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Thema: Lockerungen

  1. #51
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Lockerungen

    Zitat Zitat von DK-Ursel Beitrag anzeigen
    Wenn aber eine solche Einstellung dazu führt, daß Ärzte nicht mehr in Pflegeheime kamen, um Corona überhaupt zu testen bei Menschen mit Symptomne, wenn Krankenhäuser keine Patienten aus Pflegeheimen aufnahmen, dann darf man sich schon entsetzen. Auch das war zu mindest zu lesen und wurde in Zusammenhang mit Schweden berichtet.
    Es war nicht so, dass Ärzte nicht MEHR in Pflegeheime kamen, sondern man hatte einfach kein solches System als Routine. In Deutschland läuft es vielleicht so, ich weiss nur, dass es in dem Heim, wo meine Mutter ist so funktioniert - d.h. es gibt einen oder mehrere Ärzte, die regelmässig in das Heim kommen und die Bewohner dort behandeln. Aber hier fing man erst an, eventuell ein solches System zu schaffen, als es nun nötig erschien. Bisher hatte es eben auch ohne funktioniert. Meist liegt auch eine Poliklink direkt nebenan von einem solchen Heim.

    Dass Krankenhäuser nicht Patienten aus Pflegeheimen aufnehmen würden, das habe ich noch nicht gehört. Ich weiss, dass es einen Fall gab (aber ich glaube nicht, dass der Mann in einem Pflegeheim lebte) , wo viel Theater drum gemacht wurde. Das war ein türkischer Staatsangehöriger, wo dann Erdogan das Ganze maximal aufgebauscht hat und ihn in die Türkei fliegen liess. Soweit ich mich erinnere, wollte die Tochter halt etwas anderes, als das, was der Arzt anordnete.

    Ich hatte zunächst nur Artikel gefunden, die Richtlinien für Krankenhäuser im Fall einer Überbelegung in Coronazeiten zum Inhalt hatten und wo dann gewisse Altersgruppen nach hinten gestellt wurden - damals, als wir alle bei Corona noch italienische oder amerikanischeZUstände für uns alle befürchteten.
    Aber es gibt auch solche Richtlinien/Maßnahmen für den Regelfall, ohne Corona, und das scheint ja, wie man sieht, gar nicht so im Bewußtsein der Menschen zu sein - denn egal wie man dazu steht und wie dann die Alternative ist oder sein könnte: es soltle doch diskutiert werden und keine politische einsame Entscheidung sen.
    Du mußt nur mal Schweden und Priorisierung eingeben, da findet sich dann so einiges.
    "So hat das schwedische Parlament bereits 1997 Richtlinien zur Priorisierung verabschiedet. Darin sind drei ethische Prinzipien für alle künftigen Priorisierungsentscheidungen festgelegt worden:

    * Alle Menschen seien gleich an Wert und Würde;
    * die Ressourcen sollen nach Aspekten des Bedarfs und der Solidarität verteilt werden;
    * die Kosteneffizienz aller Maßnahmen sei zu berücksichtigen."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Priori...her_Leistungen

    Was ist daran auszusetzen? Gibt es irgendein Land, was nicht auch ein bisschen auf die Kosten achtet? Wenn Patienten in Deutschland alles bekämen, dann würden wohl die Krankenkassen dort nicht so oft die Übernahme der Kosten verweigern. Ich sehe wirklich, dass Schweden da auch nur ein bisschen schlechter wäre als andere Länder.

    Das ist also nicht viel anders als in Schweden - wohl aber die Corona-Sterberate!
    Und muß doch zu denken geben.
    Sogar in Dtld. gibt es das System der Fremdbetreuung zuhause - ohne daß die Folgen horrend wären. Aberwie gesagt, DORT liegen auch nicht die Schwerpunkte in der Coronastatistik Schwedens.
    Wo liegen denn die Schwerpunkte? In den Pflegeheimen? Hab grad noch mal die Zahlen gecheckt:

    Ingesamt krank an covid 19 und über 70 Jahre : 7 315 Personen (davon sind 1877 gestorben). In Pflegeheimen wohnten davon
    2866 (39 %) , Pflegedienst in der eigenen Wohnung hatten 1972 (27 %). Naja, beides würde ich mal sagen. Und covid-19 verbreitet sich ja nicht gleichmässig wie eine Grippe. Es ist ja ziemlich unberechenbar mit clusters, wo man plötzlich eine superschnelle Verbreitung hat.


    Ich glaube, man sollte in diesen Zeiten extra vorsichtig sein, das was man liest allzu unbesehen zu glauben.

  2. #52
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Lockerungen

    Heut ist in Schweden Midsommer-Abend. Und wir sind konsequent und halten Abstand. Eigentlich wollten wir trotzdem Schwiegermutter besuchen - aber dann draussen und zwei Meter Abstand halten. Aber dann bekam ich Ischias und da kann ich nicht 6 Stunden Auto fahren (3 hin und 3 zurück, mein Mann fährt nicht Auto). Das ging dann doch nicht. Wir fahren in einer Woche oder so. :) Schönes Wetter haben wir jedenfalls.

  3. #53
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Lockerungen

    Fairie - niemand kann sich momentan wirklich ehrlich auf die Brust klopfen und behaupten, ALLES richtig gemacht zu haben.
    Ich finde es sogar sehr gut,daß es verschiedene Strategien gab, davon kann man ja lernen!
    Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich immer noch eine Befürworterin von Schließungen, denn daß man auf die gesunde Einsicht der Menschen nicht zählen kann, zeigt ja nicht unbedingt nur Schweden.
    Ich habe jetzt alle Deine Posts vom 19.6. nachgelesen und erinnere mich an einen Satz, wo Du schreibst, die schwedische Strategie wäre gut gewesen/war gut, wenn man sie hätte durchziehen können.
    (Auch hier been: Konjunktigv.
    Aber in so einer Situation kann man doch nicht mit dem Konjunktiv laborieren! In einer Wünsch-dir-was-welt würde manches anders und besser laufen, aber weil man weiß, daß wir in der realen Welt so nicht leben, muß derIndikativ her, mit Ge- und Verboten.)

    Ich denke mal, zu Anfang hätte man die schwedsiche Lösung, auf die Einsicht und den Respekt derM enschen,die Solidarität und Verbnunft zu setzen, daß man die also sowohl in Dtld. als auch hier in DK gut ohne Lockdown hätte umsetzten können.
    ich kenne keinen hier in meniem Umfeld, der nicht SEHR vorsichtig mit den Lockerungen umgeht und umging. Und obwohl wir immer bis zu 10 Leuten treffendurften, kenne ich keinen, der das ausgiebig gemacht hat - i im Gegenteil haben wir unser Vorstandstreffen zu finft via Skype abgehalten, mehrmals, auch meine Kurse unter 10 Leuten (!) wurden ausgesetzt etc.
    .
    ABER nach einer gewissen Zeit fühlen sich die Menschen eben iengesperrt, wollen arbeiten und ihre Familienmitglieder und Freunde sehen.
    Und seit die ersten Lockerungen kommen, werden viele ungeduldig und beachten auch weniger die vorgegebenen Maßnahmen.
    Wenn einem dann noch die sinkenden Zahlen suggerieren, daß alles gerade nicht schlimm und gefährlich ist, dann wird man oft sogar leichtsinnig (oder spinnt, wie die Verschwörungstheoretiker).
    DAS aber wäre doch in Schweden kaum anders gewesen ... Wo es nicht mal mit höheren Zahlen wirklich klappt.

    Und es ist eben erst eine Leichtfertigkeit, die mit dem Sinken der Zahlen einsetzt - vorher setzte man weniger auf Menschenverstand als auf Ge- und Verbote ... und hat damit so manche Ansteckung ganz sicher vermieden.
    Was hat der Nicht-Lockdown denn reell in Schweden gebracht?
    Schweden hat eindeutig höhere Zahlen als wir in DK (oder die Deutschen).
    Und die Wirtschaft ist trotzdem den Bach runtergegangen - denn in einer globalen Welt fehlen einem dann irgendwann die Zulieferer und Ersatzteile...

    Was die Heime/Alten angeht, so muß man halt schauen, welchen Zahlen man glaubt --- da hast Du Recht. Genau darum darfst und solltest Du aber auch nicht nur den schwedischen Zahlen glauben, oder?
    Und wenn das System Pflegeheim in Schweden schon vorher schlecht war und das Gesundheistsystem schlecht (ich finde das deutsche auch immer noch besser, fühle mich aber in DK trotz so mancher negativen Erfahrung dennoch gut versorgt - nun bin ich allerdings auch ein recht geunder Typ und hatte Gott sei Dank nur eine lebensbedrohliche Situation, die ich hier in DK mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit NICHT überlebt hätte, sagte unser hiesiger Hausarzt unumwunden hinterher. Sie stieß mir zum Gück in Dtld. zu).

    Wir hatten vor ein paar Wochen gerade einen Besuch bei der alten Tante meines Mann im Heim geschafft - sie haben 2 Zelte vor dem Haupteingang aufgeschlagen, man bekommt einen Termin für 20 Min., dann muß man sich "absrpitten" und nimmt als erste hinter einer Glasscheibe Platz. Danach erst wird der Heimbewohner hereingeleitet und nimmt auf der anderen Seiet der Glasscheibe Platz. Physische Kontakte sind streng verboten; Mitgebrachtes kommt ein paar Tage in Quarantäne.
    Kaum hatten wir einen derartigen Besuch absolviert, kam die Nachricht, man habe einen Bewohner zu einem regulären Kontrolltermin ins Krankenhaus gebracht,dort wurde die Person erstmal getestet und war positiv: also war alles wieder dicht, bis sowohl Einwohner als Pflegepersonal 2x getestet wurden und ihre Ergebnisse hatten.
    Wie das Virus an diese Person gekommen ist, ist auch ein Rätsel - vielleicht haben sie im Zelt sich nicht an den KOntakt gehalten? Ich selbst war ja fast drauf und dran, der Tante ein Taschentuch aus meiner Tasche zuzustecken, als sie ihres suchte und konnte mich gerade noch bremsen! Das ist also manchmal schneller vergessen als man glaubt.

    Inzwischen ist das Heim wieder offen und man hat die Besuche derart ausgeweitet,daß jeder Einwohner eine Vertrauensperson nennen kann, die sogar ins Zimemr darf.
    Die anderen Besuchswilligen müssen weiterhin Termine im Zelt wahrnehmen.
    Mein Mann besucht Tantchen als heute auch allein, weil es ihr den Weg nach unten mit Umziehen etc. erspart - was sie ja alles gar nicht mehr richtig einordnen und verstehen kann.

    Neulich kam en Anruf am hiesigen Verfassungstag, daß sie ein neues Antibiotikum brauche, weil das erste nicht angeschlagen hatte - da war inc wg. des Feiertags 3 Stunden beschäftigt, es aufzutreiben -- durfte es auch nur unten an der Tür einer pflegerin übergeben etc.
    Ich weiß leider gerade auch nicht, ob ein Arzt regelmäßig ins Heim schaut oder ob die Bewohner nur bei Bedarf dem Arzt (der dann aber kommt) vorgestellt werden.
    Ich weiß aber, daß im Bedarfsfall wie bei der Blasenentzündung sowohl die Hausärtin als auch an jenem Feiertag der Notarzt gekommen sind.

    Ja, Du hast Recht, prinzipiell ist Priorisierung nicht schlecht, WENN GLEICHZEITIG eine würdevolle Altenpflege und Geriatrie/palliative Medizin gesichert und gewährleistet sind. Das scheint also in Schweden nicht der Fall zu sein, genau das wurde in den Medien aber auch mindestens angedeutet - und daß dann der Verdacht entsteht, es werde gerade in Pandemien wie cosona "übertrieben", darf nicht wundern.
    Da kann man auch, sorry, nicht im Konjunktiv reden: Da müssen Maßnahmen im Indikativ verkündet und angewendet werden, nicht nur in der Altenpflege.
    Genauso hätte ja andernorts jede Regierung sagen können:
    Wir setzen auf die Vernunft, mündiger Bürger, denn das eine tolle Strategie,wenn wir sie anwenden und befolgen.
    Ist dann dann naiv und oder vertrauensvoll?
    ist das optimistisch oder leichtfertig?

    Vielleicht ist es eine philosophische Frage: Wieviel darf der Staat zum Wohle des einzelnen anordnen, eingreifen (ich bin schon wieder bei Juli Zeh: Corpus Delicti), aber tut de rStaat das nicht sowieso schon dauernd?
    Wozu sonst hätten wir Gesetze?
    Mord ist ein Verbrechen - da setzt doch keiner (nur) auf die Vernunft des mündigen Bürgers.
    Selbst der Straßenverkehr ist gesetzlich geregelt - auch da setzt man nicht darauf,daß die einzenen Teilnehmer das schon unter sich unbd zum Wohle ALLEr Verkehrsteilnehmer regeln (können/wollen).
    Und ausgerechnet in einer so wichtigen Frage wie: Vermeidung von Ansteckung zur Entlastung des Gesundheitswesens (nichts anderes wurde als Begründung ja geliefert - es ging nicht in erster Linei darum, den Bürger zu schützen,der allerdings mehr Schutz erfahren konnte, je mehr Betten, auch Intensiv-, zur Verfügung standen und je mehr Personal sich kümmern konnte),
    also ausgerechnet in eienr so wichtigen Frage überläßt man die Entscheidung jedem einzelnen?

    was würde zum Arbneitsschutz, zu mKlimaschutz, zu mnaturschutz passieren, wenn nicht der Staat mind. Richtlinien ausgäbe,sondern es dem einzelnen Überließe, anch Gutdünken und bestimmten Richtlinien zu handeln?

    Natürlich hat jeder Staat das Recht, seine eigenen Maßnahmen, angepaßt an seine Bürger und sein Gesundheitssystem, zu verfolgen.
    Aber jeder muß dann auch aushalten, für die Folgen zur Rechenschaft gezogen und kritisiert/gelobt zu werden.
    ich bin sicher, wären die schwedischen Zahlen anders, würde Schweden sich stolz auf die Brust klopfen: dann wäre das ausländische Lob in diesem Fall willkommen.
    Nun ist es anders, viele Länder, auch DK, wollen sich eben nicht unbedingt das Virus aus Schweden importieren, ich kann es verstehen, nachdem man der eigenen Bevölkerung wochenlanges Zuhausebleiben und Einschränkungen verordnet hat, die die Schweden sich selbst auferlegten durften, aber nicht mußten.
    Das muß Schweden dann aber als logische Folge seiner Politik akzeptieren.

    Vielleicht,so denke ich auch, ist bei uns trotz einsetzender Leichtfertigkeit doch gut angekommen, wie gravierend so ein Lockdown nicht nur für die Wirtschaft, sondern für jeden einzelnen ist - allein der Verlust der sozialen Kontakte auf längere Zeit hat vielen Menschen doch arg zugesetzt und keiner will das wiederholen.
    Also genießt man die Öffnung und ist - zumindest in meinem Umfeld - deutlich vorsichtig.
    Wir nehmen in meinen Kursen, aber auch bei uns im Chor das Abstands- udn Hygieneprinzip äußerst ernst.
    Es wird an einzelnen Maßnahmen gezweifelt und vernünftigere Erklärung gefordert, auch von mir, aber im Großen udn Ganzen haben die Dänen doch das Gefühl, die Regierung hat sowohl mit Lockdown als auch mit (deutlich umstritteneren) Öffnungsmaßnehmen das meiste richtig gemacht. Und wenn alle es müssen, entsteht auch kein "ach, der macht das nicht - aber ich soll?"-Gefühl so leicht.
    Und den Bonus, daß es eine einzigartige, neue Situation war und ist ,i nder sichalle vorwaärtstasten, dürfen ja alle für sich beanspruchen.


    P.S.: Der stinksaurere Sohn, der die Zuständeim Heim seines vaters kras beanstandete und sehr dafür kämpfte, daß sein Vater überhaupt auch nur einen Arzt zu sehen bekam oder getestet wurde etc. , war Schwede; kein Türke - aber das ist schon eine Weile her; diesen Artikel finde ich nach so langer Zeit nicht mehr.
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  4. #54
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Lockerungen

    Ursel: Was das Virus angeht, hab ich sowieso von Anfang an die Einstellung gehabt, dass keiner genau weiss, was das Richtige ist. Und dann muss jemand eine Entscheidung treffen, und weiss nicht wirklich, ob es das Richtige ist. Aber irgendeinen Weg muss man dann gehen. Ich hab selbst schon ein paar Mal im Leben solche Situationen gehabt, und wenn ich dann zurückschaue, auf Situationen, wo es sich nachher zeigte, dass es falsch war, dann hab ich doch oft gedacht: Eigentlich war meine Entscheidung zu der Zeit, mit dem was ich da wusste, richtig. Dann hat es sich doch anders entwickelt, aber das konnte man ja nicht abschätzen. Verstehst du, was ich meine? Man kann Enscheidungen treffen, wo man nachher einsieht, dass man nicht richtig gedacht hat, und es deshalb nicht gut lief. Aber manchmal hat man halt auch eine eigentlich gute Entscheidung getroffen, und es lief dann einfach unerwartet schlecht.

    Und das hier ist auch so eine Situation hier. Da gibt es verschiedene Strategien, die funktionieren können. Erstens hat sowieso jedes Land verschiedene Voraussetzungen. Da gibt es Unterschiede auf vielen Gebieten - Gesetze, Bevölkerungsdichte, Mentalität und noch viel mehr. Und ich glaube, dass die schwedischen Experten da auch versucht haben, besonders langfristig zu denken. Die sind schon ziemlich früh davon ausgegangen, dass es 12 - 18 Monate dauert, und dass man nicht mehr als 2 Monate lockdown haben kann. Der Gedanke war daher, dass das Virus sich sowieso nach dem lockdown wieder verbreiten würde, daher wäre es besser, die ganze Zeit über ungefähr die gleichen Massnahmen zu haben, und die Verbreitung des Virus so niedrig wie möglich zu halten.

    Ich finde, das Wichtigste ist, dass die Verantwortlichen da wirklich verantwortlich gehandelt haben, und ich habe absolut den Eindruck, dass die ihr Bestes gegeben haben. Es war absolut nicht so, dass die nur íhrem Programm gefolgt sind, sondern da wurde dauernd alles wieder geprüft und man merkte, dass sie ihre Grenzen haben, wo sie die Regeln verschärfen. Auch für einen Lockdown wurde vorbereitet, aber dann stiegen die Zahlen nicht mehr.... Also, ich finde, man kann nur Leute "zur Verantwortung ziehen" wenn sie etwas falsch gemacht haben, was sie hätten wissen müssen, das es falsch ist. Und das ist hier nicht der Fall. Aber es wird sowieso alles genau untersucht werden - manche Leute wollen das sofort haben, aber das geht ja nicht, wir sind ja noch mitten drin.

    Es ist schwer nachzuvollziehen, was genau in verschiedenen Ländern abläuft. Aber was die Altenpflege angeht - ich hab selbst in der mobilen Altenpflege gearbeitet in den Sommerferien als ich studiert hab. Das System ist wunderbar, also dass die Leute in ihrem Zuhause Hilfe bekommen und zwar mit allem was nötig ist, egal ob man die Leute duscht, Essen macht, einkauft, putzt oder die Leute aktiviert (spazieren geht oder mit ihnen Kaffee trinkt). Als ich so was für meine Eltern in Deutschland gesucht hab, konnte sich das offensichtlich keiner vorstellen. Offensichtlich wären das in Deutschland drei verschiedene Dinge. Pflege ist dann wohl Körperpflege oder so, Putzen gehört sowieso da nicht rein, und der mehr soziale Kontakt wäre da höchstens etwas für Volontäre oder so. Übrigens ist das in dem Altenheim, wo meine Mutter lebt, auch so. Wenn da jemand sitzt und ein Spiel spielt oder mit den alten Leuten redet, dann sind das Freiwillige, nicht das Personal.

    Also ein gutes System eigentlich, aber dann hat man mehr und mehr Geld gespart, d.h. Personal gespart, und da konnte das schon ein bisschen schwierig werden. Und man hatte die Heime für psychisch kranke ganz abgeschafft. Die mussten dann auch vom Pflegedienst versorgt werden, was chaotisch ist und nicht gut funktioniert. Was direkte Pflegeheime angeht, war ich noch nie in einem. Daher kenne ich mich da nicht aus. Aber solange es irgendwie geht, werden die Leute ja in ihren Wohnunge versorgt. Man hat aber durchaus ab und zu mal von Missständen da gehört.

    Und das Gesundheitssystem ist auch völlig unterbesetzt, personalmässig. Es gibt schon im Normalfall Wartezeiten auf Operationen. Ich empfinde es auch als sehr unorganisiert. Man hat auch mal zwischendurch Änderungen durchgeführt, die aber offensichtlich keine Verbesserungen waren. Und auch jetzt in dieser Krise ist das Problem meist, dass man zu wenig Leute hat. Viele Dinge müssen ja lokal durchgeführt werden - testen und so. Und wenn es da, vor Ort nicht funkioniert, dann hat der Chef vor Ort da auch die meiste Verantwortung. Es sei denn, die haben einfach nicht genug Geld zur Verfügung. Und das kann auch so sein. Aber es ist tatsächlich so, dass da plötzlich MIssstände aufgedeckt werden, von denen keiner etwas wusste.

    Ja, ich glaub sicher, dass da auch Missstände auftauchen - gerade was Altenpflege und Gesundheitssystem tauchen dauernd welche auf, schon vor Corona. Ich sage nur, dass wir NICHT irgendein Euthanasiesystem haben. Wie ich im vorigen Posting schrieb, handelt diese "Priorisierung" eher darum, festzuhalten, dass man Menschen gleich behandeln soll, bzw. denen die mehr Resursen brauchen auch mehr zu geben, und gleichzeitig die Kosten einigermassen erschwinglich zu halten. Das kann ja verhindern, dass Leute eigene, weniger ausgewogene Priorisierungen machen. Aber wenn du irgendwo etwas gegenteiliges gelesen hast, gib gern einen Link.

    Ich glaub ich weiss, welchen Fall du meinst, mit dem Sohn dessen Vater starb. Und da lief es wohl nicht ideal, und natürlich kommt so was vor - nicht nur in Corona-Zeiten. Als ich den Artikel las, konnte es nicht lassen zumindest zu meinem Mann zu sagen: "Das lief ja bei MEINEM Vater auch nicht besser! In Deutschland. Vor Corona. " D.h. mein Vater ist auch allein gestorben, wenn man meine Mutter nicht rechnet, aber die hat das überhaupt nicht kapiert. So dement ist sie immerhin. Und natürlich passiert es oft, dass Kinder deren Eltern sterben, leicht der Meinung sind, dass vielleicht jemand etwas falsch gemacht hat. Und erst recht, wenn man es erwartet, weil gerade Pandemie ist. Natürlich ist das alles nicht okay, aber es ist ein Problem, was wir schon lange habe.

    Und ich glaube auch, dass man jetzt während der Pandemie manche "weg-prioritiert" hat. Das haben Ärzte und Krankenschwestern gesagt. Vor allem zu Anfang waren manche Krankenhäuser überbelastet, obwohl nicht alle Plätze belegt waren. Aber das Personal hatte nicht genug passende Schutzkleidung und dann fielen viele aus wegen Krankheit, denn man sollte ja bei kleinsten Anzeichen zu Hause bleiben. Und Tests gab es auch kaum. Zu wenig Personal, und ein Slalom mit Schutzkleidung besorgen - es wundert mich nicht, wenn da mehr Leute sterben. Irgendwie hat man wohl versucht, das Beste draus zu machen.

    Also, ich sehe da keine grossen Unterschiede, so wie du das beschreibst. Seit das Ganze anfing sind wir nicht mehr unter Leute gegangen. Wir haben keinen Sport mehr machen können seit Anfang März. Wir halten zu allen Leuten zwei Meter Abstand, wo es nur geht, fahren nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Kein Kino, keine Veranstaltungen. Wir waren ein paar Mal auswärts essen, aber nur wo man wirklich Abstand hält. Übrigens gibt es ja durchaus Bestimmungen für z.B. Restaurants, Kneipen. Die werden sofort zugemacht, wenn man nicht Abstand hält. Und nicht nur das - eine Frau verlor ihren Job, weil sie mit Corona zur Arbeit ging. Und die Leute wissen, dass es Konsequenzen haben kann, wenn sie sich nicht an die "Empfehlungen" halten. Vor allem die Arbeitgeber haben die Verantwortung das durchzuführen. Und das finde ich eine gute Idee. Die haben ja mehr zu verlieren als einzelne Leute, die eine Geldstrafe bekommen, wenn sie gegen Regeln verstossen. Das hat ja in Deutschland nicht so gut geklappt, der Ausbruch in der Fleischfabrik war ja extrem.

    Nein, es ist nicht wirklich so, dass wir "nicht mussten". Oder eher - wir können gar nicht. Unsere Abiturienten z.B. durften nicht feiern. Das wurde also wirklich verhindert, dass die, wie gewohnt, auf offenen Lastwagen herumfahren. Alle Vergnügungsparks (Gröna Lund, Liseberg) öffnen dieses Jahr nicht. Keine Konzerte und ähnliches. Ich glaub, Kinos haben auch gar nicht auf... Sportvereine nur für Kinder. Da ist schon so viel so organisiert dass man dem schlecht entgegen handeln kann, weil einfach viele Möglichkeiten gar nicht offen sind. Und ob die Schweden z.B. nach Gotland oder Öland (das sind also Inseln) fahren dürfen, dass haben die dortigen Einwohner bestimmt. Die sind so abhängig vom Tourismus, dass sie es trotz allem wollten. Wir haben durchaus eine Menge Einschränkungen.

  5. #55
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Lockerungen

    Hej Fairie!

    Danke für Deine ausführlichen Erklärungen.
    ich bin derzeit bei Infos aus Schweden nur auf die dän. und dt. Presse angewiesen, da ich von meiner Freundin nch nichts gehört habe, aber ich denke, es gbt durchaus auch UNterschiede.

    Zuerst mal:
    Wir sind uns doch absolut einig, daß es(noch) keine richtig-falsch-Strategie gibt und schon gar nicht im Februar/März gegeben hat, als niemand wußte, was das wird.
    Ich habe gerade erst gestern dann doch mal wieder, weil ich erst spät zuhause war und in Ermangelung anderer Zerstreuung zum Gehirn wegschalten, Markus Lanz gesehen (der in den letzten Wochen aber recht interessante Sendungen hatte, wenn ich manchmal reinkam), und da saß der Bundes-irgendwas bei der Kanzlerin und erzählte auf Frage auch - ebenso wie der Virologe Kekule, wie ungewiß alle Infos ja erstmal waren. Daß es lange Zeit(aus China) hieß, das sei wieder so ein Virus, das sich nur von Tier auf Menschen, nicht von Mensch zu Mensch ansteckt.
    Daß man eben NICHTS wußte.

    Und da ist es einerseits klar, daß man versucht,den Schaden so klein wie möglich zu halten - dabei ist allerdings ja nicht nur Gesundheit der Bürger ein Faktor, sondern auch die Wirtschaft, an der letzten Endes auch buchstäblich Menschenleben hängen.
    Andererseits ist aber auch klar, daß man bestenfalls im Nachhinein beurteilen kann, welche Strategie nun gegriffen hat.
    DAS aber mindestens muß offen und ehrlich passieren!

    Genauso sagte es gestern einer der Lanzdiskutanten:
    Am Anfang gingen doch auch in Dtld. die Leute mehr als freiwillig und gutwillig in die selbstgewählte (allerdings eben auch strikt verordnete) Isdolation/Quarantäne. Genau das habe ich auch inDk erlebt.
    Am Anfang hätte es evtl. keine so klare Ansage geben müssen: Bleibt zuhause, denn das taten dieMenschen aus Furcht vor etwas, was anscheinend doch gefährlicher war als vorher angenommen.

    Auch ich habe da ja dazugelernt und das, was ich anfänglich als Hysterie ansah, "mitgemacht", jedenfalls waren wir brav zuhause ohne zwischenmenschlichen Kontakt, obwohl wir bis zu 10 Menschen hätten treffen können.
    Die meisten, die ich kenne, haben auch die eigenen Kinder und Enkel/Großeltern "abgewählt".

    Vielleicht war es aber dennochgut, den Lockdown am Anfang so rigoros durchzusetzen, denn nicht nur, daß dann jeder MUSSTE.
    es verdeutlichte mit Nachdruck den Ernst der Lage. Keiner wollte nach 2 Wochen, daß es SO weitergeht. Allen war klar, daß man SO nicht lange durchhält, weder ökonomisch noch emotional.
    D.h. wieder waren doch die meisten darauf Bedacht, die langsamen Lockerungen mit Vorsicht und Umsicht durchzuführen.
    Und daß sich das jetzt ändert, liegt m.E. auch sehr viel an den Zahlen, die eben mind. suggerieren: ist ja weg, alles paletti.
    Zugegeben, auch ich denke eben manchmal schon: Hallo, bei uns gibt es weit und breit nicht einen einzigen Coronafall seit Wochen,wo soll das denn herkommen,wenn ich jetzt ...?

    Daß ein Lockdown natürlich auch den Effekt hat, daß die Ansteckungskette schnell und effektiv unterbrochen wird, ist klar, genau darum isliert man ja auch jetzt die Hotspots.

    Wenn ich Deine Maßnahmen lese, sind die - erst jetzt??? - ja strenger als bei uns.
    Bei uns haben die Vergnügungsparks wieder geöffnet, Schwimmbäder, sogar die (nicht personell besetzte) Bibliothek öffnet ab heute die Türen, mitPersonal schon längereZeit.
    Wir haben eigentlich nur noch die Großveranstaltungen über 50 Leute, die nicht stattfinden DÜRFEN, alles andere läuft mit Abstand und Hygiene "normal".

    Bei uns sieht man jetzt sicher die Bilder, die wir bei unserem Lockdown und im ersten Frühling aus Schweden vermittelt bekamen: Da sonnten sich Mensch,durchaus dicht an dicht, in de rMärzsonne -wo wir also bestenfalls einsam im Garten hockten.
    Hier wurde vermittelt: In Schweden ist man angehalten, das alles freiwillig zu tun, was wir hier eine begrenzte Zeit lang offiziell nicht dürfen.
    Und wenn Du jetzt schreibst, was noch alles zu ist und wie hart man durchgreift, wenn jemand die Maßnahmen umgeht, dann weckt das zumindest in mir den Eindruck oder doch die Frage: Wielange ist das so? Von Anfang an? Dann kann man doch durchaus auch von einem Lockdown sprechen?
    Oder erst jetzt, wo man merkt: Hoppla, unsere Zahlen hinken den übrigen Euopäern hinterher?
    Und dann habt Ihr jetzt den Lockdown, den wir - nur anders kommuniziert, vorher bereits hatten.


    Ja,die Unternehmer muß man inDtld. viel mehr in die Pflicht nehmen. Das ist aber kein Coronaoproblem, sondern ein strukturelles.
    Ich rege mich schon seit einigen Jahren über die Leiharbeiter und das Fehlen menschenwürdiger Mindestlöhne in Dtdl. auf, über befristete Arbeitsverträge (bes. für die jungen Menschen, die gar keine Zukunftspläne haben können, weil sie nicht wissen, wo sie nach Ablaufen eines Vertrages sein werden) undundund.
    Ein Industrieland wie Dtld., das SO stark da steht ökonomisch und seine arbeitende Bevölkerung derart schlecht behandelt, daß manche von ihrem Beruf nicht mehr leben können und 1-2 Jobs nebenher haben müsen - das ist auch menschenunwürdig und eine Art der Sklaverei.
    Die Diskussionen um den Mindestlohn für einige wenige Berufsgruppen habe ich noch im Kopf, da brach ja schier die Wirtschaft zusammen - davon hört man gar nichts mehr, im Gegenteil las ich mal, wie gut das alles liefe und wie sehr der befürchtete Schaden ausgeblieben sei.
    Aber daraus gelernt hat man nichts, das fällt ihnen jetzt mit Corona natürlich sehr auf die Füße.

    Was aber die Coronastrategie angeht, so zeigt sich doch auch an solchen Hotspots:
    Wenn man dann schnell isoliert, kann man zurückverfolgen und die Sache ist ruckzuck ausgestanden - sonst kann sich das lokal wie temporal ziehen und ausbreiten.
    (Gestern wurde angedeutet, daß man in Ischgl schon ein paarTage vorher wußte,daß das Virus dort angekommen war und noch ein paar Tage Konsum mitnehmen wollte --- ein weiterer Beweis dafür, daß eben abwarten, wie es jetzt leider auch der Landesvater in NRW getan hat, nur schadet und nichts nützt, denn abgesperrt muß wohl werden!
    Man führte Peking an, die nach einem neuerlichen Ausbruchsofort abgeriegelt haben - und so das Virus wieder begrenzt in den Griff bekommen haben - einige Tage diskutieren und abwägen bringen da nur größere und längere Maßnahmen mit sich, keinen Nutzen für irgendwen.)
    Und DAS muß doch dann Rückblick auch die Lehre aus Schweden sein (man darf ja überall über den Tellerrand schauen):
    Die meisten Länder, deren Zahlen (jetzt) recht gut sind, haben früh abgeriegelt, und da, wo es jetzt schiefläuft, ist eben genau das gob fahrlässig mißachtet worden, was wichtig ist: Abstand und Hygiene.

    Denn wenn das strenge System, so kommt es ja jetzt von Dir rüber, in Schweden dennoch hohe Zahlen bewirkt hat, hat es damit doch nicht so gut geklappt.
    Letztendlich schauen die Reisenden, die übrigen Landesregierungen, die Bevölkerung nur auf die Zahlen: Wieviele Angesteckte haben wir, wie viele Tote, wieviele (intensiv)Behandelte.
    Und wenn sogar Krisengebiete wie Italien und Spanien jetzt wieder selbst für Dänen als Reiseland zugelassen und attraktiv sind
    und bei Schweden nicht nur die dän. Regierung den Zeigefinger hebt, dann ist eben irgendwas schiefgelaufen mit der Strategie.
    Denn auch Italien und Spanien haben ja z.T. äußerst grenzwertige Lockdowns gehabt, aber auch wirklich schlimme Zahlen - und inzwischen wieder Zahlen, die ein "normales" Leben besser verantworten können.
    Dann hat die nicht so gut gewirkt, denn an der Bevölkerungsdichte kann es auch nicht liegen - da dürfte Dtld. oder auch die Niederlande um einiges mehr einander auf den Füßen stehen.

    der Gedanke, auch den wirtschaftlichen Aspekt nicht zu vernachlässigen, ist löblich - hat Schweden aber in einer globalisierten Welt auch nur wenig gebracht und hat bis heute große Auswirkungen auf die Tourismusbranche, die ja überall leidet, hier aber auch wieder arbeiten darf und vor allem KANN.
    Aber während andernorts eben wenigstens auf Sparflamme wieder gereist und im Hotel etc. gewohnt wird, ist das fürSchweden noch ziemlich undenkbar.

    Übrigens - bei usn dürfen, eben auch aufgrund der gutenzZahlen, die Studenten/Abiturienten auch ihreFahrten durchführen... Kurzfristig war ein Alkoholverbot im Gespräch ,was daraus geworden ist, habe ich nicht mehr verfolgt --- wäre aus anderen Gründen ganz sicher nicht verkehrt, denn da halten leider dänische Jugendliche den traurigen Rekord in Europa und meine Große hat seinerzeit auf diese Fahrt auch verzichtet, weil sie den anderen nicht für ihr teures Geld beim "Saufen und K..." zusehen wollte.

    Was die Pflege derAlten zuhause angeht, dazu sollten wir evtl. mal einen eigenenThread aufmachen. es ist ja interessant,wie anders nicht nur Sculer oderKinderbetreuung, sondern auch die Altenpflege anderswo läuft. Vielleicht wirrd das für uns bald auch interessanter als die Schule
    Für mich stellt sich das nicht immer ideal dar, obwohl ich selbst auch so lange wie möglich in den eigenen 4 Wänden bleiben möchte.
    Aber wenn ich unsere beiden alten Tanten sehe,so geht es der im Heim inzwischen einiges besser als in ihrem Haus, wo sie ja deutlich einsam war - und meine Tante in HH in ihrer Whg. IST eben einsam. Das merkt man deutlich, dasGehirn ist träge geworden, weil Anregung fehlt.
    Was u.a.eIn Grund dafür ist, daß wir erst im Herbst nach HH kommen: ich habe glücklicherweise in der Whg.ges. selbst angerufen (mieten dürfen nur deren Mieter diese Ferienwhg. für Besucher), und da stellte sich heraus, daß meine Tante nach unserem Gespräch kurz vor Corona leider doch nicht nochmal dort angerufen und gemietet hat. Was letztendlich jetzt kein Drama ist, weil die Whg. wg. Corona nicht vermietet, sondern sogar renoviert wird, also wäre es so oder so nichts geworden; aber das hat mich gelehrt, jetzt persönlich dort anzurufen und mich abzusichern und die Dame hat es auch milde gestimmt, so daß ich selbst für den Herbst buchen durfte.
    Diese Pflege zuhause ist also grenzwertig, es gibt hier nicht nur 1 Fall, der sogar durch die Presse geht,wo die Menschen total verwahrlosen - wenn die alten Leute nicht wollen, kann niemand was machen und sie verkommen u.Umständen.
    Viele von denen vegetieren da doch recht einsam vor sich hin... und auch da sind eben Sauberkeit und Pflege nicht immer top, das will ich nicht sagen.
    Auch hier wurde ja gespart und gekürzt.

    So, ich muß weiter, eine spannende Diskussion, finde ich - und sie wird nus sicher noch lange beschäftigen,denn die Lehren aus einer solchen Krise müssen zwangsläufig vielschichtig und langanhaltend sein!!!
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
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  6. #56
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    Standard Re: Lockerungen

    Oj, Ursel, du schreibst so viel, vielleicht muss ich das aufteilen, wenn ich darauf antworten will. Heute schreiben die Zeitungen plötzlich, wir haben einen Teil der Fälle aus Dänemark bekommen. Komisch. Irgendeine dänische Studie hatte gezeigt, dass Dänen den Virus nach Island, Schweden und Lettland weiterverbreitet haben. Das war wieder was Neues. Es kommt sowieso dauernd was Neues. Und ich glaube auch, dass deshalb so viele Leute sich so unsicher fühlen, dass sie meinen jemandem die Schuld geben zu müssen.

    Was Lockdown oder nicht-Lockdown angeht - ich hatte zu Anfang überhaupt kein Problem damit, hab erwartet, dass jetzt Quarantäne gemacht wird, und war erst etwas besorgt als das nicht gemacht wurde. Aber dann fand ich es sehr clever, wie all die Massnahmen nach und nach eingeübt wurden und es oft wiederholt wurde. Das machte man also bevor man ansah, dass sie notwendig sind. Aber es kann natürlich sein, dass man das falsch einschätzte und dass es eigentlich schon ein bisschen spät war. Ich finde es schon eine gute Idee, dass die ganze Bevölkerung das einübt und jeder dazu beiträgt. Sonst muss man ja die Leute ständig überwachen, wenn man einen Lockdown hat. Es war auch nie ausgeschlossen, dass wir doch noch einen Lockdown haben würden, aber dann fand man, dass es nicht absolut notwendig war.

    Und natürlich hat man damit gerechnet, dass es bei einem Lockdown ernsthafte ökonomische Probleme geben wird und fand deshalb dass so ein Kompromiss - dass alle weiter arbeiten können, aber alle Risiken vermeiden und Freizeitaktivitäten hatten da sowieso ganz geringe Priorität. Alle Sportvereine und ähnliches haben ja sofort zu gemacht. Jedenfalls die für Erwachsene. Und ich finde immer noch - manche andere Länder haben ja einen Lockdown gehabt und es ist dadurch nicht wesentlich besser geworden. Belgien ist extrem, da hat die Anzahl der aktiven Fälle nie abgenommen, trotz Quarantäne. Und Frankreich, Spanien und Grossbritannien sind ja auch nicht erfolgreich. Da gibt es sicher noch viele andere Faktoren. Vielleicht hat man auch auf lokaler Ebene die Massnahmen nicht ordentlich durchgeführt. Das war nämlich das Hauptproblem bei uns.

    Ich finde es halt ein bisschen ungerecht, wenn Anders Tegnell und sein Team die ganze Kritik bekommen. Es lief nämlich eher auf lokalem Niveau schief. Und wenn es da bereits Probleme gibt, im Gesundheitssystem und in der Altenpflege, dann wundert man sich nicht, wenn es nicht gut läuft. Es muss nicht an der Strategie liegen, es liegt hier wirklich eher an der praktischen Umsetzung.

    Ausserdem kann man ja eine Organisation haben, die zwar für manche Dinge gut ist, aber in einer Pandemie schlecht ist. Offensichtlich sind ja die Pflegeheime in Schweden sehr gross, während man in Norwegen mehr kleine Heime hat. Und wenn man sehr viele Angestellte hat, die dauernd wechseln, dann hat man auch ein grösseres Risiko. Und das kann man nicht mal schnell während der Pandemie ändern.

  7. #57
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    Standard Re: Lockerungen

    ja, ich hatte viel auf dem Herzen - dafür schreibe ich gerade nicht täglich, endlich habe ich wieder richtig Streß (aber morgen ist der letzte Kursustag vor den Ferien, dann bekommt nur noch unsere Nichte Privatstunden).

    Klar kontrolliert man sicher einiges - aber ich denke, auch bei Euch wird ja einiges kontrolliert, sonst müßte keiner Angst vor (anderen ) Konsequenzen haben, wenn er sich nicht dran hält. Ich denke an den Arbeitgeber, der empfindliche Stragfen bekommt, an den Arbeitnehmer, der gefeuert werden kann - alle die hattest Du erwähnt: Das ist doch auch Kontrolle.
    Und hier bei uns (und in Dtld.) hatte die Polizei eben auch solche Aufgaben - sie patrouillierten und ermahnten - irgendwann auch mit Bußen.

    Ich wunder mich immer ein bißchen, wenn Du schreibst:
    Die Straegie war gut, nur die Umsetzung nicht.
    Naja, inzwischen hatte man aber Zeit, ins eigene Land zu schauen (wie wird es umgesetzt?) und auch nach rechts und links (läuft es anderswo besser?).
    Ich kann doch keine Strategie nur beibehalten, weil sie gut ist - und meine Hände in Unschuld waschen, wenn sie "nur" nicht greift, weil die Umstände (auch die Menschen) sich anders als im Strategieplan verhalten.
    Eine Strategie muß doch auch passen.
    und wenn ich weiß, daß die Pflegeheime oder Krankenhäuser oder ... nicht zur Strategie passen, dann muß ich da doch was anpassen/ändern.
    Wenn es nicht zum Status Quo paßt, ist es m.E. die falsche Strategie, so gut wie sie losgelöst von allem sein mag.
    das ist eben so ein bißchen:
    In der Wünsch-dir-was-Welt hätte die Stratgeie es besser geschafft als in allen anderen Ländern.
    Leider aber leben wir in der realen Welt - und dafür paßte die Strategie also nicht?

    Aber ich will da nicht kritisieren, das steht mir nicht zu. Jedoch: Ich wundere mich eben.
    Ich finde es okay, wie es am Anfang hier gemacht wurde. Man hätte ganz sicher einige Zeit auch einen freiwilligen Lockdown geschafft, denn die Menschen waren absolut einsichtig, vorsichtig und paßten sich der Situation an.
    Aber man hat eben die Sicherheitsbremse gezogen und durch die Anordnungen auch deutlich gemacht: Es ist ernst, das sagen wir hier nicht so als fakultative Veranstaltung.
    Erfreulicherweise scheint sich die Wirtschaft schneller zu erholen als befürchtet, was trotzdem nicht verhindern wird, daß viele Menschen/Betriebe (erstmal) in ökonomische Schwierigkeiten kommen.
    Das wäre aber mit oder ohne Lockdown so, wie man übrigens auch an Schweden sieht.
    Gruß Ursel, DK

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  8. #58
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    Standard Re: Lockerungen

    Sicher, eine Strategie muss auch passen. Aber ich finde auch, dass man damit rechnen können müsste, dass sich die lokalen Chefs auch einigermassen kompetent verhalten, sonst sollten sie wirklich keine Chefsposition haben. Was das teilweise abgelaufen ist, war nicht unbedingt vorauszusehen. Wie z.B. die Sache mit der "Triage", wo ein Chef im Krankenhaus falsch gelesen hat (!!!) und darauf hin ältere Leute nicht aufgenommen hat, was Todesfälle zur Folge hatte. Und da gab es freie Plätze, es war nicht total überbelegt. Hätte man damit rechnen müssen, dass Chefs falsch lesen, wenn es um Menschenleben geht? Und das war nicht das einzige Beispiel von Dingen, die wirklich SO schief liefen, wie ich es jedenfalls auch nicht erwartet hätte.

    Und manches wird ja generell nicht völlig von oben gesteuert, sondern muss lokal angepasst werden. Ich hab neulich in einer deutschen Sendung über Corona gehört, dass man dort auch das Problem hat , dass die Dinge lokal unterschiedlich gut umgesetzt werden. Auch da sagte man, man hat allgemeine Empfehlungen die für das ganze Land gelten, aber es muss halt lokal umgesetzt werden, und da kann es auch unterschiedlich aussehen. Aber das klappt halt unterschiedlich gut. Hörte sich genau an wie bei uns in Schweden.

    Bedenke auch: Laut einer Untersuchung (März und April) waren 50 % det Verstorbenen Bewohner von Altenheimen, und 25 % hatten Pflegedienst zu Hause. Wir hatten ja zu der Zeit so wenig Testung, also kann man nicht von der Anzahl der Ansteckungen ausgehen. Das sind dann 75 %, die man auch mit Lockdown nicht vermieden hätte.

    Ich finde ausserdem nicht, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt irgendwelche Schlüsse ziehen können. Und ob die schwedische Strategie gut oder schlecht ist, das hängt sehr viel davon ab, wie lange diese Pandemie andauert. Wenn ich wüsste , dass es relativ schnell vorüber geht, dann wäre ich ganz deiner Meinung. Aber wenn es ein Jahr oder länger dauert - damit rechnet halt die schwedische Strategie. Wenn es lange dauert hat man im Grunde die Wahl zwischen einigen Tausend Toten am Anfang der Pandemie (schwedische Strategie) oder einigen Tausend Toten gegen Ende der Pandemie. Natürlich kann man Glück haben und es kommt nicht so schlimm. Vielleicht funktioniert eine Medizin gut genug. Oder ein Impfstoff. Oder sonst etwas. Aber für Schweden wäre es nicht gut, jetzt Strategie zu wechseln, jedenfalls nicht mit Lockdown. Sonst wäre das Risiko, dass wir das Schlechteste von beiden Strategien abbekommen.

    Dass die Wirtschaft trotzdem auch in Schweden viel abgekriegt hat, das hat natürlich damit zu tun, dass alle anderen Länder auch wirtschaftliche Probleme haben. Da sind wir halt sehr voneinander abhängig. Und das konnte keiner voraussehen, so eine Situation hat man ja kaum vorher gehabt.

    Aber das die schwedische Strategie eine "Wünsch-dir-was"- Strategie sein soll, die nicht in die reale Welt passt - das verstehe ich nun gar nicht, wie du da denkst? Ich glaube, dass da nach wie vor falsche Vorstellungen geistern. Die Absicht war ja gerade, die Strategie je nach Lage ständig nach der Stituation anzupassen. Dass sich da manche Interpretationen als falsch herausstellen können, oder dass das Virus doch andere Eigenschaften hat, als man dachte - das kann man nie ausschliessen. Sicher hat man sich da in einigen Punkten getäuscht (vor allem Altenheime und auch das mit den Klustern eventuell). Und hat dann versucht, das zu ändern. Man macht doch nicht genauso weiter, wenn sich etwas als falsch erweisst.

    Aber manche Sachen wissen wir immer noch nicht. Wir wissen nicht, ob man Schulen schliessen muss oder nicht. Offensichtlich sind in Israel viele Schulkinder angesteckt, aber man weiss immer noch nicht genau, ob die Ansteckung in Schulen stattfindet, oder eher in Familien. Und viele Entwicklungen, plötzliche Ausbrüche wie der in Gütersloh, kann man sich nicht erklären. Es ist ja nicht so, als wüssten wir sicher , was jetzt für den Verlauf der gesamten Pandemie das Beste ist. Natürlich gibt es Dinge, wo ich denke, dass das vielleicht falsch war. Ich glaube, dass man vielleicht zu spät reagiert hat in Schweden.

    Hier in Schweden glauben alle, die kritisch sind, dass der grosse Fehler war, nicht mehr zu tun nach der Woche Sportferien (die Woche vor dem 1. März), als eine Menge Schweden in Ski-Urlaub waren, viele davon in Nord-Italien. Man glaubt, DA kamen alle herein, die infiziert waren. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht gab es das Virus schon seit Januar oder gar Dezember. Es gab ein paar Fälle zu der Zeit, hat man jetzt herausgefunden (nicht in Stockholm sondern in Dalarna) . Angeblich soll sich das da nicht verbreitet haben. Aber wer weiss. Viele glauben , man hat nichts getan, wegen der Ski-Touristen. Man hat offensichtlich die Leute durchaus kontaktiert und die Ansteckungen verfolgt, stellte sich etwas später heraus (warum sagen die nicht, was sie gemacht haben, damit die Leute nicht glauben, sie haben nix gemacht?). Und bei Untersuchungen der Virus-Stämme stellte sich ja auch heraus, dass nicht alle aus Italien/Österreich stammten.

  9. #59
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Lockerungen

    Der naechste Lockdown kommt bestimmt.....sieht so aus, als sei die Lage in Israel ausser Kontrolle geraten. Das "Tracking" funktioniert bei schlappen 1000 Neuinfektionen pro Tag nicht mehr. Wo die Quellen sind, weiss kein Mensch.....ja, wir bleiben mal lieber zu Hause!

    (Gestern haben mein Mann und ich uns zu Ikea gewagt....ich hoffe mal, da war kein Coronatraeger......)

  10. #60
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Lockerungen

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Der naechste Lockdown kommt bestimmt.....sieht so aus, als sei die Lage in Israel ausser Kontrolle geraten. Das "Tracking" funktioniert bei schlappen 1000 Neuinfektionen pro Tag nicht mehr. Wo die Quellen sind, weiss kein Mensch.....ja, wir bleiben mal lieber zu Hause!

    (Gestern haben mein Mann und ich uns zu Ikea gewagt....ich hoffe mal, da war kein Coronatraeger......)
    Furchtbar. Vielleicht sollten sie es dann jetzt machen, ihr habt wohl Sommerferien. Für Kinder ist es ja eigentlich am schwierigsten, auch wenn es nicht die Wirtschaft betrifft. Hoffentlich wird es bald besser.

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