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    DoreenP ist offline Stranger
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    Standard Tagebuch einer kleinen Geburt - Erfahrungsbericht einer Fehlgeburt - Achtung lang

    Vorab: Ich habe direkt nach Ausbleiben meiner Menstruation positiv getestet und 2 Wochen später einen Termin bei meiner FA bekommen. Bei der ersten Untersuchung stellte sie dann fest, dass ich ca. 6+1 war und alles in Ordnung sei. Von leerer Fruchthöhle war an diesem Termin keine Rede. So habe ich begonnen, mich auf die Schwangerschaft zu freuen, denn ganz geplant war diese nicht.
    Dieses Tagebuch habe ich erst angefangen zu schreiben, als ich bereits mitten in meiner „Fehlgeburt“ steckte und kaum Erfahrungsberichte fand. Dies bewegte mich dazu, genau zu schildern, wie sich diese kleine Geburt bei mir entwickelte, um einen ungefähren Eindruck für Frauen zu geben, die auch in der Situation stecken. Denn ich hatte zwischendurch auch immer wieder Angst, ob ich die Schmerzen durchstehen könnte und zweifelte immer wieder daran, ob es nun nicht doch der Zeitpunkt fürs Krankenhaus gekommen war.
    Meine Erzählungen mögen vielleicht etwas kühl in dieser Situation erscheinen, ich habe mich aber bewußt dafür entschieden, die emotionale Ebene dieses Erlebnisse nicht in den Vordergrund zu stellen. Jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt, hat dazu seine ganz eigenen Gefühle und Gedanken.

    27.8.2013: 5 Tage nach meinem Besuch bei der Frauenärztin, setzten die ersten leichten Schmierblutungen gegen Abend ein. Besorgt aber noch nicht beunruhigt legte ich mich schlafen und beschloss am nächsten Tag zu meiner FA zu gehen.

    28.8.2013: Ausgerechnet heute ist meine FA nicht da. Also untersucht mich der Praxis-Kollege und stellt leider eine leere Fruchthöhle fest. Ich solle jetzt erst mal Bettruhe halten und mich schonen. Vielleicht besteht ja doch noch die Chance für einen Eckenhocker.
    Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch gefasst, kann mich aber kaum noch beherrschen. Zum Abschied vereinbare ich noch einen Termin für Freitag zu einer weiteren Untersuchung und Meinung meiner FA. Fix und fertig holt mich mein Mann vom FA ab und ich verbringe den Rest des Tages im Bett.

    Nun heißt es abwarten bis Freitag und auf das Beste hoffen.

    30.8.2013:
    Ungeduldig sitze ich im Wartezimmer meiner FA. Leider hatte ich den Tag vorher wieder Blutungen. Diesmal stärker und mit Gewebestückchen. E gibt also nicht mehr viel Hoffnung.
    Also rein zur Ärztin, komplette Geschichte noch mal erzählt. Sie kontrolliert und sieht leider auch nur noch eine leere Fruchthöhle. Diese ist wohl auch nicht mehr seit 6+3 gewachsen (müsste jetzt 7+2) sein.
    Wir sprechen also über Ausschabung und die alternative natürliche kleine Geburt und ich hatte mir vorher schon gewünscht, dass ich um eine Ausschabung herumkomme.
    Meine FA schreibt mich daher die nächste Woche krank und meinte, ich könnte die Ausschabung somit so legen, wie ich es gerne haben würde. Heißt, ich wollte noch ein bisschen warten, ob mein Körper dies selbst regelt.
    Inzwischen habe ich auch angefangen, mental mit dieser Schwangerschaft abzuschließen, wollte aber in dieser Situation der Krankenhaus-Atmosphäre entgehen.
    Also wieder nach Hause, diesmal aber ohne Ruhe. Ich beschließe dafür ausgiebige Spaziergänge zu machen und warme Bäder zu nehmen, damit möglicherweise dies den Start der kleinen Geburt fördert. Bis Dienstag wollte ich meinem Körper Zeit geben.

    31.8.2013:
    Das Wochenende nehme ich mir vor möglichst alles zu Fuß zu erledigen, heißt einkaufen, Gassi gehen, mit meinem Sohn zum Spielplatz etc. Ich blute weiterhin in geringem Maße (weniger als eine Regelblutung) aber doch stetig. Langsam kommen nun auch Schmerzen im Bauch hinzu, die aber super zu ertragen sind. Diese Symptome treten meist eine halbe Stunde nach Spaziergängen auf und klingen dann am Abend ab.

    01.09.2013:
    Mein Mann ist heute Morgen und Vormittag nicht zu Hause. Also muss ich Sohnemann allein hüten. Das klappt ganz gut und mein Körper scheint sich wohl auf die Situation einzustellen. Die Blutungen setzen nämlich erst gegen Mittag ein, als mein Mann wieder zu Hause ist. Gemeinsam geht es dann zum Sonntagsausflug. Wir laufen mal wieder und kurz darauf setzen dann auch menstrutionsstarke Blutungen mit recht starken Schmerzen ein. Nun scheint es langsam doch loszugehen und ich bin irgendwie schon erleichtert. Gegen Abend wird alles wieder weniger und ich kann in Ruhe schlafen.

    02.09.2013:
    Nun ist Montag und ich habe mich dann doch entschlossen schon mal im Krankenhaus anzurufen. Mittwoch ist der Termin zur Untersuchung und zum Vorgespräch und am Donnerstag soll die Ausschabung stattfinden. Zumindest habe ich einen Termin und kann diese Sorge loswerden.
    Mittags gibt es wieder ne große Runde mit dem Hund und keine 15 Minuten später bekomme ich wehen starke Schmerzen.
    Kurz darauf spüre ich einen Druck und auf der Toilette kommt der erste große Schwall Blut mit einem „riesigen“ Gewebestück (ca. 5 cm Durchmesser) Nun weiß ich definitiv, das mein Körper bereit ist, das Sternchen gehen zu lassen.
    Alle halbe Stunde muss ich nun mit dem gleichen Druck auf Toilette, bei dem dann auch immer ein Schwall Blut mit Gewebe abgeht. Dies ist aber doch noch alles entspannt. Die Schmerzen sind ohne Schmerzmittel zu ertragen. Ich kann die Krämpfe dann auch wie Wehen weg atmen und der Blutverlust ist auch nicht so groß, dass es mir schlecht geht.
    Gegen Abend werden die Schmerzen stärker aber noch aushaltbar und ich sitze inzwischen alle 10 Minuten auf der Toilette mit starken Blutungen. Gegen 23.00 Uhr entschließe ich mich dann Ibuprofen zu nehmen und mich hinzulegen. Das klappt ganz gut. Die Schmerzen sind fast weg und ich kann mal ein paar Stunden schlafen.

    3.9.2013:
    Dienstag morgen erwache ich ohne Schmerzen, mit geringer Blutung und mir geht es wirklich gut. Bringe meinen Sohnemann noch in die Kita.
    Anscheinend ist nun der Spuk vorbei. Ich melde mich also beim Krankenhaus, um das weitere Vorgehen zu erfahren. Die schicken mich erst mal zu meiner FA, wo ich auch gleich vorbeikommen kann.
    Dann der Schock: Die komplette Fruchthöhle ist noch da, zwar nach unten verlagert, aber komplett noch da!!! Nun bin ich echt schockiert. Der Tag davor mit den starken Blutungen und Schmerzen hat mir gereicht, aber das sollte es noch nicht gewesen sein?!
    Meine FA meinte zwar, es könnte in den nächsten 2 Tagen noch abgehen, aber länger sollte ich auf keinen Fall warten.
    Also wieder im KH angerufen und den Termin für Mittwoch bestätigt. Dieses ganze hin und her macht mich ganz unsicher, ob ich die weiteren Blutungen wohl so einigermaßen gut wie gestern überstehen werde.
    Nachmittags musste ich noch ein paar Erledigungen machen und meinen Sohn von der Kita abholen. Alles wie immer zu Fuß erledigt, damit ich mich genügend bewege.
    Pünktlich zum Abendessen setzen dann starke Schmerzen ein. Es fängt wieder langsam an zu bluten und zwischen 19.30 Uhr und 20.30 Uhr dann der Höhepunkt der letzten 2 Tage. Die Schmerzen erinnern mich stark an die Geburt meines Sohnes. Anhaltende Krämpfe im Unterbauch wie auch Ziehen im Rücken und in den Leisten. Also eindeutig Wehen. Nach einem Abgang von 2 großen Gewebestücken - ich konnte leider vor lauter Blut nicht sehen wie groß, fühlte sich aber als die größten der letzten Tage an - gehen die Schmerzen sofort zurück und sind nur noch ein kleines Ziehen.
    Natürlich passierte dies alles während mein Sohn unbedingt meine Wärmflasche brauchte, in sein Zimmer pieselte und zu guterletzt auch noch seine Gute-Nacht-Geschichte von mir gelesen haben wollte.
    So jetzt erst mal entspannen vor dem Fernseher und sehen, wie sich der Abend entwickelt.

    4.9.2013:
    Heute ist der Vorbesprechungstermin für meine Ausschabung. Bin schon ein wenig aufgeregt, vor allem da ich gestern ja wieder so stark geblutet habe.
    Mal sehen was der Arzt sagt. Nach 3 Stunden im Krankenhaus mit diversen Stationen von Blutabnehmen über Gynäkologe bis zum Anästhesisten habe ich nun die Gewissheit und kann mich wirklich verabschieden: Gestern ist wohl die Fruchthöhle abgegangen. Trotzdem wurde mir zu einer Ausschabung geraten, da wohl noch Gewebe in der Gebärmutter ist. Ich hadere noch mit mir, ob ich die OP unbedingt durchführen lassen soll. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die OP nicht mehr notwendig ist, der Kopf will aber lieder auf die Ärzte hören.
    Also packe ich ein paar Sachen fürs KH zusammen und lasse den nächsten Tag auf mich zukommen.

    5.9.2013:
    Gleich 8.00 Uhr morgens finde ich mich im Krankenhaus ein und beschließe mich noch mal von einem Arzt untersuchen zu lassen, um die Notwendigkeit der OP zu bestätigen.
    Natürlich werde ich dahin gedrängt, mit operieren zu lassen, entscheide mich dann auch dazu, aber mehr oder weniger mit einem unguten Gefühl.

    Gegen 10.00 Uhr, eingekleidet in OP-Kittel mit sexy Stützstrümpfen, werde ich dann in den OP gebracht. Alles verläuft ohne Komplikationen. Gegen 11.00 Uhr bin ich schon wieder auf dem Zimmer und werde gleich am Nachmittag entlassen. Ich bin erstmal froh, dass ich alles überstanden habe und mich zu Hause hinlegen kann. Hat mich doch ganz schön geschafft! Nun heißt es abwarten und erstmal langsam machen. 3 Wochen keinen Sport, keine Anstrengung, kein Sex und das allerschlimmste kein Bad!!!!
    Am gleichen Tag vereinbare ich noch einen Termin bei meiner FA für due NAchuntersuchung.

    17.9.2013:
    Heute ist mein Nachuntersuchungstermin...ich bin gespannt, ob alles ok ist.
    Erstmal wird mir Blut abgenommen, um den HcG-Wert zu checken.
    Bei der Untersuchung höre ich dann von meiner Ärztin das alles ok ist, aber auch im Unterton, dass diese Ausschabung nicht unbedingt notwendig war.
    Prima, denke ich, hätte ich doch auf mein Bauchgefühl gehört! Aber zum Glück gab es keine Komplikationen!

    Inzwischen sind nun schon 4 Wochen nach der 1. schlimmen Nachricht vergangen und ich muss sagen, dass ich doch recht zu kämpfen hatte. Nun die Fehlgeburt an sich war kein Zuckerschlecken, aber die seelische Belastung ist einfach viel stärker als man annimmt.
    Ich bin daher froh, dass meine nahestehenden Lieben so mitgelitten, mich aufgebaut und unterstützt haben. Das hilft und es hilft wieder in den Alltag zurückzukehren. Für mich war das mein Sohn und meine Arbeit. Es hat mich gefordert, auf andere Gedanken gebracht und abgelenkt.
    Ich kann nur jeder Frau raten, auf ihren Bauch zu hören, sich auf ihr Gefühl zu verlassen. Meist regelt der Körper die Dinge von allein und so konnte ich zwar in einem langen, schmerzhaften aber auch erlösendem Prozess mein Erlebnis verarbeiten.

    Ich wünsche euch, in welcher Situation ihr auch gerade seid, Stärke, zu euren Entscheidungen zu stehen, den Mut, auf euch und euren Körper zu hören und den Rückhalt, den man in dieser Situation brauch.

  2. #2
    Muckanie ist offline Member
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    Standard Re: Tagebuch einer kleinen Geburt - Erfahrungsbericht einer Fehlgeburt - Achtung lang

    Liebe Doreen,

    zugegeben, das Fehlen der Emotionen in deinem Bericht befremdete mich zunächst. Allerdings macht es mir das Lesen um einiges leichter. Danke für dieses kleine Tagebuch.

    Ich hatte im April eine FG, ganz still und heimlich hat das kleine Herzchen aufgehört zu schlagen. Es war ein Schock für mich, als ich das bei der Routineuntersuchung erfahren habe. Darüber, es ohne Ausschabung abgehen zu lassen, habe ich gar nicht nachgedacht. Ich wollte nur so schnell wie möglich, dass alles vorbei ist. Nicht, weil ich es unheimlich oder ekelig fand, sondern weil ich mir unsinnige Hoffnungen gemacht hätte, dass das Herzchen wieder anfängt zu schlagen, solange unser Baby noch in meinem Bauc ist.

    Im Nachhinein wäre dein Weg womöglich der Bessere gewesen. Ich konnte direkt am nächsten Tag ins Krankenhaus und wurde noch ans Ende des OP_Tages gequetscht. Die Stationen davor waren der absolute Horror. Mit jeder Untersuchung fühlte ich mich der Schlachtbank näher. Und jeder hat zu mir gesagt "Beruhigen Sie sich, Sie schaffen das." und in meinem Kopf schrie eine Stimme "Ich weiß, dass ich das schaffe. Aber mein Baby hat es nicht geschafft. Also haltet eure verdammte Klappe und lasst mich weinen."

    Eine Woche später musste erneut ausgeschabt werden, weil beim ersten Mal nicht alles rausgenommen werden konnte. Das konnte ich schon besser ertragen, es ging jetzt ja nicht mehr um mein Baby, sondern um meine Gesundheit. Ich war nach der FG vier Wochen krankgeschrieben, allerdings aufgrund einer anderen Geschichte. Wir sind ein paar Tage ans Meer gefahren und haben Verschiedenes getan, um von unserem Muckelchen Abschied zu nehmen.

    Nachdem ich etwa einen Monat gearbeitet hatte, bin ich zusammengebrochen. Die Ablenkung allein hilft eben nicht. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich nach 10jährigem Kinderwunsch und drei ICSI-Behandlungen schwanger geworden bin, wobei die Schwangerschaft mit einer massiven Überstimulation einherging. Das alles war psychisch einfach zu viel für mich und ich musste der Tatsache ins Auge sehen, dass ich meinen Alltag nicht mehr bewältigen kann. Mein Hausartzt hat mich seitdem krank geschrieben und ich habe inzwischen auch eine psychosomatische Reha gemacht. Das hat mir sehr geholfen, wieder zu mir zu finden. Und die Tatsache, dass ich direkt bei unserem nächsten Versuch wieder schwanger geworden bin. Nun würde ich gern wieder ein bisschen arbeiten gehen, aber der Mutterschutz steht kurz bevor, sodass sich der Wiedereinstieg nicht lohnen würde.

    Falls hier noch irgendjemand mitliest, wünsche ich viel Kraft, aber auch den Mut, schwach zu sein und Unterstützung einzuforden.

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