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Thema: Sich fremd fühlen und integriert sein

  1. #21
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Als ich hierher zog, gab es viele eigenartige Bezeichnungen für Ausländer u.ä., u.a. war damals das Wort "Nydansker", also Neu-Däne" sehr gebräuchlich.
    Neulich bezeichnete einer meiner Kursisten im Seniorenkurs eine ausländ. Teilnehmerin und mich durchaus sehr lobend-positiv so, und ich widersprach:
    ich habe diese Bezeichnung noch nie gemocht und immmer für mich abgelehnt.
    Ich lebe gerne hier, ich füphle mich wohl hier, es geht mir gut hier - aber ich bin keine Neu-Dänin und werde es wohl auch nie werden.
    Ich bin Deutsche in DK.
    Ich habe allerdings immer noch mehr als die Hälfte meines Lebens in Dtld. erlebt, davon ja wirklich auch die, die uns prägen, nämlich Kinder und Jugendjahre.
    ich habe gemerkt, wie sehr mein Herz noch deutsch schlägt - deutscher als damals in Dtld. vermutlich, aber wie sehr ich dt. Werte, Prinzipien und Werte verinnerlicht habe und wie sie manchmal sogar mit den dänischen kollidieren, manchmal bis zur Schmerzgrenze, ich habe es hier schon mal erwähnt. Obwohl dfer Kopf hinterden dänsichen steht - manchma lsogar mehr als hinter den deutschen.
    Es hat mich selbst erstaunt, aber so ist es.
    Klingt das verrückt? Ist esauch - und zeuigt eben auch,w arum wir uns manchmal so fremd fühlen, trotz allem - und dann eben auch wieder so gar nicht.
    Und das hat wie gesagt nichts damit zu tun, ob ich dieses Land hier mag, ob ich gern hier bin oder ob ich mich fremd fühle.
    ich habe enfach dt. Wurzeln und fühle mich denen sehr verbunden.
    Dänen auf der Mehrsprachenliste (die im Ausland lebten) haben vor Jahren sowas verstanden - Dänen hierzulande haben manchmal ihre Probleme damit, daß jemand ihr Superländchen nicht ganz so toll wie sie findet --- oder richtiger gesagt: eben noch ein anderes Land ebenso richtig und wichtig schätzt.
    Also - keine Neu-Dänin, aber gern eine Deutsche in Dänemark!
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  2. #22
    choupette ist offline Veteran

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von Fairie Beitrag anzeigen
    Ich finde eigentlich Patchwork-Familien nicht negativer als binationale Familien. Aber vielleicht ist das Phänomen in Deutschland negativer als in Schweden? Hier leiden Kinder auch nicht automatisch darunter, dass ihre Eltern sich scheiden lassen.
    Ich wollte damit nicht sagen, dass das per se etwas Negatives sein muss, das war eher eine Erklärung auf den Kommentar von Abbie

    Ich hatte von der Bi-Nationalität unserer Kinder als einer "Besonderheit" gesprochen. Zitat: Andere Familien haben dafür vielleicht andere "Besonderheiten", wie Patchwork-Familie oder geschiedene Eltern oder Krankheit oder anderes.

    Abbie:
    Ähm, wie ist denn das zu verstehen? "Besonderheiten", die du mit Binationalität vergleichst, sind Patchwork-Familien, geschiedene Eltern oder Krankheit? Das sind doch alles negative Dinge, die sich keiner wünscht. Binationalität als Schicksal, mit dem man fertig werden muss? So meinst du das doch bestimmt nicht?

    Ich denke, es kommt wohl immer auf die persönliche Situation an, für Kinder ist es sicher besser mit geschiedenen Eltern oder später eben in einer Patchwork-Familie aufzuwachsen als sich jahrelang durch eine schlechte Stimmung im zerstrittenen Elternhaus zu quälen.

    Unsere Kinder wachsen eben mit ihrer bi-nationalen Familienkonstellation auf, so wie andere in anderen Familienkonstellationen mit ihren "Besonderheiten" aufwachsen. Je nachdem wie man sein Leben erlebt, kann das sicher jeweils für den Einzelnen eher Bereicherung oder Schicksal sein.
    Wobei ich davon ausgehe, dass auch in D (oder eben hier in F) Scheidungskinder oder Patchwork-Kinder inzwischen zum Alltag gehören und nichts allzu "Exotisches" mehr sind.

    Aber ich denke auch, dass manche Kinder ihre Bi-Natinalität nicht immer nur als 100% positiv erleben, je nachdem ob die zweite Kultur im Land als positiv oder negativ gewertet wird/ wurde.
    Das prägt ja zum Beispiel heute noch viele Franzosen, der 2. oder 3. Generation aus dem Maghreb, die sich immer noch nicht voll in die frz. Gesellschaft integriert fühlen. Oder auch die Deutschtürken, die sich oft weder als "richtig deutsch" noch als "richtig türkisch" fühlen...

    Meine Kinder haben bislang durch die Reihe weg immer nur positives Feedback auf ihre deutsche Mutter bekommen, so nach dem Motto: "Ihr habt es aber gut, dass ihr so einfach Deutsch gelernt habt und jetzt gute Noten im Deutschunterricht bekommt und später Vorteile bei der Arbeitssuche habt".
    Arabisch oder Türkisch ist eben kein reguläres Schulfach und daher sehen einige Aussenstehende vielleicht keinen "Vorteil" an dieser Form der Zweisprachigkeit, die von der Gesellschaft nicht automatisch als positiv oder "nützlich" angesehen wird.

    Als die Kinder noch klein waren und wir noch auf den Spielplatz gingen, wurde ich damas z. B. auch von einer portugiesischen Mutter angesprochen, die mir erzählt hat, dass sie sich nicht getraut habe, Portugiesisch mit den Kindern zu sprechen. Ihre Kinder sollten ja ordentlich Französisch lernen und nicht benachteiligt sein ...

    Insofern haben unsere Kinder wohl schon das Privileg mit einer positiv konnotierten Zweitsprache wie Deutsch aufzuwachsen.

  3. #23
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Oh ja, choupette!
    Ich erinnere mich noch gut an meine auPair -Familie. Der Opa der Kinder stammte aus Algerien. Da wurde ICH von Nachbarn auf die Kids angesprochen: "Ils sont un peu bronzés, non?!" - Die KONNTEN sich gar nicht uneingeschränkt "französisch" fühlen, weil die Umgebung skeptisch war. Dass auch der Nachname sie "verriet", habe ich erst später verstanden. Der Vater hatte sogar seinen Vornamen gewechselt, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben....

  4. #24
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Ursel, danke!!! Genauso.

  5. #25
    AbbyCadabby ist offline Nonkonformistin

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Eigentlich habe ich gar keine Zeit. Weil ich mich aber echt gefreut habe, von Ursel zu lesen, ein paar Worte.

    Zitat Zitat von Fairie Beitrag anzeigen
    Ich finde eigentlich Patchwork-Familien nicht negativer als binationale Familien. Aber vielleicht ist das Phänomen in Deutschland negativer als in Schweden? Hier leiden Kinder auch nicht automatisch darunter, dass ihre Eltern sich scheiden lassen.
    Ich sehe da schon einen Unterschied. Und der hat nichts mit nationalen Unterschieden zu tun, denn eine Patchwork-Familie sucht sich (im Gegensatz zu einer binationalen, die man bewusst und in Alternative zu einer anderen gründet) niemand aus. Nicht in Schweden, nicht in Deutschland, nirgendwo. Eine Patchwork-Familie entsteht erst dann, wenn Familien kaputtgegangen sind. Natürlich ist es besser, in einer Patchwork-Familie aufzuwachsen oder in einer Scheidungsfamilie als in einem völlig zerstrittenen Elternhaus, aber noch besser ist es, wenn eine Familie sich erst gar nicht derart zerstreitet, dass eine Scheidung der einzige Ausweg ist. Und sicher leiden Kinder, auch überall auf der Welt, wenn sich ihre Eltern trennen. Wenn sie das nicht tun, dann ist im Vorfeld schon eine ganze Menge schief gelaufen, weil das nur möglich ist, wenn man so gar keine Bindung zu einem oder gar zu beiden Elternteilen hat. Kinder müssen daran aber nicht zu Grunde gehen. Was ich sagen möchte, ist einfach, dass sich niemand eine solche Situation bewusst aussucht. Wenn sie dann gegeben ist, gilt es, das Beste daraus zu machen, eine Patchwork-Familie ist deshalb aber nichts Positives. Binationalität hingegen suchen sich Menschen bewusst aus. Scheidungskinder oder Patchwork-Familien sind nichts Exotisches mehr, gesellschaftlich geächtet wird deswegen keiner mehr. Was aber nicht heißt, dass die Psyche eines Kindes daran nicht Schaden nehmen kann. Gerade in einer solchen Situation finde ich nichts schlimmer, als sich das schönzureden. Scheidung ist Schicksal, und dem sollte man aktiv begegnen, sich den Schmerz eingestehen und diesen auch zulassen. Dann muss man nämlich nicht daran zerbrechen.

    Was ist denn überhaupt mit Kindern, die in homosexuellen Lebensgemeinschaften aufwachsen? "Normal" in dem Sinne, das es ohne Zutun von Außen möglich ist, ist das nicht (zum Kinderkriegen braucht es beide Geschlechter). Auch das sucht sich keiner bewusst aus. Dieses "Schicksal" wird einem in die Wiege gelegt, es ist anders, für mein Empfinden nicht schlechter. Ich möchte sogar behaupten, dass die Entscheidung für Kinder da noch weitaus überlegter gefällt wird als in "gewöhnlichen" Familien.

    Choupette schreibt:"Je nachdem, wie man sein Leben erlebt, kann das sicher jeweils für den Einzelnen eher Bereicherung oder Schicksal sein." Genauso sehe ich das auch (auf die eben erwähnten homosexuellen Familien bezogen sogar genauso). Das ist Typsache. Sicherlich erlebt kein Kind seine Binationalität immer positiv. Aber die Einsprachigen wünschen ich auch oft, sie hätten so einfach eine zweite Sprache gelernt. Weil Dinge von außen eben auch immer anders aussehen, als sie innendrin sind. Auf dem Arbeitsmarkt ist Mehrsprachigkeit von ausgesprochenem Vorteil, bei der Identitätsfindung nicht unbedingt von Nachteil, aber erschwerend. Und wie positiv oder negativ das dann unter'm Strich für den Einzelnen ist, hängt von dessen Persönlichkeit bzw. vom Wesen aller Beteiligten einer solchen Familie ab und sicher auch vom Umfeld.

    Bei Ursel hat mich gleich der erste Satz gefreut: "Jetzt habe ich mich durch alle Postings gelesen, ..." Wie toll finde ich, wenn jemand erst liest, ehe er schreibt. Ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, bei Posts im Internet schon gar nicht.

    "Mainstream" ist kein passender Begriff, da hast du völlig recht, denn kaum einer zählt sich gern selbst dazu. Wie soll ich das denn umschreiben? Ich habe immer wieder das Gefühl, bei gewissen Dingen einfach nicht mitmachen zu wollen, da wehrt sich in mir was. Damit fühle ich mich nicht wohl. Was ist das zum Beispiel?

    Du schreibst, dass du dich manchmal wie jemand aus einer anderen Generation fühlst, der den Kindern so manches nahezubringen versucht aus einer Welt, die es so nicht mehr gibt. Das geht mir ähnlich, obwohl ich gar nicht aus einer anderen Generation stamme wie die ganzen Eltern gleichaltriger Kinder um mich herum. Ich habe die frühe Fremdbetreuung genau wie du abgelehnt, will meine Kinder selbst erziehen und das nicht delegieren. Schon damit bin ich hier recht exotisch. In ländlichen Regionen ist das noch etwas anders, wandelt sich aber auch. Ganz anders hingegen ist es bei einem mir bekannten Paar aus Rumänien. Die sind Anfang 20, verheiratet, die Familien in ganz Europa verteilt (vor allem England, Frankreich und Deutschland). Die Familien von Mann und Frau haben 9 bzw. 10 Kinder. Ständig treffen sie sich in wirklich großen Gruppen, verbringen die Sonntage nach einem dreistündigen Gottesdienst gänzlich gemeinsam. Mit über 30 erst Kinder zu kriegen ist für die undenkbar, überhaupt sind wir alle für die steinalt. Das mutet alles an wie eine Welt aus längst vergangener Zeit. Dabei ist Rumänien gar nicht so weit weg.

    Gut, der Generation fühle ich mich jetzt nicht zugehörig. Ich könnte mich jeden Tag über unser Schulsystem aufregen (während mir andere Eltern immer wieder erzählen, wie toll doch alles ist). Weil es einfach so unheimlich zum Dienstleistungsbetrieb verkommt, weil keiner sich unbeliebt machen will, weil Lehrer Eltern gegenüber keine Disziplin vertreten wollen, weil an den entscheidenden Stellen einfach der Mut fehlt, sich auch einmal unbeliebt zu machen. Dieser ganze Digitalisierungsquatsch ... Nicht, dass ich nicht der Meinung wäre, moderne Medien gehörten in die Schule, aber was ein Smartphone da verloren hat, erschließt sich mir nicht, vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass es viel zu wenig Lehrer gibt. Aber mit diesem Thema will ich jetzt gar kein Fass aufmachen (Wo rennt die Zeit nur schon wieder hin?). Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die Menschen sich so gleich geworden sind. Kaum einer kritisiert mal etwas und kaum einer will Kritik hören. Egal, welche. Alles muss Friede, Freude, Eierkuchen sein.

    Es erfordert viel Standhaftigkeit und fördert nicht die Möglichkeiten, sich gleichgesinnte Freunde zu verschaffen, wenn man darauf besteht, seinen Stil gegen den Strom zu verwirklichen - nirgends." Du hast so recht. Besser kann man das nicht auf den Punkt bringen. Genau so geht es mir. In Deutschland. In der "Fremde" habe ich das nicht so sehr gespürt, weil das Volk um mich herum ohnedies ein anderes war als meines, also ein Stück weit anders. Jetzt spüre ich das richtig, weil das Volk um mich rum meines ist und trotzdem anders. Es ist stets und ständig eine Gratwanderung, wie weit man gehen kann, ehe man seine Kinder zum Außenseiter macht. Man ist oft allein mit seinen Empfindungen. Während andere sich im Gespräch mit anderen Müttern Zuspruch holen, gehe ich solchen Gesprächen eher aus dem Weg, weil ich ohnehin meist auf Unverständnis stoße mit meiner Sicht der Dinge!

    Ich könnte noch weiterschreiben, habe jetzt aber leider keine Zeit mehr dazu!

  6. #26
    marlis33 ist offline journey (wo)man

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von DK-Ursel Beitrag anzeigen
    Als ich hierher zog, gab es viele eigenartige Bezeichnungen für Ausländer u.ä., u.a. war damals das Wort "Nydansker", also Neu-Däne" sehr gebräuchlich.
    lol, wie unterschiedlich man das doch auffassen kann. Mein allererster Gedanke war sofort: Wow, toll, da lassen sich die Dänen extra ein Wort einfallen, damit sich Ausländer hier akzeptiert fühlen bzw. ebend gleichwertig! wie die Dänen, weil man das Wort "Däne" ja direkt im Wort wiederfindet.
    Ob die Franzosen je auf solch einen Einfall kommen wohl eher nicht. Hier gibt es zwar auch so einiges an Wörter für Ausländer: les pieds noirs, les bochs, ... sind aber alles mehr oder weniger Schimpfwörter

  7. #27
    marlis33 ist offline journey (wo)man

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von choupette Beitrag anzeigen

    Aber ich denke auch, dass manche Kinder ihre Bi-Natinalität nicht immer nur als 100% positiv erleben, je nachdem ob die zweite Kultur im Land als positiv oder negativ gewertet wird/ wurde.
    Das prägt ja zum Beispiel heute noch viele Franzosen, der 2. oder 3. Generation aus dem Maghreb, die sich immer noch nicht voll in die frz. Gesellschaft integriert fühlen. Oder auch die Deutschtürken, die sich oft weder als "richtig deutsch" noch als "richtig türkisch" fühlen...

    Meine Kinder haben bislang durch die Reihe weg immer nur positives Feedback auf ihre deutsche Mutter bekommen, so nach dem Motto:

    erst mal zu deinem letzten Satz: meine nicht. Du lebst ja in der Metropole, weil wir es in dem Beitrag ja auch ländlich via städtisch hatten, wir hier eher ländlich. Man sagt ja alles, ausser Paris, ist Provinz Bei uns, trotz Grossstadt (wobei bin mir gar nicht mal so sicher ob man sie schon als Grossstadt zählen kann) in der Nähe, aussenrum gibt es wahrscheinlich mehr Kühe als Dörfer
    Hier in der Normandie ist der 2. Weltkrieg natürlich immer noch sehr präsent, gibt hier sehr viele Museen, Bunker, Erinnerungsstätten usw. Als meine Tochter in der 2. Kl. war, gab es hier 70 J. débarquement, wurde ordentlich gefeiert und war auch Thema in der Schule. Ihr Lehrer hat es sicherlich nur gut gemeint, als er immer wieder vor jeden Vortrag direkt erwähnte: Sorayas Mutter ist Deutsche. Meiner Tochter war es aber sicherlich unangenehm, sie wusste zuvor auch noch nichts vom Krieg, wer der Böse war usw. Vor solch schwerverdaulichen Dingen hätte ich sie lieber noch länger bewahrt.
    Ich kann gar nicht sagen wieso, aber meistens bilden sich die Franzosen ein, ich wäre aus Osteuropa, lol. Meine Grosse hatte ja sehr mit ihrer Identität zu kämpfen, vor allem ihrer Hautfarbe. Sie hat es dann schon getroffen, wenn sie von einer Freundin gefragt wurde: ist das deine richtige Mama oder deine Stiefmutter? Oder sie am Schulausgang aufgehalten wird: wo sind deine Eltern? zu wem gehört dieses Kind? Und dass obwohl ich immer direkt neben meinen Kindern war. Passierte uns doch echt oft, sicherlich ein Nachteil einer recht grossen Schule, kann den Lehrkräften keinen Vorwurf machen, die können sich halt auch nicht hunderte von Gesichtern, plus dazugehörige Eltern merken.
    Witzig war dann einmal, als ich einen Kindergeburtstag eines meiner Kinder im Indoorspielplatz gefeiert habe. Da wurde mir dann die Schulfreundin (blonde Locken) als mein Kind deklariert, *ggg* ausser dem Blond hab ich ansonsten nix gemeinsam mit diesem Kind.

  8. #28
    marlis33 ist offline journey (wo)man

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von AbbyCadabby Beitrag anzeigen



    Ich sehe da schon einen Unterschied. Und der hat nichts mit nationalen Unterschieden zu tun, denn eine Patchwork-Familie sucht sich (im Gegensatz zu einer binationalen, die man bewusst und in Alternative zu einer anderen gründet) niemand aus.
    Binationalität hingegen suchen sich Menschen bewusst aus.
    Scheidung ist Schicksal, und dem sollte man aktiv begegnen, sich den Schmerz eingestehen und diesen auch zulassen. Dann muss man nämlich nicht daran zerbrechen.!
    ich sehe da ehrlich gesagt keinen Unterschied. Denn niemals suchen sich Kinder was aus: weder Patchwork, noch mehrere Nationalitäten, noch gleichgeschlechtliche Eltern, etc. Es wird ihnen immer "auferzwungen" bzw. sie wachsen damit auf. Ich hab mich damals in meinen Mann verliebt, wie sagt man so schön, tja, wo die Liebe hinfällt, die kulturellen, sprachlichen Unterschiede musste ich alle mitnehmen, eher unfreiwillig *ggg* konnt ja schlicht weg auch nix dran ändern. Ich bin ja eine der wenigen hier, wo die Kinder nicht zweisprachig sind. Ich hab es schlichtweg nicht geschafft, meiner Grossen meine Muttersprache "aufzuzwingen", sie hat nie mit mir auf dt gesprochen, sie wollte es absolut nicht, hat sie immer wieder auf franz. wiederholt. Muss allerdings auch dazu sagen, dass ich sehr schlecht im "switchen" bin, ich vertu mich gern und irre mich in der Sprache, lol, soll heissen, wenn ich mit meinem Mann franz. geredet habe, hab ich vergessen für meine Kinder umzuschalten auf dt. oder umgekehrt: merke erst am fragenden Gesicht meines Mannes, dass ich gar nicht das Gesagte von meiner Mutter übersetzt habe, lediglich nochmal auf d umformuliert, wie peinlich, ich denke halt auch immer in der Sprache in der spreche, bin wie gesagt ganz schlecht im Umschalten, je nach Müdigkeit, Stress, verstärkt das meist noch mehr.

  9. #29
    marlis33 ist offline journey (wo)man

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Der Vater hatte sogar seinen Vornamen gewechselt, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben....
    nicht nur das, ich kannte mal einen Polen, der hat sich franz. Unterricht genommen, nicht um franz. zu lernen, nein, nur der Aussprache wegen, damit auch noch der letzte Hauch von Akzent verschwindet

  10. #30
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Ohje, Normandie...ja Marlis, mir ist da waehrend meiner auPair Zeit in der Naehe von Rouen seitens des franz. Opas der Kids die ich huetete, anfangs auch ziemliche Skepsis begegnet. Konnte ich verstehen, er hatte den Krieg noch erlebt. Wir haben uns aber im Laufe der Zeit sehr gut angefreundet.
    Ich bin da mal auf einer Feier von Kriegsveteranen - auch aus dem Algerienkrieg- gelandet....da kam ich mir denn doch etwas ausserirdisch vor, das war eine ganzganz seltsame Veranstaltung auf der ich GANZ seltsame Dinge hoerte....ich vermute, da waren die Meisten Le Pen Anhaenger....

    Der Vater der Kids war die 2. Generation, das Kind mit franzoesischer Mutter und nordafrikanischem Vater (weiss gar nicht, ob der auch Franzose war), das auch noch in Paris aufgewachsen war und absolut NULLBezug zur Kultur des Vaters hatte. Dem dann einen typisch moslemischen Namen zu verpasssen, war natuerlich nicht gerade der Integration foerderlich. - Oder Assimilation, darueber kann man nun streiten.

    Mit der Zweisprachigkeit haette ich in FRankreich vielleicht auch mehr Probleme bekommen. Ich war nach meiner Zeit dort (war noch oefter da, auch als Assistentin) so "drin", und wollte v.a. alles annehmen, dass es in Frankreich vielleicht anders gelaufen waere.
    In Israel habe ich weniger das Beduerfnis, alles anzunehmen, lehne manches bewusst ab und befinde mich v.a. in einer Gesellschaft, in der Mehrsprachigkeit schon fast Standard ist. Da faellt es wohl leichter, "seins" beizubehalten. - Mal davon abgesehen, dass ich die Sprachen erstmal lernen musste, lol.


    Marlis, schreib mir doch mal, wo du wohnst!

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