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Thema: Schweden

  1. #1
    Avatar von fimo
    fimo ist offline old hand

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    Standard Schweden

    Hallo ihr lieben,

    wir haben noch keine konkreten Pläne, aber immer wieder holt uns der Gedanke ein, dass wir ins Schweden ein "glücklicheres" Leben führen könnten. Oder eher gesagt eines, welches mehr unseren Vorstellungen entspricht.
    Gibt es hier Familien, die in Schweden leben und ein bisschen über ihre Erfahrungen berichten können? Wie lebt es sich dort, was gefällt euch gut/besser, was ist nicht so toll?
    Und konkret stellt sich die Frage nach dem Beruf, aber da wird mir vermutlich niemand hier weiterhelfen können....? Wir sind beide Erzieher, so wie ich gelesen habe ist es in Schweden sehr schwierig, die Ausbildung anerkannt zu bekommen.

    Ich bin gespannt auf eure Antworten!

    Liebe Grüße,
    Fimo

  2. #2
    lemik ist offline old hand

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    Standard Re: Schweden

    Zitat Zitat von fimo Beitrag anzeigen
    Hallo ihr lieben,

    wir haben noch keine konkreten Pläne, aber immer wieder holt uns der Gedanke ein, dass wir ins Schweden ein "glücklicheres" Leben führen könnten. Oder eher gesagt eines, welches mehr unseren Vorstellungen entspricht.
    Gibt es hier Familien, die in Schweden leben und ein bisschen über ihre Erfahrungen berichten können? Wie lebt es sich dort, was gefällt euch gut/besser, was ist nicht so toll?
    Und konkret stellt sich die Frage nach dem Beruf, aber da wird mir vermutlich niemand hier weiterhelfen können....? Wir sind beide Erzieher, so wie ich gelesen habe ist es in Schweden sehr schwierig, die Ausbildung anerkannt zu bekommen.

    Ich bin gespannt auf eure Antworten!

    Liebe Grüße,
    Fimo
    Ich lebe seit rund 15 Jahren in Schweden und ja, ich lebe hier sehr gerne (und gut) und kann mir ein Leben in Deutschland nicht (mehr) vorstellen. Schweden ist toll, es ist Familien- und kinderfreundlich, hat eine tolle Natur zu bieten, ich kann mich gut mit der Art der Schweden identifizieren, ich bin froh, dass meine Kinder hier aufwachsen dürfen, schätze die absolut problemlose Art, Kind und Karriere miteinander vereinbaren zu können, die entspannte Haltung der Schweden, etc.

    Aber: Schweden ist ein Land wie jedes andere auch. Punkt. Die Schweden sind eigen, es ist schwer, Kontakte zu knüpfen, die mehr als oberflächlich sind, das Gesundheitssystem ist furchtbar, wenn man das Deutsche gewohnt ist, die Lebenshaltungskosten sind wesentlich höher als in Dtl., von den Mieten ganz zu schweigen - und der Alltag ist hier halt irgendwann auch nur noch Alltag mit all den kleinen Problemen, die man auch sonst überall hätte.

    Wart ihr denn überhaupt schon mal in Schweden? Sprecht ihr die Sprache? Welche konkreten Verbesserungen versprecht ihr euch denn von einem Leben in Schweden?

    Ganz ehrlich: du wirst hier im Forum, soweit ich weiß, niemanden finden, der ausgewandert ist mit dem Ziel "glücklich(er) zu werden" (wobei die meisten hier, da stimmen mir sicher auch viele zu, sich nicht als Auswanderer bezeichnen würden, ich mich übrigens auch nicht). Ich halte das auch für den absolut falschen Ansatz. Man mag temporär ins Ausland gehen oder dauerhaft "auswandern", um mal raus zu kommen, was anderes zu sehen, den Horizont zu erweitern - oder halt einfach, weil es sich beruflich ergibt -, aber auszuwandern, weil man sich ein glücklicheres Leben verspricht? Da kann man meiner Meinung nach nur scheitern, weil man zwangsläufig enttäuscht wird, wenn man im Land ist und feststellt, dass das Paradies eben doch nicht so paradieshaft ist.

    Das klingt jetzt vermutlich hart, aber bevor ich für ein "glücklicheres Leben" auswandere, würde ich überlegen, was mich jetzt akut stört und wie ich das ändern kann. Wenn es jetzt die unfreundliche Art der Deutschen ist, stört mich in einem Jahr vermutlich auch die unterkühlte, distanzierte Art der Schweden - und dann?
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  3. #3
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Schweden

    Hej!

    Ich unterschreibe voll bei Lemik, obwohl/weil oder auch nur so ich in DK sitze, also sozusagen im Nachbarland oder dem Vorzimmer Schwedens (oje, das sollte nun aber kein Däne lesen).
    Ich weiß nicht wirklich, ob noch andere Schweden in diesem Thread geantwortet haben, aber da mir so war, als ob wir nicht gerade so eine Frage hatten (Wielebt es sich inSchweden), bin ich ein bißchen runtergegangen und habe dies wiedergefunden.
    Schau mal selber:
    https://www.eltern.de/foren/familien...goeteborg.html

    ich glaube auch, daß in vielerlei Hinsicht die Menschen in Dtld. nicht sehr zu schätzen wissen, was sie dort haben.
    Und natürlich holt einen der stressige, manchmal eintönige Alltag auch hier ein.
    ich habe eine freundin, dir dort wohnt, wo anderein DK Urlaub machen - aber wennwirsie im Sommer manchmal besuchten, kam sie mit uns, durch uns das erste Mal im Sommer ans Meer, weil sie einfach mit einem ganzen Arbeitstag, Familie mit 2 Kindern, Haus und Garten sowie Hund ausgelastet war und keine Zeit hatte, nach der Arbeit noch an am Strand zu liegen oder zu wandern.

    Zum Thema Erzieher kann ich wenig sagen,außer daß ich mir vorstellen kann, daß die in Schweden eine ähnliche Ausbildung wie in Dk machen - und die ist einem Studium (beinahe) gleichgestellt.
    Dadurch, daß eben in Skandinvaien beide Eltern arbeiten, ist der Standard der Kinderbetreuung sehr hoch und professionell.
    Natürlich ist in diesem beruf die Sprache unerläßlich.
    Und da sind wir dann auch beim nächsten Punkt.
    Auswandern, um glücklicher zu werden?
    Gehört dazu auch, daß man ständig in einer Fremdsprache lebt?
    ich lebe jetzt schon sehr lange hier in DK, verstehe so gut wie alles und spreche Dänisch natürlich fließend und sicher auch nicht grottenschlecht, aber ich würde niemals behaupten,daß ich mich in dieser Sprache zuhause fühle.

    Auswandern, um ein glücklicheres Leben zu führen - das ist wirklich schwer.
    denn in jedem der beiden Länder gibt es Schwachpunkte und starke Seiten - man muß eben herausfinden, ob die Nachteile im Ausland durch die Vortele aufgewogen werden können... wenn man überhaupt die Wahl hat.
    Zugegeben, von außen kann man das eh nur sehr schwer.

    Hier nun also der Link, wo Ihr vielleichtnoch ein bißchen mehr erfahrt:
    https://www.eltern.de/foren/familien...goeteborg.html

    Alles Gute - Ursel, DK
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    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  4. #4
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Schweden

    Ich lebe seit 22 Jahren in Schweden. Probleme, die Ausbildung anerkannt zu bekommen? Bei Erziehern glaube ich eigentlich nicht, dass das ein Problem ist. Klar, ganz einfach ist das oft nicht.... ich weiss von Leuten in anderen Berufen, die da Probleme hatten. Kommt auch etwas drauf an, mit was man genau arbeiten will. Da gibt es eine Behörde in Schweden, die ausländische Ausbildungen anerkennen... ich hab mal nachgeguckt, das hat sich geändert. Jetzt müsste es "Högskolverket" sein.

    Ich hab erst vor zwei, drei Wochen eine Menge geschrieben - in oben genanntem Thread. Da kannst du auch nachgucken.
    Eigentlich sind die Schweden nicht so pingelig, was die Ausbildung angeht. Wichtiger ist es, die Sprache zu beherrschen. Und wenn du es gewohnt bist, in Deutschland mit Kindern zu arbeiten - die Schweden haben da andere Vorstellungen. Ich bin selbst Lehrerin, hab aber nie in Deutschland gearbeitet. Aber ich hab mindestens eine Kollegin erlebt, die es nicht hingekriegt hat, sich umzustellen. D.h. die Kids haben sie nicht ernst genommen, weil sie denen zu autoritär daher kam.

    Ansonsten kann ich mich Lemiks Beschreibung anschliessen - gute Kinderbetreuung, schlechtes Gesundheitswesen. Aber ich frage mich auch, was du konkret erwartest, was hier besser ist?

  5. #5
    Avatar von fimo
    fimo ist offline old hand

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    Standard Re: Schweden

    Zitat Zitat von lemik Beitrag anzeigen

    Aber: Schweden ist ein Land wie jedes andere auch. Punkt. Die Schweden sind eigen, es ist schwer, Kontakte zu knüpfen, die mehr als oberflächlich sind, das Gesundheitssystem ist furchtbar, wenn man das Deutsche gewohnt ist, die Lebenshaltungskosten sind wesentlich höher als in Dtl., von den Mieten ganz zu schweigen - und der Alltag ist hier halt irgendwann auch nur noch Alltag mit all den kleinen Problemen, die man auch sonst überall hätte.

    [I]Das man nur schwer Kontakte knüpft, ist eine meiner Bedenken. Auch was das Gesundheitssystem und die weiteren Negativpunkte angeht, habe ich das schön gehört (steht z.B. in der entsprechenden Lektüre für Möchtegern-Schweden-Auswanderer). Mich hat vor allem interessiert, ob es von den Erfahrenen unter euch noch weitere Punkte gibt. Das es in jedem Land Dinge gibt, die einen unzufrieden stimmen, ist natürlich klar. [/I
    ]

    Wart ihr denn überhaupt schon mal in Schweden? Sprecht ihr die Sprache? Welche konkreten Verbesserungen versprecht ihr euch denn von einem Leben in Schweden?

    Wir waren bereits in Schweden. Die Sprache sprechen wir leider noch nicht, nur einzelne Worte. Würden wir tatsächlich auswandern, würden wir uns vorab um einen Sprachkurs bemühen. Verbesserungen ist vielleicht das falsche Wort, ein "glücklicheres" Leben war vielleicht auch blöd formuliert. Was uns Reizen würde, wäre tatsächlich die wunderschöne Natur, die Weitläufigkeit. Ein Traum wäre dann natürlich ein schönes Schwedenhaus mit großem Grundstück und eine freiere Kindheit durch das Aufwachsen mit/in der Natur. Wir wünschen uns noch mehr Kinder, und hier wird der Platz in- und außerhalb des Hauses immer beengt sein, in Schweden sind Häuser und Grundstücke ja deutlich erschwinglicher und in wunderschönen Lagen, die es hier nicht gibt. Das ist wohl einer der Hauptgründe, was für Schweden spräche. Natürlich ist uns schon klar, dass das nicht alles ist, das berufliche Umfeld müsste auch stimmen, die Finanzen und die sozialen Kontakte. Befürchten würde ich schon, dort zu irgendwann recht einsam zu sein oder die Familie Zuhause zu sehr zu vermissen.

    Ganz ehrlich: du wirst hier im Forum, soweit ich weiß, niemanden finden, der ausgewandert ist mit dem Ziel "glücklich(er) zu werden" (wobei die meisten hier, da stimmen mir sicher auch viele zu, sich nicht als Auswanderer bezeichnen würden, ich mich übrigens auch nicht). Ich halte das auch für den absolut falschen Ansatz. Man mag temporär ins Ausland gehen oder dauerhaft "auswandern", um mal raus zu kommen, was anderes zu sehen, den Horizont zu erweitern - oder halt einfach, weil es sich beruflich ergibt -, aber auszuwandern, weil man sich ein glücklicheres Leben verspricht? Da kann man meiner Meinung nach nur scheitern, weil man zwangsläufig enttäuscht wird, wenn man im Land ist und feststellt, dass das Paradies eben doch nicht so paradieshaft ist.

    So naiv sind wir nicht, das Paradies würden wir nicht erwarten. Nur einen Leben, welches durch die Rahmenbedingungen, die dort herrschen, mehr dem entspricht was wir uns für uns und unsere Kinder vorstellen. Ob das unrealistisch ist? Ich weiß es nicht. Aber nur temporär ins Ausland zu gehen wäre nicht unsere Art. Natürlich würden wir nicht ausschließen, irgendwann zurück zu kommen, aber wenn dann sollte es schon für einen langen Zeitraum oder gar für immer sein.

    Das klingt jetzt vermutlich hart, aber bevor ich für ein "glücklicheres Leben" auswandere, würde ich überlegen, was mich jetzt akut stört und wie ich das ändern kann. Wenn es jetzt die unfreundliche Art der Deutschen ist, stört mich in einem Jahr vermutlich auch die unterkühlte, distanzierte Art der Schweden - und dann?
    Klar ist für uns, dass es hier momentan nicht die Möglichkeit gibt, naturnah in einem größeren Haus zu leben, so wie wir uns das wünschen würden. Das wäre hier unbezahlbar. Es liegt für uns nur wenig an Dingen wie der Mentalität der Deutschen, an politischen Dingen oder anderen landesspezifischen Faktoren. Wir sind nicht primär unzufrieden mit Deutschland an sich.

    Zitat Zitat von DK-Ursel Beitrag anzeigen
    Hej!

    ich glaube auch, daß in vielerlei Hinsicht die Menschen in Dtld. nicht sehr zu schätzen wissen, was sie dort haben.
    Und natürlich holt einen der stressige, manchmal eintönige Alltag auch hier ein.

    Zu dieser Sorte gehören wir nicht, wir wissen schon zu schätzen, was wir hier haben. Und wir haben uns hier auch einiges aufgebaut, was wir nicht leichtfertig aufgeben würden. Darum fürchte ich, würde uns letztendlich wahrscheinlich auch der Mut zu solch einem Schritt fehlen......aber ob man das nicht irgendwann bereut, wenn man diesen Gedanken immer mit sich trägt?

    Zum Thema Erzieher kann ich wenig sagen,außer daß ich mir vorstellen kann, daß die in Schweden eine ähnliche Ausbildung wie in Dk machen - und die ist einem Studium (beinahe) gleichgestellt.
    Dadurch, daß eben in Skandinvaien beide Eltern arbeiten, ist der Standard der Kinderbetreuung sehr hoch und professionell.
    Natürlich ist in diesem beruf die Sprache unerläßlich.

    Richtig, so wie ich gelesen habe braucht man wohl unter anderem im Bestfall Abitur und muss einen Sprachtest auf Hochschulniveau bestehen.....

    Und da sind wir dann auch beim nächsten Punkt.
    Auswandern, um glücklicher zu werden?
    Gehört dazu auch, daß man ständig in einer Fremdsprache lebt?
    ich lebe jetzt schon sehr lange hier in DK, verstehe so gut wie alles und spreche Dänisch natürlich fließend und sicher auch nicht grottenschlecht, aber ich würde niemals behaupten,daß ich mich in dieser Sprache zuhause fühle.

    [B][I]Ich persönlich liebe es die schwedische Sprache zu hören (sprechen tue ich es ja leider noch nicht) und tue mich auch sehr leicht mit dem erlernen neuer Sprachen. Aber ich glaube dir, dass man sich nie ganz Zuhause fühlt in der fremden Sprache.

    Alles Gute - Ursel, DK

  6. #6
    chris124 Gast

    Standard Re: Schweden

    Also wenn es euch hauptsaechlich um ein grosses Haus auf dem Lande geht, warum zieht ihr dann nicht einfach nach Mecklenburg oder Brandenburg? Da sind das Risiko und die Kosten doch viel geringer. Ich habe fast 2 Jahre gebraucht, um mich halbwegs sicher in der daenischen Sprache zu fuehlen. Vielleicht solltet ihr erstmal mit einem Schwedischkurs beginnen (Rosetta Stone kann ich empfehlen), damit ihr abschaetzen koennt, wie leicht es euch faellt die Sprache zu lernen. Wenn man auf dem Lande lebt, braucht man ein Auto und das ist in Skandinavien viel teurer als in Deutschland. Ausserdem haettet ihr dann sicher Extrakosten wie Fluege nach D oder Babysitter, weil keine Verwandschaft mehr in der Naehe. Also unser Lebensstandard ist durch den Umzug nach DK eindeutig gesunken, wir haben vorher besser gewohnt.

  7. #7
    lemik ist offline old hand

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    Standard Re: Schweden

    Zitat Zitat von fimo Beitrag anzeigen
    Das man nur schwer Kontakte knüpft, ist eine meiner Bedenken. Auch was das Gesundheitssystem und die weiteren Negativpunkte angeht, habe ich das schön gehört (steht z.B. in der entsprechenden Lektüre für Möchtegern-Schweden-Auswanderer). Mich hat vor allem interessiert, ob es von den Erfahrenen unter euch noch weitere Punkte gibt. Das es in jedem Land Dinge gibt, die einen unzufrieden stimmen, ist natürlich klar.

    Wir waren bereits in Schweden. Die Sprache sprechen wir leider noch nicht, nur einzelne Worte. Würden wir tatsächlich auswandern, würden wir uns vorab um einen Sprachkurs bemühen. Verbesserungen ist vielleicht das falsche Wort, ein "glücklicheres" Leben war vielleicht auch blöd formuliert. Was uns Reizen würde, wäre tatsächlich die wunderschöne Natur, die Weitläufigkeit. Ein Traum wäre dann natürlich ein schönes Schwedenhaus mit großem Grundstück und eine freiere Kindheit durch das Aufwachsen mit/in der Natur. Wir wünschen uns noch mehr Kinder, und hier wird der Platz in- und außerhalb des Hauses immer beengt sein, in Schweden sind Häuser und Grundstücke ja deutlich erschwinglicher und in wunderschönen Lagen, die es hier nicht gibt. Das ist wohl einer der Hauptgründe, was für Schweden spräche. Natürlich ist uns schon klar, dass das nicht alles ist, das berufliche Umfeld müsste auch stimmen, die Finanzen und die sozialen Kontakte. Befürchten würde ich schon, dort zu irgendwann recht einsam zu sein oder die Familie Zuhause zu sehr zu vermissen.

    So naiv sind wir nicht, das Paradies würden wir nicht erwarten. Nur einen Leben, welches durch die Rahmenbedingungen, die dort herrschen, mehr dem entspricht was wir uns für uns und unsere Kinder vorstellen. Ob das unrealistisch ist? Ich weiß es nicht. Aber nur temporär ins Ausland zu gehen wäre nicht unsere Art. Natürlich würden wir nicht ausschließen, irgendwann zurück zu kommen, aber wenn dann sollte es schon für einen langen Zeitraum oder gar für immer sein.

    Klar ist für uns, dass es hier momentan nicht die Möglichkeit gibt, naturnah in einem größeren Haus zu leben, so wie wir uns das wünschen würden. Das wäre hier unbezahlbar. Es liegt für uns nur wenig an Dingen wie der Mentalität der Deutschen, an politischen Dingen oder anderen landesspezifischen Faktoren. Wir sind nicht primär unzufrieden mit Deutschland an sich.
    Huch - es ist also vor allem der Wunsch nach einem größeren Eigenheim, der euch nach Schweden zieht?!

    Die Deutschen sind wahnsinnig verwöhnt, was ihre Wohnverhältnisse betrifft - riesige Häuser wirst du hier sicher nicht en masse finden und wenn, dann weit, weit draußen auf dem Land. Da sind dann sicher auch die Preise etwas humaner als in den Städten oder in Stadtnähe, aber dass Häuser und Grundstücke hier erschwinglicher sind als in Dtl., halte ich für ein Gerücht. Ich jedenfalls - und wir sind gerade auf der Suche nach etwas Größerem - wäre schon über Hamburger Preise mehr als glücklich.

    Weit, weit draußen ist man dann übrigens auch mehr oder weniger abgeschnitten von der Außenwelt. Da hat man nicht nur endlos lange Wege für alles (Arbeitsstelle, Betreuungseinrichtung der Kinder, Supermarkt, Bäcker, ...), man hat dann auch keine Kontaktmöglichkeiten. Ja, man hat dann wunderbare Natur um sich herum - die kann man im Alltag, wenn man Vollzeit arbeitet, aber auch nicht genießen, schon gar nicht, wenn man endlos viel Zeit im Auto verbringt, um von A nach B zu kommen (und wenn man sie dann doch genießt, ist sie irgendwann halt auch nur noch Alltag und nichts Besonderes mehr). Das große Haus auf dem Land à la Bullerbü mag ja verlockend klingen - in der Realität ist das aber vermutlich eher was für Einsiedler oder den zweiwöchigen Sommerurlaub, die Vereinsamung ist da - gerade als Zugezogener und Ausländer - m.E. vorprogrammiert. Die jungen Schweden betreiben, ebenso wie die jungen Deutschen, Landflucht.

    Was die Arbeit als Erzieher angeht, stimme ich Fairie zu. Die Schweden erziehen ihre Kinder ganz anders als die Deutschen, haben einen anderen Umgang mit und eine andere Einstellung zu ihnen. Überlegt euch, ob ihr euch damit identifizieren könnt und ob es eurer Art entspricht. Zudem sieht der Arbeitsmarkt auf dem Land vermutlich auch nicht allzu rosig aus und gerade dort werden sicher einheimische Erzieher, die Schwedisch als Muttersprache sprechen und eine schwedische Ausbildung genossen haben (hier ist das für förskollärare in der Tat ein Studium), bevorzugt (da nimmt sich das schwedische Hinterland mit seinen alteingesessenen Einwohnern nichts mit der deutschen Provinz). Ob eure Ausbildung überhaupt anerkannt würde, mag noch mal von län zu län unterschiedlich geregelt sein - da müsst ihr euch halt informieren.

    Ansonsten sehe ich es wie chris124 - lernt erstmal die Sprache fließend zu sprechen. Ohne Sprachkenntnisse sind alle weiteren Überlegungen sowieso überflüssig. Und den Vorschlag, sich innerhalb Deutschlands anders zu orientieren, halte ich auch für keine schlechte Idee, wenn es nur ein größeres Haus sein soll, die Gesamtsituation für euch aber passt. In der Zeit, in der ihr die Sprache lernt, könnt ihr dann auch überlegen, ob ein "großes Haus in der Natur" (was sich für mich, mit Verlaub, nach einer verklärten Bullerbü-Romantik anhört) die Nachteile (deutlich höhere Lebenshaltungskosten bei +/- gleichem Einkommen, Distanz zur Familie, fehlende Kontakte vor Ort, Alltag in einer Fremdsprache, andere Mentalität, andere Traditionen, schlechtes Gesundheitssystem, ...) wirklich aufwiegt.
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  8. #8
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Schweden

    Mir geht's wie Lemik: Mir ist sofort das Stichwort "Bullerbue-Romantik" eingefallen.
    Dass Auswandern alleine nicht gluecklich macht, weil der geographische Standort wenig Einfluss auf die persoenliche Zufriendenheit hat, solange man nicht ausgrerechnet in einem Krisengebiet lebt, haben meine Vorschreiberinnen bereits ausgefuehrt. Dem ist nichts hinzuzufuegen.

    Ich war noch nie in Schweden, kann aber zum Thema "naturnahes Wohnen" in noerdlichen Breiten einiges an Erfahrung hinzufuegen. Hab's jetzt allerdings hinter mir (derzeit Australien), und ich romantisiere die Zeit im Rueckblick auch gerne ein bisschen.

    Unabhaengig von den oertlichen Immobilienpreisen braucht man fuer ein naturnahes schoenes Haus immer und in jedem Fall deutlich mehr Geld als fuer stadtnahes Wohnen. Zum einen muss die Immobilie in gutem Zustand sein, damit dir nicht mitten im Winter die Heizung oder anderes Wichtiges kaputtgeht und ihr nicht wegen schlechter Isolierung jeweils ein Gehalt zum Fenster hinausheizt.

    Ausserdem braucht ihr zwei Autos, und auch diese in gutem Zustand und wegen des Winters mit Allradantrieb. Und selbst dann wirst du oft spaet abends noch oder fruehmorgens im Dunkeln deine Einfahrt freischaufeln und dabei ein Stossgebet zum Himmel zu richten, dass das Baby drinnen auch wirklich schlaeft und dass es ueber Nacht nicht noch viel mehr schneit, weil du unmoeglich schon wieder zu spaet zur Arbeit kommen kannst. In noerdlichen Breiten wird im Gegensatz zu Deutschland nicht jedesmal der Ausnahmezustand verhaengt, wenn es schneit, sondern es wird erwartet, dass man damit zurechtkommt.

    Dass man fuer jeden Liter Milch mit dem Auto fahren muss, erwaehnte Lemik auch bereits. Das ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein enormer Zeitaufwand. Wenn Kinder erst im Kindergarten- und Schulalter sind, multipliziert sich das noch, weil jeder Spielbesuch und jede Klavierstunde Autofahrten bei jedem Wetter erfordern.

    Wie gut man mit dem Landleben zurechtkommt, ist ueberwiegend eine Frage der Mentalitaet. Unter "Bullerbue-Phantasie" stellt man sich ja eher froehliche Kinder vor, die auf sonnedurchfluteten Wiesen tollen und am Bach plaetschern. Solche Tage gibt es, aber es gibt deutliche mehr graue Dauerregen- und kalte, dunkle Wintertage. Natuerlich steht der Sache nichts im Wege, sich auch im Winter draussen aufzuhalten, aber sofern man nicht einen leicht durchfuehrbaren Wintersport wie z. B. Langlauf betreibt, wird das mit der Zeit nicht nur deinen Kindern, sondern dir selbst langweilig. Frag' dich mal ganz ehrlich, wie oft du an deinem jetzigen Wohnort ohne Grund (also nicht zum Einkaufen etc.) einfach nur so in der Umgebung deiner Wohnung im Winter spazieren gehst. Wenn du jetzt sagst "praktisch nie, denn da gibt es ja nichts zu sehen", wird es dir in deinem schwedischen Winter-Wonderland bald genauso ergehen. Ich kenne Leute, die ihren "naturnahen" Lebenstil vehement verteidigen, aber in der Realitaet wegen ein paar Naegeln aus lauter Langeweile eine stundenlange Fahrt in den naechsten Heimwerkermarkt in Kauf nehmen.

    Wenn du gut allein sein und dich alleine beschaeftigen kannst, ist das ein grosser Vorteil. Hobbies, die man ohne groesseren Spezialbedarf mit seinem Kindern zusammen betreiben kann (Handarbeiten, kuenstlerisches und musikalisches Arbeiten, Computerprogrammieren etc.), sind nicht nur ein Vorteil, sondern praktisch unerlaesslich. Einsamkeit kann zum echten Problem werden, und wenn Langeweile hinzukommt, ist es oft zur Depression kein grosser Schritt mehr.

    Technisch und handwerklich begabt zu sein und z. B. bei einem Stromausfall einen Generator anschliessen und in Gang bringen zu koennen, ist fuers naturnahe Leben ein grosses Plus. Mein Mann ist gottseidank beides, denn ich muesste fuer jeden Internet-Ausfall und jedes Problem mit der Heizung einen Kundendienst oder Handwerker bestellen. Wie sich das in der Realitaet in einem abgelegenen Haus darstellt, kannst du dir vielleicht vorstellen. Da kannst dur dir dann gleich einen ganzen Tag freinehmen und auf den Techniker warten, der dir dann mitteilt, dass er ein Teil bestellen und ein anderes Mal wiederkommen muss. Von den Kosten brauchen wir gar nicht zu reden. Und mit einem groesseren Haus mit grossem Grundstueck hat man sehr viel Instandhaltungsarbeit. Mein Mann und ich waren uns damals einig, dass das mit zwei Vollzeitjobs gar nicht zu machen waere, ohne dass man diverse Dienstleistungen fuer Schneeraeumen, Grasmaehen etc. in Anspruch naehme. Wie sich das in eurem Fall mit Erziehergehaeltern vereinbaren liesse, musst du auch selbst ueberlegen.

    Gut, dass es das Internet gibt. Da kann man ja problemlos und voellig hypothetisch Geahelter, Immobilienpreise etc. recherchieren. In der zdf-Mediathek findest du ueberigens einen interessanten Beitrag in der Serie "Auswandern auf Probe": Auswandern auf Probe - Teil 3 - Auswandern auf Probe - ZDFmediathek - ZDF Mediathek
    Die eine Haelfte der Sendung befasst sich mit einem deutschen Fotografen, der gerne auf Hawaii Fuss fassen wuerde, in der anderen Haelfte geht's um eine deutsche Hebamme mit Auswanderungswunsch Schweden.
    putzipoo gefällt dies
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

  9. #9
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Schweden

    Schliesse mich den anderen an. Ich bin die Frau aus dem "Krisengebiet" (Israel/Grenzgebiet), auf die Bilingualmom anspielte, die dir von dort aber sagen kann: Es ist nicht das Land, es sind die Menschen und die persoenliche Lebenssituation, die zufrieden oder "gluecklich" machen. - Ich wuerde diesen Platz hier nur im alleraeussersten Notfall verlassen!
    Verglichen mit dem, was bei einer Auswanderung auf dich zukaeme, solltet ihr ueberlegen, ob es fuer euch in Dtschl. nicht andere Wege zur groesseren Zufriedenheit gaebe. Ich war nach einer Doku neulich geschockt, wie wenig dtsch. Erzieher verdienen aber dafuer leisten. Von daher kann ich euch gut verstehen. ABER: Ist da die Auswanderung die Loesung? Was ist mit einer weiteren Qualifikation?
    Andersrum: Wenn ihr in der Lage seid, saemtliche Traeumereien abzuschalten, euch klar seid, dass es DAS Traumland nicht gibt. Wenn das Risiko nicht zu hoch ist und ihr zurueck koenntet. Wenn euch klar ist, dass euch die Unternehmung (Lebens-/Karriere-)ZEIT kostet und es euch dann noch immer reizt.....dann probiert es, bevor ihr euch jahrzehnte spaeter aergert, dass ihr es nie versucht habt!!! Ein bisschen Abenteuerlust muss sein!

  10. #10
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Schweden

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Schliesse mich den anderen an. Ich bin die Frau aus dem "Krisengebiet" (Israel/Grenzgebiet), auf die Bilingualmom anspielte, die dir von dort aber sagen kann: Es ist nicht das Land, es sind die Menschen und die persoenliche Lebenssituation, die zufrieden oder "gluecklich" machen. - Ich wuerde diesen Platz hier nur im alleraeussersten Notfall verlassen!
    Auch gut, dabei hatte ich eigentlich gar nicht auf dich persoenlich angespielt, sondern die Gluecksforschung im Hinterkopf ;-))

    Demnach hat die politische Lage - needless to say - schon einen Einfluss auf die persoenliche Zufriedenheit: Wer in einem stabilen, sicheren Land lebt hat bessere Chancen gluecklich zu werden als jemand der staendig konkret von Buergerkriegen, Vertreibung, Gewalt etc. bedroht ist. Dass nicht jeder diese Stabilitaet zu schaetzen weiss, steht auf einem anderen Blatt. Aber immerhin koennen wir der TE nicht vorwerfen, nur besseres Wetter im Kopf zu haben. Solche Postings ("mehr Sonne, nettere Leute") hatten wir hier ja auch schon.

    Was finanzielle Stabilitaet angeht, gilt Aehnliches. Mit wenig Geld ist es schwieriger, gluecklich zu sein, aber ab einem Einkommen von ueber $100.000 im Jahr wird z. B. der Durchschnittsamerikaner von mehr Geld nicht noch gluecklicher.

    Interessanterweise gilt das auch fuers Kinderkriegen: Am gluecklichsten sind statistisch die Muetter von ein oder zwei Kindern. Danach nimmt die Lebenszufriedenheit eher wieder ab. Nothing personal;-)) Ausnahmen bestaetigen natuerlich die Regel.
    Geändert von BilingualMom (16.09.2013 um 10:04 Uhr)
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

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