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  1. #11
    Avatar von Anke0171
    Anke0171 ist offline Poweruser
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    Standard Re: Wie seht ihr es im Rückblick?

    Im Rückblick, und das ist bei mir ein langer Rückblick (Sohni wurde 1999 in der 35. SSW mit 6 Wochen Retardierung geboren), weiß ich, dass es mit der Zeit besser wird.

    Meine Therapie gegen die viele Grübelei (war es meine Schuld? warum durfte gerade ICH keine schöne Schwangerschaft haben? warum haben alle einen schönen Kugelbauch nur ich nicht? warum hatte gerade mein Kind eine Fehlbildung?... etc.) war darüber reden. Reden, reden, reden. Ich habe in mehreren Foren geschrieben, mich mit anderen Frühchenmüttern getroffen, meinen Freunden und Verwandten viel erzählt. Mein Umfeld war sicher des öfteren genervt, aber es hat geholfen. Mit den Jahren verblasste die furchtbare, anstrengende Schwangerschaft und die Angst nach der Geburt und machte der unglaublichen Freude über meinen Sohn Platz.

    Nach und nach sind auch die Grübeleien verschwunden, wohl auch weil der Zwerg sich gut entwickelt hat und ein toller, großer, weitestgehend gesunder Junge geworden ist. In der Schule eher ein Zweier-Schüler, sportlich, spielt am liebsten Fußball, und ist ein ganz normaler Pre-Teen.

    Manchmal kommen die Gefühle aber doch wieder hoch, z. B. muss ich bei jeder Reportage über Frühgeborene im Fernsehen heulen - ausschalten kann ich es aber auch nicht. Daran merke ich, dass es immer ein Eckchen in meiner Seele geben wird, das einer glücklichen Schwangerschaft und einer unbeschwerten Geburt nachtrauert. Das ist eben ein Teil von mir.

    Ich kann Dich gut verstehen - wenn man sich auf Ärzte nicht verlassen kann, auf wen dann? Vor allem wenn es um das eigene Kind geht, ist das beängstigend. Wichtig ist, dass Du jetzt einen guten Kinderarzt/Kinderärztin hast, dem/der Du vertrauen kannst. Das wird Dir weiterhelfen.

    Jemanden zu raten ist aber immer schwierig: Jeder wird mit einem Trauma anders fertig. Der einen hilft weinen, der anderen reden, der dritten in den Wald stellen und schreien.

    Ich wünsche Euch alles Gute und Dir, dass es Dir bald leichter fällt daran zu denken.

    Gruß,
    Anke
    "Lächeln ist das Kleingeld des Glücks." Heinz Rühmann

  2. #12
    Avatar von eneib
    eneib ist offline unperfekte zweifachmama
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    Standard Re: Wie seht ihr es im Rückblick?

    Zitat Zitat von leoniesmami Beitrag anzeigen
    Hi, bis jetzt nur gelesen, selten gemeldet. Unsere Maus kam 5 1/2 Wochen ohne besondere Ursache zu früh, zwei Wochen waren wir dann auf der Frühchenstation. Hatten dort mit einer Ärztin allerdings viel Ärger, die Behinderung in den Raum stellte usw. (allerdings stellte sich heraus, dass sie zu doof war, die Befunde richtig zu lesen - sehr beruhigend).
    Mir ist aufgefallen, dass es mir noch heute sehr schwer fällt darüber zu reden.
    Wie ist das bei euch?
    mein sohn kam knapp über 4 wochen vor dem eigentlichen ET und war somit ein spätes frühchen. ich hatte gestose und plötzlich einen blasensprung. wir hatten uns eh für eine klinik mit angeschlossener kinderklinik entschieden, trotzdem hätten wir ihn bei der geburt fast verloren. die ärzte haben fast zu spät entschieden einen not-KS zu machen. mein sohn hatte massiven sauerstoffmangel unter der geburt .
    vorab sei gesagt, dass er total gesund ist, aber im nachhinein war es die schlimmste zeit meines lebens. das schlimmste ist, dass es nicht hätte so sein müssen.

    für mich kam alles sehr überraschend, angefangen vom blasensprung. mit dem KS hatte ich keine probleme, man sagte mir, dass der kleine groß genug sei um nach der geburt wahrscheinlich nur ins wärmebett zu müssen. naja, es wurden 1 1/2 neo-intensiv + ne woche normale neo-station daraus.
    ich erwachte also ohne kind und wurde danach nur mit medizinischen fachbegriffen zugetextet. keiner erklärte mir genau, was passiert ist und was es bedeutet. die assistensärzte stellten mir diverse behinderungen in aussicht, während die oberärzte zuversichtlicher waren.
    entwarnung bekamen wir erst nach einem halben jahr. eine grauenvolle zeit. ich habe viel darüber gesprochen, aber auch gemerkt, dass die meisten menschen über derartiges gar nicht reden wollen.

    meine tochter war eine kontrollierte frühgeburt. ich hatte echtes pech und ne placenta praevia totalis. bei 32+3 fingen die ersten blutungen an, bis dahin hatte ich eigentlich ne schöne schwangerschaft.
    dieses mal wählte ich eine andere klinik. die neo-intensiv lag direkt an der wöchnerinnen-station, ärzte und pflegepersonal nahmen sich viel zeit für gespräche, klärten uns gut auf.
    nach der geburt (kaiserschnitt) bei 34+0, die gut verlief, wurde ich regelmäßig von seelsorgern angesprochen. ich habe das gesprächsangebot gerne wahr genommen, allerdings habe ich fast nur über die entbindung meines sohnes geredet.

    ich habe 2 gesunde kinder. ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich mir vorwürfe mache, kein kind zeitgerecht geboren zu haben. ich merke, wie es mich nervt mir andauernd anhören zu müssen, dass meine kleine für ihre fast 8 monate aber noch klein ist (sie wäre ja auch aktuell erst knapp über 6 monate alt), auch wenn ich weiß, dass in spätestens nem jahr kein hahn mehr danach kräht.

    wann ich meine frühgeburten 100%ig verdaut habe weiß ich noch nicht. ein kleiner restschmerz wird wohl immer bleiben. im zweifel reißt die wunde immer auf, wenn ich eine schwangere treffe die weiter ist als in der 36. SSW. weiter kam ich nie. ich hatte nie ein kind direkt am bett, ich bin nie mit kind nach hause entlassen worden. mein wochenbett verbrachte ich teilweise autofahrend, um bei meinen kleinen zu sein. die zeit des restwochenbettes war bei meinem sohn durch meinen schockzustand geprägt. bei meiner tochter konnte ich das restwochenbett nicht genießen, weil wir kurzfristig nen neuen kindergartenplatz für meinen sohn suchen mussten.

    aber... ich bin dankbar für 2 gesunde kinder. ich kenne viele, denen nicht mal eine schwangerschaft vergönnt war und viele, die ihre kinder während der schwangerschaft verloren haben.

    ich denke jeder hat sein päcklein zu tragen und das ist eben meins.
    eneib
    meine liebe bino ist Septermberkind

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    Gute Erziehung besteht darin, das man verbirgt, wieviel man von sich selber hält und wie wenig von den anderen.
    [Jean Cocteau]


  3. #13
    Blumi77 ist offline Stranger
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    Standard Re: Wie seht ihr es im Rückblick?

    Zitat Zitat von leoniesmami Beitrag anzeigen
    Ich fühlte mich ähnlich alleingelassen - wobei bei uns auf der Station für die Gebärenden es auch so war.
    Und da ich einen vorzeitigen Blasensprung hatte und bei meinen Eltern war, war auch nichts mit Klinik aussuchen.
    Nee, ich glaube, sehr geschockt hat mich dieses Verhaltenn dieser Ärztin, die "mal eben" in den Raum gestellt hat, dass unser Kind wahrscheinlich schwerstbehindert ist (hat später ziemlich Ärger von der Oberärztin bekommen - recht so). Für mich hatte ich während der zweiten Schwangerschaft immer Angst, dass es zu einer Behinderung kommt - vollkommen unbegründet und ohne jeden Verdacht(wahrscheinlich aufgrund dieses unglaublich kompetenten Verhaltens), außerdem hatte ich dann schon wieder Wehen so ab 29.-30. Woche, so dass nur noch daraufhin gearbeitet wurde, nicht schon wieder ein Frühchen zu bekommen.

    Meine Mäuse sind beide gesund und die erste ist jetzt auch 3 Jahre alt, alles ok, aber ich habe für mich gemerkt, dass da was geblieben ist.
    Hallo :-),
    ich kann Dich gut verstehen, bei mir war es ähnlich. Mein Kleiner kam 14 Wochen zu früh zur Welt. In der Klinikzeit funktionierte ich. Der 1. Zusammenbruch kam als man eine Frühgeborenenretinopathie diagnostizierte. Im Internet war dann oft als Spätfolge Blindheit aufgeführt. Ich habe wortwörtlich keine Luft mehr vor Angst bekommen bis Arme und Beine taub waren. Ich denke, solche extremen Situationen bleiben einfach haften. Die 2. schlimme Zeit kam bei mir erst nach der Klinik, obwohl da ja schon fast alles überstanden war. Aber Zuhause habe ich erst die Zeit gehabt, darüber wirklich nachzudenken. Da hat mich dann bspw. gequält, dass es eine Zeit gab, in der ich nicht an meinen Kleinen geglaubt habe und mich fragte, ob es besser gewesen wäre, wenn er die Quälerei nicht hätte durchmachen müssen. Es beschäftigt mich auch nach 1,5 Jahren so Einiges - aber es wird besser. Mir haben Gespräche geholfen, aber auch das Fertigbekommen des Videos und Fotoalbums des ersten Lebensjahres - in denen ich nochmal alles durchgegangen bin und nun "ablegen" kann. Ich wünsche Dir alles Gute!

  4. #14
    Avatar von ameliasmama
    ameliasmama ist offline old hand
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    Standard Re: Wie seht ihr es im Rückblick?

    mir fällt es auch heut noch schwer drüber zu reden und hab tränen in den augen, wenn ich dran denke. meine tochter kam allerdings über 11 wochen zu früh zur welt und meine fa war schuld daran. sie hat mir aus geldgier nen gebärmutterring gelegt, der eigentlich nicht nötig war. und der ring verursachte die gebärmutterentzündung, weshalb amelia es nichtmehr bei mir aushielt. das waren 9 wochen dauerschmerzen mit unglücklichem ende. amelia kam dazu mit herz- und atemstillstand zur welt und musste 5 tage beatmet werden. sie war von der entzündung völlig aufgedunsen und ein wirklich trauriger anblick.

    ich gebe mir heut noch die schuld, dass ich keine zweite meinung eingeholt habe und viel zu spät dann ins krankenhaus gefahren bin, weil meine fa mir einredete die krämpfe, die ich hab seien keine wehen. waren aufm ctg nicht angezeigt, weil sie übern rücken gingen.

    im anschluß entzündete sich noch mein kaiserschnitt und im krankenhaus hat mir keiner geglaubt..... ich hab 5 ärzten an 4 tagen erzählt, dass die schmerzen immer schlimmer werden.... zur abschlußuntersuchung kam ich im rollstuhl und bekam nur gesagt "haben se sich nich so". 2 stunden nach der untersuchung platzte der ks auf und ich versaute das ganze bad. dann hats auch nur 8 stunden gedauert bis meine wunde versorgt wurde.... das bad durfte der mann meiner nachbarin sauber machen, weil ja zitat "schwestern keine putzkräfte sind und die putzkraft kommt erst morgen".

    9 wochen hab ich auf der frühchenintensiv verbracht. nach der ersten woche wars eigentlich nichtmehr schlimm, weils amelia gut ging..... nur die 14 tage die ich dort auf der gynäkologie verbringen durfte waren die hölle.

    naja nach 3 wochen spülen der wunde dann haute mir einer der idioten dann nochn kunstfehler rein. er benutzte die falsche spüllösung (alkohol) und spritzte mir das ganze unter die haut, weil er ja mit ner spitzen nadel in die ihm unbekannte wundhöhle ging (hatte da nie den selben arzt zweimal gesehen). die höllisch brennenden schmerzen danach veranlassten mich zum krankenhauswechsel und dort wurde mir das zeug dann aus der wunde gedrückt... ich hätte im dreieck springen können, so weh tat das.

    der ks wuchs dann extrem vernarbt zu und verursachte dauerschmerzen bei fast jeder bewegung. meine bauchmuskeln konnte ich kaum benutzen und da fiel aufstehen, bücken etc echt schwer. erst mit dem zweiten ks nach 2,5 jahren wurde das dann korrigiert.

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