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  1. #1
    Avatar von TamsinCr
    TamsinCr ist offline old hand

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    Standard Fehlgeburt mit Cytotec

    Im Internet gibt es insgesamt nur wenige Berichte zur "eingeleiteten" Fehlgeburt mit Cytotec. Ich hatte nun meine zweite FG und im Gegensatz zur ersten, hatte ich diesmal wirklich eine Wahl und konnte entscheiden, wie ich das hinter mich bringen möchte.


    Meine erste FG war im Dezember 2014. Es war vermutlich eine Partialmole. Meine FÄ hat es in ihrer überaus Einfühlsamen Art (Ironie) so formuliert: "Ich habe so etwas noch nie gesehen, aber intakt ist Ihre Schwangerschaft nicht!" Wir waren geschockt. Von einem natürlichen Abgang war nie die Rede, ich wurde direkt ins Krankenhaus geschickt zu AS. Klar, dass man sich in dieser Situation wenig eigene Gedanken dazu macht. Erste Schwangerschaft gleich eine FG. Der Termin war ambulant, man gab mir zwei Cytotec mit, die ich zwei Stunden vor dem Termin einnehmen sollte. Während ich vorbereitet wurde, sind mir immer wieder Tränen über die Wange gelaufen. Im OP bekam ich dann Panik, fing an zu weinen kurz bevor die Narkose wirkte. Ich erinnere mich, dass ich furchtbar geweint habe, als die Wirkung nach lies und ich gerade noch so im Dämmerschlaf war. Ich schlief schwanger ein und wachte unschwanger auf, das war einfach zu viel für mich. Dann diese Krämpfe (vermutlich vom Cytotec) und die starke Blutung, über die ich wirklich erschrocken war. Mit so viel Blut hatte ich nicht gerechnet! Ich hatte wirklich eine Weile mit dieser Erfahrung zu kämpfen und habe das meiner neuen FÄ (!) auch so beschrieben. Es war klar: nie wieder! Nach 6 Wochen kam dann endlich wieder die reguläre Mens.
    Ende März war ich dann wieder schwanger. Meine Vorsicht löste sich nach dem ersten Termin bei 5+1, als ich eine normale FH sah. Ein paar Tage später an Ostersonntag bekam ich Schmierblutungen und wir sind ins KH, da waren es plötzlich zwei FH. Am 17.4. hatte ich dann meinen Termin zur 1. VU. Eine FH hatte sich bereits zurück entwickelt, die zweite war bei 6+2 stehen geblieben und war 8 Tage zurück. Es gab keinen Herzschlag und im Doppler konnte man keine Durchblutung des Gewebes erkennen. Es war klar, dass es keine Hoffnung gibt. Meine FÄ schlug mir drei Varianten vor:
    1. AS
    2. auf den natürlichen Abgang warten
    3. Abgang medikamentös auslösen
    In meiner Verzweiflung wählte ich im ersten Moment das was ich schon kannte, die AS. Nach etwa 20 Minuten (ich war noch in der Praxis) habe ich es mir noch anders überlegt und wollte die Medikamente. Meine Ärztin gab mir 10 Cytotec Tabletten mit, ihre Handynummer (es war ja Freitag) und lies mich eine Einwilligung zum Off-Label-Use unterschreiben. Dort war beschrieben was Cytotec ist, wofür es sonst genutzt wird und das es u.a. in den USA schon üblich ist, damit Aborte auszulösen.In Deutschland hat es keinen Zulassung dafür, so genutzt zu werden. Die beschriebenen Nebenwirkung waren weit weniger beängstigend als die von z.B. Paracetamol. Es kann u.a. zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen kommen.
    Um 10:00 habe ich zwei Cytotec vaginal eingeführt.
    Ab ca. 13:30 bemerkte ich zunehmendes Ziehen in UB
    Um 15:00 setzte die Blutung ein, die Schmerzen um Unterbauch waren mittelstark. Nach einem Telefonat mit meiner FÄ nahm ich zwei weitere Cytotec oral ein. Gegen die Schmerzen nahm ich ein Buscopan Zäpfchen.
    Etwa 16:30 fühlt ich einen stärkeren Druck im UB und ging zur Toilette. Ich presste eine größere Menge Gewebe heraus. Die Beschreibung "großes Stück glitschige Leber" trifft es ganz gut. Die Schmerzen wurden besser.
    Ca. 17:00 hatte ich noch einmal so ein Druckgefühl, beim Aufstehen fühlte ich, dass etwas raus gekommen war. Auf der Toilette fand ich noch mal ein großes Stück Gewebe in meiner Binde zusammen mit den Resten der Cytotec.
    Um 20:30 rief ich erneut meine FÄ an. Ich solle noch zwei Cytotec oral zur Nacht einnehmen und am morgen um 9:30 anrufen. Die Prognose sei aber, dass ich das Schlimmste durch hätte.
    Ich nahm um 22:00 zwei Cytotec, sowie eine Buscopan Tablette oral. Die Nacht verlief gut. Ich wurde zwei oder drei Mal wach, hatte allerdings keine Schmerzen. Ich wollte zwar aufstehen, die Binde wechseln, konnte aber nicht, war zu müde! Am morgen stellte ich fest, dass ich überraschend wenig geblutet habe über Nacht. Bis zu dem Telefonat war die Blutung etwa so stark, wie sonst am zweiten Tag der Mens. Meine FÄ bestellte mich dann am Montag in die Praxis um zu prüfen, ob alles raus ist. Die restlichen 4 Cytotec soll ich dann unbedingt mitbringen.
    Abends wurde die Blutung minimal stärker und blieb es dann auch für einige Tage. Insgesamt hatte ich etwa 8 Tage "richtige" Blutungen und danach jetzt anhaltende SB. Dies prognostizierte mir die Ärztin auch bei der Untersuchung. Im US stellte sie fest, dass die Fruchthöhle vollständig abgegangen ist und noch 14 mm GMSH vorhanden sind, die noch ab bluten müssen. Eine AS brauchte ich nicht.

    Ich bin sehr froh, dass meine FÄ mir diese Möglichkeit vorgeschlagen hat. Es ist für mich die beste Option gewesen, weil ich beim Prozess des Aborts bewusst dabei war war und nicht einfach unschwanger aufgewacht bin. Und ich musste nicht tagelang oder womöglich wochenlang auf den natürlichen Abgang warten. Das macht es jetzt zwar nicht unbedingt leichter, aber das Gefühl ist ein anderes.
    Hibbelstart Mai 2014

    * 8.SSW 12/2014

    * 8.SSW 4/2015

    12.05.2016 Geburt unserer Tochter

    * 6.SSW 3/2019


  2. #2
    Avatar von Paula_81
    Paula_81 ist offline Dr. Sommer ;-)

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    Standard Re: Fehlgeburt mit Cytotec

    Ich möchte hier noch etwas hinzufügen - aber erstmal danke, Tamsin, für den
    ehrlichen und detaillierten Bericht, das hat mir sehr geholfen.

    Wichtig ist zu wissen, dass es offensichtlich verschiedene Darreichungsformen
    von Cytotec gibt: kleine runde, oft 400ug starke, Pillen, die man vaginal und
    oral nehmen kann, und etwas grössere (vielleicht 6mm Durchmesser), 6-eckige
    weisse 200ug Tabletten (Pfizer), die man aber NUR oral nehmen sollte, weil sie sich in der
    Scheide nicht richtig auflösen (andere Hilfsstoffe). Ich hatte das nicht gewusst,
    bzw die Apotheke hat mir wohl die falschen Tabletten bestellt (nämlich die
    6-eckigen), sodass nach einem Tag rein gar nichts passiert ist ausser etwas
    Bauchweh mit den vaginal eingelegten Tabletten, obwohl es recht viele (total
    800ug über 1 Tag) waren. Das hat mir die Ärztin am Telefon erklärt, damit war
    klar, dass die Apotheke falsch geliefert hat und ich sozusagen einen Tag mit
    Bauchschmerzen, aber leider unproduktiv verloren habe. Damit das niemand
    anderem passiert, und weil ich Tamsins Bericht so gut finde, dass ich meine
    Info gerne bei ihrer hätte und nicht allein stehend, wo sie weniger brächte,
    schreibe ich das hier als Antwort auf Tamsins Post. Ich hoffe ja, niemand braucht
    diese Info je, aber obwohl ich natürlich selber auch immer gehofft habe, von einer
    FG verschont zu bleiben, war ich doch sehr sehr froh über Tamsins Bericht, der
    mir viel geholfen hat.
    Drückt uns allen fest die Daumen

  3. #3
    Avatar von Paula_81
    Paula_81 ist offline Dr. Sommer ;-)

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    Standard Re: Fehlgeburt mit Cytotec

    Noch ein Nachtrag von mir, nachdem hier alles vorüber ist:

    mit den Tabletten ist doch noch eine gute Menge Gewebe abgegangen, es
    war alles halb so schlimm wie gedacht.
    Allerdings war es leider nicht alles, also wurde heute doch wie geplant die
    Ausschabung gemacht und auch die war, soweit ich das beurteilen kann
    (ca 5 Stunden nach der OP) völlig ok, es geht mir soweit gut, ich habe kaum
    Schmerzen, es blutet kaum, und die Ärztin meint, sobald das HcG unten ist
    (was, da ich ja schon in der 10. SSW war, ca 2 Wochen dauern kann), was vom
    FA kontrolliert werden muss, kann der Zyklus wieder anrollen. Pause machen
    müssen wir nicht, wenn wir mögen, können wir es schon mit dem nächsten
    ES wieder probieren. Das wichtigste ist, dass das HcG komplett verschwindet,
    weil alles andere heissen würde, dass ev. noch Gewebereste in der GM sind.

    Also: so schlimm das psychisch alles sein mag, körperlich war es jedenfalls bei
    mir nicht annähernd so dramatisch wie befürchtet. Wer also immer das machen
    lassen muss: es tut mir sehr leid um die verlorene Schwangerschaft, aber weder
    vor den Tabletten noch der Ausschabung muss man grosse Angst haben.
    Ich hoffe, dass hilft vielleicht irgendwann irgendwem wenigstens ein bisschen weiter.

    LG Paula
    Drückt uns allen fest die Daumen

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