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Thema: Angst

  1. #1
    susi-mama ist offline addict
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    443

    Standard Angst

    Hallo,

    vorletztes Wochenende war ich bei meiner kleinen Maus Lena mit im Krankenhaus, weil sie entlassen werden sollte. Ich sollte das Wochenende mit da bleiben, um das ganze Handling zu lernen, weil sie einen künstlichen Darmausgang hat. Eigentlich habe ich mich riesig gefreut mit bei ihr zu sein. Doch an dem Tag, wo ich mit aufgenommen wurde hieß es dann dass ihre Leberwerte nicht in Ordnung sind und ihr Stuhl sehr dünn ist. Da war mir eigentlich schon klar, dass es mit der Entlassung nichts wird. Eigentlich war es wunderschön bei ihr zu sein, aber ich habe mich nicht wohl gefühlt. Eigentlich habe ich fast die ganze Zeit geweint, weil sie sich so quälen muss. Wenn sie wirklich entlassen worden wäre, wär es wahrscheinlich wunderschön gewesen, aber mit dem Gedanken im Hintergrund, dass es wohl doch noch ein paar Wochen dauert bis sie raus kann, habe ich mich elend gefühlt. Als klar war, dass sie nicht entlassen wird, weil ihr Zustand das nicht zulässt, bin ich wieder nach Hause und besuche sie weiterhin wie vor der Mitaufnahme. Ich habe ein ziemlich starkes schlechtes Gewissen. Aber andererseits denke ich dass es Lena nicht gut tun würde, wenn sie merkt wie sehr ich darunter leide, dass es ihr so schlecht geht. Zur Zeit geht es mir sehr schlecht, weil ich eigentlich nicht wirklich etwas für Lena tun kann und weil ich die ganze Sache mit der Frühgeburt und dass ich vielleicht daran Schuld bin, dass mein Kind so leiden muss nicht verarbeiten kann. Dann denke ich ständig "was ist, wenn die das nicht in Griff bekommen, sie hat so viel gechafft, was ist wenn sie das jetzt nicht überlebt?" Noch hinzu kommt, dass mir manche zusätzlich ein schlechtes Gewissen machen, weil sie nicht einmal versuchen sich in mich hinein zu versetzen. Ich kann so offen wie hier eigentlich nicht über meine Gefühle reden (außer mit meiner Mama und meinem Partner), weil der Rest der Verwandtschaft eigentlich garnicht in Betracht zieht, wie sehr ich leide und wie tief die Spuren eigentlich sind, die die Sachen auf meiner Seele hinterlassen haben. Es ist einfacher zu sagen, dass man seine eigenen Bedürfnisse und Interessen zurückstecken soll, weil Lena wichtiger ist. Klar sie ist für mich das allerwichtigste und ich werde auch immer für sie da sein, aber es macht mir zu schaffen, dass mich keiner versteht und keiner eigentlich sieht wie schlecht es mir bei der ganzen Sache geht. Es kam von fast allen immer nur die Frage wie es Lena geht. Kaum einer hat daran gedacht, einmal danach zu fragen, wie es mir eigentlich geht. Es wurde vielleicht mal gesagt: wenn du reden willst, dann hör ich zu. Aber was bringt das, wenn derjenige eigentlich garnicht weiß, dass ich mich so fühlen könnte? Ging es da jemandem von euch ähnlich oder kann mich da überhaupt jemand verstehen? Ich will nicht als Rabenmutter abgestempelt werden :'(

    Liebe Grüße
    Susanne
    Noch unerwartet
    Sehr zerbrechlich
    Noch nicht ganz fertig
    Nackt und ungeschützt
    Viel zu klein
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  2. #2
    Gast

    Standard Re: Angst

    Hallo Susanne,

    mensch fühl dich erstmal gedrückt! Ich kann dich sehr gut verstehen! Ich habe zwei Frühchen und mir lastet es auch sehr auf der Seele, daß ich der Grund für ihren Frühstart war. Ich wollte speziell nach Aarons Geburt mit niemandem telefonieren, keine Glückwunschbesuche etc. weil ich mich einfach total geschämt habe, daß ich es nicht geschafft habe, mein Kind ganz normal 40 Wochen auszutragen. Anfangs habe ich immer gedacht, jeder macht mir insgeheim Vorwürfe.

    Mittlerweile sehe ich das ein wenig gelassener, aber es nagt immer noch ein wenig an mir!

    Ich drücke euch ganz fest die Daumen, daß deine Lena weiterhin so eine Kämpfernatur bleibt und du sie ganz bald mit nach Hause nehmen kannst!

  3. #3
    Gast

    Standard Re: Angst

    liebe susi,

    lass dich mal drücken. ich habe auch noch immer dasgefühl, versagt zu haben. warum konnte ich nur meinen 2 jungs keine optimale behausung bieten? warum der schock?

    ich weiß nicht, warum deine lena deinen bauch so zeitig verlassen musste. aber du trägst keine schuld. das leben läuft leider nicht immer sooo optimal, wie man sich das wünscht. oft gibt es hürden, die man bewältigen muss. das habe ich gelernt.

    ich lag 9 wochen in einem bett in einem KH-zimmer. kaum wer fragte sich, wie es mir geht. wieso auch?

    auch heute ist das noch so. es war auch die 11 wochen, als die jungs im KH waren, so. die mama ist nebensächlich.

    aber nur mit einer ausgeglichenen mama können sich die mini kleinen würmer gut entwickeln. ich habe angefangen zu schreiben. nur für mich. und es tut mir gut, danach kann ich wieder einschlafen.

    lena kam auch 11 wochen zu früh? sei froh, dass es ihr soweit so gut geht. ich kann auch immer nicht verstehen, warum nun wir? wieso dieses schicksal? aber ich merke langsam, dass ich über mich hinaus wachse. und du wirst es auch.

    kuschel deine maus einfach ganz viel, geb ihr viel mamawärme. das wird sie spüren. sie darf auch spüren, dass es dir nicht gut geht. denn deine liebe ist ja trotzdem da. und das merkt sie auch!

  4. #4
    Kaja ist offline addict
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    Beiträge
    493

    Standard Re: Angst

    Hallo!

    Ich habe zwar selber kein Fruehschen habe aber bei Fruehschen gearbeitet.
    Ich denke du braauchst kein schlechtes gewissen haben gegenüber deinem kind, du kannst nichts dafür das sie zu frueh gekommen ist und jeder der was anderes sagt weiss nicht was er da sagt. Ich bewundere jedes elternteil welch eine so schwere zeit geschaft hat und zusammen hällt. Ich habe soviele eltern getroffen die genau die selben zweifel hatten aber am ende stark genug waren und es geschafft haben. Du bist auf keinen fall eine rabenmutter im gegnteil was du und dein kind geleistet haben müssen andere erst mal mit gesunden kindern schaffen.
    Ich wünsche euch viel kraft fürs weiter kämpfen. Und so wie es klingt bekommst du sie ja bald mit nach hause, dann habt ihr ganz viel zeit das versäumte nachzuhohlen. zumindestens einen großen teil, die fehlende zeit kann dir natürlich niemand wieder geben.
    Denk positiv und glaube an dich und dein kind und dann wird es auch dir bald besser gehen.

    Schöne grüße kaja

  5. #5
    Nicki6205 ist offline Poweruser
    Registriert seit
    26.04.2005
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    7.195

    Standard Re: Angst

    Hallo...

    es tut mir weh sowas zu lesen...und ich fühle mich in meine Zeit zurückversetzt...Sebastian kam 9 Wochen zu früh und es ging mir nach der Geburt echt dreckig....aber jeder der anrief oder der sich erkundigte, fragte nur nach Sebastian...auch eine ganze Zeit danach ging es nur um Sebastian.....
    Es ist normal, das die Mutter in den Hintergrund tritt ....das meistens nur die eigene Mama und der Partner wissen, wie es in einem aussieht.....
    Lass Dir kein schlechtes Gewissen einreden, wenn Du nicht bei Deiner Kleinen geblieben bist.....sammle die Kraft und auch den Schlaf, den Du brauchst, wenn die Kleine heimkommen wird.

    Und noch was: ich weiss nicht wo Du wohnst, aber in den meisten grösseren Städten gibt es Hilfe für Früchchen Mamas...ich wusste das auch nicht und ärgere mich heute darüber mich nicht eher informiert zu haben....
    Genauso gibt es solche Hilfsgruppen vom Krankenhaus aus....schau mal ans Schwarze Brett oder frag den Arzt....
    Geh dort hin.....

    LG
    Nicki







  6. #6
    susi-mama ist offline addict
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    443

    Standard Danke

    Ich danke euch sehr für eure tröstenden Worte. Auf irgendeine Weise ist es gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, dass auch andere Frühcheneltern sich so fühlen/gefühlt haben. Klar ist es fruchtbar, aber man hat immer das Gefühl, dass andere denken man würde überteiben mit seinen Gefühlen. Gerade als wolle man sich in den Vordergrund drängen wollen, weil man nicht will, dass nur noch das Kind gesehen wird. So ist es aber nicht und irgendwie tut es gut zu hören dass es auch anderen so ging. Wir sind eben nicht Mütter die sich vernachlässigt fühlen, sondern Mütter die Aufmerksamkeit brauchen, weil sie wahnsinnig viel mitgemacht haben und auch immer noch mitmachen. Kein anderer kann sich in die Angst hineinversetzen die wir hatten und haben. Auf der einen Seite "zum Glück", auf der anderen Seite "leider".

    Ein großes Knuddel an alle, die sich genauso fühlen.

    Liebe Grüße
    Susanne mit Früh-ling Lena

    Noch unerwartet
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  7. #7
    Avatar von innamama
    innamama ist offline working mum
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    9.638

    Standard Re: Danke

    liebe susanne,

    ich wollte mich auch noch mal einklinken und dir sagen, dass dich keine schuld trifft. ich denke, ich kann ganz gut nachfühlen, was in dir vorgeht, unser jonathan ist im vergangenen dezember ebenfalls 12 wochen zu früh per not-sectio geholt worden. von einer minute zur anderen war alles anders und das dauert seine zeit. ich fand es absurd, dass mich menschen zu der geburt beglückwünscht haben, denn dieses noch nicht mal 800g schwere wesen im glaskasten war nun erstmal alles anderes als das abbild vom erwarteten wunschbaby.

    da ich persönlich wegen eines akuten hellp fast gestorben wäre und selber auf der intensivstation lag, war der start noch einmal ein doppelt schwieriger. mein mann war ganz toll in dieser zeit, war nicht ein einziges mal verstimmt, wenn er mich wieder überreden musste, doch mal im rollstuhl runter in die neo zu fahren. anfangs wollte ich da gar nicht hin, viel zu bizarr war das wissen, dass "das da" im brutkasten unser kind sein sollte. ein hilfloses kleines knäuelchen haut und knochen. ich hab eine weile gebraucht, bis ich jona unbefangen anfassen konnte etc. . wir haben elf wochen in der klinik verbracht und trotz protokoll in den akten, was mit mir los ist, wurde ich später auf der päppelstation von der einen oder anderen schwester schon mal schief angeguckt, warum ich nicht 24 stunden bei meinem kind bin. ich bin aber konsequent geblieben, hab sechs bis acht stunden mit jona in der klinik verbracht, danach brauchte ich einfach mal normalität um mich herum. bin ich deswegen eine rabenmutter? ich denke nicht, schließlich wird uns in diesen situationen unendlich energie abverlangt.

    heute liegt das krankenhaus und der schwere start weiter hinter uns. jona ist korrigiert fünf monate alt, benimmt sich total zeitgemäß und ist fast immer ein ausgeglichener fröhlicher kleiner mann.

    ich wünsch euch alles gute, corinna
    junior 12/2005 und mademoiselle 03/2009

    "Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein." - Simone de Beauvoir

    n.b. text und bilder sind mein eigentum!

    für lukas - tot ist nur, wer vergessen ist

    http://www.eltern.de/forenticker/show/2534

    http://www.eltern.de/forenticker/show/2535

  8. #8
    Avatar von fips 2
    fips 2 ist offline Poweruser
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    Standard Re: Angst

    Liebe Susanne!
    Leider konnte ich jetzt erst in Ruhe schreiben.Unsere Fabienne wurde in der 28. SSW per KS geboren. Es war trotz der schwierigen Umstände eine schöne Geburt. Das Personal war nett, kompetent und stand uns immer zur Seite. Auch ich habe mir einen Teil der Schuld gegeben. Mir ging es während der SS extrem besch***en. Nur erbrechen, essen nur Buttermilch und Gummibärchen. Wenn ich mich übergeben musste, ging gleichzeitig alles in die Hose. Alles in allem war ich einerseits nicht böse. Aber für mein Kind hätte ich schon gern noch durchgehalten. Sie wog 1340g und war 39cm groß. Alles lief 19 Tage wunderbar. Wir standen kurz vor der Verlegung in die Klinik in unserer Stadt. Dann schrie sie ständig und als ich abends nochmal in der Klinik anrief, waren die Ärzte besorgt. Nachts rief ich noch mehrmals an und als ich früh 5.30 in die Klinik kam, war sie im OP. Not-OP wegen NEC.Ich hatte zwar Angst um mein Kind, aber so richtg begriffen habe ich es erst viel später, in welcher Gefahr sie war. Von da an lief alles planmäßig und der Darm wurde noch vor der Entlassung zurückverlegt. Eine Woche vor Entlassung durfte ich Fabi das erste Mal stillen. Es kam so überraschend, da bin ich der Schwester um den Hals gefallen. Die OP zur Rückverlegung war für mich noch schlimmer, da wir über Risiken aufgeklärt wurden. Ich hatte mein Baby auf dem Arm. Sie sah mich mit ihren großen Augen an, und ich hatte auf einmal Angst, sie doch noch zu verlieren. Am OP-Tag sollten wir nicht kommen, sondern anrufen. Der OP Plan wurde verschoben und die Zeit verging zu langsam. Aber sie hat es überstanden. Fabienne ist unser 4. KInd und etwas ganz besonderes. Sie ist jetzt fast 1J10mon., klettert, spricht, puzzlt, fädelt, isst und trinkt allein, ist tagsüber sauber, Kurzum sie ist ein quicklebendiger Springinsfeld. Wir sind sehr erstaunt, wie sich unser Kind entwickelt hat. Als wir letztens die Neo besucht haben, waren sie positiv überrascht. Die Schwestern sagten, dass sie damals nicht verstehn konnten, wie sicher ich mir war, dass mein Kind überlebt. Jetzt weiß ich, dass es fast ein Wunder war. Zwei Stunden später hätte man nicht mehr viel machen können, lt. Arzt.
    Übrigends waren wir täglich von 11 Uhr bis 14 Uhr bei ihr. Uns hat nie eine Schwester das Gefühl gegeben, dass wir uns nicht genug kümmern. Im Gegenteil. Wir wurden sogar daran errinnert, dass wir noch 3 Kinder zu Hause haben, die auch unsere Aufmerksamkeit brauchen. Nach 11 Wochen durfte ich Fabienn gesund und propper(49cm, 2900g)mit nach Hause nehmen . Das war der Tag der Heiligen 3 Könige. Ich dachte auch erst, dass ich ständig Angst wegen der Atmung(musste noch Tropfen nehmen, wegen Apnoe Bradikardi-Syndrom)und dem Darm. Aber ich war ganz entspannt. Wir waren zur Babymassage,10 mal Krankengymnastik zur Vorbeugung, Krabbelgruppe und sind jetzt beim Kleinkinderturnen. Das Zurückrechnen habe ich lange aufgegeben undgenieße die Zeit mit Fabienne. Sie wiegt jetzt12kg, bei 84cm. Nur Mut, bald wirst du deine Maus mit heimnehmen und die schlimme Zeit verblasst. Wird der Darm bald zurückverlegt? Musst du zu Hause den Darm anspülen?
    Liebe Susanne, ich drück die ganz lieb und viel Glück für die Maus
    LG Bettina
    Spieglein, Spieglein an der Wand....Der Link unterstützt mich bei Dshini








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