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Thema: Integration und Vorurteile

  1. #11
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Zitat Zitat von DK-Ursel Beitrag anzeigen
    (...)

    Langer Rede (wie immer bei mir ) kurzer Sinn:
    Kennt Ihr diese Platidtüden? Wie oft werdet Ihr so mit Eurer dt. Nationalität oder gar Geschichte konfrontiert und wie geht Ihr damit um?
    (Daß ich bei Nazi-Betitelungen ruckzuck in der Schule war, wußten meine Töchter - die eine meinte später mal, sie hätten mir längst nicht alles erzählt, damit ich nicht gleich wieder auf 180 sei )

    Thema freigegeben für eigene Erfahrungen und Gedanken...
    Ich finde hier viel auffaelliger, wie viele positive Zuschreibungen ueber Deutschland und die Deutschen in Umlauf sind. Tolle Autos, gut organisierte Gesellschaft, Wirtschaft laeuft Bombe, wunderschoene alte Staedte, Angela Merkel als charakterlicher Gegenentwurf zu Donald Trump... Ausserdem waren viele mit der Army in Deutschland und kriegen leuchtende Augen im Rueckblick. Ich finde ja immer, "die anderen" sehen uns ganz anders als wir uns selbst und gucken vor allem nicht mehr in die Geschichte. Das mag mit der allgemein ausgepraegteren Begeisterungsfaehigkeit und einem auf Austausch von Freundlichkeiten zentrierter Smalltalkkultur hierzulande zusammenhaengen, aber dass mir einer mit einem schnarrenden "DAS IST VERBOTEN" ankommt, erlebe ich wirklich nur als Witz. Oder "Don't mention the war". Kennt einer die Tracey Ullman Show? Da tritt eine Angela Merkel Figur auf, auf sowas werde ich eher angesprochen. Ich erwarte ehrlich gesagt auch nicht, dass deutsche Geschichte und Kultur in jedem Kopf mit korrekten Assoziationen verknuepft ist, wir sind halt mal auch nur ein Land unter vielen.
    Die Kinder hatten ein paar Erlebnisse mit Nazihaenseleien, aber das haben wir nach dem ersten Schreck eigentlich immer in der Schublade "Kinder sind halt manchmal doof" abgelegt und ich will gar nicht so genau wissen, was die dann zurueckgehaenselt haben.
    Jetzt, wo ich drueber nachdenke, faellt mir noch ein, dass ein Freund der Kinder mir beim Vorbeifahren mal einen froehlichen Hitlergruss gezeigt hat. Den hab ich bei der naechsten Gelegenheit beiseite genommen. Aber nicht, weil mich das irgendwie angefasst haette, sondern ich wollte nicht, dass der das womoeglich in Europa mal macht.
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  2. #12
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Zitat Zitat von BilingualMom Beitrag anzeigen
    (...)

    Ich kann natürlich nicht sagen, wie die Dänen ticken, wollte aber nur mal anmerken, dass nicht alles, was uns Deutschen angemessen und berechtigt erscheint, überall so empfunden wird.
    Also das waere auch in dem Deutschland, in dem ich zumindest verkehr(t)e, ganz klar als Provokation aufgefasst worden und genau wie Du sagst drauf reagiert worden.

  3. #13
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Zitat Zitat von .PMS. Beitrag anzeigen
    Also das waere auch in dem Deutschland, in dem ich zumindest verkehr(t)e, ganz klar als Provokation aufgefasst worden und genau wie Du sagst drauf reagiert worden.
    Naja, ich wollte Ursel halt zugute halten, dass sie mit den Noten objektiv natürlich recht hat, und bestimmt viele das Gleiche denken, aber es eben nicht sagen. Und ich weiß zu wenig über Dänemark, um beurteilen zu können, ob eine solche Zurechtweisung eines Erwachsenen - auch vom Chorleiter selbst kommend - dort vielleicht akzeptabel ist.

    Interessant finde ich, dass auch Falaffel daran Anstoß nimmt, denn ich fand Israel in Sachen Umgangston ausgesprochen barsch. Aber ich war auch schon sehr lange nicht mehr dort.
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

  4. #14
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Das war jetzt MEINE Auffassung, Bilingualmom. Ich habe eine viel zu dünne Haut für dieses Land. ABER ich habe eher mit Arabern zu tun, die sind sehrsehr empfindlich. Auch sie halten Deutsche eher für (zu) "direkt".
    Der rauhe Ton, den du mit Recht ansprichst, herrscht eher unter jüdischen Israelis. - Spätestens nach 3:Jahren Armee hat man den wohl drauf...

  5. #15
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Also, nochmal ganz schnell.
    Mag sein, sowas wirkt provozierend, auch und gerade auf die Dänen.
    Nicht, weil die sich nicht auch gestört fühlen /wenngleich sie etliches gelassener in Sachen Disziplin sind - und die Schwiegermutter meiner Freundin fiel schier in Ohnmacht, als meine Freuindin erzählte, daß deren Tagung damit anfing, daß derverantwortliche Kursleiter - ein Deutscher - etrklärte, bei ihm gebe es diese vielen Eßpausen und Co nicht, es werde gearbeitet. War das denn nötig, das ist doch selbstverständlich - nee, hier nicht.
    Macht zwar eineiges gemütlicher (oder eben neu-deutsch "hyggelig"), zieht aber sowas auch arg in die Länge und unterbricht oft in viele unproduktive Hackstücke.

    Jedenfalls mag es sein, daß ich auspreche, was die anderen nur denken - allerdings auch nicht gleich beim ersten Mal, nicht bierernst und vor allem dann, wenn es sich eben störend für die anderen mitauswirkt und der Betreffende womöglich auch noch laut stöhnt, mitleidheischend oder was? Ich weiß es nicht.
    Dito in meinem Deutschkurs, wo ein erwachsener Mann Dauerbetreuung braucht, weil er NIE das findet, was wir gerade durchnehmen, und nie das hat, was gerade vorherausgeteilt wurde oder ausgedruckt.
    Dabei legendie Teilnehmer von sich aus Wert darauf, die Seiten zu numerieren. Dafür geht auchschon viel zeit verloren,denn nicht alle hören bemi ersten hin, bekommen es richtig mit oder sind überhaupt beim ersten Mal da...

    Daß dies aber in den USA sehr unangenehm aufstoßen würde, ist mir auch bewußt, denn da haben wir Kulturschcocks mit unserem amerikanischen Chorleiter erlebt, die wir auch erst als solche einsortieren mußten, das war (für mich) eine interessante Erfahrung,die Dänen erwarten da eher, daß man sich eben gefälligst bitte-danke dänisch aufführt (auch wenn man - noch- gar nicht weiß, wie das gehjt).

    Was die Weltoffenheit angeht, Falaffel, so bestätigst Du ja nur, was ich schreibe:
    Natürlich geben sie sich so, wie Du sie erfahren hast - daß sie dann auch noch Auslanserfahrungen haben, setzt einen drauf, aber auch sonst sind Dänen ja als weltoffenens und ach so tolerantes Volk bekannt. Es ist erstaunlich, wie sich dieses Image genauso hält wie das mit dem "Ordnung muß sein".
    Denn wenn man erstmal hier lebt, dann lernt man schnell, wie geschlossen diese Gesellschaft ist - ich habe zig Beispiele von diversen ausländischen Freunden, Bekannten, anderen, die dies bestätigen.
    Es dauert unendlich lange, bis man Anschluß findet.
    Eine ausländ. Mutter an unserer Schule meinte einmal, sie hätte nach langer Zeit hier genau 2 engere Bekannte: die eine hatte selbst lange im Ausland gelebt, die war ich.. Die haben letztendlich aufgegeben.
    Und PMS:
    Doch, doch, die mit dänischem Paß dürfen wieder hier leben - auch die Kinder aus binationalen Ehen, denn die haben durch Geburt ihre dänische Staatsbürgerschaft (auch wenn sie, sofern in der Kindheit nicht ein paar Jahre in DK leben, diese dann kurz nachderVolljährigkeit verlänergn lassen müssen -sage ich mal so lax).
    Nur hateben ein israelischer, thailändischer, amerikanischer (haha, demnächst dann wohl auch englischer) Staatsbürger KEINEN dän. Paß,d er ist nur mit einem Dänen/einer Dänin verheiratet - und da kan ner nicht einfach rufen. Familienzusammenführung und herziehen.
    Während dann die Familie herkommen und sich niederlassen darf, hat er immense Probleme zu absolvieren.
    Wenn ich mich wunderte, daß unsere amerikan. Chorleiter damals ruckizucki hier wohnte, hieß es es gleich,seine (dän.) Frau habe viel Geld.
    Genau, das ist die erste Voraussetzung.
    Danach muß man eine Wohnung vorweisen, die pro Kopf eine bestimmte Quadratmeterzahl hat, man muß wie erwähnt Arbeit haben, für die kein Dänezur Verfügung steht, man muß die Sprache sprechen und man muß als Familie eine gute Bindung ans Land haben.
    Daß im Falld er israelischverheirateten Dänin deren ganze Familie hier lebte, ihre kinderdänischsprachen etc., zählte nicht - das ist als Ermessensfrage wohl "ein weites Feld" (Fontane).
    Als das Gesetze Ende der 80er (?) kam, zogen viele Dänen mit ihrenNicht-EU-Ehepartnern ins benachbarte Ausland, bevorzugt Schweden,weilsie dort als "nordische Brüder" schneller als andere die schwed. Staatsbürgerschaft erlangen können. DANN können sie als EU-Bürger zurück nach DK und haben EU-Anspruch auf Freizügigkeit, auch mit Ehepartnern aus Nicht-EU-Ländern. Dänen waren alsop schlechter gestellt im eigenen Land als andere binationale Familien mit einem Partner aus der EU! Das wurde seinerzeit heftigst diskutiert und kritisiert...
    Die Erklärung, daß ein kleines Land nicht nur homogen zusammenrückt, sondern evtl. auch glaubt, das beste, glücklichste aller Länder zu sein, mag stimmen. Denn von ihrem Tun und Handeln sind Dänen derart überzeugt, daß wenig nach anderen Bräuchen gefragt wird und wenn, dann werden sie meistens als "exotisch und nicht realisierbar" abtetan, oft recht negativ. Das allerdings scheint sich doch bei den jüngeren Dänen etwas zu verändern.

    Trotzdem - bevor das jemand bezweifelt, lebe ich ja gern hier. Es ist nur manches anders, als es von außen aussieht, und manches eben höchst überraschend anders.
    Ein Umzug von Dtld. nach DK ist ganz bestimmt nicht, wie viele in einem dt. dän.Forum früher meinten, mit einem Umzug in ein anderes Bundesland zu vergleichen Ich finde, damit tut man den Dänen (und Deutschen) auch Unrecht, denn Anspruch auf eigene Menthalität, Kultur und Bräuche hat für mich jedes Land!
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  6. #16
    Avatar von PinkMagnolia
    PinkMagnolia ist offline gekommen um zu reisen

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    da haeng ich mich mal eifnach ran, da es unsere Erfahrungen auch widerspiegelt (abgesehen von Nazi-Haenseleien). Es waren bisher nur positive Dinge ueber Deutschland, und jeder kramt noch mindestens den 4. Cousin 5.Grades raus, um vor uns mit seiner deutschen Abstammung anzugeben :-). Und das mit der Army in D gewesen sein koennen wir auch nur bestaetigen :-).

    Zitat Zitat von .PMS. Beitrag anzeigen
    Ich finde hier viel auffaelliger, wie viele positive Zuschreibungen ueber Deutschland und die Deutschen in Umlauf sind. Tolle Autos, gut organisierte Gesellschaft, Wirtschaft laeuft Bombe, wunderschoene alte Staedte, Angela Merkel als charakterlicher Gegenentwurf zu Donald Trump... Ausserdem waren viele mit der Army in Deutschland und kriegen leuchtende Augen im Rueckblick. Ich finde ja immer, "die anderen" sehen uns ganz anders als wir uns selbst und gucken vor allem nicht mehr in die Geschichte. Das mag mit der allgemein ausgepraegteren Begeisterungsfaehigkeit und einem auf Austausch von Freundlichkeiten zentrierter Smalltalkkultur hierzulande zusammenhaengen, aber dass mir einer mit einem schnarrenden "DAS IST VERBOTEN" ankommt, erlebe ich wirklich nur als Witz. Oder "Don't mention the war". Kennt einer die Tracey Ullman Show? Da tritt eine Angela Merkel Figur auf, auf sowas werde ich eher angesprochen. Ich erwarte ehrlich gesagt auch nicht, dass deutsche Geschichte und Kultur in jedem Kopf mit korrekten Assoziationen verknuepft ist, wir sind halt mal auch nur ein Land unter vielen.
    Die Kinder hatten ein paar Erlebnisse mit Nazihaenseleien, aber das haben wir nach dem ersten Schreck eigentlich immer in der Schublade "Kinder sind halt manchmal doof" abgelegt und ich will gar nicht so genau wissen, was die dann zurueckgehaenselt haben.
    Jetzt, wo ich drueber nachdenke, faellt mir noch ein, dass ein Freund der Kinder mir beim Vorbeifahren mal einen froehlichen Hitlergruss gezeigt hat. Den hab ich bei der naechsten Gelegenheit beiseite genommen. Aber nicht, weil mich das irgendwie angefasst haette, sondern ich wollte nicht, dass der das womoeglich in Europa mal macht.

  7. #17
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Zitat Zitat von PinkMagnolia Beitrag anzeigen
    da haeng ich mich mal eifnach ran, da es unsere Erfahrungen auch widerspiegelt (abgesehen von Nazi-Haenseleien). Es waren bisher nur positive Dinge ueber Deutschland, und jeder kramt noch mindestens den 4. Cousin 5.Grades raus, um vor uns mit seiner deutschen Abstammung anzugeben :-). Und das mit der Army in D gewesen sein koennen wir auch nur bestaetigen :-).
    Da faellt mir nochwas ein....
    Der Kronprinz sollte mit seiner Angebeteten zu ihrer Senior Prom - das ist wie Abiball, nur dass die Eltern nicht dabei sind. Deshalb geht das Ritual so, dass Kinder und Eltern vor dem Ball sich bei jemandem im Garten treffen, es werden Fotos gemacht, kleiner Imbiss, alle gratulieren sich und die Kinder fahren von da aus weiter zum Fest. Ist ne Riesensache, sehr aufregend fuer alle Beteiligten. Nun hatten wir den Termin verschnarcht - was zeigt, dass wir an unserer Integration noch arbeiten sollten - und an dem Abend selber Gaeste zu Hause, mussten das SeniorProm-Vorgluehen demzufolge auslassen. Also hat die Kronprinzessinnenmutter sich die beiden geschnappt und ist extra nochmal bei uns vorbeigekommen, weil wir doch sicher Fotos auf unserer eigenen Terrasse von diesem grossen Ereignis haben wollten. Unheimlich lieb von ihr und zeigt, dass das hier sehr engagierte Umeinanderkuemmerer sind. Allerdings hat sie dabei zur grossen Freude unserer Gaeste meinen Mann konsequent mit "Adolf" angesprochen. War wahrscheinlich der einzige deutsche Name, den sie sich jemals gemerkt hat.

  8. #18
    Gast Gast

    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Hm
    Ich kenne das gar nicht, so wie Du das erzählst.
    Mir wird immer gesagt, ich bin gar nicht deutsch bzw ich wurde es dem Land rausgeschmissen, weil ich ganz anders bin (aus Scherz natürlich), aber da ist schon einiges wahr...
    Ich bin überhaupt nicht umweltfreundlich, ich bin nicht preissisch ordentlich, im Gegenteil, ich halte es nicht mit deutschen Traditionen, koche nie deutsch, deutsches TV find ich ganz furchtbar, zuhause spreche ich frz (ok deutsch mit den Kindern aber mittlerweile fällt es mir leichter französisch zu sprechen, mir fehlen immer mehr deutsche Worte), ich fahre ungern nach Deutschland, habe es lieber, wenn ich hier besucht werde etc
    Vielleicht weil ich keinen richtigen bezug mehr zu D habe ?
    Ich bin mit 20 nach Frankreich, hab nie in D geabeitet oder studiert, und es ist mir sehr fremd als Land, und die Menschen auch (ich hab noch Freunde da aber sehr wenig Familie)
    Beim Schreiben grad merk ich, dass das irgendwie traurig ist aber es fühlt sich nicht traurig für mich an
    komisch, oder ?

  9. #19
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Zitat Zitat von .PMS. Beitrag anzeigen
    Da faellt mir nochwas ein....
    Der Kronprinz sollte mit seiner Angebeteten zu ihrer Senior Prom - das ist wie Abiball, nur dass die Eltern nicht dabei sind. Deshalb geht das Ritual so, dass Kinder und Eltern vor dem Ball sich bei jemandem im Garten treffen, es werden Fotos gemacht, kleiner Imbiss, alle gratulieren sich und die Kinder fahren von da aus weiter zum Fest. Ist ne Riesensache, sehr aufregend fuer alle Beteiligten. Nun hatten wir den Termin verschnarcht - was zeigt, dass wir an unserer Integration noch arbeiten sollten - und an dem Abend selber Gaeste zu Hause, mussten das SeniorProm-Vorgluehen demzufolge auslassen. Also hat die Kronprinzessinnenmutter sich die beiden geschnappt und ist extra nochmal bei uns vorbeigekommen, weil wir doch sicher Fotos auf unserer eigenen Terrasse von diesem grossen Ereignis haben wollten. Unheimlich lieb von ihr und zeigt, dass das hier sehr engagierte Umeinanderkuemmerer sind. Allerdings hat sie dabei zur grossen Freude unserer Gaeste meinen Mann konsequent mit "Adolf" angesprochen. War wahrscheinlich der einzige deutsche Name, den sie sich jemals gemerkt hat.
    Ojojoj..... ich erinnere mich noch an die Ansprüche meiner Tochter, als es um ihre Abi-Feier ging. Bei den Jungs war das keine grosse Sache. Der älteste hat immer noch kein Abi und der zweite wollte eigentlich keine Feier, war dann aber zufrieden mit dem, was ich organisiert hatte. In Schweden ist das übliche eine Art Party, die ab mittags losgeht und dann bis in die Nacht herein, mit Verwandten und Freunden.

    Als meine Tochter dann Abi gemacht hat, hat sie mir dann erklärt, was alles dazu gehört, und darunter ging es nicht. Erstens - man muss eine Terasse und einen Garten haben und dort feiern. Leider waren wir gerade in eine Wohnung gezogen . Wir haben bald darauf doch wieder ein Haus gekauft, aber da waren wir in der Wohnung. Und wir sassen auch schon auf gepackten Kartons und wollten bald in das Haus ziehen. Ich hab Alternativen in der Wohnung, oder unten in dem für die Wohnungen gemeinsammen Hof/Garten vorgeschlagen. Schliesslich hat Tochter das dann bei einer Freundin gemacht, d.h. die beiden haben ihre Feiern zusammengelegt. Und wir kamen uns natürlich wie Eindringlinge vor. Und auch sonst musste alles mögliche dabei sein - die Deko war meiner Tochter auch sehr wichtig und andere Einzelheiten, die ich inzwischen gar nicht mehr weiss. Ansprüche haben manche Kids!

    Ich hab auch - vor allem meiner Tochter - manchmal gesagt, dass sie sich doch auch vorstellen muss, dass ich das nicht von klein an gewohnt bin. Warum fragen sie da nicht ihren Vater, der ja Schwede ist? Weil er ein Mann ist und keine Lust hat irgendwelche Feste zu organisieren? Das Problem hatten wir auch an Midsommar. Schon als wir noch zusammen waren, hab ich manchmal gesagt, er soll doch bitte das machen, was typisch schwedische Traditionen sind, dann mach ich die deutschen. Natürlich kannte ich nach vielen Jahren auch die Traditionen, und seit wir geschieden sind, mache ich da auch Kompromisse, aber in erster Linie finde ich schon, dass mein Ex dafür zuständig ist. Was ihm aber.... irgendwo vorbei geht.

  10. #20
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Hej Kicki!
    Ganz sicher macht das Alter da viel aus.
    In so jungen Jahren haben sich viele Dinge ja noch nicht so manifestiert wie bei jemanden (wie mir), der erst viel spätrer "ausgewandert" ist.
    Das ist so ein bißchen, wie ich meinen "Schülern" Sprache lernen erkläre:
    ich erkläre die Regeln, ich gebe die Gebrauchsanweisung, wir üben die anwendnung, damit das prinzip verstanden ist, aberder wirkliche Gebrtauch kommt eben erst beidenen zuhause, unterwegs, wann immer sie Deutsch "machen". Wie beim Instrumentlernen:
    Der Lehrer zeigtdie Griffe, die werden eingeübt, aber wirklich ins Stück eingebaut werden sie durch das Üben/Spielen zuhause.

    - ich habe noch Freunde aus der Studien- und Arbeitszeit in Dtld.
    Aber ich habe auch - obwohl ich schon sehr lange in DK lebe- mehr dt. als dänische Jahre auf dem Buckel.
    Gerade gestern erzählte eine Chorschwester, die fast genauso lange wie ich hier ist,aber dadurch eben mind. 50:50 Zeit hier und Zeit in der alten Heimat hat, daß sie gerade in England überall dort war, woe sie eben aufgewachsen ist, zur scule ging etc. - und irgendwie kam ihr zum ersten Mal alles sehr fremd und anders vor.
    Als sie am Telefon zu ihrem Mann sagte,sie wisse nun ja bald gar nbicht mehr, wo sie ingehöre, hat der sie heimgewunken, hierher nach DK.
    Da dachte ich nur, ich habe überhaupt keinen Ort in Dtld., zu dem ich mich heimatlich verbunden fühle.
    Mit 20 hat man dann gerade die Regeln "Dtld." gelernt, um es mal so zu sagen und im Vergleich zu bleiben, aber Du hast sie noch nicht wirklich angewendet, so0 daß sie eher theoretiosch sind und natürlich verblassen - weit weg sind - wenn sie nie gebraucht werden.
    Ich bin ja gleich nach dem Abi vom ersten Heimatort weg, zum Studieren, und das war schon ein kleiner Kulturschock von NRW nach BW, dann nach Norddeutschland - also, irgendwie bin ich zu viel zu weit rumgezogen, um mich wirklich nach einem Ort zurückzusehen.
    Und genau DA sind auch die Menschen, an denen mit in Dtld. noch liegt, gar nicht.
    Dtld. ist mir nicht fremd, aber ich habe keinen Heimatort (mehr) dort - aber wie gesagt, Sprache, Geschichte, Kultur, dem fühle ich mich noch mehr als dem dänischen Pendant verbunden, mäher, obwohl das natürlich auch viel Raum einnimmt und ich es kenne und auch respektiere - und oft ja auch verstehe.

    Zwei sozusagen Heimatlose, und auch wieder ganz anders - ist doch auch spannend, oder?
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

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