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Thema: Mal was ganz anderes: „Gern“

  1. #41
    DK-Ursel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Ah, ich sehe erst jetzt,d aß Du das auch schreibst, BilingualMom. Danke!!!

    Dus tolperst sicher viel öfter übersolche skurrilen Adaptionen als ich, vomDänischen ist bisher nur "hyggen, hyggelig" i die dt. Spracheaufgenommen worden.
    Man hat mch belehrt,d aß auch Süddeutsche sehr genau wüßten ,was das bei den Dänen bedeutet.
    Nun ja, ich maße mir nach vielen Jahren Leben in DK an, zu behaupten, daß auch die Nordlichter nur einen kleinen Teil des Wortes erfassen und kennen --- und es mit "gemütlich" zu übersetzen, trifft haarscharf daneben. Aber haarscharf daneben ist eben letztendlich auch vorbei.
    Gruß Ursel, DK

    „Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.”
    Aus Tschechien

  2. #42
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Zitat Zitat von BilingualMom Beitrag anzeigen
    Geht‘s euch, die ihr schon länger aus Deutschland weg seid, auch manchmal so? Mir fallen Veränderungen in der deutschen Sprache auf, und ich bin dann nicht sicher, ob das vielleicht schon immer so war.

    Mein aktuelles Beispiel: „gern“ bzw. „gerne“.

    Ich bilde mir ein, man hätte das früher benutzt, wenn man jemandem etwas anbot, das der so Angesprochene einem sonst vielleicht nicht zumuten würde. Also zum Beispiel:
    „Sie dürfen mich gerne noch nach 22 Uhr anrufen.“ oder „Ich kann dich gerne auch vom Flughafen wieder abholen.“

    In letzter Zeit höre ich in deutschen Podcasts Wendungen, bei denen ich um was gebeten werde, was mir Mühe macht, dem Bittsteller aber nützt. Und der sagt mir dann, ich soll das „gerne“ machen.
    Beispiel: „Schreiben Sie uns gerne mal eine Email!“ oder „Lassen Sie uns gerne eine Bewertung da!“.
    Ich finde das eigenartig. Ist das jetzt neues Dummdeutsch von mittelmäßigen Podcastern oder wurde „gern“ schon immer so verwendet?

    Andere neuere Redewendungen, über die ich manchmal stolpere, sind:
    - wie jemand „aufgestellt“ ist
    - etwas „fasst einen an“
    - etwas „macht was mit einem“
    Beispiel: „So einen Flugzeugabsturz zu überleben, das macht doch was mit einem...“ oder „diese Geschichte hat mich richtig angefasst“.

    Ihr sollt jetzt „gerne“ mal was dazu sagen
    Gerne.
    Mir kommt das alles gar nicht komisch vor, ausser das "das macht doch was mit einem...". Das sortier ich immer im Bereich Ironie ein, weil das so nach Sozialarbeitersprech klingt.
    Sprache wird benutzt, sie nutzt sich dabei auch ab. Aber wenn man nicht jeden Tag damit zu tun hat, dann entstehen einfach auch Wissensluecken. Ich dachte lange, mein Hackkloetzchenkind drueckt sich extra-prollig aus, um mich zu aergern. Stellt sich raus, als ich in Deutschland feststeckte, dass das gar nicht so ist. Ich bin jetzt zehn Jahre nur zu Besuch gewesen, da verpasst man halt auch bisschen was.
    PinkMagnolia gefällt dies

  3. #43
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Zitat Zitat von BilingualMom Beitrag anzeigen
    Der Unterschied ist, dass die Email - genau wie die Bewertung - was ist, das der Podcaster haben will, weil er sich davon - hoffentlich positives - Feedback verspricht, sein Podcast Aufmerksamkeit bekommt und er dann in der Folge gleich damit angeben kann, was er wieder für „ganz, ganz viele und tolle“ Zuschriften bekommen hat. Er tut damit ja nicht mir, sondern ich ihm einen Gefallen. Ob ich ihm also „gerne“ eine Email schreibe, kann er ja gar nicht wissen und erst recht nicht einfordern.

    Ich bin altmodisch, aber ich benutze durchaus auch im Alltag Konjunktive, wenn ich Deutsch spreche. „Könntest du bitte...“, „würde es dir was ausmachen, wenn...“ ist für mich normaler Umgangston. Im Beispiel mit der Email würde ich sagen: „Ich würde mich freuen, wenn sie mir eine Email schreiben.“

    Klar verändert sich amerikanisches Englisch auch. Die geographischen und kulturellen Verhältnisse sind wesentlich anders als in Deutschland. Entsprechend ist die Sprachentwicklung anders. Als es noch viel Einwanderung aus Europa gab, hat Vokabular aus anderen europäischen Sprachen Eingang ins amerikanische Englisch gefunden. In der jüngeren Vergangenheit verflachen Grammatik und Wortschatz eher. Ausdrücke und Wendungen aus Sport und Militär („Home run“, „ASAP“, „24/7“ etc.) sind weit verbreitet, wenn auch nicht gerade formvollendetes, stilsicheres Englisch.
    Ich interpretiere das "gerne" als "wir sind auch nicht sauer, wenn sie unseren podcast Scheisse fanden und uns das mitteilen, wir wollen alles hoeren und wir haben auch extra einen Kanal angelegt, auf dem Kritik rausgelassen werden kann". Ganz viel Inhalt in fuenf Buchstaben. Natuerlich ist jedem klar, dass er zwar froehlich fordern kann, aber ob seine Forderung erfuellt wird, iiegt nunmal nicht in seiner Macht.
    "Wuerde es dir was ausmachen, wenn..." - darf der mit "Ja, wuerde es" beantwortet werden? Diese Art der Verklausulierung hat schon meine Schwiegermutter ins Schleudern gebracht, und die ist richtig altmodisch. Sie benutzte den Konjunktiv, um ihre Absicht zu verschleiern: Eigentlich wolle sie einen Befehl geben, der Knabe soll den Muell rausbringen. So direkt wollte sie das aber nicht sagen und der Knabe nahm den Konjunktiv woertlich - als Moeglichkeitsform - und erteilte einen abschlaegigen Bescheid. Im darauffolgenden Wortwechsel meinte er, sie soll naechstens einfach sagen, was sie von ihm will, er machts dann schon. Aber Fragen werden wie Fragen beantwortet. Das ist eine sehr deutsche Art, Informationen schnell auszutauschen. Man stielt anderen Leuten nicht die Zeit durch einen "waste of words". Andernorts findet man das harsch. Aber letztlich gehts nur darum, verstanden zu werden. Jeder in seiner Blase.
    Maxie Musterfrau gefällt dies

  4. #44
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Zitat Zitat von choupette Beitrag anzeigen
    (...)

    Was mir außerdem aufgefallen ist, ist die "englische" Verwendung von Jahreszahlen- anscheinend ist es inzwischen durchaus "normal" oder zumindest bei Journalisten üblich, von "20-20" zu sprechen und "19-89"?!

    (...)
    Ich versuche ja gerade Chinesisch zu lernen, und da sagt man zwei-null-zwei-null, er-ling-er-ling. Kann ich mittlerweile super aus den Nachrichten raushoeren *stolzbin*. Wenn China demnaechst Weltmacht No. 1 wird, sehnen wir uns bestimmt nach den Zeiten zurueck, in denen wir lustige Angliszismen eindeutschten.
    Ich finde, alles was verstanden wird, darf benutzt werden. Der Gatte wollte letztens unserer Aji = Haushaelterin sagen, dass der Hund mal raus muss. Er hat einen auf Marcel Marceau gemacht, wie so oft, wenn wir sprachlich ueberfordert sind. Funktioniert, bringt sogar noch bisschen zwischenmenschlichen Kitt. Die meisten Leute sind keine Linguisten, ob der Konjunktiv 2 noch korrekt im Sprachgebrauch ist, ist fuer den Alltag egal.

  5. #45
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Zitat Zitat von Maxie Musterfrau Beitrag anzeigen
    Ich kenne das von etlichen jungen Leuten, Anfang/Mitte 20, die Filme und Serien im Original schauen, Bücher auf Englisch lesen, viel Fachliteratur fürs Studium im Original lesen und sich mit Mitstudierenden und Arbeitskollegen z.T. auf Englisch unterhalten. Als ich in dem Alter war, gab's diese Möglichkeiten einfach noch nicht so (bis auf die Fachliteratur).
    Sehe ich genauso. Ich treffe viele junge Leute, die hervorragend Englisch koennen. Weitaus besser als das, was unsere Generation an Schulenglisch mitgekriegt hat. Die vielen Quellen gab es damals gar nicht. Es gibt natuerlich auch welche, bei denen man sich fragt, was die eigentlich in der Schule gemacht haben. Und viel dazwischen. Aber Englisch halbwegs koennen ist heutzutage wirklich nichts aussergewoehnliches. Ist wie mit Computern umgehen koennen. Dass sich das in die Nummer-1-Sprache mit einschleicht finde ich nicht verwunderlich.

  6. #46
    .PMS. ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Zitat Zitat von choupette Beitrag anzeigen
    (...)
    Das ist Anfang der 90er Jahre (des 20. Jahrhunderts ), als ich Deutschland verlassen habe, noch undenkbar familiär und unangemessen gewesen, damals sagte man noch "Guten Tag" zu Unbekannten.
    Anfang der neunziger ist 30 Jahre her. Wir sind alt. Das waere ziemlich merkwuerdig, wenn alles noch so waere wie damals.

    Auf arte laufen gerade Filme von Wolfgang Staudte, die sind aus den 40ern und 50ern. Was man da vorgefuehrt kriegt in allem, was zwischenmenschliches betrifft - Sprache, Umgangsformen, Frauenbild, Mode, Hierarchien, etc. - fuer mich ist das so tot wie ein Museum mit ner Schrumpfkopfausstellung. Obwohl ich all diese Filme als Jugendliche schonmal gesehen habe. Damals kam mir das kein bisschen komisch vor. Es war halt naeher an meinem Leben dran. Aber das ist vorbei und ueberhaupt kein Massstab mehr fuer mich, das liegt zwei Generationen in der Vergangenheit. Da ist mir jede aktuelle US-Serien-Produktion naeher, obwohl die ne andere Sprache sprechen.

  7. #47
    Maxie Musterfrau ist offline 100% Originalnick

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Zitat Zitat von BilingualMom Beitrag anzeigen
    Wenn das nur jeder wüsste und sich nicht zu Rückübertragungen ins Englische verleiten ließe. Wie so oft steht das Selbstvertrauen da in keinem günstigen Verhältnis zu den tatsächlichen Englischkenntnissen.

    Dass ihr Handy im Englischen kein Handy ist, weiß auch Oma Ilse - beim „Mobbing“ wird‘s dann schon mysteriöser.

    Ich hab mich schon freiwillig von Übersetzungskunden getrennt, weil sie meinten, es besser zu wissen und meine Arbeit nachträglich verbesserten.

    Ein Kunde ließ sich partout nicht davon überzeugen, dass sein „Personal“ auf Englisch nun mal nicht „personal“ heißt. Der Mann ließ sich tatsächlich Visitenkarten und Briefköpfe mit „Personal Services“ drucken. Ich versuchte vergeblich, ihm klarzumachen, dass „Personal Services“ im Englischen äußerst ominös klingt und sich dahinter vom Callboy bis zum Auftragskiller alles mögliche verbergen könnte, nur keine Personaldienstleistungen.
    Das Wort „Mansplaining“ gab‘s da leider noch nicht...😂
    Ja, das sind dann die Schattenseiten, die auch manchmal ganz witzig sind.

  8. #48
    Maxie Musterfrau ist offline 100% Originalnick

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Zitat Zitat von .PMS. Beitrag anzeigen
    Anfang der neunziger ist 30 Jahre her. Wir sind alt. Das waere ziemlich merkwuerdig, wenn alles noch so waere wie damals.

    Auf arte laufen gerade Filme von Wolfgang Staudte, die sind aus den 40ern und 50ern. Was man da vorgefuehrt kriegt in allem, was zwischenmenschliches betrifft - Sprache, Umgangsformen, Frauenbild, Mode, Hierarchien, etc. - fuer mich ist das so tot wie ein Museum mit ner Schrumpfkopfausstellung. Obwohl ich all diese Filme als Jugendliche schonmal gesehen habe. Damals kam mir das kein bisschen komisch vor. Es war halt naeher an meinem Leben dran. Aber das ist vorbei und ueberhaupt kein Massstab mehr fuer mich, das liegt zwei Generationen in der Vergangenheit. Da ist mir jede aktuelle US-Serien-Produktion naeher, obwohl die ne andere Sprache sprechen.
    Danke, deine Beobachtung früherer Fernsehproduktionen beschreibt ganz genau mein Empfinden.

  9. #49
    Maxie Musterfrau ist offline 100% Originalnick

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Ich nehme Mal an, du antwortest mir (ich lese linear).

    Ich glaube, du hast mich missverstanden. Ich denke keineswegs, dass hier jemand irgendetwas leugnet.

    Ich habe nur eine andere Auffassung davon, was eine Verbesserung bzw. Verschlechterung darstellt. Sprache ist ja etwas Lebendiges, oft gibt's viele Varianten, die sich nicht wirklich in richtig oder falsch einteilen lassen. Ich verstehe aber, dass das im Unterricht wieder anders aussieht.
    Für mich sind Eindeutschungen tatsächlich in vielen Fällen eine Bereicherung.

    Anderes, aber verwandtes Thema: Wieso hältst du an der veralteten Rechtschreibung fest? Weil sie dir besser gefällt? Wie machst du das, wenn du unterrichtest? Falls du unterrichtest.
    Das ist keine Kritik, nur reine Neugier.

    Zitat Zitat von DK-Ursel Beitrag anzeigen
    Ich glaube, Du faßt das (uns) zu eniseitig auf.
    Keiner hier leugnet oder sagt dezidiert, daß es schlecht sei, daß und wenn Sprache sich verändert.
    Die Wahrnehmung aber ist eben leider so, daß sie sich dabei meistens nicht veberssert - sie wird simpler, platter und weniger facettenreich - und gerade das liebe ich doch an meiner Muttersprache doch:
    Daß sie ins Detail geht, daß sie eigene Wörter hat und nicht Wörter aus anderen Sprachen leiht, die dann auch noch fehlleitend sind, weil sie eben im Ursprungsland ganz anderes bedeuten etc.

    Ich empfinde Stillstand auch nicht gut, und dies nicht nur bezogen auf Sprache. Wandel und Enticklung sind nötig und natürlich.
    Aber Wund Entwicklung per se als positiv zu sehen, das ist ebenso schlecht wie eben dieser Stillstand.
    Ich finde schon, daß man dabei auch kritisch sein darf und muß.

    Deiner Beurteilung von Bastian Sick jedoch stimme ich zu.
    Ich habe vor längerer Zeit einige seiner Bühgnenshos gesehen und fand sie oberpeinlich.
    Aber ich habe die Bücher gern gelesen und wende bei Fortgeschrittenen Lernenden auch manchen kleinen Artikel an, so zur Auflockerung..

  10. #50
    BilingualMom ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Mal was ganz anderes: „Gern“

    Kennt jemand „mit angrenzender Wahrscheinlichkeit“ anstatt „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“?

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