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  • 1 Post By Alina1982

Thema: Erfahrungsbericht (lang) Abort durch Misoprostol Prostaglandin bei Missed Abortion

  1. #1
    Alina1982 ist offline Veteran
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    12.11.2016
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    Standard Erfahrungsbericht (lang) Abort durch Misoprostol Prostaglandin bei Missed Abortion

    Da ich selbst nicht besonders viele Informationen zu diesem Thema gefunden habe, möchte ich euch von meinen Erfahrungen mit der Einnahme von Misoprostol zum Auslösen eines Abortes berichten.
    Ich bin keine Ärztin. Alle Informationen die ich euch hier gebe habe ich mir mühsam zusammengesucht. Ich kann in keiner Weise dafür garantieren, dass sie richtig sind und ihr solltet euch natürlich immer ausführlich von einer Ärztin beraten und behandeln lassen!

    Die Missed Abortion (MA) wurde bei mir etwa zu Beginn der 9. Woche festgestellt. Seit der 6. Woche war das Kleine nicht mehr gewachsen. Es sah so aus, als hätte die Fruchthöhle sich teilen wollen (Zwillinge) und als ob dabei etwas schief gegangen sei. Da ich direkt zu Beginn der Schwangerschaft eine kurze Blutung gehabt hatte, nahm ich zu diesem Zeitpunkt Progesteron. Progesteron ist das Gelbkörperhormon und hilft bei der Einnistung. Da meine Frauenärztin in Urlaub war, war ich bei einer Vertretungsärztin. Diese empfahl mir das Progesteron noch eine Woche weiter zu nehmen und ich weiß nicht, ob das einen Einfluss darauf hatte, wie später das Misoprostol bei mir gewirkt hat. Ich sollte die Woche drauf noch einmal zu Ultraschall kommen, damit man sicher gehen könne, dass es sich nicht um einen „Eckenhocker“ handelt.

    Also war ich zu Beginn der 10. Woche wieder in der Praxis. Diesmal bei einer anderen Vertretungsärztin.
    Ich hatte mich im Vorfeld schon über das Thema Ausschabung informiert und war dabei darauf gestoßen, dass in vielen anderen europäischen Ländern (Schweiz, Schweden, Frankreich) der Abort oft mit Prostaglandinen ausgelöst wird. Prostaglandine sind Wirkstoffe, die eigentlich bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren gegeben werden. Irgendwann hat wohl aber mal jemand festgestellt, dass sie auch Wehen auslösen und den Gebärmutterhals weich machen. Also werden die Medikamente im „Off-Label-Use“ verwendet, d.h. außerhalb des von der Arzneimittelbehörde zugelassenen Gebrauchs. In Deutschland wird in der Regel aber eine Ausschabung (Kürettage) durchgeführt. Es gibt Saugkürettagen und Kürettagen. Bei der Saugkürettage wird nach einer Weitung des Gebärmutterhalses zunächst abgesaugt. Das geht nur, wenn nicht zu viel „Material“ vorhanden ist. Oft wird dann aber auch noch mal mit der Kürette (einer Art stumpfem Löffel) nachgeschabt. Bei der Kürettage wird nur geschabt. Folgende Punkte machten mir Angst:

    · Die Kürettage wird i.d.R. ambulant aber mit Vollnarkose durchgeführt. Ich hatte noch nie eine Vollnarkose und Angst davor.
    · Da mit der Kürette geschabt wird, ohne dass man genau sieht wo, kann es sein, dass die Gebärmutter durchstoßen wird oder dass es zur Narbenbildung kommt (Asherman-Syndrom). Solche Narben müssen nicht schlimm sein, sie können aber dazu führen, dass man nicht mehr schwanger werden kann, weil sich die Schleimhaut nicht mehr gut aufbaut.
    · Zudem gibt es die normalen Operationsrisiken, wie zu Beispiel Infektionen.
    · Bei einer OP mit Vollnarkose bekommt man nicht mit, wie der Embryo aus einem rauskommt. Das ist bestimmt für manche Frauen ein Vorteil. Es kann aber auch ein Vorteil sein, sich noch irgendwie verabschieden zu können und das Gefühl zu haben, dass man es alleine geschafft hat.
    · Die Ärzte oder Krankenhäuser verdienen mit einer OP natürlich mehr Geld. Daher war ich mir nicht sicher, wie neutral man tatsächlich beraten wird.

    Mir erschien der medikamentöse Weg sanfter und ich hatte gelesen, dass im Großteil der Fälle ein vollständiger Abort gelingt.

    Die Ärztin wollte mich unbedingt operieren. Dann hätte ich es schnell hinter mir. Ich könne aber auch abwarten. Einfach abwarten ohne Medikamente zu nehmen, wollte ich jedoch nicht, weil es sich dann über Wochen ziehen kann bis der natürliche Abort einsetzt und das Ganze sehr wenig planbar ist. Nicht toll. Wenn man voll berufstätig ist. Die Ärztin schien beleidigt, als ich sie auf die Medikamente ansprach. Sie gab mir dann zwei Tabletten, was 400mg Wirkstoff entspricht. Die Tabletten sollte ich oral nehmen. Sie sagte ich solle ins Krankenhaus, wenn ich starke Blutungen oder Fieber bekommen würde. Ich bekam keinen neuen Termin und auch sonst keine Ratschläge.

    Durch die Einnahme passierte gar nichts. Ich recherchierte weiter im Internet und fand einen wissenschaftlichen Artikel, in dem stand, dass eine solche Dosis nur bei etwa 10% der Frauen zu einem Abort führen würde. Dazu muss man sagen, dass ich mit 1,80m recht groß bin. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Ärztin gar nicht wollte, dass das mit dem Abort klappt.

    Am nächsten Tag fuhren mein Mann und ich also in die Universitätsfrauenklinik. Der Arzt in der Ambulanz war natürlich auch für eine Ausschabung. Auf meine Bitte hin gab er mir aber auch das Medikament mit. Ich sollte alle 8 Stunden 2 Tabletten oral nehmen und nach 3 Tagen wiederkommen. Es passierte nichts.

    Drei Tage später war ich wieder bei dem selben Arzt. Er sagte man sähe aus dem Ultraschall, dass alles schon ein wenig flüssiger geworden sei. Wir entschieden uns dafür es weiter mit dem Medikament zu versuchen. Diesmal sollte ich alle 4 Stunden (auch Nachts) 2 Tabletten vaginal nehmen. Vaginal wirkt es stärker. Nachdem ich diese Dosis 3 mal genommen hatte begann der Abort. Zuerst kam schwallweise Blut. Das war schon ein wenig beängstigend, weil ich sonst immer eine sehr schwache Monatsblutung habe. Dann gingen die Fruchthöhle und weiteres Gewebe ab. Man merkt irgendwie, dass was kommt und geht automatisch auf Toilette. Man hat halt tatsächlich sowas wie schwache Wehen. Das Gewebe ist relativ dunkel und glatt. Es sieht ein wenig aus wie Leber. Die Fruchthöhle kann man erkennen, weil sie heller und nicht so glatt ist. In einem zweiten und dritten Schwall kam später noch Gewebe nach. Ich habe alles Fotografiert um es dem Arzt zeigen zu können. Wir haben uns dagegen entschieden die Fruchthöhle zu beerdigen. Aber natürlich hätten wir das machen können. Ich hätte es aber nicht geschafft sie aus der Toilette zu nehmen. Es ist schon ziemlich heftig das alles zu sehen und wenn man ein zartes Gemüht ist, sollte man es sich eher ersparen.

    Vier Tage später war ich wieder beim selben Arzt zur Kontrolle in der Klinik. Im Ultraschall sah man leider, dass noch Koageln vorhanden waren. Das sind sowas wie Blutklumpen. Der Arzt war guter Dinge, dass noch alles abgeht, wollte aber, dass ich die Tabletten noch weiter in der hohen Dosierung nehme und nach 3 Tagen zur Kontrolle komme. Er sei ja jetzt verantwortlich für mich.

    Es passierte nichts. Außer, dass ich das Gefühl hatte durch die vaginale Einnahme wund zu werden. Ich bekam Angst eine Infektion zu bekommen und schwenkte dazu um, die Tabletten oral zu nehmen. Daraufhin gingen noch zwei Mal kleinere Mengen Koageln ab. Ich war guter Dinge

    3 Tage später war ich bei einem anderen Arzt in der Klinik. Er sah im Ultraschall leider noch „eine kleine Koagel“. Ich sollte das Medikament in der bisherigen Dosis weiter nehmen. Wenn es ginge vaginal. Es passierte so gut wie nichts. Ein kleines Koagel ging noch ab. Ich hoffte, dass es das nun gewesen sei. Inzwischen hatte ich ganz schön mit den Nebenwirkungen der Medikamente zu kämpfen. Ich habe eh einen niedrigen Blutdruck und das Medikament senkt ihn wohl eher noch. Ich war benommen und müde. Kam nicht in die Gänge stand oft erst um 14 Uhr auf und war deprimiert und fühlte mich nutzlos.

    4 Tage später war ich wieder in der Klinik. Eine andere Ärztin sah diesmal plötzlich noch sehr viele Koageln. Einen Teil bekam sie, da mein Muttermund durch das Medikament so geweitet war mit einer Zange herausgezogen. Aber es waren immer noch viele Koageln zu sehen. Also wurde an diesem Tag doch ambulant eine Ausschabung durchgeführt. Das, was ich eigentlich die ganze Zeit vermeiden wollte. Die OP verlief gut. Heute ist eine Woche vergangen und ich habe nur noch ganz leichte Blutungen.

    Fazit:

    · Ich hatte den Eindruck, dass keiner der mich behandelnden Ärzte Erfahrungen mit der Dosierung des Medikamentes hatte. Ich fühlte mich etwas wie ein Versuchskaninchen.

    · Ich würde mich, sollte ich wieder in die Situation kommen erneut dazu entschließen, es mit Medikamenten zu versuchen, weil es für mich gut war den Abgang bewusst mitzuerleben und Abschied nehmen zu können.

    · Diesmal wäre ich aber wahrscheinlich nicht so geschockt und würde den Arzt im Zweifelsfall darum bitten, sich erst bei Kollegen über die Dosierung zu informieren. Ich würde mich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Ich würde sehr genau fragen, wie viele Frauen er schon bei einem Abort durch Medikamente begleitet hat.

    · Die OP war nicht schlimm. Ich hatte keine starken Schmerzen oder so und ich glaube, dass die OP für sehr viele Frauen die richtige Lösung sein kann. Man hat es dann halt tatsächlich schnell hinter sich. Ob man dann auch schnell damit abschließen kann ist wohl von Person zu Person unterschiedlich.

    Wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid und Fragen habt. Könnt ihr mir gerne eine Nachricht schicken.

    Inzwischen geht es mir übrigens wieder gut. Ich bin froh wieder arbeiten und aktiv sein zu können und ich lese auch schon wieder in den Hibbelforen mit um mich wieder in Hibbelstimmung zu bringen und ein paar positive Nachrichten von den anderen lesen zu können . Zudem hatte ich das große Glück, dass mein Mann und unsere Familien uns sehr gut unterstützt haben.
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  2. #2
    Avatar von Kiwi1986
    Kiwi1986 ist offline Veteran
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    1.373

    Standard Re: Erfahrungsbericht (lang) Abort durch Misoprostol Prostaglandin bei Missed Abortio

    Danke für diesen Bericht. Ich finde es toll, dass du dich nicht beirren hast lassen und deinen Weg gegangen bist. Ich hätte das wahrscheinlich nicht geschafft.

  3. #3
    Zumbamaus ist offline newbie
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    26

    Standard Re: Erfahrungsbericht (lang) Abort durch Misoprostol Prostaglandin bei Missed Abortio

    Vielen Dank für deinen Bericht. Mir steht das ganze jetzt bevor und ich bin dankbar jetzt in etwa wissen zu können wie es ablaufen kann. Danke für deinen Bericht und alles Liebe für dich

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