlingen zu einem Kennenlernen und da saßen wir fasziniert vor dem Fernseher. Als wir So wiederkamen, war alles voll, alle Geschäfte auf (nur der Aldi nicht, die haben einen guten Betriebsrat) und wir haben erstmal die Türen zur Studentengemeinde aufgemacht und die Kaffee- und Keksrvorräte geplündert um einen Ort zum Ausruhen zu schaffen.

    Eigentlich war ich immer auf diesem Gehweg geradelt (glaube ich - war das das LRA?), weil ich vor der Bahnunterführung von links einbog und dann zum Main runter wollte, ohne über die Ampeln fahren zu müssen. Ging dann nicht mehr.

    Immer wieder surreal wenn ich dran denke. Die Zeit gerade dort zu erleben und ich hatte - im Gegensatz zu dir - ja keinerlei Verpflichtungen.

  9. #9
    Avatar von Lui
    Lui
    Lui ist offline Regels sind Regels
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Pippi27 Beitrag anzeigen
    dir ist schon klar, dass wir uns damals bestimmt mal begegnet sind, Bayreuth ist ja ein Dorf
    Na klar. Damals musste man ja noch bei einer realen Person Briefmarken kaufen gehen.

  10. #10
    Avatar von Pippi27
    Pippi27 ist gerade online Bibbi siemazwanzich
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    Standard Re: Heute vor 30 Jahren

    Zitat Zitat von Lui Beitrag anzeigen
    Ich hatte keinen Fernseher, nur ein Radio.
    Fr-So war ich mit Neuankömmlingen zu einem Kennenlernen und da saßen wir fasziniert vor dem Fernseher. Als wir So wiederkamen, war alles voll, alle Geschäfte auf (nur der Aldi nicht, die haben einen guten Betriebsrat) und wir haben erstmal die Türen zur Studentengemeinde aufgemacht und die Kaffee- und Keksrvorräte geplündert um einen Ort zum Ausruhen zu schaffen.

    Eigentlich war ich immer auf diesem Gehweg geradelt (glaube ich - war das das LRA?), weil ich vor der Bahnunterführung von links einbog und dann zum Main runter wollte, ohne über die Ampeln fahren zu müssen. Ging dann nicht mehr.

    Immer wieder surreal wenn ich dran denke. Die Zeit gerade dort zu erleben und ich hatte - im Gegensatz zu dir - ja keinerlei Verpflichtungen.


    Surreal trifft es,

    Es war ja damals ziemlich kalt, und im Landkreis Hof gabs einen allgemeinen Aufruf, Leute übernachten zu lassen. Da hatten ja viele in ihren Trabbis übernachtet.

    Meine Eltern haben in den Wochen über 100 Übernachtungsgäste, das war wirklich interessant, wer da alles war.
    Organisiert war das irgendwie (Rathaus? Rot kreuz?). Auf jeden Fall gingen Leute durch die Gegend, klopften an Trabbischeiben und holten die Leute aus den kalten Autos.

    Leider kamen wir erst im Nachhinein auf die Idee, ein Gästebuch zu machen.

    Es sind ein paar langjährige Freundschaften entstanden, aber es waren auch seltsame Käuze dabei. Solche, die Forderungen stellten (wie kein Jakobskaffee, keine Schwartaumarmelade), bis hin zum Diebstahl. Und damit meinte ich nicht die Kinder, die ein Matchboxauto mitgehen liessen. Die normalen überwiegten bei weitem.


    Lustig war das SChauen der Vierschanzentournee mit den Ossies.
    gewonnen hat übrigens Dieter Thoma, Jens Weisflog wurde dritter.





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