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Thema: Sich fremd fühlen und integriert sein

  1. #51
    Gast Gast

    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von Triceratops Beitrag anzeigen
    So ist das bei allen unterschiedlich. Ich habe auch noch viele Freunde in D. Und wir treffen uns regelmäßg. Deswegen sind es bei uns zwei Zuhauses.
    Freunde hab ich auch noch viele in D
    wir besuchen uns gegenseitig
    aber das ist dann halt BESUCH bzw Urlaub und kein zuhause mehr

  2. #52
    Avatar von Triceratops
    Triceratops ist offline Poweruser

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Freunde hab ich auch noch viele in D
    wir besuchen uns gegenseitig
    aber das ist dann halt BESUCH bzw Urlaub und kein zuhause mehr
    Ah, verstehe. Ich fühle mich dann immer noch wie zu Hause. Aber das ist einfach von Mensch zu Mensch verschieden :)

  3. #53
    Gast Gast

    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von Triceratops Beitrag anzeigen
    Ah, verstehe. Ich fühle mich dann immer noch wie zu Hause. Aber das ist einfach von Mensch zu Mensch verschieden :)
    Ich denke seitdem meine Mutter gestorben ist und ich keinen festen Schlafplatz mehr in D habe, ist dieses Land keine Heimat, kein Zuhause mehr.....

  4. #54
    Avatar von Triceratops
    Triceratops ist offline Poweruser

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Ich denke seitdem meine Mutter gestorben ist und ich keinen festen Schlafplatz mehr in D habe, ist dieses Land keine Heimat, kein Zuhause mehr.....
    Verständlich. Und stimmt, das macht natürlich auch den Unterschied. Ich habe eine eigene Wohnung in D im Elternhaus

  5. #55
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Ich denke, Familie und ein fester Anlaufpunkt wie Haus/Wohnung machen viel aus. Uns gehoert das Haus meiner Eltern (auch wenn es sich fuer mich nicht so anfuehlt, solange sie dort leben) )und wir besuchen sie jeden Sommer. Ich weiss nicht, ob ich "nur" wegen meiner Geschwister und Tante so regelmaessig hinfahren wuerde. Inzwischen lebt auch noch mein Sohn in DE.
    Ich ueberlege gerade, ob es sich eher wie "Zuhause" oder "Besuch" anfuehlt...ich bin schon seit Ewigkeiten immer nur als "Besuch" in meinem Elternhaus....Es passt wohl das mit den "2 Zuhauses".

    Oh doch Bilingualmom, die Muttersprache kann zumindest in Vergessenheit geraten. Liegt gewiss am Umfeld und haengt davon ab, welche Sprache da dominiert.
    Triceratops gefällt dies

  6. #56
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Boah nee, Ihr schreibt - ich komme gar nicht nach mit Lesen.
    daher wirr und ungeordnet - wie so oft von mir.

    Marlies - meine Erfahrung ist eben, daß Dänen ihr Land, ihre Kultur, ihre Gebräuche, Ihr Nationalität sehr (über)schätzen. Das stößt mir als jemandem, der noch in einer Zeit in Dtld. aufwuchs, wo es hieß, den Kopf bei allem, was auch nur nach nationalem dt. Selbstbewußtsein klang, einzuziehen, natürlich noch mehr auf als bei jemanden, der evtl. aus einem auch eher nationalbewußten Land hierherkommt.
    In Folge dieser - in meinen bescheidenen Augen sehr oft auch - Selbstüberschätzung erwarten Dänen ohne viel Nachdenken, daß sich jeder Ausländer bitte-danke gefälligst ihren Gebräuchen, Sprache, Denkweisen, Erziehungsstil und was es sonst noch gibt, anpaßt - am liebsten natürlich auch noch lobpreisend. Wer könnte sichdem beuwßt verweigern? Es ist doch das Beste, was es gibt!
    (Ja, ich verallgemeinere, aber es ist äußerst schwer, in einer Gruppe von sagen wir mal ca. 10 Menschen auch nur 1 zu finden, der das versteht: Daß andere Nationen auch ihre Werte und Sitten haben, die nicht per se den dänischen untergordnet sind. SO würde das hier natürlich nie jemand formulieren, aber sie verhalten sich so. Und das verstehen nur wenige.)
    Schultüten in Dtld.?
    Als beim 2. Kind die Lehrerin endlich mal darauf kam, überhaupt nachzufragen,was mein Kind bei den Knipsereien, die wir veranstalteten, eigentlich im Arm hielt (beim ersten Kind hatte sie es tunlichst geflissentlich übersehen), da war der Kommentar: Sowas machen hier nicht. - Ken "nett", kein "ach, das ist ja mal interessant!", nein: ein eher schnaubendes: Das machen wir hier nicht.
    Ein hochgeschätzter Lehrer, für den ich sogar mit anderen Eltern bis zur Planung einer eigenen Schule auf die Barrikaden ging, erlärte mir dennoch höchst abfällig, "Dann machen die Deutsche irgendwas verkehrt", als ich fragte, wieso eigentlich die (bei den meisten auch dänischen ELtern verhaßten!!! gefürchteten!!!) Klassengeburtstage gefeiert werden müßten, bei uns sei das so gar nicht Sitte. Nette Erklärung!
    So könnte ich ewig fortsetzen.
    Sicher, das gibt es anderswo auch, aber diese generelle Überzeugung, das eigene Land sei das beste, schönste, in allen Betrachtungsweisen wertvollste, ist manchmal wirklich ein krasser Kontrast gerade zu dem oben beschrieben erlebten Dtld.
    Wenig Interesse für die Gebräuche der Herkunftsländer, und wenn, dann meist abwertende Kommentare.
    Das ist verletztend.
    Da ist mir das Interesse, meinetwegen auch gepaart mit (ungläubigem) Staunen, Wundern, manchmal dann auch Ablehnung, das in meiner Kindheit bereits Deutsche gegenüber manchem Gastarbeiter und seiner Herkunft zeigten, tausendmal lieber.
    Und insofern fasse ich weiterhin die Bezeichnung "Neu-Däne", auch wenn sie meistens positiv gemeint ist, als negative Bezeichnung auf, weil sie mir nämlich attestieren soll, daß ich mich gut angepaßt habe und nicht gegen die dänischen Codex-Normen verstoße.

    Natürlich passe ich mich an. Natürlich mache ich vieles mit, was ich von zuhause (?) her nicht kenne. Natürlich finde ich vieles sogar besser als in Dtld. - aber trotzdem bleibt da doch auch die Einschätzung- und nicht nur das Gefühl - daß manche Dinge anderswo sogar besser laufen, manchmal eben auch in der alten Heimat.
    Das schrieb schon jemand hier, verzeiht, wenn ich nicht mehr genau sagen kann, wer was wann geschrieben hat:
    Daß man sich manchmal eben wundert, daß die neue Heimat nicht darauf kommt - wieso machen die es immer noch (umständlich, almodisch, ...)?

    "Neu-Däne" ist auch typisch für die Dänen, weil sie harmoniebedürftig sind. Man ist ein sehr homogenes Völkchen, Anderssein ist per se verdächtig, aus der Masse hervorstechen ging nach dem vor einigen noch weitaus mehr zitierten "Jantelov" überhaupt nicht.(Kernthese: Du sollst ja nicht glauben, daß du mehr bist!" -- -wie das mit dem nationalen Selbstwertgefühl gegnüber anderen Ländern ist, habe ich niemals verstanden )

    Abby - nein, ich glaube nicht, Du bist ein Troll, und ich finde die meisten Deiner Gedanken auch recht interessant. Ich finde auch gar nicht, Du und Falaffel - Ihr widersprecht Euch so grundlegend, wie zumindest Falaffel glaubt.
    Und es war doch auch genau das, was ich schrieb, daß man eben als erste große Aufgabe, und vermutlich auch als einzig bleibende, das erste Elternhaus im Leben hat. Daran reibt man sich, daran wächst man oder geht man unter. Man identifiziert sich, man befreit sich, man ketttet sich daran, man arbeitet daran, es prägt uns.
    Das sucht sich keiner aus.
    Genauso setzte ich eben auch ein Fragezeichen daran, ob ich eine Wahl hatte, hier zu landen.
    Auf dem Papier schon, stimmt - Abby.
    Ich hätte NEIN sagen können und in Dtld. bleiben.
    Aber reell natürlich auch wieder nicht, falaffel, denn wo die Liebe hinfällt, da liegt sie eben, und wenn dann auch mal DK als Wohnort anfällt, dann ist das so - ohne allzu viele Überlegungen. Die hingen ja weniger vom Land als von berufl. und anderen Überlegungen ab, genau wie bei anderen Paaren ein Umzug.

    Eine Wahl hat man als Erwachsener so gut wie immer, sie ist nur nicht immer realistisch, manchmal eben auch nur sehr schwer vorstellbar und erst recht schwer durchführbar. Sie zu leugnen, ist dennoch falsch: Uns hat ja schließlich niemand zwangsverheiratet.
    Und wir sprachen gerade im Lesekreis darüber, daß es für einen Kronprinzen in einer bestimmten Lebensphase auch nicht leicht war, sich sagen zu müssen und gesagt zu bekommen, ein dänisches Mädchen komme als Frau für ihn nicht in Frage - hatte er eine Wahl?
    naja, abdanken ist immer möglich.
    Aber wie reell ist diese Wahl dann wirklich?
    Und wenn dann eine, die sich als eher nicht-royal bezeichnete, das Buch, das wir besprachen, auch als etwas arg jammend und notleidend empfand - dabei sei sein Geschick so grausam ja nicht, was erst mit denen, die in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen? Dann denke ich:
    Doch, auch dieser Mensch hat das Recht, über sein Geschick zu klagen und manchmal damit zu hadern und sich manchmal ein anderes Leben zu wünschen. Genau wie wir.
    Auch er hat sich ja nicht ausgesucht,. Kronprinz von Dk zu sein mit allem, was sicher gut daran ist, aber eben auch mit allem, was einem nicht gefällt.
    Das hat nun mal wirklich kein Kind, das ist bestenfalls Elternmachtwort, Elternentscheidung.
    Und hatten die kgl. Eltern eine Wahl, ihren Kindern das zu bieten,was sie ihnen konnten, aber auch mußten?
    Theoretisch hättensie dann auch wieder auf Kinder verzichten können, reelll geht das als Königspaar schon wieder schwerlich...
    Soviel also zu mThema freie Wahl, die man durchaus IMMER hat - und eben doch nicht.

    Und die Gefühle dazu sind eben so irrational wie Gefühle sind, also auch unsere Gefühle zum Thema Heimat, wo sind wir fremd, wo sind wir angekommen?

    Wenn wir Heimat diskutieren, dann nenne ich inzwischen immer die dt. Sprache. das können sich hiergebliebenen Dänen ja auch nicht so richtig vorstellen.
    Orte, Personen als Heimat? Nein, nicht für mich!!! Schon lange nicht, und nicht erst mit dem Tod des größten Teils meiner Familie.

    Daß ich genau darum auch nie meine Heimat in der dänischen Sprache finde, obwohl alle meinen, ich beherrschte sie inzwischen doch sooo toll, das verstehen sie noch weniger, aber so ist es.
    Und darum sind Dtld.besuche für mich völlig unabhängig von Menschen und Orten (die sich ja alle eh verändern) ein Nachhausekommen, weil ich dann wieder quatschen kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist - weil ich mich wohlfühle in dieser deutschen Sprache, weil ich sie liebe und gegenüber vielen anderen vorziehe - diese dänische Einfachheit, die kurzen Sätze, die mangelnde Grammatik (jedenfalls sichtbar) - all das ist so ... ohne Poesie und ohne Gefühle für mich.
    Nie im Leben könnte ich mir vorstellen, meine Muttersprache nicht zu sprechen, zu verlernen - da fühle ich wie Du, Bilingual Mom.
    Nie im Leben hätte ich anders als deutsch mit meinen Kindern reden können.
    Und als eine Tochter riesengroße Probleme mit mir hatte, hat es mich mit Hoffnung und Freude erfüllt, daß sie bei aller offen zur Schau getragenen und geäußerten Ablehung, Kritik etc. immer noch Deutsch mit mir kommunizierte.
    (Meine damalige Chefin konnte diese Freude gar nicht verstehen, weder in Bezug auf mein Heimatgefühl noch auf meine Beziehung zur Tochter, obwohl es eben für beides sehr viel bedeutete!).

    Das Schildkötenbild sagt mir wenig, Abby - ich mag Tier-Menschvergleiche sowieso nicht, die meistens alles beweisen können.
    was Du zur Eltern-Kind-Bindung schreibst, habe ich früher auch so gefühlt, heute denke ich - nach vielen Jahren in DK - ein bißchen anders darüber. Vieles an KOnflikten in mir und mit meinen Töchtern wäre uns erspart geblieben, hätte ich es früher schon anders gesehen und gemacht - vieles allerdings hätten wir dann auch nicht so schön und gut gehabt, wie wir es hatten.
    Jede dieser Wahlen stellt ja nun mal auch einen Verzicht auf anderes udn einen Gewinn von wieder anderem dar.

    Und in derTierwelt könnte ich Dir dann die Vögel, gerade die Tiere um die Ohren schlagen, die ihre Kinder brutal aus dem Nest werfen,damit sie eben selbständig werden: Vogel friß oder stirb. Dann kommst Du vielleicht mit Affen oder Elefanten - und bewiesen ist nichts.
    Ich bin aber weder Vogel noch Affe noch Elefant.
    ich glaube daran, daß dieMenschheit sich ja nun doch um einiges vom Tierreich entfernt hat, wir haben uns anders entwickelt und müssen uns an das anpassen,was wir uns selbst schaffen und was uns umgibt. Das findet (wo)ander statt als in der Tierwelt, und ich glaube, meistens ist der Menschheit das gut gelungen.
    Schicksalsschläge erleben alle Menschen - die einen früher, die anderen später.
    Wie ich auch schon schrieb, ist es AUCH eine Frage, wie ich selbst diese Schicksalsschläge - sei es die Geburt als Kronprinz oder den frühen Tod des Vaters, seien es binationale Eltern oder absolut seßhafte, seien es berufstätige Eltern oder nicht... - wie ich also meine Einstellung dazu entwickele. Was ich daraus mache. Was ich mir daraus mitnehme.
    Das kann man mindestens bis zu einem guten Grad selbst bestimmen, sich erarbeiten.
    Dazu haben wir Menschen auch Hilfsmittel und Hilfen entwickelt.
    Und natürlich ist der Satz "sonst wären meine Kinder nicht, die sie sind" für ALLE zutreffend.
    Wären die Kinder des Bauern im ländlichen Bayern die Kinder von Diplomaten,die durchduie halbe ziehen (müssen), dann wären sie anders. Keiner sagt aber: besser-schlechter. Nur anders, und das ist nicht per se schlechter/besser.
    Das, was man daraus macht, ist es evtl.

    So, die mir wichtigsten Punkte aus Euren Postings habe ich herausgepickt - ich habe sicher einige genauso gute Argumente vergessen.
    Aber lang genug ist es dennoch geworden.
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  7. #57
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von AbbyCadabby Beitrag anzeigen
    Eigentlich habe ich gar keine Zeit. Weil ich mich aber echt gefreut habe, von Ursel zu lesen, ein paar Worte.



    Ich sehe da schon einen Unterschied. Und der hat nichts mit nationalen Unterschieden zu tun, denn eine Patchwork-Familie sucht sich (im Gegensatz zu einer binationalen, die man bewusst und in Alternative zu einer anderen gründet) niemand aus. Nicht in Schweden, nicht in Deutschland, nirgendwo. Eine Patchwork-Familie entsteht erst dann, wenn Familien kaputtgegangen sind. Natürlich ist es besser, in einer Patchwork-Familie aufzuwachsen oder in einer Scheidungsfamilie als in einem völlig zerstrittenen Elternhaus, aber noch besser ist es, wenn eine Familie sich erst gar nicht derart zerstreitet, dass eine Scheidung der einzige Ausweg ist. Und sicher leiden Kinder, auch überall auf der Welt, wenn sich ihre Eltern trennen. Wenn sie das nicht tun, dann ist im Vorfeld schon eine ganze Menge schief gelaufen, weil das nur möglich ist, wenn man so gar keine Bindung zu einem oder gar zu beiden Elternteilen hat. Kinder müssen daran aber nicht zu Grunde gehen. Was ich sagen möchte, ist einfach, dass sich niemand eine solche Situation bewusst aussucht. Wenn sie dann gegeben ist, gilt es, das Beste daraus zu machen, eine Patchwork-Familie ist deshalb aber nichts Positives. Binationalität hingegen suchen sich Menschen bewusst aus. Scheidungskinder oder Patchwork-Familien sind nichts Exotisches mehr, gesellschaftlich geächtet wird deswegen keiner mehr. Was aber nicht heißt, dass die Psyche eines Kindes daran nicht Schaden nehmen kann. Gerade in einer solchen Situation finde ich nichts schlimmer, als sich das schönzureden. Scheidung ist Schicksal, und dem sollte man aktiv begegnen, sich den Schmerz eingestehen und diesen auch zulassen. Dann muss man nämlich nicht daran zerbrechen.
    Du kannst nicht wissen, ob ich hier etwas schönrede. Und ich tue das auch nicht. Wir gehen hier in Schweden sehr natürlich damit um. Leute trennen sich, aber die Kinder haben sie eben immer noch gemeinsam. Und wenn Kinder es von ihren Freunden schon gewohnt sind, dass es bei einer Scheidung so zugeht, dass der Vater eben ein paar Strassen weiter zieht und man abwechselnd bei beiden ist - dann sehen sie unter Umständen gar keinen Grund unbedingt darunter leiden zu müssen. Als mein zweiter Mann dann drei Jahre später bei uns einzog, meinten auch manche Leute (die Schwester meines Ex), ob das nicht vielleicht die Kinder stört. D.h. sie fragte meinen Sohn wie es denn so läuft. Und der meinte: "Prima, der ist echt in Ordnung. " Da war sie positiv überrascht. Obwohl sie es nicht böse meint.

  8. #58
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von choupette Beitrag anzeigen
    Ich wollte damit nicht sagen, dass das per se etwas Negatives sein muss, das war eher eine Erklärung auf den Kommentar von Abbie

    Ich hatte von der Bi-Nationalität unserer Kinder als einer "Besonderheit" gesprochen. Zitat: Andere Familien haben dafür vielleicht andere "Besonderheiten", wie Patchwork-Familie oder geschiedene Eltern oder Krankheit oder anderes.

    Abbie:
    Ähm, wie ist denn das zu verstehen? "Besonderheiten", die du mit Binationalität vergleichst, sind Patchwork-Familien, geschiedene Eltern oder Krankheit? Das sind doch alles negative Dinge, die sich keiner wünscht. Binationalität als Schicksal, mit dem man fertig werden muss? So meinst du das doch bestimmt nicht?

    Ich denke, es kommt wohl immer auf die persönliche Situation an, für Kinder ist es sicher besser mit geschiedenen Eltern oder später eben in einer Patchwork-Familie aufzuwachsen als sich jahrelang durch eine schlechte Stimmung im zerstrittenen Elternhaus zu quälen.

    Unsere Kinder wachsen eben mit ihrer bi-nationalen Familienkonstellation auf, so wie andere in anderen Familienkonstellationen mit ihren "Besonderheiten" aufwachsen. Je nachdem wie man sein Leben erlebt, kann das sicher jeweils für den Einzelnen eher Bereicherung oder Schicksal sein.
    Wobei ich davon ausgehe, dass auch in D (oder eben hier in F) Scheidungskinder oder Patchwork-Kinder inzwischen zum Alltag gehören und nichts allzu "Exotisches" mehr sind.

    Aber ich denke auch, dass manche Kinder ihre Bi-Natinalität nicht immer nur als 100% positiv erleben, je nachdem ob die zweite Kultur im Land als positiv oder negativ gewertet wird/ wurde.
    Das prägt ja zum Beispiel heute noch viele Franzosen, der 2. oder 3. Generation aus dem Maghreb, die sich immer noch nicht voll in die frz. Gesellschaft integriert fühlen. Oder auch die Deutschtürken, die sich oft weder als "richtig deutsch" noch als "richtig türkisch" fühlen...

    Meine Kinder haben bislang durch die Reihe weg immer nur positives Feedback auf ihre deutsche Mutter bekommen, so nach dem Motto: "Ihr habt es aber gut, dass ihr so einfach Deutsch gelernt habt und jetzt gute Noten im Deutschunterricht bekommt und später Vorteile bei der Arbeitssuche habt".
    Arabisch oder Türkisch ist eben kein reguläres Schulfach und daher sehen einige Aussenstehende vielleicht keinen "Vorteil" an dieser Form der Zweisprachigkeit, die von der Gesellschaft nicht automatisch als positiv oder "nützlich" angesehen wird.

    Als die Kinder noch klein waren und wir noch auf den Spielplatz gingen, wurde ich damas z. B. auch von einer portugiesischen Mutter angesprochen, die mir erzählt hat, dass sie sich nicht getraut habe, Portugiesisch mit den Kindern zu sprechen. Ihre Kinder sollten ja ordentlich Französisch lernen und nicht benachteiligt sein ...

    Insofern haben unsere Kinder wohl schon das Privileg mit einer positiv konnotierten Zweitsprache wie Deutsch aufzuwachsen.
    Ja, ausser wenn einer plötzlich doch wieder mit Hitler anfängt. Eins meiner Kinder hat da dumme Sprüche zu hören bekommen. Aber Idioten gibt es natürlich immer.

    Mein Ältester hat sich das zu einem Vorteil gemacht, dass er - je nach Lage - entweder Schwede oder Ausländer sein konnte. An seiner Schule gab es Cliquen mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die manchmal die ethnisch schwedischen Jugendlichen irgendwie angriffen. Als die dann einmal zu ihm sagten "ej Svenne" (das ist der herabsetzende Ausdruck für "Schwede"), meinte er, er sei überhaupt kein Schwede, sondern halb Deutscher und halb Ire.

  9. #59
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Fairie und Abby, ich denke, Ihr habt beide in der Mitte Recht.
    Es stimmt, Scheidung ist auch in DK seit viel mehr Jahren derart normal und alltäglich, lange bevor Dtld. da nachzog - eben sicher auch, wei lFrauen hier eher finanziell unabhängig waren im Vergleich zu Dtld. - jedenfalls ist das hier durch eine doch recht hohe Rate an Scheidungen, Trennungen, ziemlich normal.
    Man fühlt sich manchmal schon exotisch, daß man immer noch mit dem selben Mann zusammen ist und eine Cousine meinies Mannes fragte mal, als ich von 3 Kindern bei Freunden erzählte: alle mit demselben Vater? (was mich, da noch zu einem frühen Zeitpunkt meines Lebens hier, eher verwunderte als es jetzt täte).
    Trotzdem bestreiten auch dänische Psychologen oder Familientherapeuten - jedenfalls die ,die wir hier so kennengelernt haben - nicht, daß (auch) eine Scheidung ein einschneidendes Erlebnis für Kinder ist, denn während die Eltern mehr oder weniger die Wahl haben und gemeinschaftlich den Entschluß fassen, die Einsicht haben, getrennte Wegfe seine besser, werden Kidner eben einfach vor die Tatsache gestellt.
    Das ist in DK nicht anders als inDtld. - udn dan nhängt es auch viel davon ab, wie die Eltern damit umgehen.
    Es hilft, daß es kein Stigma ist, daß es fast normal ist, aber es ist eine andere Herausforderung als immer bei denselben Eltern aufzuwachsen.
    (Fragte man meine Jüngste, hätte sie das mindestens streckenweise sicher auch nicht so positiv gefunden, immer mit uns zusammen leben zu müssen - die hätte zu gewissen Zeiten gern eine andere Familie gehabt - und das ging weit überTeenagerallüren hinaus. Darum auch kein Smiley.)
    Ich denke mal, daß auchErwachsene ihre eigene Schjeidung nichtunbedingt als reni positives Erlebnis sehen,sondernd urchaus auch beide Seiten Medaille erkennen können -wieso sollten die bei Kindern nicht auch sein?

    Aber das sind Konstellationen wie andere auch - die eigene Familie ist die erste und lebenlange große Herausforderung, die wir alle, wir wir hier schreiben, egal wo wir leben,alle haben.
    Wir könnensie uns nicht aussuchen - und ebenso wenig suchen sich die Eltern oft die Gegebenheiten aus bzw. ahnen immer die Wirkung vraus, die dann auch eintritt., wenn sie sich für/gegen etwas entscheiden.
    Der Satz, daß man eben immer eine Wahl habe, ist oft sehr hypothetisch - man müßte sehr rücksichtlos gegenüber sich und anderen Menschen sein, wenn man ihn immer durchzöge.
    Der Mensch, der seine Berufschancen um eine Stufe höher im Ausland als zuhause sieht, mag enie reelle Wahl haben,der Verliebte, der seinem Mann/seinerfrau nachzieht, wohl eher nicht.
    Von daher istauch Bilingualität nicht immer wirklich gewählt, nicht immer wirklich angestrebt - nie im Leben hat sich jemand in meiner Familie vorgestellt - und ich am wenigstens, daß ich mal im Azsland leben würde, in einer fremden Sprache und auch oft noch Kultur.
    Als es dazu kam, fühlte ich nicht wirklich, daß ich eine Wahl hatte.

    Das kann man nun alles so negativ sehen, wie Du, Abby - aber man kann auch die andere Seite der Medaille dazu nehmen. Die Patchworkfamilie, das andere Land mit der 2. Sprache, ... all das hat ganz bestimmt auch seine positiven Seiten.
    Es ist wichtig, wie ich die beiden Seiten empfinde, welches Gewicht ich den negativen und den positiven Folgeerscheinungen zugestehe.
    DAS ist viel wichtiger als die Ursache selbst - und manchmal braucht man bei der Bearbeitung eben Hilfe.
    Letztendlich aber, so ja auch die Familientherapeutin, und ich weite ihren Satz nur ein bisschen auf uns alle aus, kommt eben niemand nur in die Pubertät, in die Midlifecrisis oder ins Alter - alle haben wir auch andere Schicksale: wie schon aufgezählt:
    Scheidung der Eltern, eigene Scheidung, Tod von Eltern oder Geschwistern, Krankheit derselben und von einem selbst, Adoption, Binatioanlität, Arbeitslosigkeit (der Eltern, eigene), Übergewicht, etc. --- all das prägt uns, all das gehört zu uns, irgendwas davon betrifft irgendwann mal die meisten.
    da ist es müßig, eins schlimmer als anderes zu bewerten - jeder muß sein eigenes Päckchen tragen und aufdröseln.

    Farie, es gehört zu einem deiner anderen neueren Beiträge,den ich nicht wiederfidne, aber auf meine Große bin ich, wie schon öfter mal erzählt, heute noch stolz, als sie nach Beschimpfung als Deutsche von der dän. Großmutter getröstet wurde "Du bist ja auch halb Dänin", dieser antworte: "Nein, ich bin ganz Dänin und ganz Deutsche."
    Mit Naziärger hatten wir auch zu kämpfen, was mich hier im Dorf immer arg bestürzte, weil ich mich fragte, welche Eltern, die uns alle gut kennen und kannten, sich da doch bemüßigt fühlten, uns vor ihren Kindern in diese Nähe zu rücken, so daß die das dann rausholen konnten bei passender oder unpassender Gelegenheit. Denn in der 1./2. Kl. wußten nicht mal meine eigenen Kinder von der Nazigeschichte der Deutschen irgendwas.
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  10. #60
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Sich fremd fühlen und integriert sein

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Hm
    Ich hab irgendwie keine Heimat mehr seitdem meine Eltern gestorben sind, Geschwister hab ich nicht......... habe 20 Jahre in D gelebt und lebe jetzt seit 29 Jahren in F.
    Ich fühle mich hier zuhause und zu Besuch in D.
    Ich spreche auch mittlerweile besser französisch als deutsch, also ich meine wenn ich mich aufrege, ist das auf frz oder wenn ich irgendwas wichtiges sagen will klappt es besser auf frz.....
    zum Glück schreibe ich in einem deutschen Forum, sonst hätte ich das auch noch verlernt
    Ja, so ähnlich ist es bei mir auch. Ich hab irgendwie auch kaum noch etwas in Deutschland, und ich finde das eigentlich egal. Es stört mich nicht. Noch leben zwar meine Eltern, aber sie sind sehr alt. Eigentlich kann ich wohl noch nicht sagen, wie anders es nachher sein könnte. Deutsch spreche ich fast nur mit meinem ältesten Sohn und der wohnt jetzt in einer anderen Stadt. Ja, das Forum ist für mich auch unter anderem zur Erhaltung der Sprache gedacht.

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