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  1. #1
    sasie ist offline Stranger
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    23.11.2017
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    1

    Idee Fehlgeburt in SSW 5 - positive Gedanken

    Liebe Betroffene, liebe Interessierte,

    ich hatte vor wenigen Tagen eine Fehlgeburt in SSW 5. Als die Blutung – und abends dann die klare Diagnose – kamen, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich habe geweint, seelische und körperliche Schmerzen gehabt und viele Stunden im Bett verbracht. Das habe ich gebraucht.

    Dann, ca. 24 Stunden später, habe ich beschlossen, aufzustehen und mir eine Frage gestellt:

    Gibt es auch positive Erkenntnisse, die ich aus dieser schrecklichen Situation mitnehmen kann?

    Ich habe mich hingesetzt und angefangen zu schreiben. Denn Schreiben tut mir gut. Danach habe ich mit meinem Mann über jeden einzelnen Punkt gesprochen, der mir in den Kopf gekommen war.

    Mir hat das sehr geholfen – schon jetzt geht es mir sehr viel besser und ich freue mich auf alles was kommt!

    Doch ich weiß: Es fällt schwer, in so einer Situation positiv zu denken. Ich musste mich dazu zwingen, weil ich genug hatte vom Heulen. Weil mir das aber persönlich so geholfen hat, möchte ich meine Gedanken mit euch teilen.

    Klar: Was ich schreibe, ist sehr persönlich, eine Frage der Situation und auch der inneren Einstellung. Daher werden meine Worte nicht jeder von euch Kraft geben. Denn ich hatte noch in vielen Dingen Glück im Unglück:

    - Es war noch sehr früh, sodass es noch keine Ultraschall-Bilder gab.
    - Wir haben uns erst eine Woche gefreut (und wie!).
    - Es muss keine Ausschabung gemacht werden.

    Das vorab. Denn sicher sind meine Erkenntnisse nur für Frauen hilfreich, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, d. h. ähnliches Glück im Unglück hatten.

    Positive Erkenntnisse aus einem schrecklichen Erlebnis (Reihenfolge nicht gleich Wichtigkeit!):

    1. Wir können es! Ich bin schwanger geworden – und das sogar sehr schnell.


    Ich bin 35, habe lange die Pille genommen, musste nach einer Fernreise zunächst einen negativen Zika-Test abwarten und dann: Zwei Versuche und ich war schwanger! Was für ein Glück!

    2. Wir wissen es jetzt ganz genau: Wir freuen uns!


    Mal ehrlich: Über Schwangerschaft und Kinder zu reden, ist einfach. Aber wie ist es, wenn man wirklich den positiven Test in der Hand hält? Wie fühlt es sich an, schwanger zu sein? Zumindest ich war mir vorher nicht ganz sicher und auch im eigentlichen Moment ziemlich überrumpelt.

    Aber jetzt wissen wir es: Wir haben uns tierisch gefreut! Und es hatte einen besonderen Zauber, dieses Geheimnis zu haben und jeden Tag zu beobachten, wie sich schon irgendetwas im/am Körper verändert. Es hat sich gut angefühlt, schwanger zu sein! Für mich und auch für meinen Mann. Eine tolle Erfahrung!

    3. Es war etwas Besonderes, zu „üben“.


    Wie gesagt: Für uns war die Familiengründung lange Theorie. Als wir angefangen haben, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen, war das etwas Besonderes.

    Eine besondere Nähe. Eine viel bewusstere Auseinandersetzung mit dem Körper. Spannung! Wir haben diese (in unserem Fall ja ganz kurze Zeit) sehr genossen – warum also nicht mehr davon?

    Ein neuer Anfang einer besonderen Zeit wird jetzt folgen. Im Winter. Wenn es draußen kalt und drinnen schön ist. Das hat was – und wir freuen uns drauf.

    4. Ich habe das Gefühl, ich bin jetzt besser vorbereitet.

    Was tut meinem Körper wirklich gut? Wie unterstütze ich ihn, wenn in ihm etwas zu wachsen beginnt? Ehrlich gesagt: So richtig damit beschäftigt habe ich mich erst beim positiven Schwangerschaftstest.

    Klar wusste ich: Kein Alkohol, viel Bewegung, viel Wasser, frische Luft, wenig Stress – all das sind wichtige Dinge. Dinge, über die ich aber richtig intensiv erst nach dem positiven Test nachgedacht habe.

    Plötzlich habe ich mich viel mehr informiert, auch über Ernährung. Ein bisschen hat mir mein Körper sogar schon signalisiert, was er braucht und was er lieber nicht haben möchte. Ich habe das Gefühl, dass mir das helfen wird, mich besser auf einen zweiten Versuch vorzubereiten. Vieles, was ich gelernt habe, möchte ich künftig auch vorab beachten – und denke, dass mir das von Anfang an ein besseres Gefühl geben kann.

    Denn nach dem Test ratterte mein Kopf: Was hab ich eventuell in den letzten Wochen nicht so richtig gut gemacht? Bestimmt waren ein Glas Wein, ein paar Tassen Kaffee oder auch Stress auf der Arbeit zwar nicht die Auslöser für meine Fehlgeburt. Dennoch bin ich überzeugt, künftig entspannter zu sein, wenn ich von Anfang an, weiß, worauf es ankommt.

    Apropos Stress! Das ist auch ein wichtiger Punkt, den ich mitnehmen werde. Ich habe einen Job, der mir großen Spaß macht, mich aber auch sehr fordert. Zum ersten Mal habe ich mit der Schwangerschaft so richtig registriert: Mein eigentlicher Fokus ist ein anderer – es gibt Dinge, die ganz plötzlich sehr viel wichtiger werden, als im Job perfekt zu sein!

    Für mich eine großartige Erkenntnis, die ich mir unbedingt bewahren möchte! Und das wird mir sicher helfen, entspannter in einen neuen Versuch zu starten.


    5. Großes Glück: Wir haben uns – und sind ein wunderbares Team!


    Ich schreibe ein stichpunktartiges Tagebuch, in dem ich immer sehen kann, was in den Vorjahren am gleichen Tag passiert ist.

    Am Tag der Fehlgeburt war es genau zwei Jahre her, dass ich von einem gemeinsamen Tauchgang berichtet hatte. „Wir sind perfekte Buddys, passen aufeinander auf. Unzählige Glückmomente.“

    Zwei Jahre später gibt es keinen Glücksmoment an diesem Tag. Aber ich weiß: „Wir sind nach wie vor perfekte Buddys und auch an einem schwarzen Tag füreinander da – und werden immer auf uns aufpassen.“

    Wie nah wir uns durch dieses schreckliche Erlebnis sind!

    Und ist nicht das die beste Voraussetzung für weitere Versuche, eine Familie zu gründen? Ich bin noch sicherer als vorher: Wir werden unseren Job als Eltern, sobald wir ihn machen dürfen, richtig gut machen!

    TEIL 2

    Ich habe mir noch eine zweite Frage gestellt:

    Warum war das, was uns passiert ist, Glück im Unglück?


    Meine persönlichen Antworten sind sehr individuell, aber ich hoffe, dass auch diese einigen ein bisschen weiterhelfen:

    1. Weil es so früh passiert ist!

    Ja, ich habe gemerkt, dass mein Körper sich verändert. Ich war schwanger und das hat sich toll angefühlt. Es war aber sehr, sehr früh und da war gerade erst etwas im entstehen. Die kleine Basis für etwas Großartiges!

    Dennoch sage ich mir jetzt: Wir haben noch nichts verloren! Wir haben nur etwas nicht bekommen, das wir uns sehr gewünscht hatten. Wir bekommen aber sonst ganz viel, was wir uns wünschen und haben in vielen Dingen so viel Glück. Auf manche, ganz große Dinge muss man daher vielleicht doch auch einmal länger warten.

    Aber die Basis, der Anfang, die Hoffnung war da … Und all das wird wieder kommen. Und dann weiß ich noch ein Stück weit mehr, wie zerbrechlich die Hoffnung am Anfang ist. Nicht aus der Theorie, sondern aus eigener Erfahrung. Ich glaube, dieses Wissen kann mich besser schützen.

    2. Weil mein Körper es ganz von alleine regelt!


    Ich habe Glück. Es war früh, das Hormon hat sich schnell verabschiedet. Kein Eingriff ist erforderlich. Mein Körper scheint seine Sache also sehr gut zu machen!

    Das heißt doch auch, dass ich ihm vertrauen kann! Mein Körper erkennt selbst, wenn etwas nicht gut ist. Dann hilft er mir. Bewahrt mich vor stärkeren Schmerzen, vielleicht vor schlimmen Entscheidungen. Dafür kann ich ihm doch eigentlich nur dankbar sein!

    Ich werde daraus lernen: Ich kann meinem Körper auch in die andere Richtung vertrauen. Genauso wird er erkennen, wenn etwas gut und richtig ist! Und auch dann wird er seine Sache sicher gut machen.

    3. Weil es (in meinem speziellen Fall) hätte weitaus schlimmer kommen können!

    Gleich nach Beginn der Blutung wurde ein Ultraschall gemacht. Es war keine Fruchthöhle (mehr?) zu sehen. Die Blutwerte sollten erst abends kommen, sodass meine Gynäkologin mich auch auf weitere Szenarien vorbereitete: Eine Eileiter- oder Bauchhöhlen-Schwangerschaft konnte nicht ausgeschlossen werden. OP, das nachfolgende, dauerhafte Risiko … Das wäre wirklich schlimm gewesen. Das wurde aber mit dem extrem gesunkenen HCG-Wert noch am gleichen Tag ausgeschlossen. Was für ein Glück im Unglück – theoretisch kann es sofort weitergehen. Neuanfang.

    TEIL 3

    Zuletzt noch ein paar Worte zum Thema Neuanfang. Denn am Tag danach hörte ich in meiner „Erholungsphase“ einen Entspannungs-Podcast in der Badewanne. Das Thema: Am Start! Ganz zufällig hatte ich die Folge natürlich nicht ausgewählt, aber wie sehr sie passen würde, hatte ich auch nicht erwartet.

    Es wurde unter anderem das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse mit dem Anfang und dem Zauber zitiert. Ich hatte es schon immer schön gefunden, aber in diesem speziellen Moment war es meine Inspiration zum positiven Denken:

    (…)
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.

    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
    (…)
    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!


    Keine Frage: Ich bin überzeugt, dass es nur tapfer und „ohne Trauern“ nicht geht! Ich brauchte die Stunden des Weinens und des nicht-tapfer-seins und werde sie mir auch wieder nehmen, wenn mir danach ist.

    Aber steckt nicht so viel Schönes, Mut-machendes und Inspirierendes in diesen Worten? Müssen wir nicht einfach diese, wenn auch hohe Stufe überwinden und können dann jede weitere mutig und gesunden Herzens angehen?

    Noch klettere ich die eine Stufe hoch und das bringt mich immer noch ganz schön aus der Puste.
    Aber ich freue mich schon sehr auf die nächste! Und das gibt mir Kraft, die ich euch allen wünsche!

  2. #2
    Anie81 ist offline Stranger
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    Standard Re: Fehlgeburt in SSW 5 - positive Gedanken

    Hallo, ich finde deine Einstellung und deinen Optimismus super! Ich bin genauso alt wie du und hatte im vorletzten Zyklus auch einen Frühabort in der fünften ssw. Ich habe versucht es einfach hinzunehmen, wir haben abends feierlich eine Kerze angezündet für das Sternchen und den Schmerz zugelassen. Ich bin froh dass es so früh passiert ist. Im letzten Zyklus hat es sofort wieder geklappt und jetzt bin ich schon in der achten ssw. Das Herzchen schlägt schon, aber natürlich bin ich nicht mehr so selbstsicher wie vor dem Abort. Ich muss dazu sagen, dass ich schon zwei Kinder habe, und nie Probleme in den Schwangerschaften hatte. Der Frühabort hat mich sozusagen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Jetzt habe ich ein gutes Gefühl dass es dieses Mal wieder gut wird. Bei euch hat es ja sehr schnell geklappt mit dem Schwangerwerden, da klappt es sicher bald wieder. Ich drücke die Daumen! Mit deiner Einstellung kann ja nicht viel schiefgehen.😊
    LG Anie

  3. #3
    Lealimonade ist offline Stranger
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    Standard Re: Fehlgeburt in SSW 5 - positive Gedanken

    Hallo,
    ich muss dir wirklich einen riesen Lob aussprechen: Du kannst super schreiben. Das hast du echt drauf :)
    Finde auch deine Einstellung super, das könnte meiner Schwägerin sehr helfen. Sie hat letzte Woche eine Fehlgeburt in ssw 7 gehabt. Das nimmt sie immer noch sehr mit, sodass sie sich zwei Wochen krank schrieben lies. Ich werde ihr mal deinen Text zeigen. Vielleicht bekomtm sie dadurch mehr Mut.

    Liebe Grüße
    Lea

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