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Thema: Kind wird in der Schule "gebrochen"

  1. #181

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    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von SofieAmundsen Beitrag anzeigen
    Es sagt ja auch niemand, dass sie "nichts" lernen. Dennoch sind die Inhalte nicht zwingend kompatibel mit denen der Regelschule. Soweit ich weiß gibt es den Mittleren Schulabschluss erst nach Klasse 11 und nach Klasse 12 ist man halt auch nicht auf dem Stand von Klasse 12 Gymnasium (sonst könnte man ja Abi machen).
    Es ist auch schwer vorstellbar, dass bei sovielen "Fremdfächern" gebauso viel Zeit zum Lernen der Regelschulinhalte bleibt, wie auf der Regelschule.
    Nichtsdestotrotz wird das für manche Kinder die perfekte Schulform sein, wie für andere Montessori oder Peter-Petersen, und wie andere vermutlich auf jeder Schulart gut zurecht kommen (meist kommen die aus fördernden Elternhäusern).
    Dass die mittlere Reife an den meisten Schulen erst nach Klasse 11 (oder eigentlich sogar 12) gemacht wird liegt in erster Linie daran, dass die Waldorfschule nun mal 12 Jahre geht und man die Schüler nicht planmäßig die Schulzeit nicht beenden lassen möchte. Mit dem Wissensstand hat das nur sekundär zu tun.

    Und Abi an der Waldorfschule entspricht in Jahren G9. Wobei im letzten Jahr tatsächlich nur Prüfungsvorbereitung stattfindet und der Lernstoff in der Tat sehr verdichtet ist, weil davor eben parallel zur Abivorbereitung noch der „Waldorf-Stoff“ inkl. Praktika, Theaterprojekt und Abschlussarbeit dran ist.
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  2. #182
    Gast Gast

    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von BergderKiwis Beitrag anzeigen
    So. Jetzt bin ich wieder da.

    Und hatte ja jetzt etwas Zeit, darüber nachzudenken und muss sagen - eigentlich weiß ich keine Antwort .

    Es gibt kein Waldorf-Standardschema. Auch dort wird halt geschaut, was das Kind braucht und was man davon wie umsetzen kann.

    Dass versucht wird, eng mit den Eltern zusammenzuarbeiten ergibt sich aus dem Konzept der Schule.

    Insgesamt erlebe ich sehr viel Gelassenheit. Und gehe sogar soweit, dass es genau durch diese Gelassenheit - insbesondere in den ersten Jahren - gar nicht so viele ‚Verweigerer‘ gibt.
    Die Kinder wollen üblicherweise mitmachen, mitarbeiten, mitwirken. Und wenn mal etwas ‚doof‘ ist gibt es genügend anderes, das Freude macht. Dass ein Kind an einem Waldorfschultag gar nichts positives findet ist glaube ich selten.

    Kinder, die besonderen Förderbedarf mitbringen, fallen sicher manchmal durchs Raster - wobei es sehr auf die Art des „Defizits“ ankommt.

    LRS-Kinder profitieren natürlich davon, dass Lesen und Schreiben Buchstabe für Buchstabe eingeführt wird, „mit allen Sinnen“ gelernt wird und Rechtschreibung lange zwar konsequent korrigiert, aber nie bewertet wird.

    Kinder mit motorischen Schwierigkeiten sind auf der Waldorfschule sicher gut aufgehoben.

    Kinder mit Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich oder mit anderweitigem Bedarf an enger Begleitung - also die, von denen so gerne die Geschichten mit „hat die Schule abgelehnt“ erzählt werden - werden eher nicht glücklich werden.
    Das liegt aber nicht daran, dass man sie dort nicht will, oder gar an „Steiners Menschenbild“. Das liegt vielmehr daran, dass das Konzept zwar viel Struktur und auch einen engen Bezug zu den Lehrern vorsieht, aber dabei sehr viel Selbständigkeit und Selbstorganisation erfordert. In einer Klasse mit plus minus 30 Kindern kann sich ein Lehrer nicht regelmäßig intensiv um ein und dasselbe Kind kümmern.
    Der sogenannte Hauptunterricht geht 100 Minuten. Bei 30 Kindern sind das rein theoretisch 3,3 Minuten pro Kind. Im Sprachunterricht sitzen zwar dann nur 15 Kinder, aber auch da ist keine Kapazität, ein einzelnes Kind engmaschig zu fördern.

    Jetzt nochmal zu Deiner Frage. Es gibt m.E. keine pauschale Antwort. Insgesamt ist der Umgang nach meiner Erfahrung von viel Gelassenheit geprägt.
    Dass die Kinder in irgendwelche starren Formen gepresst würden, wie der Waldorfschule auch gerne vorgeworfen wird, begegnet mir an Regelschulen wesentlich ausgeprägter.

    Dass man besonders gut mit „Problemkindern“ umgehen können müsste, gibt der Alltag genauso wenig her, wie der an staatlichen Schulen auch.
    hm... Das kann ich von meinem Rand des Suppentellers aus, so nicht stehen lassen. Bei uns wird z.B. auch der HU geteilt, es gibt Lernkurse für die ganze Klasse mit 2-3 Lehrern und Sprachen laufen grundsätzlich zeitgleich. Da wird bei Bedarf zwischen den Gruppen gewechselt. Ich muss allerdings dazu sagen, dass sich das im Laufe der Zeit entwickelt hat. Meine große Tochter ist noch so gestartet, wie du es beschreibst.

    Und zur Selbtsorganisation wird da in der Unterstufe echt viel Tammtamm betrieben. Das beginnt damit, dass der meiste Kram in der Schule erledigt wird und auch da bleibt (Hausaufgaben gibt es nur vereinzelt) und geht weiter über Patenschaften mit höheren Klassen, wo Schüler Schülern beibringen, wie sie XY gelernt haben. Es gibt elternseitig (also aus dem Elternrat) organisierte 1 zu 1 Lesepatenschaften und Rechenstunden. Wer zu laut oder zu leise ist, bekommt Heileurhythmie (zahlen offenbar sogar manche Krankenkassen).
    Kinder, die echt gar nichts mitmachen wollen, blau machen, etc. - kenne ich hier eigentlich nur von Quereinsteigern. Da versucht die Schule natürlich auch ihr Glück, aber manchmal gehen diese Kinder dann dennoch wieder.

  3. #183

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    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    hm... Das kann ich von meinem Rand des Suppentellers aus, so nicht stehen lassen. Bei uns wird z.B. auch der HU geteilt, es gibt Lernkurse für die ganze Klasse mit 2-3 Lehrern und Sprachen laufen grundsätzlich zeitgleich. Da wird bei Bedarf zwischen den Gruppen gewechselt. Ich muss allerdings dazu sagen, dass sich das im Laufe der Zeit entwickelt hat. Meine große Tochter ist noch so gestartet, wie du es beschreibst.
    Es ging mir in dem Absatz nicht um den normalen Lernbetrieb. Klar gibt es da Abstufungen, „Übstunde“, Förderunterricht in Kleingruppen. Geteilten Hauptunterricht kenne ich allerdings tatsächlich nicht (außer jetzt gerade...).

    Was Du fett markiert hast bezog sich auf Kinder mit besonderen Schwierigkeiten, „Diagosen“, erhöhtem Förderbedarf - häufig die von Dir als Quereinsteiger beschriebenen.

  4. #184
    Gast Gast

    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von BergderKiwis Beitrag anzeigen
    Es ging mir in dem Absatz nicht um den normalen Lernbetrieb. Klar gibt es da Abstufungen, „Übstunde“, Förderunterricht in Kleingruppen. Geteilten Hauptunterricht kenne ich allerdings tatsächlich nicht (außer jetzt gerade...).

    Was Du fett markiert hast bezog sich auf Kinder mit besonderen Schwierigkeiten, „Diagosen“, erhöhtem Förderbedarf - häufig die von Dir als Quereinsteiger beschriebenen.
    Ich habe es nur als Ergänzung gemeint. Dass es woanders nicht so läuft, habe ich mir schon gedacht. Es war bei uns vor ein paar Jahren ja auch noch so, dass die Lehrer da echt routieren mussten, wenn sie alle mitnehmen wollten. Das scheint mittlerweile bei uns insgesamt etwas einfacher geworden zu sein.

  5. #185
    Avatar von Schiri
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    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Was meinst du damit genau?
    Mein Eindruck von einem (!) konkreten Fall ist, dass das Kind nicht so ist, wie man sich das wünscht und dann gleich der Eindruck entsteht, dass das Kind dort auch nicht wirklich willkommen ist, es einen Teilhabeassistenten bräuchte, etc... Das Kind ist kein Autist, hat kein ADHS, blockiert nur manchmal und hat ein bis zwei Fächer, die sehr Waldorftypisch sind, in denen er dann verweigert, kein aggressives Kind oder so. Und ich habe den Eindruck nach einem Gespräch mit allen seinen Lehrern (das fand ich übrigens gut und finde es ungewöhnlich), dass die Wertschätzung für das Kind nur noch in Teilen da ist. Aber das ist ein Einzelfall, ich kenne wirklich auch viele sehr zufriedene Famlien, nur passen die vielleicht auch einfach besser ins das System.

  6. #186
    Avatar von Schiri
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    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Ich danke Dir sehr, da ich gerade mit dieser Schule im Moment in regem Austausch stehe, hilft mir das gerade sehr, der Input ist gerade sehr wichtig für mich.
    Zitat Zitat von BergderKiwis Beitrag anzeigen
    So. Jetzt bin ich wieder da.

    Und hatte ja jetzt etwas Zeit, darüber nachzudenken und muss sagen - eigentlich weiß ich keine Antwort .

    Es gibt kein Waldorf-Standardschema. Auch dort wird halt geschaut, was das Kind braucht und was man davon wie umsetzen kann.

    Dass versucht wird, eng mit den Eltern zusammenzuarbeiten ergibt sich aus dem Konzept der Schule.

    Insgesamt erlebe ich sehr viel Gelassenheit. Und gehe sogar soweit, dass es genau durch diese Gelassenheit - insbesondere in den ersten Jahren - gar nicht so viele ‚Verweigerer‘ gibt.
    Die Kinder wollen üblicherweise mitmachen, mitarbeiten, mitwirken. Und wenn mal etwas ‚doof‘ ist gibt es genügend anderes, das Freude macht. Dass ein Kind an einem Waldorfschultag gar nichts positives findet ist glaube ich selten.

    Kinder, die besonderen Förderbedarf mitbringen, fallen sicher manchmal durchs Raster - wobei es sehr auf die Art des „Defizits“ ankommt.

    LRS-Kinder profitieren natürlich davon, dass Lesen und Schreiben Buchstabe für Buchstabe eingeführt wird, „mit allen Sinnen“ gelernt wird und Rechtschreibung lange zwar konsequent korrigiert, aber nie bewertet wird.

    Kinder mit motorischen Schwierigkeiten sind auf der Waldorfschule sicher gut aufgehoben.

    Kinder mit Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich oder mit anderweitigem Bedarf an enger Begleitung - also die, von denen so gerne die Geschichten mit „hat die Schule abgelehnt“ erzählt werden - werden eher nicht glücklich werden.
    Das liegt aber nicht daran, dass man sie dort nicht will, oder gar an „Steiners Menschenbild“. Das liegt vielmehr daran, dass das Konzept zwar viel Struktur und auch einen engen Bezug zu den Lehrern vorsieht, aber dabei sehr viel Selbständigkeit und Selbstorganisation erfordert. In einer Klasse mit plus minus 30 Kindern kann sich ein Lehrer nicht regelmäßig intensiv um ein und dasselbe Kind kümmern.
    Der sogenannte Hauptunterricht geht 100 Minuten. Bei 30 Kindern sind das rein theoretisch 3,3 Minuten pro Kind. Im Sprachunterricht sitzen zwar dann nur 15 Kinder, aber auch da ist keine Kapazität, ein einzelnes Kind engmaschig zu fördern.

    Jetzt nochmal zu Deiner Frage. Es gibt m.E. keine pauschale Antwort. Insgesamt ist der Umgang nach meiner Erfahrung von viel Gelassenheit geprägt.
    Dass die Kinder in irgendwelche starren Formen gepresst würden, wie der Waldorfschule auch gerne vorgeworfen wird, begegnet mir an Regelschulen wesentlich ausgeprägter.

    Dass man besonders gut mit „Problemkindern“ umgehen können müsste, gibt der Alltag genauso wenig her, wie der an staatlichen Schulen auch.

  7. #187
    Gast Gast

    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von Schiri Beitrag anzeigen
    Mein Eindruck von einem (!) konkreten Fall ist, dass das Kind nicht so ist, wie man sich das wünscht und dann gleich der Eindruck entsteht, dass das Kind dort auch nicht wirklich willkommen ist, es einen Teilhabeassistenten bräuchte, etc... Das Kind ist kein Autist, hat kein ADHS, blockiert nur manchmal und hat ein bis zwei Fächer, die sehr Waldorftypisch sind, in denen er dann verweigert, kein aggressives Kind oder so. Und ich habe den Eindruck nach einem Gespräch mit allen seinen Lehrern (das fand ich übrigens gut und finde es ungewöhnlich), dass die Wertschätzung für das Kind nur noch in Teilen da ist. Aber das ist ein Einzelfall, ich kenne wirklich auch viele sehr zufriedene Famlien, nur passen die vielleicht auch einfach besser ins das System.
    Ich denke, Aisfälle gibt es immer wieder.
    Sowohl in dem einen, als auch in dem anderen System.

    In Fuchtlis Klasse war ein Mädchen, kreuzunglücklich, alles andere als dumm, aber sie tat sich einfach schwer. Zum Halbjahr ist sie auf die Waldorfschule gewechselt, und seither glücklich wie sonstwas..... und ich muss sagen, was mir die Mutter erzählt, ist der Digitalunterricht, bzw das Kümmern der Lehrer um die Kinder, da viiiiiiel besser als bei uns.
    Vom Stoff her sind die inzwischen schon weiter
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  8. #188

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    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von Schiri Beitrag anzeigen
    Ich danke Dir sehr, da ich gerade mit dieser Schule im Moment in regem Austausch stehe, hilft mir das gerade sehr, der Input ist gerade sehr wichtig für mich.
    Das freut mich .

    (Du kannst Dich gerne jederzeit auch per PN/Mail melden.)
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  9. #189

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    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Ich denke, Aisfälle gibt es immer wieder.
    Sowohl in dem einen, als auch in dem anderen System.

    In Fuchtlis Klasse war ein Mädchen, kreuzunglücklich, alles andere als dumm, aber sie tat sich einfach schwer. Zum Halbjahr ist sie auf die Waldorfschule gewechselt, und seither glücklich wie sonstwas..... und ich muss sagen, was mir die Mutter erzählt, ist der Digitalunterricht, bzw das Kümmern der Lehrer um die Kinder, da viiiiiiel besser als bei uns.
    Vom Stoff her sind die inzwischen schon weiter
    Seit Schulbeginn sind in die Klasse meiner Tochter 9 Kinder als Quereinsteiger von Regel-Grundschulen aufgenommen worden. Und nochmal so viele in die Parallel-Klasse.

  10. #190
    Avatar von Schiri
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    Standard Re: Kind wird in der Schule "gebrochen"

    Zitat Zitat von BergderKiwis Beitrag anzeigen
    Das freut mich .

    (Du kannst Dich gerne jederzeit auch per PN/Mail melden.)
    Vielleicht komme ich da noch drauf zurück, erstmal fühle ich mich für den nächsten Kontakt gut gewappnet! Danke
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