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  1. #1
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Anrede/Höflichkeit

    Nachdem der andere Thread etwas in die Richtung abgedriftet ist, mach ich einen neuen auf. Abgesehen vom "du" und "Sie" (kann man natürlich auch noch weiterdiskutieren), gibt es ja noch andere Anreden oder Höflichkeitsdinge, die sich unterscheiden. Meine Schwester hat es, als meine Kinder kleiner waren, bedauert, dass sie nicht "Tante" sagen wollten. Aber in Schweden ist es veraltet, "Tante" oder "Onkel" zu sagen. Deshalb sprechen die Kinder meine Schwester nur mit Vornamen an. Und ich finde das nicht so schlimm, dass ich es ändern wollte.

    Meine kurdische Schwägerin dagegen ist da total hinterher und passt auf wie ein Luchs, dass ihre Kinder ja nicht ihre Onkel nur mit Vornamen anreden. Sie müssen "ammo" oder so ähnlich sagen. Dabei sind die Onkel alle Schweden. Die machen sich da gar nicht draus.

    Die Franzosen sind wohl die "höflichsten" was Anrede innerhalb der Familie angeht. Es ist wohl noch nicht allzu lange her, dass Kinder ihre Eltern oder zumindest die Grosseltern siezen mussten?

  2. #2
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Das soll es in Frankreich in vornehmen Familien noch immer geben.

    Araber haben es ja auch immer sehr mit Hoeflichkeit, aber formelle Anredeformen gibt es im Alltagsleben witzigerweise nicht. Die Kinder reden ihre Lehrer mit dem Titel "LehrerIn" plus Vornamen an. Das ist manchmal unpraktisch wenn man wissen moechte, mit wem man es zu tun hat und den Betoffenen einer Familie zuordnen moechte (zumal es sich meist um irgendwo eingeheiratete Lehrerinne handelt).
    "Ammo" und "Amto" oder die Entsprechungen auf muetterlicher SEite verwenden wir in der nahen Verwandtschaft ueberhaupt nicht, in traditionelleren Familien oder mit der aelteren Generation verwendet man es. Etwa Gleichaltrige spricht man mit "Bruder" oder "Schwester" an, Aeltere mit "Onkel" oder "Tante" und die sind auch gekraenkt, wenn man nur den Vornamen verwendet. Mn benutzt aber immer die Du-Form und spricht niemanden mit dem Familiennamen an. - Das tut man wiederum auf Hebraeisch im oeffentlichen Leben, auch wieder in Verbindung mit dem "du", was ich immer etwas seltsam finde. Da gibt es aber auch die Bezeichnungen "Herr/Frau".

  3. #3
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Ich kann mich an Ferien waehrend meiner Kindheit im deutschsprachigen Teil Suedtirols erinnern, als Kinder dort ihre Eltern noch in der zweiten Person Plural ansprachen. Das klang wirklich altertuemlich, als ob ein Untertan einen Adeligen asnpricht. Es hiess auch respektvoll "Mutter" und "Vater" - nix mit Mama, Papa oder aehnlichem.

    Australier sind in Sachen Anrede noch legerer als Amerikaner. Beim Personalpronomen gibt's im Englischen ja ohnehin keinen Unterschied, aber ich habe noch nie erlebt, dass ein erwachsener Australier einen anderen mit "Mr." oder Mrs." angesprochen haette. Ich musste mich hier erst daran gewoehnen, die Lehrer meiner Tochter sogar vor den Kindern mit Vornamen anzusprechen. In Amerika ist das nicht ueblich, es sei denn, man ist mit dem Lehrer zufaellig auch befreundet.

    Neulich stand ich beim Baecker an und sagte zur Verkaeuferin: "I think this gentleman was here first." Der Mann, den ich gemeint hatte, fuehlte sich geschmeichelt und amuesierte sich gleichzeitig darueber, als "Gentleman" bezeichnet zu werden. Australier sind das offenbar nicht gewoehnt. In Amerika ist es dagegen ganz normal, einen Erwachsenen, dessen Namen man nicht kennt, in dessen Anwesenheit als "Gentleman" bzw. "Lady" zu bezeichen. Genau wie man im Deutschen "Herr" oder "Dame" benutzen wuerde. Einen Anwesenden nur als "he" oder "she" zu bezeichnen ist unhoeflich.
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

  4. #4
    Babette267 Gast

    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Zitat Zitat von Fairie Beitrag anzeigen
    Nachdem der andere Thread etwas in die Richtung abgedriftet ist, mach ich einen neuen auf. Abgesehen vom "du" und "Sie" (kann man natürlich auch noch weiterdiskutieren), gibt es ja noch andere Anreden oder Höflichkeitsdinge, die sich unterscheiden. Meine Schwester hat es, als meine Kinder kleiner waren, bedauert, dass sie nicht "Tante" sagen wollten. Aber in Schweden ist es veraltet, "Tante" oder "Onkel" zu sagen. Deshalb sprechen die Kinder meine Schwester nur mit Vornamen an. Und ich finde das nicht so schlimm, dass ich es ändern wollte.

    Meine kurdische Schwägerin dagegen ist da total hinterher und passt auf wie ein Luchs, dass ihre Kinder ja nicht ihre Onkel nur mit Vornamen anreden. Sie müssen "ammo" oder so ähnlich sagen. Dabei sind die Onkel alle Schweden. Die machen sich da gar nicht draus.

    Die Franzosen sind wohl die "höflichsten" was Anrede innerhalb der Familie angeht. Es ist wohl noch nicht allzu lange her, dass Kinder ihre Eltern oder zumindest die Grosseltern siezen mussten?
    In den Niederlanden ist es noch nicht so lange her, dass man Eltern und Großeltern für gewöhnlich siezte. Die niederländische Höflichkeitsform "u" ist nämlich eine Respektsform, die vor allem älteren Leuten zukommt. Es gibt noch viele Leute, die Eltern, Tanten und vor allem Großeltern siezen. Bei den heutigen Kindern ist das aber nicht mehr gebräuchlich. Louis van Gaal hat ja mal in einem Interview gesagt, dass er darauf bestehe, dass seine Kinder ihn siezen. Bis heute ist es auch üblich, dass (zumindest ältere) Dozenten an der Uni gesiezt werden, sie ihre Studenten aber duzen. Man kann also in die eine Richtung siezen, in die andere duzen, was ich sehr verwirrend finde. Wenn jüngere Leute mich also siezen, bedeutet das nicht unbedingt, dass ich sie auch sieze. Andersrum darf ich einen Älteren nicht unbedingt duzen, weil er mich duzt.
    Im Allgemeinen wird aber sehr viel geduzt: Nachbarn, Arbeitskollegen usw. Vor allem ist das "jij" (du) üblich, sobald man sich mal kennengelernt hat. Dass man zusammenarbeitet und sich trotzdem siezt, ist sehr unüblich. Eigentlich ist es umgekehrt wie im Deutschen. Im Deutschen ist das Sie die Form, die man im Zweifelsfall verwendet, im Niederländischen duzt man im Zweifelsfall.

  5. #5
    choupette ist offline Veteran

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Zitat Zitat von Fairie Beitrag anzeigen

    Die Franzosen sind wohl die "höflichsten" was Anrede innerhalb der Familie angeht. Es ist wohl noch nicht allzu lange her, dass Kinder ihre Eltern oder zumindest die Grosseltern siezen mussten?

    Die Kinder duzen zwar ihre frz Großeltern, aber ich Sieze meine Schwiegereltern, die mich wiederum duzen...
    Das ist aber wohl allgemein üblich. So kenne ich das eigentlich von allen frz Freunden.
    Mein frz Mann Siezt deshalb allerdings auch seine dt Schwiegereltern - was die anfangs nicht verstanden haben (wir haben ihm doch schon lange das DU angeboten?!)
    Allerdings hat er mir auch erklärt, dass im Deutschen das Siezen viel einfacher sei, weil die Verben dann ja quasi gar nicht konjugiert werden müssen : Sie -en...

    Die Franzosen sind in vielen Dingen glaube ich nicht so direkt, da fällt man mit deutscher Direktheit, klar zu sagenm was Sache ist, vielleicht manchmal auf.

  6. #6
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    HejChoupette!

    Genau darum hat mein Mann auch sehr lange alle unsere Freunde in Dtl. gesiezt - und ich rate es meinen Senioren imDeutschkursus auch so.
    Die sind das DU durch dän. Verhältnisse gewöhnt - selbst eine recht alte Dame entsetzte sich,daß sich in Dtld. Nachbarn siezen, lächel.
    DSasind odch keineFremden!

    Aberes ist eben leichter,Sie zu sagen, die konjugierte Verbform ist wie der Infinitiv - das ist leichter alsauch noch zwischen Du und IHR zu unterscheiden und dann die richtigeVerbform zu finden.
    Und direkt auf die Füße tritt man ja wohl eher andersrum denL euten, lächel.

    Tanteuundonkelsind hier auch abgeschafft, allerdingsgibteseine liebevolle Form für die Tante mütterlicherseits, die dann Moster heißt.
    Väterlicherseits wird sie zur Faster, und so bezeichnet man die Menschen dann auch - ob die kinder sie dann wirklich so anreden, bezweifele ich.

    Undauch einenDoktor triofft manselten - daß derwie inDtld. zumNamen gehört, habe ich noch niegehört,aberwie gesagt, ich kenne auch niemanden mit dem Titel hier.

    Griuß Ursel, DK.
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  7. #7
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Toll, dass eure Männer und vielleicht andere Erwachsene drauf gekommen sind, dass es ziemlich einfach ist mit der Sie-Form. Meine Schüler finden das bloss immer so kompliziert. Aber Teenager sowieso etwas durcheinander.
    Ursel: Moster und Faster gibt es auch in Schweden. Und auch morbror und farbror. Aber ich hab noch nie gehört, dass Kinder so was gesagt haben. Als Anrede also. Wenn sie erklären, wie sie mit der Person verwandt sind, dann natürlich schon.

  8. #8
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Zitat Zitat von DK-Ursel Beitrag anzeigen
    Genau darum hat mein Mann auch sehr lange alle unsere Freunde in Dtl. gesiezt - und ich rate es meinen Senioren imDeutschkursus auch so.
    Die sind das DU durch dän. Verhältnisse gewöhnt - selbst eine recht alte Dame entsetzte sich,daß sich in Dtld. Nachbarn siezen, lächel.
    DSasind odch keineFremden!
    Englischsprecher befuerchten beim "Sie" auch oft, es koennte sich jemand durch unnoetige Distanz abgelehnt fuehlen. Ich erklaere meinen Schuelern aber immer, dass die Gefahr jemanden mit einem "Sie" zu beleidigen deutlich geringer ist als mit einem unpassenden "du" ins Fettnaepfchen zu treten. Meine Faustregel ist immer: Beim geringsten Zweifel auf jeden Fall siezen. Nur Kinder und Tiere werden immer geduzt.

    Meine Schueler lernen Deutschland meistens als Geschaeftsreisende oder Touristen kennen, so dass sich das Problem mit der richtigen Ansprache von Nachbarn oder Verwandten nicht stellt. Hingegen hat man auf Reisen ja eher mit Menschen in Dienstleistungsberufen zu tun, und einen Kellner im Restaurant, einen Flugbegleiter oder eine Verkaeuferin einfach zu duzen, ist fast immer unpassend.
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

  9. #9
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Ganz genau,BilingiualMom.
    Ich vermittele meinen Senioren ja auch eher Deutsch fürTouristen,also zum Reisegebrauch, und da ist das SIE auf jeden Fall angebracht.

    Farie - ja, ich denke auch, die modernen Kinder benutzen das nur noch als Beschreibung der Verwandtschaft - wie ja auch mormor die Großmutter mütterlicherseits und farmor die väterlicherseits ist.
    Entsprechend sowohl bei den Großeltern als auch Tanten gibt es das für die Männer, wie bei Euch.

    Mein Mann hat allerdings ien Cousine,die tatsächliche ihre Tante mit faster anredet, sie (die Cousine) ist aber auch schon über40.
    und dakommt es dann zu verwirrenden Situation, daß dieselbe Tante für diese Cousine Faster ist,während sie für uns Moster ist.
    Gruß Ursel, DK
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  10. #10
    rastamamma ist offline Urgestein

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    Standard Re: Anrede/Höflichkeit

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Das soll es in Frankreich in vornehmen Familien noch immer geben.

    Araber haben es ja auch immer sehr mit Hoeflichkeit, aber formelle Anredeformen gibt es im Alltagsleben witzigerweise nicht. Die Kinder reden ihre Lehrer mit dem Titel "LehrerIn" plus Vornamen an. Das ist manchmal unpraktisch wenn man wissen moechte, mit wem man es zu tun hat und den Betoffenen einer Familie zuordnen moechte (zumal es sich meist um irgendwo eingeheiratete Lehrerinne handelt).
    Die Anrede "Lehrerin + Vorname" ist genauso wie die Anrede "Doktor + Vorname" keineswegs ein Zeichen für Mangel an formellen Anredeformen, sondern Ausdruck der Tatsache, dass es in arabischen Ländern noch nicht so lange Familiennamen gibt. In China wäre "Herr + Vorname" übrigens auch ganz normal.


    "Ammo" und "Amto" oder die Entsprechungen auf muetterlicher SEite verwenden wir in der nahen Verwandtschaft ueberhaupt nicht, in traditionelleren Familien oder mit der aelteren Generation verwendet man es. Etwa Gleichaltrige spricht man mit "Bruder" oder "Schwester" an, Aeltere mit "Onkel" oder "Tante" und die sind auch gekraenkt, wenn man nur den Vornamen verwendet. Mn benutzt aber immer die Du

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