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Thema: Wie totalitär war die DDR?

  1. #131
    Avatar von Falconheart
    Falconheart ist offline Legende

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von choernch Beitrag anzeigen
    Ich kenne beide Seiten des Systems.

    Mein geliebter Opa würde von der Stasi aus heute unerklärlichen Gründen inhaftiert. Die Bedingungen waren unerträglich. Zuvor hat er das System lienientreu mit aufgebaut, sich "richtig" engagiert in viele Gremien usw.

    Er hat gesundheitlich in der Haft stark abgebaut und wurde mit einer Lebenserwartung von unter 6 Monaten haftunfähig Anfang der 80er Jahre entlassen. Rein aus Starrsinn hat er die DDR um viele Jahre überlebt und wir konnten als Familie noch eine gute Zeit haben.

    Andererseits habe ich Kindergarten und Schule als positiv erlebt. Ich war gern Pionier - so klassisch mit Altpapiersammeln, Pionierlager usw. Mit gefiel die Gemeinschaft. Ich möchte die Idee von Frieden und Freundschaft mit den Völkern der Welt.

    Persönlich habe ich wissentlich keinen Mangel erlebt ... Okay, Westpakete gab es für uns mangels Verwandschaft nicht. Noch heute kann ich mich aber an den besonderen Duft des Intershop erinnern. Dennoch hat es mir an nichts gefehlt.

    Ich habe auch Reise usw. nicht vermisst.

    Was mich heute nervt, ist die Überheblichkeit von Menschen, die behaupten,dass sie sich keinesfalls angepasst hätten. Manchmal ist das Überleben der Familie wichtiger als politische Ansichten. Opportunistisches Handeln gibt es heute auch.

    Deshalb verkläre ich die DDR keinesfalls. Es war eine Diktatur. Mir wäre aber auch ein Verständnis oder Vergebung für Vertreter des Systems wichtig.

    Selbst mein Großvater könnte zum Ende seiner Tage vergeben was ihm angetan wurde. Warum unsere Gesellschaft dies nicht kann, erklärt sich mit nicht.
    Warum? Ich fände es genau verkehrt.

    Was jetzt "Mangel" angeht. Hast du nie erlebt, dass man sich die Haken abrennen musste, um irgendein Ding des Alltags zu bekommen? Ich erinnere mich noch gut an den Klopapierengpass zu Beispiel. Wo Wochenlang kein Klopapier aufzutreiben war. Klar, man konnte sich mit Zeitung behelfen. Sowas gab es häufig. Klar, ich bin in einem dicht besiedelten Bezirk aufgewachsen, und alle Bezirke hatten die gleichen Zuteilungen, drum war es im Süden knapper als im Norden.

    Und die Pioniere hatte übrigens auch den Aspekt, des einander beobachtens, verpetzens und jeden in der Gruppe auf Linie haltens.

    Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
    Beim Nordpol an dem Strande.
    Doch hat er auch ein Sommerhaus
    Im lieben Schweizerlande.

    Da ist er denn bald dort, bald hier,
    Gut Regiment zu führen.
    Und wenn er durchzieht, stehen wir
    Und seh'n ihn an und frieren.

    (Matthias Claudius)

  2. #132
    Avatar von Falconheart
    Falconheart ist offline Legende

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von gurkentruppe Beitrag anzeigen
    Wenn eine Partei im Grunde ungehindert jeden Aspekt der Gesellschaft kontrollieren und steuern kann, ist der Staat per Definition schon totalitär. Letztlich hat die DDR nur Zugeständnisse gemacht, weil sie auf Finanz- und Wirtschaftshilfe von außen angewiesen war.

    Vielleicht gibt's ja irgendwann mal eine Zeitmaschine, mit denen Nostalgiker noch mal BRD oder DDR der 80er besuchen können. Ich denke, so toll wie in der Erinnerung fühlen sich die Lebenswirklichkeiten dann real in beiden Ländern nicht an. Da wird vielen erst mal bewusst, was sich in den letzten Jahrzehnten alles geändert hat.
    Wenn ich manche hier so lese, dann würde ich denen gern ein Pflichtticket zu dieser Zeitmaschine verschreiben.

    Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
    Beim Nordpol an dem Strande.
    Doch hat er auch ein Sommerhaus
    Im lieben Schweizerlande.

    Da ist er denn bald dort, bald hier,
    Gut Regiment zu führen.
    Und wenn er durchzieht, stehen wir
    Und seh'n ihn an und frieren.

    (Matthias Claudius)

  3. #133
    Avatar von Falconheart
    Falconheart ist offline Legende

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von silm Beitrag anzeigen
    Genau solchen Druck wird es mitunter auch in der DDR gegeben haben.


    Es gab auch keine Pflicht sein Kind zu den Pionieren zu geben, wer es nicht tat, wusste, dass es Repressalien später geben konnte. Und im ersten Moment "verhinderte" man damit viele gemeinsame Erlebnisse mit der Klasse.
    Und das macht es irgendwie "richtiger"?

    Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
    Beim Nordpol an dem Strande.
    Doch hat er auch ein Sommerhaus
    Im lieben Schweizerlande.

    Da ist er denn bald dort, bald hier,
    Gut Regiment zu führen.
    Und wenn er durchzieht, stehen wir
    Und seh'n ihn an und frieren.

    (Matthias Claudius)

  4. #134
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von Falconheart Beitrag anzeigen
    Und das macht es irgendwie "richtiger"?
    Nein.
    Aber man sollte auch aufpassen mit den Formulierungen. Nicht alles war ein "Muss", wobei bei den Pionieren/ FDJ wesentlich mehr dran hing als beim Kindergartenbesuch, wenn man das nicht wollte.
    Silm

  5. #135
    Gast Gast

    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von silm Beitrag anzeigen
    Nein.
    Aber man sollte auch aufpassen mit den Formulierungen. Nicht alles war ein "Muss", wobei bei den Pionieren/ FDJ wesentlich mehr dran hing als beim Kindergartenbesuch, wenn man das nicht wollte.
    Damit ist es doch aber Zwang?
    Ich hab eine Freundin, deren Eltern haben sich geweigert, ihre Kinder zur FDJ zu geben. Damit war sofort klar, es gehen x Türen zu.
    Insofern war es wohl doch ein “muß”, wollte man bestimmte Chancen nicht verbauen.

    Das kann sich keiner schönreden.
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  6. #136
    Avatar von rosenma
    rosenma ist offline Legende

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Damit ist es doch aber Zwang?
    Ich hab eine Freundin, deren Eltern haben sich geweigert, ihre Kinder zur FDJ zu geben. Damit war sofort klar, es gehen x Türen zu.
    Insofern war es wohl doch ein “muß”, wollte man bestimmte Chancen nicht verbauen.

    Das kann sich keiner schönreden.
    Das hat hier auch niemand schöngeredet. Es ging zunächst darum, ob es einen Krippen- oder KigaZwang gab. Und den gab es nicht, man konnte sein Kind ohne Reppresalien befürchten zu müssen, auch zu Hause betreuuen. Bei den Pionieren und der FDJ sah das deutlich anders aus, aber darum ging es hier auch gar nicht.


    Time ist the fire in which we burn.

  7. #137
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Damit ist es doch aber Zwang?
    Ich hab eine Freundin, deren Eltern haben sich geweigert, ihre Kinder zur FDJ zu geben. Damit war sofort klar, es gehen x Türen zu.
    Insofern war es wohl doch ein “muß”, wollte man bestimmte Chancen nicht verbauen.

    Das kann sich keiner schönreden.
    Bei der FDJ widerspreche ich da nicht. Beim Kindergarten schon.
    Ohne FDJ war vieles viel schwerer oder gar nicht möglich. Die "Schlupflöcher" "Beruf mit Abi" und Ausbildungen in kirchlichen Einrichtungen konnten da nur einigen helfen.
    Silm

  8. #138
    Avatar von lucillaminor
    lucillaminor ist gerade online Bücherwurm

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Damit ist es doch aber Zwang?
    Ich hab eine Freundin, deren Eltern haben sich geweigert, ihre Kinder zur FDJ zu geben. Damit war sofort klar, es gehen x Türen zu.
    Insofern war es wohl doch ein “muß”, wollte man bestimmte Chancen nicht verbauen.

    Das kann sich keiner schönreden.
    Eben. Denn was ist denn Zwang, wenn nicht "Wenn du das nicht tust, dann hat das die Konsequenz XY"?

    Ich selbst hab so gar keine Erfahrungen, wie gesagt. Keine Ost-Verwandtschaft, weit weg von der Grenze. Was ich weiß, weiß ich aus Erzählungen. Eine liebe Freundin von mir ist ein halbes Jahr jünger als ich und in Sachsen aufgewachsen. Sie sagt auch, wenn die Grenze nicht gefallen wäre, hätte sie z.B. nie Abi machen können. Und ich hab letztens erst "Weggesperrt" von Grit Poppe gelesen. Und auch das "Schweigende Klassenzimmer". Das kann doch niemand ernsthaft mit "War doch aber auch schön, so das Zusammengehörigkeitsgefühl und die gemeinsamen Erlebnisse" schönreden wollen ?
    Alles außer Familie, Freunden und Nähen wird gnadenlos überschätzt.





    Immer in der Hosentasche: Wingst und Waffles und die Mädels aus dem Hibbeln-light






  9. #139
    Avatar von Lui
    Lui
    Lui ist offline Regels sind Regels

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von silm Beitrag anzeigen
    Nein.
    Aber man sollte auch aufpassen mit den Formulierungen. Nicht alles war ein "Muss", wobei bei den Pionieren/ FDJ wesentlich mehr dran hing als beim Kindergartenbesuch, wenn man das nicht wollte.
    Ich finde, man sollte vorsichtig mit Formulierungen sein und nicht eine Wahlmöglichkeit als Wahlmöglichkeit verkaufen, wenn sie keine war.

    Aber du hast wohl Recht, es gab Dinge, bei denen es härter war die "Wahl" nicht in die gewünschte Richtung auszuüben. Mein Gatte berichtet, dass er schon dafür angegangen wurde, dass er in die Wahlurne ging und nicht, wie fast alle anderen, den Zettel offen einwarf.

  10. #140
    Avatar von silm
    silm ist offline Huhn

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    Standard Re: Wie totalitär war die DDR?

    Zitat Zitat von lucillaminor Beitrag anzeigen
    Eben. Denn was ist denn Zwang, wenn nicht "Wenn du das nicht tust, dann hat das die Konsequenz XY"?

    Ich selbst hab so gar keine Erfahrungen, wie gesagt. Keine Ost-Verwandtschaft, weit weg von der Grenze. Was ich weiß, weiß ich aus Erzählungen. Eine liebe Freundin von mir ist ein halbes Jahr jünger als ich und in Sachsen aufgewachsen. Sie sagt auch, wenn die Grenze nicht gefallen wäre, hätte sie z.B. nie Abi machen können. Und ich hab letztens erst "Weggesperrt" von Grit Poppe gelesen. Und auch das "Schweigende Klassenzimmer". Das kann doch niemand ernsthaft mit "War doch aber auch schön, so das Zusammengehörigkeitsgefühl und die gemeinsamen Erlebnisse" schönreden wollen ?
    Das schweigende Klassenzimmer trifft es ganz gut.
    Aber zumindest ansatzweise hat eine Entwicklung stattgefunden. Vieles, was zu Schulzeiten meines Mannes undenkbar war und mit Sanktionen belegt wurde, war bei mir viel lockerer.
    Über Nenas 99 Luftballons und " Ein bisschen Frieden" von Nicole im Musikunterricht zu reden (und anzuhören!) wäre bei ihm undenkbar gewesen. Genauso wie "Westplastetetüten" und Westklamotten.
    Wie gesagt, das Kind, dessen Eltern Berufsverbot hatten, machte Abi (Beruf mit Abi) und in meinem.Abijahrgang waren auch Nicht- FDJ- Mitglieder (2 von ca.140) Das war aber alles relativ spät.
    Silm

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