1. #21
    Avatar von Nelliane
    Nelliane ist offline Poweruser
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Manchmal ist es glaube ich fast egal wie früh die Kleinen kamen, die Eindrücke die man im KH erlebt vergisst man nicht.

    Lena kam bei weitem nicht so früh, aber alleine die Tatsache das sie nicht bei mir war trieb mich schon an den Rand meiner Kräfte. Und machen wir uns nichts vor, die Geräuschkulisse, das hektische Treiben und der Mangel an Empathie seitens des Personals nimmt jede Mama mit. Neben Lena waren auch so extreme Frühchen, Kinder mit Komplikationen, ständiger Alarm, Reanimationen und einfach zu wenig Personal in der Nacht.

    Tagsüber wollte ich Lena immer selbst versorgen, doch die Kommunikation war mangelhaft, ständig kam ich von der Wochenstation und eine übereifrige Schwester hatte Lena schon versorgt, oftmal leider auch noch über die Sonde. Einen Morgen war sie auch schon fertig (nachts überließ ich die Verpflegung), da wurde mir gesagt das Lena um 4 Uhr( hatten 5.30) wahnsinnige 40ml getrunken habe, da sie nachts leider zu kurz kam(letzte Mahlzeit so gegen 22.30). Was muss sie geschrien haben? Auf meine Frage warum man mich nicht angerufen hat, bekam ich ein Schulterzucken und das es nicht nötig gewesen wäre. Am 5. Tag spielten dann meine Hormone völlig verrückt, ich konnte nur noch weinen und drängte auf ein gemeinsames Zimmer mit meiner Tochter, was dann sogar am gleichen Tag noch möglich war(warum erst dann?), da man sich bei ihr ja keine Sorgen machen muss. Also zog ich mit einer anderen Frühchenmama in die Kinderklinik. Trotz Großbaustelle und das Gefühl auf dem Bahnhof zu leben wurde es besser, denn ich hatte meine Maus bei mir. Es dauerte nicht lange und sie war Zugänge und Sonde los und an dem Donnerstag ging es auf mein Drängen hin nach Hause.

    Was mich heute noch so aufregt, es hätte nicht so sein müssen, doch dort ist alles so festgefahren. Lena hätte man die Intensiv auch ersparen können. Laut KHbrief durfte ich dann erfahren das sie nur wegen dem Verdacht auf Trisomie überhaupt aufgenommen war, gut sie hatte schon Anpassungsschwierigkeiten, doch das war am nächsten Tag auch relativiert. So hat mir das nie einer gesagt, und hätte man das mit dieser Begründung, hätte ich mein Kind genommen und wäre gegangen.

    Aber nein, sie wurde verkabelt, sondiert, bekam die Schnarchmaske und den Zugang am Kopf und wurde eigentlich jeden Tag gepieckst.

    Für mich steht fest, sollte es Nr. 2 geben, dann entbinden wir woanders.

    Sorry ist etwas lang geworden, aber es tat auch unheimlich gut sich mal Luft zu machen. Denn ich fühle mich beraubt, beraubt um eine wunderschöne Kennenlernzeit, beraubt mein Kind einfach genießen zu können. Erinnerungsvermögen der Kinder hin oder her, ich finde die nehmen auch was aus dem KH mit.
    Liebe Grüße
    Jenny

    Meine lieben Binos sind:
    Arween mit der süßen Clara von den Septembies
    und
    Haruka von den Novembären:liebe:

    Bei SSW34+4 bekamen wir das größte Geschenk: unsere Zaubermaus!
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  2. #22
    Gast

    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Danke !!!
    Es tut so gut das alles hier zu lesen.
    Und ich sitze schon wieder weinend vor dem PC und merke, daß ich noch rein gar nichts verarbeitet habe.

    Tröstlich zu wissen, daß viele von Euch verstehen können, was passiert ist.
    Alle anderen Menschen können es nämlich nur erahnen !!!

    Auch wenn es viele von euch etwas "leichter" hatten als wir, glaube ich daran, daß es für alle eine schreckliche Erfahrung war. Denn es war immer die Sorge und Angst um unsere Kinder. Ich denke, es gibt kaum Schlimmeres !!!

    Danke ! Ich fühle mich zum ersten Mal verstanden !!!

  3. #23
    Fluppal ist offline old hand
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Danke!

    Danke für die offenen Worte! Finde es immer wieder interessant das das Thema "Seele" der Eltern eigentlich total untergeht. Klar geht das Wohl der Kinder vor aber auch wir haben doch dran zu knabbern.

    In meiner Klinik gab es eine Elternschwester die jeden Tag kam und mit uns gesprochen hat. Aber wollte man der erzählen das man die anderen Muttis auf der Intensiv doof findet da sie sich so reinhängen und schon fast dieses "Münchhausensyndrom" entwickeln obwohl ein Bett weiter ein Kind gehen muss? Ne macht man ja dann auch nicht. Also immer Zähne zusammenbeissen und durch.

    Ich hatte ja zum Glück schon eine normale komplikationslose Schwangerschaft, und muss sagen ich möchte nicht vor der Entscheidung stehen ob es noch ein Geschwisterchen geben soll.

    Hach es gäbe soviel zu erzählen über die KHZeit, aber leider wenig Zuhörer.

    Klopfen wir uns doch selber auf die Schultern und tauschen uns hier aus.
    Melie

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    Zwei Sternchen (06/06 und 08/08) im Herzen

  4. #24
    Jona1982 ist offline addict
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Zum Thema Tod kann ich nur sagen, dass auf der Its ein Sternenzimmer war in das die sterbenden oder bereits verstorbenen Kinder gelegt werden, zusammen mit Mama und Papa und die Eltern dann Zeit haben Abschied zu nehmen, ohne den Trubel und ohne angestarrt zu werden.
    Danach leuchtet für 24 Stunde auf dem Flur eine Lampe um den Kindern den Weg zu den Sternen zu leuchten...

    Fast jede Woche brannte diese Lampe und jedes Mal musste ich weinen, obwohl ich weder die Eltern noch das Kind kannte, aber es hätte auch meins sein können...

    Ein Paar haben wir kennengelernt, deren Tochter wurde am Termin mit 4000g geboren, hatte aber leider bei der Geburt Sauerstoffmangel und da wo eigentlich das Gehirn sein müsste, war nix... Der Papa sagte mal zu meinem Mann, es breche ihm das Herz, wenn er Kinder sieht die 90g wiegen und sogar schreien und sein Kind ( ein echter Brummer ) liegt da und macht nix... gar nix. Atmet nicht, Hat die Augen zu, keine Reaktion. Die Ärzte haben dann gesagt sie sollen sich überlegen ob die Geräte abgestellt werden sollen...

    Die Maus hat dann ihren Eltern diese Entscheidung abgenommen udn ist freidlich gegangen...

    Und wir haben alles hautnah miterlebt!
    http://www.hebamme4u.net/babyTicker/bT_pics/4314.gif und wäre eigentlich:

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  5. #25
    Avatar von Deta
    Deta ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Zitat Zitat von Fluppal Beitrag anzeigen
    Leider fällt mir keine Richtige Überschrift ein aber ich hoffe ihr kapiert am Ende was ich wollte :-)

    Felix kam in der 31ten Woche zur Welt und ich wusste es ja schon 14 Tage vorher da mir da die Blase platzte. Also konnte ich mich ein wenig an den Gedanken "Frühchen" gewöhnen.
    Aber was mich auf der Intensivstation erwartet hat darauf war ich nicht wirklich vorbereitet.

    Mein Sohn sah perfekt aus und als auch der Lungenriss kein Thema mehr war und wir von der Beatmung und CPAP wegwaren wusste ich ja alles wird gut. Er muss nur noch wachsen und zunehmen.

    Der Gedanke das mein Sohn auf der Intensivstation lag war dann nicht mehr schlimm, aber ich habe es kaum ausgehalten die Schicksale der anderen mitzubekommen. Musste leider mitbekommen das es ein Junge nicht geschafft hat oder das ein Mädel ne Nottaufe bekam und die Eltern schon am Bettchen geschlafen haben weil sie Angst hatten heimzufahren. GsD ist es gut gegangen.
    Diese Situationen mitzuerleben waren für mich sehr schlimm. Das ständige Piepen, das Gerenne der Schwestern bei einer Reanimation, ich bekomm das einfach nicht aus meinem Kopf.


    Klar gab es auch viele die Heimgegangen sind oder nur eine Nacht zur Überwachung da waren, aber ich war ja doch 2,5 Monate da und hab vieles miterlebt.

    Versteht ihr was ich meine? Wie seid ihr damit zurechtgekommen?

    Gespräche führen mit Bekannten od. Verwandten? Finde ich bei mir sehr schwierig, denn alle sagen dann sobald ich anfange: "Ach hör auf ich kann das garned hören, das ist ja schlimm. Als Mama möchte ich sowas garned wissen" usw. Ja aber ich bin auch scho Mama gewesen als ich auf die Intensiv musste und mich hat keiner gefragt ob ich sowas hören, sehen oder mitmachen will.

    Ups sorry ist länger geworden. Hoffe ihr blickt durch und lasst mich an euren Erfahrungen teilhaben.

    Danke im Vorraus
    Ja, ich kann dich sehr gut verstehen. Ähnliche Situationen habe ich auch miterlebt. Mir ging der Tod eines kleinen Jungen auf der Neo auch sehr nahe ...

    Die ganze KH-Zeit war ich aber fast wie in Trance und habe irgendwie nur funktioniert. Kann das schwer beschreiben.

    Diese schwierige Zeit zu verarbeiten ist schwierig. Aber wir hatten zuerst (noch während der KH-Zeit) eine kleine Gesprächsgruppe mit ca. 6-7 Frühchen-Eltern und einem Arzt und einer Schwester als "Moderatoren" (haben uns 1x wöchentlich getroffen). Die haben unsere Fragen beantwortet und uns ggf. Trost gespendet. Das war eine tolle Begleitung!

    Später wurde unsere Gruppe mit einer weiteren Gruppe zusammengelegt und von einem Psychologen vom SPZ moderiert (übrig geblieben sind dann nur 6 Elternpaare). Die Gruppe wurde dann aber nach ca. 2 Jahren aufgelöst. Aus dem einfachen Grund, dass die Gesprächsthemen banal geworden sind: Haben wir früher über Ängste und Probleme gesprochen, sprachen wir nun über unseren ganz normalen Alltag ...

    Zusätzlich hat mir auch geholfen, das Erlebte aufzuschreiben (in diesem Fall unsere Homepage - siehe Link in der Sig). Und ich habe für Ellen und Vivien je eine Kiste, in der viele Dinge aus der frühen Zeit drin sind. Fast nach dem Motto: "Deckel zu und alles ist weg". Ich guck mir die Sachen hin und wieder an und bin dann unheimlich stolz, dass meine Mädels so wacker gekämpft haben und wir Eltern das alles auch durchgestanden haben ...
    Liebe Grüße,
    Andrea und ihre Grazien





    unser Blog






  6. #26
    Avatar von tapuach
    tapuach ist offline alte Schachtel
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Meine Tochter lag 7 Wochen auf der Intensivstation. Dort gab es zwar psychologische Betreuung für die Eltern, aber dennoch habe ich mich sehr hilflos gefühlt. Da ich noch ein größeres Kind habe, welches mich natürlich auch braucht, habe ich mich ständig gefragt, wie ich denn in der kurzen Zeit, die ich im Krankenhaus verbingen kann, denn eine Bindung aufbauen kann.
    Von den anderen Schicksalen habe ich nicht so viel mit bekommen, da die Zimmer oft nur mit 2 Inkubatoren belegt waren.
    Als meine Tochter auf die Normalstation verlegt wurde, wo sie im Moment immer noch ist, mußte ich mich erst einmal an die "Ruhe" gewöhnen. Dort war es auch möglich mit dem Pflegepersonal ausführliche Gespräche zu führen. Ich wußte nun wer in meiner Abwesenheit mein Kind versorgt.

    Aus meinem Umfeld bekam ich zu hören:"Wenn sie erst einmal daheim ist, ist alles vergessen."
    Daß dies nicht so ist, können sich außenstehende wohl schwer vorstellen.

  7. #27
    Avatar von tapuach
    tapuach ist offline alte Schachtel
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Zitat Zitat von Deta Beitrag anzeigen
    J... und habe irgendwie nur funktioniert. ...
    Das trifft es ganz genau.
    Letzte Woche habe ich mich einfach nur noch hingeschleppt. Als dann auch noch der Entlassungstermin verschoben wurde, habe ich mich wirklich gefragt, wie ich das noch aushalten soll.

  8. #28
    Jona1982 ist offline addict
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Oh deine Kleine ist ja echt zart. Darf ich fragen, wieviel zu früh sie war? Ich darf mir gar nicht vorstellen, ich hätte schon ein Kind gehabt...das hätte ich glaub ich nicht geschafft.

    Auch zu Hause wird nicht alles vergessen sein, aber ich denke den Leuten fällt sonst nix ein, was sie sagen könnten.

    Ich drücke euch ganz doll die Daumen, dass alles gut wird und ihr sie bald zu Hause habt.
    http://www.hebamme4u.net/babyTicker/bT_pics/4314.gif und wäre eigentlich:

    http://www.hebamme4u.net/babyTicker/bT_pics/4315.gif



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  9. #29
    Avatar von tapuach
    tapuach ist offline alte Schachtel
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    Sie kam 12 Wochen zu früh und wog 1290 g. Inzwischen kratzt sie jedoch an der 3 kg-Marke und stillt ganze Mahlzeiten.

    Ja, es ist schon schwierig, wenn man bereits ein Kind hat. Man kann sich eben nicht um beide gleichermaßen kümmern, vorallem, wenn eines davon im 12 Kilometer entfernten Krankenhaus liegt. Meistens habe ich die Zeit genutzt, die mein Großer im Kindergarten ist. Da er jedoch nur einen Halbtagsplatz hat, ist auch dabei der Termindruck groß.

    Danke für die Daumen.
    Gestern wurde mir ein neuer Entlassungstermin genannt. Nach der Enttäuschung in der letzten Woche, hoffe ich nun, daß wirklich nichts mehr dazwischen kommt und ich sie bald mitnehmen kann.

  10. #30
    Jona1982 ist offline addict
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    Standard Re: Wie kamt ihr im KH klar?

    ich wünsche es dir so sehr! Dann könnt ihr erstmal in aller Ruhe kuscheln und euch kennenlernen!

    Schön, dass du stillst- Meine Tochter hat leider nie begriffen wie das gehen soll und vielleicht habe ich auch zu früh aufgegeben...

    Viele Grüße,
    Jona
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