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Thema: Integration und Vorurteile

  1. #1
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Integration und Vorurteile

    Hm, ich hoffe mal, die Überschrift paßt halbwegs.
    Jedenfalls stoße ich gerade ein bißchen an die Grenzen meiner eigenen Integration.
    Daß ich keine Neu-Dänin bin und sein möchte (diese Vereinnahmung ist für mich Ausdruck der Assimilation, die die Dänen natürlich dreimal lieber sähen als Integration), tue ich seit meinem Herzug kund (damals war das Wort in der Hoffnung, das - warum eigentlich? - häßliche Wort "Ausländer" zu vermeiden, sehr modern!
    Daß ich sehr deutsch lebe in meinen eigenen 4 Wänden, mit meinem Mann und meinen Kindern immer noch Deutsch spreche (zum Erstaunen der einen Schwägerin vor wenigen (!) Jahren - worüber sich dann wiederum auch meine Große empörte: wie denn sonst?), daß ich lieber dt.als dän. TV schaue - alles geschenkt.
    Trotzdem bin ich ja - wie ich finde -gut integriert, spreche die Sprache fließend, amche einheimische Sitten undGebräuche mit, engagiere mich und komme mit den allermeisten gut bis sehr gut aus.

    Nun merke ich aber, daß mich die Konfrontation mit alten Phrasen und, naja, wohl auch Vorurteilen in den Köpfen mancher Dänen (zunehmend) nervt.
    Habe ich das zu oft gehört?
    Bin ich da immer noch oder schon wieder sensibel, zu sensibel?

    Beispiel, das in letzter Zeit mehrmals an versch. Stellen auftauchte:
    Im Kurs, im Chor, rascheln viele mit ihren Papieren, die sie nicht numerisch/alphabetisch abgeheftet im Ordner haben, nein, Loseblatt-Sammlungen, die rascheln, häßlich aussehen nud oftmals auch den Fortgang verzögern, weil nichts schnell gefunden wird.
    Wenn ich dann sage: "Wieso heftest Du es nicht wie die anderen ab?", kommt garantiert: "Jaja, Ordnung muß sein!"
    In einem, wie ich finde, auch noch recht preußischen Tonfall.

    Natürlich würde ein genervter Chorleiter sowas nie sagen - Dänen sind sehr (zu?) geduldig, was so was angeht, finde ich, aber wenn, bekäme er diesen deutschen Spruch natürlich nicht um die Ohren gehauen.
    Als ich mich neulich dann auch mal dagegen verwahrte, weil 30Jahre mit diesem Spruch langsam genug sind und sich der beste "Witz" bei mehrmaliger Wiederholung abnutzt, wurde mir erklärt, im Gegensatz zu engl. Autobahnen sähen die dt. auch als Baustelle noch übersichtlich aus. "Ja, und die dänischen", frage ich zurück. "Und fällt Euch da auch ein: Ordnung muß sein?"
    nee.
    (Bei raschelnden Blättern ruft in mir ja auch mehr die Bibliothekarin zur Ordnung als die Deutsche, mein Haushalt entspricht in keinster Weise dem Vorurteil von der dt. Ordnung, die viele Dänen zu kennen meinen.)

    Das letzte Argument, das dann ins Feld geführt wird und gegen das ich lange machtlos war, ist dann: Aber das ist ja nur nett gemeint.
    Ja, aber gut gemeint ist eben nicht gut gemacht - und manchmal trifft man beim anderen einen Nerv, den man doch auch wenigstens nach dem "Aua-"Schrei respektieren/akzeptieren könnte. Oder muß man sich in nett gemeinte Nervereien (andere natürlich auch Schlimmeres - wie Zigeuner, Neger, ...) finden, weil es "nett" oder doch zumindest "nicht böse" gemeint war?

    Beim Lehren des "Sie" im Unterricht kämpfe ich - aber nicht nur da! - gegen das Vorurteil an, in Dtld.sei alles mindestens so steif und formell wie in den dänischen Zeiten, als die in den 70ern das "Sie" abgeschafft haben.
    Äh - nee, auch wir haben uns inzwischen weiterentwickelt, aber wir sagen trotzdem noch Sie, und ich finde das sogar schön.
    (Gut, dieses atemberaubende Vorurteil findet zumindest bei den meisten Deutschen seine Entsprechung, weil die ja glauben, hier sagen alle Du: was für ein herrlich offenes, tolerantes Land! Auch sie irren - natürlich!)

    Als neulich eine auch noch "Mutti" zu mir sagte, bin ich fast sauer geworden und habe mir das strengstens verbeten.
    War auch nur liebevoll gemeint - und die Frau mag ich sogar sehr.

    Irgendwie macht mich wohl auch traurig, daß da in jungen dänischen Köpfen noch so viel alter Kram an Vorurteilensteckt -wundern sollte es mich eigentlich allerdings nicht, so weltoffen, wie sie sich darstellen, sind die Dänen nicht unbedingt!
    Und der Deutschunterricht meiner Kinder hat nicht nur mich, sondern auch andere dt. Mütter hier bei ihren Kinder enttäuscht.

    Langer Rede (wie immer bei mir ) kurzer Sinn:
    Kennt Ihr diese Platidtüden? Wie oft werdet Ihr so mit Eurer dt. Nationalität oder gar Geschichte konfrontiert und wie geht Ihr damit um?
    (Daß ich bei Nazi-Betitelungen ruckzuck in der Schule war, wußten meine Töchter - die eine meinte später mal, sie hätten mir längst nicht alles erzählt, damit ich nicht gleich wieder auf 180 sei )

    Thema freigegeben für eigene Erfahrungen und Gedanken...
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  2. #2
    TexTot ist offline Veteran

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Klar erlebe ich das, aber ist das nicht der Unterschied zwischen Integration uns Assimilation das man seine Eigenheiten behaelt? Ich mache halt bewusst manche Sachen anders (deutsche Gruendlichkeit) und ernte damit den ein oder anderen Kommentar womit ich aber kein Problem habe.
    Auf der anderen Seite bin ich meinen oesterreichischen Kollegen dan in manchem wieder zu 'amerikanisch' was auch immer das bedeuted.

  3. #3
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Ja, klar, aber das meine ich nicht.
    ichdenke an diese Vorurteile, die da immer noch sind.
    mir macht es ja nichts, wenn jemand meinen aktuellen Kuchen als zu deutsch, weil den Dänen nicht süß genug empfindet.
    Oder wenn jemand offen kritisierte, daß ich zu wenig dän. TV sehe (trotzdem bin ich alelrdings ja informiert überdieses Land, nur muß ich nicht mitreden, wenn die anderen von der dän. Version irgendeiner Tanzshow reden oder so, das interessiert mich eben auch auf Deutsch nicht).
    Klar behalte ich meine deutschen Eigenheiten, dafür bin ich zu lange i nDtld. gewesen, in meinen prägendsten Jahren zudem - und alles davon fnide ich letztendlich auch ja auch nicht schlecht.
    nein, ich meine dieses Reduziertwerden auf die alten Klischees, mit der Argumentation (bei Gegenwehr), man habe es ja nur nett gemeint. (Wieso sucht man sich da nicht was wirklich Nettes, wenn man unbedingt meint, mein Deutschsein hervorstreichen zu müssen?)
    Ich renne ja nicht rum und erzähle allen, daß ich dies jetzt deustch mache und nicht dänisch, daß ich dies jetzt deutsch besser finde, daß ich dieses DäniSche ablehne oder so

    Vielleicht kann ich es auch nicht erklären, im Augenblick stößt es mir nur immer öfter auf - ich weiß auch nicht, ob ich da gerade empfindlicher bin oder ob sich da zuviel abgenutzt hat oder ob es wirklich mehr geworden ist.
    All das hat mich früher auch gestört, ich habe mir "Neu-Dänin" verbeten (und auf die entgeisterte Frage,w as ich denn sei, "Deutsche in DK", "Ausländerin" geantwortet.)
    Ich mochte auch noch nie "Ordnung muß sein" mit diesem Zwinkern, aber jetzt stört es mich wirklich mehr und mehr...
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  4. #4
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Ich versteh schon, was du meinst. Allerdings bekomme ich auch aus früheren Posts von dir einfach den Eindruck, dass du‘s da bei den Dänen oft mit richtigen Stoffeln zu tun hast. Du hast ja auch viel mit älteren Leuten zu tun und wohnst auch eher kleinstädtisch, oder?

    In klassischen Einwanderungsländern wie meinem zum Beispiel begegnet man natürlich auch Klischees, aber Einzelpersonen darauf zu reduzieren ist einfach nicht „politisch korrekt“ und unterbleibt meistens. Die Amerikaner sind generell auch ein bisschen vorsichtiger in ihrem Urteil damit, was andere Leute nett oder lustig finden sollten. Gerade wenn‘s um Nationalität, Kultur, Hautfarbe u. Ä. geht, ist da die Fettnäpfchengefahr einfach zu groß.
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

  5. #5
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Ich glaube, ich weiss was du meinst. Ich hab nämlich erst gestern ein klein bisschen empfindlich drauf reagiert, das mein Mann irgendeine Aufschrift auf einem Karton vorlas, weil was auf Deutsch stand: "ACHtung!" meinte er. Und dann noch zweimal "ACH-tung"! Und ich meinte natürlich, dass die Deutschen das natürlich nicht so übertrieben sagen, sondern ganz normal. Ich sollte dann mal vormachen, wie man es denn sagt.... grrr. Alles nur Fopperei natürlich, und ein typisches Klischée.

    Gerade überlegte ich dann, ob das wenigstens ausgeglichen ist, d.h. ob ich ihn auch ärgere. Und da fällt mir ein - doch, schon. Aber eigentlich nicht für das Schwedische, sondern dann eher für einige Dialekt-Ausdrücke, die man in Stockholm nicht kennt. Und da hab ich dann noch meine Kinder als Unterstützung, also sollte ich nicht klagen.

    Ansonsten können wir uns auch uneinig sein, was die Frage angeht, ob deutscher oder schwedischer Käsekuchen besser ist. Aber überhaupt, was Essen angeht - erstens koche ich allermeistens und könnte da natürlich sehr viel deutsches kochen. Aber ich bin da nicht so traditionell. Allerdings, seit es Lidl gibt, kaufe ich da halt so Dinge wie Spätzle, Maultaschen oder Klösse. Und er klagt, es sei ihm zu kompakt.

    Nazi- Bezeichnungen nehme ich normalerweise auch ernst. Mein mittlerer Sohn hatte da mal irgendeinen Idioten von Schulkameraden, der ihn "Hitlers Begleiter" nannte. Frag mich nicht warum! Nur wegen deutscher Abstammung wohl. Das haben wir uns natürlich auch verbeten.

    Deutsches Fernsehen sehe ich auch oft lieber als schwedisches. Aus einem einfachen Grund: Deutschland kann nun mal ganz andere Sachen produzieren, die haben mehr Geld dafür. Daher ist die Qualität oft einfach besser. Auch kaufen sie ja z.B. Dokumentar-Filme vom BBC und von anderen und synchronisieren sie. Auch wenn das Synchronisierte nervig ist, aber die Sachen kommen halt nicht im schwedischen Fernsehen. Und die Nachrichten sind in Schweden ganz furchtbar langweilig, in Deutschland sind sie nun mal besser. Auch wenn man auch mal die hiesigen sehen sollte, wenn man doch hier wohnt.

  6. #6
    TexTot ist offline Veteran

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Zitat Zitat von DK-Ursel Beitrag anzeigen
    Ja, klar, aber das meine ich nicht.
    ichdenke an diese Vorurteile, die da immer noch sind.
    mir macht es ja nichts, wenn jemand meinen aktuellen Kuchen als zu deutsch, weil den Dänen nicht süß genug empfindet.
    Oder wenn jemand offen kritisierte, daß ich zu wenig dän. TV sehe (trotzdem bin ich alelrdings ja informiert überdieses Land, nur muß ich nicht mitreden, wenn die anderen von der dän. Version irgendeiner Tanzshow reden oder so, das interessiert mich eben auch auf Deutsch nicht).
    Klar behalte ich meine deutschen Eigenheiten, dafür bin ich zu lange i nDtld. gewesen, in meinen prägendsten Jahren zudem - und alles davon fnide ich letztendlich auch ja auch nicht schlecht.
    nein, ich meine dieses Reduziertwerden auf die alten Klischees, mit der Argumentation (bei Gegenwehr), man habe es ja nur nett gemeint. (Wieso sucht man sich da nicht was wirklich Nettes, wenn man unbedingt meint, mein Deutschsein hervorstreichen zu müssen?)
    Ich renne ja nicht rum und erzähle allen, daß ich dies jetzt deustch mache und nicht dänisch, daß ich dies jetzt deutsch besser finde, daß ich dieses DäniSche ablehne oder so

    Vielleicht kann ich es auch nicht erklären, im Augenblick stößt es mir nur immer öfter auf - ich weiß auch nicht, ob ich da gerade empfindlicher bin oder ob sich da zuviel abgenutzt hat oder ob es wirklich mehr geworden ist.
    All das hat mich früher auch gestört, ich habe mir "Neu-Dänin" verbeten (und auf die entgeisterte Frage,w as ich denn sei, "Deutsche in DK", "Ausländerin" geantwortet.)
    Ich mochte auch noch nie "Ordnung muß sein" mit diesem Zwinkern, aber jetzt stört es mich wirklich mehr und mehr...
    Hm, von dem was du da beschreibst hat das wohl eher algemein was mit Vorurteilen gegenueber Auslaendern/anderen Kulturen zu tun. Vieleicht fuehlst du dich da nur mehr von angesprochen weil du halt Auslaender bist und im Grunde koennte es egal sein welcher Nationalitaet du angehoerst. Ich sehe das haeufig wenn ich bei meinen Eltern bin (Deutschland sehr laendlich). Ales was 'anders' ist wird mit Vorurteilen belegt und das geht quer ueber Nationalitaeten, Religionen, sexuelle Orientierung. Typische Engstirnigkeit irgendwie.
    Vieleicht ist es das was dir begegnet?

  7. #7
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Huhu!

    Dk-Ursel ich denke, es gibt da zwei Seiten. Einerseits wird man vielleicht mit zunehmendem Alter waehlerischer, erwartet mehr und hat auf manches schlichtweg keine Lust mehr, ueber das man frueher vielleicht lockerer hinweggegangen ist. Es ist halt etwas frustrierend zu sehen, dass sich manches anscheinend nie aendern wird. Mir geht das eher umgekehrt mit manchen orientalischen Eigenheiten so, ueber die ich anfangs noch lachen konnte und die inzwischen einfach nur nerven.
    Andererseits erwartest du vielleicht, dass die Daenen in deiner Umgebung durch deine Anwesenheit ein etwas anderes Bild der Deutschen haben sollten, also ein gewisser Lerneffekt da sein sollte, so dass solche Sprueche nicht mehr kommen. Aber gerade wenn du es eher mit der aelteren Generation zu tun hast, wird das alte Bild immer bleiben.
    Wenn ich bedenke, dass hier viele Christen noch immer eine riesige Abneigung gegen Tuerken haben, obwohl das Osmanische Reich ja nun laenger her ist als der 2. Weltkrieg...aber 500 Jahre Besetzung und Chistenverfolgung haben ihre Spuren hinterlassen. Und Erdogan sorgt dafuer, dass sich das Bild nicht wandelt...
    Was habe ich in Frankreich als AuPair zu hoeren bekommen...Opa und ich wurden dann aber doch Freunde. Ich kenne nur einen alten juedischen Herrn, der nicht mehr lebt, der mich allein aufgrund meiner Nationalitaet nicht mochte. Das habe ich aufgrund seiner Familiengeschichte absolut respektiIch habe von aelteren Juden auch sehr nette Reaktionen erfahren.

    Ich sehe witzigerweise des oefteren Parallelen zwischen deiner Beschreibung "der Daenen" (ist ja auch wieder verallgemeinernd und damit diskriminierend) und der Sie hhier, mit der ich ueberwiegend zu tun habe. Sie haben, glaube ich, etwas Wesentliches gemeinsam: Sie sind eine kleine Gruppe, diie oft unter anderen gelitten hat und muss sich gegen groessere, wichtigere, bekanntere und maechtigere Gruppen behaupten.
    Damit einher geht ein gewisser Minderheitskomplex, der sich zeigt in "wir sind die Besten und Tollsten". -Meine Kuechenpsychologie.
    - Der Unterschied zwischen Daenen und israelischen Arabern ist, dass Erstere Herren in ihrem Land sind und Letztere geduldete Buerger zweiter Klasse im ihrigen.

    - Oder es stoert dich, dass du trotz aller "Integration" letztenendes eben doch "die Deutsche" bist. Das ist etwas, was mir immer anheften wird und was ich inzwischen sehr positiv betrachte. In einer so bunten Gesellschaft wie hier, wo alle woanders herkommen, woanders Verwandte haben oder die ihre KInder ins Ausland schicken macht das auch nichts.

    "lockere" Sprueche mit Bezug auf die HItlerzeit die mir aufstossen und zu denen ich was sage, kommen hier auch mal. Ich werde sie hier nicht schreiben. Aber wenn man bedenkt, dass fuer arabische Israelis der Holocaust der Grund ist, der zur Staatsgruendung Israels fuehrte, die wiederum fuer sie Tod, Flucht, Vertreibung und Enteignung bedeutet, kann jeder selbst erraten , in welche Richtung die gehen.
    Hier trug mal wer wegen seiner Hose den Spitznamen "Hitler" , andere werden mit ihm verglichen, wenn sie herrschsuechtig sind und neulich hat ein Comedian den Vergleich gewaehlt, um eine strene Schulhofaufsicht zu beschreiben.
    ICH finde sowas absolut nicht witzig und erschrecke, hier wird darueber gelacht. - Und ich versuche, wegen dieser Differenz meinen Kindern zu vermitteln, welche Brisanz das Thema fuer Deutsche und in Deutschland hat und sie zu sensibilisieren.


    "Deutsche" Organisiertheit wird bewundert, abheften tun mein Grundschueler nichts (so wie die Meisten), mein Mann und meine Aelteren sind pingeliger als ich.
    Israelisches Fernsehen ist absolut nicht mein Ding, ist mir haeufig zu aufreisserisch und albern. Israel ist mal gerade so gross wie Hessen, aber sie schaffen es allabendlich, EINE STUNDE Nachrichten zu praesentieren. Stoehn!!!

    Ich gucke jeden Morgen das Moma und lasse meine Kinder gern KIKA gucken, wo "Logo" und andere Infosendungen sehr beliebt sind. Wenigstens dort wird etwas Allgemeinbildung (fehlt in der Schule total ) vermittelt. - Immerhin haben sie auf die Weise etwas von Greta und den Klimaprotesten gehoert.

    Sorry, jetzt ist das so lang geworden....

  8. #8
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Hej nochmal!

    Ihr seid toll, Ihr habt doch verstanden, was ich meine --- und Ihr könnt es wenigstens streckenweise teilen.
    Sowas kann man einem "Inländer" hüben wie drüben ja nie erklären.

    ich fühle mich sehr gut bei Dir aufgehoben, Fairie, aber auch bei Dir, Falaffel.
    Und ganz sicher liegt da auch was bei Dir, BilingualMom, denn DK ist in höchstem Grade KEIN Einwanderungsland und will es auch nie sein.
    Wer sein Kind außerhalb der EU als Aupair schickt, sollte sich zumindest sicher sein, daß, verliebt es sich dort und bekommt gar Kinder/heiratet, hat es keine große Chance, mit der ganzen Familie nach DK zu ziehen. Kind ade!
    Die Tochter einer Pädagogin meiner Töchter hat es so erlebt, die lebten just in New Oleans, als dort Katrina wütete,also kamen sie zur dänsichen Familie, weil ihr Haus weg war.
    da es aber sehr gnädig war, daß der Ehemann überhaupt mit Kidn udn Frau hier einreisen durfte, länger als eine Besuchszeit - beschlossen sie wohl, das haus wieder aufzubauen und zurückzuziehen, andere Möglichkeit war nicht.
    heute sind sie geschieden udn sie lebt mit Kind hier, ob es nur und allein daran gelegen hat,w eiß ich nicht, aber es hat das Funktionieren eine Familie in Krise (Haus weg, durch en Umzug nach DK auch Verdienst weg etc.) sicher nicht begünstigt.

    ich erinnere mich sehr gut an die Frau in einer mehrsprachigen dänischen Liste, deren Fall vor MIND. 10 Jahren durchs TVging:
    Sie und ihr israelischer Mann samt Kinder durften sich hier nicht niederlassen - jedenfalls er nicht auf unbegrenzte Zeit (und wer bricht alle Zelte für eine ungewisse Zukunft in Dk ab?), obwohl sie alle Einwanderungsbedingungen erfüllten... lediglich der Job des Mannes war eben erstmal nur befristet, weil der von der Auftragslage abhing. Ansonsten wollte der Chef diesen Mitarbeiter, auch, weil er keinen dänischen dafür fand (auch dies eine der zu erfüllenden Bedingungen.)
    Ich weiß noch, wie sie schrieb, sie schlüge die Tür zu DK mit einem großen Knall zu, weil sie soooo enttäuscht von ihrem Heimatland war!

    naja, wir sind ein kleines Land hier, und ich komme auch vor der Wiedervereinigung aus einem großen (weshalb eine österreich. Freundin in Schweden ihre neuen Mitbürger wohl auch besser versteht als ich...)
    D.h. ich verstehe durchaus den Drang der Dänen, sehr homogen zu sein, wo in Dtld. die Unterschiede einem deutlich mehr ins Gesicht springen.
    ich kann es nachvollziehen, dieses Gefühl, gegen einen großen Feind zusammenstehen zu müssen, Individualität deshalb als eher schädlich anzusehen und das Gemeinwohl über alles zu stellen - ganz anders eben in Dtld., wo wir von dem Lemmingeffekt (alle folgen einem Führer) ja zum Glück immer noch größtenteils die Nase aufgrund übelster Erfahrung - in umgekehrter Form als die Dänen eben - voll haben.

    Nein, ich glaube nicht, ich habe fast nur mit "stoffeligen" oder auch nur älteren Dänen zu tun.
    Okay, nun umgebe ich mich seit Auszug der Töchter nicht mehr so sehr mit der ganz jungen Generation, aber im Chor ruft ausgerechnet die zweitjüngste in unserer Gruppe "Ordnung muß sein!", sobald ich auch nur erwähne, daß es doch schön wäre, wenn wir jetzt nicht wieder auf XY warten müßten, bis der sein Blatt gefunden hat.
    Ichhabe eher das Gefühl, daß ausgerechnet die ältere Generation nicht nur sprachlich fitter ist, sondern auch mehr über Dtld. weiß und daran interessiet ist. Trotzdem passieren denen dieselben "Ausrutscher".

    Und genau, Fairie, es ist dieser miltitärische, deutsch-preußische (?), fast schon wirklich auch aus Nazifilmen importierte Tonfall, der ja auch durch ihren Akzent oft verschärft wird, weil sie das eben deutlich aussprechen (wollen), der mich - inzwischen -auf die Barrikaden treibt.
    Ich weiß, ich habe es nie gemocht, aber ich weiß auch, daß ich früher besser drüber weghören konnte.
    Und nein, Falaffel, es tut mir nicht leid oder schmerzt oder ... , daß ich als Deutsche identifiziert werde, im Gegenteil möchte ich mich ja gerade nicht als Neu-Dänin fühlen müssen.
    Es schmerzt mich eben bestenfalls, daß dieses Deutschsein mit denselben alten abgegrabbelten und längst vergangenen "Werten" belegt und kommentiert wird.
    Genau das zeigt eben, daß sie weder in der Schule noch sonstwo viel über das Dtld. lernen, das es seit mehr als 70 gibt.
    Größter Nachbar, größter Handelspartner, die meisten Touristen kommen von dort und die meisten Dänen brettern immerhin durch, wenn sie nach Italien oder Frankreich reisen, wenn sie nicht sogar selbst in den Harz zum Skifahren fuhren. Und Flensburg ohne die Dänen wäre pleite.
    Aber wie gesagt bin auch nicht nur ich enttäsucht, wenn ich sehe, was unsere kinder in bezug auf Dtld. in der Schule durchnehmen:
    Drittes Reich, DDR - dann ist die Zeit um - aber auch auf dem Gymnasium, wo ich mir ein bißchen Schiller oder Goethe, Luther oder Brecht, Böll und Lenz, oder eben ein paar neuere Literaten erhofft hatte,wurden wir tief enttäuscht, zumal Lektürelesen eh nicht gepflegt wird.
    Aber wenn, führte auch diese Literatur meistens ins Dritte Reich oder in die DDR.
    Nichts dagegen, daß sie etwas darüber lernen, die Dänen sind erstaunlich unbeleckt mit ihrem Wissen über den Einfluß von Diktaturen bis ins feinste Privatleben, aber muß es immer und überall sein??? Es gibt soviel anderes.
    Immerhin, meine Tochter erzählte neulich, daß sie im Deustchunterricht nach Loriot (Weihnachten, das Förstergedicht) jetzt einen ganzen Tag Deustch hatten und dabei wohl viel mit Hape Kerkeling machten.
    Die Lehrerin ist Deutsche, da hat sie sich doch mal vom Standardprogramm (was auch IMMER die Gruppe RAMMSTEIN beinhaltet) weggewagt. Bravo!

    Und ich amüsiere mich gerade über Eure Erfahrungen mit Nachrichten:
    Als ich hierherzog, fühlte ich mich sehr an "den Schwarzen Kanal" der DDR erinnert, den wir vorher im Zonenrandgebiet empfangen konnten.
    Da wurde auch keine Außenpolitik verkündet, schon gar nicht amerikanische-westliche, sonders erstmal eine halbe Stunde über die Kollektive berichtet, die das Soll erreicht oder überschritten hatten etc.
    Man kommt sich vor wie in einem Lokalsender, der über die eigene Stadt oder höchstens noch den Landkreis berichtet.
    Im Kursus wunderte sich gerade eine Lehrerin, daß das Thema Brexit in den dän. Nachrichten soviel Raum einnähme, das sei ja fast, als sei man Engländer.
    Ja hallo - bei uns ist es doch auch das Brechmittelthema inzwischen, weil jede Nachrichtensendung damit anfängt und aufhört, aber auch jede Talkshow es mind. jede . Woche diskutiert etc. es ist nun mal auch wichtig.
    Aber anscheinend ungewöhnlich, daß es so abgedeckt wird hierzulande.

    Kein Wunder also, daß die jüngere Generation fast noch weniger über Dtld. weiß als die ältere und sich vielleicht an dem orientiert, was dann die ältere erzählt.
    In den Nachrichten kommt mal was über die USA, über krise in Venezuela oder eben auch die Nachbarn (Brüder) Norwegen/Schweden), aber über Dtld. wäre men Wissen auch blank, sähe ich nicht dt. TV.

    Tja, ichgehe mal die Ziwbelhaut suchen, das dicke Fell,d as mi anscheinend im Augenblick abhanden gekommen ist --- es ist - das gebe ich ja auch zu, ein bißchen arg emüpfindlich, sich wirklich dran u stoßen, es fiel mir nur jetzt so auf,weiles aber auch irgendwie geballter in letzter Zeit kam..
    Übrigens weniger in den Firmen, wo ich Wirtschaftsdeutsch unterrichte, die haben wohl a) gelernt, sich bei Deutschen mit vorurteilsgeprägten Bemerkungen zurückzuhalten und b) vielleicht ja auch durch den ständigen Kontakt ein ETWAs anderes Bild von den deutschen... einige von ihnen zumindest.
    naja, egal --- es ist Frühling, extrem früh bl+üht alles, allerdings hattenwir das ähnlich vor vielen Jahren zu Konmfirmation meiner Großen,wo der Aprilderart extrem warm war, daß ich fürchtete, Anfang Mai sei schluß mit dem guten wetter und wir müßten in Regen feiern.
    Mußten wir nicht, faktisch war ihr Konf.tag fast der wärmste des Jahres - denn der Sommer danach war nichts zum wirklich-Prahlen... wie so oft.
    Wir hoffen aber auf einen guten auch in diesem Jahr - nicht, daß wir jetzt wieder jahrelang vom letzten zehren müssen.
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  9. #9
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Wie jetzt? In Dänemark können mit dänischen Staatsbürgern verheiratete Ausländer keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen? Und im Ausland geborene Kinder von Dänen sind keine dänischen Staatsbürger oder können es jedenfalls nicht ganz leicht werden? Das ist ja wirklich erstaunlich, vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

    Also, bei der Sache mit den Chor-Noten muss ich dir jetzt schon mal was sagen - ganz ohne dir zu nahe treten zu wollen;-) Ich bin inzwischen so „amerikanisch“ beeinflusst, dass ich es auch ziemlich ungewöhnlich fände, Erwachsene vor einer Gruppe für ihre unsortierten Blätter zu kritisieren. Da müsste man hier auch mit einer pampigen Bemerkung oder jedenfalls mit allgemeinem betretenen Schweigen rechnen. Als gut integriert, umgänglich und aufgeschlossen würde man damit hier sicher nicht gelten. Sondern vielmehr eine weit verbreitete und nicht ganz von der Hand zu weisende Meinung über Deutsche bestätigen: Wir sind einerseits sprachlich sehr förmlich und höflich, können aber inhaltlich schockierend direkt sein.

    Ich kann natürlich nicht sagen, wie die Dänen ticken, wollte aber nur mal anmerken, dass nicht alles, was uns Deutschen angemessen und berechtigt erscheint, überall so empfunden wird.
    If at first you don't succeed, failure may be your style.

  10. #10
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Integration und Vorurteile

    Âhm ja, wenn sich das bei eurer Probe so abgespielt hat, gebe ich Bilingualmom allerdings Recht. Damit provozierst du ja schon einen passenden Kommentar.

    Wir müssen uns ja auch selbstkritisch fragen, ob wir mit unserem Verhaltennicht manchmal Kommentare provozieren, weil wir Vorurteile und Klischees bestätigen.

    Wir haben in unserem Urlaub in Dänemark übrigens ein sehr nettes, aufgeschlossenes und selbstkritisches dänisches Paar kennengelernt, mit denen wir lange diskutiert haben. Er war allerdings Jahrzehnte bei der UN und hatte lange in Israel und anderswo gelebt...
    Und dann waren waren wir noch im billigsten Restaurant mit viiiiel Essen, dass von Türkenund einem syrischen Flüchtlibg betrieben wurde und beim Asiaten, Familienbetrieb, wo wir kurz vor Schluss ( wir hatten nicht mit so frühen Schließzeiten gerechnet) noch satt und dabei sehr nett bedient wurden.. Dann wurde uns von einer "echten" Dänen noch spintan eine Kirche gezeigt ....kurz und gut: Wir haben in einem absoluten Kaff ein sehr buntes, weltoffenes Dänemark angetroffen.

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