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Thema: Ein Hallo in die Runde :-)

  1. #71
    Avatar von Chinchilla64
    Chinchilla64 ist offline Legende

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    Standard Re: Ein Hallo in die Runde :-)

    Zitat Zitat von 0Agnes0 Beitrag anzeigen
    Hier in den USA sind natürlich auch viele Nachkommen von Emigranten, politisch Verfolgte und Juden. Mehrere unserer Nachbarn zum Beispiel. Das fühlt sich für mich immer komisch an... denn wir sind wegen unseres Jobs hergekommen und deren Eltern wegen Verfolgung
    Manche hier können jiddisch, darüber kann man sich unterhalten (hab ich mal spaßeshalber gelernt, und ist ja dem Deutschen sehr ähnlich). Für manche scheint unser Deutsch untereinander auch frühe Kindheitserinnerungen zu wecken (weil Oma und Opa deutsch miteinander sprachen), das sagen die dann auch.
    Wobei das alles in den USA (Ostküste!) weniger ein Problem ist als ich dachte. Den gebildeten Leuten ist klar, dass praktisch alle Vorfahren aus NOT hergekommen sind (warum sonst verlässt man seine Heimat und gibt sein letztes Geld für 4 Wochen aufceinem stinkenden Schiff aus?), und Holocaust ist hier nur ein Grund von vielen, der Blick ist internationaler, da kann man sich zwischen anderen Verfolger- Nationen "verstecken" und dann gibt's noch Schwarze und Native Americans. Auch die wirtschaftliche Not von Iren während der Hungersnot, oder Nachfahren von hessischen Söldnern muss man als persönliche Katastrophe für den Emigranten anerkennen. (Ohne dadurch den Holocaust kleinzureden!!! aber was die Nachkommen von Flüchtlingen aus aller Welt hier angeht, sind die USA auf Leid gebaut und praktisch jeder hat so eine Geschichte von den eigenen Vorfahren präsent. Daher bin ich oft bedrückt, wenn ich Vorfahren-Geschichten höre, und das nicht nur beim Holocaust. Ich habe viele explizit gefragt, und dass wir Deutsche sind, verbinden sie nicht sofort mit Holocaust, der eher in den Sumpf trauriger Ereignisse der Weltgeschichte eingeht (So hat mir das mal jemand erklärt)
    Okay..... die Amis denken eher dran, dass die meisten gute Gründe haben in die USA zu kommen, und dass sowieso alle ausser den Indianern Einwanderer sind? Ja, ich glaube auch, dass viele die unter den Nazis gelitten haben, auch positive Erinnerungen an Deutschland haben. Egal ob es Sprache, Kultur, Essen oder sonst was ist. Deshalb kommen wohl nicht nur negative Erfahrungen hoch.

  2. #72
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Ein Hallo in die Runde :-)

    Zitat Zitat von Chinchilla64 Beitrag anzeigen
    Okay..... die Amis denken eher dran, dass die meisten gute Gründe haben in die USA zu kommen, und dass sowieso alle ausser den Indianern Einwanderer sind? Ja, ich glaube auch, dass viele die unter den Nazis gelitten haben, auch positive Erinnerungen an Deutschland haben. Egal ob es Sprache, Kultur, Essen oder sonst was ist. Deshalb kommen wohl nicht nur negative Erfahrungen hoch.

    Das trifft durchaus zu, auch in Israel. Hier wurden viele Deutschjuden in Kriegszeiten nicht sonderlich freundlich empfangen. Sie konnten ihre deutsche Sprache nicht oeffentlich sprechen, in Haifa ging mal die Redaktion einer deutschsprachigen Zeitung in Flammen auf. Es gab viele Intellektuelle, Schauspiele, Schriftsteller. Die deutsche Kultur war ihre, auch wenn die Nazis sie fuer andere schwergeniessbar gemacht haben (Wagner darf in Israel bis heute nicht aufgefuehrt werden. Ein Versuch im letzten Jahr scheiterte) - Es war also durchaus nicht so, dass alle ihre deutsche Identitaet ablegen wollten.
    Mit der Generation Ueberlebender hab ich - bis auf die genannte Ausnahme- auch eher positive Erfahrungen gemacht. DIE haben aus der Geschichte "gelernt" (bevor das jemand missversteht: DIE wissen, was passiert, wenn Menschen pauschal eingeordnet und abgeurteilt werden und tun das eben nicht. - Versteht ihr, wie ich das meine?) und sind hier eher unter "liberal" einzuordnen. Die noch Lebenden sind teilweise von "ihren" Leuten hier ueber den Tisch gezogen worden, haben ihre Entschaedigungen nicht erhalten, vegetieren mittellos in Altersheimen vor sich hin und waeren ohne deutsche Volontaere aufgeschmissen...sehr traurig. Negative Reaktionen hab ich - soweit ueberhaupt- auch eher von juengeren, teilweise orientalischen Juden erlebt. Die sind politisch eher konservativ bis rechts und Deutsche fallen fuer sie ins Feindbild, ohne dass sie unmittelbar vom Holocaust betroffen waren. Sowas regt mich auf, alles andere respektiere ich. Gerade Ashkenasis - und die kommen ja aus EUROPA- sind aufgeschlossener, liberaler, den Deutschen freundlicher gesinnt. Berlin ist fuer die DAS Reiseziel schlechthin.
    Ich habe meine Examensarbeit ueber deutschsprachige juedische Literatur geschrieben. Das war SEHR aufschlussreich und hat mich vieles entdecken lassen, was mir bis dahin unbekannt war (s.o.).
    Geändert von falaffel (11.01.2013 um 18:54 Uhr)

  3. #73
    Avatar von Chinchilla64
    Chinchilla64 ist offline Legende

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    Standard Re: Ein Hallo in die Runde :-)

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Das trifft durchaus zu, auch in Israel. Hier wurden viele Deutschjuden in Kriegszeiten nicht sonderlich freundlich empfangen. Sie konnten ihre deutsche Sprache nicht oeffentlich sprechen, in Haifa ging mal die Redaktion einer deutschsprachigen Zeitung in Flammen auf. Es gab viele Intellektuelle, Schauspiele, Schriftsteller. Die deutsche Kultur war ihre, auch wenn die Nazis sie fuer andere schwergeniessbar gemacht haben (Wagner darf in Israel bis heute nicht aufgefuehrt werden. Ein Versuch im letzten Jahr scheiterte) - Es war also durchaus nicht so, dass alle ihre deutsche Identitaet ablegen wollten.
    Mit der Generation Ueberlebender hab ich - bis auf die genannte Ausnahme- auch eher positive Erfahrungen gemacht. DIE haben aus der Geschichte "gelernt" (bevor das jemand missversteht: DIE wissen, was passiert, wenn Menschen pauschal eingeordnet und abgeurteilt werden und tun das eben nicht. - Versteht ihr, wie ich das meine?) und sind hier eher unter "liberal" einzuordnen. Die noch Lebenden sind teilweise von "ihren" Leuten hier ueber den Tisch gezogen worden, haben ihre Entschaedigungen nicht erhalten, vegetieren mittellos in Altersheimen vor sich hin und waeren ohne deutsche Volontaere aufgeschmissen...sehr traurig. Negative Reaktionen hab ich - soweit ueberhaupt- auch eher von juengeren, teilweise orientalischen Juden erlebt. Die sind politisch eher konservativ bis rechts und Deutsche fallen fuer sie ins Feindbild, ohne dass sie unmittelbar vom Holocaust betroffen waren. Sowas regt mich auf, alles andere respektiere ich. Gerade Ashkenasis - und die kommen ja aus EUROPA- sind aufgeschlossener, liberaler, den Deutschen freundlicher gesinnt. Berlin ist fuer die DAS Reiseziel schlechthin.
    Ich habe meine Examensarbeit ueber deutschsprachige juedische Literatur geschrieben. Das war SEHR aufschlussreich und hat mich vieles entdecken lassen, was mir bis dahin unbekannt war (s.o.).
    Das ist super, wenn die Leute nicht verbittert sind, sondern wirklich was daraus gelernt haben und das auch ein bisschen differenzieren können. Leider gilt das ja nicht für alle. Hatte ich das in diesem Thread gesagt..... ich kannte ja mal zwei polnische Frauen, die in Ravensbrück gewesen waren. Die waren nicht jüdisch, Polinnen halt. Die eine war sehr nett, aber die andere hasste Juden. Und ich hab ihr gesagt, ich kann das nicht verstehen. Sie müsste doch gemerkt haben, wohin solche Vorurteile führen, von wegen Nazis und KZ und so. Aber sie meinte, das ist halt so, und dass sie halt schlechte Erfahrungen gemacht hat. Von wegen, dass die Juden da in Polen immer die Reichen waren, und die das den armen Leuten auch immer vorgehalten haben und sie dafür verhöhnt haben. Gut, aber das sind immer noch ein paar einzelne Juden, die das gemacht haben.

  4. #74
    Avatar von Katou
    Katou ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Ein Hallo in die Runde :-)

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Das finde ich sehr ungewoehnlich. War sehr oft in Frankreich, habe auch mit aelteren Herrschaften nur gute Erfahrungen gemacht. Wie alt war denn der Mann? Vielleicht war der unmittelbar betroffen? Das ist mir hier allerdings auch schon begenet und ich akzeptiere die Abneigung dann voll und ganz: Der Vater des Ex-Chefs meines Mannes war KZ-Ueberlebender und hatte seine gesamte Familie verloren. Dass der was gegen mich hatte, war fuer mich okay. Da kann ich nichts anderes erwarten. Ich hab mich bei den seltenen Treffen moeglichst nett und hoeflich angestellt und das war's. - Mit seinem Sohn verstehe ich mich sehr gut.
    ich kann mir eher schwer vorstellen das er unmittelbar betroffen war, er ist zwar recht alt (über 60 m.E.) aber indischer Herrkunft. Es war auch sicher nicht böse mir gegenüber gemeint denn er liess mich sonst nicht spüren das er eine Ablehnung mir gegenüber hatte, es war einfach das er Deutschland gleich mit Hitler verbunden hatte.
    Ansonsten habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht, war auch einige Zeit bei einer Jüdin putzen, die hat mir nebenbei französisch beigebracht und ging immer sehr nett mit mir um.
    la précision allemande+charme lusitanien x 2 + 1



    12/2008
    04/2014
    07/2019 bald

  5. #75
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Ein Hallo in die Runde :-)

    Borboleta, wo wohnst du eigentlich aktuell? In Frankreich oder Portugal? Bin etwas verwirrt.

  6. #76
    Avatar von Katou
    Katou ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Ein Hallo in die Runde :-)

    in Frankreich wieder seit bald 4 Jahren
    la précision allemande+charme lusitanien x 2 + 1



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