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  1. #1
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Kindererziehung (separater thread)

    Ich wollte mich an den anderen thread zu Mentalität dranhängen (wo ja schon ein bisschen was dazu steht), aber ich hätte gerne einen neuen Thread zum Thema Kindererziehung

    Ich wurde nämlich gestern von einer Freundin hier (USA - Neuengland) angesprochen, dass sie gerade ein Buch lese, wo Kindererziehung in den USA mit der in Frankreich verglichen würde. Da stehe, dass man in den USA viel zu lax sei mit den Kindern und viel zu wenige Grenzen setze.

    Ich war so platt, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen soll. Ich finde es hier nämlich zum Teil furchtbar regel-bezogen. Wenn man mal in einer Grundschule steht, schallen einem eigentlich nur maßregelnde Kommentare entgegen. Die klingen zwar freundlich, gerne in der wir-Form "we don't stand on the swing", aber irgendwie lässt man die Kinder praktisch nie einfach mal machen. Ich fürchte, ich galt schon auf deutschen Spielplätzen als etwas lax, weil ich nicht sofort hinspringe, wenn mein Kleinkind mal 2 Sprossen auf ein Spielgerät klettert. Aber hier sprangen gestern bei einer anderen Gelegenheit 5-Jährige Kinder von sicherern Schaukanonen (bombenfest *g*), das waren ca. 60cm Flug bis zum Grasboden, und alle Eltern ermahnten sie dauernd, bitte vorsichtig zu sein Meine Kinder haben meine Erlaubnis, nach der Schule nach meinen Regeln auf dem Schulspielplatz zu spielen, und das bedeutet nicht nur im Stehen zu schaukeln. Aber dieses brave Spielen statt zu toben macht mich ganz krank (Bei mir hat das Kanonenhüpfen es nicht mal über meine Wahrnehmungsschwelle geschafft )

    Ich finde, hier in den USA ist Kindererziehung schrecklich verbal. Ich empfinde das als Einschränkung, und oft wirkt es so, als wolle man nur recht haben, wenn das Kind sich wehtut ("ich hab doch gesagt, du sollst aufpassen") - wenn es einem wichtig gewesen wäre, hätte man hingehen müssen. Ich bin mir unschlüssig, ob ich finde, dass meine Kinder auf halbherzige verbale Kommandos (die dann oft nicht mal durchgesetzt werden) überhaupt reagieren sollten, oder ob ich nicht einfach gut finde, dass sie ihren eigenen Kopf verwenden. Das geht aber hier gar nicht

    Gut finde ich, das explizit auf Höflichkeit und Freundlichkeit Wert gelegt wird. Wobei ich mir da auch eher das Vorleben oder Mit-Sprechen wünschen würde als das "what do you say?!", was wieder sehr verbal-distanziert ist.

    Wie empfindet ihr das?
    mit Mädelshaushalt (03, 05, 07, 10, 13)
    .. und einem, der fehlt (05)

  2. #2
    TexTot ist offline Veteran

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Ich empfinde es genauso. Ich bin auch eher auf der laxen Seite (mein Kind darf die Rutsche hoch klettern!).
    Ich hab von dem Buch gehoert es aber nicht gelesen, kann also dazu nichts sagen. Was mir hier im Sueden immer wieder aufstoesst ist das viele Muetter ihre Kinder nur ungern aus den Augen lassen. Kinder werden zur Schule gefahren obwohl sie den Buss nehmen koennten und mal alleine draussen spielen ist selbst bei vielen 7-8 Jaehrigen nicht drin. Auf der anderen Seite heisst es aber immer wieder die Kinder muessen selbsstaendig sein. D.h. mit 3 monaten wird Schlaftraining durchgezogen, mit 3 Jahren sollen sie sich alleine anziehen, aufs Klo gehen, ihr Bett machen ect. Dieser Wiederspruch ist mir manchmal unverstaendlich.
    Was mir allerdings am meisten zu schaffen macht ist das 'Corporal Punishment' was hier ja sogar an den Schulen noch erlaubt ist und auch in der Erziehung weit verbreitet ist.

  3. #3
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Hi
    zum Glück gibt es hier kein corporal punishment

    Aber was du sagst, der Mix aus die-Kinder-unmündig-halten, aber dann sehr viel Rationalität von ihnen erwarten, das finde ich auch schwierig.
    mit Mädelshaushalt (03, 05, 07, 10, 13)
    .. und einem, der fehlt (05)

  4. #4
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Zitat Zitat von TexTot Beitrag anzeigen
    Ich empfinde es genauso. Ich bin auch eher auf der laxen Seite (mein Kind darf die Rutsche hoch klettern!).
    Ich hab von dem Buch gehoert es aber nicht gelesen, kann also dazu nichts sagen. Was mir hier im Sueden immer wieder aufstoesst ist das viele Muetter ihre Kinder nur ungern aus den Augen lassen. Kinder werden zur Schule gefahren obwohl sie den Buss nehmen koennten und mal alleine draussen spielen ist selbst bei vielen 7-8 Jaehrigen nicht drin. Auf der anderen Seite heisst es aber immer wieder die Kinder muessen selbsstaendig sein. D.h. mit 3 monaten wird Schlaftraining durchgezogen, mit 3 Jahren sollen sie sich alleine anziehen, aufs Klo gehen, ihr Bett machen ect. Dieser Wiederspruch ist mir manchmal unverstaendlich.
    Was mir allerdings am meisten zu schaffen macht ist das 'Corporal Punishment' was hier ja sogar an den Schulen noch erlaubt ist und auch in der Erziehung weit verbreitet ist.
    Die Sache mit den Koerperstrafen in der Schule erwaehntest du schon mal in einem anderen Thread, und da muss ich jetzt mal zur Ehrenrettung der amerikanischen Schulen sagen, dass mir das noch nirgendwo begegnet ist. Ist das eine texanische Spezialitaet oder nur in eurer Gegend verbreitet?

    In den Schulen wird tatsaechlich sehr viel Wert auf - nach deutschem Geschmack - eher altmodische Tugenden wie Disziplin und Respekt gelegt. Ich muss sagen, dass dieser Respekt von den Kindern auch gegenueber anderen Kindern eingefordert wird. Das zusammen mit der Null-Toleranz-Einstellung zu Bullying und Gewalt funktioniert jedenfalls in unserer Schule sehr gut. Wenn ich da manchmal von deutschen Muettern hoere oder auch in den Foren lese, wie die Kinder sich in der Schule pruegeln und drangsalieren und den Lehrern das egal zu sein scheint, bin ich froh, dass meine Tochter hier zur Schule geht.

    Generell wird in der Schule sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder in der Gruppe gut zurechtkommen. Das mag zunaechst im Widerspruch zum amerikanischen Individualismus stehen, aber zumindest waehrend der Kindheit und Jugend verbringen Amerikaner ja viel mehr Zeit in einer Gruppe als Deutsche: Viele gehen von klein an in einer Ganztagsbetreuung, die Schule ist ganztags, man engagiert sich in diversen Sportarten, die Ferien verbringt man im Camp, und auch spaeter an der Uni wohnt man mit anderen Studenten auf dem Campus. Nicht wenige teilen sich auch noch als Berufstaetige ein Haus oder eine Wohnung, heiraten jung und haben oft auch schnell mehrere Kinder. Das Funktionieren in der Gruppe ist also wichtiger als man auf den ersten Blick meinen koennte.

    Ich schrieb schon in dem anderen Thread, dass amerikanische Eltern bei der Erziehung offenbar mehr Wert darauf legen, dass Kinder nicht nerven und sich selbst beschaeftigen. Dabei sind auch die Medien willkommene "Babysitter".

    In der Schule wird dagegen sehr viel gemassregelt und alles bis ins kleinste Detail vorgeschrieben, wobei man hierzu auch bedenken muss, dass ja fast alle Schulen nicht nur Gesamtschulen sondern auch integrative Schulen sind. D. h., dass alle Kinder von hochbegabt bis hin zu schwer lernbehindert und verhaltensgestoert in der gleichen Gruppe unterrichtet werden. Da ist es oft nur mit strenger Reglementierung moeglich, ein einigermassen vernuenftiges Klima herzustellen, bei dem alle Kinder auf ihre Kosten kommen. In DE geht man da doch von relativ einheitlichen Voraussetzungen aus.

    Insgesamt muss ich allerdings sagen, dass ich hier noch kein Kind kennengelernt habe, das ungern zur Schule geht oder gar Schulangst hat - im Gegensatz zu DE. Der Alltag ist doch sehr abwechslungsreich, waehrend die akademischen Anforderungen eher niedriger als in DE sind. Gleichzeitig wird auch der Gemeinschaftsgeist und die Identifikation mit der Schule sehr geplegt.

    Mich persoenlich hat es auch sehr ueberrascht, dass die relativ strenge Disziplin in der Schule bei den meisten Kindern gut ankommt. Bei denjenigen, die familiaere Probleme haben oder wo Erziehungsdefizite bestehen, kann in der Schule einiges aufgefangen werden. Und eher schuechterne Kinder wie meine Tochter profitieren von den klaren Erwartungen. Ich habe jedenfalls meine eigenen Vorstellungen von Kuschelpaedagogik ziemlich kritisch ueberdacht;-))
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

  5. #5
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Hi
    das hast du alles sehr gut beschrieben. mich nervt das micromanagement total. Bevor die Gruppe in die Sporthalle geht, wird 4 Minuten darüber gesprochen, dass die anderen Klassen ja arbeiten müssen, dass die anderen ja auch Rücksicht nehmen usw. Dann laufen alle in geordneten Zweierreihen durch die Schulen, Sprechen verboten. Vor dem Gang mit den Klassenzimmern wird nochmal angehalten und leise wiederholt, was man vor 1.5 Minuten besprochen hat. Hinterher wird 1 Minute lang gelobt, wie leise alle waren und dass das fair ist für die anderen usw.

    *seufz* Ich als Schülerin wäre eingangen vor Langeweile. Und ich würde schon lange nicht mehr hinhören, weil man das alles einfach viel zu oft hört.

    ABER: meinen Kindern geht es nicht so. Sie lieben die Schule und finden das alles völlig ok und richtig so. Vielleicht klappt es einfach bei MIR nicht so gut, mich da anzupassen.
    mit Mädelshaushalt (03, 05, 07, 10, 13)
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  6. #6
    TexTot ist offline Veteran

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Zitat Zitat von BilingualMom Beitrag anzeigen
    Die Sache mit den Koerperstrafen in der Schule erwaehntest du schon mal in einem anderen Thread, und da muss ich jetzt mal zur Ehrenrettung der amerikanischen Schulen sagen, dass mir das noch nirgendwo begegnet ist. Ist das eine texanische Spezialitaet oder nur in eurer Gegend verbreitet?
    Ich glaube das das hier im Sueden der USA ziemlich verbreitet ist. Genau wie das staendige "Yes sir/mam!". Mein Kind darf mich Mama nennen!

  7. #7
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Heja llesammen!

    Jaja, die kindererzieuhng.
    ich stelle gerade mal wieder verheerende Unterschiede zwischendeutscher und dänischer Kindererziehung fest, die mich einmal mehr froh darüber sein lassen. daß meine Töchter hier aufwachsen durften.

    Mir wird zwar von Profis berichtet,daß die leistungsorientierte Variante doch mehr nach hier überschwappt, aber wie immer hinkt DK nach und ich hoffe, sie erkennen rechtzeitig, daß dieser Trend nicht weiterbringt.

    Generellwerden herrscht inDk eine andere Gesprächskultur als in Dtld. (was schon bei TV-talkshows deutlich wird, aber auch im normalen Miteinander).
    Das ird eben bereits bei Kindern eingeübt, respektvoller Umgang mit Menschen - seien es Chefs oder dessen Angestellte, seien es Scüler oder lehrer etc. - ist einfach mehr die Regel.
    Jesper Juul läßt grüßen.

    Kinder als kleine Erwachsene uz nehmen ist damit inchtgemeint.
    Aber ihnen respekrtvoll begegnen,sie ernstzunehmen mitihren kindlichen bedrüfnissen (und eben diese nicht wegzuwischen mit dem Gedanken,daß das alles Kinderkram sei), das ist sehr dänisch.

    Kinder in DK müssen auf der einen Seite früh groß und verantwortungsvoll sein.
    ich weiß nicht nur von den Freundinnen meiner Töchter, daß diese sich nach der 3. Kl., als die Hortbetreuung wegfiel, nicht nur nachmittags ins leere Haus einlassen,sondern auch morgens oft alleine fertigmachen mußten für die Schule, den Schulbus.
    Nachmittags managen die Kinder dann oft auch, daß sie heute noch zum Sport oder zur Musikschule müssen - im Gegensatz zu den USA radeln sie da oftmals an auch allein hin.

    (Ich erinnere mich an eine Bekannte ,die aus den USA mit ihrer Familie nach Dk umsiedelte und mich fragte, o bdie Kidner hier auch mal alleine in die Bibliothek oder zu Freunden gehen/radeln dürften - das war in den USA anscheinend völlig undenkbar - hier bräche die Freizeitgestaltung zusammen, denn obwohl in den Firmen mehr Rücksicht auf Familie genommen wird als vielleicht in Dtld., so sind eben alle Eltern berufstätig und haben niht jeden Nachmittag für alle Kinder Zeit, um Chauffeur zu spielen.

    Auf der anderen Seite sind sie hier sehr lange Kinder - sie dürfen frei spielen, da ist nirgends die Reede von Englishckrusne im kIGA und sie sind zwar bis zur 3. Klasse fast alle den ganzen Tag unter Erwachsenenaufsicht, spielen aber phantasievoll und mit viel Bewegung der frischen Luft.

    Dänische Kinder wachsen allerdings überwiegend im Eigenheim mit Garten, wenn icht sogar großem Bauernhofareal auf - es gibt ja viel weniger echte Großstädte mit Mietblöcken.
    Das prägt.

    Man schimpft weniger als in Dtld., sondern versucht sich mehr und mehr mit anerkennender Pädagogik, wo man die guten Seiten betont und die schlechteren ignoriert und nicht in den Fokus stellt.

    Leistung ist gut, aber nicht das einzige,was funktionieren sollte - man schaut sehr auf die Gemeinschaft, das Soziale, das Wohlbefinden.
    Und man akzeptiertsehr viel leichter als i nDtld. einen Leistungsabfall, wenn das Kind sich ansonsten (auch9 schlecht fühlt.
    Wie meine Ärztin mal formulierte:
    "Schlimmstenfalls rückt der Berufstraum eben ein Jahr länger in die Zukunft - aber erstmal gilt es, das ein Kind sich wieder gut füht, dann lernt es auch wieder gut."
    Sooo entspannt höre ich das nie aus Dtld., ess ei denn, es sind Waldorfleute, lächel.

    Ja, alles in allem sehe ichd ie Kindererziehung hier weitaus entspannter, wünsche mir manchmal ein bißchen mehr Authorität und Disziplin, stelle aber fest, daß die Dänen ja auch nicht dümmer oder faiuler als die Deutschen sind und es ihnen gut geht.

    Gruß Ursel, DK
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  8. #8
    Avatar von rodakino
    rodakino ist offline Legende

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Zitat Zitat von 0Agnes0 Beitrag anzeigen
    Ich wollte mich an den anderen thread zu Mentalität dranhängen (wo ja schon ein bisschen was dazu steht), aber ich hätte gerne einen neuen Thread zum Thema Kindererziehung

    Ich wurde nämlich gestern von einer Freundin hier (USA - Neuengland) angesprochen, dass sie gerade ein Buch lese, wo Kindererziehung in den USA mit der in Frankreich verglichen würde. Da stehe, dass man in den USA viel zu lax sei mit den Kindern und viel zu wenige Grenzen setze.

    Ich war so platt, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen soll. Ich finde es hier nämlich zum Teil furchtbar regel-bezogen. Wenn man mal in einer Grundschule steht, schallen einem eigentlich nur maßregelnde Kommentare entgegen. Die klingen zwar freundlich, gerne in der wir-Form "we don't stand on the swing", aber irgendwie lässt man die Kinder praktisch nie einfach mal machen. Ich fürchte, ich galt schon auf deutschen Spielplätzen als etwas lax, weil ich nicht sofort hinspringe, wenn mein Kleinkind mal 2 Sprossen auf ein Spielgerät klettert. Aber hier sprangen gestern bei einer anderen Gelegenheit 5-Jährige Kinder von sicherern Schaukanonen (bombenfest *g*), das waren ca. 60cm Flug bis zum Grasboden, und alle Eltern ermahnten sie dauernd, bitte vorsichtig zu sein Meine Kinder haben meine Erlaubnis, nach der Schule nach meinen Regeln auf dem Schulspielplatz zu spielen, und das bedeutet nicht nur im Stehen zu schaukeln. Aber dieses brave Spielen statt zu toben macht mich ganz krank (Bei mir hat das Kanonenhüpfen es nicht mal über meine Wahrnehmungsschwelle geschafft )

    Ich finde, hier in den USA ist Kindererziehung schrecklich verbal. Ich empfinde das als Einschränkung, und oft wirkt es so, als wolle man nur recht haben, wenn das Kind sich wehtut ("ich hab doch gesagt, du sollst aufpassen") - wenn es einem wichtig gewesen wäre, hätte man hingehen müssen. Ich bin mir unschlüssig, ob ich finde, dass meine Kinder auf halbherzige verbale Kommandos (die dann oft nicht mal durchgesetzt werden) überhaupt reagieren sollten, oder ob ich nicht einfach gut finde, dass sie ihren eigenen Kopf verwenden. Das geht aber hier gar nicht

    Gut finde ich, das explizit auf Höflichkeit und Freundlichkeit Wert gelegt wird. Wobei ich mir da auch eher das Vorleben oder Mit-Sprechen wünschen würde als das "what do you say?!", was wieder sehr verbal-distanziert ist.

    Wie empfindet ihr das?
    Das ist eine schwierige Frage, weil ich nicht so recht weiss, wie man anderswo erzieht

    Ich kann mich erinnern, dass ich hier anfangs fand, dass die Kinder zu sehr verwoehnt werden. Den Kindern wird das Essen quer ueber den Spielplatz nachgetragen, und generell viel abgenommen. Meiner Nichte wurde noch mit 10 morgens beim Anziehen geholfen, 14-jaehrige werden mit dem Auto zur Schule gefahren...

    Der offizielle Tenor ist, dass Kinder frueh im eigenen Bettchen schlafen sollten, frueh von Omas und Opas betreut werden und frueh ohne Windeln sein sollten. Bloss sind die Griechen nicht so rasend konsequent, so dass zwar offiziell alle Kinder frueh alleine ein- und durchschlafen usw. aber unter 4 Augen erfahert man dann von viiiielen Kindern, die doch noch oft bei den Eltern im Bett schlafen duerfen.

    Dass Kinder beim Spielen dauernd ermahnt werden, aufzupassen und ein kleiner Sprung von einer Parkbank von den anwesenden Erwachsenen mit einem Herzinfarkt und lautem Aufschrei quittiert wird, kenne ich hier auch. Ich wuerde sagen, Griechen neigen eher zur Ueberbehuetung als zur Verwahrlosung.

    Schlagen ist weniger verpoent als in D, allerdings wird nicht fest gehauen, es gibt meist leichte Klapse auf Arme und Beine oder das Kind wird kurz in den Arm oder das Bein gezwickt. Umgekehrt werden Kinder sehr viel gekuesst, in den Arm genommen. Koerperkontakt auch mit Fremden ist etwas sehr alltaegliches.

    Die Schule und gute Noten sind vielen griechischen Eltern sehr wichtig. In den hoeheren Klassen gehen die meisten Kinder nachmittags in Nachhilfeschulen.

    Ausserdem spielt die Grossfamilie eine wichtige Rolle. Dass Grosseltern sich in die Erziehung einmischen ist voellig normal. Normalerweise wird eine Mutter nach der Geburt die ersten Wochen von Mutter und/oder Schwiegermutter betreut, die ihr anfangs zeigt, wie man ein Baby versorgt, bzw. bei Folgekindern im Haushalt hilft und die Kinder mit betreut. Spaeter werden die Kinder oft von den Grosseltern mit betreut, sofern sie in der Naehe leben. Man sieht viele Grossvaeter mit Enkeln Tauben fuettern oder am Hafen spazieren gehen.

    Die Kinder werden im Umgang mit anderen Kindern dazu angehalten, auf fremde Kinder zuzugehen, sie zum Spielen aufzufordern, mit ihnen zu teilen. Wenn ein Kind ein anderes gehauen hat oder was weggenommen hat, muss es sich nicht verbal entschudigen, sondern wird oeffentlich geschimpft evtl. sogar geklapst. Die Mutter oder der Vater entschuldigt sich dann bei der Mutter/Vater des anderen Kindes fuer das Fehlverhalten des eigenen Kindes. Wobei es auch Eltern gibt, denen das Verhalten ihrer Kinder egal zu sein scheint, die einfach nur wollen, dass ihre Kinder sich durchsetzen. Das ist aber nicht die Mehrheit.
    Με αγάπη από το νησί...

    Mit lieben Gruessen von der Insel :)

    Miss X. (06); Kore (10)

  9. #9
    Avatar von Chinchilla64
    Chinchilla64 ist offline Legende

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    Zitat Zitat von 0Agnes0 Beitrag anzeigen
    Hi
    das hast du alles sehr gut beschrieben. mich nervt das micromanagement total. Bevor die Gruppe in die Sporthalle geht, wird 4 Minuten darüber gesprochen, dass die anderen Klassen ja arbeiten müssen, dass die anderen ja auch Rücksicht nehmen usw. Dann laufen alle in geordneten Zweierreihen durch die Schulen, Sprechen verboten. Vor dem Gang mit den Klassenzimmern wird nochmal angehalten und leise wiederholt, was man vor 1.5 Minuten besprochen hat. Hinterher wird 1 Minute lang gelobt, wie leise alle waren und dass das fair ist für die anderen usw.

    *seufz* Ich als Schülerin wäre eingangen vor Langeweile. Und ich würde schon lange nicht mehr hinhören, weil man das alles einfach viel zu oft hört.

    ABER: meinen Kindern geht es nicht so. Sie lieben die Schule und finden das alles völlig ok und richtig so. Vielleicht klappt es einfach bei MIR nicht so gut, mich da anzupassen.
    Also, hier muss ich sagen, dass ich eigentlich finde, es hört sich an wie eine gute Idee. Hier in Schweden macht man das ja eher nicht so - aber es gibt sicher z.B. Sportlehrer, die da eigene Methoden haben. Und hier läuft es ja dann oft so, dass die Kids genau so einen Mist machen - andere Klassen stören, völlig aus der Reihe tanzen und so. Ich glaube echt, dass das eine gute Idee ist. SO funktioniert es halt in der Praxis - auch wenn man es in der Theorie komisch findet. :)

  10. #10
    Avatar von Chinchilla64
    Chinchilla64 ist offline Legende

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    Standard Re: Kindererziehung (separater thread)

    In Schweden ist es wohl ziemlich ähnlich wie in Dänemark. :) Die Kinder nehmen mehr Platz ein als in Deutschland, werden mehr ernst genommen. Man redet mehr direkt mit den Kindern und gibt weniger nur Anordnungen. Aber man quasselt auch nicht so endlos, wie manche in Deutschland es machen, wenn sie es halt anders machen wollen als ihre Eltern.

    Ich fand es von jeher erstrebenswert, dass meine Kinder in den schwedischen Kindergarten und in die schwedische Schule gehen. Es gibt hier auch eine deutsche Schule, aber die hat halt auch ziemlich deutsche Pädagogik und das wollte ich nicht. Allerdings kann ich finden, dass es manchmal auch übertrieben wird. Vor allem wenn die Kids dann so langsam Teenager werden. Da wäre es dann schon angebracht, dass die sich auch mal ein bisschen weniger wichtig nehmen und sich ein bisschen mehr benehmen. Andererseits haben sie das vielleicht gerade vor der Pubertät getan, in der Pubertät werden sie halt dann sowieso schwierig.

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