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Thema: Musikunterricht 8. Realschulklasse

  1. #1
    mimi1971 ist offline Pooh-Bah

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    Frage Musikunterricht 8. Realschulklasse

    Ich habe mal eine Frage, deren Thema jetzt mal nichts mit Corona zutun hat. Jedenfalls nicht hauptsächlich.

    Lesen hier zufälligerweise auch Realschul- oder Gesamtschullehrer, die u.a. auch in der 8. Klasse Musik unterrichten oder schon Musik unterrichtet haben? Vielleicht sogar welche aus Hessen?

  2. #2
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline Lüftet. Friert.

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    Standard Re: Musikunterricht 8. Realschulklasse

    Ich habe schon viel Musik unterrichtet, aber nie in Hessen.
    Um was geht es denn?
    "Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen. Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, dass die Zelle anständig möbliert ist."
    Peter Ustinov

  3. #3
    mimi1971 ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Musikunterricht 8. Realschulklasse

    Zitat Zitat von JohnnyTrotz Beitrag anzeigen
    Ich habe schon viel Musik unterrichtet, aber nie in Hessen.
    Um was geht es denn?
    Also, unser 8. Klässler und seine MitschülerInnen befinden sich ja seit Mitte Dezember, bzw. seit Ende der Weihnachtsferien im Distanzunterricht. Die Musiklehrerin gibt im 2 Wochen-Rhythmus Arbeitsaufträge, die sie innerhalb der 2 Wochen bearbeiten und dann im Schulportal hochladen sollen. So weit so gut. Es sind oft recht umfangreiche Aufgaben. Seit Wochen behandelt sie das Thema Epochen und besonders die Barockzeit. Es sind häufig auch Recherche-Arbeiten. Z.b. war neulich ein Auftrag, dass sie innerhalb von 14 Tagen kulturhistorische Zusammenfassungen über die Epochen Barock, Wiener Klassik, Romantik und Neue Moderne schreiben sollten, in denen sie in jeder Epoche verschiedene Bereiche, wie Politische Lage, Erfindungen, Architektur, Literatur, Musik (inkl. 3 Komponisten mit je 2 Werken), welche Instrumente in der Epoche Priorität hatten und welche Musikstile in der jeweiligen Epoche vorrang hatten, beschreiben. Außerdem sollten sie dnn noch zusätzlich von einem beliebigen Musikstück aus einer der vier Epochen eine Musikanalyse schreiben.

    Das war zwar viel Arbeit, aber alles in allem machbar, auch für unmusikalische Menschen, da es in erster Linie Recherche war und man die einzelnen Epoche halt schriftlich zusammenfassen musste.

    Jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem:

    Vor knapp zwei Wochen gab sie u.a. ein Arbeitsblatt über das "Brandenburgerische Konzert Nr. 2" von J. S. Bach auf. Auf dem AB waren zwei Aufgaben, die die SuS bearbeiten sollten. Die Klasse meines Sohnes ist eine Realschulklasse. Die kooperierte Gesamtschule hat zwar einen musikalischen Schwerpunkt, aber nur für die Gymnasiasten. Die werden von Beginn an musikalisch gefördert (unterschiedliche Musikklassen). Im Realschüler konnten in der Vergangenheit nur in AGs weitere musikalische Förderung erhalten. Normaler Musikunterricht haben sie nur jedes 2. Schuljahr.

    Die Aufgaben auf dem o.g. Arbeitsblatt sind meiner Meinung nach für eher unmusiklische Menschen sehr schwer zu bearbeiten.

    Aufgabe 1: "Im ersten Teil unseres Stückes sind die Solisten nach und nach zwischen den Tutti-Stellen (also dem Spiel des ganzen Orchesters) in wechselnder Besetzung zu hören. Versucht die folgenden Zusammenstellungen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Dazu muss man die Musik mehrmals anhören. Denn die Stellen, an denen die Solistengruppe ohne das Streichorchester spielt, sind sehr kurz! In unserer Aufnahme nur etwa 5 Sekunden!)"

    Folgende Solistengruppen:

    Flöte, Oboe

    Trompete, Flöte, Oboe, Violine

    Violine

    Oboe, Violine

    Trompete, Flöte

    Es gab dazu noch einen youtube-Link mit dem "Brandenburgisches Konzert Nr. 2", dass man sich parallel anschauen sollte.

    Aufgabe 2: "Seht euch die beiden Hauptthemen an. Sie lassen sich besonders rhythmisch gut voneinander unterscheiden. Welches der beiden Themen wird an den Tutti-Stellen gespielt, welches an den Solo-Stellen?"
    Unter dieser Aufgabe befinden sich zwei "Noten-Stränge" mit je einer Notenfolge.

    Unser Sohn hat sich an den Aufgaben versucht, hat sie aber nicht bewältigen können. Dann hat er mich gefragt. Ich habe mir das Video ein paar Mal angeschaut. Aber auch ich habe nicht das passende "Gefühl" für das Stück. Ich mag zwar durchaus auch das ein oder andere klassische Musikstück, aber ich habe 0 Ahnung von der Musiktheorie, von Noten und Takten. Aufabe 1 befasst sich ja mehr mit dem Alkegro. Mir fiel es schwer, mich soweit darauf zu konzentrieren, herauszufinden, wann die Solisten alleine spielten. Ein weiteres Problem mit dem Video: Bei einigen Solos gab es dann auch Großaufnahmen von den Solisten, dann sah man aber nicht, welche Musiker ebenfalls noch spielten. Irgendwann hab ich kapituliert und habe meinen Mann gefragt. Er ist der einzige in unserer Familie, der musikalisch ist und auch das "absolute Gehör" besitzt. Mit seiner Hilfe konnten wir die Aufgabe 1 halbwegs lösen. Die Notenstränge in Aufgabe zwei versuchte er auf dem Keyboard zu spielen. Er konnte die Melodie aber nur langsam spielen und so konnte man das nicht mit dem Konzert im Video vergleichen. Er meinte aber auch dazu, wer kein Musikinstrument besitzt und beherscht und keine Musiknoten lesen kann, kann die Aufgabe 2 fast nicht bearbeiten.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein/e SuS aus der Klasse die Aufgaben fehlerfrei und alleine lösen kann. Meiner Meinung nach ist das ein AB für unsere Gym-Klassen, aber nicht für die Realschüler.

    Die Musiklehrerin sagt jetzt, dass das AB angeblich aus dem Lehrbuch Rondo 7/8 rauskopiert wurde, mit dem Realschulen arbeiten. Sie meint, wenn die Klasse wieder im Präsenzunterricht ist, dann spricht sie das mit den SuS noch einmal durch.

    Ich habe jetzt ja nichts gegen Recherchearbeiten. Da lernt man ja auch noch was dabei und das können auch Unmusikalische Menschen bewältigen.

    Aber muss eine Musiklehrkraft jetzt einer Klasse ohne musikalischem Schwerpunkt solche Aufgaben wie auf diesem Arbeitsblatt stellen, wo sie davon ausgehen kann, dass mind 99% der SuS der Klasse diese Aufgaben nicht alleine schaffen. Und wie gesagt: Hier haben die Realschüler nur alle zwei Jahre Musik als Unterrichtsfach. Das wechselt sich von Jahr zu Jahr mit Kunst ab (5., 7., 9. Klasse =Kunst / 6., 8., 10. Klasse = Musik). Das steht auch im Lehrplan.

    Es geht mir ja auch gar nicht um das Thema als solches, sondern um den Schwierigsgrad einzelner Aufgaben.

    Man darf ja auch nicht vergessen, dass zzt. kein Präsenzunterricht stattfindet, in dem die Lehrerin der Klasse den Stoff erklärt. Und Video-Unterricht macht sie nicht. Die SuS müssen sich momentan alles selbst erarbeiten.

    Danke für das Durchhalten.

  4. #4
    Avatar von JohnnyTrotz
    JohnnyTrotz ist offline Lüftet. Friert.

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    Standard Re: Musikunterricht 8. Realschulklasse

    Kurz und knapp: Klingt für mich sehr anspruchsvoll.
    Gerade Höraufgaben sind schwierig zu bearbeiten, wenn man dahingehend keine Hörerfahrung hat.

    Ich glaube übrigens unbesehen, dass das alles im "Rondo" zu finden ist.
    Ich glaube auch, dass das im Lehrplan steht.

    Aber wie man eine Klasse dazu bringt, das alles hinzukriegen, wenn sie keinen Bezug zu Musik/Notenkunde/Instrumentalspiel hat, ist mir auch nach vielen Jahren ein Rätsel...
    "Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen. Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, dass die Zelle anständig möbliert ist."
    Peter Ustinov

  5. #5
    mimi1971 ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Musikunterricht 8. Realschulklasse

    Zitat Zitat von JohnnyTrotz Beitrag anzeigen
    Kurz und knapp: Klingt für mich sehr anspruchsvoll.
    Gerade Höraufgaben sind schwierig zu bearbeiten, wenn man dahingehend keine Hörerfahrung hat.

    Ich glaube übrigens unbesehen, dass das alles im "Rondo" zu finden ist.
    Ich glaube auch, dass das im Lehrplan steht.

    Aber wie man eine Klasse dazu bringt, das alles hinzukriegen, wenn sie keinen Bezug zu Musik/Notenkunde/Instrumentalspiel hat, ist mir auch nach vielen Jahren ein Rätsel...
    Danke, so sehe ich das auch. Leider ist die Lehrerin sehr sehr eigen und nicht bereit, ihre bisherigen Unterrichtsmethoden individuell anzupassen. Und mit "individuell" meine ich jetzt nicht, dass sie sich nach den Befindlichkeiten jedes einzelnen Schülers richten soll, sondern, dass sie schauen sollte, wo die komplette Klasse steht und danach überlegen, wie und mit welchen Aufgaben sie der jeweiligen Klasse dwn geforderten Stoff näher bringt. Da kann sie, in der Hinsicht, leistungsmäßig von einer Gymnasialklasse (z.b. einer Instrumentenklasse oder einer Orchesterklasse) an unserer Schule mehr erwarten, als von den Realschülern.

    Ich hatte sie per Mail angeschrieben und sie (höflich) darauf aufmerksam gemacht, dass mein Sohn und auch andere SuS aus der Klasse mit diesem AB überfordert sind und sie gebeten, zumindest dieses Blatt in der Klasse nicht zu benoten. (Sie benotet die Hausarbeiten, damit sie für das nächste Zeugnis genügend Noten hat.) Das hat sie aber nicht interessiert. Sie erklärte mir, dass das im Lehrbuch der Realschulen (Rondo 7/8) stände und das auch andere Realschul-Musiklehrer damit arbeiten und so etwas aufgeben würden. Sie meinte weiter, dass die Aufgaben so aufgebaut wären, dass die SuS aus der Musik heraus versuchen sollten, bestimmte Strukturen zu erkennen. Also, im Fall von unserem Arbeitsblatt "Brandenburgisches Konzert Nr. 2" bedeutet das, dass die SuS sich das youtube-Video zu diesem Konzert anschauen, gleichzeitig der Musik lauschen und darauf achten, welche Musiker gerade ihren Einsatz haben. Dann sollen sie noch auf die Takte und auf die Aufgabe auf dem AB achten. Bei dieser Aufgabe sollten die SuS echt multitasking-fähig sein. Auf dem Arbeitsblatt unter der Aufgabe 1 war auch eine Abb mit 3 Streifen. Der obere Streifen (rosa) stand für die Solisten, der mittlere (gelb) für das Streichorchester und der untere (hellblau) für das Continuo (Cello, Kontrabass, Cembalo). Darunter waren in groben Schritten die Takte 1-39 gedruckt. Im gelben Streifen war nach bestimmten Takten das jeweilige Feld weiß markiert. Das stand dann dafür, dass an diesen Stellen, dass Streichorchester nicht spielte. Im rosa Streifen steht genau an dieser Stelle ein Fragezeichen. Hier sollen die SuS die entsprechenden Solistengruppen zuordnen, die über der Aufgabe aufgeführt waren. Das Continuo spielt durchgängig. Es geht in der Aufgabe nur um das Allegro. Zumindest habe ich das so verstanden. Abgesehen davon hat das ganze Konzert ja auch mehr als 39 Takte. Und das ganze dann im Homeschooling. Aber, sie hat ja geschrieben, dass sie das mit der Klasse wiederholen wird, wenn die SuS wieder im Präsenzunterricht sind. Das wird allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit erst nach den Osterferien (ab dem 19.04.21) sein.

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