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  1. #1
    hopplahopp ist offline Stranger
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    Standard Eine andere Sichtweise zu (habituellen) Fehlgeburten

    Hallo Ihr Lieben,

    ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich einen Beitrag zum Thema Fehlgeburten in einem Forum verfasse und mich nun nach langem Überlegen doch dazu entschlossen. Der Grund: ich verspüre keine tiefe Trauer über diese Fehlgeburten. Das mag nun ersteinmal hart klingen, aber ich schreibe diesen Beitrag, weil ich durch das Lesen in diversen Foren darauf aufmerksam geworden bin, dass eine Fehlgeburt bei anderen Frauen großes Leid verursacht. Das tut mir schrecklich leid und vielleicht kann ich mit der Beschreibung über meine "Bewältigung" anderen Frauen helfen - nur dazu soll dieser Beitrag dienen.

    Kurze Information: ich hatte mittlerweile fünf Fehlgeburten, alle innerhalb der letzten 1 1/2 Jahre, also sog. "habituelle Fehlgeburten", kein Grund ersichtlich. Schwanger werde ich relativ schnell, spätestens in der 10. Schwangerschaftswoche fand bisher ein Abort statt. Wie gesagt, der Grund ist nicht ersichtlich, ich habe vor 5 Jahren das Rauchen aufgegeben, bin unter 35 Jahre alt und trinke Alkohol nur auf "Parties" (meine Leberwerte sind im Grünen Bereich ), körperlich ist auch alles in Ordnung.
    Vorab sei gesagt: ich habe nie einen richtigen Fötus mit Armen und Beinen auf dem Ultraschall gesehen - lediglich das Herz konnte ich bisher schlagen sehen. Es geht in meinem Beitrag also um Fehlgeburten, die sehr früh in der Schwangerschaft stattfinden und in deren Phasen das Kind noch ziemlich "anonym" ist. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn ich zu einem späteren Zeitpunkt eine Fehlgeburt erleiden würde.

    Ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, weshalb ich keine Trauer als solche empfinden kann, weil ich zunächst dachte, dass ich irgendetwas verdränge aus Angst vor dem Schmerz. Mittlerweile bin ich aber dahinter gestiegen, weshalb ich relativ gut damit klar komme. Vielleicht kann der ein oder andere diese Sichtweise übernehmen und seine eigene Trauer dadurch ein wenig abschwächen.

    Nachdem ich nach der zweiten Fehlgeburt wieder einmal keine Trauer empfunden habe, ist mir folgendes klar geworden:

    1. ich bin zwar jedes Mal ziemlich enttäuscht, weil es wieder nicht geklappt hat. Trauer kann ich aber nur für jemanden empfinden, der sich in meinen "Alltag" eingeschlichen hat und der letzteren durch den Verlust auf den Kopf stellt. Ich trauere einfach nicht, weil ich die Schwangerschaft in den ersten Wochen lediglich als Wunsch empfinde, der in Zukunft in Erfüllung geht. Weiterhin verbiete ich mir mittlerweile strikt, von einem Kind zu sprechen, wenn ich schwanger bin. Ich habe meinen Gynäkologen dazu angewiesen, die fachlichen Begriffe zu verwenden, weil mir eine rationale Denkweise enorm hilft.

    2. auch, wenn ich immer wieder versuche schwanger zu werden, füllt der Kinderwunsch nicht mein komplettes Leben aus. Ich habe immer einen Plan - B. Jedes Mal nach einer der Fehlgeburten traf ich mich mit Leuten aus meinem (glücklicherweise!) stabilen Freundeskreis und unternahm Dinge, die mir Spaß machen. Ich zwinge mich dazu, mich nicht zu verkriechen und mich von der Guten Laune anderer mitreißen zu lassen. Außerdem habe ich meinen Freunden die Anweisung gegeben, mich nicht zu bemitleiden und daran halten sie sich auch strikt.
    Außerdem arbeite ich sehr gerne in meinem Beruf und kann damit einige private Probleme kompensieren.

    3. hört sich komisch an, aber: wenn ich merke, dass eine Fehlgeburt einsetzt, sage ich mir "ist nicht zu ändern" - soll heißen, ich verbiete mir Fragen wie "was habe ich falsch gemacht?" oder "warum passiert das ausgerechnet mir?". Klar kommen diese Gedanken auch manchmal in mir hoch, da diese Grübeleien aber nichts an der Situation ändern und sie eher verschlimmern, VERDRÄNGE ich sie bewusst. Es gibt in den meisten Fällen keinen Grund bei Fehlgeburten, auf den wir hätten Einfluss nehmen können (dazu unten mehr).

    4. ich sehe Fehlgeburten als "gut - funktionierendes Qualitätsmangement" der Natur an. Da ich mittlerweile (auch zur Verarbeitung) einiges darüber gelesen habe, weiß ich, dass die überwiegende Ursache für Fehlgeburten auf Chromosomenfehler zurückzuführen ist. Also ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass der Embryo entweder schwerst behindert gewesen wäre (weil es sich meistens um Trisomien handelt, die sehr schwere Behinderungen hervorrufen) oder überhaupt nicht lebensfähig. Mit einer Totgeburt würde ich sicher überhaupt nicht klar kommen und deshalb bin ich ehrlicherweise ziemlich dankbar, dass mir das durch die frühen Fehlgeburten erspart bleibt.

    5. Womit ich schlecht klar komme, ist die Tatsache, dass ich nicht weiß, ob ich jemals die Chance bekomme, ein Kind auf die Welt zu bringen. Nach der ersten Fehlgeburt liest man, dass es bei vielen in der folgenden Schwangerschaft geklappt hat. Bei der zweiten Fehlgeburt findet man schon weniger zu diesem Thema. Bei der dritten Fehlgeburt... Naja, dazu muss ich wohl nicht viel sagen, ganz zu Schweigen von weiteren Fehlgeburten. Aber trotzdem überwiegt bei mir immer noch die Hoffnung, dass es zukünftig irgendwann einmal doch klappt.


    Falls jemand diesen Beitrag als gefühlskalt (o.ä.) empfindet, dann kann ich dazu sagen: das kann gut sein. Aber ich bin nicht unglücklich darüber, dass ich diese tiefe Trauer nicht empfinde - eher bin ich dankbar, dass ich die letzten 1 1/2 Jahre nicht (ca.) alle drei Monate in ein Loch gefallen bin.

    Es tut mir wirklich schrecklich leid, dass andere Frauen so sehr darunter leiden und ich würde Euch - wenn ich könnte - gerne helfen und Euch den Schmerz nehmen.

    Ich wünsche Euch für die Zukunft viel Kraft und Glück!

    Liebe Grüße,

    Hopplahopp

  2. #2
    Avatar von Schnuckerl
    Schnuckerl ist offline Unser Schatz ist da!
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    2.063

    Standard Re: Eine andere Sichtweise zu (habituellen) Fehlgeburten

    Hallo Hopplahopp.
    Jeder Mensch ist verschieden und auch die Gefühle, Denkweisen und das Wesen des Menschen.
    Sicherlich hilft dir deine Denkweise gut über das was dir passiert ist, ich denke mir, bei Fehlgeburten würde ich durchgedreht sein und sicherlich würde ich es bei weitem nicht so gut wegstecken wie Du.
    Von dem her kann es auch sein das du entweder sehr stark bist oder einfach von Natur aus ein Mensch der das einfach nicht so an sich ranlässt weil es einfach schwer zu verkraften wäre.
    Es kann auch selbstschutz sein.
    Jeder geht mit Kriesen auch anders um.
    Es ist gut das Du dich gut ablenken kannst und dich nicht runterziehst.
    Du hast noch Hoffnung und vor allem ist schon mal klar das Du schwanger werden kannst.


    Mir geht es mittlerweile psychisch auch "besser" und dennoch gibt´s Momente wo es mich wieder voll runterzieht und ich traurig bin, sogar weine.
    Das Problem ist das ich mich schon viel zu sehr auf mein Baby gefreut habe und FEST damit gerechnet habe, das dieses Baby ab November bei uns lebt.
    Wir waren sogar schon Böden schauen für´s Kinderzimmer.
    Mein Problem ist sicher das ich nicht abschalten kann, ich denke viel zu viel darüber nach und selbst wenn ich total gestreßt bin und mit meinen Gedanken ganz wo anders bin, kanns passieren durch eine Kleinigkeit das ich sofort wieder daran erinnert werde.
    Habe seit dem ich weiß das ich schwanger bin, es als Baby von mir und meinen Mann gesehen.
    Vielleicht fällt es leichter, wenn man es nicht als solches ansieht und erst mit der Zeit es je weiter es sich entwickelt, als solches sieht.
    Aber bei mir war es von Anfang an so das ich es als Baby ansah.

    Bis jetzt war ich nicht in der Stimmung auszugehen, trage immer noch schwarz weil ich mich einfach so danach fühle obwohl ich weiß das es nicht´s ändert, aber ich fühle mich einfach so.
    Meine Arbeitskollegin meinte, jetzt kannst aber wieder mal andere Farben tragen, aber ich bin einfach noch nicht so weit.

    Drück dir die Daumen das du zum richtigen Zeitpunkt schwanger wirst und du nach 9 Monaten dein Baby im Arm halten darfst.

    Bis dahin tu was dich glücklich macht, arbeite, feiere, geh mit Deinen Freunden aus, tu was dir gut tut!
    Alles Gute für Dich und Danke für Deinen Bericht.


    PS.: Irgendwann einmal sollte man es vielleicht auch so sehen, denn ALLE Ärzte sagen es, das es wahrscheinlich nicht überlebensfähig geworden wäre und vielleicht krank war und das es Gott sei Dank die Natur so gemacht hat das es dadurch so kam.
    In dem Moment hat mir das nicht geholfen, irgendwann, wenn das ganze nicht mehr so frisch ist, werde ich es vielleicht auch so sehen können, denn es wird schon so sein und vor allem denk ich das es einem hilft es besser zu verkraften, wie gesagt, noch bin ich nicht soweit, aber die Zeit lässt Wunden verblassen und lindert Schmerz.
    Neuer Mittelschüler 2004
    Erstkommunionkantin 2007
    Kleiner Schlumpf 2013

    -------------------------
    Für immer im Herzen
    * Herbst 2011
    *Robin Frühling 2012

  3. #3
    FriedaKlaro ist offline Stranger
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    Standard Re: Eine andere Sichtweise zu (habituellen) Fehlgeburten

    Hallo Hopplahopp,

    dein Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber vielleicht liest du ja zufällig nochmal hier vorbei. Ich wollte dir einfach DANKE sagen dafür, dass du als eine der ganz wenigen beschreibst, dass eine Fehlgeburt nicht immer mit grosser Traurigkeit einhergeht. Ich selbst hatte auch vor kurzem eine frühe Fehlgeburt und deine Worte könnten meine sein. Ich hatte vor einem halben Jahr eine Eileiterschwangerschaft und jetzt eben eine Fehlgeburt. Die ELSS war im Nachhinein belastend, auch weil es ein Eingriff war, den ich körperlich nicht so schnell weggesteckt habe.
    Diesesmal bin ich, nachdem der SSt positiv war, innerlich auf Distanz geblieben. Weil ich einfach weiss, dass es in den ersten 12 Wochen relativ häufig schiefgehen kann. Und genau wie du bin ich der Natur letztlich dankbar, dass sie mich so vor einem grösseren Unglück bewahrt.

    Mir hilft es sehr mir bewusst zu machen, dass all diese Erlebnisse ein stückweit Normalität auf dem Weg zu einem Kind sind bzw. sein können. Das erleichtert meine Seele und lässt mich gelassen bleiben.

    Lieben Gruss

    Frieda

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