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  1. #1
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Denotat und Konnotat

    Ich hab ja nur ein bisschen Linguistik studiert. Aber das mit dem "Denotat" und "Konnotat" hat mich immer fasziniert, weil ich mich gefragt habe, inwiefern wir wirklich die gleiche Sprache sprechen und ob wir uns nicht sowieso staendig falsch verstehen, weil wir Begriffe unterschiedlich interpretieren.
    Bezueglich meiner Kinder beschaeftigt mich das wieder.
    Mit dem "Denotat" ist die lexikalische Bedeutung eines Wortes gemeint. Das, was wir nachschlagen koennen.
    Das "Konnotat" ist der "assoziative Begriffsinhalt". Also das, was als Zusatzbedeutung hinter einem Begriff steckt, haeufig eine sehr subjektive Angelegenheit. Es ist etwas, was man in der Fremdsprache kaum mitlernen kann. - Es kommt ja unter Einsprachigen schon oft genug vor, dass man ein Wort "klaeren" muss.
    Was also passiert, wenn unsere Kinder mit einem ganz anderen kulturellen Hintergrund als wir von uns unsere Muttersprache lernen? Sprechen und VERSTEHEstN sie das gleiche Deutsch wie wir??? Ich habe mit meinen Kindern schon manches Mal sprachliche "Feinheiten" klaeren muessen, habe festgestellt, dass sie einen Begriff anders verehen als ich.
    Bei einem Begriff wie "Sau", den sie nur als "weibliches Schwein", aber nicht Schimpfwort kennen, ist die Sache einfach zu klaeren. Bei anderen Dingen wird's schwieriger. - Leider habe ich gerade kein gutes Beispiel parat. Vielleicht nach der naechsten Runde Vorlesen.

  2. #2
    Babette267 Gast

    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Ich hab ja nur ein bisschen Linguistik studiert. Aber das mit dem "Denotat" und "Konnotat" hat mich immer fasziniert, weil ich mich gefragt habe, inwiefern wir wirklich die gleiche Sprache sprechen und ob wir uns nicht sowieso staendig falsch verstehen, weil wir Begriffe unterschiedlich interpretieren.
    Bezueglich meiner Kinder beschaeftigt mich das wieder.
    Mit dem "Denotat" ist die lexikalische Bedeutung eines Wortes gemeint. Das, was wir nachschlagen koennen.
    Das "Konnotat" ist der "assoziative Begriffsinhalt". Also das, was als Zusatzbedeutung hinter einem Begriff steckt, haeufig eine sehr subjektive Angelegenheit. Es ist etwas, was man in der Fremdsprache kaum mitlernen kann. - Es kommt ja unter Einsprachigen schon oft genug vor, dass man ein Wort "klaeren" muss.
    Was also passiert, wenn unsere Kinder mit einem ganz anderen kulturellen Hintergrund als wir von uns unsere Muttersprache lernen? Sprechen und VERSTEHEstN sie das gleiche Deutsch wie wir??? Ich habe mit meinen Kindern schon manches Mal sprachliche "Feinheiten" klaeren muessen, habe festgestellt, dass sie einen Begriff anders verehen als ich.
    Bei einem Begriff wie "Sau", den sie nur als "weibliches Schwein", aber nicht Schimpfwort kennen, ist die Sache einfach zu klaeren. Bei anderen Dingen wird's schwieriger. - Leider habe ich gerade kein gutes Beispiel parat. Vielleicht nach der naechsten Runde Vorlesen.
    Ferdinand de Saussure lässt grüßen
    Als ich in Frankreich als "Assistante" war, hatte ich einen englischen Kollegen. Der erzählte mir entsetzt von einer alten Freundin seiner Mutter, die schon lange in Frankreich lebe. Sie spräche etwas angestaubt englisch und würde das Wort "gay" immer noch in der Bedeutung "fröhlich" verwenden
    Also auch "direkte" Muttersprachler können auf dem Gebiet Probleme bekommen. Meine Kinder, muss ich gestehen, kennen Sau eher als Verstärkung (saukalt) denn als weibliches Schwein Und neulich hat Kind 2 entzückt das Wort "hundsgemein" gelernt. Meine Kinder verwenden auch immer wieder Wörter, die sie nicht von mir haben. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie doch recht viel auf Deutsch fernsehen bzw. jeden Abend im Internet "Logo" gucken. Und sie übernehmen vor allem Konnotate sofort.

  3. #3
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Hihi, Babette, hattest du Mitleid mit mir? Keiner konnte was mit diesem Thread anfangen, aber du hast dich schliesslich doch erbarmt. Danke!
    Ich geb zu, dass ich mit dem guten de Saussure sehr viel Spass hatte!
    Ich meinte das Ganze auch weitergehend aber stelle fest, dass ich nicht so genau weiss, wie ich euch das rueberbringen soll.
    Meine Kinder wachsen ja in einer total anderen Welt auf als ich und mir kam so der Gedanke, dass wir zwar die gleiche Sprache sprechen, aber dass das Bild, das sich fuer sie hinter den Woertern verbirgt, von meinem sehr abweicht.
    Ihre Vorstellung von "Brot", "Kirche", "Schule" etc. Ist ganz anders und bei abstrakteren Dingen ist das noch schwieriger. Auch fassen Araber manche Dinge anders auf, man kann sich nicht so "direkt" ausdruecken wie mit Deutschen. Ich habe bei unserer "Brueckensprache"Englisch manchmal festgestellt, dass mein Mann Begriffe anders verstand als ich.
    - Und das ist das, was mich als Sprachlehrerin beschaeftigt: Denotate kann ich vermitteln, Konnotate nur beschraenkt und das "Kulturelle Sprachgefuehl" sowieso nicht. - Und wieweit gebe ich das meinen Kindern mit?
    -Oder ist das alles Quatsch?

  4. #4
    Babette267 Gast

    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Hihi, Babette, hattest du Mitleid mit mir? Keiner konnte was mit diesem Thread anfangen, aber du hast dich schliesslich doch erbarmt. Danke!
    Ich geb zu, dass ich mit dem guten de Saussure sehr viel Spass hatte!
    Ich meinte das Ganze auch weitergehend aber stelle fest, dass ich nicht so genau weiss, wie ich euch das rueberbringen soll.
    Meine Kinder wachsen ja in einer total anderen Welt auf als ich und mir kam so der Gedanke, dass wir zwar die gleiche Sprache sprechen, aber dass das Bild, das sich fuer sie hinter den Woertern verbirgt, von meinem sehr abweicht.
    Ihre Vorstellung von "Brot", "Kirche", "Schule" etc. Ist ganz anders und bei abstrakteren Dingen ist das noch schwieriger. Auch fassen Araber manche Dinge anders auf, man kann sich nicht so "direkt" ausdruecken wie mit Deutschen. Ich habe bei unserer "Brueckensprache"Englisch manchmal festgestellt, dass mein Mann Begriffe anders verstand als ich.
    - Und das ist das, was mich als Sprachlehrerin beschaeftigt: Denotate kann ich vermitteln, Konnotate nur beschraenkt und das "Kulturelle Sprachgefuehl" sowieso nicht. - Und wieweit gebe ich das meinen Kindern mit?
    -Oder ist das alles Quatsch?
    Nein, kein Mitleid, dass Saussure-Thema konnte ich als Sprachwissenschaftlerin natürlich nicht auslassen
    Ja, später ist mir auch eingefallen, dass das Thema dich besonders betrifft, weil eure Umgebungskultur sehr viel anders ist als die europäische. Bei uns ist das in der Tat nicht so schwierig, weil sich viele Phänomene doch nicht soooo stark unterscheiden.
    Ich glaube, deinen Kindern kannst du die Konnotationen nur beschränkt vermitteln, letztendlich werden sie es vielleicht bei längeren Deutschland-Aufenthalten erfahren. Deinen Sprachschülern kannst du es wahrscheinlich nur sehr beschränkt vermitteln. Ich merke schon an meinen niederländischen Kursteilnehmern, dass sie manchmal Schwierigkeiten haben, z.B. den Unterschied zwischen billig und preiswert zu verstehen. Oder warum die Deutschen oft so hartnäckig beim Sie bleiben. So etwas lernt man wirklich nur im Umgang mit der anderen Kultur.

  5. #5
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Da gibt es bestimmt interessante Wörter und Ausdrücke, aber mir fällt da im Moment nicht so viel ein. Höchstens eins: alle Schweden - auch meine Kinder - reagieren auf den Markennamen "Schwarzkopf". Auf Schwedisch ist das ein rassistischer Ausdruck. Und es ist schon ziemlich schwer, Schweden klarzumachen, dass man da auf Deutsch gar keine Hintergedanken hat.

    Da meine Kinder inzwischen auch erwachsen sind, kommen sie eher selbst mit solchen Überlegungen. Sohn 2 lass in irgendwelchen Garantie-Papieren, dass die Garantie ausgeschlossen war bei "act of God". Er fand, typisch Amerikaner, die glauben wirklich an Gott. Ich meinte, hier spricht man von "force majeure", höherer Macht. Das ist ja im Grunde wohl ziemlich das Gleiche. Wie ernstgemeint solche religiösen Formulierungen sind, haben wir schon öfter diskutiert.

  6. #6
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Hejallesammen!

    ich glaube, ich mußte auch erst ein bißchen nachdenken - und habe es dann auch wieder vergessen.

    Ist das nicht eigentlich auch ein bißchen in die Diskussionsrichtung, die wir mal hatten, als Du, Fairie, diesen armen Hausbesichtiger so vor den Kopf gestoßen hast, weil "er sich da und dort aufhängen" konnte?

    Fairie, wie sagt man "Pole" auf Schwedisch?
    Die Dänen sagen völlig wertneutral, so wie wir eben Polen sagen, "Pollakker" - und mit "Polacken" bezeichnet man Dtld. garantiert nicht liebevoll einen Menschen aus Polen,wie Ihr ja wißt.
    Naja, die dän. Ministerin,die in den Fettnapf trampelte, als sie in der Diskussion um Grenzkontrollen -womöglich sogar, um geistreich zu erscheinen, ich weiß es nicht - sagte "nirmand wolle eine Mauer errichten", die merkte eben nicht, daß in Dtld. dieser Satz sehr unanegenehme Erinnerungen weckt.
    Und wie war das noch mit der "Lügenpresse", einem Wort aus der Nazizeit, die die Pegida-Bewegung sich zu eigen machte?


    Das mit dem Siezen scheint wirklich sehr schwer zu sein.
    Eine meiner Schülerinnen, eine Dame über 80, war total entsetzt, daß sich sogar Nachbarn siezten und nicht AUTOMATISCH duzten.
    Da muß meine Große doch auch gut "deutsch sozialisiert" sein, denn sie sagte mal, sie wundere sich manchmal selber.
    Sie sei jung, sie sei das Duzen von Dk aus doch gewöhnt, sie wisse, das tue man in Dtld. bes. unter jungen Leuten im Internetzeitalter auch schon leichter und fände das auch total okay- aber wenn in Dtld. ein Fremder einfach "du" zui hr sage,sei sie entrüstet und fände das eben verkehrt.

    So, mein Bett ruft - gute Nacht
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  7. #7
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Ja Ursel, auf Schwedisch heissen die Polen auch Polacken. Die Schweden finden das natürlich nicht merkwürdig. Dagegen finden sie es komisch, dass man "finne" sagt zu Finnen, genau wie auf Deutsch. Aber "finne" bedeutet auch "Pickel". Deshalb (unter anderem) sagt man jetzt "finländare".

    Ich muss meinen Schülern auch immer erklären, dass man wirklich "Sie" sagen soll in Deutschland. Die meisten glauben es einfach nicht. Aber bei Teenagern ist das ja leider oft die gängige Einstellung. Dass man also längst nicht alles glaubt, was Erwachsene sagen, weil die hinter'm Mond sind, oder absichtlich übertreiben. Dabei ist es ja wichtig, wie deine Töchter auch erkannt haben. Ich hab den Mädels manchmal speziell gesagt, dass es sein kann, dass man da vorsichtig sein muss, wenn einen jemand duzt. Kann ein plumper Flirtversuch sein, oder herablassend gemeint sein. Aber ich hab es auch bei Erwachsenen erlebt. Mein erster schwedischer Freund duzte einen Taxi-Fahrer und ich erklärte ihm, dass man das nicht tut. Da hatten wir erst mal eine Diskussion, bis er das überhaupt glaubte.

    Meine eigenen Kinder haben es wohl nie so richtig gelernt, dass man Sie sagen muss. Auch weil die meisten Leute, die sie in Deutschland trafen Verwandte waren oder ältere Leute, die sowieso schlecht hörten. Manche nahmen wohl auch Rücksicht darauf, dass die Kinder es nicht gewohnt waren. Oder sie waren erst mal baff und die Kinder haben nicht gemerkt, dass sie etwas Falsches gesagt haben. Natürlich hab ich es ihnen immer wieder gesagt, aber das ging oft zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.

  8. #8
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Das Schoene ist ja auch, dass Deutsche im Ausland sich anpassen, hier zumindest. Man ist kurz ueber die Anrede verunsichert und einigt sich dann auf "du" plus Vorname. Mein Sohn hat vor kurzem in einer dtsch. Einrichtung gearbeitet, wo auch nur geduzt wurde, "Wuerdentraeger" eingeschlossen. -Null Chance es zu lernen, lach.

  9. #9
    Babette267 Gast

    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Das Schoene ist ja auch, dass Deutsche im Ausland sich anpassen, hier zumindest. Man ist kurz ueber die Anrede verunsichert und einigt sich dann auf "du" plus Vorname. Mein Sohn hat vor kurzem in einer dtsch. Einrichtung gearbeitet, wo auch nur geduzt wurde, "Wuerdentraeger" eingeschlossen. -Null Chance es zu lernen, lach.
    Hier wird auch unter Deutschen schnell geduzt, sicher in einer informellen Umgebung. Dabei empfinde ich es allerdings immer noch so, dass ein "du" halt nicht genau dasselbe ist wie ein niederländisches "je". Ich merke auch, dass manche Deutsche etwas zurückschrecken, wenn in einer Gruppe, in der man sich nicht oder kaum kennt, von Anfang an geduzt wird. Insofern wird das Konnotat der informellen niederländischen Form auf die deutsche übertragen ...

  10. #10
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Denotat und Konnotat

    Hej allesammen!

    Anfangs haben meine Töchter das Sie ja auch kaum gehört. Wie bei Dir, Fairie,waren wir ja beiVerwandten undFreunden.
    Aber sie haben jaja doch mitbekommen,daß Verkäufer von mir gesiezt wurden - so wie die mich auch siezten etc.
    Und nun kam esmeiner Tochter irgendwo komisch vor, in Dtld. geduzt zu werden,wenn sie Leute nicht kannte.
    Sie ist aber auchdie mit dem feinen Gespür für Sprache und Sprachen. Daher spürt sie die Unterschiede.
    In Zusammenhang mit dt. Kunden jetzt fällt ihr das natürlichdannauch leichter.

    Umgekehrt fiel es mir auch schwer, meineSchwiegermutter gleich mit NVornamen zuduzen - ichschlug meinem Mann ein Vorname udn Sie vor, weas ich sehr mag - so als vertrautes und doch respektvollesMittelding, aber mein Mann war entsetzt:
    Wenn ichdas täte, wäre seine Mutter schwer gekränkt!!! Das ginge gar nicht.
    Naja,wir sprachen anfangs viel Englisch, da ging es mit you dannauch leichter für mich...(Ich habe mir einfach eingebildet, ich meine SIe, ... )

    Meine Mutter hingegen war zutiefst erschüttert, daß ich junge Frau damals einen uralten (Lach:) Nachbarn duzte, und man stelle sich vor: Auch den Arzt und Pastor!!!

    Schlimm eben, wenn man daraus dieselbe (ofgt plumpe) Vertraulichkeit ableitet, wie sie im Deutschen besteht,wenn wir du sagen.
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

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