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Thema: Englisches Schulsystem versus deutsches

  1. #1
    Babette267 Gast

    Standard Englisches Schulsystem versus deutsches

    Ich komme drauf über eine Diskussion im Familienkreis. Selber kenne ich das englische System ja nur aus euren Berichten hier. Meine Schwägerin ist Engländerin und mein Neffe (3) ging bis vor kurzem in Deutschland in eine englische Kindergruppe. Vor wenigen Monaten ist er in einen deutschen Kindergarten gewechselt. Da hat er sich offenbar ganz prima integriert und spricht jetzt Deutsch, als hätte er's nie anders getan (vorher verstand er es zwar, sprach es aber kaum).
    Jetzt meinte meine Schwägerin kritisch, im deutschen Kindergarten werde nur gespielt. In der englischen Gruppe hätten sie schon Buchstaben gemacht, gezählt etc. Dies alles würde unseren Neffen jetzt nicht mehr interessieren, da das im Kindergarten auch gar nicht unterstützt werde. Warum denn in Deutschland "SO SPÄT" mit Lerninhalten begonnen werde?
    Ich lebe ja in den NL und sehe das hier als eine Zwischenform zwischen dem deutschen und dem englischen System. Hier fängt die Schule zwar mit 4 an, die ersten beiden Jahre sind aber Vorschule und beinhalten noch kein aktives Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen, schon aber Zählen, Buchstaben erkennen, An- und Auslaute erkennen etc.
    Was meint ihr Englandexpertinnen dazu? Muss sich meine Schwägerin Sorgen machen, weil ihr Sohn einen deutschen Kindergarten besucht ?

  2. #2
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Hej Babette!

    Ich bin zwar keine Englishckennenrin, aber ich bin ein großer Skeptiker bei allem, was den Kindern so schnell gezieltes "Scuhlwissen" anbietet.
    Wie sagte eine ältere kluge Freundin einmal?
    "Wenn du einen Menschen Mitte 20 für 2-3 Jahre einsperrst, kann er diese Jahre leicht nachholen, ihm entgeht nicht dauerhaft etwas.
    Wenn du dassselbe mit einem Menschen machst, der im Vorscuhlalter ist, verliert er wichtige Zeit."

    Und ich denke eben auch:
    Ein 2-J. spielt eben anders mit Sand und Wasser als ein 4J. oder ein 6J.
    Die eine Erfahrung baut auf der anderen auf, die eine wird ganz anders erlernt, erfahren, begriffen als die andere.
    Und allesi st wichtig.

    Spielen ist so enorm wichtig, daß - wie ich gerade heute orgendwo las - behinderte Kinder bewußt spielen sollen, damit sie Selbstbewußt sein entwickeln.
    Natürlich entwickeln sie das AUCH durch Wissen, aber im Spiel lernen Kinder.

    Ich glaube, ein großer Fehler derer, die nach "frühester Bildung, nach Frühunterricht" schreien, ist, daß sie nicht begreifen, wie sehr Kinder beim Spielen lernen - udn wie wichtig diese Erfahrungen für das spätere Lernen sind!

    Ja, Kinder zeigen oftmals früh Interesse für Buchstaben, Zahlen etc. --- aber es gibt nebenher soviel anderes, was sie erfahren und begreifen sollen, und das halte ich für viel wichtiger --- das reine Wissen, das wissen wir doch alle, kommt blitzschnell in der Schule.

    Die beiden Beispiele habe ich auch schon of erwähnt:
    Im Violinenunterricht ein 4j. Mädvchen - meine ein Jahr ältere Tochter war immer erschüttert, daß dieses Kind nicht begriff, nicht begreifen wollte?, wie eine Violine abgelegt wird - geschweige denn, daß sie spielen lernte.
    Sie war einfach noch zu jung für solche konzentrierten Aktionen.
    Ein jahr später machte sie all das, was man ihr vorher nicht beibringen konnte, nebenher - ohne probleme.

    Als der Freund meines Mannes wußte, daß er Medizin studieren woltle, belegte er natürlich? viele naturwissenschaftl. Fächer - an der Uni lachtendie Professoren die jungen Studenten beinahe aus:
    ENGLISCH uhätten sie lernen sollen,den die meistenlehrbücher sind hier auf Englisch (gewesen), das bißchen Naturwissenschaft der 3 Gymnasiumsjahre haben sie den Studenten in 4-8 Wochen beigebracht...

    Wozu also im KIGA schon Dinge lernen lassen, die i nder Scuhle noch drankommen - und die kinder stattdessen begrenzen in ihrer Phantasie, in ihrer Art,. die Welt zu entdecken - und auch das sind ja naturwissenschaftliche, sparchliche und andere Gesetzmäßigkeiten.

    ich finde, Deine Schwägerin sollte sich freuen,daß ihr Kind soviel Freiheit genießen darf!

    Gruß Ursel, DK -- die genau darum DK für Kinder auch wunderbar findet, obwohl hier auch alle i m Lehrbereich stöhnen e,s werde so viel verschärft und angezogen
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  3. #3
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Ich find das einfach witzig. Umgekehrt finden die meisten Deutschen es ja schlimm, wie lang die armen KLeinen anderswo in den Kindergarten gehen muessen und was sie da schon alles lernen (muessen)....
    - Aber fangen die in GB allen Ernstes mit DREI Jahren mit Buchstaben und Co an???? Ich dachte, das kaeme in den weiteren 2 KiGa-Jahren?! - Auch ich bin sehr gespannt auf unsere "Britinnen"!

    Uebrigens: schwaegerin schob jetzt schon Panik, Sohn koenne in der Schule (ist jetzt in der Vorschule und einer der Juengsten, erst Nov. 5 geworden) Probleme bekommen, da er keine Lust auf lange sitzen und Buchstaben schreiben hatte. - Ich hatte ihr die ganze Zeit gesagt: Dein sohn hat kein Problem, er braucht nur noch ein bisschen (und v.a zum Ausgleich Bewegung, die ihm fehlt).
    In der juengsten Zeit hat er sich veraendert, er bekommt mehr "Sinn" fuer die Dinge wie Zahlen und Buchstaben
    . - Ich frag mich daher immer oefter, ob die ueberfruehe Lernerei nicht Schuld ist an falschen "Lernschwierigkeiten"- Diagnosen und Co.?!
    Wird vielleicht gar zu oft ADS diagnostiziert und es fehlt schlicht und einfach das Toben und Rennen??
    Beruecksicht ab und zu jemand das ALTER eines Kindes? "Kreativitaet" scheint hier uebrigens eher ein Fremdwort....legt man in Grossbritannien darauf Wert????
    Geändert von falaffel (06.01.2014 um 09:41 Uhr)

  4. #4
    Babette267 Gast

    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Ich find das einfach witzig. Umgekehrt finden die meisten Deutschen es ja schlimm, wie lang die armen KLeinen anderswo in den Kindergarten gehen muessen und was sie da schon alles lernen (muessen)....
    - Aber fangen die in GB allen Ernstes mit DREI Jahren mit Buchstaben und Co an???? Ich dachte, das kaeme in den weiteren 2 KiGa-Jahren?! - Auch ich bin sehr gespannt auf unsere "Britinnen"!

    Uebrigens: schwaegerin schob jetzt schon Panik, Sohn koenne in der Schule (ist jetzt in der Vorschule und einer der Juengsten, erst Nov. 5 geworden) Probleme bekommen, da er keine Lust auf lange sitzen und Buchstaben schreiben hatte. - Ich hatte ihr die ganze Zeit gesagt: Dein sohn hat kein Problem, er braucht nur noch ein bisschen (und v.a zum Ausgleich Bewegung, die ihm fehlt).
    In der juengsten Zeit hat er sich veraendert, er bekommt mehr "Sinn" fuer die Dinge wie Zahlen und Buchstaben
    . - Ich frag mich daher immer oefter, ob die ueberfruehe Lernerei nicht Schuld ist an falschen "Lernschwierigkeiten"- Diagnosen und Co.?!
    Wird vielleicht gar zu oft ADS diagnostiziert und es fehlt schlicht und einfach das Toben und Rennen??
    Beruecksicht ab und zu jemand das ALTER eines Kindes? "Kreativitaet" scheint hier uebrigens eher ein Fremdwort....legt man in Grossbritannien darauf Wert????
    Ich glaube, im englischen System fängt man so früh (spielerisch) mit den Buchstaben an, weil das Verhältnis zwischen Aussprache und Schreibweise im Englischen ja besonders locker ist Aber da warten wir mal auf unsere Spezialistinnen hier.

    Ich finde übrigens, dass Kindergartenkinder durchaus zwischen allem freien Spiel, Rennen und Toben auch spielerisch etwas lernen dürfen. Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland oft im Kindergarten sehr wenig gemacht wird, dann aber erwartet wird, dass die Kinder in der 1. Klasse plötzlich stillsitzen und konzentriert arbeiten können. Zudem sollen sie dann in recht kurzer Zeit lesen lernen. Ich bin da mehr für einen langsameren Übergang, wie das hier halt üblich ist.

  5. #5
    matangi ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Zitat Zitat von Babette267 Beitrag anzeigen
    Ich komme drauf über eine Diskussion im Familienkreis. Selber kenne ich das englische System ja nur aus euren Berichten hier. Meine Schwägerin ist Engländerin und mein Neffe (3) ging bis vor kurzem in Deutschland in eine englische Kindergruppe. Vor wenigen Monaten ist er in einen deutschen Kindergarten gewechselt. Da hat er sich offenbar ganz prima integriert und spricht jetzt Deutsch, als hätte er's nie anders getan (vorher verstand er es zwar, sprach es aber kaum).
    Jetzt meinte meine Schwägerin kritisch, im deutschen Kindergarten werde nur gespielt. In der englischen Gruppe hätten sie schon Buchstaben gemacht, gezählt etc. Dies alles würde unseren Neffen jetzt nicht mehr interessieren, da das im Kindergarten auch gar nicht unterstützt werde. Warum denn in Deutschland "SO SPÄT" mit Lerninhalten begonnen werde?
    Ich lebe ja in den NL und sehe das hier als eine Zwischenform zwischen dem deutschen und dem englischen System. Hier fängt die Schule zwar mit 4 an, die ersten beiden Jahre sind aber Vorschule und beinhalten noch kein aktives Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen, schon aber Zählen, Buchstaben erkennen, An- und Auslaute erkennen etc.
    Was meint ihr Englandexpertinnen dazu? Muss sich meine Schwägerin Sorgen machen, weil ihr Sohn einen deutschen Kindergarten besucht ?
    Wir haben in Australien ein System, das dem englischen recht ähnlich ist. Und ja, da lernen die Kinder in der Preschool (also ab 3) Buchstaben und Zahlen. Mir ist das ehrlich gesagt wesentlich lieber als das deutsche. Nicht, weil ich denke, Kinder müssen schon früh mit allem vollgestopft werden, sondern weil ich das Gefühl habe, das passt viel besser. Für meine Kinder war es das richtige Alter, die haben sich da für die Dinge interessiert und es wurde ihnen in der normalen Kinderbetreuung daher einfach langweilig und Preschool hat ihnen Spass gemacht. Für mich war das deutsche extrem späte System der Horror - ich habe mich in der Grundschule zu Tode gelangweilt, weil ich mir Lesen, Schreiben und Rechnen schon selbst beigebracht hatte und bekam dann ständig Ärger, weil ich dann nur vor mich hingeträumt habe.

    Das Lernen passiert in der Preschool im übrigen sehr spielerisch, da ist kein Druck da. Und beim Lesen lernen wird für jedes Kind getestet, wie weit es ist, und es bekommt Bücher der jeweiligen Stufe mit nach hause zum Üben und jedes Kind arbeitet sich dann von seiner Stufe weiter nach oben.


    Das englische (bzw australische) Grundschulkonzept finde ich insgesamt wirklich ganz gut, später ist dann alles für meinen Geschmack etwas weichgespült, besonders was Mathe und Naturwissenschaften angeht. Dafür wird viel Wert auf Kommunkationsfähigkeit gelegt, schon in der Preschool präsentieren die Kinder ihr Lieblingsbuch vor der Klasse, was ja auch nicht schlecht ist.

    Ich kann zumindest gut nachvollziehen, warum deine Schwägerin entsetzt ist.

  6. #6
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Hej nochmal!

    Mag sein, daß in DK jetzt auch alles angezogen wird, aber wir haben den KIGA sehr spielerisch erlebt und dann die 0. Kl. als gute Vorbereitung für die Scule, wo eben geübt wurde, wie man sich in der Schule verhält, wo Kalender etc. besprochen wurden und auch die ersten Buchstaben oder ersten kleine Texte gelesen wurden.
    Selbst in der ersten Klasse ist das Tempo gemäßigt - ich fand es ja auch ziemlich niedrig, aber das liegt sicher auch daran, daß ich zwei recht begabte Töchter hatte, die wissendurstig waren --- die konnten sich aber gut auch neben der Schule "fortbilden".
    Gelangweilt haben sie sich leider auch viel i nder Scuhle, das lag aber niocht daran, daß sie bei Scuhlanfang oder gleich danach schon lesen konnten, sondern weil sie eben generell dem Klassenniveau eins voraus waren.
    Lesen, Schreiben und Rechnen holen die meisten Mitkameraden in der 1. Klasse doch schnell wieder auf. Das ist also ein kurzer Vorsprung.

    Vielleicht ist der Kontrast in Dtld. wirklich zu groß, der Leistungsdruck in den ersten 4 Klassen ist ja bereits enorm, damit der Wechsel auf´s Gymnasum gelingt.

    Falaffel, Deine Überlegungen zum Zusammenhang mit Bewegung finde ich sehr interessant - und richtig.
    Sie erinnerten mich auch sofort an den Vortragsredner im KIGA, der unseren KIGA mit weitläufigem Spielplatz bes. lobte: Nichts sei wichtiger als daß die KIGA-Kinder sich ordentlich bewegten und erprobten - nur wer seine Motorik (und nicht nur die ganz feine beim Erbsenzählen!) unter Kontrolle habe, wer nicht mehr dauernd drüber nachdenken müsse, wie er was macht und koordiniert, der kann gut lernen.
    Ganz abgesehen vom Selbstbewußtsein, nicht nur für behinderte Kinder.

    Zudem erinnere ich mich ja auch an Untersuchungen, daß z.B. Senioren ein besseres Gedächtnis haben, die sich bewegen...

    Meine Kinder haben sich wie erwähnt viel gelangweilt in den ersten Schuljahren - aber trotzdem bin ich froh, daß sie hier und nicht in Dtld. zur Schule gingen.
    Sie hatten viel zeit zu mSpielen, zu mAusprobieren der verschiedensten Dinge und uzm Intensivieren mancher Hobbies - vor der Scuhle und daneben - und DAS finde ich viel bessera ls frühes Buchstabenlernen im KIGA.
    DFAS hat man inder 1. Klasse dann bei normaler Intelligenz spätestens innerhalb der ersten Wochen auch gelernt!

    Gruß Ursel, DK
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  7. #7
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Zitat Zitat von matangi Beitrag anzeigen
    Wir haben in Australien ein System, das dem englischen recht ähnlich ist. Und ja, da lernen die Kinder in der Preschool (also ab 3) Buchstaben und Zahlen. Mir ist das ehrlich gesagt wesentlich lieber als das deutsche. Nicht, weil ich denke, Kinder müssen schon früh mit allem vollgestopft werden, sondern weil ich das Gefühl habe, das passt viel besser. Für meine Kinder war es das richtige Alter, die haben sich da für die Dinge interessiert und es wurde ihnen in der normalen Kinderbetreuung daher einfach langweilig und Preschool hat ihnen Spass gemacht. Für mich war das deutsche extrem späte System der Horror - ich habe mich in der Grundschule zu Tode gelangweilt, weil ich mir Lesen, Schreiben und Rechnen schon selbst beigebracht hatte und bekam dann ständig Ärger, weil ich dann nur vor mich hingeträumt habe.

    Das Lernen passiert in der Preschool im übrigen sehr spielerisch, da ist kein Druck da. Und beim Lesen lernen wird für jedes Kind getestet, wie weit es ist, und es bekommt Bücher der jeweiligen Stufe mit nach hause zum Üben und jedes Kind arbeitet sich dann von seiner Stufe weiter nach oben.


    Das englische (bzw australische) Grundschulkonzept finde ich insgesamt wirklich ganz gut, später ist dann alles für meinen Geschmack etwas weichgespült, besonders was Mathe und Naturwissenschaften angeht. Dafür wird viel Wert auf Kommunkationsfähigkeit gelegt, schon in der Preschool präsentieren die Kinder ihr Lieblingsbuch vor der Klasse, was ja auch nicht schlecht ist.

    Ich kann zumindest gut nachvollziehen, warum deine Schwägerin entsetzt ist.
    Hier machen sie der preschool auch Buchstaben, und preschool ist von 2;9-5. (Wobei ich ja kein Kind in preschool habe momentan.)
    Ich bin so dazwischen... und es kommt (tatatataaa! Binsenweisheit!) aufs Kind an. Eines meiner Kinder hat davon profititiert, weil sie so mit 4.5-5 lesen durfte. Im deutschen Kindergarten wäre das unter den Tisch gefallen. Meine bald Vierjährige kommt nach ihr und ich mache daheim mit ihr Buchstaben. Nicht um zu drillen, sondern weil sie es jetzt kann und will und sich nicht davon abbringen lässt.

    Andererseits bin ich voll bei Ursel. Buchstaben lernt man mit 5 oder 6 im Vorbeigehen, also wozu der Stress? Man kann sie doch dafür mit 8 nicht besser. Der Vorsprung verwächst sich wieder, also ist es egal.
    Ich glaube, für den messbaren akademischen Erfolg ist es egal. Fürs individuelle Kind passt es für manche besser als für andere.

    Fatal finde ich den Gedanken dahinter. Dieses Denken, dass ein kindlicher Kopf vollgefüllt werden muss statt ein Geist sich entfalten. Und wenn mehr rein muss, fängt man früher an... das ist sehr undeutsch

  8. #8
    matangi ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Zitat Zitat von 0Agnes0 Beitrag anzeigen
    Hier machen sie der preschool auch Buchstaben, und preschool ist von 2;9-5. (Wobei ich ja kein Kind in preschool habe momentan.)
    Ich bin so dazwischen... und es kommt (tatatataaa! Binsenweisheit!) aufs Kind an. Eines meiner Kinder hat davon profititiert, weil sie so mit 4.5-5 lesen durfte. Im deutschen Kindergarten wäre das unter den Tisch gefallen. Meine bald Vierjährige kommt nach ihr und ich mache daheim mit ihr Buchstaben. Nicht um zu drillen, sondern weil sie es jetzt kann und will und sich nicht davon abbringen lässt.
    Die Kinder werden ja auch in der Preschool nicht gedrillt. Sie lernen die Buchstaben und Zahlen, aber es wird nichts getestet und keinerlei Druck ausgeübt.

    Andererseits bin ich voll bei Ursel. Buchstaben lernt man mit 5 oder 6 im Vorbeigehen, also wozu der Stress?
    Mit 3 bis 4 aber auch, und Stress sehe ich da nirgends.

    Ich stimme aber prinzipiell mit dir überein - es macht kein Sinn, zu früh zu versuchen, Kindern etwas einzutrichtern, was sie ganz einfach etwas später lernen könnten, ich denke nur einfach, in Deutschland geht es für viele Kinder zu spät los, und Langeweile ist in der Schule genau so destruktiv wie Überforderung.

    Man kann sie doch dafür mit 8 nicht besser. Der Vorsprung verwächst sich wieder, also ist es egal.
    Kinder lieben es aber, selbst lesen zu können. Und früher Bücher zu lesen ist einfach früher Spass.


    Ich glaube, für den messbaren akademischen Erfolg ist es egal. Fürs individuelle Kind passt es für manche besser als für andere.

    Fatal finde ich den Gedanken dahinter. Dieses Denken, dass ein kindlicher Kopf vollgefüllt werden muss statt ein Geist sich entfalten. Und wenn mehr rein muss, fängt man früher an... das ist sehr undeutsch
    Wie gesagt, ich sehe hier nichts von Stopfen. Es wird meiner Meinung nach sehr viel mehr auf das einzelne Kind eingegangen und darauf Rücksicht genommen wo es steht als in Deutschland. Allerdings beruht mein Wissen über das deutsche System nur auf eigener Erfahrung (vielleicht nicht mehr ganz aktuell ) und Beschreibungen meiner Schwester und Freundinnen mit Kindern in deutschen Schulen.

  9. #9
    PMS
    PMS ist offline Strange

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Zitat Zitat von Babette267 Beitrag anzeigen
    Ich komme drauf über eine Diskussion im Familienkreis. Selber kenne ich das englische System ja nur aus euren Berichten hier. Meine Schwägerin ist Engländerin und mein Neffe (3) ging bis vor kurzem in Deutschland in eine englische Kindergruppe. Vor wenigen Monaten ist er in einen deutschen Kindergarten gewechselt. Da hat er sich offenbar ganz prima integriert und spricht jetzt Deutsch, als hätte er's nie anders getan (vorher verstand er es zwar, sprach es aber kaum).
    Jetzt meinte meine Schwägerin kritisch, im deutschen Kindergarten werde nur gespielt. In der englischen Gruppe hätten sie schon Buchstaben gemacht, gezählt etc. Dies alles würde unseren Neffen jetzt nicht mehr interessieren, da das im Kindergarten auch gar nicht unterstützt werde. Warum denn in Deutschland "SO SPÄT" mit Lerninhalten begonnen werde?
    Ich lebe ja in den NL und sehe das hier als eine Zwischenform zwischen dem deutschen und dem englischen System. Hier fängt die Schule zwar mit 4 an, die ersten beiden Jahre sind aber Vorschule und beinhalten noch kein aktives Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen, schon aber Zählen, Buchstaben erkennen, An- und Auslaute erkennen etc.
    Was meint ihr Englandexpertinnen dazu? Muss sich meine Schwägerin Sorgen machen, weil ihr Sohn einen deutschen Kindergarten besucht ?
    Keine Sorge, der Schwaegerinnensohn geht immerhin in der Lokomotive Europas in den Kindergarten….
    Meine Kinder waren in internationalen Schulen, die arbeiteten z.T. auch nach dem britischen System. Ich kann dafuer keine Belege liefern, aber nach meiner Beobachtung nutzen Buchstaben und Zahlen so frueh nur einer kleinen Gruppe wirklich was. Die, die aus sich heraus schon frueh daran interessiert sind, sind natuerlich gut bedient. Das grosse Mittelfeld koennte genausogut auch zwei oder drei Jahre spaeter systematisch alphabetisiert werden. Und dann gibts noch die, denen das in meinen Augen regelrecht schadet. Das laeuft zwar alles wirklich spielerisch ab, aber wenn ein Kind noch nicht so weit ist, dann kriegt es halt jeden Tag vorgefuehrt, dass es etwas einfach nicht kann. Es wird ja auch in Lerngruppen eingeteilt, und irgendwann haben schon alle raus, wer Biff und Chip Buecher schon auf Stufe vier lesen kann und wer noch mit reinen Bilderbuechern hantiert. Kommt also aufs Kind an. Wobei man auch noch die Frage stellen koennte, welchen wirklichen Wissenszuwachs Kinder durch das Lesen langer Woerter in fruehem Alter haben - die Geschichten, die dieser Oxford Reading Tree im britischen System zum Lesenlernen ausgibt, sind naemlich auch noch ziemlich droege. Mit ner bloeden Lehrerin hat man ploetzlich nen Vierjaehrigen, der zwar schon Buchstaben und Zahlen angeboten kriegt, sich aber fuer doof haelt, weil er damit nix anfangen kann, keine Lust mehr auf Schule hat und erstmal dichtmacht. Beim Lehrpersonal sind die Talente ja leider durchaus auch breit gestreut.

    Frappierend fand ich immer, wenn Kinder aus Laendern dazustiessen, die traditionell spaet mit verschultem Lernen anfangen. Die hatten im Nullkommanix ihren "Rueckstand" aufgeholt. Zumal die Theorie bei den Briten auch so aussieht, dass die die Kinder erst mit 11 - oder so - auf einem Stand haben wollen. Und so war es dann auch, in der siebten Klasse hat man keinem mehr angemerkt, ob er mit drei oder sieben geschnallt hat, wie man Buchstaben im Kopf zusammenzieht. Und das ist meiner Meinung nach der grosse Vorteil des britischen Systems, so wie ich es kennengelernt habe: die Kinder kriegen Zeit fuer ihr eigenes Tempo. Nicht die fruehe Alphabetisierung. Viel Input ist nicht gleich viel Output.

    Was die Qualtiaet des deutschen Kindergartens angeht: Mathematisches Verstaendnis oder Spracherziehung kann ja wunderbar in Feldern gefoerdert werden, die auf den ersten Blick messy aussehen. Ich wuerde deshalb an STelle der Schwaegerin mehr auf solche Sachen gucken wie: machen die im Kindergarten schon mal Experimente, kriegen die viel vorgelesen, wie sprechen die Erzieherinnen (!), wird mal was gekocht, gesungen, lernen die neue Spiele,…. Das sind ja auch alles Lerninhalte, und in einem guten Kindergarten werden die vermittelt, auch ohne dass es nach Schule aussieht. Und die sollten das Kind halt nicht bremsen, wenn es dann doch zu den Fruehstartern in Sachen Schulstoff gehoert. Also wie immer, ne generelle Aussage ueber besser oder schlechter des einen oder anderen Systems kann man schlecht treffen - es kommt drauf an.
    I'm not going to vacuum 'til Sears makes one you can ride on.
    -Roseanne Barr-

  10. #10
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: Englisches Schulsystem versus deutsches

    Zitat Zitat von matangi Beitrag anzeigen
    Die Kinder werden ja auch in der Preschool nicht gedrillt. Sie lernen die Buchstaben und Zahlen, aber es wird nichts getestet und keinerlei Druck ausgeübt.



    Mit 3 bis 4 aber auch, und Stress sehe ich da nirgends.

    Ich stimme aber prinzipiell mit dir überein - es macht kein Sinn, zu früh zu versuchen, Kindern etwas einzutrichtern, was sie ganz einfach etwas später lernen könnten, ich denke nur einfach, in Deutschland geht es für viele Kinder zu spät los, und Langeweile ist in der Schule genau so destruktiv wie Überforderung.



    Kinder lieben es aber, selbst lesen zu können. Und früher Bücher zu lesen ist einfach früher Spass.




    Wie gesagt, ich sehe hier nichts von Stopfen. Es wird meiner Meinung nach sehr viel mehr auf das einzelne Kind eingegangen und darauf Rücksicht genommen wo es steht als in Deutschland. Allerdings beruht mein Wissen über das deutsche System nur auf eigener Erfahrung (vielleicht nicht mehr ganz aktuell ) und Beschreibungen meiner Schwester und Freundinnen mit Kindern in deutschen Schulen.
    Ich sah viel Stopfen in preschool und im Vorschuljahr...und auch viel Testen. Für uns nie problematisch, da die Kinder überm Durchschnitt sind. Aber wenn nicht...
    Dafür wird hier niederschwellig gefördert, das ist gut. Insgesamt gefällt es mir hier ein klitzekleines besser für Grundschilalter, aber ich find's zu wenig verspielt davor. Allein, was in einem preschool Klassenraum an Postern hängt, damit noch eine weitere Info es ins Hirn schafft. Unterschwellig kam das bei mir immer als Lernaufforderung an, egal wo man hinschaut. Da fehlt mir das Ruhige, Kontemplative, Gelassene.

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